Von all den Dingen während der Babyzeit von Kalle und Michel, die mir damals unvergesslich erschienen, habe ich jetzt schon große Teile vergessen. Bis sie sich in Déjà-vu-Form wieder melden und auf einmal wieder ganz klar vor mir stehen. Zum Beispiel die einzigartige Art, wie sich jeder Zustand mit Baby anfühlt wie "Für immer", während er in Wahrheit das genaue Gegenteil ist - selten ändert sich das Leben so komplett innerhalb so kurzer Zeit, und das immer wieder, wie mit Baby. Noch vor drei Tagen hatte ich ein Baby, das große Teile des Tages verschlafen hat: im Kinderwagen, im Stubenwagen, bäuchlings auf der Spieldecke, in meinem Arm, im Bett seiner Brüder. Jetzt schläft sie praktisch nie, außer, sie hängt auf meinem halbnackten Oberkörper. Ich weiß, dass es sicherer ist, sie in den Babybay zu legen, aber im Moment muss ich die Nächte in einem halbalarmierten Zusammenzuck- und Dämmerzustand verbringen, denn sie schläft wirklich nur, wenn sie unter meine Decke darf.
Aber jetzt! Jetzt gerade schläft sie, und nachdem ich gerade schon einmal mit dem Bulldozer durch die Wohnung gefahren bin, meine Hühnerflügel im Ofen sind, der Duft von Thymian den Raum erfüllt und die Waschmaschine läuft, kann ich tatsächlich am Rechner sitzen und posten. Es ist nicht zu fassen! Eigentlich müsste ich die Flasche Sekt aufreißen, die für den Babybesuch nachher kalt steht, aber irgendwas war da... irgend ein Grund, warum das nicht geht... nee, fällt mir nicht ein. Ist das schön ruhig hier!
Trotz großer Freude über die kleine Babypausenpause muss ich noch mal schreiben, wie verliebt ich in dieses kleine Mädchen bin. Ich war nie ein Babymensch, jetzt bin ich einer. Dass sie das geschafft hat, will einiges sagen, kennt ihr "Monsters Inc." und damit auch den Boo-Effekt? So ungefähr. Ich bepeste meine Freundinnen täglich mit Fotos per What's App, ich kaufe klitzekleine Sachen für viel zu großes Geld, ich streichle so oft über diesen weichen kleinen Kopf mit den roten Haaren, dass bald vermutlich kreisförmiger Haarausfall entsteht, und ich wünsche mir nichts mehr als Zeit in Ruhe allein mit ihr. Heute morgen hatte sie wieder nichts in der Windel, gestern auch den ganzen Tag schon nicht, und bis der Kinderarzt mich zurück gerufen hat und mir alles über den Babydarm und seine Entwicklungsschübe erklärt hat (der Ärmste hat noch keine Ahnung, was in den nächsten Wochen auf ihn zu kommt), hatte ich den schlimmsten Film der Welt im Kopf. "Ist die jetzt eine von denen?" Ja, die ist jetzt wohl eine von denen. (Vielleicht bin ich altersgerecht jetzt aus der gefühlt etwas vermurksten Mütter- direkt in die Großmütter-Phase geglitscht, und daher die neue Fürsorglichkeit und Entspannung? Wer weiß...). Übrigens setzt sich das Schema aus der Schwangerschaft nahtlos fort in die Babyzeit: es gibt da draußen zu garantiert jeder Frage einer Babymutter eine Seite, die auf den ersten Blick ganz fürsorglich und seriös wirkt, und die trotzdem dringend rät, mit genau diesem Pups unbedingt sofort in die Notaufnahme zu fahren, denn dahinter kann eine schwere, lebensbedrohliche und fast unweigerlich schwerste Behinderungen oder Verderben nach sich ziehende Krankheit stecken.
Wartet mal, war da was?
Da war was.
strawberry chiffon shortcake, perfected
vor 1 Woche