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Freitag, 16. Oktober 2015

Der Lack ist ab.

Da hätten wir erstens das Pipiproblem. Ich will nicht schon wieder ausholen, aber es ist immer noch da. Immer dann, wenn ich nicht dran denke und es eilig habe, immer dann, wenn mich ein Nieser oder Huster ohne Vorwarnung erwischt, immer dann, wenn ich auf einem nassen Blatt ausrutsche oder umknicke, und am liebsten dann, wenn alle Hosen außer dieser gerade in der Waschmaschine kreisen oder wenn ich auf dem Weg irgendwohin bin, wo ich eine nasse Hose nicht gebrauchen kann (und seien wir ehrlich, wo kann man die gebrauchen?)

Dann die Krampfader. Ich hatte die OP, die blauen Flecke sind so gut wie verschwunden, zur großen Enttäuschung von Kalle, der immer noch täglich darum bittet, sie sehen zu dürfen. Die Schnittstellen sind immer noch dunkellila, aber auch das wird verschwinden. Was aber geblieben ist, ist ein dumpfiger Schmerz in der Wade, und genau seinetwegen habe ich die OP überhaupt machen lassen. Kann also gut sein, dass der Arzt da noch mal ran muss. Vielleicht hat das aber auch mit der Krampfader gar nichts zu tun, sondern liegt an... tadaaa...

Der Hüfte. Ich weiß noch nicht mal genau, ob das anatomisch korrekt die Hüfte ist. Aber sie tut weh, so weh, dass ich manchmal laut aufheule, wenn ich morgens aus dem Bett steige oder nachts um fünf, um eine Flasche zu machen für Michel. Nachts und morgens ist es am schlimmsten. Heute nacht dachte ich schon, ich hätte einen Kniff gefunden: mit einem dicken Kissen zwischen den Knien schien es etwas besser zu gehen. Aber am Morgen wurde klar, dass ich dafür dann beim Aufstehen den doppelten und dreifachen Preis bezahlen muss. Der Orthopäde hat gesagt, ich soll ruhig Ibuprofen nehmen (und der Venenarzt hat sowieso gesagt, das soll ich rund um die Uhr nehmen, dann verschwinden die Hämatome schneller), aber davon wird mir langsam gelinde gesagt schlecht. Nächsten Donnerstag habe ich einen Röntgentermin. Mit dem Röntgenbild gehe ich dann wieder zum Orthopäden. Sollte der (was er schon angedeutet hat) daraufhin ein MRT oder sowas wollen, dann werde ich ihn bitten, sofort zum Hörer zu greifen und mir innerhalb der nächsten Stunden eins zu besorgen, denn ich will keine weiteren Wochen darauf warten, das geht hier nicht mehr lange gut. Er vermutet aber "etwas Rheumatisches, vielleicht auch einen Lupus." Womit wir schon wieder beim nächsten Punkt wären:

Der Magen. Ich weiß nicht, was da los ist. Ich bin nur froh, dass ich gerade erst eine Darmspiegelung hatte, wenigstens da bin ich sauber. Denn irgendwas ist faul. Vielleicht ja wirklich nur Ibuprofen. Aber ich habe so gut wie keinen Appetit auf gar nichts mehr. Ich hatte mich schon gefreut, nach der Geburt ziemlich fix wieder dünn zu sein, genauer gesagt, jetzt neuerdings dünn, denn dünn war ich genaugenommen vorher seit zehn Jahren nicht gewesen. Jetzt bin ich zwar dünn, aber auch wieder nicht glücklich (q.e.d.). Ich stehe im Supermarkt und bin völlig ratlos, was ich essen und kaufen will. Der vegetarische September war auch deshalb ein Erfolg, weil ich einfach auf nichts Bock hatte, weder auf Rippchen noch auf Steaks oder Hähnchenflügel. Es ist auch auf keinen Fall ein Überdruss am üblichen fettigen Essen, von dem ja gerade so viele Leute erzählen, die einen in Bahnen lenken wollen, an deren Ende Quinoa und Paleo und was weiß ich stehen. Ich habe genau so wenig Lust auf vietnamesische Brühen mit Zitronengras und Chili wie auf Schweinebraten. Das war noch nie, so weit ich mich erinnere, und es gefällt mir nicht.

Und dann ist da noch der Husten. Den hat mir meine Osteopathin verpasst, die hatte mich vorgewarnt, erkältet zu sein. Erkältet war ich selbst gerade, deshalb habe ich mit der mir eigenen Arroganz in Gesundheitsdingen gesagt, das kann ich ab. Jetzt huste ich, und jeder Huster fährt mir wie ein Messer durch die Hüfte (davon, dass nach manchen die Hose nass ist, wollen wir gar nicht sprechen). Wenn es eins gibt, was noch ätzender ist als Reizhusten, dann ein Reizhusten, dem man nicht nachgeben darf.

Und dann habe ich auch noch gerade meine Tage. Was nicht weiter der Rede wert wäre, wenn nicht... Moment... fing nicht der allererste Post dieses Blogs, damals, 2009, genau so an? Egal. Wenn ich sie nicht vor zwei Wochen schon gehabt hätte. Das kann nicht gut sein. Entweder, die Myome sind wieder da, oder was weiß ich. Nächste Woche habe ich zum Glück auch einen Termin bei meiner Frauenärztin, dann sehen wir weiter, was für neue Gesundheitsabenteuer auf mich warten oder vielleicht auch nicht.

Öchö, Öchö. Hust, Hust. Blut, Blut. Stöhn, Stöhn. Humpel, Humpel. Ächz, Ächz. Das ist doch kein Leben für ein... äh... 42jähriges junges Mädchen!



Mittwoch, 16. Februar 2011

Da fällt mir ein, Konfetti hätten wir sowieso nicht im Haus

Einen Tag danach liege ich ächzend und schnaufend auf der Matratze im Wohnzimmer, der Bauch ist immer noch dick (ich sollte vielleicht mal messen?), ich blute auch - aber alles ist im Rahmen dessen, was auf dem Zettel steht, den ich zur Entlassung mitbekommen habe. Neben dem Rat, möglichst bald zu meiner Kinderwunschärztin zu gehen - denn "jetzt, wo alles so schön aufgeräumt ist da unten", sollen wir bald weitermachen. Ja gut. Die Erfahrung zeigt, dass mein Bauch da wieselflink ist: die Zeit, die man nach einer OP im Schongang verbringen muss - nicht Rad fahren, nicht joggen und schon gar kein neuer Befruchtungsversuch - diese Zeit nutzt er effektiv aus, um wieder vollständig zu verkrauten. Aber vielleicht wird ja diesmal alles anders.

Gerade wird mir klar, dass ich gerade jetzt um diese Zeit zweijähriges IVF-Jubiläum feiere. Ich glaube, letztes Mal ging es Ende Februar los, nachdem wir von der kleinen ersten Hochzeitsreise zurück waren. Noch nicht so richtig, aber mit Synarela. Wir waren damals schon seit ein paar Monaten in unserer alten Klinik, hatten Aids-Test und erste Voruntersuchungen überstanden, ich hatte die Babyfoto-Collagen im Flur gesehen und gedacht, das hier wird ein Spaziergang für uns - wäre doch gelacht, wenn das bei uns nicht auch klappen würde. Jetzt, zwei Jahre später, stehen angeblich die Chancen so gut wie nie: immerhin ein Eileiter ist frei, das größte und mieseste Myom ist aus dem Weg geräumt, und mein Bauch ist "aufgeräumt". Dazu kommt auch noch, dass wir gerade perfekt eingerichtet wären auf ein Kind. Wir haben ein großes Haus mit jeder Menge Platz, der Hund ist aus dem Gröbsten raus, ich kann fast so arbeiten, wie ich will, der Spielplatz ist direkt gegenüber, ich muss nur aus dem Wohnzimmerfenster gucken. Wieso kriege ich mich gerade auf meiner Matratze nicht dazu, innerlich mit Konfetti zu werfen?

Und trotzdem - ich weiß nicht, wie mein Hirn das anstellt - bin ich mir ganz sicher, dass ich in zwei Jahren ein Kind habe. Oder sogar zwei. Dass ich mit einem klobigen Zwillingskinderwagen durch die Welt schiebe und Bahnreisenden und Fußgängern entsetzlich auf die Nerven falle mit dem Riesending. Dass ich den Tag noch verfluche, an dem ich mir meine erste Spritze gesetzt habe, weil mir an einem Sonntag morgen um sechs plötzlich wieder einfällt, wie sehr ich früh aufstehen hasse, und dass ich nicht halb so oft mit den Kindern Pasta kneten oder Plätzchen backen werde, wie ich mir jetzt vornehme.

Sonntag, 16. Januar 2011

Nachrichten aus dem Hundesportverein

Während L. am anderen Ende der Stadt seinen Gegnern die Plastebälle um die Ohren haut, hängen Lili und ich hier in den Seilen. Lili hatte nämlich gestern den ersten Übernachtungsbesuch ihres Lebens zu Gast. Püppi ist beruflich Labrador, sechs Monate alt und besteht nur aus Zähnen und Schwanzwedeln. Und weil unsere kleine Fellfee mit ihren 14 Monaten auch noch ziemlich welpig ist, haben die zwei von gestern Abend bis Mitternacht und heute früh ab sieben getobt. Zwischendurch waren sie so wild, dass ihre Konturen verschwommen sind. Jetzt sind die zwei dicke (und müde) Freundinnen, und ich habe die Erkenntnis gewonnen, dass Labradore die verfressensten Tiere der Welt sind. Wenn Püppi frisst, dann ist das so, als würde sie kurz den Napf mitsamt Futter in den Mund nehmen, das Futter runterschlucken und den Napf wieder ausspucken. Als ich erschrocken Lilis Futter in Sicherheit bringen wollte, damit der kleine Gast sich nicht den Magen verdirbt, ist sie fast aus dem Stand auf den Küchentisch gesprungen und hat sich den Rest auch noch geholt. Kein Wunder, dass Labradore leicht zu erziehen sind, man muss wirklich nur ein schäbiges, trockenes Stück Hundefutter in der Hand halten, und schon lesen sie einem jeden Wunsch von den Lippen ab. Demgegenüber gab es mit Lili schon Momente, in denen ich ihr mit einer Scheibe Serrano-Schinken in der Hand hinterhergerannt bin, ohne dass sie Anstalten gemacht hat, gefälligst zu tun, was Frauchen will.

Mann, war das niedlich. Und anstrengend. Und niedlich. Und anstrengend. Und niedlich.

Ansonsten habe ich endlich mal wieder Kinderwunschnews: ich habe einen OP-Termin für meine Kontroll-Bauchspiegelung, bei der hoffentlich herauskommt, dass das mit der Endometriose und den Myomen nicht so wild ist diesmal und ich schon mal mit dme Gedanken spielen kann, im Herbst eine Babykugel durch die Gegend zu schieben. Am 14. Februar bin ich dran, wodurch L. und ich zum Glück den Valentinstagsfeierlichkeiten entgehen, und der außerdem ein Glückstag ist, weil eine sehr liebe (und sehr willensstarke) Freundin an einem Valentinstag vor vielen Jahren von heute auf morgen und tatsächlich für immer und ohne Ausnahme mit dem Rauchen aufgehört hat. Von zwei Schachteln pro Tag runter auf null. Der 14. Februar ist also in meiner Welt ein guter Tag für Ereignisse mit Gesundheitsbezug.
Und diese Woche Dienstag ist mir zum ersten Mal etwas passiert, wovor ich immer Angst hatte, was sich aber (wie fast alle Kinderwunschbezogenen Angstthemen bisher) dann doch als halb so wild entpuppt hat: ich bin beim Enantone spritzen auf Blut gestoßen. Ich hab alles so gemacht wie immer, aber statt des winzigen Blutströpfchens, das sonst manchmal aus dem Löchlein quillt, hat es diesmal geblutet und geblutet. Aber jetzt ist alles wie immer: dicker braunblauer Fleck, darunter ein Knubbel, in dem sich das Enantone-Depot für die nächsten Wochen befindet. Wenn ich draufdrücke, tut es weh, also drücke ich einfach nicht drauf.

Dienstag, 14. Dezember 2010

Schon wieder vorbei, das Minihoch.

Vor vier Wochen bin ich nach langer Zeit mal wieder im Geiste pfeifend aus einer Kinderwunschklinik spaziert. Meine Gebärmutter sah "glatt" aus (was auch immer das heißen mag, der Gesichtsausdruck meiner Ärztin zu dieser Nachricht war verheißungsvoll), zumindest ein Eierstock produzierte trotz ausdrücklichem Hormonverbot, was ebenfalls ein gutes Zeichen zu sein schien, und meine Ärztin war bester Dinge. Heute zeigte sich ein funkelnagelniegelneues Myom in meiner Gebärmutterwand, das da vor vier Wochen noch nicht war, die Gebärmutter war verschoben (hätte die Osteopathin danebengestanden, hätte sie gesagt "siehste, siehste"), und die Ärztin war schon nicht mehr ganz so euphorisch, sondern erklärte mir, genau solche Späße wären der Grund, warum sie gerne im Januar noch mal eine Bauchspiegelung mit mir machen lassen würde. Ja gut. Dann gab es noch ein neues Enantone-Rezept, und ich musste schnell-schnell zurück in die Agentur, in der ich heute gebucht war, denn für die übliche Nach-Klinik-Belohnungs-Mittagspause beim kleinen Italiener war leider keine Zeit. Statt Pasta und einem Achtel Rotwein gab es ein Bounty vom Kiosk. Aber damit war der Ärger noch nicht vorbei: in der Hormone-Speziale-Apotheke war Enantone aus, und in der anderen Apotheke gegenüber der Agentur händigte man mir kurz vor Schließung ein Päckchen aus, das dem vom letzten Mal so gar nicht ähnlich sah. Diesmal gab es keine patente Einmalspritze, sondern Spritze, zwei Nadeln und ein Fläschchen mit Pulver. Ich dachte natürlich, das kriege ich hin. Letzten Endes hab ich das auch hingekriegt, eben gerade, vor einer halben Stunde. Aber ich bin heilfroh, dass das nicht meine erste selbstverpasste Spritze war, denn dann würde ich jetzt mit den Zähnen klappernd in der einen Zimmerecke kauern, während die noch unerledigte Spritze in der anderen liegen und die Nadel bösartig im Tranfunzellicht funkeln würde. Die Krux war nicht die Tatsache, dass es wieder mal darum ging, sich eine Nadel in die eigene liebe Haut zu rammen, sondern die Gebrauchsanweisung, in der mindestens die Hälfte fehlte. Es war z.B. keine Rede davon, dass man sowohl von Pulvergefäß als auch von der Spritze noch einiges zu entfernen hatte, bevor es losgehen konnte, und die Zeichnungen sahen überhaupt nicht so aus wie die Bauteile des Hormonbastelsets. Dann war da noch in gefetteter Schrift die Rede davon, man sollte die Nadel unbedingt IM Uhrzeigersinn aufschrauben. Nach ein paar vergeblichen Versuchen war klar, gemeint war gegen den Uhrzeigersinn. Nachdem ich die Flüssigkeit aus der Spritze wie angewiesen in den Pulverflakon gespritzt und das ganze gut durchgeschüttelt hatte, war der Flakon voller Schaum und entsprechend schwierig zurück in die Spritze zu saugen. Fast genau so schwierig war es dementsprechend, die Luft aus der Spritze zu drücken (wovon in der Anweisung keine Rede war, genau so wenig wie davon, die Hautstelle mit Alkohol zu desinfizieren). Und dann die Nadeln: die eine war dazu da, die Flüssigkeit in das Pulver zu drücken und das Gemisch zurück in die Spritze zu saugen, dann sollte sie weg, und die andere sollte zum Injizieren aufgesetzt werden. Meine Intuition (sprich: meine alte Feindin Spritzenangst) sagte mir, dass zum Injizieren in jedem Fall die Kleinere genommen werden sollte. Falsch: laut Anweisung und Folie auf dem Rücken der Spritzenverpackungen war es die größere, obwohl die nun deutlich größer aussah als die Nadeln, die wir Hormondamen sonst von Selbermach-Spritzen gewohnt sind.
Das war alles nicht schön. Wäre es gerade um ein IKEA-Regal gegangen, hätte ich herzlich gelacht und das ganze in meiner Anekdoten-Sammlung für wirklich, wirklich langweilige Parties abgelegt. Aber das war kein IKEA-Regal, das war das Hantieren mit Kanülen, Hormonen, Luft, Haut und Ängsten.
Na gut. Die Spritze ist jetzt eine halbe Stunde her, hat zwar dank langer, langer Nadel mehr Überwindung gekostet als sonst, aber dafür nicht mehr gepiekst, ich habe bisher keinen Schlaganfall erlitten und werde morgen bestimmt munter (und mit frischer Bauchbeule) aufwachen. Aber, liebe Hersteller der Pulvervariante von Enantone: ich kenn da eine, die schreibt ausgezeichnete Texte zum Thema Medizin und Pharmazie, und die wäre bestimmt bereit, für einen vernünftigen Preis eine neue, fabelhafte Gebrauchsanweisung für euer vernünftiges, fabelhaftes Medikament zu schreiben.

Dienstag, 21. September 2010

Ich fasse es nicht.

Jetzt ist die Visite mit den freien Eileitern schon... Moment... vier Tage her, und ich habe es immer noch nicht verstanden.

Also entweder, vor anderthalb Jahren waren meine Eileiter verstopft, und nun sind sie frei.
Wenn das der Fall wäre, dann müsste ich mal kurz rekapitulieren, womit die letzten anderthalb Jahre so vergangen sind.
Zum Einen habe ich so gut wie immer, wenn gerade kein Zyklus angesagt war, die Pille genommen. Dann habe ich mir ständig größere Mengen widerlicher, mit Sicherheit ungesunder und zweifelhafter Substanzen zugeführt. Ja, ich spreche von den Spritzen, Pasten, Sprays und Pillen, nicht meinen Kochkünsten. Aber auch die sollten Thema sein: letztes Jahr war das Jahr des Schweinerippchens. Es gab Zeiten in den letzten 12 Monaten, da habe ich mir an vier Abenden (vor allem an L.s Tischtennisabenden) Rippchen im Ofen gegrillt. Lüften lohnte sich eigentlich kaum noch, weil die Bude sowieso dauernd vom fettigen, köstlichen Dunst erfüllt war. Zum Glück haben wir unsere Wäsche im Keller getrocknet. Es gab außerdem Pastawochen, Kuchenmonate und Zeiten, in denen ich nicht das Haus verlassen konnte, ohne mir bei der ersten Gelegenheit ein Eis zu holen. Und dann habe ich auch noch unbedingt und erfolgreich meinen alten Freelancer-Traum aus Zeiten der Angestelltenknechtschaft wahrmachen müssen: an irgend einem Tag, wie z.B. einem hundsgewöhnlichen Mittwoch, mangels Auftrag und anderen Verpflichtungen durch eins meiner Lieblingsviertel zu bummeln, irgendwo, wo es gut riecht, anzuhalten, einen Teller Pasta zu essen und dazu ein Glas Wein zu trinken. Am hellichten Tag. Während andere Leute arbeiten, das Treppenhaus putzen oder das Auto waschen. Aber nicht nur Mittags habe ich Alkohol getrunken. Nein, Abends auch, und zwar ziemlich oft und ziemlich viel! Und sogar Zigaretten gab es an und an, und wenn es mal welche gab, dann auch davon ziemlich viele! Irgendwann kam auch der Chinamann ins Spiel, aber wenn ich ganz ehrlich sein soll, dann habe ich zwar Kräuter brav geschluckt und bin auch zu meinen Nadelterminen gegangen, aber wenn ich behaupten würde, ich hätte mich auch an den Ernährungsplan stramm gehalten (keine Avocado, keine Oliven, wenig Rindfleisch, keine Lammkoteletts, kein Weizen, kein Chili, kein Lachs usw.), dann würde mir eine Nase wachsen, die vom Weltall aus zu sehen ist.
Wenn ich also noch ein mal in einem Fruchtbarkeitsbuch lese, gesunde Lebensweise würde dazu führen, dass sich manchmal die Eileiter wieder öffnen, dann werde ich so dreckig lachen, wie ich kann.

Die andere Möglichkeit wäre, dass die Ärzte vor anderthalb Jahren im anderen Krankenhaus Mist gebaut haben und meine Eileiter die ganze Zeit frei waren. Die ganze lange Zeit, während ich in meine Klinik marschiert bin, mir Spritzen gesetzt und mein spärliches Geld auf den Tresen der Apotheke gepackt habe. Über diese Möglichkeit möchte ich eigentlich nicht nachdenken. Denn auch damals hatte ich ein gutes Gefühl in der Klinik, meine Ärztin wirkte nicht so, als würde ihr so etwas passieren, und überhaupt, wieso sollte so etwas sein? Das klang doch immer nach einer ziemlich idiotensicheren Prozedur, dieses Durchspülen.

Bin ich gespannt auf meinen nächsten Termin in der neuen Klinik. Ich kann mir gut vorstellen, dass es das für uns noch nicht war. Schließlich sitzen dort im Wartezimmer auch Leute, die keine verschlossenen Eileiter haben, mir bleiben immer noch Endometriose, Zysten, Myome und ein nicht mehr ganz taufrisches Alter. Nicht zu vergessen den Hörnchenuterus, auch wenn der angeblich ja kein Problem darstellen sollte.

Donnerstag, 16. September 2010

Morgen, Myome, wird's was geben.

Morgen früh um sieben habe ich da anzurücken. Einerseits schade, wäre doch schön gewesen, wenn die großen Ferien mit Ausschlafen anfangen. Andererseits: auch nicht schlecht, noch ganz ausgeruhte und unverbrauchte Ärzte um sich zu haben. Ich war heute noch fix ein paar präsentable Schlafanzüge, Socken und Unterhosen kaufen, damit ich mich nicht genieren muss, duschen war ich auch schon, und gleich packe ich meine Tasche. Alle sind sehr niedlich und wünschen mir so dermaßen feste alles Gute, dass eigentlich nichts schief gehen kann.

Liebe Abkürzungsdamen, ich melde mich bestimmt so schnell wie möglich nach der OP!

Und ihr, Myome, genießt eure letzten Stündlein. Jetzt ist es nämlich vorbei mit dem Spaß.

Freitag, 10. September 2010

Nachrichten aus dem Gulag

Die letzten Tage liefen für gewöhnlich so ab: morgens klingelte viel zu früh der Wecker, ich sortierte die verschiedenen Malaissen meines Körpers im Klammergriff von Myomen und Endometriose, ging im eiskalten Bad (mir graut vor dem Winter, Einfachverglasung) duschen, stand, ehe ich michs versah, mit Lili auf der Wiese, sammelte ihre Prachtwurst ein, gab sie (den Hund, nicht die Wurst) schnell zuhause ab und machte mich mit Rechner und Thermoskanne im Gepäck auf den Weg in die Stadt. Dort arbeitete ich bis Abends um sieben, stieg in die Bahn nach Hause, warf dorf fluchend meine Tasche in die Ecke, klappte den gerade erst ausgeschalteten Rechner wieder auf und machte mich wahlweise (oder auch gleichzeitig) daran, meinen anderen Auftrag abzuarbeiten, das Buch korrekturzulesen, zu spülen, zu kochen, zu essen und wenigstens die notwendigsten Instandhaltungsmaßnahmen wie bügeln, waschen oder Nägel schneiden zu erledigen. Dann chapüh und wieder von vorne.

Fällt euch was auf? Posten kommt in dieser Aufzählung nicht vor. Und dabei hätte ich sogar was zu erzählen. Z.B., dass ich mir gerade ziemliche Sorgen mache, dass meine Halsschmerzen bis zum OP-Termin noch schlimmer werden und die mich dann doch nicht aufschneiden. Oder die Überlegung, ob ich das nun demnächst wirklich, ganz ehrlich und mit allen Konsequenzen durchziehen will mit dem TCM-Bootcamp. Daran ist nicht nur die Zeit schuld, die gestern geschrieben hat, das wäre doch alles immer noch esoterischer, als es sein sollte. Unabhängig davon schmort dieses Thema nun schon seit einigen Tagen in mir: will ich wirklich so viel Geld dafür ausgeben, jemanden in meine Ernährung eingreifen zu lassen, an dessen Vorschriften ich mich sowieso nicht halten werde, wie ich mich kenne? Woraufhin ich ständig ein schlechtes Gewissen haben werde, und das, wo in meiner Welt Schuldgefühle beim Essen nichts verloren haben? Hm.
Das alte Hottehü. Äh, Hü und Hott.

Samstag, 4. September 2010

Schluss mit lustig

Heute in zwei Wochen werde ich mit ein paar frischen Löchern im Bauch dem langen, dumpfen Krankenhausabend entgegendämmern. Und ich finde, es wird diesmal wirklich Zeit, unters Messer zu kommen.
Natürlich bin ich nicht scharf auf die Wochen danach, in denen ich weder Radfahren noch Schwimmen noch sonstwas darf, und ich habe auch nicht mehr Spaß als andere Menschen daran, zu duschen, während 30% meines Körpers nicht mit Wasser in Berührung kommen dürfen und gleichzeitig so fröhlich orange leuchten, dass ich nichts lieber täte, als mit der Nagelbürste draufloszuschrubben. Trotzdem finde ich, es könnte jetzt mal so weit sein.
Seit sechs Wochen blute ich jetzt jeden Tag. Zwar immer nur ein bisschen, aber es vergeht trotzdem kein Tag ohne Blut. Und ohne die dazu passenden Regelschmerzen auch nicht. Und selbst ich, auch bekannt als Runter-damit-Flora, habe Skrupel, jeden Tag mit einer Ibuprofen ein- und auszuläuten. Dazu kommt noch, dass ich inzwischen so ca. alle 90 Minuten auf die Toilette muss. Nachts stehe ich meistens so zwei-drei mal auf. Die Endometriose und die Myome denken wohl, nachdem die letzte OP schon anderthalb Jahre her ist, sie können sich alles erlauben, Mutti ist unbekannt verzogen und kommt nicht wieder. Da haben sie sich geirrt. Mutti schmiedet Rachepläne. Warte nur, blödes Gewächs. Haltet mich nicht für bescheuert, ich merke genau, was ihr da unten treibt. Eure Remmidemmi-Abende sind gezählt.

Donnerstag, 19. August 2010

Und schon wieder neue Hausaufgaben.

Gerade hatte ich mir die alten wenigstens für heute von der Backe geschuftet, schon stehen neue ins Haus: ab Montag. Während meiner monatelangen Jobflaute in den ersten Monaten, nachdem ich gekündigt hatte, hatte ich manchmal schon gehofft, es wäre wahr, was die ganzen anderen Freiberufler in meinem Job mir erzählt haben: erst gibt es überhaupt keine Aufträge, und zwar genau so lange, bis du schon aufgegeben hast und kurz davor bist, den nächstbesten Scheißjob anzunehmen, wieder die ganze Woche und das ganze Wochenende in einem blöden Büro zu sitzen und den Launen eines manischen Chefs ausgeliefert zu sein. Aber dann kommen sie. Ich wusste nicht so richtig, ist das auch so eine Geschichte wie die von den Leuten, die ihren Kinderwunsch aufgeben und dann plötzlich - Magie! Tadaaa! - schwanger sind?

Ich kann nur sagen, für den Job war das Märchen wahr. Für die IVF steht der Beweis noch aus. Und zwar, was mich betrifft, noch etliche Jahre. In den letzten Tagen war die Stimmung, was meinen Unterleib betrifft, ein bisschen gedämpft. Ich dachte mir: jetzt mache ich diese Operation, die bisher dickste, die ich hatte, dann habe ich ca. sechs Monate lang die Chance, vielleicht schwanger zu werden, und dann ist alles wieder zugekrautet wie der Kartoffelacker eines resignierten Bauern, der nicht mehr auf dem Trecker sitzt, sondern nur noch am Stammtisch. Aber jetzt gerade denke ich wieder: mindestens zwei Jahre kriegt der ganze Hormonzirkus noch von mir. (Das Geld für die fünfte, sechste und neunte IVF schufte ich mir ja gerade mit meinen Hausaufgaben zusammen. Und überhaupt: wenn mir früher jemand pro Tag 500 Euro für meine Hausaufgaben gezahlt hätte, wäre ich da auch mit anderem Schwung drangegangen.)

Mittwoch, 18. August 2010

Aber ab und zu gibt es schon Momente

wie jetzt zum Beispiel. Ich frage mich, was soll das? Reichen verklebte Eileiter nicht? Wieso denn dann auch noch Myome? Und so viele? Und innen und außen? Und ein Polyp? Und eine Zyste? Und Endometriose? Und ich überlege, warum macht mein Bauch das mit mir? Was hab ich meinem Unterleib denn jemals angetan außer ein paar schlecht gewählten Exfreunden? Weder ernähre ich mich wie ein Schwein, noch sitze ich den ganzen Tag auf dem Sofa, noch denke ich mir, wenn es juckt oder zwickt, och nee, jetzt extra zum Frauenarzt, das wird doch schon wieder, noch habe ich je auch nur einen Vorsorgetermin ausgelassen, noch bin ich einer von diesen Korsett-Freaks, die unbedingt eine 30-Zentimeter-Taille haben wollen und dann zum allgemeinen Entsetzen im Fernsehen zu sehen sind. Ich würde sagen, ich war zu meinem Bauch immer nett. Aber auch hier scheint zu gelten, der Freundliche geht unter.

Trister, trister Bauch. Wenn dieses Kind irgendwann mal geboren werden will, dann braucht es Kampfgeist.

Dienstag, 17. August 2010

Zurück zum Thema

In knapp zwei Stunden liege ich schon wieder auf einem Gynäkologenstuhl, diesmal beim Hamburger Myomflüsterer im Albertinenkrankenhaus. Der wird sich den Salat noch mal ansehen und dann beschließen, wann und wie er mich operiert (wieder nur drei kleine Schnitte? Bauchschnitt? Untenrum?). Fabelhaft wäre nächste Woche, denn diese Woche habe ich noch einen Auftrag, und je später danach, desto länger dauert es, bis wir weitermachen können. Und gerade bin ich sehr tatendurstig, es wäre einfach großartig, wenn ich noch vor Weihnachten neue Würmchen an Bord hätte.

Wieder mal bitte ich um gedrückte Daumen!

Dienstag, 3. August 2010

Auge in Auge mit dem Feind.

Selbsthypnose war schon immer eine meiner Stärken. Oder Schwächen, je nachdem, wie man es sehen will. Ich hatte bisher z.B. bei jedem meiner Exfreunde an irgend einer Stelle ein dummes Gefühl, das sich genau auf die Sache bezog, die am Ende dazu führte, dass Schluss war. Und ich habe es jedes Mal geschafft, mir dieses dumme Gefühl auszureden und mich zu beruhigen.
Ich schreckte nachts hoch und dachte "das war doch heute kein einfach-so-Anruf, das war ein Kontrollanruf!" oder auch "wie kommt der eigentlich dazu, mir etwas zum Geburtstag zu schenken, das eigentlich mehr eine Beleidigung ist als ein Geschenk? Will der mich quälen?", um mich dann mühsam wieder in den Schlaf zu beschwichtigen. Und ein Jahr später stand fest: der hat einen Kontrolltick und quält mich gern. Ja, das war ein Kontrollanruf. Und ja, das Geschenk war teils aus reinem, unverfälschtem Geiz so ausgewählt, teils aber auch in der Absicht, mich zu demütigen. Bei anderer Gelegenheit saß ich im Bus, hatte plötzlich fürchterliches Herzklopfen und dachte: "Der interessiert sich in Wahrheit seit Wochen nicht die Bohne für mich. Der hat eine andere.", kämpfte dann nach Kräften gegen diese Angst an, um kaum 12 Stunden später zu wissen: Richtig geraten, dafür gibt es null Punkte und ein Jahr Liebeskummer!

Jetzt wollt ihr wissen, wieso ich euch das erzähle. Das ist ja kein Beziehungsblog hier, sondern ein Befruchtungsblog.
Nur Geduld.
Ich komme gerade aus meiner neuen Klinik und von meiner ersten Hysteroskopie.
Das ist sie auch eigentlich schon, die Geschichte.
Eine Hysteroskopie funktioniert so ähnlich wie eine Rückübertragung. Man zieht die Hose aus, steigt auf den Stuhl, der Doktor schiebt dieses Spreizdings aus Metall in dich rein, und durch die so entstandene Öffnung schiebt er statt der Sonde (wie bei der Übertragung) ein langes, dünnes, vorne beleuchtetes Gerät, mit dem er dann auf einem Monitor in Farbe und bester Bildqualität sehen kann, was im Inneren deiner Gebärmutter genau los ist.

Bei meinem letzten Ultraschall waren da ja zwei Myome zu sehen. Ich kann es nicht beschwören, aber ich bin mir ziemlich sicher: das waren genau die Myome, die mich, L., euch hier im Blog und auch meine Würmchen und Blümchen schon seit einiger Zeit begleiten. Das Ganze diente dazu, festzustellen, ob eine Operation nötig sein wird, um mich befruchtungsfit zu machen.

Die Antwort lautete klar und deutlich: ja. Es stellte sich heraus, dass der dickere Öschi der beiden Myome vermutlich ein Polyp ist, der sich aus reiner Bosheit und Sturheit auch in Zukunft jeder erfolgreichen Einnistung in den Weg stellen würde. Dieser Freund sieht in etwa aus wie Barbamama (die Mutter der Barbapapa-Familie), nur ohne Lachmund und Klimperwimpern. Zum ersten Mal hab ich das Ding so deutlich und bunt vor mir gesehen, das mir jetzt seit anderthalb Jahren Ärger macht und mich vermutlich meine Zwillinge gekostet hat. Das andere Myom ist in Wahrheit zu zweit, noch nicht besonders groß (man nennt das Myomkeim) und vermutlich auch eher nicht so gut für meine Chancen auf Mutterschaft. Heute in zwei Wochen habe ich einen Termin in der Myomsprechstunde des Hamburger Myomflüsterers, und kurz danach wird er mich wohl operieren. Danach dauert es drei Monate, bis alles gut verheilt ist, und dann, so der Arzt, der mich heute auf dieser Reise in meinen Unterbauch begleitet hat, habe ich allerbeste Chancen, schwanger zu werden und zu bleiben. Denn abgesehen von Polyp, Myom 1 und Myom 2 sieht es wirklich gut aus.

Das sind doch eigentlich sehr gute Nachrichten. Die ganze Prozedur hat zehn Minuten gedauert, überhaupt nicht weh getan, und besonders aufwendig kam mir das alles auch nicht vor. Trotzdem hatte ich wieder mal Herzklopfen, als ich aus der Klinik auf die Straße zurück kam. Denn ich bin mir so gut wie sicher, diese Myome (oder was auch immer) sind da schon länger. Und in meiner alten Klinik wurde übertragen, übertragen, übertragen. Und ich bin oft genug nachts hochgeschreckt und habe mich gefragt: ist das alles richtig so? Müßte das nicht anders laufen? Nur um dann all diese Sorgen auf die Hormone zu schieben, mir innerlich einen Klassenbucheintrag wegen paranoiden Gejammers zu verpassen und mich wieder in den Schlaf zu zwingen.

Ich will denen kein Unrecht tun. Die haben auch sehr ordentliche Erfolgsquoten, die sie sich mit Sicherheit nicht ausdenken. Aber ich wäre kein Teil der Erfolgsstatistik geworden. Denn die hätten ewig so weitergemacht. Natürlich wird man oft zwei Meinungen haben, wenn man zwei Ärzte fragt, erst Recht, wenn die aus zwei verschiedenen Kliniken kommen. Das heißt noch lange nicht, dass Arzt 1 ein Genie ist und Arzt 2 ein Vollpfosten. Die Frage ist also nicht, zu was für einem Schluss man aufgrund des Wissens kommt, dass da unten Myome sitzen. Das, was mich so fuchtig macht - so fürchterlich wütend - ist die Tatsache, dass das heute meine erste Hysteroskopie war. Haben die in der anderen Klinik so was nicht stehen? Wenn ich mich beschweren würde, wäre die Antwort vielleicht "Sie haben ja nicht gefragt"? Aber bis vor ein paar Tagen hatte ich noch nie von so etwas gehört!

Nun fragt mich bitte nicht, welches Klinik 1 und welches Klinik 2 ist. Falls es in Klinik 2 wirklich so toll laufen wird, wie ich hoffe, dann verrate gerne, wo die Guten sitzen.
Aber zu Klinik 1 reiße ich mich gerade sehr am Riemen. Denn gerade weil ich so sauer bin, will ich jetzt nicht online auf die eindreschen. Und ich kann mir gut vorstellen, dass die einfach mit anderen Patienten ganz toll sind, denn wie gesagt: Erfolgsstatistiken kommen ja nicht von ungefähr. Vielleicht sind die dort erste Adresse für Patienten mit hormonellen Problemen. Oder die können sehr gut mit psychischen Ursachen. Oder... weiß ich auch nicht. Aber ich glaube, dass es ein großes Glück für L. und mich und ein großes Pech für meine Myomkolonie ist, dass wir jetzt woanders unsere Hoffnungen, unser Geld und unsere Eizellen hintragen.

Montag, 2. August 2010

Also doch: IVF macht launisch.

Vor einer Woche hatte ich den ersten Termin in der Klinik und ging da raus wie auf Wolken. Ich fand meine Ärztin toll, und als sich herausstellte, dass ich damals vor anderthalb Jahren nur durch ein Missverständnis in der anderen Klinik gelandet war, war mein erster Gedanke: wenn das nicht passiert wäre, hätte ich jetzt ein Kind. Ob dieser Gedanke berechtigt war oder nicht, weiß ich nicht, er hat sich aber bis heute noch nicht wieder verzogen. Ich glaube immer noch, dass in der anderen Klinik inzwischen der nächste Versuch schief gegangen wäre, den sie dort trotz Myomen gestartet hätten. Es ist für mich völlig klar, dass mein Unterleib gegen mich arbeitet. Vor zehn Tagen habe ich an zwei Abenden die Pille ausnahmsweise nicht genommen, weil der Hund die Packung verschlampt hatte und ich in der Heide saß und an kein neues Rezept gekommen wäre. Am Morgen nach dem zweiten Tag ist sie in der Sofaritze wieder aufgetaucht, und ich hab schnell nachgelegt. Trotzdem habe ich zwei Tage später meine Tage bekommen, und sie sind bis heute noch nicht wieder weg. Das muss man sich mal vorstellen: normalerweise passiert bei 48 Stunden Pillenpause überhaupt nichts, und jetzt hört es einfach nicht wieder auf. Ich blute und blute und blute, zwar immer nur ein bisschen, aber ich blute. Ich kann kein Blut mehr sehen. Dazu drückt und zwickt es auch schon wieder. Und so kommt es, dass die Stimmung gerade schon wieder umschlägt. Einerseits bin ich so glücklich und optimistisch, dass es jetzt irgendwann weitergeht. Andererseits frage ich mich, was soll das? Wieso tut mein Bauch das? Wieso kann er nicht einfach mal mitmachen, sondern brütet schon wieder eine dicke fette Zyste, zwei prächtige Myome und diese Schmerzen aus? Wozu nehme ich denn dauernd die Pille?

Und in den ganz finsteren Momenten denke ich mir sogar: an dem Punkt, dass ein Arzt zu mir gesagt hat "Wir bringen das jetzt in Ordnung, nur eine kleine OP, und danach ist alles bereit für die Schwangerschaft, das geht dann ganz schnell", war ich schon zwei mal. Und mir kommt es fast so vor, als wäre mein Bauch so wieselflink, dass die kurze Phase, in der man nach einer OP nicht weitermachen darf, ihm schon genügt, um alles wieder zuwachsen zu lassen. Ich empfinde das langsam als bösartige Sabotage, aber mein Bauch hat den roten Daumen.

Und wenn jetzt irgend eine hier einen Kommentar schreibt, in dem sinngemäß steht, das wäre ja auch kein Wunder, wenn mein Bauch das täte, nachdem ich ihm mit so unfreundlichen und feindseligen Gefühlen gegenüberstehe, und ich müsste meinen Körper annehmen, dann... ach, könnt ihr euch selber denken.

Davon abgesehen macht IVF aber auch Monate im Voraus schon wieder ängstlich. Vielleicht sind das auch nur meine mütterlichen Instinkte im Leerlauf, die gerade mangels anderer Beschäftigung auf L. und den Hund übergehen. Ein Schrecken jagt den nächsten. Gestern Abend lag ich im Bett, vertieft in ein Buch über Trollkriege, als plötzlich von draußen panisches, nicht zu beruhigendes Hundegebell zu hören war, das dann mit einem Schlag verstummte. L. war da draußen im Park. Mit Lili. Innerhalb von zwanzig Sekunden war ich durch den Nieselregen im Pyjama unterwegs in den stockfinsteren Park, bewaffnet mit nichts als den Holzclogs an meinen Füßen. Ich war mir so gut wie sicher, was das Gebell zu bedeuten hatte: L. überfallen von irgend einem 16jährigen Drogendepp, Lili kaputtgetreten, beide hilflos irgendwo im Gebüsch. Als ich zwanzig Minuten später in Angstschweiß gebadet aus dem Park kam, bog L. gerade aus der anderen Richtung um die Ecke. Abends, hat er mir dann erklärt, geht er nie in den großen Park, da ist es zu dunkel. Immer in den kleinen. Und dann ist Hormonsusi zurück zu ihrem Trollbuch gegangen.

Montag, 26. Juli 2010

Selbst auf der miesesten Galeere sind ab und an Zigarettenpäuschen erlaubt

Darum jetzt noch mal ein Post mit allen Tasten statt vom Handy aus: nach der Croissantparty beim Portugiesen bin ich noch zu meinem TCM-Mann gegangen und habe Bericht erstattet. Er fand diesmal, dass meine Zunge und mein Puls keine nennenswerten Fortschritte erkennen lassen (gut, die letzte Woche in der Heide mit den Mädchen, dem einen oder anderen oder ganz anderen Flüppchen und viel, viel Rosé auf Eis habe ich züchtig verschwiegen), war aber sehr überzeugt von dem, was die Ärztin gesagt hat. Nämlich Folgendes: fürs Erste nehme ich die Pille weiter, die er mir ja gerne ausgeredet hätte, damit meine Endometriose nicht den ganzen Betrieb an sich reißt. Die Pille scheint übrigens nur so mittelprächtig gewirkt zu haben, ich habe nämlich eine schöne Zyste am rechten Eierstock. Aber wenn wir wegen der Myome operieren, nehmen wir die Zyste vermutlich gleich mit raus. Und wenn dann die drei Monate Wartezeit anbrechen, dann setze ich die Pille ab, der TCM-Mann kann sich richtig austoben bei der Renovierung meines Stoffwechsels, und zur Unterdrückung der Endo bekomme ich statt Synarela Spritzen. Und bis zur OP ist Schluss mit TCM.

Fürs Erste war das also die letzte Akupunktur, und die Kräuterchen soll ich auch absetzen, weil die bei der OP stören könnten.

Nun geht es folgendermaßen weiter: diese Woche schreibe, schreibe und schreibe ich.
Nächste Woche Mittwoch gehe ich zum Kollegen meiner Ärztin, der angeblich die stärkste Kraft im Haus ist, was Myome angeht. Der macht dann eine Hysteroskopie und sieht sich das alles genau an, woraufhin er vermutlich entscheiden wird, dass ich operiert werden soll. Das wird dann am Hamburger Albertinen-Krankenhaus gemacht, und dort habe ich jetzt schon einen Termin für die Sprechstunde Mitte August. Kurz danach wird dann die OP sein. Dann gehöre ich für drei Monate dem Chinamann, und dann machen wir in der neuen Klinik weiter.

L. war nicht so richtig von meiner Begeisterung anzustecken. "Na toll. Wieder Myome, wieder Zyste, wieder OP. Und dann dauert das doch wieder ein halbes Jahr. Und jetzt bist du nur deshalb so optimistisch, weil jemand nett zu dir war."

Genau das ist der Grund, warum ich es gut fände, wenn L. mitkäme zu solchen Terminen. Aus zweiter Hand klingt das immer ein bisschen weniger ermutigend. Man kann sich das nicht vorstellen, wie anders das heute war als sonst. L. hat ja Recht, mich ein bisschen auf dem Boden zu halten. Aber wäre er dabei gewesen!

Donnerstag, 20. Mai 2010

Von der Zecke zum Myom

Zecken sind laut aus dem Gedächtnis zitiertem Wikipedia-Artikel eine Überfamilie der Milben und zählen zu den Spinnentieren. Es gibt über 900 Arten auf der Welt. Sie lassen sich auf ahnungslose Tiere und Menschen fallen, saugen ihr Blut aus und können dabei Krankheiten übertragen. Zecken sind außerdem, auch wenn Wikipedia das verschweigt, mit die ekligsten, überflüssigsten und gemeinsten Tiere, die es auf dem Planeten gibt. Zecken hatten schon immer eine Vorliebe für mich. (Dafür verschonen mich Schnaken, sobald auch nur irgendein noch so ranziger Mensch im Umkreis von zehn Kilometern zur Verfügung steht.)

Als Kinder haben wir Wanderurlaub im Schwarzwald gemacht und wohnten auf einem Bauernhof. Den halben Tag verbrachten wir im Heu oder im Unterholz rund um das Bächlein, die andere Hälfte des Tages streiften wir durch Wiesen oder saßen im Wald herum. Abends suchte meine Mutter mich nach Zecken ab. Damals hieß es: wenn man eine Zecke findet, dann muss man sie mit einem Tropfen Uhu umhüllen, so dass sie erstickt. Erst dann soll man sie herausziehen, denn sonst gibt sie unweigerlich alle Krankheitserreger ab, die sie in sich trägt.

Später haben wir irgendwann noch mal ein Revival dieser paradiesischen Kindheitsurlaube gemacht. Um genauer zu sein, so ungefähr zehn Jahre später. Jetzt hieß es: bloß kein Uhu, die Zecke soll ahnungslos sein, wenn ihr Schicksal sie ereilt. Man schleicht sich an, packt sie mit einer Pinzette und dreht sie im Uhrzeigersinn heraus. Der Grund dafür liegt in ihrer Anatomie, wenn man es anders tut, reißt der Kopf ab, bleibt in der Wunde, alles entzündet sich, und all die Krankheitserreger.... ratet mal, was mit den Krankheitserregern passiert?

Zwei Jahre später ein zweites Revival. Diesmal verlangte die Anatomie der Zecke, dass man sie gegen und nur gegen den Uhrzeigersinn herausdreht.

Irgendwann hatten wir dann einen Hund. Der Hund hatte Zecken. Inzwischen war man wieder schlauer: Zecken dürfen niemals herausgedreht werden, sondern immer gezogen. Am Besten mit einer Pinzette oder einer Zeckenkarte, die man unter die Zecke schiebt und mit der man sie einfach heraushebeln kann. Aha. Und wieso jetzt so und nicht wie vorher? "Die Anatomie der Zecke, Dummerchen."

Letztes Wochenende hat der Hund auf dem Land verbracht, weil ich Damenbesuch hatte. Das Land bedeutet in diesem Fall das Wochenendhaus von L.s Mutter in der Heide. Dort gibt es Zecken. Viele, viele Zecken. Trotz Anti-Zecken-Medikament, mit dem wir Lili genau wie vorgeschrieben beträufeln, hatten sich ein paar davon an unserer Zauberwurst festgesaugt. L.s Mutter fuhr daraufhin in die Zoohandlung im Nachbarort und kam wieder mit zwei hellgrünen Haken, die aussehen wie etwas von Playmobil. Diese Haken soll man unter die Zecke schieben, und dann drehen. "In welche Richtung denn nur?" Das ist vollkommen egal, mein ahnungsloser Schatz. Hauptsache, drehen. Und zwar wegen der Anatomie der Zecke.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass schon auf den Dinosauriern ab und zu eine Zecke herumgekrochen ist. Natürlich kann es gut sein, dass sich inzwischen links- und rechtsdrehende Zecken entwickelt hatten, von denen dann eine Sorte wieder ausgestorben oder nach Timbuktu ausgewandert ist. Aber seit vielen, vielen Jahren stehen der Menschheit Lupen und Mikroskope zur Verfügung. Trotzdem hat sich in den letzten 30 Jahren die Meinung dazu, wie mit Zecken zu verfahren ist, ca. achtmal verändert, obwohl ihre Anatomie in dieser kurzen Zeit mit Sicherheit die gleiche geblieben ist.

Wenn ich darüber so nachdenken, kriege ich Angst. Wenn ein winziges Insekt solche Verwirrung verbreitet, die aber jedes Mal als todsichere Überzeugung und felsenfeste Tatsache rüberkommt, der nur ein Idiot widersprechen würde - wie sieht es dann mit so etwas Kompliziertem wie unseren lädierten Unterleibern, Spermien, Myomen und all dem anderen Schlonz aus?

Donnerstag, 17. September 2009

Die Sonne scheint völlig zu Recht auf mich und meinen neuen Therapiebogen

Ich hatte ja irgendwann mal geschworen, mich nicht mehr in meinen Posts in irgendwelche fürchterlichen und übertriebenen Ängste reinzusteigern, was anstehende Arztbesuche angeht. Und diesmal hab ich mich dran gehalten. Das Geblute war lästig, so viel hab ich schon geschrieben, aber weil immer wieder auch üble Regelschmerzen dazu kamen, für die es aber keinen Grund gab, weil ich die Pille durchnehme (um neuen Endometriose-Ärger zu verhindern), habe ich mir schon eine Menge Sorgen gemacht. Und weil ich's drunter nicht tue, lebe ich jetzt seit Wochen (eigentlich seit der Fehlgeburt und der Ausschabung) damit, dass ich so ziemlich je,de Nacht aufwache und mir überlege: und was, wenn dein Arzt einen Ultraschall macht und sagt, alles muss raus? Ein ganz, ganz kleiner Teil von mir, den wir einfach mal Susi nennen wollen, war sich sogar ganz sicher, dass das passieren würde (z.B. heute), aber ein anderer Teil von mir, der zum Glück immer noch mehr Muckis hat, sagt Susi dann, sie soll den Rand halten.

Trotzdem habe ich heute Nacht nicht viel Schlaf bekommen. Es fing damit an, dass ich gestern drei Stunden zum Einschlafen gebraucht habe, als das Rumoren im Unterleib nicht aufhören wollte, und zwar auch nach zwei Ibuprofen nicht. Dann kam wieder die nächtliche Angstschweiß-Stunde ("Aber, aber... was, wenn... oh je..." "Schnauze, Susi."), die sich bis zum Morgengrauen hinzog und dann klingelte auch schon ziemlich bald der Wecker.

Bevor ihr euch die Nägel abknabbert vor Sorge, ich hab meine Gebärmutter noch. Und das wird sehr wahrscheinlich auch vorerst so bleiben. Tadaaaaaaa!

Erst mal war ich Blut abnehmen, um der Gerinnungsfaktor-Theorie von Sssssss nachzugehen. Der Arzt meinte erst, naja, das werden die Ärzte in der Klinik sicher schon gemacht haben, aber als ich ihm die näheren Umstände und Verdachtsmomente geschildert habe, war er plötzlich doch ein bisschen aufgeregt und wird mich vermutlich jetzt an eine spezielle Gerinnungs-Abteilung im UKE überweisen, was von Anfang an meine Absicht war. Mehr erfahre ich morgen.

Dann weiter in die Fruchtbarkeitsklinik. Dort das erste Gespräch mit meinem Arzt seit der Fehlgeburt. Das letzte Mal, als wir uns gesehen haben, hatte ich einen Ultraschall mit einem prachtvollen, sichtbaren, völlig normalen Herzschlag. Heute sah er zerknirscht aus und hatte so viel Zeit wie nie vorher. Auf dem Ultraschall war wieder nichts zu sehen, was die Bluterei irgendwie gerechtfertigt hätte, aber er hat mir erklärt, dass es eben Frauen gibt, bei denen alles ein bisschen länger in Aufruhr ist. Die Schmerzen können zwar von den Myomen her kommen, müssen sie aber nicht, und sehr wahrscheinlich ist es nicht. Zur Sicherheit hat er noch mal Blut abnehmen lassen (und das war heute ein ganz schönes Gestocher in meinem guten Arm), nur um zu sehen, ob die Hormonwerte auch wieder bei eindeutig unschwanger sind.

Was die Myome betrifft, hat er ähnlich wie meine Ärztin gesehen, dass sie per Bauchspiegelung vermutlich nicht zu erwischen sind, so dass ein richtiger Bauchschnitt nötig wäre, um da ranzukommen. Und das bringt mit sich, dass wir danach noch mehrere Monate, im schlimmsten Fall sogar ein Jahr warten müssten, bis wir weitermachen könnten, und wenn ich dann schwanger würde, hätte ich ein erhöhtes Risiko, dass ich mir eine schöne Sollbruchstelle an der Gebärmutter eingehandelt hätte, die mir später in der Schwangerschaft Probleme bereiten könnte. Das klang nicht sehr verlockend, und nachdem ich in den letzten drei Jahren insgesamt drei dicke und drei kleine Unterleibs-Operationen hatte, war ich auch nicht scharf drauf, mich schon wieder mit Schläuchen im Bauch in einem Krankenhaus wiederzufinden.

Die andere Möglichkeit ist, dass wir es im November mit einem Auftau-Zyklus versuchen und dabei versuchen, möglichst entspannt zu bleiben. Das heißt, L. und ich machen uns von Anfang an klar, dass das eine Art Versuchsballon dafür wird, wie hinderlich genau die Myome sind. Und dass ein Auftauzyklus von Anfang an geringere Erfolgschancen hat. (Klingt für mich jetzt schon nach einem echten Gewinner, wenn ich dran denke, dass ich letztes Mal sogar ein ganz kleines bisschen dachte, lieber nicht ausgerechnet so kurz vor der Hochzeit.) Und wenn sich dann herausstellt, dass die Myome alles wegbeißen, dann müssen wir eben da doch noch mal ran.

Dann gab es noch eine unerwartete gute Nachricht: ich dachte immer, die Krankenkasse beteiligt sich nur an drei Versuchen und dann erst wieder, wenn man tatsächlich ein Kind zur Welt gebracht hat und Runde zwei startet. Heute habe ich erfahren, dass uns schon der Herzschlag dafür qualifiziert hat, dass ab jetzt wieder drei Versuche mitfinanziert werden. Das ist doch nett! Danke, liebes Würmchen. Das hast du gut gemacht.

Und jetzt bin ich bester Dinge. Ich kann gar nicht sagen wieso. Vielleicht liegt es daran, dass ich wieder einen gelben Zettel habe und ein nagelneues Medikamentendöschen mit Estrifam (die übrigens so aussehen, wie ich mir mit 13 immer die Pille vorgestellt habe). Vielleicht liegt es auch daran, dass es wieder einen Plan gibt. Der sieht so aus:
1. Bis Ende Oktober nehme ich jetzt die Pille durch. Dann höre ich irgendwann auf und kriege meine Tage.
2. Wenn ich meine Tage habe, melde ich mich in der Klinik und fange an, Estrifam einzunehmen, eine Morgens, zwei Abends.
3. Nach ein paar Tagen gehe ich wieder in die Klinik, bekomme ein neues Rezept und einen Ultraschall, und wir machen einen Übertragungstermin.
4. Es gibt in letzter Sekunde noch einen Ultraschall, und dann setzen wir Mitte November zwei Prilblümchen aus dem Eis ein.

Und im Dezember fliegen L. und ich wieder nach New York. Und ich kann mir jetzt schon mal überlegen, wie um Himmels Willen ich eine Woche in der Welthauptstadt phantastischer Steaks überstehen soll ohne phantastische Steaks.

Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich mich freue, wieder auf Schiene zu sein. Auch, wenn der Zug leider erst in fünf Wochen losfährt, habe ich es mir schon mal gemütlich gemacht in meinem Abteil. Und ich weiß nicht genau, wieso, aber es beruhigt mich tatsächlich, dass das ein Auftauzyklus ist und wir deshalb von Anfang an den Ball flacher halten können. Ich kann euch übrigens jetzt schon versprechen, dass ich die neuen Blümchen weder "Käptn Iglo" noch "Urmel", "Grünofant", "Ed von Schleck" noch sonst irgendwie gar nicht lustig tiefkühlig nennen werde.

Ich hab meinem Arzt auch gesagt, dass ich mich im Moment noch so frisch und un-ausgelaugt fühle, dass wir nach diesem Versuch gerne die anderen Prilblümchen in der Tiefkühltruhe lassen können. Ich kann nicht sagen, dass die letzten Monate seit März völlig spurlos an mir vorbeigegangen wären (auch, wenn man die Bluterei und die Schmerzen wegdenken würde, was nicht einfach ist). Aber trotzdem hab ich das Gefühl, zumindest die Hormone sind wieder draußen und hatten mich auch nie ganz so eisern im Griff wie manche andere. Er ist dafür.

Damit zu etwas völlig anderem: Lipstick Jungle.
Eigentlich hatten wir ja Theaterkarten, und ich dachte auch, ich freu mich drauf, aber als L. um fünf sagte, eigentlich hätte er keinen Bock, habe ich plötzlich gemerkt, dass ich am liebsten in die Hände klatschend durch die Wohnung getanzt wäre. Also sind wir zuhause geblieben, oder vielmehr, ich bin zuhause geblieben und L. hat Fußball geguckt, und so kam das, dass ich die erste Folge sehen durfte. Naja. Aber ich weiß auch noch genau, dass ich nach den ersten drei Folgen SATC ebenfalls dachte "Naja", und seht mich heute an mit meinen sechs Staffeln im Regal. (Die Desperate Housewives dagegen haben bei mir nie einen Fuß auf den Boden bekommen. Die sind mir irgendwie schnuppe geblieben.) Drei Folgen gebe ich ihnen also noch. Und wenn es auch nur aus Mitgefühl dafür ist, dass Tom Cruise sich so furchtbar dämlich gegenüber der armen Brooke Shields benommen hat. Oder wie seht ihr das?

Donnerstag, 10. September 2009

Flori & Flora

Vor die Wahl gestellt, ob ich lieber ein bloggendes Hascherl sein will oder ein dickes Dampfschiff von einer Frau, die gleichzeitig unfassbar dünnhäutig und dickfellig ist, wäre ich lieber das Dampfschiff.

Seitdem ich mit Hochdruck auf Jobsuche bin, macht auch das Nicht-arbeiten wieder ein bisschen mehr Spaß. Und deshalb war ich gestern innerhalb von drei Tagen zum zweiten Mal im Kino. Hasen, ihr solltet euch Julie & Julia wirklich ansehen. Auch, wenn der Julie-Teil gegen den Julia-Teil ziemlich abstinkt. Aber Meryl Streep legt sich so dermaßen ins Zeug, und sie tut das nur für uns, das sollten wir nicht umsonst sein lassen, weil wir lieber auf dem Sofa liegen und uns leid tun, dass wir immer noch keine Großfamillie haben. (Übrigens gab es wider Erwarten doch eine kinderlos-Stelle im Film. Aber die war ganz, ganz schön.) Die Minuten, in denen sie in ihrem Kochkurs Vollgas gibt und die Männer abhängt, waren die schönsten Minuten, die ich in den letzten 12 Monaten im Kino hatte. Sobald ich die DVD habe, läuft die Stelle als Endlos-Schleife. Vor dem Film lief übrigens die Vorschau auf einen anderen Film mit Meryl Streep, und ich wollte diesen Film sofort sehen, das heißt, erst natürlich Julie & Julia, aber dann im Anschluss bitte gleich den nächsten. Und nach dieser fabelhaften Vorschau klatschte uns die Ankündigung wie eine feuchtwarme Ohrfeige ins Gesicht: "Anfang 2010 im Kino." Wieso nicht gleich "Ende 2015" oder "In einem Land nach unserer Zeit"? Außerdem hat der Film, in dem sehr viel und sehr fabelhaft gegessen wird, mich wieder daran erinnert, dass ich ja auch irgendwann mal eine Mighty Life-Liste geschrieben habe. So eine Liste findet man unter anderem auf dem Mighty Girl-Blog, den ich in meiner Blogrolle habe, und sie schreibt darin, was sie alles im Leben noch getan haben will. Dabei sind so unterschiedliche Sachen wie "mit meinem Sohn campen gehen" und "Kirchenglocken läuten". Jetzt ist es ihr großer Ehrgeiz, einen Punkt nach dem anderen abzuhaken, und das Wunder ist, dass Intel diese Bloggerin inzwischen so ins Herz geschlossen hat, dass sie ihr die Erfüllung ihrer Wünsche sponsern. Gerade hat Intel sie nach Griechenland geflogen, noch ein Traum von ihr. Mies, diese gesichtslosen Industrieriesen.
Wo war ich? Ach ja: auf meiner Mighty Life-Liste steht irgendwo auch, dass ich einmal ein komplettes Menü mit Wein und allen Schikanen in ein Kino schmuggeln will. DAS wäre gestern der perfekte Film dafür gewesen. Wieder eine Chance verpasst.

Ich war aber nicht nur im Kino, sondern auch mittags beim Italiener, wo es Pasta und Weißwein gab, und hatte kurz das Gefühl von dem Leben, das ich mir immer als Freiberuflerin vorgestellt hatte, blauäugig und dumm wie ich damals war. Bei diesem Italiener gab es die Auswahl aus vier verschiedenen Gerichten, und wer etwas trinken wollte, nahm sich ein Glas und bediente sich am Kühlschrank. Bezahlt wird dann irgendwann. Es gab Zeitungen, es gab Hunde, es gab zwei kleine Kinder, die mit noch nicht mal drei Jahren schon fitter beim Spaghettiwickeln waren als ich, und es war ganz fabelhaft. Ich bin wild entschlossen, die Zeit bis zum nächsten Versuch zu genießen.

Und dann war ich noch laufen. Jetzt darf ich ja wieder. Erst wollte ich immer abwechselnd eine Runde gehen und eine Runde rennen, aber dann war es einfach zu schön, um so eine alberne Arschwackel-Walker-Runde einzulegen, und ich habe mich wie ein altes Pferd gefühlt, das endlich wieder laufen darf. Zockel-zockel-zockel, mit dicker roter Birne. Mit jeder Runde wird das Leben ein bisschen normaler. Nun bin ich wohl wirklich wieder da.

Auf den Myom-Post habe ich so viele gute Tipps bekommen, dass ich die nächsten Tage damit verbringen werde, sie einen nach dem anderen abzuklopfen. Irgendwas ist bestimmt dabei, das hilft. Diese Myombrüder mach ich fertig. Danke an alle Hasen, die dabei helfen wollten!

Montag, 7. September 2009

Eigentlich wollte ich mir die rechte Hand abhacken, wenn ich noch ein mal im Internet die Antwort auf medizinische Fragen suche.

Aber dann habe ich es doch getan, und beide Hände sind noch dran. Wäre ja auch blöd, als hätte ich keine anderen Sorgen, oder?
Jedenfalls habe ich dieses saubere Myompärchen gegoogelt und nur auf die extrem seriös klingenden Treffer geklickt, und da zeigte sich, dass man Myomen auf verschiedene Art ans Leder gehen kann, die alle nicht so klingen, als wäre danach ein Jahr Empfängnisverbot. Unter anderem kann man sie per Ultraschall bearbeiten (extrem teuer, aber wir haben's ja), man kann Hormone schlucken (auch teuer, aber siehe oben, für MEINE Myome nur das Beste! Ob Chanel ein Anti-Myom-Hormon anbietet? Ich wäre stark interessiert.), und davon abgesehen - manchmal ist die Lösung ganz simpel - scheinen sie manchmal zu schrumpfen oder sogar ganz zu verschwinden, wenn man die Pille schluckt. Was ich ja ab sofort wieder tue, um die Zysten in Schach zu halten.

Also alles halb so wild. Ich verstehe nur nicht, warum sie mir das heute nicht einfach gesagt hat. Aber sie meinte, sie wollte sich da raushalten, das wäre nun ja der Job der Klinik.

Und wieso ändert es überhaupt nichts an L.s Gesichtsausdruck, wenn ich ihm diese gute Nachricht überbringe?

Myom bekommt ein Brüderchen

Gerade zurück von der Frauenärztin. Ja, nun war doch heute der Termin, was mich heute morgen ziemlich in Hektik versetzt hat, als ich einen Blick in meinen Kalender geworfen habe. Auch so ein Naturgesetz: wenn du pro Tag acht Termine koordinieren musst, geht dir normalerweise keiner flöten. Aber wehe, du hast einen Monat, in dem du nur einmal zum Zahnarzt und einmal zur Gynäkologin musst. Das schaffst du nie.

Egal: als ich verspätet, aber frisch geduscht bei ihr ankam, war das gar nicht weiter schlimm, und eine halbe Stunde später lag ich auf dem Stuhl. ehrlich gesagt ziemlich nervös, denn meine Frauenarzttermine gehen aus irgend einem Grund selten glatt. Ich habe also fest damit gerechnet, dass entweder der letzte Krebsabstrich diskussionswürdig sein würde, oder dass die Gebärmutter nach der Ausschabung irgendwie blöd aussieht, oder oder oder. Und tatsächlich: zwar sind Abstrich und Ausschabung scheinbar sehr gut gelaufen, aber zu meinem einen Myom ist jetzt auch noch ein zweiter dicker, fetter Kollege gekommen. Beide sitzen genau so, dass man sie nicht oder nur unter Riesenaufwand operieren kann. Und zusammen werden sie dafür sorgen, dass sich in Zukunft mein Risiko für Fehlgeburten noch weiter erhöht. Und nein, da kann man nichts machen, und selbst wenn, dann würde das bedeuten, dass ich danach ein Jahr lang keinen neuen Versuch starten dürfte.

Krutzitürken. Ich hoffe wirklich, mein Bauch und ich werden irgendwann noch mal wieder richtig dicke Freunde.

Zum Abschied hat sie mir aber sehr fröhlich und in Schulterklopf-Tonfall nachgerufen, "Wir sehen uns dann wieder, wenn sie schwanger sind!"

Das lässt doch hoffen. Auch wenn L. schon wieder eine finstere Miene macht. Er ist es auch leid, der Ärmste, dass ich ständig mit solchen Nachrichten komme. Vor allem, weil er immer denkt, dass Ärzte das gerne ein bisschen verharmlosen und runterspielen und es in Wahrheit grundsätzlich schlimmer ist, als sie zugeben.

So. Damit ohne weitere Umschweife zur guten Nachricht: Ich habe freie Bahn, was Sport und Sex betrifft. Ich konnte es nicht fassen.
"Auch Laufen und Radfahren?"
"Ja."
"Reiten?"
"Ja."
"Fallschirmspringen, Kickboxen, Wrestling, Skispringen, Lacrosse, Rugby?"
"JAHAAA."

Gut. Also ab sofort endlich wieder alles so machen, wie das die anderen kinderlosen Menschen machen. Und wenn ich dann abends völlig kaputt von meinem irre aktiven Tag ins Bett falle, dann kann ich mir ja immer noch überlegen, meinen Myomen was vorzulesen. Irgendwas von der ganz miesen, langweiligen, vorhersehbaren und plüschigen Sorte. Sie haben es verdient. Wenn Rosamunde Pilcher sie nicht vergrault, wer dann?

Übrigens hat das Eiertanz-Nerd-Wochenende dann gestern einen ziemlich abrupten Schluss gefunden, weil ich nach dem Kino direkt spontan ins Konzert eingeladen wurde und erst zwei Stunden und drei Bierchen später wieder zuhause war.
Die Erkenntnisse des restlichen Tages gestern:

Tarantino-Filme bringen es für mich nicht. Vermutlich liegt es daran, dass ich kein Junge zwischen 12 und 16 bin.

Brad Pitt kann inzwischen aussehen wie Marlon Brando in "Der Pate". Alles, was er dazu braucht, sind zwei Stück Watte in der Backe.

Die WHO kann mir erzählen, was sie will, rauchen sieht tatsächlich sexy aus. Vor allem im Film.

Irgendwann früher mal habe ich blind diese Weisheit nachgeplappert, je höher die Absätze, desto mehr Geld müsste man in die Schuhe stecken, denn auf billigen High Heels könnte man leider nicht laufen und würde auch automatisch billiger aussehen. Das ist Bullshit. Irgendeine Frauenzeitschrift hat mal damit angefangen, und nun schreiben es alle ab, und wer das Gegenteil behauptet, setzt sich dem Verdacht aus, keinen Geschmack zu haben bzw. noch schlimmer, kein Niveau. Manche Schuhe sehen billig aus. Andere nicht. Auf manchen kann man gut laufen. Auf anderen nicht. Der Zusammenhang zwischen diesen beiden Variablen und dem Preis ist zwar zu erkennen. Aber ein eisernes Gesetzt ist er nicht. Ich spreche als eine Frau, die gestern fünf Stunden lang auf acht-Euro-High Heels unterwegs war und das sehr gut überstanden hat und die nie so grausame Qualen leidet wie in ihren 450-Euro-Stiefeln (wenn auch runtergesetzt gekauft).