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Montag, 11. Mai 2015

Der erste von hoffentlich zwei Posts, zu denen ich heute Gelegenheit bekomme

Zur Sicherheit schon mal der hier: die Dame von Merck hat mich nett gebeten, auf die dritte Folge des Online-Chats übermorgen zum Thema IVF hinzuweisen. Was ich hiermit tue. Wieder sind einige Experten versammelt, die Fragen beantworten zu den unterschiedlichsten Aspekten rund um Kinderwunschbehandlungen. Wer mitchatten oder einfach nur das Spektakel verfolgen will, kann das hier tun. Da gibt es auch alle Informationen rund um dieses Tipptopp-Abkürzungs-Event.

Donnerstag, 30. April 2015

Ich wollte gerne Kinder. Ich konnte aber keine bekommen. Jetzt habe ich trotzdem zwei. Überraschung: Kinder sind anstrengend. Was gibt es sonst noch zu erzählen?

Vielleicht liegt es an meinen insgesamt fünfzehn Abkürzungsversuchen, aber in letzter Zeit haben mich ziemlich viele Leute gefragt, was ich denn von der Berliner Lehrerin mit den vielen und demnächst noch mehr Kindern halte.
Die Antwort fällt gewohnt fusselig aus. Irgendwie will es mir nicht gelingen, dazu eine in sich geschlossene Meinung zu bilden. Einerseits finde ich, man sollte sie in Ruhe lassen, das geht uns alle einen feuchten Popel an. (Mir fällt bei solchen Gelegenheiten immer die Unterhaltung mit einem Kinderwunscharzt ein, der eine SEHR dezidierte Meinung zu Frauen Ende 30 hatte, die Kinder wollen, und selbst mit schätzungsweise Anfang 60 gerade stolzer Vater geworden war, ohne dabei irgend etwas zu finden.) Andererseits überkommt mich schon beim Gedanken an die Nächte der ersten Monate mit Vierlingen das nackte Grauen, und ich verstehe nicht, warum sie sich das in ihrem Alter antun will. Ich selbst träume gerade oft und sehr bunt davon, wie ich leben will, wenn ich 65 bin, und Babygebrüll spielt dabei keine Rolle (es sei denn, einer meiner Jungs wird mit Anfang 20 Vater). Aber auch das ist ihre Sache. Sie kennt das ja mit 13 Kindern schon sehr gut, besser als ich, und weiß in etwa, was auf sie zukommt. (Oder sollte es am Ende stimmen, dass wir alle den Stress ein paar Monate später einfach vergessen und mit babyblauem Zuckerguss überzogen haben? Und sie sitzt jetzt gerade auf dem Sofa, streicht sich über ihren Bauch und denkt, bald hat sie vier kleine Glücksbärchis, die sie den ganzen Tag anstrahlen und nachts sanft schnarchend Familienglück und Wärme verströmen?) Viele geben zu bedenken, die Kinder hätten ja nicht mehr viel von ihrer Mutter und müssten vermutlich schon früh alleine zurecht kommen - Aber das geht anderen Kindern auch so, und es ist zwar nicht schön, aber doch kein Grund, erst gar nicht auf die Welt zu kommen, oder?
Dann ist es mir wiederum nicht so ganz geheuer, dass sie die Exklusivrechte an dieser Tip-top-Story an RTL verkauft hat. Oder dass sie sagt, den Anstoß gab der Wunsch ihrer kleinen Tochter nach einem Geschwisterchen - wow, hat man jemals von einer spektakuläreren Übererfüllung eines Wunsches gehört? Oder, dass jetzt die Zeitungen wieder mal ein Extrembeispiel gefunden haben, anhand dessen man 1a Stimmung gegen Kinderwunschbehandlungen machen kann. Ich glaube immer noch, viele Leute da draußen halten das alles für eine große Freakshow - so eine Geschichte bestätigt sie noch darin. Andererseits kann ich verstehen, dass Journalisten wenig Reiz darin sehen, über eine Reihe von Familien zu berichten, die nach ein paar IVF-Zyklen irgendwann zwischen 28 und 45 Eltern geworden sind und jetzt mit ihren Kindern friedlich vor sich hin leben - und stinknormal, inklusive Schlafentzug, Kita-Viren, Nervenzusammenbrüchen und Machtkämpfen an der Supermarktkasse.
So in etwa sind meine sieben verschiedenen Meinungen dazu. Eure würden mich natürlich auch interessieren. Sagt doch mal?

Das Kochprojekt geht weiter, und inzwischen bin ich über dem Schnitt: 36 von 100 Rezepten sind durch, und erst vier Monate sind vorbei. Dabei nehme ich mir alle zwei Wochen ein anderes Kochbuch vor und mache mich an Rezepte, die mich schon lange anmachen. Gerade ist es "A Change of Appetite" von Diana Henry, und es wächst mir mit jedem Durchblättern mehr ans Herz. Es geht um - ächz - gesundes Essen - jaja, ich weiß, eigentlich könnte ich genau jetzt schon aufhören, davon zu schreiben. Aber das Schöne ist, Diana Henry isst mindestens genau so gerne wie ich, und es ist KEIN Diätbuch, und bisher war alles, was ich daraus gekocht habe, eine echte Freude. Vorgestern z.B. hatte ich den gegrillten Radicchio auf Bohnenpüree, und dieses Bohnenpüree ist aus dem Stand auf Platz 1 meiner Lieblingsbeilagen vorgeschossen, noch vorbei an gebratenen übrig gebliebenen Knödeln, Kartoffelkroketten, selbstgemachten Spätzle und Kartoffelgratin. Man würfelt eine Zwiebel, brät sie vorsichtig in Olivenöl an, gibt dann für eine Minute eine zerkloppte Knoblauchzehe dazu, dann eine kleine Tasse Hühnerbrühe, zwei kleine Dosen abgetropfte und abgespülte weiße Bohnen, Salz und Pfeffer und lässt das Ganze mit geschlossenem Deckel vier Minuten kochen. Dann wird es im Topf püriert und mit Zitronensaft und noch etwas Olivenöl abgeschmeckt. Klingt nach gar nichts, aber es war so köstlich, dass ich nicht aufhören konnte, zu probieren, bis ich mich am Ende zwingen musste, die Küche zu verlassen, damit zum Essen noch etwas übrig ist. Das gibt es demnächst mal zu gebratenem Lamm. Oder zu Endiviensalat. Oder zu gar nichts, sondern einfach so, in einer großen Schüssel vor dem Fernseher. (Es kann übrigens gut sein, dass ihr diesem Püree höchstens eine drei plus geben würdet. Aber das ist für mich der Zauber "guter" Kochbücher: einen Autor zu entdecken, dem die gleichen Dinge schmecken wie mir, und der mich trotzdem auf ganz neue Pfade führt.) Angesichts der neuen Schlafkrise geht hier gerade einiges vor die Hunde; mein Bett z.B. habe ich seit über zwei Wochen nicht bezogen (obwohl Kalle die Bettdecke mit Textmarkern bemalt hat und ich wirklich neugierig bin, ob das rausgeht), und in meinem Postfach sind ca. 20 Emails, die ich unbedingt beantworten müsste. Aber das Kochprojekt hat sich noch nie angefühlt wie zusätzlicher Stress, sondern immer wie Erholung. Würde ich einmal die Woche ins Kino gehen, würde auch niemand fragen, warum ich mir jetzt das auch noch aufhalse, und zum Kochen muss ich noch nicht mal einen Babysitter engagieren, denn Kalle wühlt so lange begeistert in meiner Kramschublade zwischen Zitronenpressen und Tupperdosen herum, und Michel liegt im Stubenwagen daneben und atmet gebannt den Geruch gebratener Kräuter und Zwiebeln ein. (Nigella schreibt immer wieder, wie sie als kleiner Pöks auf einem Schemel stand und unter Anleitung ihrer Mutter Mayonnaise und Sauce Hollandaise rührte. Das klingt doch nach einem Plan!)

Die Rückkehr in den Job ist gerade eins der Themen, um das ich innerlich einen großen Bogen mache. Michel ist ein völlig anderes Kind als Kalle, ich kann mir absolut nicht vorstellen, ihn jetzt drei Tage in der Woche allein bzw. in liebevoller Obhut zu lassen - wie soll das gehen? (Und bin ich jetzt ein Opfer mütterlicher Selbstüberhöhung, dass ich mir das nicht vorstellen kann, während es in Wirklichkeit überhaupt kein Problem wäre?) Zwei Kinder sind einfach mehr als ein Kind und noch ein Kind, alles ist deutlich mehr als doppelt kompliziert. Ich weiß auch nicht, warum, aber es ist so. Im Moment wäre ich für keinen Auftraggeber der Welt ein Gewinn, übernächtigt und durch den Wind und ständig abgelenkt, wie ich bin. Unzuverlässig wäre ich außerdem, ich habe keine Ahnung, wann ich wie viel Zeit und Energie zum Arbeiten habe, und ich hab das deutliche Gefühl, auch das großzügigste Timing auf einem Projekt würde die Lage hier zum Kippen bringen - alles bleibt so, wie es ist, nur habe ich nebenbei auch noch eine wie weit auch immer entfernte Deadline im Nacken?
Dabei ist der Gedanke, erst mal nicht zu arbeiten, trotzdem auch extrem angstgesetzt und ungut. In meinem Beruf ist es überhaupt nicht gut, lange raus zu sein, es kann schon sein, dass ich nach nur einem Jahr zuhause den Wiedereinstieg nicht mehr schaffen werde, und dann? Zudem ist gerade bei meinem dicksten Auftraggeber einiges im Umbruch, die können nicht so lange auf mich warten, es kann gut sein, dass diese Tür in ein mit Kindern vereinbares Arbeitsleben demnächst zu ist. Und dann? Und dann? Und dann?
Ich weiß es doch auch nicht, und hätte ich gerade nicht sowieso schlaflose Nächte, dann würde dieses Thema sie mir bereiten. So lasse ich das Problem gerade auf hinterer Flamme kochen, was vielleicht extrem doof und kurzsichtig ist. Freiberufliche Mütter von zwei kleinen Kindern da draußen, falls es euch gibt, wie war das bei euch?

So. Michel hat jetzt scheinbar den fehlenden Nachtschlaf aufgeholt, Mutti muss die Quatschbude zumachen. Bis hoffentlich sehr bald!

Mittwoch, 18. Juni 2014

Außerdem.

Als ich noch frisch und doof in Hamburg war, habe ich erstaunlich lange gebraucht, um den Gebrauch von "Außerdem" hier zu verstehen. Man steht im Laden, kauft irgendwas, und die Verkäuferin sagt "Außerdem." mit Punkt dahinter. Wochenlang dachte ich, die erzählt gerade ihrer Kollegin irgendwas, meine Bestellung hat sie dabei unterbrochen, und jetzt will sie noch etwas ergänzen. Erst nachdem mich viele Verkäuferinnen lange und eindringlich anstarrten, nachdem sie "Außerdem." gesagt hatten und nie eine Anstalten machte, nach dem "Außerdem." noch weiterzusprechen, dämmerte mir langsam, dass "Außerdem." in Hamburg heißt "Darf's sonst noch was sein?"

Heute fehlt mir wieder mal die Energie für einen Post, der sich entweder auf ein Thema konzentriert oder die Themen irgendwie sinnvoll verknüpft. Also wird es ein Außerdem-Post.

Außerdem. Mein Sohn bekommt tatsächlich Zähne. Das heißt, er bekommt sie nicht theoretisch und als Erklärung für nächtliches Gebrüll oder Verstimmung (wie seit Monaten, und dann passiert wieder doch nichts), sondern kleine, scharfe Kanten ragen aus seinem Zahnfleisch. Die unteren beiden Schneidezähne hat er jetzt seit bestimmt zwei Monaten, vielleicht sind es auch vier? Und dann kam einfach nichts mehr. Ich dachte schon, das bleibt so. Und das, wo er so scharf ist auf normales Menschenessen! Man kann in unserem Haus nichts mehr in den Mund stecken, ohne dass er aufgeregt fauchend angekrabbelt kommt und etwas abhaben will. Dabei geben wir uns große Mühe, ihn nicht durch unsere Vorurteile, was Babys mögen und was nicht, um die ganz großen Geschmackserlebnisse zu bringen. Er liebt z.B. alkoholfreies Bier, das während dieser Schwangerschaft bei uns in Strömen fließt. Er liebt außerdem Muscheln, Knoblauch, Chili, Schinken, stinkigen Käse und Kirschen. Vorgestern hat er hingerissen an einem Stück roher Zwiebel gelutscht. Da kommen die neuen Zähnchen gerade richtig. Ich gebe mir Mühe, ihn von Salz, Frittiertem und potentiell Salmonellenverseuchtem fernzuhalten, und Honig darf er auch nicht, aber ich lasse ihn ansonsten machen. Er macht das sehr gut, und im Zweifel ist die Menge ja immer nur winzig - sollte mir jetzt eine eifrige Blogdame erklären, dass Zwiebeln aber gar nicht gut für die Verdauung blablabla, dann kann sie sich das sparen, denn er nimmt davon ein vielleicht zwei Zentimeter langes Stückchen zu sich. Gäste müssen sich erst dran gewöhnen, dass sie auf dem Sofa sitzen und einen Teller auf dem Schoß haben und binnen Sekunden ein kleines rundes Gesicht mit großen blauen Augen über dem Tellerrand auftaucht und kurz danach eine dicke kleine Hand nach ihrem Essen greift.

Außerdem. Leider habe ich nur wenig Begabung für Naturwissenschaften, darum kann ich es nicht selbst machen. Aber kann bitte irgendwer eine Pille erfinden, die wie Sonnencreme wirkt? Ich meine nicht so etwas wie Beta-Carotin, sondern echten Sonnenschutz in LSF 20 bis 50. Jeden Morgen würde ich eine Kapsel schlucken und mir ansonsten keine Gedanken mehr machen. Natürlich wäre der Schutz wasserfest. Inzwischen sind die Sonnencremes zum Glück nicht mehr ganz so klebrig wie noch vor drei Jahren, aber trotzdem finde ich es im Sommer schrecklich, nach einer durchgeschwitzten Nacht endlich frisch geduscht zu sein und dann nach einer halben Minute Sauberkeit und Frische schon wieder diese Schlonze auf mich draufschmieren zu müssen. Ich wäre bereit, für so eine Pille fünf Euro pro Tagesdosis zu zahlen. Ach ja, und Schwangerschaftsverträglich sollte sie auch sein.

Außerdem. Diese Schwangerschaft ist gerade gruselig unspektakulär, alles ist wie unschwanger, nur mit Bauch. Ich habe im Moment weder Kreislauf-Haschmichs noch Launen oder extreme Müdigkeit (die über das hinausgeht, was man erwarten kann, wenn das Baby gerade Zähne kriegt und man sowieso eine Schlafstörung hat). Tritte oder dieses berühmte Flattern von Schmetterlingsflügeln sind auch noch nicht zu bemerken. Freitag ist endlich, endlich der nächste Arzttermin, und ich bin etwas bammelig. Was, wenn der ganze Spuk schon wieder vorbei ist? Zugenommen habe ich bisher knapp vier Kilo (auch wenn es im Spiegel nach wie vor aussieht wie acht), und nächste Woche beginnt der sechste Monat; das ist nicht die Welt, und glaubt mir, am Essen soll es nicht scheitern. Das einzige abgesehen vom Bauch, das mein Körper gerade anders macht als sonst, ist der Pony. Dieser Pony ist allerdings ein Knaller. Anfangs dachte ich, da wachsen Haare nach, die das Baby mir ausgerissen hat. Aber so viele Haare waren es nie, und das Ausreißen hat er längst wieder aufgegeben. Trotzdem sprießt mir am Haaransatz ein ungefähr einen Zentimeter breiter Streifen aus putzigen kleinen Löckchen. Meine Stirn ist jetzt halb so hoch wie vorher. Ich sehe aus wie ein Hobbit. Mit Haarklämmerchen wegstecken geht nicht, Stylingprodukte machen alles nur schlimmer. Das Schlimmste ist, dass man denken könnte, das wäre Absicht und ich würde versuchen, den Look dieser auf Porzellan gemalten Schäferinnen zu imitieren, aber leider erfolglos. Moderne Großstadtdame mit Job und Ideen geht anders.

Außerdem. Die Dame von Merck hat mir geschrieben, dass inzwischen mehrere Videos von unserem Chat-Abenteuer online sind, und mich gebeten, sie hier zu veröffentlichen. Das tue ich jetzt nicht so gerne, denn ich sehe mich selbst nur sehr ungern im Film. (Ich habe es schon als Kind kaum ertragen, meine Stimme auf Cassette zu hören. Also.) Wer es gerne sehen will, kann es googeln: Merck Serono Expertenchat Kinderwunsch, ich bin sicher, so kommt man mit zwei Klicks ans Ziel. Viel Spaß dabei!

Außerdem. Ich habe zwei neue Lieblingsprodukte. Der Eve Lom Reiniger bekommt eine 1. Natürlich ist es ein bisschen unfair, während einer Schwangerschaft ein neues Kosmetikprodukt zu adoptieren und dann darüber zu schreiben, denn am Ende ist die Wirkung der Hormone vermutlich viel schwerwiegender als die Wirkung irgendwelcher Cremes und Seifen, aber ich war lange nicht mehr so angetan von einer neuen Kosmetik. Jeden Abend streiche ich mir eine winzige Menge davon ins Gesicht, lasse heißes Wasser ins Waschbecken, mache das mitgelieferte Musselintuch nass und drücke es mir dreimal für ein paar Sekunden ins Gesicht, dann reibe ich das alles ab und lege das Tuch noch mal kalt auf die Haut. Anschließend Thermalspray und Creme, fertig. Morgens verwende ich gar kein Reinigungsprodukt mehr, sondern nur noch Wasser. Ich finde, meine Rötungen sind viel schwächer geworden, und meine Haut scheint auch sonst sehr einverstanden damit zu sein. Außerdem habe ich zum ersten Mal die Steamcream ausprobiert. Sie soll angeblich von einem Ableger von "Lush" produziert werden, auf die ich nicht besonders stehe, ich halte Kosmetikläden nicht aus, die so penetrant nach Kinderkaugummi riechen. Die Steamcream kommt in einer Dose aus Metall, die immer wieder anders bedruckt wird. Sie ist vegan (nicht, dass mir das jemals wichtig gewesen wäre...), kommt ohne Tierversuche aus (was mir allerdings schon wesentlich wichtiger ist), duftet nach Lavendel und ist irgendwie mit Hilfe von Dampf hergestellt, daher der Name, so dass sie ohne bestimmte Binde-Chemikalien auskommt, die scheinbar in anderen Cremes sind und ohne die alles noch viel toller ist. Wie auch immer. Darüberhinaus kostet sie (im Gegensatz zum Eve Lom Reiniger, der eine echte Investition ist) ungefähr die Hälfte meiner bisherigen Nachtcreme, die von Roche Posay war und damit auch schon kein Luxusprodukt. Man kann sie unter anderem bei amazon bestellen. Ich werde es auf jeden Fall wieder tun, ich mag den Geruch, und sie tut ihren Job wirklich sehr gut: ich hab das Gefühl, meine Haut kriegt alles, was sie braucht, speckt nicht, pickelt nicht und fühlt sich gut an. Nachdem die duften Schwangerschaftshaare aber weiter auf sich warten lassen, bin ich dankbar für jeden Tipp für eine wirklich gute Spülung für trockenes, lockiges Haar. Frizz-Ease, Pantene, Nivea und Balea habe ich durch, meine Haare auch.

Außerdem. L. startet ein neues Ernährungsexperiment, er hat sich ein Buch über vegane Ernährung gekauft, und ich versuche, nicht am Rad zu drehen. Die Anti-Kohlenhydrate-Zeit war eine harte Probe für mich, dass er kein Schweinefleisch mehr isst, habe ich inzwischen ziemlich gut in meine Kocherei eingebaut, und eigentlich lief es gerade gut zwischen L., meinem Herd und mir. Und jetzt das... ächz. Zum Glück habe ich von Anfang an klar gemacht, dass er selbst ran muss, wenn er vegan essen will. Das ist nicht meine Welt und wird es auch niemals sein. In meiner Welt ist Essen und Kochen eine niemals versiegende Quelle von Spaß, Vorfreude, Trost, Abenteuer und Entspannung, und ich werde den Teufel tun, mir irgend etwas davon selbst und ohne Not zu vermiesen. Ich werde berichten.

Außerdem. Freitag erfahre ich nicht nur, ob Würmchen II gesund ist, sondern hoffentlich auch endlich, ob es ein Junge oder Mädchen wird. Und diesmal ist die Ungeduld wirklich reine Neugier. Ich freue mich dämlich über zwei kleine Jungs mit ihren Jungsritualen und ihren Jungsbefindlichkeiten, aber genau so dämlich freue ich mich über einen Jungen und seine kleine Schwester. (Wenn es eins gibt, was ich fast noch niedlicher und rührender finde als kleine Jungs, dann sind es kleine Mädchen, die ein bisschen wie kleine Jungs sind. Die Sorte Mädchen mit Gummistiefeln, die gerne Frösche fangen und auf Bäume klettern.) Ich finde, langsam wird es Zeit, dass wir erfahren, was es wird. Mein Bauch kommt schon eine halbe Sekunde vor mir ins Zimmer, jetzt müsste man es doch langsam mal sehen?

Außerdem. Rund um den Expertenchat klang ein paar mal an, ich wäre ja jetzt ein gutes Beispiel dafür, dass es auch nach X Fehlversuchen noch klappen kann. "Dranbleiben lohnt sich, oder? Haha!" Ich weiß nicht. Manchmal lache ich dann mit und murmele irgend etwas Zustimmendes, aber eigentlich sehe ich das eher kritisch. Natürlich hat es bei uns geklappt, und zwar sogar mit Glück demnächst ein zweites Mal. Insofern: ja, für uns hat sich dranbleiben gelohnt. Daraus aber eine allgemeine Verhaltens-Supertipp-Regel zu machen - eher nicht. Es hätte auch nicht klappen können. Wir hatten Glück. Genau so gut hätten wir Pech haben können. Wir sind auch deshalb dran geblieben, weil für uns dranbleiben verhältnismäßig leicht war. Ich hatte immer wenig Nebenwirkungen, weniger jedenfalls als viele andere, und habe unter den Behandlungen auch deshalb weniger gelitten. Ich hatte nicht das Gefühl, dass die IVFs unsere Beziehung an ihre äußersten Grenzen führen. Und - ganz schnöde, aber darum nicht unwichtig - wir konnten es bezahlen, ohne uns komplett zu ruinieren.

Was mich zum letzten Außerdem für heute bringt: Außerdem. Beim Chat hatte ich zum ersten Mal ernsthaft Kontakt mit dem Themenfeld "finanzielle Unterstützung für IVF-Patienten, die über das hinausgeht, was die Krankenkassen zu bieten bereit sind." Auf das Thema war ich gespannt, ich dachte sogar schon - ist ja spannend und toll, am Ende werden Paare, die es sich wirklich nicht leisten können, staatlich so weit unterstützt, dass es dann eben doch geht? Denn es kann ja nicht sein, dass die Erfüllung des Kinderwunsches wirklich am Gehalt scheitert? Was ich erfahren habe, war dann relativ ernüchternd: so viel passiert da nicht. Einen kleinen Teil des Eigenanteils übernimmt der Staat unter Umständen, dann ist Schluss. Und ich frage mich: wieso gibt es dafür noch keine Stiftung? Eine Stiftung, die Geld sammelt, um wirklich armen, ungewollt kinderlosen Paaren unter die Arme zu greifen? Meinetwegen auch gebunden an eindeutige Diagnosen und individuelle Erfolgsprognosen und was weiß ich was, aber das wäre doch toll? Man könnte außerdem übrig gebliebene Medikamente sammeln und dort einsetzen, wo sie gebraucht werden, man könnte Ärzte einbinden, man könnte eine Menge tun gegen den Ruf von Reproduktionsmedizin, eine Krücke für alternde, reiche Karriereziegen zu sein, und man könnte vielleicht am Ende stolz darauf sein, jedes Jahr ein bisschen was dazu beigetragen zu haben, dass ein paar glückliche Eltern ihr Wunschkind in den Armen halten. Wenn das nichts ist? Oder gibt es das schon? Dann, wie einer meiner Chefs sagt, lege ich mich auch wieder hin.

Freitag, 6. Juni 2014

Einige Überlegungen dazu, wieso Abkürzungen so beargwöhnt werden - sogar von Büchnerpreisträgerinnen.

Jetzt aber doch noch mal. Nicht direkt zu Sibylle Lewitscharoff, sondern dazu, dass mich ihre Rede weniger geschockt und aufgebracht hat, als man meinen sollte. Nein, nicht weil ich etwa einverstanden wäre. Sondern weil ich mir schon eine ganze Weile denke, dass ein ziemlich großer Teil unserer Mitbürger das auch so sieht. Die finden Reproduktionsmedizin irgendwie… eklig. Oder gruselig. Oder beides. Insofern haut es mich nicht aus den Schuhen, dass nun auch eine preisgekrönte Autorin dieser Meinung ist. Ich frage mich nur wieder mal, wieso denken wohl so viele so, ob heimlich oder offen?

Folgende Erklärungsmöglichkeiten sind mir eingefallen, wie immer in zufälliger Reihenfolge:

1. Unfruchtbarkeit ist nicht schön, die schreibt man sicherheitshalber lieber anderen zu und schiebt sie damit ganz weit weg, bevor man noch Angst haben muss, dass es einen irgendwann mal selbst trifft. Will heißen: bin ich noch in dem Alter, in dem ich Kinder bekommen könnte (wenn ich es versuche und Gelegenheit habe), dann ist das ein ganz einfacher Schutzmechanismus: mir einfach zu denken, dass Menschen in Abkürzungsbehandlung ganz anders sind als ich. Älter, ungesünder, dicker, verkrampfter, reicher, karrieregeiler, egoistischer, was weiß ich. Und im Zweifel selbst Schuld an ihrer Misere.

2. Menschen, die Anfang 20 ihre Kinder bekommen, haben natürlich ganz großes Glück und würden mit niemandem tauschen. Gleichzeitig haben sie eben manche Dinge nicht, die wir haben - wir, die ihre Kinder viel später bekommen (wenn es noch gut geht und wir sie wirklich bekommen). Oje. Wie sage ich das, ohne alle jungen Eltern gegen mich aufzubringen, die das lesen? Vielleicht hilft es, wieder mal nur von mir auszugehen. Ich habe in aller Seelenruhe studiert, mir dann einen Job gesucht und erst mal viele Jahre lang ziemlich viel gearbeitet. Ich habe in der Stadt gelebt, wie ich das wollte, ich hatte den Job, den ich wollte (auch wenn ich ihn manchmal gehasst habe), ich habe Geld verdient und ausgegeben, wofür ich wollte, ich hatte Urlaube mit Freundinnen und zu zweit, ich habe mehr Zeit in Kneipen und Clubs verbracht, als vernünftig war, ich habe nachts um zwei Pasta gekocht und morgens um sechs eine Runde um den Park gedreht. Nicht, weil ich Kinder gegen mein duftes Großstadtleben abgewogen hätte und mich dann gegen Kinder entschieden, sondern ich hatte eben keine Kinder und infolgedessen dieses Leben. Hätte ich L. mit Ende 20 getroffen, hätte ich vielleicht auch mit 30 mein erstes Kind bekommen, und aus wäre es gewesen mit dem Nachtleben und der Zweizimmeraltbauwohnung in einer flotten Gegend. Ziemlich wahrscheinlich sogar wäre es so gekommen. Tatsache ist aber nun mal, dass mein Liebesleben bis Mitte 30 kaum die Chance auf einen gemeinsamen Kurzurlaub bot, noch viel weniger die Chance auf ein gemeinsames Kind. Und auch, wenn die Kinderwunschzeit oft hart war, war meine kinderlose Zeit eben auch schön. Der richtige Mann und dann eben auch Kinder mit Mitte, Ende 20 wären toll gewesen, aber ich hätte dafür eben auch auf sehr viel von all dem verzichten müssen. Manches kann man nachholen, anderes nicht. Ist Jimmy irgendwann groß genug, können L. und ich auch wieder zu zweit nach New York oder Rom oder sonstwohin. Aber mit Mitte 50 werde ich vermutlich nicht mehr meine Version von Breakdance vor entgeistertem Publikum vorführen, und hätte ich mit Ende 20 ohne Mappe und Berufserfahrung zu einem Arbeitgeber gesagt, ich würde gerne drei Tage die Woche arbeiten und ansonsten bei meinem Kind sein, hätte der mich mit Fußtritten aus der Agentur getrieben. “Ok, ok. Komm zum Punkt.” Mach ich ja! Wenn ich mir vorstelle, ich hätte die Zeit zwischen 25 und 35 mit der Hege und Aufzucht von drei Kindern verbracht, während meine kinderlosen Freundinnen eine Gehaltserhöhung nach der anderen raushandeln und verjuxen, dann würde ich jetzt vielleicht auch denken “das hättest du dir früher überlegen müssen”, wenn eine davon jetzt mit 39 darüber schimpft, wie ungerecht das alles ist und wie teuer mit IVF, und wie schrecklich sie das findet, vielleicht keine Kinder zu bekommen. Dass diese Freundin vielleicht trotz aller Bemühungen mit 21 zuletzt einen familienwilligen Freund hatte oder auch mit Mitte 20 eventuell schon verstopfte Eileiter hatte, würde der Häme keinen Abbruch tun. Bestimmt sehen das nicht alle Abkürzungsgegner so! Aber ich könnte mir vorstellen, bei einigen ist doch eine Portion “Siehste? Da haste den Salat” dabei.

3. Viele wissen vielleicht nicht, wie das genau funktioniert. Nur so kann ich mir dieses ewige “Da werden Kinder im Labor gebastelt” erklären. Dass eine IVF der Natur nur diesen einen kleinen Schritt ersetzt und ein Treffen zwischen Eizelle und Spermien arrangiert, kommt und kommt nicht an. Schon bevor ich auch nur geahnt habe, dass mich das Thema mal persönlich betreffen würde, dachte ich immer: “wie großartig und klug Biologie funktioniert - dass selbst unter solchen widrigen Umständen tatsächlich ein Kind entstehen und wachsen kann, ist unglaublich.” Für mich hat Reproduktionsmedizin dem “Wunder Leben” nie etwas weggenommen, sondern es noch ein bisschen wunderbarer gemacht. Und da sitzen sie und denken zum Teil vielleicht tatsächlich, ein Mann im weißen Kittel würde kleine Menschen mit blauen Augen basteln.

4. Es gibt immer noch jede Menge Betroffene, die niemandem davon erzählen. Als ich beim Online-Chat saß und die Psychologin in der Runde Abkürzungsdamen empfahl, wir sollten es möglichst wenigen Menschen erzählen, dem Arbeitgeber allerdings schon, habe ich geschluckt und zugesehen, dass ich ein paar Minuten später meinen extrem gegenläufigen Senf dazugebe. Ich glaube nicht nur, dass es vielen von uns enorm helfen könnte, wenn unsere Umwelt Bescheid weiß - nicht zuletzt, weil dann vielleicht die ewigen “Naaaa? Wisst ihr nicht, wie’s geht?”-Zoten aufhören würden. Ich glaube aber auch, dass wir in der Öffentlichkeit anders gesehen würden, wenn mehr Leute wüssten, wie viele in ihren Augen stinknormale, nette Paare sich einer Behandlung unterziehen müssen, um Kinder zu bekommen. So aber bleiben wir weiter die Freaks, die, die so ganz anders sind als alle, die wir kennen. Nämlich die irre Olle aus dem Münsteraner Tatort und der Hollywood-Star. Siehe Punkt 1.

5. Die bösen Medien tragen auch ihren Teil dazu bei. Nicht umsonst gab es zur Zeit der Diskussion um Präimplantations-Diagnostik ständig die Verweise auf das Dritte Reich und dieses idiotische Dammbruch-Argument, wer heute nach grausamen Erbkrankheiten sucht, der würde zwangsläufig morgen das Geige spielende Mathegenie züchten. Als würde sofort die innere Handbremse kaputt gehen, wenn man sich einmal auf diesen Pfad begeben hat. Wobei, “nicht umsonst” - ich will gar nicht sagen, dass damit eine bestimmte Agenda verfolgt wurde. Trotzdem bleibt die für mich damals wie heute immer wieder verwirrende Tatsache bestehen, dass auch in den Redaktionen hoch angesehener Zeitungen zu diesem Thema extrem viel gemahnt, befürchtet, geunkt und an den Fakten und der Menschlichkeit vorbei argumentiert wird.

6. “Wer das nicht erlebt hat, kann es nicht verstehen” - das hört man oft zum Thema unerfüllter Kinderwunsch. Ich war früher sehr skeptisch und dachte, das ist eben auch eine extreme Lebenssituation genau wie viele andere - man kann sich das ohne eigene Erfahrung genau so gut oder schlecht vorstellen wie eine schlimme Krankheit mit ungewissem Ausgang oder Arbeitslosigkeit oder den Verlust der Eltern; wer gerade eine Brustkrebs-Diagnose bekommen hat, denkt vermutlich auch, niemand versteht ihn. Inzwischen glaube ich eher, da ist was dran. Zumindest wäre das eine weitere Erklärung. Ich habe schon das Gefühl, Kranke, frisch Verwaiste und Arbeitslose müssen sich weniger erklären, sich weniger schlaue Tipps und weniger Schuldzuweisungen anhören. Aber was schreibe ich dazu? Ich habe es nicht erlebt und kann es mir nicht vorstellen.

7. Reproduktionsmedizin ist noch zu neu, die Leute haben sich einfach noch nicht daran gewöhnt. Ich weiß noch, dass im “Namen der Rose” die Brille von Sean Connery für Aufsehen bis Ablehnung gesorgt hat und als Teufelswerk angesehen wurde. Vielleicht müssen wir ihnen einfach nur ein paar hundert Jahre Zeit geben, dann gibt sich das.

Liebe Abkürzungsdamen, ich bin gespannt, was euch noch dazu einfällt!

Freitag, 16. Mai 2014

Ein Chat mit haufenweise Kinderwunschexperten. Und außerdem mit mir.

In den nächsten Tagen - wann, weiß ich noch nicht so genau - breche ich mit Kalle unterm Arm auf zu meinen Eltern. Erstens war Kalle noch nie bei ihnen, das wird so etwas wie ein kleiner Testlauf für den Sommer, wenn sie ihn wochenlang sitten, während ich mich im Schatten räkele. Zweitens habe ich Sehnsucht nach Kühen, Kochkäse, Bratwurst und Grillenzirpen. Und drittens habe ich gar nicht weit entfernt zu tun. Und ausnahmsweise könnt ihr mir bei der Arbeit zusehen!

Trommelwirbel! Wunderkerzen! Kugelscheinwerfer! Europahymne! Am Dienstag Abend (20.5.2014, 19:00-21:00) werde ich dabei sein, wenn Merck-Serono einen Expertenchat zum Thema Kinderwunsch veranstaltet. Jeder, der sich auf dieser Seite kostenlos registriert, darf mitchatten. Diskutiert und beantwortet werden Fragen zur medizinischen und psychologischen Seite von Kinderwunschbehandlungen, aber auch - für mich komplettes Neuland - Finanzierungsmöglichkeiten. Dabei sind Dr. Olaf Naether, Reproduktionsmediziner am Fertility Center Hamburg, Holger Eberlein, Fachanwalt für Medizinrecht aus Berlin, und Christine Büchl aus Augsburg, die schon lange Kinderwunschpaare psychologisch berät. Und ich darf das ganze moderieren. Wie die auf die Idee gekommen sind, dass ich so was kann, weiß der Himmel, aber wir werden sehen. Es könnte auf jeden Fall interessant werden! Also, liebe Abkürzungsdamen und Ex-Abkürzungsdamen da draußen: chattet mit, und wenn ihr selbst einen Blog zum Thema schreibt, würde ich mich freuen, wenn ihr euren Leserinnen auch einen Tipp gebt. Mehr Informationen rund um den Abend gibt es hier.


Samstag, 8. März 2014

Wie die Karnickel.

Hab ich euch schon mal erzählt, dass ich als Schulkind mal drauf und dran war, pfeifend vor einen heranrasenden Krankenwagen zu spazieren, der aus unerfindlichen Gründen mit Tempo 80 über die rote Ampel unterwegs war und keine Sirene anhatte, und ein fremder Mann, an dessen Gesicht ich mich noch nicht mal mehr erinnern kann, mich hinten am Griff meines Scout-Ranzens packte und zurückzog?
Oder, wie oft ich schon fast mit dem Auge in einen spitzen Ast gerannt bin? Oder, wie oft ich schon aus großer Höhe und kopfüber gefallen bin und mir dabei nie mehr geholt habe als Nasenbluten und ein paar Sternchen vor den Augen? Oder die unzähligen Sprünge nachts in unbekannte Gewässer, die nicht mit Querschnittslähmung endeten, sondern mit... einfach gar nichts? Oder, wie ich einmal allein im Wald spazieren war und ein fremder Mann mir nachlief, und wie ich dem einfach weggerannt bin und er es nicht geschafft hat, mich einzuholen? Eine Viertelstunde lang? Bis ich an ein Dorf kam und in Sicherheit war? Oder wie oft ich schon nachts allein in meiner Nuckelpinne unterwegs war und dank meiner endlässigen und längst ausgestiegenen Freunde einen fremden Tramper mit an Bord hatte, der mir nichts getan hat, sondern einfach friedlich ausgestiegen ist und sich bedankt hat? A propos Nuckelpinne: von den zahlreichen Unfällen, die ich ohne einen Kratzer überstanden habe? Von den... ach, von den hunderten anderer Gelegenheiten, bei denen ich unfassbares Glück hatte?

Und jetzt bin ich schwanger. Schon wieder. Vielleicht bleibe ich es sogar, wer weiß? Vielleicht bekommt mein IVF-Wunderkind noch eine Wunderschwester oder einen Wunderbruder. Wenn ich kein Glückskind bin, dann weiß ich es nicht.

Liebe Abkürzungsdamen, 2014 ist ein gutes Jahr für Abkürzungsbabys. Ganz bestimmt! Vielen Dank für all die reizenden Kommentare. Wenn ihr nur einen Bruchteil so viel Glück habt wie ich, dann klappt das doch jetzt hoffentlich?

Ich kann es immer noch nicht fassen. Es fühlt sich die ganze Zeit so an, wie vermeintlich an einem Montag aufzuwachen, und dann plötzlich zu merken, dass Sonntag ist. Und zwar der erste Sonntag der langen, langen Sommerferien. Irgend etwas Besonderes muss ich doch jetzt tun? Sieben Blumensträuße über das Haus verteilen? Kuchen für die Nachbarn backen, auch für die garstigen, mit denen wir immer diesen bescheuerten Ärger um die Mülltonnen haben? Vorerst feiere ich den Tag mit einer Tasse Tee und damit, Rasmus dabei zu beobachten, wie er sonnigster Laune mit seinem Holzdackel spielt und dazu pffff-brwwww macht. Und sich auf Gesellschaft freut.

Montag, 24. Februar 2014

In meiner alten Klinik hätten sie gesagt: Herzlichen Glückwunsch, Sie sind jetzt schwanger.

Da war die Rückübertragung immer eine gewaltige Sache (von der Punktion wollen wir gar nicht erst reden). Davor gab es ein Aufklärungsgespräch mit einer Arzthelferin. Ich kann mich natürlich auch täuschen und meine Phantasie spielt mir sicher manchen Streich, aber ich glaube, ich erinnere mich daran, zur Rückübertragung (nicht zur Punktion!) Papier-Überschuhe und eine Papierduschhaube getragen zu haben, damit auch ja kein Haar von meinem Kopf schwuppdiwupp in meinen Bauch gelangt. Oder vielleicht ja auch nur, damit man da nicht ständig durchwischen muss durch den Behandlungsraum, wie auch immer. Es wirkte jedenfalls deutlich raketenstartmäßiger, pompöser und ehrfurchtgebietender. In der neuen Klinik ist alles familiärer, das komplette Personal erinnert sich gut an mich (gut, nach ein paar Eiern mehr treffen wir uns dann vielleicht auch mal privat zum Germany's Next Topmodel gucken oder machen mal Raclette, wär doch nett?), Papierschuhe werden genau so wenig gebraucht wie die rätselhaften weißen Socken, die ich in der alten Klinik immer extra anschaffen musste. Ich hatte einfach ein geringeltes Minikleid an, das während der Schwangerschaft den Weg in meinen T-Shirt-Stapel gefunden hatte und das den Po knapp bedeckt, dazu meine Glückssocken mit den Bommeln, und so bin ich kurz über den Flur gehuscht und bekam von einer netten jungen Ärztin, nicht meiner, zwei Zellhäufchen zurück. Wobei, Zellhäufchen: Zellberge. Zellklöpse! Drei Tage nach Punktion waren es Achtzehnzeller. Das war noch nie. Ich bin jetzt zu faul und zu kaputt von Utrogest und Estrifam, um den Blog systematisch nach der Zellzahl meiner bisherigen Würmchen zu durchforsten, aber ich bin mir wirklich sicher, achtzehn waren es noch nie, schon gar nicht nach drei Tagen.
In der alten Klinik durfte ich einmal nicht aus der Punktion und den Jutebeutel mit den weißen Punktionssocken tragen, der war zu schwer für mich und wurde mir von der Schwester untersagt. Dafür gratulierte mir nach der Rückübertragung eine andere Schwester von Herzen, jetzt wäre ich ja quasi schwanger und müsste deshalb ab sofort sowohl Bordsteine als auch Rohmilchkäse meiden. Hier hat das niemand gesagt, die gehen zu Recht davon aus, dass Kinderwunschpatientinnen sich schon in endlosen Google-Stunden damit auseinandergesetzt haben, was alles zu beachten wäre, wären sie dann irgendwann mal schwanger. Trotzdem fühle ich mich schon wieder schwanger. Ich weiß, da spielen mir vermutlich Utrogest und Estrifam einen Streich, heute habe ich mal ganz gegen meine Gewohnheit den Nebenwirkungszettel durchgelesen, und so ziemlich hinter jede Nebenwirkung könnte man schreiben "fühlt sich also mit anderen Worten an wie schwanger, ist aber Utrogest, nur, damit das hinterher kein langes Gesicht gibt, wollten wir das mal gesagt haben".

Am sechsten ist der Test.

Ja nun. Jetzt versuchen wir wenigstens äußerlich mal, zur Abwechslung völlig ruhig zu bleiben.

Dienstag, 18. Februar 2014

14 Zellen.

Davon 12 gut und zwei wackelig.

Muss. Schlafen. Viel. Schlafen.

Danke für's Daumendrücken, ihr alle!

Montag, 17. Februar 2014

Einige Gründe, sich überhaupt nicht aufzuregen, wenn man am nächsten Tag Punktion hat.

Morgen um zehn bin ich fällig. Und irgendwie... irgendwie... verdammt, irgendwas fehlt doch hier? Im Moment freue ich mich fast auf den Termin - eine Punktion, soso, wir kennen uns doch von früher, wir haben doch schon so viel zusammen erlebt?!?

Eigentlich schuldet man einem Blog mehr Drama. Ich hab aber keins zu bieten gerade. Einige der Gründe dafür, warum das so ist:

1. Diese IVF lief so nebenwirkungsfrei, dass das selbst für meine Verhältnisse erstaunlich ist. Ich bin immer weitgehend verschont geblieben von Depressionen, Ausschlägen und spektakulären Verdauungsbeschwerden. Diesmal kann ich mir wirklich den Kopf zerbrechen, ich habe nicht mehr zu bieten als:
- ein paar klitzekleine Wunden von den ersten beiden Menogon-Injektionen. An Tag 3 habe ich meinen Weg gefunden, das zu vermeiden: ich lasse die geöffnete Papier-und-Folien-Verpackung erst mal an der Nadel, bis ich die Tülle gelockert habe, so hat man mehr Griff und mehr Kontrolle.
- heute nach der Brevactid gestern abend um zehn eine leichte Übelkeit.
- ähh... nee. Sonst nichts. Wirklich nichts. Noch nicht mal den Nikolaus-Bauch, an den ich mich schon gewöhnt hatte.

2. Kalle schläft oben in seinem Bettchen in seiner kleinen, krabbelfreundlichen Stretchjeans. Sollte in zwei Wochen der Test negativ sein oder morgen kein einziges brauchbares Ei herauskommen, wird er das trotzdem noch tun. Ich will damit nicht sagen, Kinderwunsch ist immer weniger schlimm, wenn man schon ein Kind hat. Aber in meinem Fall tröstet und stützt und beruhigt es mich enorm. Doch, ich will noch ein zweites Kind! Aber wenn nicht, dann nicht.

3. Getreu meinem alten Grundsatz "Doof gebucht ist halb getröstet" habe ich gestern abend meinen Flug gebucht für den ersten richtigen Sommerurlaub seit drei Jahren. Diesen Sommer, genauer gesagt diesen Juli, fliegen die Damen und ich zusammen nach Mallorca und leben zwölf Tage wie die Maden im Speck. Sollte ich dann schwanger sein, mache ich das trotzdem, siebter Monat hin oder her, es sei denn, mein Arzt sagt nein oder es sind Zwillinge unterwegs. Lesen und essen und faul sein kann ich auch schwanger. Sollte ich aber nicht schwanger sein, dann hätte dieser Urlaub eindeutig mehr zu bieten - angefangen, aber längst nicht endend damit, dass ich nicht bis zur letzten Sekunde vor Abflug zittern müsste, irgendwie könnte mir das neue Würmchen einen Strich durch die Rechnung machen. Heute habe ich angefangen, eine Playlist zusammenzustellen. Falsche Prioritäten, sagt ihr? Tja.

4. Natürlich ist es fein und toll, wenn man gleich bei der ersten IVF oder ICSI schwanger wird und bleibt. Aber irgend ein Gutes muss es doch haben, wenn man in dieses Loch eine größere Menge Geld, Nerven, Zeit und Hamsterhormone gebuttert hat. Hat es auch: alles ein ganz alter Hut. Ich fühle mich wie ein hochdekorierter Hormonveteran, wenn ich hier sitze und schon mal den Anästhesiebogen ausfülle und mir wieder mal mit hochgezogener Augenbraue denke, die könnten da ruhig ein bisschen mehr Platz lassen bei der Spalte, in die man seine vorangegangenen Operationen eintragen soll.

5. Das neue Geheimprojekt (das mit der Dusselsdeadline neulich) wäre zwar auch schwanger zu machen, aber deutlich entspannter unschwanger.

6. Irgendwie finde ich es gerade nicht in mir, mich über irgend etwas aufzuregen, ob mit oder ohne Kinderwunschbezug. Das mir! Wo ich mich so gerne aufrege, notfalls auch über Türklinken (siehe letzte Woche)! Ich weiß nicht, woran es liegt. Werde ich alt und müde?

Nichtsdestotrotz freue ich mich natürlich über gedrückte Daumen, viele Eier und ein migränefreies Erwachen aus der (gähn) Narkose.

Samstag, 15. Februar 2014

Schrieb sie und trug die Partykleider für's Erste auf den Dachboden.

Man weiß nie, oder? Kann doch immerhin sein, dass ich in zwei Wochen wieder schwanger bin und bleibe und all der schöne Quatsch, den ich so gerne mache, dann erst mal wieder vorbei ist? Und genau darum war ich gestern Abend noch mal auf einem Abschiedsbesuch in unserer neuen Lieblings-Absack-Kneipe, alle Damen waren dabei, es gab roséfarbene Getränke auf viel Eis und, versucht ruhig, mich zu schlagen, könnt ihr aber gar nicht, ist ja Internet, ätschipopätschi, auch ein paar Flüppchen.
Und das war sehr, sehr schön. Um zwei war ich zuhause, bester Laune und hundemüde.

Um halb vier war Idi das erste mal wach. So ungefähr bis zehn vor vier.
Dann wieder um fünf, wieder für eine Viertelstunde.
Und jetzt ist er seit sechs wach. Er hat keinen Hunger, er will auch nicht im Elternbett schlafen, er will einfach nur wach sein und laut sein und zappeln und mich in die Finger zwicken, weil ihn mein Glitzernagellack so interessiert, und mir Haare ausreißen und ausprobieren, wie laut genau er quaken kann, wenn er nur will.

Und jetzt ist es wohl wieder mal so weit. Jedes Jahr irgendwann kurz vor Frühjahr habe ich das dringende Bedürfnis, in den nächsten Wochen alles richtig zu machen. Ich möchte Kräutertee und Masken, abends um acht in einen frisch gewaschenen Schlafanzug schlüpfen, Suppen und Salat und scharfes sauberes vietnamesisches Essen, ich will Freitags Kuchen backen und frische Blumen auf den Tischen stehen haben statt stapelweise Krempel, ich will Ordnung und Ruhe und Schlaf und Frieden.
Das war schön gestern, da im Gedränge zu stehen und rumgeschoben zu werden und das Etikett von meinem alkoholfreien Bierchen zu knibbeln und sich in erste-Reihe-bei-Nirvana-Lautstärke zu unterhalten. Aber jetzt mit Pfefferminzduschgel* geduscht, entrauchten Haaren und einer Tasse Tee auf dem Sofa zu sitzen und dem kleinen Idi beim Krabbeln lernen zuzugucken, das ist auch schön. Und ich gebe im Kopf dem ganzen Kneipenpublikum mit höchstens zwei-drei Ausnahmen ein kleines Abschiedsküsschen und denke mir, das war es nun mal wieder, wir sehen uns bestimmt schneller wieder, als wir denken, aber eben doch nicht ganz so schnell. Ich bin noch nicht mal verkatert, falls das eine denkt - nur sehr, sehr müde - aber bester Dinge und ganz froh, dass dieser seltene Wunsch nach vernünftigem Betragen mich ausgerechnet jetzt überkommt, drei Tage vor Punktion und mit Aussicht auf ein neues Würmchen, das da sicherlich völlig einer Meinung mit mir wäre.

Bunter Abend mit buntem Publikum und bunten Getränken: Haken dran.

Damit bleiben für dieses Wochenende noch offen: Rohmilchkäsefest, Muscheln mit Fritten und selbstgerührter Mayo, Sushi, Tiroler Speck und ein blutiges Steak. (Das klingt für euch nicht gerade nach Detox? Für mich schon. Für mich schon.)

So. Und von der IVF habe ich zu berichten: fünf Eier im rechten Eierstock (den wir eigentlich schon aufgegeben hatten), ca. acht Eier links im guten Eierstock, gute Schleimhaut, perfekte Blutwerte, Dienstag wird punktiert, und es ist ein einziges Schönwettersegeln gerade. Hu. Nicht zu zufrieden werden, das bringt die Abkürzungsschutzheiligen gegen uns auf, und dann kommen sie mit einer neuen Gemeinheit aus dem Hinterhalt, aber ... klingt doch sehr gut erst mal, oder? Gut. Rohmilchkäse. Ran da. Man weiß nie.

* Da bestelle ich Ende Januar ein Paketchen Kosmetik in der Apotheke am Rothenbaum und warte und warte und warte und warte und warte immer noch. Und gestern habe ich denen geschrieben, wo mein Paketchen bleibt, denn langsam würde noch nicht mal mehr der Seewolf aus meiner Augencreme-Tube auch nur das kleinste Würstchen Augencreme mehr herausbekommen, und es wird doch langsam mal Zeit - und sie haben mich sogar zurückgerufen und mir gesagt, sie könnten sich das nicht erklären, aber plötzlich wäre so ein Andrang auf mein Lieblingspfefferminzduschgel, daher die Warterei. Und nun frage ich mich: wart ihr das? Bzw. ich? Hat hier tatsächlich eine Pfefferminzduschgel bestellt, nachdem ich neulich davon geschwärmt habe und euch sogar gesagt hatte, wo man das herkriegt? Oh. Klingel. Hoffentlich DHL mit Augencreme.

Donnerstag, 13. Februar 2014

Zehn kleine Lädelein

Vor so ungefähr fünfzehn Jahren, als ich noch in einer süddeutschen Zuckergussstadt studierte, habe ich mich immer darüber aufgeregt, dass die Einwohner dieser Stadt nette, originelle, gute kleine Läden ungefähr so behandeln wie die zahlreichen aus öffentlicher Hand gepflegten Sehenswürdigkeiten dieser Stadt. Sie entwickelten so etwas wie ungerechtfertigten Stolz auf sie, als hätten sie mit der Wahl ihres Wohnortes persönlich zu ihrem Entstehen und ihrem Erhalt beigetragen, führten auch gerne Besuch von außerhalb dorthin, aber regelmäßig reingehen und etwa Geld dalassen? Nein. "Das ist hier ein total niedlicher Käseladen, der ist schon vierzig Jahre alt, riecht mal" sagten sie z.B., um trotzdem ihren kompletten Käse vorgeschnitten und eingeschweißt im verdammten Lidl zu kaufen. "Ach, das muss ich euch zeigen, das ist echt mein Lieblingsladen in der Innenstadt, die haben alle Süßigkeiten von früher, das ist wie eine Zeitreise!". Ja, toll, aber kaufen? Nee. Gleichzeitig war die Aufregung groß, wenn ein netter kleiner Laden nach dem anderen verschwand und Platz für Handyläden, Ketten und Ramsch machte. "Die Innenstadtmieten sind Schuld" stimmt bestimmt zum Teil, aber die andere Wahrheit ist: solche Läden werden eben nicht aus öffentlicher Hand bezahlt, sie können sich nur halten, wenn man sie nicht nur romantisiert und sich freut, dass sie da sind, sondern auch dort kauft, und zwar nicht nur mit Besuch von außerhalb, sondern am besten jede Woche.

Jetzt wohnen wir in der Vorstadt, und in den letzten zwölf Monaten haben dicht gemacht: der Spielzeugladen, die Metzgerei, der Kosmetikladen (kein großer Verlust in diesem Fall), die Drogerie, die so bequem direkt gegenüber von meinem kleinen Edeka lag, der andere kleine Supermarkt an der anderen Ubahn-Station, in den ich auf dem Heimweg mal schnell für einen Liter Milch, Special K's und einen Salat huschen konnte, und der Buchladen wird als nächstes dran glauben, wenn man die leeren Regale so sieht. Ein paar hundert Meter weiter nach Süden lag bis vor zwei Jahren das niedliche Eiscafé von L.s zwei Abikolleginnen, man konnte da sitzen und nicht nur Eis, sondern auch getoastete Panini und Suppen und Kuchen bekommen, dazu einen netten Schnack mit den Wirtinnen und ein paar Klatschzeitschriften. Es war nett! An den anderen Tischen saßen oft Muttis, die sich laut darüber freuten, dass man hier bei einem Milchcafé wunderbar den Vormittag verbringen kann. Bei EINEM, wohlgemerkt. "Und bitte ein Glas Leitungswasser für Lukas". Es ist nicht mal, dass all diese Muttis kein Geld haben oder meine Vorstadtnachbarn kein Geld für Parfum, Bücher oder Fleisch. Gerade für Fleisch haben sie scheinbar eine Menge Geld, wenn man mal einen verstohlenen Blick in ihre Einkaufswagen wirft. Sie sind nur vielleicht zu geizig. Oder zu bequem, noch ein paar Meter weiter zu gehen. Oder sie kaufen grundsätzlich nirgendwo ein, wo man mehr als zehn Meter vom Parkplatz aus zurücklegen muss; ich kann mir das gut vorstellen.

Mir tut jeder leid, der in so einer Gegend und in so einer Zeit beschließt, einen Laden aufzumachen. Ist der Laden langweilig oder schlecht geführt, hat er sowieso keine Chance. Ist er toll, einzigartig, mit Liebe gemacht und gut in Schuss, verwandeln die Kunden sich in Touristen, fassen alles an und gehen wieder. Ich finde das traurig. Wenn Jan-Ole irgendwann mal groß ist, gibt es hier nur noch die zwei Riesensupermärkte, in denen es siebzehn Sorten Wiener Würstchen aus dem Glas gibt, aber keinen leckeren Rotwein und keinen ungestreckten Obstsaft, und sonst gar nichts.

Ach ja. *seufzte sie und war sich nicht ganz sicher, ob das nicht alles ein bisschen überzogen ist und ob sie wirklich niemals selbst Supermarktkäse kauft und all das...*

Wo waren wir? Tag neun der Stimulation. Ich spritze immer noch, nachdem ich meiner Ärztin noch mal eindringlich ins Gedächtnis gerufen hatte, wie das lief bei IVF Nr.4, als wir am Ende auch dachten, die Eizellen schaffen das alleine, woraufhin sie alle beleidigt eingegangen sind. Mir gehts gut, nichts drückt oder ziept, und laut letztem Ultraschall wachsen rechts so um die drei Eizellen und links irgendwas zwischen sechs und acht. Nicht schlecht für 40, finde ich! Die 5:2-Diät macht nun allerdings Pause bis zum Test. Ich habe mir sagen lassen, ich brauche das Eiweiß gerade dringender als eine kleinere Jeansgröße.

Sonntag, 9. Februar 2014

Hunderttausend heulende und jaulende Höllenhunde! Ikonoklasten! Kartoffelkäfer! Kürbisgeister! Diplodoken!

Ich neige zu fast unkontrollierbaren Wutausbrüchen auf Sachen. Zum Glück NUR auf Sachen. Bleibe ich zum Beispiel mit der Türklinke im Ärmel hängen, brülle ich. In unserem Haus sind auch die Türklinken von 1927, an denen kann man sogar von zwei Seiten hängen bleiben, beim Weg ins Zimmer und auf dem Rückweg gleich nochmal, sie haben nämlich auch am anderen Ende so ein ulkiges kleines Metallnupsi. Brüll! Brüll! In der letzten Zeit von mir angebrüllt wurden: die Tür im Windfang, die sich immer verkantet, der Trockner, der nicht getrocknet hat, meine Shampooflasche, die beim Umfüllen eine Riesensauerei gemacht hat, meine Handtasche (zu voll), die Ketchupflasche (kommt nix), das Sushi (falsche Sorte, und das, wo hier gerade wieder mal ein Demnächst-bestimmt-schwanger-Countdown mit allen Schikanen läuft), ein Messer (zu stumpf), die Reistüte (aufgerissen und ausgelaufen) mein Telefon (nicht geklingelt trotz Anruf), eine Wurzel (drüber gestolpert), die heiße Kuchenform (heiß), dieses Brett unten an den Küchenschränken (fällt immer um), einige Teile Plastikmüll (vom Wind auf dem Weg zur Mülltonne aus dem Eimer geweht und über den Garten verteilt) und Quark (abgelaufen UND runtergefallen).

Und jetzt Menogon. Zwei Jahre bin ich dem Spritzenzirkus ferngeblieben, nun bin ich wieder da, und die Menogon-Industrie hat es immer noch nicht kapiert! Flüssigkeiten verpackt man nicht in die Sorte Ampullen, die beim Öffnen in sieben klitzekleine, gemein scharfe Splitter zerbrechen. Und Schutzkappen auf Spritzen konstruiert man nicht so, dass sie erst gar nicht abgehen und dann mit einem unvorhersehbaren Ruck doch, so dass man sich erschreckt und wegzuckt und auf einmal die Nadel bis zum Anschlag in einem Fingergelenk stecken hat, gerne jedes Mal in einem neuen. Ihr könnt euch den Geräuschpegel so ungefähr vorstellen. HAAAAAAARRRRRRRRRRRRR!

Davon aber abgesehen ist diese IVF gerade so spannend wie Nasentropfen, manchmal ist mir ein bisschen schlecht (wird mir von Nasentropfen auch), davon abgesehen keine dramatischen Ereignisse bisher. Sollte doch was dran sein an diesem statistisch klar widerlegten Ding mit den entspannten Adoptivmüttern, bei denen es dann wie von selbst klappt, dann bin ich quasi jetzt schon werdende Mutter von Zwillingen. Liebe neuen Abkürzungsdamen, solltet ihr noch richtig viel Angst vor all dem haben - vor den Spritzen, den Nebenwirkungen, dem, was da kommt - dann kann ich euch feste versprechen, das, was ihr gerade vor euch habt, ist das beste Gegengift dagegen. Nichts bereitet besser auf eine IVF vor als eine IVF. Beim nächsten Mal macht ihr das dann schon pfeifend und auf einem Bein hüpfend. Es sei denn, euch steckt gerade eine dicke Bastelnadel im Handteller. Wobei auch das sein Gutes hat: danach ist der echte, ernstgemeinte Pieks in den Bauch wirklich nur noch lächerlich.

Dienstag, 4. Februar 2014

Etwas weniger Fusselbauch, bitte.

Sein neuester Knalleffekt: gerade jetzt, wo ich jeden Abend mit Blick auf meinen Menogon-Hort einschlafe und mit den Hufen scharre, wann es nun endlich losgeht, beschert er mir die erste echte Zwischenblutung meines Lebens. Oder? So klar ist es gar nicht. Von der echten Tante Rosa unterscheidet sich dieses Phänomen erst mal durch Menge. (Inzwischen ist es so weit, dass ich zu diesem feierlichen Anlass immer das gummierte Laken unter das normale Laken spanne, das ich zuletzt in Verwendung hatte, als wir minütlich mit der Geburt rechnen mussten. Ihr könnt es euch vorstellen.) Dann durch mangelnde Schmerzen. Und fünf Tage zu früh ist es außerdem. Ein Telefonat mit der Klinik hat nun Folgendes ergeben: ich soll ja sowieso erst ab Tag drei Spritzen, bis dahin beobachte ich und überlege mir, ob das nun falscher Alarm ist oder nicht. Wenn ich beschließe, dass nicht, dann lege ich am dritten Tag los, egal was. Wenn es falscher Alarm ist, bleiben die teuren Ampullen in ihrer Kiste, bis es ernsthaft losgeht.

Die Senkwehen unter den Zyklusstarts.

Inzwischen habe ich den zweiten Fastentag hinter mir, und auch der ging hervorragend. Kann das sein? So einfach? Ich habe jedenfalls beschlossen, meinen Fusselbauch in seine Schranken zu weisen. Und es gibt eine Menge Gründe für Optimismus.

1. Diese Diät liefert das perfekte Mantra für mich gleich mit: "Morgen. Morgen. Morgen. Heute lässt Du die Finger von dieser Schokolade, die böse Menschen ständig durch dein Blickfeld tragen, aber morgen! Morgen darfst Du wieder alles. Wirklich alles."

2. Es ist ganz einfach: 500 Kalorien an zwei Tagen in der Woche. An den anderen fünf Tagen ist alles erlaubt und alles egal. Das überfordert selbst mich nicht.

3. Dass an den anderen fünf Tagen die Diät Pause hat, kann ich gar nicht oft genug loben und preisen. Die paar mühsam abgesparten Extrapünktchen bei Weight Watchers kamen mir immer viel zu wenig vor, viel zu wenig Trost, viel zu wenig Essen, viel zu wenig Motivation. Hier muss ich nur einen Bruchteil meiner Zeit mit dem Quatsch zubringen, der Rest gehört mir und meiner Gier.

4. 500 Kalorien sind so wenig, dass ich gar nicht erst anfangen muss, mich mit dusseligen Light-Produkten auseinander zu setzen, die mir immer die Laune verderben. Viel Gemüse, weniger Obst und dann noch ein bisschen hochwertiges Eiweiß wie Fisch oder Tofu oder mageres Fleisch, das war es. Da müssen wir gar nicht erst diskutieren, ich und mein Bauch. Außerdem erfordert diese klitzekleine Menge, dass ich wirklich aufschreibe und zusammenzähle, nicht über den Daumen rechne und mir denke "Och, noch ein Apfel..."

5. Das mit dem Gemüse, dem Obst und dem Eiweiß habe ich beschlossen, nicht die Diät. Die Diät sagt, es ist ihr völlig wurscht, wofür ich meine 500 Kalorien verwende. Ich kann genau so gut ein Snickers essen, und gut. Ich mache es aber anders, weil ich den Bauch für möglichst wenig möglichst voll kriegen will und die Heißhungerattacken vermeiden will, die ein halbes Kartöffelchen (oder ein Snickers) unweigerlich nach sich ziehen würde.

6. In diesem Buch wird deutlich weniger moralisiert als in anderen Fastenbüchern. Das finde ich sehr schön. Die versuchen nicht, einen besseren Menschen aus mir zu machen. Ich will nicht besser werden, nur dünner.

7. Trotzdem zeigen sich bereits erste willkommene Nebeneffekte. Ich bin nicht mehr ganz so gierig. Jetzt schon! Nach zwei Fastentagen! Ja, ich habe auch gestaunt. Z.B. habe ich mich seit Tagen auf den Samstag gefreut, da wollte ich zu McDonalds gehen und mein bis dato liebstes Fressfest, die Hüttengaudi, feierlich begehen. Ich habe ein volles Tablett zu meinem Platz geschleppt. Und dann leider ungefähr die Hälfte - nein, zwei Drittel - stehen gelassen. Auf einmal war das alles nur noch pappig und fade. Den McRösti hatte ich irgendwie besser in Erinnerung. Die Fritten waren kalt und aus nicht besonders guten Kartoffeln. Der Cheeseburger wäre nicht nötig gewesen. Und die Käsegipfel... vier Stück waren in der Schachtel, zwei habe ich L. aufgenötigt. Nur die Cola habe ich wirklich gerne getrunken. Ziemlich verwundert habe ich den Laden verlassen und werde ihn vermutlich so schnell nicht mehr betreten. Und es war nicht dieses Magersucht-Phänomen, keinen Platz im Bauch zu haben. Das wäre auch lächerlich nach einem Tag. Ich hatte einfach keine Lust drauf. (Schön wäre es gewesen, wenn ich das einfach eine halbe Stunde früher gewusst hätte...). Vom selbst gebackenen Zitronenkuchen habe ich zwei Stücke gegessen, die waren sehr lecker, aber als meine Schwiegermutter gierig auf den Rest guckte, habe ich ihr den in Alufolie gewickelt und mitgegeben. Sollte das tatsächlich die erste Diät sein, die tatsächlich dafür sorgt, dass man gesünder isst, auch wenn man es nicht muss?

8. Ich habe ein klares Ziel: ich weiß genau, bis wann ich wie viel abnehmen will. Und noch habe ich das Gefühl, ich könnte das wirklich schaffen.

9. Dass der erste Fastentag der Woche der Montag ist, sorgt dafür, dass ich mich die ganze Woche fühle, als wäre ich schon morgens joggen gewesen. Zum Start gleich was richtig gemacht - schön.

So. Zweiter Tag diese Woche ist entweder Mittwoch (einziges Problem: abends Treffen mit Freundinnen) oder Donnerstag. Ich bin wirklich, wirklich bester Dinge. Wer hätte gedacht, dass eine Diät bei mir für so gute Laune sorgt?

Samstag, 1. Februar 2014

Januar ist eine gute Zeit für Neustarts, finde ich.

In einer blauen Stofftasche mit Apothekenlogo oben auf der Wäschetruhe liegen einige große weiße Schachteln. Darin mit Menogon gefüllte Ampullen, aufwendiger verpackt als Toffifee und deutlich teurer. Ich war auf dem Stuhl, der linke Eierstock sieht gut aus, der rechte hatte sich hinter der Endometriose versteckt, die Myome scheinen auch für meine Verhältnisse friedlich, und am dritten Zyklustag beginnt die nächste Runde. Jetzt ehrlich! Ganz bestimmt! Ich bin ein bisschen aufgeregt. Die Erwartungskirmes funktioniert auch wie in den Zeiten vor dem Don. "Eigentlich wäre das unverschämt, wenn wir jetzt noch mal ein Kind bekommen." "Und genau darum wird es klappen." "Ich wär mir da nicht so sicher, man wird nicht jünger... und die Endometriose zwickt auch wieder..." "Und genau DESHALB. Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwoher ein Fünfmonatsbauch her." "Das, meine Liebe, ist pillepalle, wie viel zu viele von uns erfahren mussten." "Also schön. Ihr bekommt kein Kind mehr. Dann wüsste ich aber gerne, was diese unattraktive 800-Euro-Tasche an deinem Arm macht." "Jaaaa... ich muss es eben wenigstens versuchen!" "Quatsch. Du gehst fest davon aus, dass das klappt." "Tu ich nicht! Allein schon deshalb, weil es dann garantiert nicht klappen würde!" "Weil du darauf hoffst, dass dieser sagenhafte Entspannungszauber jetzt auch bei euch wirkt. Der mit den Adoptivkindern oder den plötzlich doch auf natürlichem Weg Schwangeren, von denen es angeblich nur so wimmelt. Und an die Du angeblich nie geglaubt hast." "Hab ich auch nie! Wir hätten einfach gerne noch ein Kind, verdammte Axt! Auch, wenn die Chancen relativ beschissen stehen!" "Hm-hm." "Was guckst Du so? Guck nicht so!" Man braucht keine ernsthaft gespaltene Persönlichkeit, um so richtig wirr im Kopf zu werden. Man braucht auch keine Hormone. Allein die Anwesenheit von Hormonen im gleichen Haushalt kann schon vollkommen reichen.

Und dann das 5:2-Projekt! Ha!

Ihr reibt euch sicher schon die Hände? In Vorfreude auf die unvermeidliche Bauchlandung?

Reibt nur weiter. Denn nach Tag 1 kann ich sagen, ich glaube, das wird was.

Montag wollte ich ja eigentlich anfangen. Montag war ich aber dick erkältet, und da hatte mein massiger Körper genug mit anderen Dingen zu tun. Dienstag war auch nicht besser. Mittwoch treffen einige Damen und ich uns immer, um erst den Bachelor und dann, so lange das noch geht, das Dschungelcamp zu gucken, dazu gibt es Chips und Alkohol, also Mittwoch auch nicht. (Das ist ja eine der Stärken dieser Diät, dass sie so flexibel ist!) Donnerstag hatte ich den Kühlschrank noch voller Sachen, die weg mussten. Aber gestern, Freitag, habe ich meinen ersten Fastentag geplant, durchgezogen und überlebt. Auch L. hat ihn ohne blaues Auge überstanden. Wobei ich sagen muss, dieses Fasten ist eigentlich kein echtes Fasten. 500 Kalorien waren nämlich erlaubt, zu verteilen so, wie es mir beliebt. Es gab kein FX-Passage-Salz am frühen grauen Morgen, entsprechend keine brutale Darmentleerung. Es gab keine Schwächeanfälle, keine Kopfschmerzen, kein Zittern und keine Probleme, immer noch mit Essen umzugehen. Ich hatte meine 500 Kalorien so verteilt:
Frühstück: 100 Gramm Hüttenkäse (den ich sonst nicht mit der Kneifzange anfasse, aber ich dachte, der bringt mich in diesen Diät-Mood, der auch wichtig ist - macht also gleich morgens ein für allemal klar, dass heute anders ist als sonst) und ein Apfel. Mittags: anderthalb Möhren, in Stifte geschnitten (damit es nach mehr aussieht und sich anfühlt, als würde ich für mich kochen), gedippt in ein bisschen Sojasauce mit zwei Tröpfchen Sesamöl. Abends: 100 Gramm geräucherte Putenbrust, dazu zwei Chicoree trocken in der Pfanne gebraten und dann mit Chili und Zitronensaft geschmurgelt. Dazu scharfen Senf. Zwischendurch ganz viel Kräutertee, Ingwertee und Wasser. Und das ging gut! Ich habe nicht die Tapete von den Wänden gefressen, ich habe im Gegenteil gestern im Lauf des Tages das Essen fürs Wochenende geplant und dafür einen Schweinekrustenbraten nach Nigellas Methode mariniert. Ich habe den Lauch gekocht, den es dazu geben soll. Und ich habe einen Zitronenkuchen gebacken. Alles ohne abgekaute Nägel. Ich war auch nicht zu schwach, um den Don zu tragen, mir war nicht schlecht, ich war nicht aggressiv, sondern habe L. sogar vom Einkaufen mehrere Sorten Schokolade mitgebracht und neidlos überreicht (sogar ein bisschen hämisch, wenn ich ehrlich bin. L. macht sich einen Riesenspaß draus, mich zu piesacken und zu sabotieren, wann immer ich irgend eine Art von Diät anpacke. Und nach ca. zwanzig sarkastischen und bösartigen Bemerkungen darf ich mir wohl auch mal denken "Süßer, Schnuppi, iss du nur deine Schokolade, und wir sehen ja dann am Stichtag, wer die Wette gewonnen hat."), ich habe nicht an dem ganzen Projekt gezweifelt und versucht, mich selbst vom Weg abzubringen mit Plänen wie "Und wenn ich einfach jeden Tag auf den X-Trainer gehe?". Ich wusste nämlich die ganze Zeit: morgen darf ich wieder normal essen. Und das war gut zu schaffen. Zwischendurch hatte ich sogar ab und zu das GUTE Fastengefühl: die Klarheit im Kopf, mehr Energie und das Selbstvertrauen, das daraus kommt, wenn man erlebt, dass man eigentlich ziemlich wenig unbedingt haben muss. Wenigstens für eine Weile. Entweder Montag oder Dienstag mache ich den zweiten Tag. Und das Fressplanmaschinchen rattert. Kennt ihr Shirataki-Nudeln? Shitaraki-Nudeln? Oder wie auch immer? Die hatte ich neulich schon mal. Die sehen aus wie Glasnudeln, haben eine etwas ulkige Konsistenz, sind aus einer Pflanze und haben praktisch keine Kalorien, weder Fett noch Kohlenhydrate, fühlen sich aber einfach an wie eine neue Sorte Asia-Nudeln. Montag (oder Dienstag) nehme ich ein Pöttchen Hüttenkäse und einen Apfel mit ins Büro und außerdem eine Tupperbox mit einem kalten Salat aus gebratenem Pak Choi, Garnelen, Chili, Limette und Shirataki/Shitaraki-Nudeln. Klingt eigentlich ziemlich lecker, bis auf den Hüttenkäse.

Es hat sogar so gut geklappt, dass ich sogar jetzt, wo ich wieder dürfte und die Küche aus allen Nähten platzt vor Lieblingsessen, noch nichts gegessen habe. Ich bin um acht aufgewacht und hatte Lust auf schwarzen Tee und meinen Rechner ohne den Don im Hintergrund. Also habe ich den schlafenden L. und den schlafenden Don mucksmäuschenstill zurückgelassen und bin auf Socken ins Wohnzimmer gehuscht. Neben mir steht eine Tasse Tee. Kein Kuchen, kein getoastetes Roggenbrot mit Rinderschinken, kein Ei, kein Stinkekäse, keine Orangenmarmelade auf gesalzener Butter. Ich könnte! Aber ich tu's nicht. Das will echt was heißen.

Natürlich muss dieses ganze Programm sich daran messen, ob ich auf die Art abnehme oder nicht. Wenn nicht, dann war es das natürlich. Sobald eine befruchtete Eizelle in meinem Bauch ist, natürlich auch. Aber bis dahin finde ich das zumindest im Moment noch ganz spannend. Und es stimmt: schon nach einem Tag fasten bekommt Essen einen neuen Glanz. Ich war ein bisschen in die Phantasielosigkeit und Routine abgerutscht. Gestern habe ich zum ersten Mal wieder Kochbücher gewälzt, sabbernd über einzelnen Seiten gebrütet und Pläne geschmiedet.

Samstag, 25. Januar 2014

Und was ist mit Hormone?

Ach ja, die nächste IVF. Ich hatte ja schon berichtet, dass mein Fusselbauch ganz nach alter Gewohnheit wieder mal alles genau falsch gemacht hat: nach der Geburt hat er mich monatelang auf den nächsten Zyklus warten lassen, um dann genau in dem Moment loszulegen, in dem eine mögliche Punktion und Rückübertragung in die Weihnachtsferien meiner Klinik fällt. Der erste Zyklus war also Essig.
Vier Wochen habe ich auf den nächsten Zyklus gewartet, dann brav in der Klinik angerufen, nur um bei dieser Gelegenheit zur Antwort zu bekommen, jetzt wäre es aber leider auch nicht möglich, denn "wir hätten noch so viel zu klären, da wir jetzt Selbstzahler wären", und wir müssten darum noch einen Zyklus abwarten.

Und solche Dinge bringen selbst eine stramm die Fahne meiner Ärzte hochhaltende alte Hormonsoldatin wie mich ein bisschen aus dem Konzept. Ich meine, Hääh? Was genau soll denn da zu klären sein? Wir zahlen selbst, unkomplizierter geht es doch nicht? Und wie viele Wochen genau soll diese Klärung denn dauern? Und warum jetzt noch einen Zyklus verschleudern, nachdem sie mir erst erklärt hatten, es wäre aber besonders wichtig, schnell nach der Geburt weiterzumachen, bevor die Endometriose wieder die Oberhand gewinnt? Und ich sollte doch bitte versuchen, nicht per Kaiserschnitt zu entbinden, denn dann müssten wir länger als sechs Monate warten? Die es jetzt mit zwei verschleuderten Zyklen dann auch locker werden? Mag sein, dass die gerade Urlaubs-, Krankheits- oder Schusseleibedingt überlastet sind, aber das könnte man mir auch so sagen - nicht, dass mich das dann nicht aufregen würde, aber wenigstens aus nachvollziehbarem Grund. Hääh?

Also nein, ich mache nicht schon wieder eine heimliche IVF, die Adoptionsbehörde hat das ja nun auch alles nicht mehr zu interessieren, es geht nur leider, leider immer noch nicht los. Aber nächsten Zyklus! Nächsten Zyklus ganz bestimmt. Endo, Myome und ich sind schon sehr aufgeregt.

Und falls sich das eine fragt: nein, wenn ich demnächst mit einer befruchteten Eizelle im Bauch herumlaufe, dann setze ich so lange natürlich aus mit dem 5:2-Minifasten-Projekt.

Montag, 16. September 2013

FAQ, Teil 1

"Wieso steckst du den Kleinen nicht ins Tragetuch oder die Manduca, wenn er brüllt?"

Ein toller Tipp, wenn's funktioniert. Was es an manchen Tagen tut. Am Samstag habe ich z.B. einen Pflaumenkuchen gebacken, bei dem ich mit Erich in der Manduca in aller Seelenruhe zwei Kilo Zwetschgen erst halbieren und entkernen konnte und dann auf dem Mandel-Rührteig drapieren. Wenn es klappt, denke ich jedes Mal, das mache ich jetzt immer so. Immer! Bis ich ihn dann das nächste Mal vorschnalle und er schon beim Anblick der Manduca in markerschütterndes Gebrüll ausbricht, das auch nicht abflaut, wenn ich ihn dann an Ort und Stelle habe und ein paar Runden mit ihm um den Esszimmertisch gedreht habe. Fünf Minuten gebe ich uns. Brüllt er dann immer noch, betrachte ich den Versuch als gescheitert, befreie ihn aus seiner Not und freue mich auf den nächsten Versuch in ein paar Stunden. Aber dann! Ich hab mit der Manduca schon Wäsche gewaschen und getrocknet (Bügeln traue ich mich allerdings als Grobmotorikerin nicht, mit dem heißen Bügeleisen in der Nähe des Kindes klingt nach keiner guten Idee... davon abgesehen, dass ich mich schon als Streberin fühle, mit Baby Kuchen zu backen, bügeln klingt nach Superhausfrauoverdrive), den Hund spazieren geführt, mir ein Ei gebraten oder abgewaschen. Ich hoffe und bete, dass er irgendwann immer mitspielt, wenn er zum Kängurubaby werden soll.


"Wie läuft das, wenn Du demnächst wieder arbeitest?"

Ich hatte um drei Monate Ruhe nach der Geburt gebeten, die mein wichtigster Auftraggeber mir zähneknirschend gewährt hat. Die sind Ende Oktober um. Ich habe vor, zu meinem Wort zu stehen, auch wenn ich im Moment noch keine Ahnung habe, wie das werden soll und mir bei der Vorstellung auch nicht wenig graust. Wir haben schon vereinbart, dass ich einen Großteil der Arbeit zu Hause tun kann. Das ist einerseits ein Segen, andererseits kann es auch zum Fluch werden, denn ich weiß noch nicht, ob L. und Erich so ohne Weiteres und in letzter Konsequenz verstehen, dass ich zwar am Esstisch sitze und in meinen Rechner hacke, aber eigentlich nicht da bin und jetzt gerade nicht gut Vorsingen, Baby schunkeln und Fläschchen geben kann. Deshalb habe ich mir jetzt überlegt, mich schleunigst auf die Suche nach jemandem zu machen, der zumindest vier bis fünf Stunden an den Arbeitstagen das Babysitten übernimmt. Hat jemand einen Tipp? Bzw., noch besser, eine Telefonnummer für mich?


"Wann geht es wieder los mit der Kinderwunschbehandlung?"

Heute habe ich in der Klinik angerufen. Meine Kinderwunschärztin ist ziemlich heißbegehrt (verständlicher- und berechtigterweise!) und fährt in ihren wohlverdienten Urlaub, so dass ich jetzt erst am 24. Oktober einen Termin bei ihr habe. Aber dann geht es wieder los mit Sprays, Spritzen und Schmiere. Bleiben Sie dran! Allerdings haben L. und ich jetzt besprochen, dass wir uns und dem Hormonfasching ab dann ein Jahr geben. Nicht auf den Tag, aber so in etwa. (Sollten am 24. Oktober 2014 noch zwei kleine, nicht besonders vielversprechende Tiefkühlembryonen auf Eis liegen, dann kommen sie zum Einsatz, das ist klar. Aber 2016 wird uns niemand mehr mit dicken Tüten und um 1000 Euro ärmer die Apotheke verlassen sehen, begleitet von den Segenswünschen und tiefen Verbeugungen der Belegschaft.)



"Was ist eigentlich mit L.?"

Das hier ist mein Blog, nicht L.s, deshalb kommt er hier nur zu besonderen Anlässen vor, denn er hält sein Privatleben lieber aus dem Internet fern. Sogar bei facebook hat er sich abgemeldet! Dass er hier kaum vorkommt, liegt also eher daran, dass ich seinen Wunsch respektiere als daran, dass er sich aus Erichs Versorgung komplett raushält und auf der faulen Haut liegt.

Dienstag, 27. August 2013

Und ausatmen.

Zwar hat Würmchen die Medela-Sauger geknackt, aber die Medela-Sauger offensichtlich nicht Würmchen. Ich erkläre hiermit die große Stillsaga, das vermutlich langweiligste Blogdrama aller Zeiten, für beendet. Ab jetzt pumpe ich ab und gebe Fläschchen. Und wenn das Pumpen irgendwann auch nicht mehr läuft, dann eben nur noch Fläschchen. Erstaunlicherweise läuft es aber wie nie: heute morgen z.B. kamen sagenhafte 140 ml aus mir raus, und das ohne größere Umstände. Nicht mehr zu stillen, tut mir offensichtlich gut. Die Hebamme hat es mit Fassung getragen, sie ist ja auch schon ein großes Mädchen.

Was bedeutet, ihr werdet hier so schnell nicht wieder seitenlange Abhandlungen über Muttermilch lesen müssen, es sei denn, es passiert etwas wirklich Atemberaubendes an dieser Front. (Was das sein könnte? Keine Ahnung. Muttermilch läuft nachts aus, findet ihren Weg zum Schalter meiner Nachttischlampe und löst einen Zimmerbrand aus? Muttermilch leuchtet plötzlich im Dunkeln? Muttermilch kommt aus meinen Ohren? Muttermilch im Gefrierfach findet durch einen grauenvollen Irrtum ihren Weg in einen Nachtisch für einen bunten Abend, und meine Freunde sprechen nie wieder ein Wort mit mir? Ich eröffne nach japanischem Vorbild eine Eisdiele, in der es aus Muttermilch hergestelltes Eis gibt, und werde schamlos reich? Wir werden sehen.)

Würmchen jedenfalls ist ebenfalls so entspannt wie nie nach der Geburt. Im Moment schläft er im Zimmer nebenan in seinem Bettchen, und ich habe ihn sogar wach (wenn auch mit etwas glasigem Blick) dort abgelegt. Lächeln kann er jetzt auch, Teufelskerl! Wie gerne würde ich euch ein Foto davon zeigen! Geht aber nicht, das hatten wir ja besprochen. Es sei denn, ich kaufe demnächst eine kleine Zorro-Maske bei Fahnen Fleck? Die Idee halte ich mal fest. (Die haben da auch niedliche Fliegenpilz-, Äffchen- und Panda-Masken.)

Inzwischen habe ich etwas getan, was ich eigentlich nicht mehr tun wollte: ich habe gegoogelt. Ich wollte rausfinden, wie schnell nach einer Geburt man sich der nächsten IVF zuwenden kann, ob sich das mit Muttermilch (ZACK, da ist sie doch schon wieder! Muss an diesen Bockshornklee-Kapseln liegen, Muttermilch überall) verträgt usw., und statt wie ein vernünftiger Mensch meine Kinderwunschärztin anzurufen, habe ich gegoogelt. Dabei bin ich natürlich nicht auf die Information gestoßen, die ich gesucht habe, sondern auf diesen Artikel aus dem Freitag, in dem eine Hamburger Ärztin interviewt wird zum Thema, was eigentlich aus IVF-Kindern wird, wie sie sich entwickeln, was die Eltern anders machen und erleben usw. Ich habe das mit großen Augen gelesen und war ausnahmsweise mal eher angetan von einem Zeitungsartikel zu dem Thema. Auch wenn ich mich hinterher gefragt habe: was bin ich denn für eine? Denn ein Ergebnis der Studie war, dass wir IVF-Mütter viel ängstlicher sind, unseren Kindern weniger zumuten können und wollen als andere Mütter, Schwierigkeiten haben, loszulassen, und mehr kontrollieren wollen. Und dann sitze ich hier: gestern Abend war ich mit meiner Schwiegermutter im Kino, L. blieb zurück mit Würmchen und zwei Muttermilchfläschchen im Kühlschrank. Während ich auf meinem Bett sitze und diesen Post tippe, liegt Würmchen nebenan in seinem Bettchen und ratzt - mit offener Tür, ok, aber nebenan. Und während dieses Rätzchens war ich schon im Keller, im Garten und kurz vor dem Haus an der Mülltonne. Ohne mir deshalb ein graues Haar wachsen zu lassen! Im Kino gestern habe ich ihn schwer vermisst und mich öfter dabei erwischt, dass ich an ihn und sein rosiges, glänzendes Näschen denke statt vollkommen gebannt von der Handlung zu sein, aber mein Fazit war: da muss ich durch, es geht ihm gut (wie mir L. per SMS versichert hat), und Freiheit ist etwas Tolles, auch wenn sie manchmal ein bisschen weh tut. Und nun habe ich auch noch abgestillt? Wenn auch abgestillt light, mit Muttermilch per Fläschchen? Aus der Art geschlagen, scheinbar.


Dienstag, 11. Dezember 2012

Vier Jahre Kinderwunschbehandlung: Die Shits.

Der Zyklus, in dem ich in der Apotheke eine re-importierte Packung Menogon bekommen hatte mit Spritzen zum Selberbasteln und Ampullen, die immer erst nicht zu knacken waren und dann mit einem miesen kleinen Geräusch in tausend scharfe Splitter zerbrochen sind, die sich in meine Finger (am liebsten in die Gelenke, wo es richtig, richtig weh tut) bohrten. Ich nenne diesen Zyklus den Splatter-Zyklus. (Noch vor einer Woche habe ich ein Kamera-Objektiv gefunden, das Blut auf der Linse hat. Das war Menogon.)

Die Ausschabung damals nach der Fehlgeburt. Im Wartezimmer vom Kleinkind der assigsten Eltern der Welt angeflirtet zu werden (es hat versucht, auf meinen Schoß zu klettern, während ich versucht habe, bitte bitte nicht auch noch zu heulen.) In der Klinik wieder aufwachen und gebeten werden, bitte an unserer kleinen Umfrage teilzunehmen: waren Sie zufrieden mit unserem Service? Würden Sie sich hier nochmal behandeln lassen? Würden Sie uns weiterempfehlen? Danke für Ihre Kooperation!

Die Hochzeitsreise ein paar Tage nach der Ausschabung. Ich war ein Haufen Matsche in Sommerkleidern. Ich hätte eine Woche zuhause bleiben und mich auf dem Sofa mit Junk Food vollstopfen sollen. Stattdessen bin ich teilnahmslos durch Venedig, Siena, Rom und Perugia gechlurft und war weder fähig, irgend etwas zu entscheiden noch zu genießen. Und das waren verdammte Flitterwochen. Unglücklich zu sein ist eine Sache, aber unglücklich zu sein und dabei die ganze Zeit zu wissen, dass man jetzt gefälligst glücklich zu sein hat, ist übel. Einmal bekamen wir Streit mit einem italienischen Schaffner, ich bin sofort eingeknickt, und L. wurde wütend, dass ich ihm in den Rücken falle. Ich habe zwei Stunden lang geheult. "Und? Wie war die Hochzeitsreise?" "Schön! SCHÖN!"

Die vielen, vielen, vielen, vielen Warteschleifen, in denen ich erst dachte: das wird wieder nichts, aber gleichzeitig eine hormonell besprittete Persönlichkeitsspaltung vollzogen hatte, so dass ich imstande war, mir überhaupt keine Hoffnungen zu machen und gleichzeitig sicher zu sein, dass es genau deshalb jetzt klappt. Ich konnte zum Beispiel mit den Hunden spazieren gehen und plötzlich ein leichtes Kribbeln links unten fühlen und dann denken: Kribbeln-Popibbeln, das hat absolut nichts zu bedeuten, ABsolut nichts, und dann in mich reinzuschmunzeln und mich für einen Moment zu fühlen, als wäre jetzt schon drei Jahreszeiten später, ich hätte mein Kind im Arm und würde an diesen Moment denken und könnte wahrheitsgemäß sagen, ich hätte es da schon gewusst. Und dann der Test, wieder negativ, oder zwei Stunden später meine Tage, so ein Pech, und dann fühlt man sich wie der größte, naivste, peinlichste und armseligste Vollidiot der Welt.

Die unfassbar vielen Menschen, die einen kaum kennen und trotzdem fragen, ob man schwanger ist. Wenn man es so dermaßen hartnäckig und verfickt noch mal nicht ist. Fehlt nur noch, dass sie einem dazu ins Kinn kneifen.

Seinen Rechner aufklappen, den Code eingeben und 1.873 Euro überweisen. Schon wieder. Für nichts. Für ein Tütchen Medizinmüll und eine Großpackung Camelia supersupersaugstark.

"Eine Freundin von mir hat irgendwann aufgehört und dann einfach so zwei Kinder bekommen."

"Ich hab einen ganz tollen Homöopathen, ich geb dir mal die Nummer, das ist doch Irrsinn mit diesen Hormonen und OPs, ein Kind zu kriegen ist doch die natürlichste Sache der Welt, gell?"

"Ist ja kein Wunder, dass du noch nicht schwanger bist, mit diesen ganzen Spritzen und OPs und Medikamenten kann das ja nichts werden."

"Ich WEISS, was dir fehlt: Chlamydien! Die machen wir weg, meine Homöopathin und ich, und dann wirst du SCHWANGER!!!"

"Also ehrlich gesagt würde ich mal drüber nachdenken, einfach das Rauchen aufzugeben? Hm?" (Das mir. Wo ich im Monat im Schnitt auf eine, höchsten zwei Schachteln komme.)

Einer Journalistin ein total nettes und entspanntes Interview geben und hinterher in der Zeitung lesen, es wäre für mich der pure Hass, an einem Spielplatz vorbeizulaufen.

"Für uns ist das alles einigermaßen entspannt. Wir haben ja noch zwei andere Chancen auf Enkelkinder."

Donnerstag, 3. Mai 2012

Reisetipp

Liebe Abkürzungsdamen. Zwar ist in diesem IVF-Blog offensichtlich IVF-mäßig gar nichts los und geboten. Aber gerade habe ich einen netten neuen IVF-Blog entdeckt, guckt doch mal hier:

Sonntag, 12. Februar 2012

Ach was, mach 13.000 draus.

Und vor lauter Freude, dass die Rechnung so niedrig war, habe ich nun dem Unternehmen mediserv versehentlich 13.300irgendwas Euro überwiesen. Hu! Freu ich mich auf die nächsten sieben IVFs, die ja nun schon korrekt vorbestellt und bezahlt sind!
Eieieiei... es stimmt schon, was ich letzte Woche feststellte: Hormone machen nicht nur miese Haare, sondern auch ein bisschen doof. Und meine scheinen trotz Crinone-Abstinenz seit Mittwoch immer noch aktiv zu sein. Tante Rosa lässt sich weiterhin nicht blicken. Scheint schöner zu sein als bei mir, wo immer sie auch gerade ist.