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Samstag, 19. Juli 2014

Würmchens rechter Fuß, Teil 1.

Früher wäre das ein Abend für das Tagebuch gewesen. Ich sitze beim Schein einer Kerze am offenen Fenster, draußen hört man nur den Wind und ein paar Kilometerweit entfernte Autos, und das alkoholfreie Bier schmeckt gar nicht besonders alkoholfrei. Aber seit ungefähr sieben Jahren habe ich kein Tagebuch mehr, und nachdem ich mich schamrot ein gutes Stück durch meine ältesten Tagebücher vorgekämpft habe, scheint mir das die richtige Entscheidung zu sein.

Freitag hatte ich einen Vorsorgetermin.
Meine Hauptsorgen vorher waren: hoffentlich kommt L. früh genug von Momos Verbandwechsel zurück, damit ich pünktlich komme, ich hasse es nämlich, unpünktlich zum Arzt zu kommen. Und: hoffentlich ist es nicht ganz so brechend voll wie sonst Freitags, damit ich es noch schaffe, hinterher zu Edeka und zu Budni zu huschen, ohne dass L. zuhause schon nach der Uhr schielt. (Die Tierklinik war dann genau so voll wie die Frauenarztklinik, so dass wir beide warten mussten. Und warten. Und warten.)
Meine Hauptsorge hinterher ist: mein Würmchen hat einen Klumpfuß. Sein rechter Fuß ist verdreht. Sonst scheint alles gut zu sein! Aber insgesamt drei Ärzte standen vor dem Ultraschallgerät, und eigentlich gibt es keinen Zweifel mehr daran. Bei einem neuen Termin in einer speziellen Pränatal-Klinik wird ein noch genauerer Ultraschall gemacht werden, wenn ich aus meinem Urlaub zurück bin. Der soll klären, wie schlimm es ist. Ganz genau wird man es aber erst wissen, wenn es auf der Welt ist. In extremen Fällen kommen Kinder zur Welt, und ihre Fußsohle zeigt nach oben. So schlimm scheint es nicht zu sein. Trotzdem hängt an unserem Kühlschrank jetzt eine Überweisung in die Pränatal-Klinik, und darauf steht als Überweisungsgrund Klumpfuß.

Klumpfuß ist eins der hässlichsten Wörter, die ich in letzter Zeit gehört habe. Und klumpig muss der Fuß auch gar nicht sein, eben nur verdreht. Man kann ganz viel machen. Das konnte man schon vor Jahrzehnten, selbst in der Generation unserer Eltern (vermutlich noch früher) kamen Kinder mit solchen Füßen zur Welt und gingen ein paar Jahre später humpelfrei und ganz normal durchs Leben. Und beute ist alles noch viel besser, weiter, ausgereifter. So wird es ungefähr sein: Das Kind kommt zur Welt, wegen des Fußes jetzt vermutlich doch nicht im UKE, sondern in Altona, denn dort haben sie gleich zwei Spitzenärzte für genau dieses Problem. Ziemlich schnell nach der Geburt wird der Fuß von außen gebogen, massiert und bearbeitet und dann das ganze Bein eingegipst, so dass die Verdrehung etwas abgemildert wird. Der Gips bleibt eine Woche dran, dann wird er abgenommen, wieder Massage und Dehnung und Biegung, wieder Gips. Das wird so ein paar Wochen oder Monate lang gehen. Danach wird in einer ambulanten OP die Achilles-Sehne durchtrennt, die wächst dann innerhalb von ein paar Wochen richtig wieder zusammen. Ist das überstanden, beginnt die lange und vermutlich auch die sehr anstrengende Phase: jetzt muss der geradegebogene Fuß daran gehindert werden, wieder schief zu werden. Dazu muss Würmchen eine Art kleines Snowboard tragen, auf dem zwei drehbare orthopädische Schuhe befestigt sind. Die werden (wieder im Wochentakt) so eingestellt, dass die richtige Ausrichtung verstärkt und festgehalten wird. Dieses Ding muss Würmchen jede Nacht und zum Mittagsschlaf tragen, vorgesehen sind 12-14 Stunden. (Wollen wir mal hoffen, dass Würmchen mehr Schlaf braucht als Huckleberry, der mit acht Stunden locker hinzukommen scheint.) Das geht meistens so weiter, bis Würmchen ungefähr fünf Jahre alt ist. Manchmal auch länger, manchmal ein bisschen kürzer. Manchmal ist auch noch eine richtige Operation notwendig. Manchmal mehrere. Aber am Ende - wenn man die Therapie durchzieht und es schafft, sich und vor allem das Kind bei der Stange zu halten - wird alles gut. Es kann normal laufen, rennen, springen, tanzen, und der Fuß sieht auch normal aus. Und weil selbst bei 14 Stunden am Tag mit Schiene noch zehn Stunden ohne übrig bleiben, hat es jede Menge Gelegenheit, normal zu robben, zu krabbeln, zu toben, zu laufen und zu rennen, wenn es so weit ist - genau zum richtigen Zeitpunkt.

Noch vor ein paar Wochen wären mir zum Thema Klumpfuß diese dicken, schwarzen Schuhe eingefallen, mit denen in meiner Kindheit manche Menschen herumlaufen mussten. Viel mehr auch nicht. Jetzt wird sich das gründlich ändern. Demnächst habe ich einen Termin mit einer Hebamme aus der Frauenarztklinik, deren Sohn mit zwei Klumpfüßen zur Welt kam. Die wird mir einiges erzählen, worauf ich achten muss, wo wir hingehen sollen, was auf uns zukommt. Erst hielt ich das für eine gute Idee, inzwischen habe ich mit ihr telefoniert und bin mir nicht mehr sicher. Bei ihr war es ziemlich schlimm, ich will mir nicht schon im Vorhinein den Mut verhageln lassen. Ein guter Freund von L. ist Kinderarzt auf der Neugeborenenstation in Altona, mit dem werden wir bestimmt auch noch mal sprechen. Ich werde alles jenseits von Foren lesen, was ich dazu in die Finger kriege. Vielleicht geht es ja gut. Vielleicht kriegen wir es gut zusammen hin. Vielleicht hilft es ja, dass Würmchen es von Anfang an nicht anders kennen wird als so, dass er seine Beine nicht immer so bewegen kann, wie er will. Vielleicht hilft ihm das, die Schiene auszuhalten. Vielleicht kann ich doch nicht nach drei Monaten wieder arbeiten. Sehr wahrscheinlich sogar nicht. Vielleicht stehen wir in zehn Jahren genervt schon wieder einen ganzen dämlichen Sonntag lang am Spielfeldrand und müssen Würmchen anfeuern, weil es heute wieder mal ein Fußball- oder Hockeyspiel hat. Vielleicht habe ich das alles nur geträumt. Vielleicht sollte ich einfach den nächsten Termin noch abwarten. Und vielleicht sollte ich jetzt erst mal in meinen Freundinnen-Urlaub fahren und das alles in mein Fusselhirn einsickern lassen.

Freitag, 22. März 2013

Liebes Würmchen,

Dein Vater steht am Fenster und schnauzt die Schneeflocken an: "ihr Spastis". Es ist nicht zu fassen, dass wir zwei nach deutscher Zählung heute in der 25. Woche und damit im siebten Monat sind - und daran ist der Schnee wohl mit Schuld, ich könnte das leichter glauben, wenn draußen schon Eis essende Menschen in Flipflops vorbeiflanieren würden. Du kommst im Hochsommer, und jetzt ist tiefster Winter, wie kann ich da im siebten Monat sein? Ich bleibe wohl im Kopf bei der amerikanischen Rechnung. Oder höre ganz auf, in Monaten zu rechnen: bleibst Du auch nur eine Woche länger im Bauch als vorgesehen, bin ich irgendwann im elften - das wird zu bescheuert.
Jeden Hundespaziergang lege ich wie auf rohen Eiern zurück, um bloß nicht auszurutschen und meine kostbare Fracht zu zerditschen, und einen richtig erbärmlichen Anblick biete ich, wenn ich auf dem großen Mittagsspaziergang die kleine vereiste Brücke überquere, beide Fäustlinge fest um das Geländer gekrallt. Wird das noch schlimmer, muss ich auf allen Vieren kriechen. Auf den Gängen bist Du dagegen ganz ruhig und entspannt, erst hinterher fängst Du an zu zappeln. Bisher tut das überhaupt nicht weh, es ist eher ulkig und manchmal ein bisschen gruselig. Ich hoffe sehr, dass Du nie erlebst wie sich das anfühlt, wenn eine Bauch-Drainage nach einer OP gezogen wird - aber falls doch, denk Dir das Ziepen der Naht weg und Du hast in etwa das, was Abends auf dem Sofa in meinem Bauch vor sich geht. Je tiefenentspannter ich dann bin, desto mehr tobst Du. Für jemanden, der so egozentrisch ist wie ich, ist es schon komisch zu erleben, wie sich jemand anderes so immer weiter nach vorne schiebt in meiner Aufmerksamkeit: ich habe Kopfschmerzen und denke nicht mehr als erstes "ich Ärmste, und dann mit Tablettenverbot", sondern "Ogottogott, hoffentlich nichts, was Würmchen schadet." Heute Nacht musste dein Vater um drei Uhr die Symptome einer Listeriose googeln, weil ich seit zwei Tagen Druck auf dem Kopf habe, wenn ich nach unten gucke, und erst als klar war, dass es das wohl nicht sein wird, war wieder an Schlaf zu denken. (Ich bitte an dieser Stelle alle mitlesenden Damen, von Kommentaren abzusehen, in denen steht, vielleicht wäre es aber doch Listeriose oder Schlimmeres und ich sollte doch bitte jetzt ins nächste Krankenhaus fahren.) Jetzt habe ich mir eine Nasenspülung mit Salzwasser gemacht, was zwar an den Kopfschmerzen nichts geändert hat, aber dafür sorgt, dass ich mich den ganzen Tag lang fühle, als wäre ich schon vor dem Frühstück im Meer geschwommen. (Es führt auch dazu, dass immer noch einmal pro Stunde plötzlich ein bisschen Salzwasser aus meiner Nase läuft. Du hattest Dir Deine Mutter etwas makelloser und eleganter vorgestellt? Pech gehabt, Würmchen.) Ich kann es kaum noch abwarten, bis Du da bist. L. kann es kaum noch abwarten. Die Hunde können es kaum noch abwarten. Und wenn ich ehrlich bin, freue ich mich fast noch mehr als auf Dich als Säugling auf das, was danach kommt: z.B. auf uns zusammen am Meer, Dich in kleinen Gummistiefeln und Badehose. Wir sammeln Krebse und bauen ihnen ein Gehege im nassen Sand, was hältst Du davon? Irgendwann heute so in drei Jahren und ein paar Wochen. Ich wäre jetzt schon so weit.

Ein dickes, salziges Küsschen von Deiner Mutter.

Mittwoch, 20. März 2013

Telegrammstil geht anders.

Ich sitze an meinem Schreibtisch und höre meine Weihnachtsplaylist. Was soll man machen? Lebkuchen sind ja keine mehr zu kriegen. Im Park gegenüber von unserem Haus liegt der Schnee bis an die Oberkante meiner Plastestiefel, leider teilweise auch etwas höher, L. hat dem Hund schon einen Teil-Haarschnitt verpasst (alles, wo dicke Schneeklumpen drin hängenbleiben, musste ab, das arme Tier), und ich hab endlich eingesehen, dass es diesem Winter piepegal ist, ob ich täglich eine Flappe ziehe, wenn ich nach dem Aufstehen aus dem Fenster gucke. Irgendwo da draußen wartet ein alkoholfreies Hefeweizen darauf, von mir unter warmer Frühlingssonne getrunken zu werden, im Freien irgendwo und als Begleitung zu kleinen gebackenen Fischen oder Rippchen. Außerdem reift der Plan, meine blöden Winterklamotten feierlich zu verbrennen, sobald ich sie sicher nicht mehr brauche. Das kann mir keiner wegnehmen! Auch nicht die vermutlich acht Zentimeter Neuschnee, mit denen für heute zu rechnen ist. Ein Seiteneffekt des Schnees ist aber, dass ich irgendwie mein Zeitgefühl verliere, so wie man im Nebel angeblich schlechter hört. Mir kommt es jedenfalls vor, als wäre der letzte Post zwei Wochen her, auch wenn es nachweislich erst drei Tage sind, und mir bleibt nichts anderes übrig als ein großer Rundumschlag.

1. Die Mia.
Die Mia (genauer gesagt die Mia 2 in pink, in dieser Farbe ist sie genau so teuer wie im langweiligen weiß, aber ein Teil des Kaufpreises geht an die Brustkrebs-Forschung wie fast immer, wenn man in GB etwas Rosafarbenes kauft) hatte ihre Woche, und die hat sie sehr, sehr gut überstanden. Im Netz stand, ich müsste zu Anfang mit einem Ausbruch von Pickeln und anderem Ärger rechnen, bevor es dann besser wird. Ich war auf alles vorbereitet, nachdem ich irgendwann vor fünf Jahren mal auf Dr. Hauschka umstellen wollte und innerhalb von drei Tagen alle Pickel meines Lebens geballt auf drei Quadratzentimetern an meinem Kinn ein Comeback feierten und absolut nicht wieder verschwinden wollten, bis ich entnervt aufgegeben und den ganzen schönen Ökokram verschenkt habe. Aber bisher gab es nur zwei winzige Dingerchen, die eigentlich nur im beleuchteten Kosmetikspiegel erkennbar und unter meiner feinen BB-Cream völlig unsichtbar waren. Und das, obwohl ich mir täglich ca. dreihundert mal ins Gesicht packe, um den glatten Effekt zu bewundern, da müsste ich eigentlich gerade eine kleine Pickelfarm entwickeln. Auch die kleinen roten Stellen auf der Nase und den Wangen sind jedenfalls nicht schlimmer geworden, eher besser. Der Winter ist nicht nett zu meiner Haut, genau so wenig wie der Hochsommer, aber im Moment ist sie ganz gut in Schuss, und ich glaube, daran ist auch Mia Schuld. Ich benutze sie jeden Abend, und zwar auf der niedrigeren Stufe - zweimal täglich geht auch, und angeblich kann man selbst mit empfindlicher Haut die höhere Stufe benutzen, aber weil mein Anti-Rötungs-Waschgel sich nicht mit ihr verträgt und ich das auch einmal am Tag benutzen will, beschränke ich mich auf abends, dann putzt sie auch gleich noch jedes Restchen Farbe ratzeputz weg. Einmal reinigen dauert eine Minute, und weil das Ding wasserdicht ist, kann ich das auch unter der Dusche machen. Die Minute geht aber viel schneller vorbei als gedacht. Ich habe mir zur Feier des Tages eine richtige Nachtcreme von Avene angeschafft, denn die Anti-Rötungs-Maske, die ich bisher als Nachtcreme benutzt habe, war nach dem Bürsten nicht fettig genug. Die Creme verschwindet fast mit hörbarem Schlürfen im Gesicht, so gut ist noch nie irgendwas eingezogen. Eigentlich soll man alle drei Monate eine neue Bürste anschaffen, die leider nicht billig ist, aber ich denke mal, wenn ich sie nur einmal täglich nehme statt zweimal, reicht es auch alle sechs Monate. Ich bürste jedenfalls weiter und berichte nach einem Monat wieder.

2. Die Plauze: Dienstagmorgen war ich bei 74,5 kg. Selten lief irgendwas bei mir so planmäßig, was mit Gewicht zu tun hatte. Inzwischen habe ich mir angewöhnt, auf Informationen aus dem Internet zu hören, wenn ich Lust drauf habe, und ansonsten einfach zu schäumen, dass die ja alle doof sind. Und das Internet hat ausgerechnet, dass ich im Lauf dieser Schwangerschaft ausgehend von meinem Start-BMI und meinem Alter idealerweise 14 Kilo zunehmen sollte. Da ist noch reichlich Luft nach oben. Sollte es weniger sein, bin ich auch nicht böse, aber es besteht kein Grund, ab sofort auf die Pizza zum Mädchenabend zu verzichten. Soviel zum Äußeren der (immer noch ungestreiften) Plauze: im Inneren ist aber auch Einiges los, das Würmchen strampelt und haut um sich, dass es eine Freude ist. Beim letzten Superultraschall lag es mit dem Kopf nach unten. Inzwischen glaube ich, es liegt quer, aber dreht sich bestimmt noch zwanzigmal. Morgen früh kommt mich die Nachsorge-Hebamme zuhause besuchen, damit wir uns kennenlernen können; vielleicht will sie ja auch mal gucken und kann mir dann mehr dazu sagen. Bisher war die ganze Geburt für mich noch so unwahrscheinlich und weit weg und als Abkürzungsdame nicht mein Thema, aber mittlerweile hoffe ich inständig, dass es kein Kaiserschnitt wird - nicht, weil ich so wahnsinnig scharf auf Blut, Tränen und Gebrüll wäre, aber ein Kaiserschnitt würde bedeuten, dass ich danach erst mal eine Zwangspause einlegen muss. Und je länger ich drüber nachdenke, desto sicherer bin ich mir, dass wir es am besten so schnell wie möglich noch mal probieren, so lange die Myome und die Endometriose noch in Schockstarre liegen. Und damit beschäftigt mich zum ersten Mal im Leben das Thema, in welcher räumlichen Lage sich mein Sohn gerade befindet. Schrill, schrill. Wer hätte das gedacht? Ich jedenfalls nicht.

3. Muc habe ich damit schon behelligt, aber jetzt auch noch mal in die große Runde: gibt es hier jemanden, der in München lebt oder jemanden kennt, der dort lebt, und der von einer Drei-Zimmer-Wohnung bis 1600 Euro weiß, am besten im Altbau mit Balkon und Holzböden, die bald frei wird? Meine Schwester zieht nach vielen, vielen Jahren Fernbeziehung endlich mit ihrem Freund (mit dem sie schon länger zusammen ist als ich mit L., muss man sich mal vorstellen) zusammen, und zwar nach München, Hauptstadt der fluchenden Wohnungssuchenden. Ich wäre ewig dankbar für zielführende Tipps.

4. Der Kinderwagen usw.: wir sind noch keinen Schritt weiter, und ich glaube, bevor L. in Wien den icandy mit eigenen Augen gesehen hat, wird hier gar nichts entschieden. (Meine heimliche Meinung ist ja, dass der genau so aussieht wie der Bugaboo und eigentlich auch genau so teuer ist, und den kriegen wir um die Ecke, und zwar in viel schöneren Farben... Erfahrung zeigt aber, dass ich dieses Ziel über Umwege ansteuern muss.) Dafür ist die alte Wiege aus Kirschbaumholz aus dem Sauerland angekommen, ich habe sie aber noch nicht ausgepackt und aufgebaut, denn dann würde sie im Wohnzimmer herumstehen und uns anstarren, während wir versuchen, mit unserem Pärchen-Feierabend durchzukommen. Ein hübsches gebrauchtes Kinderbett auf ebay habe ich dafür nicht bekommen, irgendjemand war offensichtlich bereit, seine Großmutter dafür zu verkaufen, also bitteschön, viel Spaß damit. L. und ich waren letzte Woche auf einem Kinderflohmarkt, und ich fürchte, zu oft darf ich das nicht machen, ich werde da wahnsinnig aggressiv. Aus kleinstem Anlass! Es reicht schon, wenn mir zum fünften Mal in drei Minuten jemand seinen Ellenbogen in den Bauch rammt, um schneller einen Stapel angegraute Strampler durchwühlen zu können, und schon fange ich an zu brüllen. Mit einer Beute von sieben kleinen, größtenteils blaugestreiften Kleidungsstücken sind wir abgezogen. Dafür setze ich mich dem nicht mehr aus, auf normalen Flohmärkten gibt es auch Kindersachen, dafür aber keine Kloppe.

Sonntag, 17. März 2013

Wir sind noch nicht mal mehr fünf Adventskalender von Würmchen entfernt

Normalerweise gebe ich fast täglich Sachen von mir, zu denen L. dann sagt "Deine Sorgen möchte ich haben": ich rege mich gerne über Dinge auf, die dem Rest der Welt egal sind. Aber ab und zu ist es auch mal umgekehrt. Als vor ein paar Jahren die ersten 48 Stunden-Deos aufkamen, fanden viele das lächerlich und Igitt, Comedians rissen lahme Scherze darüber. Ich bin immer noch begeistert. Vor dem 48 Stunden-Deo kam es vor, dass ich mich morgens nach dem Duschen anzog, dann auf dem Fahrrad zur Arbeit und zurück fuhr und dann sofort wieder duschen und mich umziehen musste, und das im April und obwohl meine Haut eigentlich zwei Duschen am Tag nicht gut verträgt. Meine Lieblingstops wurden selten alt, denn früher oder später fingen sie an zu muffen, egal bei wie viel Grad und womit ich sie gewaschen habe. Die Wahrheit war, dass 24-Stunden-Deos bei mir ca. 15 Stunden durchhielten, eher kürzer. So ein Morgen wie heute hätte so nicht funktioniert: gestern war ich gegen halb acht unter der Dusche, heute war ich schon mit dem Hund unterwegs und liege jetzt wieder im Schlafanzug und immer noch ungeduscht mit Tee und Rechner im Bett. Früher hätte ich duschen müssen, und dann den Schlafanzug noch mal anzuziehen... ich weiß nicht. Ganz zu schweigen von Freitagen, an denen ich um halb acht geduscht habe, dann arbeiten gefahren bin und dann direkt von der Arbeit auf die Schanze oder an den Elbstrand, um irgendwann nachts um drei nach Hause zu kommen. Ich hatte in der Agentur ein Deo in der Schublade und habe mich an solchen Tagen nach der Arbeit mit kaltem Wasser auf dem Firmenklo gewaschen, fast immer kam jemand rein, und oft habe ich mir noch bei H&M irgend ein billiges T-Shirt zum Umziehen gekauft, das ich danach nie wieder angezogen habe. (Sich auf der Arbeit "Frischmachen" - das machen sonst eigentlich nur Ermittler in Serienmordfällen im Fernsehen, so viel ich weiß.) Jetzt ist eine ungeduschte Strecke von acht bis halb eins am nächsten Tag kein Problem, und es ist ewig her, dass ich ein Kleidungsstück weggetan habe, weil es unter den Armen in der Wäsche nicht mehr so richtig aprilfrisch wurde. Ich würde seine Kräfte aber nicht missbrauchen, indem ich es ernsthaft darauf anlege, einen Tag ganz ohne Dusche auszukommen. Ein Hoch auf das 48-Stunden-Deo! Noch 117 Tage bis zur Geburt. Dann kann es vermutlich ernsthaft zeigen, was es draufhat.

Freitag, 15. März 2013

24

Heute beginnt die 24. Woche. Wikipedia und mein Schwangerschaftsbuch sind sich nicht ganz einig, was Würmchens Überlebenschancen betrifft, käme er jetzt schon: laut Wikipedia sind sie "winzig", laut Schwangerschaftsbuch liegen sie bei 79%. Das kommt mir viel zu optimistisch vor, und ich fände es gut, wenn er sich noch eine ganze Weile Zeit lässt. Noch haben wir es ja auch ganz gemütlich zusammen: hier ein Tritt und da ein Knuff, aber nichts, was mich aus der Bahn werfen würde, und auch mit dem Umfang werde ich noch einigermaßen fertig. Gestern Abend habe ich mir z.B. ohne weitere Dramen und Probleme die Füße hübsch gemacht samt Pediküre, was laut Schwangerschaftsapp eigentlich schon nicht mehr möglich sein sollte. Das Stillkissen liegt jetzt jede Nacht zwischen meinen Knien, aber das habe ich auch ohne Kind im Bauch manchmal schon so gemacht mit einem ganz normalen Sofakissen und kann es nur empfehlen für Damen mit ähnlich spitzen Knien wie ich. Schwangerschaftsstreifen habe ich auch noch nicht. Am meisten leiden bisher die Nägel: meine Fingernägel splittern an der vorderen Kante auseinander wie Blätterteig, und dabei sind sie schon ganz kurz. Auch der extra angeschaffte Lack gegen Brüchigkeit hilft nicht wie erhofft. Fies sieht das aus, aber momentan gucken eh alle nur auf meinen Bauch, da flutscht das so durch. In der Kinderwagenmission ist ein neuer Kandidat aufgetaucht. L.s Cousine, die gerade in London ihr Kind bekommen hat, schwärmt vom icandy, und L. ist fast schon überzeugt. Demnächst fliegt der Bauch auf Abschiedstournee nach Wien, da gibt es einen Laden, und bis dahin warten wir noch ab. Manchmal wundere ich mich ein bisschen: eigentlich hatte ich befürchtet, vier Jahre sorgsam geschürte Vorfreude aufs Kind entladen sich jetzt in einem hemmungslosen Kauf- und Ausstattungsrausch, aber noch kann ich mich ganz gut am Riemen reißen. Vielleicht ja auch deshalb, weil da ein Haufen Arbeit auf uns zukommt: das Gästezimmer muss ausgeräumt werden, die Wände neu gestrichen oder tapeziert, all der Kram, der jetzt noch darin ist, braucht einen neuen Platz, gleichzeitig muss der Dachboden gästetauglich gemacht werden, und dann können wir anfangen, kleine niedliche Möbel aufzustellen und Bilder aufzuhängen und Strampler in Regale zu falten, die wir noch nicht haben für ein Kind, das wir auch noch nicht haben. Noch sechzehn Wochen.

Mittwoch, 13. März 2013

Neues vom Blob

Letzte Woche haben die Mädchen mir noch Komplimente gemacht, wie hübsch schwanger ich wäre, dass man bei mir ja wirklich nur den Bauch sehen würde und ansonsten alles genau so wie immer wäre - tja. Das war letzte Woche. Heute wache ich auf - übrigens nach der ersten Nacht mit dem empfohlenen Doomoo Stillkissen um mich herumgewickelt und nach neun Stunden Schlaf - und fühle mich wie ein Klops. Wie ein Klops, der sich kaum aus dem Bett wuchten kann, geschweige denn an den Schreibtisch. Ich bin ein unförmiger Haufen Matsch. Und dabei habe ich nichts schlechter gemacht als in den Wochen davor, eher im Gegenteil: Mein einmal wöchentlich erlaubter Mittagspausen-Burger mit Fritten ist vom Speiseplan verschwunden, seit ich die nette Salatbar um die Ecke entdeckt habe. Sogar das Brot zum Salat lasse ich weg, das sieht mir gar nicht ähnlich! Damit wäre ich bei folgendem Speiseplan: Morgens: Mo, Di und Mi eine Schüssel Special K's mit fettarmer Milch (nicht freiwillig, das ist die einzige, die wir in der Agentur haben). Mittags ein Salat mit Balsamico-Dressing. Nachmittags mal ein Äpfelchen und Dickmilch, mal eine Scheibe Vollkornknäcke mit Käse. Laaaaangweilig! Und Abends gibt es aufgewärmte Reste vom Wochenende. An den anderen vier Wochentagen frühstücke ich meistens eine Scheibe dunklen Toast mit einem Ei, dazu Joghurt mit Obst. Mittags gibt es meist nüschte, dafür koche ich mir so gegen halb sechs Pasta oder Kartoffeln mit Quark oder so. Es gibt auch Exzesse, vor ein paar Tagen musste ich mir mit L. eine große Pizza und einen Becher Ben&Jerry's teilen, aber das war schon immer so, schwanger oder nicht. Ich kann nur hoffen, dass das nur eine Phase ist. Es ist nicht zu fassen, wie ich schnaufe, wenn ich auch nur von der Haustür bis ins Schlafzimmer geklettert bin, und das sind gerade mal 25 Treppenstufen. Steige ich aus der Ubahn an die Luft, dann muss ich mich dabei am Geländer festhalten, und zwar nicht aus Angst zu fallen. Plötzlich habe ich ein ziemlich gutes Bild davon, warum Schwangerschaften eine Beziehung belasten, inzwischen schaffe ich es noch nicht mal mehr, einen normalen 20:15-Film mit L. zusammen bis zum Ende zu sehen. Wenn ich morgens aufstehe, liegt er noch im Bett, ich gehe mit den Hunden und zur Arbeit, und wenn ich wiederkomme, will ich eigentlich nur noch in mich zusammenfallen. Das ist doch kein Liebesleben! Vor ein paar Tagen hätte ich heulen können, weil ich mich innerlich darauf eingestellt hatte, dass L. um kurz nach sieben zum Training geht - seit Mittags habe ich auf den Moment hingefiebert, wenn ich zuhause bin, noch kurz mit den Hunden um den Block war und dann sofort meinen wärmsten Schlafanzug anziehe. Ich wollte noch ein-zwei Stündchen auf dem Sofa liegen, vielleicht auf meiner DS rumdaddeln, dazu irgend etwas Schlonziges essen, das ich in einer Schüssel auf der Sofalehne balanciere, und dann komme ich nach Hause, und L. hat "keine Lust" und bleibt zuhause. Wie, keine Lust? Und dann war es das mit Schlafanzug und DS, und ich hielt mich noch anderthalb Stunden mühsam wach, um Fragen zu beantworten und über anstehende Entscheidungen zu diskutieren, und ich war so vollkommen fertig und enttäuscht und am Ende und fand mich dabei so lächerlich - wie lächerlich ist das, wenn sich eine erwachsene Person nach der Arbeit nicht mal mehr ein, zwei Stunden aufrecht mit ihrem Mann unterhalten kann? Ich hätte das nie geglaubt, aber genau so ist es jetzt, und zwar jeden Tag.

Gut. Weg von diesem deprimierenden Thema. Mein Sohn zappelt täglich, mal mehr, mal weniger, aber er zappelt und hört hoffentlich auch nicht wieder auf damit. Gestern hatte ich kurz den Eindruck, einer der Hunde hätte etwas bemerkt: mein Bauch zuckte so merkwürdig, und Lili erstarrte mitten in der Bewegung und glotzte dann eine Minute lang auf die Stelle, die sich da so merkwürdig ausgebeult hatte. Eigentlich dürfte die Hunde das alles nicht mehr überraschen, ich habe es jetzt in den letzten Wochen ausführlich mit ihnen besprochen, was da auf uns zukommt: dass ich von ihnen erwarte, sich ab Juli stärker im Haushalt nützlich zu machen und mir überhaupt viel zur Hand zur gehen. In all meinen Hundebüchern steht, Airedales wären perfekte Familienhunde, also bitte.

Dann habe ich auf ebay eine Wiege aus dem Sauerland von 1840 aus Kirschholz bestellt, die demnächst ankommen müsste, ein sehr hübsches Ding mit geschnitzten Sternchen und Blümchen, die später als Bettchen Nr.2 vermutlich im Wohnzimmer stehen wird. Zusammen mit dem Stillkissen und der Spieluhr, die ich immer noch nicht umgetauscht habe, sind das jetzt schon drei Anschaffungen für das Kind, und am Wochenende ist ein großer Kinderflohmarkt, zu dem ich L. hoffentlich schleifen kann. Mit dem Kinderwagen sind wir immer noch nicht weiter, neulich dachte ich kurz, wir würden einen von Hesba nehmen, die sehen ungefähr so aus wie 1970 - aber dann war das Internet plötzlich voll mit Berichten über rostende Schrauben, abbrechende Griffe etc., also wieder nichts. Schwangerschaftsstreifen habe ich noch keine, aber ich bin fast sicher, das kommt noch, Nuxe hin oder her. Wenn dieser Bauch noch vier Monate so weiterwächst, kann das gar nicht anders sein. Und: meine Mia ist da! Noch hängt sie wie angewiesen an der Strippe, um 24 Stunden durchzuladen vor dem ersten Einsatz, aber heute Abend werde ich mein müdes Gesicht für eine Minute an das Bürstchen schmiegen. Schonungslose Tageslicht-Fotos von allen problematischen Bereichen meines Gesichts habe ich gestern schon gemacht, so dass die Poren auf der Nase, die Rötungen am Kinn und in den Ecken und die zwei-drei Pickelfarmen dokumentiert sind und ich später einen objektiven Vorher-Nachher-Vergleich machen kann. Ich hab mich selten so auf ein Kosmetik-Produkt gefreut, dem kann Mia kaum gerecht werden, es sei denn, ab Tag 1 drehen sich Passanten auf der Straße nach mir um und wollen Autogramme. Egal, wie es läuft, eins steht fest: ich werde berichten.

Sonntag, 10. März 2013

So war das nämlich

Falls die Gastgeberin des gestrigen Abends meinen Blog liest und zufällig auf den letzten Eintrag stößt, dann hoffe ich, sie denkt nicht von mir, ich wäre so dämlich, erst von meiner neuen Party-Trägheit zu schreiben und dann blau zu machen, um mich gemütlich einen weiteren Abend zuhause aufs Sofa zu hauen. Dort lag ich zwar gestern, statt auf der Party zu stehen, aber gemütlich ist was anderes. Gegen sechs bin ich einfach umgekippt wie ein gefällter Urwaldriese, mein Bauch tat so scheußlich weh, als hätte jemand in meinem Inneren hundert Pflaster angebracht und würde sie jetzt gaaaanz, gaaaanz langsam abziehen. Zum Glück hat Würmchen weiter gestrampelt und tut es noch, deshalb bin ich auch nicht zum nächsten ärztlichen Notdienst gefahren, sondern habe das unter alte Endometrioseherde plus Dehnungs-Schmerzen abgehakt, und heute ist es auch wieder gut, aber gestern hatten Würmchen und ich tatsächlich das erste Mal so was wie Streit. Das war ganz schön fies. Und todmüde wie nach drei Tagen ohne Schlaf war ich außerdem. Es zeigt sich, dass ich mich inzwischen entscheiden muss: will ich tagsüber fürchterlich aktiv sein (7:30 aufgestanden, eine Stunde Hundespaziergang, dann Frühstück gemacht, Wäsche gewaschen, gebügelt, noch eine Stunde Hundespaziergang, Ikea, eingekauft, Kuchen gebacken, uff) oder abends? Nur eins davon wird in den nächsten Monaten gehen.

Während wir bei Ikea waren, ist der Winter zurückgekommen. Wir haben uns nicht länger als eine Stunde da drin aufgehalten, und als wir rauskamen, war plötzlich wieder Januar und Schnee. Inzwischen ist es sogar ganz hübsch, über Nacht war es richtig kalt, und auf jedem Zweig liegt ein dicker weißer Haufen. Die Hunde sind begeistert und hinterlassen jetzt noch überall kleine Pfützen auf dem Holzboden von den Schneeklumpen, die ihnen erst langsam wieder aus dem Fell tauen. L. ist zum Tischtennis-Turnier abgerückt, seinen Kuchen unterm Arm, und ich kann gemütlich Würmchens Schweinehund pflegen. Schnee draußen, Sauerbraten mit Knödeln und Erbsen drinnen - dieser Tag gehört Würmchen und mir.

Freitag, 8. März 2013

Mia, meine Mia

Normalerweise gehe ich bei Mode, Dekokram und Kosmetik so mit Habenwollen um: ich schleiche einen Tag lang um das Objekt der Begierde herum, dann reiße ich mich mit Gewalt los, gehe nach Hause und schlafe erst mal drüber, vorzugsweise auch noch über das Wochenende. Will ich es dann immer noch haben, dann kaufe ich es. Ist es weg, habe ich Pech gehabt, schmolle für fünf Minuten und dann gut. Denke ich nicht mehr dran, dann denke ich nicht mehr dran. Je größer die Ausgabe und je zweifelhafter der Sinn, desto beharrlicher muss ich mir etwas wünschen. Grundsätzlich ist aber mein Ideal, Dinge eher nicht zu kaufen als zu kaufen. Darauf arbeite ich hin. (Sonst bin ich nicht so geizig, für Essen z.B. haue ich Unsummen raus, den Mädchen würde schwindelig werden, wenn sie wüssten wie viel.) Dabei hilft mir seit einem Monat auch noch meine Haushaltsbuch-App, die so nervig und langweilig zu bedienen ist, dass ich mir schon angesichts des anstehenden Eintrags dreimal überlege, ob ich jetzt wirklich noch einen Nagellack brauche. Diesmal hat es etwas über die Ziellinie geschafft, um das ich jetzt seit zwei Monaten herumschleiche und herumgoogele: eine Clarisonic Mia 2 Ultraschallgesichtsbürste in pink. (Die viel besseren Farben coral und peony waren leider hier nicht zu kriegen.) Sie hat bei amazon.co.uk 120 Pfund gekostet und ist hoffentlich Montag hier. Sie ist wasserfest, man kann sie unter der Dusche benutzen und sich ein-zweimal täglich damit das Gesicht bürsten. Angeblich verfeinert sie die Poren, reduziert Fältchen, verhindert Pickel, lässt Rötungen verschwinden, entfernt Make-Up wie keine Zweite und strafft die Haut. In noch nicht mal mehr drei Wochen werde ich 40, ich fand, das kann ich mal machen. Außerdem bringt die Schwangerschaft ein paar Pickel mehr mit sich, und in den ersten Monaten kann ich vermutlich jede Unterstützung brauchen, die ich bei der Hautpflege kriegen kann. In den USA und England überschlagen sich die Damen mit begeisterten Reviews im Netz, bis auf ein paar party pooper, denen das Ding z.B. dreimal runtergefallen ist und dann kaputt war oder denen das Reise-Köfferchen zu schäbig war, hu! Ich reibe mir schon die Hände, euch zu berichten, ob es funktioniert.
Gestern war wohl einfach der Damm gebrochen. Neben der Mia habe ich außerdem einen Jeansrock und ein Jeanskleid im online-Sale bei bellybutton geordert, und hätte nicht das Bestellprogramm versagt, wäre noch eine Großbestellung bei Vertbaudet dazu gekommen. Vom Umstandsmodenhersteller Paulina hatte ich schon eine Menge gehört, größtenteils in sehr ehrfürchtigem Ton, aber als ich mir das angesehen habe, war ich entsetzt: das sieht ungefähr so aus wie die Sachen, die Sonja Zietlow zur Moderation des Dschungelcamps trägt, nur mit eingeplantem Bauch.

Ich shoppe mich in den sechsten Monat. Auch in den USA würde der heute laut "What to expect" beginnen. Falls es irgendwo auf der Welt ein Land gibt, in dem ich noch im fünften bin, habe ich noch nicht davon gehört. Inzwischen stellen sich einige der Dinge tatsächlich ein, die meine Apps mir schon im dritten Monat andichten wollten. Seit zwei Nächten ist es tatsächlich blöd, auf dem Rücken zu schlafen. Leider kümmere ich mich im Schlaf nicht darum, wache dann auf dem Rücken auf, falle auf dem Weg ins Bad fast um und habe noch eine Stunde mit Schwindel zu kämpfen, weil die Gurke mir die halbe Nacht auf die Blutversorgung gedrückt hat. Gestern hatte ich außerdem meinen ersten Anfall des Rapunzel-Phänomens und musste unbedingt jetzt und auf der Stelle Toast Hawaii essen, der sonst eher ganz unten auf meiner Liste steht, während der feine Dukan-L. ein wenig gedünsteten Seelachs mit Kräutern zu sich genommen hat, wäwäwäwäwä. Ich habe im Job zum ersten Mal die Schwangerschaftskarte gezogen, als sie wollten, dass ich auch diese Woche wieder Donnerstag und Freitag für sie arbeite. Ein normaler neun-Stunden-Arbeitstag wird gerade tatsächlich anstrengend, vor allem, weil ich nicht mehr gut mehrere Stunden auf einem der hübschen, aber harten Meeting-Stühle sitzen kann, ohne dass ich das Gefühl habe, mein Steißbein bohrt sich in meinen Nacken. Und es vergeht kein Tag mehr, an dem ich das Würmchen nicht strampeln spüre. Ich habe jetzt schon ein bisschen Angst vor den letzten Wochen, wenn das aus Platzmangel wieder aufhört, es wird mir fehlen. Gaaaaaaa, da war es wieder!

Dienstag, 5. März 2013

Einige vollkommen ungeordnete und rein subjektive Erfahrungen einer Abkürzungsdame im sechsten Monat.

1. Das mit den Lebensmitteln und den Keimen ist halb so wild. Allerdings sollte man, wenn man sich nicht während der Zubereitung eines Hühnchens zwölf mal die Hände waschen will (Rohes Huhn angefasst. Hände waschen. Salzmühle und Pfeffermühle benutzt. Huhn gewendet. Hände waschen. Salzmühle und Pfeffermühle wieder benutzt. Huhn mit Thymian und Knoblauch gestopft. Hände waschen usw.), in eine Packung CSI-Einweg-Handschuhe investieren.

2. Entweder die Schwerkraft hat zugenommen und das Ende der Welt ist nah, oder ich bin einfach seit Neuestem zu doof, einen Tag zu überstehen ohne etwas fallen zu lassen.

3. Die Schwangerschaft und ich, wir leben während großer Teile des Tages friedlich nebeneinander her. Bis sie mich dann plötzlich erwischt, wenn ich am wenigsten damit rechne. Gestern saß ich in meinem komplett verglasten Büro und bin in Tränen ausgebrochen, weil die auf der Homepage des Montessori-Kindergartens um die Ecke so nett über die Individualität des Kindes geschrieben haben.

4. In Schwangerschaftsbüchern, Schwangerschaftsartikeln und Schwangerschaftsapps steht ständig, dass Männer schwangere Frauen zum Durchdrehen heiß finden. Abseits davon ist dieses Phänomen scheinbar unbekannt.

5. Auf alle, die gegen Esoterik genau so allergisch sind wie ich, kommt eine Desensibilisierungsphase zu. Ich bin ein harter Hund, versteht ihr das nicht? Schwanger oder nicht, würde jemand Clint Eastwood mit Walgesängen im Kreißsaal, Kügelchen oder Übungen kommen, bei denen seine Lunge seinem Kind zulächelt? Ibäh.

6. Ich dachte immer, ein Kind zu bekommen ist der letzte Schritt, um vom Rest der Welt als vollwertige Erwachsene betrachtet zu werden. Aber noch nie haben so viele Leute versucht, mir reinzuquatschen, mich zu bevormunden oder mich umzuerziehen. Meine Reaktion darauf schwankt zwischen auf Durchzug stellen (meist vergeblich) und Hasspickeln (unansehnlich). Der Tag wird kommen, da brülle ich los und werfe mit Sachen. Und mit diesem Kugelbauch werde ich mich mit Sicherheit nicht bücken, um sie hinterher wieder aufzuheben.

7. Ich kann mich auch irren, aber ich habe den Eindruck, ungerechterweise wird das Ultraschallgel für den Bauch mollig vorgewärmt, während die Abkürzungsdamen sich mit dem auf 7° runtergekühlten Zauberstab abfinden müssen.

8. Das Bauchthema hat mich bisher verschont. Während dieser Schwangerschaft hat zum Glück noch niemand versucht, meinen Bauch anzufassen. Sehr gut, Rest der Welt, weiter so!

9. An mir ist fast der komplette bunte Blumenstrauß an frühen und mittleren Schwangerschafts-Symptomen vorbeigegangen. Anfangs hat mir das oft Sorgen gemacht. Den größten Teil davon hätte ich mir sparen können, wenn ich einfach von Anfang an überhaupt keine Sekunde in Foren zugebracht hätte. Eine Woche hat gereicht, um mich an den Rand der Paranoia zu treiben. Wer ähnlich veranlagt ist: lieber wegbleiben.

10. Das mit den Fristen ist kompliziert. Was muss bis wann passiert sein? Letzte Woche bin ich z.B. fast ausgelacht worden, als ich mich in meinem Wunschkrankenhaus zur Geburt anmelden wollte. "Da haben sie ja noch Zeeeeeeeit!". Mein Anmeldungstermin ist jetzt im Mai, lässig ist das. Die Hebammen dagegen haben mich ausgelacht, sofern sie zurückgerufen haben. Für die Vorsorge hätte ich mir in Hamburg scheinbar unmittelbar nach dem positiven Test eine suchen müssen. Jetzt habe ich aber eine, die zurückgerufen und mir gesagt hat, klar wäre das überhaupt kein Problem, die Nachsorge zu übernehmen - da wäre ja noch reichlich Zeit. In den nächsten Wochen mache ich mich daran, Elterngeld zu beantragen. Ob ich damit viel zu früh, viel zu spät oder genau richtig dran bin, keine Ahnung. Eine Bekannte hat sich schon vor Wochen an den Kopf gefasst, dass ich noch kein Bett und keinen Kinderwagen geordert habe - unfassbar, habe ich noch nie was von Lieferfristen gehört? Im Laden haben sie uns gesagt, sechs Wochen vorher reicht dicke, und auch die brauchen wir nicht, wenn wir nicht zu konkrete Vorstellungen haben, was die Farbe von Ziernähten etc. betrifft. Kitas, hört man immer, muss man eigentlich am Morgen nach der Zeugung anfunken. Die, für die wir uns interessieren, möchte gerne wissen, wann unser Kind Geburtstag hat und ob es schon getauft ist. Bis ich durch dieses System durchgestiegen bin, ist das Würmchen vermutlich eingeschult (vermutlich auch entweder zu früh oder zu spät). So ist das wohl.

11. Die Abkürzungszeit ist immer noch da, sie steckt mir in jedem Knochen. Aber auch, wenn ich schon nicht mehr daran geglaubt habe - irgendwann kommt sie: die Zeit, in der ich einfach schwanger bin. Nicht schwanger gegen jede Wahrscheinlichkeit, wie durch ein Wunder schwanger, schwanger trotz Endo, Myomen, Zysten und einem insgesamt feindseligen Uterus, sondern schwanger.

12. Sollte unter meinen Leserinnen eine sein, die so dermaßen vom Abkürzungsschicksal unbeleckt ist, dass sie sich einfach aussuchen kann, zu welcher Jahreszeit sie wie schwanger sein will: bisher bin ich rundum begeistert von meiner Zeitplanung. Versuch im Herbst, schwanger Anfang November, dann über den Winter viel Zeit zum Herumlungern und früh Schlafengehen, und in dem Moment, in dem der Bauch droht, den Reißverschluss meiner Winterjacke zu sprengen, ist der Winter vorbei. Im Frühjahr noch mal letzte Gelegenheit zu ein paar netten Kurzurlauben zu zweit, und wenn die Affenhitze beginnt, sitze ich sowieso zuhause und brüte auf meinem Klinikkoffer. Ich find's gut so und kann das nur empfehlen.

13. Das Öl, das Penaten zum Baucheinschmieren herstellt, ist ein großer Mist. Erst machte es den Bauch schmierig, dann hat es ihn ausgetrocknet, und als Nebenwirkung gab es den miesesten Juckreiz seit meinem letzten Allergieschub wegen einer irrtümlich geschluckten Aspirin. Zum Glück war die bisher schlechteste Investition dieser Schwangerschaft auch eine der kleinsten.

14. Einige sagen, meine Kinderwunschärztin hat schon ein dickes Dankeschön von mir bekommen, und zwar in Form eines mächtigen Stapels pünktlich bezahlter Rechnungen. Ich sehe das anders. Wenn er gesund auf der Welt ist, bekommt sie von mir ein neues Paar Berkemänner und eine Flasche von meinem Lieblingschampagner. Es wird mir eine große Freude sein.


Samstag, 2. März 2013

Kontrolle durch die Vorsatzpolizei

Zwei Monate sind um, zweimal war ich im Kino. Nullmal habe ich Mittag in einem Lokal ohne Take-Out gemacht. Ich muss an mir arbeiten! Auch die hundert neuen Rezepte kommen eher schleppend voran. Bisher habe ich auf der Liste:

1. Eis aus Bitterorangen
2. selbstgemachter Rahmspinat zum Steak
3. Adzika, eine georgische Chilisauce
4. Khachapuri, ein georgisches Brot gefüllt mit Käse
5. Mandel-Zitronen-Kuchen
6. Pilze Stroganoff
7. Haferflockenkekse
8. Chirashi Sushi (minus Fisch, plus Avocado und Gurke)
9. Käsefondue mit Gemüseplatte

Nicht doll, dieser Schnitt. Wie soll das erst werden, wenn ich ab Sommer Würmchen im Arm habe und den Kochlöffel mit den Zähnen festhalten muss? Heute wollte ich deshalb mit Ossobucco nachlegen. Ich stehe immer an der Fleischtheke, und es zieht mich mit Macht zu den Stücken abseits von Schnitzel und Steak. Die Beinscheiben haben mich schon öfter angelacht, und weil L., der Gute, wieder mal auf dem Ducan-Trip ist (was den Bauch betrifft, nehmen wir uns gerade nicht viel), war es diesen Donnerstag beim Einkaufen so weit: ich habe spontan beschlossen, dass ich uns das Wochenende mit Ossobucco versüße. Es zeigt sich, spontan kann ein Fehler sein, und wenn man dieser Küchenromantik entsprechen will, mit dem Körbchen in der Armbeuge durch die Welt zu wandern und sich von Gemüseständen und dem, was der Fischmann gerade hat, inspirieren zu lassen, dann sollte man ein bisschen mehr Küchen-ABC draufhaben als ich. Ossobucco macht man nicht aus Rind, sondern aus Kalb. Jetzt steht ich da mit ca. anderthalb Kilo dicken, roten Beinscheiben. Die werde ich jetzt wohl anbraten und dann mit Rotwein, Tomatenmark, Fond, vielleicht ein paar Oliven, Zwiebeln, Knoblauch und Sellerie schmoren und gucken, was passiert, schlimm kann es eigentlich nicht werden. Dazu Risotto für mich und Luft für Herrn Ducan?
Würmchen scheint die Aussicht zu gefallen, er zappelt mit den Beinen. Und mir gefällt die Aussicht auf Stammtisch morgen. Wir haben jetzt einen Tisch für acht - zwei Nachzüglerinnen eingerechnet, dafür die frischgebackene Mutter Birgit rausgerechnet - um elf. Ich bin dann die mit dem Bauch und den Strubbelhaaren.


Mittwoch, 27. Februar 2013

Mein Goldfisch mit Geweih

Habe ich geschrieben, Igittigitt, ein Junge, den stecken wir am besten in einen Sack und ertränken ihn in der Regentonne? Oder verkaufen ihn an einen durchreisenden Rummel? Kann ich mich nicht dran erinnern, aber ich habe auch nicht das dollste Gedächtnis dieser Tage. Habe ich geschrieben, jede, die hier jemals mitgelesen hat, hat ein Zwangsabo von der schlimmsten Jamba-Sorte bis an ihr Lebensende abgeschlossen und muss jetzt immer weitermachen, komme, was wolle, egal, wie doof ich inzwischen geworden bin? Kann ich mich auch nicht dran erinnern. Aber mach was, Würmchen schlägt mir nun mal auf die Konzentration, ist also alles möglich.

Wir genießen noch für ein-zwei Stunden die Ruhe bei meinen Eltern, bevor wir uns auf den Heimweg machen. Sie freuen sich so auf ihr Enkelkind, dass es ihnen schon zu den Haarwurzeln herausquillt. Und ich werde umsorgt wie eine schwangere Bienenkönigin, kriege ein Sofa samt Decke und Kissen ganz für mich, während der Rest der Familie um mich herumkauert, muss hier keinen Finger rühren, noch nicht mal das Tier spazierenführen, und finde, das könnte ruhig noch ein paar Tage so weitergehen. Tut es aber nicht, heute Abend ist wieder alles beim Alten. Und das alte ist: der Bauch wächst weiter, Würmchen tritt und boxt immer mal ein bisschen - immer noch nicht schlimm (es hieß immer, das fühlt sich an wie ein Goldfisch, der wild im Bauch herumschwimmt. Nur, dass meinem Goldfisch gerade ein kleines Geweih gewachsen ist.), sondern jedes Mal ein Grund zu Staunen und Freude. Und trotz all dem - trotz der seltsamen Lebensmittelvorschriften, obwohl ich die einzige bin, die kein Glas Cognac vor sich stehen hat, obwohl ich eine deutlich gekennzeichnete Schwangerschaftshose trage und obwohl ich offiziell im sechsten Monat bin, gibt es immer noch große Strecken des Tages, an denen das nicht wirklich real sein kann. Fünf Monate seit dem Test putzen eben vier Jahre Spritzen nicht einfach so weg. Vier Jahre, in denen ich mir immer größte Mühe gegeben habe, ehrlich im Blog zu sein und einfach zu schreiben, nicht wie sich diese ganze Kinderwunschsache nach allem, was man so liest und hört, so anfühlen sollte, sondern wie ich sie erlebe. Und wenn ich nach einem Jungsultraschall jetzt ein paar Tage brauche, um mich von meinem vier Jahre lang gehegten und gepflegten kunterbunten Mädchentraum zu trennen und den Jungstraum genau so farbenprächtig auszuschmücken, dann liegt das vielleicht auch daran, dass mich nicht ein Konferenzraum voller Disney-Kreativer und Nonnen ausgedacht hat. Versteht mich nicht falsch: ich kann sofort nachvollziehen, dass das manche Abkürzungsdame erzürnt und enttäuscht. Es erzürnt und enttäuscht diese Abkürzungsdame hier ja selbst. Aber ich verspreche euch, das würde hier nach kurzer Zeit sehr, sehr langweilig werden - nicht zuletzt für mich - wenn ich ab jetzt ausschließlich und jeden Tag schreiben würde, wie wunderbar herrlich alles in jeder Hinsicht ist und dass wir dem Schicksal täglich auf Knien danken. Vor vielen, vielen Jahren habe ich mal in mein Tagebuch geschrieben, wenn doch nur K. wieder mit mir zusammen sein wollte, dann hätte ich in meinem ganzen Leben nie wieder etwas zu meckern oder irgend einen Wunsch. Ein paar Monate später wollte K. mit mir zusammen sein, woraufhin ich nicht nur entgegen meinem Versprechen nicht aufgehört habe, zu meckern und zu wünschen, sondern sieben Jahre später sogar eigenhändig mit ihm Schluss gemacht habe. So viel zum Thema: Träume werden wahr, und von diesem Moment an gilt: Mundwinkel streng nach oben. Ich habe damals auch schwer mit mir und meiner mangelnden Glücksausdauer gehadert, aber es war eben nun mal so, wie es war. Ist euch das noch nie passiert?

Im übrigen möchte ich jetzt noch mal ausdrücklich - zwischen den Zeilen scheint nicht zu reichen - schreiben, dass ich hier über einen Gefühlszustand spreche, der inzwischen in der Vergangenheit liegt und noch nicht mal ganze drei Tage angehalten hat. Ich freue mich inzwischen und minütlich immer noch mehr auf meinen kleinen Knirps. Ich freue mich wie wild auf ihn! Ich habe vor lauter Vorfreude kaum noch Platz für ein anderes Gefühl gerade, abgesehen vielleicht von der allgemeinen großen Verwirrung und ab und zu der Sehnsucht nach einem Salamibrot.


Montag, 25. Februar 2013

Meine Sensationserfolge mit der Friss-das-Doppelte-Diät

Jeden Montag Morgen steige ich auf die Waage und hoffe, so um die 500 Gramm zugenommen zu haben - das wäre perfekt. Heute habe ich 900 Gramm abgenommen. Und ehrlich, ich bin perplex. Sorgen muss ich mir wohl keine machen, dazu war der Ultraschall vom Donnerstag viel zu gut, außerdem vergeht seitdem kein Tag, an dem ich ihn nicht mehrmals (ihn. Habt ihr gesehen? Wie selbstverständlich schreibe ich "ihn". Ha!) treten oder boxen spüre. Aber ich frage mich, wieso? Letzte Woche haben wir zwei Romantiker unseren vierten Hochzeitstag mit je einer Schlachteplatte beim Griechen gefeiert. Nach dem Ultraschall waren wir nach alter Tradition bei Burger King, und zwar nicht wegen der neuen Apfelstäbchen. Am Samstag habe ich Pizza gebacken, und zum Nachtisch hatte ich eine komplette Packung (gut, nicht die Familienpackung, aber trotzdem) Schokoladeneis - wie kann das angehen? In den ersten Wochen nach dem Test habe ich mich wirklich mehr am Riemen gerissen und konnte zugucken, wie mein Bauch langsam aus der Hose quillt. War das alles Luft? Hormonfasching? Eine Laune der Natur? Die Vorweihnachtszeit? 72,9. Damit habe ich jetzt, im sechsten Monat, noch nicht mal ganz fünf Kilo zugenommen. Natürlich hofft man, so lange man lebt, und ich hatte sicher gehofft, ich würde eine dieser knackigen Schwangeren mit einem niedlichen, genau abgegrenzten Kugelbäuchlein am ansonsten drahtigen Körper, aber ich hatte noch viel mehr befürchtet, dass es bei mir in der Schwangerschaft kein Halten mehr geben würde, egal, wie viele schlaue Texte ich zu dem Thema lese. Ich esse unter normalen Umständen schon für zwei, jetzt also für drei. Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Und es geht mir gut, ich habe weder Dünnpfiff noch leide ich an Appetitlosigkeit oder anderen besorgniserregenden Dingen.

Außerdem habe ich drei Hebammenpraxen angeschrieben. Ich fürchte, mit einer Geburt zur Ferienzeit habe ich mir die Aussicht auf das vertraute Gesicht einer Beleghebamme versemmelt, aber da rechne ich sowieso mit einem Ausnahmezustand, und ob ich die alle zum ersten Mal sehe, ist dann auch schon fast wurscht (zumindest in meinem Kopf). Für die Vorsorge brauche ich sie auch nicht, ich gehe gerne weiter zu meiner Ärztin. Aber für die Nachsorge und die ersten Wochen hätte ich gerne eine. Und es zeigt sich, dass unsere Idylle hier im Vorort andere Leute nicht so zu begeistern scheint wie uns. Noch keine der Praxen hat geantwortet, und meine Mails waren vom Donnerstag Vormittag. Ehrlich, wie rufbereit genau kann eine Hebamme sein, die es in vier Tagen nicht schafft, eine kurze Mail zu beantworten? Also werde ich mich heute vom Auto aus ans Telefon hängen und denen hinterhertelefonieren. Es wird wohl Zeit.

Und dann habe ich noch zu melden, dass ich uns einen Tisch im Gloria für Sonntag, 11 Uhr reserviert habe, für sieben Damen, mich eingeschlossen. Liebe Fanny, deine Mail hab ich gesehen und freu mich schon auf Dich und die anderen.

Sonntag, 24. Februar 2013

Da erwarte ich von mir aber entschieden mehr.

So geht's nicht. Drei Tage Flappe ziehen sind genug. Was sollen die Leute denn von mir denken? Mich eingeschlossen? Anfangs haben die vielen, vielen reizenden Kommentare à la "In dem Moment, in dem wir es erfahren haben, war es plötzlich genau richtig" mir nur noch deutlicher gezeigt, wie falsch das alles in meinem Kopf läuft: denn bei mir hielt das Gefühl "ein Junge wieso denn bloß ein Junge ich will keinen Jungen ist denn das zu viel verlangt?" ehrlich gesagt bis heute Nacht an. Und ich wusste, wie bescheuert das ist: ich wusste, wie dankbar wir sein können - dafür war ich schließlich vier Jahre lang auf der anderen Seite, die habe ich nicht hormonbedingt vergessen. Aber zu schmollen und zu wissen, dass Schmollen gerade das Allerallerletzte ist, hat die emotionale Gesamtlage auch nicht besser gemacht. Auch nicht geholfen hat gestern die Diskussion zwischen L. und seiner Mutter, dass in seiner Familie erblich bedingter Haarausfall angeblich immer eine Generation überspringt. L.s Großvater: beerdigt mit voller Frisur. L.s Vater: extrem frühe Halbglatze. L.: bis heute Lockenkopf ohne sichtbaren Lücken. Würmchen: naja. Im Juli gebäre ich einen einundzwanzigjährigen, teigigen Nerd mit Pferdeschwanz und Halbglatze, der sich nie die Nägel schneidet, na bravo. Das dachte ich wirklich! In meinem Fusselhirn! Bis gestern Abend. Jetzt habe ich beschlossen, es muss ein Ende haben, und zwar sofort, das geht so nicht. Jetzt wird gegengesteuert, sonst trifft mich ein Blitz und der vollkommen berechtigte Zorn alles Abkürzungsdamen. Ein erster Schritt ist ein neues Pinterest-Bord. Haltet mich nicht für shopping-süchtig, denn das Gegenteil ist der Fall, ich bin eher shopping-phobisch. Aber es hilft tatsächlich, mir auszumalen, wie sein erstes Zimmer aussehen wird, was er anziehen wird und welche Bilder wir an seine Wand hängen werden. Zufällig ist jetzt die Zeit, in der ich mir tatsächlich überlegen muss, was wir noch brauchen, zumindest, wenn ein Teil der Sachen nette Ebay-Funde, von uns aufpoliert und verschönert, sein sollen. Ein alter Schaukelstuhl z.B., um ihn nachts in den Schlaf zu schaukeln. Und ein alter Ohrensessel zum Stillen, am besten aus ganz ollem, medizinballdickem Leder, damit man die ganze ausgerülpste Milch einfach wieder abwischen kann. Vielleicht finden wir sogar solche Schätze wie eine riesige Steiff-Ausstellungsgiraffe oder viele kleine alte Segelbootchen, aus denen ich ein Mobile basteln kann. Morgen fahren wir für noch nicht mal 48 Stunden zu meinen Eltern, da liegen laut meiner Mutter noch Tonnen von Kinder- und Babykram, Bücher von mir außerdem - die alten Märchenbücher z.B. mit den schrägen Illustrationen von Ruth Koser-Michaels, vielleicht können wir ja einen kleinen Teil schon mal mitnehmen? Ich brauche jetzt Dinge, die ich anfassen und an denen sich meine Phantasie austoben kann, sonst baut sie nur wieder Mist wie die Vorstellung, mein Kind würde der Comicladenbesitzer aus den Simpsons. Und schon jetzt habe ich das Gefühl, all das Geplane und Gepinne hilft. Es wird höchste Zeit, sonst verpasse ich das Beste.

Übrigens bin ich gar nicht so sicher, ob ich jetzt, in der 21. Woche, tatsächlich noch im fünften Monat bin? Laut "What to expect" schon, aber laut deutscher Zählung bin ich im sechsten. Also gut, dann eben beide Labels.