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Mittwoch, 6. April 2016

Babyschritte

Mein Beckenbodentrainingsdings heißt, falls ihr euch erinnert, femifree. Bei femifree sitzt eine Dame, die ich damals angeschrieben habe, als ich ein Probegerät haben wollte, und sie fragt immer mal wieder, wie es so läuft. Und in den letzten Monaten hatte ich selten gute Nachrichten. Ich war dabei! Ich hab traininert! Aber dann war ich krank. Dann war ich wieder krank. Dann war der Rücken im Eimer. Dann war ich zur Abwechslung krank. Und zum Schluss hatte ich einen Husten, der gefühlt alle Trainingsbemühungen der letzten Monate, Quatsch, Jahre, innerhalb weniger Tage zunichte gemacht hat. Ich hustete wie ein ganzes Hollywoodlazarett, verbrauchte jeden Tag eine komplette Apothekenpackung Tena in der Stärke “Dicker Strahl”, und zu der Husterei kam dann auch noch ein dauerverquollenes Gesicht, weil ich jeden Tag dreimal vor Wut und Frust in Tränen ausbrach. Ehrlich, das sollte es jetzt sein? Da trainiere ich jeden Tag wie ein Uhrwerk, führe sogar ein Trainingstagebuch, und am Ende reicht eine Erkältung, und man ist wieder Pflegestufe drei? Wo ich doch eigentlich längst wieder mit iphone im Ohr um den Park rennen wollte? Ach was, bleiben wir bescheiden, wo ich doch eigentlich gehofft hatte, auch weiterhin nicht bei jedem Schritt aus der Hose zu knistern? Bleibt das jetzt so? Für immer?

Dann hat meine Ärztin mir Codein-Tropfen und ein fieses Spray gegen den Husten verschrieben, mir außerdem erklärt, dass ich für’s Immunsystem statt Vitamin C lieber Zink schlucken soll, und mich auch sonst ein bisschen aufgebaut, und nach drei Tagen war der Husten weg.

Und ich dachte, also schön, raffe ich mich eben wieder auf, noch sind genug Barnaby-Folgen auf dem Festplattendings für die ersten Trainingseinheiten. Jeden Tag habe ich mir die Manschetten umgeschnallt, das frisch geladene Therapiegerät um den Hals gehängt, die Kabel in die dafür vorgesehenen Nupsis gesteckt und mich sanftem Elektrogebrizzel ausgesetzt, während vor meinen Augen grausige Morde in idyllischer Landschaft aufgeklärt wurden.

Das tue ich jetzt seit ca. fünf Tagen. Und gestern - fragt mich nicht, wieso - war es mal wieder so weit. Meine Laufschuhe haben mich aus dem Schuhregal auf diese gewisse Art angeplinkert, und ich bin ein bisschen rot geworden und konnte nicht wegsehen. Seit Kalles Geburt habe ich das bisher vier mal versucht. Jedes Mal war ich voller Motivation und kaum zu bändigender Energie, und jedes Mal kam ich nach fünf Minuten nassgepiescht und nassgeheult mit eingeklemmtem Schwanz nach Hause geschlichen. Und gestern -

gestern ging es. Es war nur ein ganz kleines Anfängerprogramm! Fünfzehn Minuten im Ganzen, davon nur ein paar Ein-Minuten-Abschnitte Laufen, der Rest gehen! (Aber das war es die letzten Male auch.) Ich bin auch nur ganz locker getrabt! (Bin ich die letzten Male auch.) Und ich wollte es nicht übers Knie brechen, sondern einfach nur mal versuchen! (Genau wie die letzten Male.)

Und geheult habe ich auch, aber zur Abwechslung mal nicht vor Wut.

Ich weiß, dass das noch nicht das Ende meiner Beckenbodenprobleme sein muss. Kann gut sein, dass das nächste Mal wieder die Hose nass wird und das dann um so mehr weh tut. Flieg nicht zu hoch, mein kleiner Freund! Kann sein, dass ich die Playlist, die ich jetzt schon wieder für zukünftige Läufe zusammenstelle, vor allem im Sitzen hören werde. Kann alles sein. Aber auch, wenn das nicht das Ende meiner Beckenbodenprobleme ist, ist es doch der Anfang vom Ende.

Hier sitzt eine, die ist sehr, sehr einverstanden mit dem, was ihr komischer endometriosevergrützter Körper ihr in letzter Zeit so anbietet. (Über die schlimmen Haare und diese Dauererkältung reden wir ein andermal. Wer könnte da noch böse sein!)

Und darüber hinaus habe ich letzte Woche gelesen, dass Kate Winslet nun in der Öffentlichkeit über ihre Beckenbodenprobleme spricht. Kate Winslet! Die mochte ich schon immer.

Mittwoch, 4. November 2015

Noch geht tippen schneller als laufen. Aber demnächst!

Der erste Geburtstag, den wir hier gefeiert haben, war L.s vierzigster. Auf einmal hatten wir ein Haus. Auf einmal hatte L. Geburtstag. Und auf einmal hatte L. ziemlich viele Leute eingeladen, die auch noch alle kommen wollten. Die Küche ist winzig, aber irgendwie haben wir es geschafft, 30 Leute zu bewirten. Morgen feiern wir hier den letzten Geburtstag: Michel wird ein Jahr alt. Wie immer bei Umzügen ging es mir auch diesmal: erst wurde mir klamm bei dem Gedanken. Dann ist dieses Klamme langsam verflogen, und ich habe mich behaglich eingerichtet im Verabschieden. Und dann ging es irgendwann los, und auf einmal konnte ich noch nicht mal mehr sagen, wann hier der letzte Tag war, an dem noch alles normal und in Ordnung war. Jetzt ist hier nichts mehr normal und in Ordnung, die meisten Regale sind halb leer, die Hälfte der Stühle ist weg, fast alle meine Kleider (was nicht so schlimm ist, denn ich trage sowieso 10% meiner Kleider fast jeden Tag und den Rest theoretisch irgendwann demnächst bestimmt), und hätte ich mich nicht aufgeführt wie eine Furie, dann hätte ich auch keine Backform mehr gehabt für Michels Geburtstagskuchen. Jetzt ist das hier wirklich vorbei. Und ich bin sehr traurig und freue mich trotzdem auf das, was als Nächstes kommt. Ich hoffe, ich kann bald mehr dazu schreiben, aber gerade tippe ich hier gegen die Uhr an, denn aufgrund von Verwicklungen, die zu erläutern ich keine Zeit habe gerade, hüstel-hüstel, dreht die Telekom uns das W-Lan irgendwann heute ab. Ja, ich habe genau so gestaunt! Jedenfalls wissen wir noch nicht, wann in der neuen Butze Internet ist, und hier kann es jede Sekunde vorbei damit sein.

Also wieder mal ein Telegramm von mir.
Erstens: die Jungs.
Michel ist seit Montag in der Kita-Eingewöhnung. Für alle noch-nicht-Eltern: Kinder kommen nicht ZACK plötzlich für ein paar Stunden in die Kita, sondern sie werden langsam daran gewöhnt. Am ersten Tag eine Dreiviertelstunde, am zweiten, dritten und vierten Tag auch, und Mama oder Papa sitzen dabei. Dann steigert sich das, bis sie irgendwann so weit sind und die Dinge ihren Lauf nehmen können. Michel macht das toll, viel besser als erwartet. Er krabbelt neugierig los, strahlt die Kinder an und die Spielsachen, würdigt mich keines Blickes und ist sensationell gut gelaunt. Kalle dagegen hat scheinbar ernsthafte Revierverteidigungsprobleme. Wird das? Bestimmt. Hoffe ich jedenfalls und knirsche mit den Zähnen.

Zweitens: der Job.
Ganz ehrlich: ich habe gerade keine Ahnung, wie es weitergehen soll. "Nutze das als Chance! Besinne Dich neu! Du kannst alles machen, was Du willst!" Genau. Ich habe die Hosen gestrichen voll.

Drittens: Mamas Gesundheit.
Ist vielleicht eine kleine Erklärung dafür, warum der Unternehmergeist gerade nicht so richtig in Fahrt kommt. Seit Juni habe ich jetzt diese Schmerzen in der Hüfte. Morgens beim und nach dem Aufstehen ist es am schlimmsten, aber Nachts ist es ein knapper zweiter Platz, und ich kann inzwischen kaum mehr eine Nacht ohne Schmerztablette schlafen. Inzwischen bin ich geröntgt, morgen erfahre ich, was es auf diesen Bildern zu sehen gibt und was das bedeutet. Mittlerweile bin ich fast so weit, dass mir egal ist, was es ist, Hauptsache, ich kenne endlich seinen Namen. Meine Geduld, noch nie meine starke Seite, ist vollkommen erschöpft. Und nicht nur das, inzwischen führen die Schmerzen auch zu einer massiven Fehlhaltung. Innerhalb kürzester Zeit habe ich mir jetzt alle Schuhe schiefgetreten, und aus ursprünglich nur Hüftschmerzen sind inzwischen auch Knie- und Fußschmerzen geworden. Sapristi! Ich finde wirklich, für Zipperlein bin ich noch zu jung.
Ach ja, und die Blutungen: gerade habe ich zum dritten Mal in dreieinhalb Wochen meine Tage. Aber laut gründlichem Ultraschall ist alles gut. Es gibt ein kleines Myom, aber das ist für mich myommäßig ein Superschnitt, und es kann laut Frauenärztin auch nicht für so viel Blut sorgen. Sie vermutet seelische Ursachen. "Seelische Ursachen!" Ich finde sie nett, darum bin ich ihr nicht direkt ins Gesicht gesprungen, wie ich das sonst in diesem Fall immer tue. Nun habe ich nicht nur Zorn auf meine Hüfte, mein Knie und meinen Fuß, sondern auch auf meine Seele. Es wird ein bisschen einsam hier.

Viertens: der Plan.
Ich habe das noch nie getan: den Blog gemolken. Jedenfalls bilde ich mir das ein. Ok, ich habe ein Buch daraus gemacht, und ab und zu habe ich euch angehauen, ob vielleicht eine Lust hat, ein Interview zu geben, aber davon abgesehen davon - nichts. Jetzt habe ich wieder mal in Sachen Pipiproblem gegoogelt und gegoogelt und bin auf eine Option gestoßen, die zwar vielversprechend klang, die ich mir aber gerade vom Elterngeld nicht leisten kann. Also habe ich den Hersteller dieser Option angeschrieben und ihm von mir und meinem Blog erzählt. Bin ich rot geworden, während ich die Email geschrieben habe? Ich fürchte ja. Aber es hat sich gelohnt, denn jetzt darf ich sein Gerät testen und darüber berichten. Heute macht sich irgendwo im tiefsten Baden-Württemberg ein Päckchen auf den Weg, und ich glaube fest daran, dass es mich ein gutes Stück näher an meine heiß ersehnte erste Runde um den Park bringt.

Sonntag, 22. September 2013

Laufen lassen.

Rechter Fuß, linker Fuß, rechter Fuß, linker Fuß, und jetzt immer so weiter. Eigentlich ist nicht zu erklären, dass Laufen mich so rührt. Tut es aber. Mein Lauf-Playlist besteht zu großen Teilen aus Liedern, die ich mir sonst nur im Vollrausch anhöre ("I need a hero" von Bonnie Tyler ist nur eins davon). Laufen erfüllt mich mit dem, was andere Menschen empfinden, wenn ihr Land die Fußball-WM gewinnt. Als ich schwanger war und nicht gelaufen bin, habe ich manchmal Tränen in die Augen bekommen, wenn mir und meinem Bauch laufende Frauen begegneten. Es gab mal einen Werbespot von Nike, da war das Jahr 2000 da, und am 1. Januar lief ein verkaterter Mann durch das völlig verwüstete San Francisco, während Bomben über den Himmel zischten und Autos brannten und überall das Chaos regierte, das dieser Bug angerichtet hatte, der dann doch nicht kam. Den fand ich toll. Natürlich habe ich die Nike+-Lauf-App auf der ersten Seite meines Telefons, und natürlich speichere ich jeden Lauf, und natürlich träume ich davon, eines Tages mal einen Marathon mitzulaufen. Jeder noch so alberne Meilenstein, den die App mir bescheinigt, macht mich glücklich. ("Der erste Lauf an einem Dienstag! Wow!")

Ich war einfach zu müde, die Schwangerschaft war zu wackelig, ich war zu ängstlich, und wenn einen schon eine Treppe fast umkippen lässt, muss man über das Laufen wohl nicht erst nachdenken. Aber jetzt, dachte ich, geht es wieder los. Nach zwei Monaten und nachdem ich wieder beim alten Gewicht bin, sollte es gehen. Und das Laufprogramm, mit dem ich letztes Jahr gelaufen war, fängt so langsam an - fünfzehn Minuten, immer eine Minute gehen und eine Minute langsam laufen -

ich dachte wirklich, das kann ich. Und ich war ganz gerührt bei der Aussicht darauf. Und ich hatte extra mein Telefon ganz aufgeladen. Und ich hatte mir schon morgens die Laufsachen rausgelegt. Und L. schon ungefähr fünfmal gefragt, ob er nachher den Kleinen mal für zwanzig Minuten nehmen kann, ich will nämlich laufen gehen, hab ich das schon erzählt?

Und dann war ich im Park, Abendsonne und milde Brise und sonntägliche Spaziergänger, und ich... ich...

Ok, raus damit. Ich hab mir wieder in die Hose gemacht. In jeder Lauf-Phase ging etwas rein. Flottes Gehen war ok, aber Laufen nicht. Und ich konnte den Beckenboden anspannen, wie ich wollte, es nützte nichts. Meine Beine wollten unbedingt, mein Unterbauch nicht. Ich hatte keinerlei, wirklich nicht das kleinste bisschen Kontrolle darüber. Ich bin weiter gelaufen, war ja nur eine Viertelstunde. Aber ich war wirklich, wirklich am Ende. Zuhause angekommen, bin ich direkt durchgegangen ins Bad, um zu duschen und mich umzuziehen. Ich weiß noch nicht (googeln zu diesem Thema ist schwerer als gedacht), ob weiterlaufen hilft. Dass es etwas für meinen Kreislauf und meine Beinmuskeln tut, ist klar, aber leiere ich beim Laufen den Beckenboden am Ende weiter aus? Hilft Training auf dem Crosstrainer? Wieso dachte ich eigentlich, ich komme davon? Und ist das nicht alles völlig egal, wo sich doch mein größter Wunsch erfüllt hat? Nein, ist es nicht.
Ich bitte sonst nicht so oft um Rat, ich weiß, aber hatte hier vielleicht eine andere Ex-Abkürzungsdame das gleiche Problem und kann mir irgend einen Tipp geben? Oder mir sagen, dass sich das Problem irgendwann demnächst von allein erledigt?

Sonntag, 30. September 2012

Irgendwelche Krimitipps? Her damit!

Liebe Abkürzungsdamen, eins vorweg: ich fand es auch sehr, sehr schön mit Euch allen. So einen großen Stammtisch hatten wir noch nie, fabelhaft, dass sich so viele mitten in der Woche trotz Hormontran und Sauwetter aufgerafft haben! Nachdem ich am nächsten Morgen allerdings mit dem Kater des Jahrtausends aufgewacht bin, habe ich heute immer noch das Gefühl, es ist mal wieder Zeit für ein bisschen Gegensteuern. Dementsprechend habe ich gestern den Abend in der Heide nicht, wie von meiner Schwiegermutter angeboten, mit Wein verbracht, sondern mit alkoholfreiem Hefeweizen, und genau das tue ich heute wieder. Ich habe (der alte Trick) seit Freitag nur amtliche Naturkosmetik verwendet, heute war ich laufen, und zwar so schnell wie geht und all die steilen Berge hoch, und jetzt habe ich langsam das Gefühl, ich bin wieder auf Kurs. Bevor ich morgen nicht auf die Waage gestiegen bin, will ich keine Prognose wagen, aber ich habe den Eindruck, langsam tut sich auch da etwas trotz üppiger Portionen. Jetzt heißt es dranbleiben. Und jetzt heißt es, ein zweites Paar Laufschuhe kaufen. Und vielleicht eine Pulsuhr. Auf jeden Fall aber für die nächsten Wochen viele leckere Getränke, die mir den Feierabend vergolden, ohne ihn mir zu vernebeln.

Gerade habe ich endlich einen (leicht verspäteten) Text für eine Zeitschrift rausgeschickt, seit Donnerstag habe ich keinen Piep mehr gehört auf einer anderen Baustelle außerhalb der Agentur, und nächste Woche arbeite ich Montag, Dienstag und dann fünf Tage nicht. Ich kann gar nicht sagen, wie nötig das ist nach diesem Galeerensklavenseptember. Bitte, bitte, lieber Gott, mach, dass die Zeitschrift mit dem Artikel so glücklich ist und nicht alles neu will. Spätestens morgen früh werde ich meine Order für einige Bücher aufgeben, die längst auf der Wunschliste stehen, und dann folgen fünf Tage häusliche Betriebsamkeit, Fensterputzen, Erledigungen, Kochorgien, Kaminfeuer, Sauna, Laufen, mit L. auf der Couch herumhängen, Lesen, ich bin die glücklichste Unfruchtbare der Welt.

Dienstag, 25. September 2012

Vier Erkenntnisse zum Herbstanfang

1. Ich kann mir die Lunge aus dem Leib laufen, so lange ich weiterhin darauf beharre, zwei gebackene Camemberts und ein Blech Pommes mit Mayo wären ein angemessener Nachmittagssnack, wird das nichts mit Größe 36.

2. Mit mir und 90% aller Psychologen wird das vermutlich ebenfalls nichts. Gestern war unser letztes Adoptionsgruppentreffen. Und obwohl ich den gar nicht unsympathisch finde, ihm auch dankbar dafür bin, dass er seine Freizeit (vermutlich unbezahlt) für uns Adoptionseltern opfert und bestimmt neben all dem Kummer viel gelernt habe, war ich gestern schon wieder kurz vor Explosion. Und zwar an zwei Stellen: Stelle 1: Psychologe fragt, ob in unserer Gruppe Leute von der Behörde auch darum gebeten worden seien, ab sofort zu verhüten. Ich dachte, das wird jetzt ein Krösken über die bescheuerte Behörde. Aber als drei Paare belustigt nickten, sagte er: ja, das könnte er so nur unterstreichen, denn man würde es oft genug erleben, dass die Frau vier Wochen nach dem Einzug des Adoptivkindes plötzlich schwanger würde, und das wäre dann eine Katastrophe. Ich konnte mich nicht mehr halten: "Mal ehrlich, vielleicht bin ich da naiv, aber wo genau soll da die Katastrophe sein? Dann hat man eben zwei Kinder, ist doch toll!" Nein, nein, nein, so geht das nicht. Das Adoptivkind fühlt sich bedroht und als Kind zweiter Klasse, das geht dann nicht. Und dann? Abtreibung? Oder sein eigenes zur Adoption freigeben? Ich weiß es nicht, aber ich scheine auch wirklich gar nichts kapiert zu haben. Stelle Nr.2: in unserer Gruppe sitzt auch ein sehr nettes Paar, von allen von Herzen beglückwünscht und auch ein bisschen beneidet, bei denen der Anruf fast sofort kam und die jetzt schon einen gesunden Säugling zuhause haben. (Hut ab davor, dass die dann trotzdem noch kommen.) Zu denen gewandt hat er gestern erklärt, dass die Säuglinge direkt nach der Trennung von der leiblichen Mutter ja dermaßen traumatisiert wären, da könnte man sich drauf einstellen, dass sie Tag und Nacht schreien würden, sehr steif und unbeweglich wären, gleichsam erstarrt vor Schock... Das Paar konnte ihm nicht den Gefallen tun, das zu bestätigen: "Och, sie ist eigentlich total entspannt. Knöttert mal, wenn sie Hunger hat oder die Windel voll, aber sonst? Ganz fröhlich und entspannt." Darauf er: "Jaha, da gibt es die einen, die leiten das nach außen ab, und die anderen, die fressen das in sich hinein."
Eine Weile später hätte ich ihm das aber fast alles schon wieder verziehen, als er einräumte, er bekäme ja auch nur mit denen zu tun, bei denen es nicht so läuft. Genau! Sag ich doch! Na endlich. Nun ist alles wieder gut, und eine kleine Spende überweise ich heute auch noch. Und die nächste Spezialentwicklung in meinem Leben versuche ich wieder Psychologenfrei zu meistern. Ich bin da einfach... weiß auch nicht... schnell auf die Palme gebracht, habe eine Sollbruchstelle oder vielleicht auch einfach eine Allergie. Da können die nichts für, und ich auch nicht, aber wir gehen uns wohl besser aus dem Weg.

3. Ich bin absolut reif für diesen Herbst. Den großen schweren Specksteintopf habe ich schon aus dem Keller geholt, in dem werde ich demnächst den einen oder anderen Hirsch weichschmoren, und am Wochenende backe ich meinen ersten Zwetschgenkuchen für dieses Jahr. Im Büro bin ich schon von Kaffee auf Tee umgestiegen (mache ich immer spätestens im Oktober), ich habe wieder die dicken Bettdecken bezogen und die dünnen auf den Speicher gepackt, und gestern Abend gab es zum After-Psychotreff-Rotwein ein paar Minilebkuchen. Auf dem Morgenspaziergang heute hat Lili die ersten Kastanien geknackt. Sie mag den Herbst, ich auch. Meine Lieblingsjahreszeit hat angefangen, und ich springe jeden Morgen mir einem Gefühl aus dem Bett, als hätte ich Geburtstag.

4. Wenn ich das nächste Mal einen längeren Urlaub plane, dann häufe ich vorher Geld dafür an, nicht hinterher. Es ist ja schön und gut mit drei Wochen frei, aber als Selbständige folgt danach unausweichlich die Hölle, die jede Erholung sofort verbrennt: diesen Monat, der noch nicht zu Ende ist, werde ich fünf Rechnungen verschicken, und ich hatte tatsächlich seit dem Urlaub mit den Damen in der Heide keinen einzigen Tag, an dem ich nicht arbeiten musste. Jaja, der schöne Herbst ist da, aber noch mehr könnte ich mich drüber freuen, wenn ich morgens die Augen aufschlagen würden und mir in aller Ruhe zur ersten Tasse Tee überlegen könnte, wohin ich heute meine Hundespaziergänge mache, ob ich vielleicht noch ein paar Pflanzen bei Obi kaufe oder ob ich den Tag einfach nur abgesehen von Gassigängen auf dem Sofa am Feuer oder vorm Herd verbringe. Das wäre wirklich zu schön.

Montag, 17. September 2012

Dieser Post wurde mit vollem Mund geschrieben

Heute muss ich nicht schwänzen, heute ist adoptionsfrei. Die Gruppe trifft sich erst nächsten Montag wieder, dann kommt ein inzwischen erwachsenes Adoptivkind zu Besuch und erzählt, wie das alles so war und ist. Das werde ich mir auf keinen Fall entgehen lassen, und wenn wir nicht von einem Kometen erschlagen werden, sitzen L. und ich um fünf vor halb acht mit Riesenohren auf unseren unbequemen Stapelstühlen.

Bis dahin treiben mich andere Dinge um.

Erstens: Stammtisch. Ich höre mich schon an wie eine Platte mit Sprung, aber diesmal klappt es bestimmt, ich hab das im Gefühl! Ich würde allerdings nächste Woche Donnerstag vorschlagen, denn diese Woche bin ich so dermaßen zugeschissen mit Arbeit, dass es kein Halten gibt. Ein Auftragsspritzdurchfall, könnte man sagen. Zwar könnte ich mir irgendwie den Donnerstag auch diese Woche freischaufeln, aber dann würde ich da sitzen und alle fünf Minuten auf mein Telefon starren, ob schon Post von Kunde A oder Kunde V da ist, das wäre also nicht das Wahre. Darum Donnerstag nächste Woche, bis dahin ist wieder gut, und wir machen uns einen lustigen Abend. 20:00 Gloria in der Belle-Alliance-Straße also. So gegen Dienstag frage ich noch mal nach, wer überhaupt kommt, aber sobald wir zu dritt sind, kann es los gehen.

Zweitens: das Laufprogramm. Wieder steht mir und meinen federleichten Turnschuhen ein großer Schritt bevor: Woche 10 ist vorbei, morgen in erbärmlicher Frühe beginnt Woche elf. Ab morgen werden aus 30 Minuten 45 Minuten, und ich weiß nicht, wie ich das an Agenturtagen schaffen will, ohne um halb sieben aufzustehen. Eine Aussicht, die mir normalerweise ab 15:00 am Vortag die Laune versaut. Aber es geht nicht anders, und Laufen macht wundersame Dinge mit mir. Übrigens bisher noch nicht mit meinem Gewicht, aber das kann ich alles erklären: Leider ist da diese neue Fress-Freiheit, wann immer ich ein Sportprogramm starte. Die ersten zwei-drei Wochen bin ich noch brav und zum Gähnen vernünftig, aber dann setzt jedes Mal die Phase ein, in der ich denke, dass es überhaupt kein Problem ist, wenn ich an einem langen faulen Sonntag
2 Back-Camemberts
1 Blech Pommes mit Mayo und Ketchup
2 Champignonbaguettes
1 Topf Pasta mit Trüffelöl und Parmesan
1 Topf Popcorn
usw. usf. etc. esse, schließlich bin ich jetzt ja Läuferin.
Gierig und verfressen bin ich immer, aber in dieser Phase wird es schlichtweg grotesk. (Hat jemand mal den Film "Das große Fressen" gesehen? Ungefähr so, nur ohne die Prostituierten und die Lehrerin.) Und es wird auch nicht besser dadurch, dass seit letztem Freitag das neue Nigella-Kochbuch (italienisch. Ha!) zuhause liegt und durchgekocht werden will. Das Luder. Dagegen kann mein bescheidenes Laufprogramm nicht an. Noch! Denn ab morgen werden andere Saiten aufgezogen: ab morgen läuft es nämlich folgendermaßen, und zwar alle zwei Tage.
Ich betrete im Morgengrauen den Park, an den Füßen die nike frees, unterm Arm meine Fußtrainer (stinknormale Surfschuhe aus Neopren mit dünner Gummisohle). Die Fußtrainer verstecke ich irgendwo, wo sie weder von Hunden noch Spaziergängern oder Insekten gefunden werden. Dann laufe ich mich fünf Minuten ein, sollte dann bei einer Bank oder Treppe ankommen und mache zehn Minuten Muskeltraining. Dazu kann ich die Bank rauf- und runterhüpfen, Käsekästchen springen oder Seitstütze machen, bis mir schlecht wird. Nach zehn Minuten laufe ich weiter, 25 Minuten lang. Sind die um, dann sollte ich wieder am Schuhversteck angekommen sein. Ich ziehe die Turnies aus und die Trainer an und laufe noch mal fünf Minuten kreuz und quer über eine benachbarte Wiese. Dann sind 45 Minuten um und ich ein Stück näher an der Figur, die ich vor 10 Jahren in meinem Wahn noch als selbstverständlich hingenommen habe.

Es ist allerdings nicht so, dass sich so gar nichts getan hat. Laut der schäbigen alten Rossmann-Körperfett-Waage in unserem Bad habe ich in den letzten Monaten ein halbes Prozent Körperfett abgebaut und drei Prozent Muskelmasse dazubekommen. Ha! Das hätte ich ehrlich gesagt auch ohne die Waage gedacht. Es ist merkwürdig, aber bei diesem Trainingsprogramm hatte ich wirklich das Gefühl, dass sich die Muskeln langsam von den Zehenspitzen ausgehend die Beine hochfressen. Nicht auszudenken, was passiert, wenn sie erst mal die Hüfte überwunden haben. So stabil und leicht habe ich seit vielen Jahren nicht mehr auf den Füßen gestanden, egal, ob ich gerade ein Treppenhaus hochrenne oder auf hohen Absätzen übers Kopfsteinpflaster balanciere. Und selten war ein so aufwändiger Plan so befriedigend und leicht einzuhalten. (Sage ich, die in den letzten Jahren spektakulär an vielen Plänen gescheitert ist: Dem Plan, trockene Wäsche sofort wegzubügeln. Dem Plan, mit Weight Watchers innerhalb eines halben Jahres sechs Kilo abzunehmen. Dem Plan, mir nur noch Kleider zu kaufen, die mir passen, stehen, auch für Grobmotoriker und zu spannenden Filmen bügelbar sind und nicht in die Reinigung müssen. Dem Plan, jede Woche mindestens einen Abend schweigend, zufrieden und konzentriert mit einem guten Buch auf der Couch zu verbringen. Dem Plan... ach, es ist deprimierend, das auch nur hinzuschreiben.)

So. Ich freu mich also auf nächsten Donnerstag. Wer teilt sich einen Burger und drei Pizzas mit mir?

Sonntag, 26. August 2012

Läuft.

Also gut, einen Lauf habe ich ausgelassen: am Tag, an dem ich eigentlich dran war, hatte ich nachts mit Schüttelfrost geschlafen und war zwar morgens wieder fit, aber dachte, das lassen wir mal lieber und laufen morgen. Und am nächsten Tag hab ich verpennt und hätte den ganzen Betrieb in unseren duften Mädchenferien aufgehalten, wenn ich dann noch in die Schuhe gestiegen wäre. Aber sonst bin ich jetzt seit sieben Wochen stramm dabei. Zwischendurch war ich im Laufprogramm auch mal um zwei Zeilen verrutscht und hatte zwei Wochen übersprungen, aber nun ist alles wieder dermaßen exakt im Plan, damit wäre sogar meine Oma ("Wie sieht das denn aus, hier kommt man ja nur mit einem Kompass durch") einverstanden, wenn sie irgend etwas mit Laufen am Hut hätte. Eigentlich liegt so viel Exaktheit mir nicht im Blut. Aber in diesem Fall lohnt es sich.

Abgenommen habe ich zwar nur ca. 300 Gramm seit dem letzten Wiegen. Trotzdem macht mich das überglücklich. Denn:
* vier Tage lang waren wir in London, haben den größten Teil des Tages sitzend (bei Sportveranstaltungen oder in der Tube) zugebracht und hatten immer entweder gerade ein Ale oder eine Rutsche Fish&Chips in der Hand.
* vier Tage lang waren wir in Franken, ich hatte zwei warme Mahlzeiten pro Tag, wovon mindestens eine aus Schweinebraten bestand, und ich esse die Schwarte mit. Dazu noch mehr Bier als schon in London, ich weiß, ich weiß, aber habt ihr schon mal fränkisches Bier getrunken? Glaubt mir, ihr würdet das genau so machen. An zwei Abenden gab es den Schweinsbraten nach der Oper, das war dann so gegen elf.
* an den zwei Tagen zuhause zwischendurch haben wir abends gegrillt, und das bedeutet für mich nicht gegrilltes Hühnchen mit einem leichten Sommersalat, sondern eben das andere Grillen.
* neun Tage lang waren wir in der Heide, jeden Abend gab es Prosecco und eine Mahlzeit, die mit Sicherheit nicht nach ernährungswissenschaftlichen, sondern ausschließlich nach Gierprinzipien konzipiert war.

Und danach sind 300 Gramm weniger schwer in Ordnung.

Ich habe nicht zugenommen. Ich schlafe viel, viel besser. Ich habe viel, viel mehr Energie. Noch vor ein paar Wochen stand mir jeder Killefitt, den ich zu erledigen hatte, stundenlang bevor. "Oh nein" dachte ich z.B. Samstag morgens um zehn. "Heute abend muss ich das Bett frisch beziehen, ächz." Inzwischen beziehe ich einfach das Bett, dauert ca. fünf Minuten. Jeder Tag fühlt sich ungefähr doppelt so voll an, denn bis ich schlafen gehe, habe ich meinen Kleiderschrank aufgeräumt, den Bügelkorb leergebügelt, mein Kochbuchregal ausgemistet, Altpapier weggebracht, meinen Schreibtisch aufgeräumt, einen Post geschrieben, mir die Nägel gemacht und zwei Mahlzeiten gekocht. Abends bin ich müde, aber auf die gute Art, und dann gehe ich schlafen und weiß, dass ich gut schlafen werde, und wenn nicht, dann auch gut, dann schlafe ich eben nächste Nacht wieder besser.

Liebe Abkürzungsdamen, sofern euch keine frisch angepieksten Eierstöcke oder sonstiger Unterleibsmist davon abhält, kann ich das nur empfehlen.



Freitag, 27. Juli 2012

Zwei Wochen und drei Tage, zehn Läufe.

Als ich heute morgen um sechs davon aufgewacht bin, dass der Hund mich angebellt hat und meine durchgeschwitzte Decke sich um mich geschlungen hatte wie eine Boa Constrictor, war ich nicht ganz sicher, ob ich das frühe Aufwachen ausnutze und jetzt durch den Park trabe, so lange noch menschliche Temperaturen herrschen, oder ob Boa und ich es noch ein-zwei Stündchen miteinander versuchen. (Morgens um sechs bin ich mir übrigens über gar nichts sicher.) Immerhin ist heute mein erster Ferientag: gestern war ich zwar auch nicht in der Agentur, aber hatte tüchtig für einen anderen Kunden zu tun.

Ich bin dann liegen geblieben und um acht wieder aufgewacht. Und jetzt liege ich in einem Bademantel, der sich wie eine Boa Constrictor um mich schlingt, auf dem Sofa, trinke Tee und will euch berichten, wie das so läuft mit meinem Laufprogramm.

Das ist es nämlich: ein Programm. Ich laufe nicht nur, ich laufe mit Plan. Mit dem von Dr. Marquardt, der sehr für langsamen Einstieg und dünne Schuhe ist.

So sah der Plan bisher aus:
1. Woche:
2 Minuten gehen, 1 Minute laufen, 1 Minute gehen, 1 Minute laufen usw. bis 15 Minuten um sind.
2. Woche:
2 Minuten gehen, 1 Minute laufen, 1 Minute gehen, 2 Minuten laufen, 1 Minute gehen, 2 Minuten laufen usw. bis 15 Minuten um sind.
3. Woche:
2 Minuten gehen, 2 Minuten laufen, 1 Minute gehen, 3 Minuten laufen, 1 Minute gehen, 3 Minuten laufen usw., bis 15 Minuten um sind.

Bisher besteht die größte Herausforderung darin, mich am Riemen zu reißen - also nicht zu schnell zu rennen und nicht nach 15 Minuten zu denken, ach was, ich lauf jetzt noch eine Viertelstunde. Gleichzeitig merke ich, dass das am Riemen reißen sich lohnt: die neuen Schuhe laufen sich völlig anders als die alten Cassettenrecorder, ich kann in aller Ruhe an meiner Technik arbeiten ("hihi, was denn für Technik? Beim Laufen? Hihihihi!") an meiner Technik arbeiten, sage ich, und ich merke, dass meine Muskeln, Sehnen, Knochen und Gelenke bei jedem Lauf etwas dazulernen. Wobei ich da vorsichtig bin, wir Abkürzungsdamen merken ja ständig so einiges, was sich angeblich gerade in unseren Körpern abspielt, und hinterher war wieder alles nur ein böser Streich unserer strapazierten Nerven.

Wie sich das auf mein Gewicht oder meinen Körperfettanteil ausgewirkt hat, weiß ich noch nicht, denn Wiegetag ist erst am 10. August. Und natürlich wäre es großartig, dann ein-zwei Kilo weniger zu wiegen oder sogar ein bisschen Körperfett abgebaut zu haben, aber wenn nicht, schmeiße ich meine hübschen Nike free run auch nicht gleich wieder in die Ecke, denn ich WEISS einfach, dass mir das gut tut.

Folgendes hat sich verändert:
* ich habe seit Start dieses Laufprogramms nur ein einziges Mal den Fahrstuhl in der Agentur benutzt, und das auch nur aus Höflichkeit, weil die Handwerker extra auf mich gewartet hatten und ich nicht wollte, dass sie mich für eine versnobte Büroschlampe halten. Unsere Büroräume sind im sechsten Stock. An jedem Arbeitstag in der Stadt steige ich da mindestens zwei mal rauf: einmal morgens und einmal nach der Mittagspause.
* ich hatte mir irgendwann mal gestattet, mir an einem meiner drei Agenturtage entweder eine Pizza in meiner Lieblingspizzeria in der Innenstadt oder einen Burger mit Fritten und Mayo aus meinem Lieblingsburgerladen zu gönnen. Seit Laufstart hatte ich keinen einzigen Burger und nur eine Pizza, allerdings aus einem dieser Impulse heraus, die sich immer rächen, eine mit Ziegenkäse, eingelegten roten Pfefferkörnern und Honig, und die hat geschmeckt wie ein weihnachtliches Duschgel, war also schön zum Abgewöhnen. Jetzt esse ich in der Mittagspause Salat, vegetarisches Curry vom Inder, gemischte Vorspeisen vom Syrer oder etwas asiatisches mit Rind und Gemüse. Seit Wochen hat in der Mittagspause nichts Frittiertes mehr den Weg über meine Lippen geschafft. Und das war gar nicht so schwer. Genauer gesagt, überhaupt nicht.
* ich schlafe besser, jedenfalls dann, wenn mich nicht gerade meine Decke erwürgen will.
* ich habe keine Knieschmerzen, keine Schienbeinschmerzen und keine Rückenschmerzen mehr.
* ich habe bessere Laune. Fragt L.
* zum ersten Mal habe ich ein Laufprogramm, über das ich nicht ständig reden muss. Ich laufe einfach und gut. (Diesen Post sehen wir als Ausrutscher, ja? Ich berichte dann am Wiegetag wieder.)
* ich hole mir morgens kein Mayogetränktes und mit Industriemüllsalami belegtes Brötchen für 3,90 mehr, sondern kaufe Montags ein paar Scheiben Roggenvollkornbrot und bringe mir Käse und Bioschinken mit in die Agentur.
* ich dusche fast immer kalt. Gut, draußen sind 30 Grad, aber vielleicht schaffe ich es, das in den Herbst rüberzuretten? Es macht nämlich lustig.

Und wem habe ich das zu verdanken? Dass ich nicht wieder in so einem Laufprogramm stecke mit den Monsters of Sportschuh und erst vier Wochen euphorisch um die Alster renne, um dann wieder keine Treppe runterzukommen vor Schienbeinschmerzen? Meiner lieben Freundin B., die mir vor vier Wochen abends auf einem Eimsbüttler Balkon von diesem Buch mit dem albernen Titel und dem sehr schlauen Inhalt erzählt hat. Und wie schon vor ein paar Jahren ihr Parfum, habe ich ihr jetzt schon wieder etwas Tolles nachgemacht. Und das Bittere daran ist, dass ich jetzt jeden zweiten Tag fröhlich um den Park renne und sie bei dieser Affenhitze nach einer OP im Bett liegen muss, Boa Constrictor hin oder her, und in den nächsten Wochen an Laufen für sie nicht zu denken ist. Fair ist das nicht. Aber ich wünsche ihr ganz feste, dass sie spätestens im Oktober schon wie eine Gazelle an uns allen vorbeizieht.