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Donnerstag, 12. Januar 2012

Tag 4

war ja eigentlich gestern, aber gestern war ich platt. Nach Spätschicht in der Agentur habe ich mich noch in ein Taxi geworfen, um meiner Schwiegermutter zum Geburtstag zu gratulieren, hab den Bachelor Bachelor sein lassen und noch eine Weile plauschend auf ihrem Sofa gesessen, und als ich dann nach Hause kam, war nicht mehr viel mehr drin, als den Kopf auf den Hund zu betten und es einfach sein zu lassen. Alles.

Und dann kam die Nacht, präsentiert von David Lynch. Ich träume wirklich oft sehr seltsam und dabei extrem realistisch, aber so eine Bombenshow war lange nicht mehr. Ich bin nur froh, dass ich nie empfänglich war für solche Ansätze wie "Träume - Botschaften aus der Zukunft?" denn wenn das so wäre, würden nicht nur mir, sondern uns allen düstere Zeiten ins Haus stehen. Stellt es euch vor als eine Mischung aus Clockwork Orange, Charlie und die Schokoladenfabrik und Melancholia. Jetzt frage ich mich: Menogon, Clomifen, wart ihr das? Ich bin gespannt auf die Vorstellung nächste Nacht.

Eine genaue Schilderung des Gespritzes versuche ich heute Abend mal hinzukriegen, gestern wäre es mir auf dem Agenturklo doch ein bisschen viel gewesen, mit Spritzapparatur, Desinfektionsspray und Kamera gleichzeitig zu hantieren. Aber weil heute mein langes freies Wochenende beginnt, kann ich mich schön im Badezimmer ausbreiten.

Gestern also erste Rutsche Hormone, bisher kein Ausschlag am Bauch, kein Zwicken an den üblichen verdächtigen Stellen, und außer Gehirndisco heute Nacht auch sonst keine sensationellen Nebenwirkungen. Der Plan ab hier:

Jeden Abend eine Ampulle Menogon und zwei Clomifen.
Montag morgen vor der Arbeit zum Ultraschall.
Im November dann Zwillinge.
Und weiter weiß ich noch nicht.

Übrigens will ich euch nicht nerven, aber muss schon wieder das Loblied meiner Osteopathin singen. Gestern früh war ich bei ihr aus nicht-Kinderwunsch-relevanten Gründen, ich hab mir letzte Woche auf dem orkangebeutelten Flug nach Wien am Rücken wehgetan, und das wurde von Tag zu Tag schlimmer, ich wusste schon nicht mehr, wie ich schlafen, mir die Zähne putzen oder headbangen soll. Und weil eine nette Dame aus der Agentur - mit acht Wochen altem Baby - gerade durch die beherzte Grifftechnik ihres Orthopäden zu einem Bandscheibenvorfall und dann auch gleich auf den OP-Tisch kam, dachte ich, vielleicht kann sie mir ja helfen. Konnte sie: nach einer gemütlichen Stunde in ihrem wohlriechenden Behandlungszimmer bin ich heute Morgen aufgestanden und war so dermaßen in Ordnung, dass ich mich kaum erinnern kann, welches noch mal die böse Schulter war.

Montag, 19. Dezember 2011

Erst eins, dann zwei, dann drei

Einige Ereignisse, die nichts weiter miteinander zu tun haben als meinen Kinderwunsch:

Ich sitze auf dem Fußboden in meinem Arbeitszimmer und sortiere vollkommen chaotische Papiere und andere Dinge aus vier Jahren. Kontoauszüge, Rechnungen, Versicherungsverträge, die letzten Zuckungen der Papier-Foto-Ära, alles. „Wie kommt eine selbständige Frau eigentlich dazu, ihre Buchhaltung so verlottern zu lassen?“ könnte jetzt eine Kommentatorin schreiben, und ich würde antworten „Mutter? Du hier?“. Jetzt ist alles sortiert, gelocht und abgeheftet oder ruht in Frieden in der Altpapiertonne. Aber unter anderem habe ich bei dieser Gelegenheit auch die Rechnungen vom Chinamann gefunden. Obwohl ich bestimmt nicht nur aus Kostengründen mit der Behandlung bei ihm aufgehört habe, und obwohl ich bei jeder einzelnen Sitzung immer das Gefühl hatte, verhältnismäßig billig wegzukommen – schließlich geht es ja um den langersehnten Nachwuchs, da ist grundsätzlich natürlich GAR NICHTS zu teuer, nicht wahr – ist mir trotzdem klar geworden, als all die Rechnungen jetzt so vor mir lagen, dass ich innerhalb von anderthalb Jahren um die 900 Euro bei ihm gelassen habe. Vermutlich war ich keine Musterpatientin. Vielleicht hätte ich mich besser an die Nahrungsvorschriften halten sollen, auch wenn er selbst gesagt hat, dass das bei mir nicht so entscheidend ist. Aber dass ich nicht gerade mit Feuereifer zur Sache gehe, wenn ich mich abseits der Schulmedizin bewege, wird auch in Zukunft so bleiben. An meiner Endometriose, den diffusen Unterleibsschmerzen oder den Myomen hat die Behandlung nichts geändert. Ein Kind habe ich auch noch nicht. Aber immerhin kann ich sagen, das hab ich auch mal probiert.

Ich liege auf der höllisch bequemen Liege meiner Osteopathin und lasse den Dingen ihren Lauf. Das heißt, teilweise. Denn eigentlich würde ich jetzt wegdämmern. Aber gleichzeitig ist es gerade zu und zu interessant. Die Osteopathin hat selbst vor Jahren eine KiWu-Behandlung gemacht und nach drei IVFs und erschreckend wenig Eizellen-Ausbeute beschlossen, dass sie es jetzt gut sein lässt. (Gut, zu wenig Zellen sind ja nun nicht mein Problem.) Und sie hatte damals mit 39 – ihr Mann war damals 44 – auch eine Adoption beantragt. Und zwei Jahre später, als sie schon über 40 war, kam der Anruf, sie könnte jetzt einen gesunden Säugling haben. Sie hat darüber nachgedacht und sich dann dagegen entschieden. Bequeme Liege hin, entspannendes Raumparfum her: ich war hellwach. Ich hab schon ein paar mal mehr oder weniger ernsthaft über Adoption nachgedacht. Aber ich hatte immer noch eine gewisse Hemmschwelle im Kopf. Nicht, weil ich dachte, das ist nichts für uns oder das ist erfüllter Kinderwunsch zweiter Klasse, sondern weil ich dachte, das wird nichts. Wir sind denen zu alt, wir haben zu konkrete Vorstellungen (Säugling, kein Drogenhintergrund), das ist nur eine weitere Methode, sich frustrieren zu lassen. Aber jetzt sehe ich das anders. In Hamburg, erzählte sie, besteht immer noch ein großer Bedarf. Und zwar gab es bei der zuständigen Hamburger Behörde mal eine dieser entsetzlichen Fräulein Rottenmeiers, die hunderte von Elternanwärtern mit ihrer Art in Angst und Schrecken versetzte, aber die ist inzwischen pensioniert, und sie hatte es immer nur mit einer reizenden, netten und offenen Dame zu tun. Zwischen den Feiertagen, das haben wir gestern abend beschlossen, gehen wir es an. Ich bin ziemlich aufgeregt, gespannt und gottfroh, dass ich jetzt etwas vor der Brust habe, das mich noch nervöser macht als die Frage, ob ich mein Weihnachtsessen so hinkriege wie gedacht, ob der Baum schief ist und ob Lili das Haus abfackelt.

Ich liege bei meiner Frauenärztin auf dem Stuhl zum zweiten Abstrich nach dem miesen PAP. Vorher habe ich drei Nächte lang schlecht geschlafen. Ich hatte das alles schon mal, und die Ärztin damals hat immer beruhigend auf mich eingeredet, dass das alles in soundsoviel Prozent der Fälle, also quasi immer, sich sowieso in Wohlgefallen auflöst, rarara, ei-ei, gaaanz ruhig, und am Ende stand erst eine OP und dann eine gynäkologische Akte, die plötzlich aufging wie Popcorn. Und jetzt wieder. Aber diesmal hatte sie tatsächlich gute Nachrichten: es scheint so, dass man inzwischen herausgefunden hat, dass in manchen Fällen (kommt wohl auch auf die Spielart des HPV-Virus an) auch bei Damen in unserem Alter eine Impfung noch Sinn hat. Bin ich gespannt, was diesmal rauskommt.

Man kann über diesen blöden Kinderwunsch sagen, was man will: langweilig wird es erst mal nicht.

Freitag, 3. Dezember 2010

Die seltsamste Stunde, die ich je in einem Behandlungszimmer verbracht habe

Bis gestern war ich noch nie in meinem Leben zur Osteopathie gewesen. Vielleicht liegt es daran, dass bisher alle Leute, die mir das empfohlen hatten, im gleichen Satz irgend so etwas mitgeschoben hatten wie "die Schulmedizin macht dich ja im Zweifel nur kränker", und das ist der Moment, in dem ich grundsätzlich dicht mache. (Wenn mir also jemand z.B. ein gegrilltes Rippchen oder ein Glas Rotwein hinhalten und dazu sagen würde "nimm, die Schulmedizin macht dich im Zweifel ja nur kränker", dann würde ich dankend ablehnen.) Aber in den letzten Monaten sind wunderliche Dinge geschehen. Genauer kann ich das gar nicht beschreiben. Und so kam das, dass ich gestern meinen ersten Osteopathie-Termin im ganzen Leben hatte. Meine Klinik-Ärztin hatte mir beim vorletzten Mal vier Karteikärtchen von Osteopathen mitgegeben und gesagt, ich sollte da mal hingehen. Das könnte zwar vermutlich weder meine Endometriose "wegmachen" noch die Myome verhindern, aber es würde zumindest dafür sorgen, dass sich mein Bauch nach den vielen Operationen wieder ein bisschen beruhigt und "mein Beckenboden sich besser fühlt". Von den vier Karten habe ich die Praxis ausgesucht, die am nächsten an meiner U-Bahn-Linie liegt, denn wenn ich erst umsteigen muss, kriege ich schlechte Laune und gehe da doch nicht hin. Und als ich gestern mittag vor dem Haus stand, einem dieser weißen Hamburger Häuser, die aussehen wie aus Biskuitporzellan, dachte ich, ach schön, nun habe ich endlich einen Vorwand, mir eins dieser Häuser mal von Innen anzusehen, ohne dass die aufmerksamen Nachbarn den Notfallknopf drücken und der private Sicherheitsdienst anrückt. So ein feines Haus war das nämlich! Das Behandlungszimmer der Osteopathin ist so riesig, dass man darin die komplette Praxis meiner Stamm-Frauenärztin bequem unterbringen könnte. Unter der turmhohen Decke klebt makelloser Stuck, der scheinbar wöchentlich von einer auf der Leiter stehenden Fachkraft mit einer Straußenfeder gereinigt wird. Zwei Flügeltüren führen in andere, bestimmt noch größere Räume. Ich hatte befürchtet, dass Osteopathie teuer wäre. Und jetzt das: die Frau hat sich eine Stunde lang eingehend mit mir beschäftigt, und das Ganze kostet mich nun 75 Euro! Dabei war schon der Raum so prächtig, dass allein ein einstündiger Aufenthalt darin 75 Euro kosten könnte! Ich war begeistert. Lasst euch mal eine Stunde in stinkigsten, engsten und schmuddeligsten Taxi der Stadt durch trostlose Vororte fahren: auch das kostet mit Sicherheit 75 Euro, und für den Beckenboden tut es rein gar nichts!
Nach ein paar einleitenden Fragen ging es ziemlich flott los: ich lag ohne Hose und Schuhe auf einer Liege, wurde fürsorglich mit Wärme bestrahlt und mit einer Wolldecke eingemummelt, und die Osteopathin legte ihre Hände auf verschiedene Stellen meines Bauches. Dort ließ sie sie meistens eine ganze Weile liegen. Und liegen. Und liegen. Komischerweise wurde es unter ihren Fingern ziemlich schnell ziemlich warm. Ab und zu knetete sie auch mal hier und drückte da, aber nichts davon war in irgend einer Weise unangenehm, obwohl sie mich gewarnt hatte, es könnte ein bisschen weh tun - denn wie sie meinte, ist entweder meine Blase oder meine Gebärmutter zu weit links und sollte durch die Prozedur wieder mehr mittig landen. Ich lag also so da, und weil so extrem wenig vor sich ging, kamen wir ins Plaudern. Und es stellte sich heraus, dass auch die nette Osteopathin eine jahrelange Kinderwunschbehandlung hinter sich hatte. Langsam frage ich mich, wer eigentlich nicht (außer vielleicht Magda Goebbels und Boris Becker)? Während wir so plauschten, drückte und schob sie weiter sanft an mir herum, kugelte auch mal mit meinen Beinen nach hier und da und knetete meine Beckenknochen, und dann, als ich so dermaßen entspannt war, dass ich fast schon eingeschlafen wäre, war die Stunde vorbei, ich stieg wieder in meine Hose und fand mich ziemlich verblüfft zurück auf der Straße. Was war das denn?

Abgesehen davon, dass es wirklich, wirklich angenehm war und sich tatsächlich eindeutig so anfühlte, als würde gerade auf geheimnisvollen Wegen etwas Positives in meinem Bauch bewirkt - musste ich heute morgen zum ersten Mal seit Ewigkeiten nicht unmittelbar nach dem Aufstehen aufs Klo (obwohl ich über Nacht gute anderthalb Liter Wasser getrunken hatte), mein Bauch fühlt sich seltsam ruhig und entspannt an, und das, obwohl ich heute einen Muskelkater habe, als hätte ich gestern drei Stunden Bauch-Beine-Po hintereinander gemacht.

Da gehe ich wieder hin, das steht fest. Und zwar vermutlich im Januar, kurz vor meiner nächsten Bauchspiegelung.

So. Und dann ging es nach Hause, ich hatte noch zu tun (hatte ich schon mal erwähnt, dass aus meinen zwei freien Arbeitstagen bis jetzt kein einziges Mal etwas geworden ist?), der Hund wollte raus, und dann musste ich auch schon wieder in die Stadt zum Stammtisch. Zwar waren wir nur zu dritt, aber das war trotzdem ganz fabelhaft. Gute Damen, guter Wein, gute Pizza, guter Abend. Das nächste Mal vermutlich im Februar, und zwar diesmal wohl wirklich bei mir. Das wird die Organisation erheblich verkomplizieren, aber ich bin ganz sicher, wir kriegen das hin!

Freitag, 10. September 2010

Nachrichten aus dem Gulag

Die letzten Tage liefen für gewöhnlich so ab: morgens klingelte viel zu früh der Wecker, ich sortierte die verschiedenen Malaissen meines Körpers im Klammergriff von Myomen und Endometriose, ging im eiskalten Bad (mir graut vor dem Winter, Einfachverglasung) duschen, stand, ehe ich michs versah, mit Lili auf der Wiese, sammelte ihre Prachtwurst ein, gab sie (den Hund, nicht die Wurst) schnell zuhause ab und machte mich mit Rechner und Thermoskanne im Gepäck auf den Weg in die Stadt. Dort arbeitete ich bis Abends um sieben, stieg in die Bahn nach Hause, warf dorf fluchend meine Tasche in die Ecke, klappte den gerade erst ausgeschalteten Rechner wieder auf und machte mich wahlweise (oder auch gleichzeitig) daran, meinen anderen Auftrag abzuarbeiten, das Buch korrekturzulesen, zu spülen, zu kochen, zu essen und wenigstens die notwendigsten Instandhaltungsmaßnahmen wie bügeln, waschen oder Nägel schneiden zu erledigen. Dann chapüh und wieder von vorne.

Fällt euch was auf? Posten kommt in dieser Aufzählung nicht vor. Und dabei hätte ich sogar was zu erzählen. Z.B., dass ich mir gerade ziemliche Sorgen mache, dass meine Halsschmerzen bis zum OP-Termin noch schlimmer werden und die mich dann doch nicht aufschneiden. Oder die Überlegung, ob ich das nun demnächst wirklich, ganz ehrlich und mit allen Konsequenzen durchziehen will mit dem TCM-Bootcamp. Daran ist nicht nur die Zeit schuld, die gestern geschrieben hat, das wäre doch alles immer noch esoterischer, als es sein sollte. Unabhängig davon schmort dieses Thema nun schon seit einigen Tagen in mir: will ich wirklich so viel Geld dafür ausgeben, jemanden in meine Ernährung eingreifen zu lassen, an dessen Vorschriften ich mich sowieso nicht halten werde, wie ich mich kenne? Woraufhin ich ständig ein schlechtes Gewissen haben werde, und das, wo in meiner Welt Schuldgefühle beim Essen nichts verloren haben? Hm.
Das alte Hottehü. Äh, Hü und Hott.

Montag, 26. Juli 2010

Selbst auf der miesesten Galeere sind ab und an Zigarettenpäuschen erlaubt

Darum jetzt noch mal ein Post mit allen Tasten statt vom Handy aus: nach der Croissantparty beim Portugiesen bin ich noch zu meinem TCM-Mann gegangen und habe Bericht erstattet. Er fand diesmal, dass meine Zunge und mein Puls keine nennenswerten Fortschritte erkennen lassen (gut, die letzte Woche in der Heide mit den Mädchen, dem einen oder anderen oder ganz anderen Flüppchen und viel, viel Rosé auf Eis habe ich züchtig verschwiegen), war aber sehr überzeugt von dem, was die Ärztin gesagt hat. Nämlich Folgendes: fürs Erste nehme ich die Pille weiter, die er mir ja gerne ausgeredet hätte, damit meine Endometriose nicht den ganzen Betrieb an sich reißt. Die Pille scheint übrigens nur so mittelprächtig gewirkt zu haben, ich habe nämlich eine schöne Zyste am rechten Eierstock. Aber wenn wir wegen der Myome operieren, nehmen wir die Zyste vermutlich gleich mit raus. Und wenn dann die drei Monate Wartezeit anbrechen, dann setze ich die Pille ab, der TCM-Mann kann sich richtig austoben bei der Renovierung meines Stoffwechsels, und zur Unterdrückung der Endo bekomme ich statt Synarela Spritzen. Und bis zur OP ist Schluss mit TCM.

Fürs Erste war das also die letzte Akupunktur, und die Kräuterchen soll ich auch absetzen, weil die bei der OP stören könnten.

Nun geht es folgendermaßen weiter: diese Woche schreibe, schreibe und schreibe ich.
Nächste Woche Mittwoch gehe ich zum Kollegen meiner Ärztin, der angeblich die stärkste Kraft im Haus ist, was Myome angeht. Der macht dann eine Hysteroskopie und sieht sich das alles genau an, woraufhin er vermutlich entscheiden wird, dass ich operiert werden soll. Das wird dann am Hamburger Albertinen-Krankenhaus gemacht, und dort habe ich jetzt schon einen Termin für die Sprechstunde Mitte August. Kurz danach wird dann die OP sein. Dann gehöre ich für drei Monate dem Chinamann, und dann machen wir in der neuen Klinik weiter.

L. war nicht so richtig von meiner Begeisterung anzustecken. "Na toll. Wieder Myome, wieder Zyste, wieder OP. Und dann dauert das doch wieder ein halbes Jahr. Und jetzt bist du nur deshalb so optimistisch, weil jemand nett zu dir war."

Genau das ist der Grund, warum ich es gut fände, wenn L. mitkäme zu solchen Terminen. Aus zweiter Hand klingt das immer ein bisschen weniger ermutigend. Man kann sich das nicht vorstellen, wie anders das heute war als sonst. L. hat ja Recht, mich ein bisschen auf dem Boden zu halten. Aber wäre er dabei gewesen!

Mittwoch, 23. Juni 2010

Da hat N aus B völlig Recht.

So ist das eben, wenn man im Hotel plötzlich dieses Jahr kein WLAN mehr hat, weil in jedem einzelnen Hotelzimmer mindestens ein Mensch mit iphone oder Rechner sitzt und das für das schwache kleine Routerchen unten am Empfang zu viel wird. Dann denkt man nämlich, man hätte WLAN, und tippt mühsam auf seinem Telefon seitenlange Texte über seine Erlebnisse, und das dauert so lange, das man schon das Gefühl hat, überhaupt nichts mehr erleben zu können, weil man immer nur darüber berichten muss, und dann will man das ganze am Ende posten, und plötzlich heißt es wieder: Tut uns leid, kein WLAN. Und alles war für die Katz. So ist das eben, wenn einem das nicht ein- oder dreimal passiert, sondern sieben Mal. Und das, wo man doch eigentlich schon Postkarten hasst, weil man immer in dem Gefühl lebt, das ist so ein Brauchtum, das anderen leicht fällt, aber einem selbst klaut das halbe Tage des Urlaubs, weil man dran denken und Briefmarken und die Dinger auch noch einwerfen muss. Das ist dann so, als müsste man plötzlich für Blogposts noch Briefmarken kaufen.
Und wenn man dann wieder nach Hause kommt und vier Tage lang eine riesige Kiste voll Müdigkeit vor sich herschieben muss, weil man eine ganze Nacht verpasst hat, in der nächsten Nacht Geburtstag feiern muss bis früh um sechs, in der Nacht danach gleich gar nicht schlafen kann, weil man einem Tiramisu-Rezept vertraut hat, in das ziemlich viel Pulverkaffee kommt, und dann auch schon die nächste Geburtstagsfeier kommt, und die Tage zwischen diesen Nicht-Nächten auch nicht für ein kleines Nickerchen gut sind, sondern immer nur für schuften, schuften, schuften am Haus. Dann passiert das eben mal, dass man plötzlich zehn Tage lang nicht postet.

Aber gestern Abend hatte ich um acht mein Nachthemd an, um neun lag ich im Bett, und dann hatte ich eine kleine Zeitreise in meine Kindheit, als ich eingeschlafen bin, während draußen noch Sommerlicht und Sommergeräusche (Rasenmäher und so) zu hören waren und von nebenan aus dem Wohnzimmer die Fußballübertragung. Elfeinhalb Stunden später war ich wieder wach, hatte immer noch kein Internet, weder hier noch im Haus, noch in der neuen Hütte, und konnte zwar schreiben, aber nicht posten. Also habe ich heute morgen einen Post vorgeschrieben, und der wird jetzt gepostet im WLAN-Café mit den Rotweinpennern um die Ecke. (Das WLAN-Café ist ein ganz normales Café, in dem es aber WLAN gibt, und die Rotweinpenner scheinen mir auszusterben außer in diesem einen Café hier: das sind Penner, die keinen Schnaps und kein Bier trinken, sondern ein gepflegtes Gläschen Rotwein für drei Euro bevorzugen. Sie sitzen friedlich an ihrem Cafétisch, schwanken zwischendurch mal zum Zeitungsstand, um dann zurück am Tisch auf der dicken weichen FAZ einzuschlafen. Und ich mit meinem Rechner dazwischen fühle mich schon wieder in meine Kindheit versetzt, als es solche Penner noch häufiger gab und mein Opa sie Landstreicher genannt hat.)

Jedenfalls ist inzwischen Folgendes mit Kinderwunschbezug passiert:

Ich habe ein paar Tage lang ein bisschen geblutet und gekrampft, das hat dann aufgehört.

Ich versuche, mich vor allem auf der guten Seite der Ernährungsliste zu bewegen.

Ich versuche auch, die Pillchen immer vor dem Essen zu nehmen und nicht wie bisher auch manchmal danach, weil ich es leider ab und zu verfranse, und zwar, weil ich mich immer noch nicht daran gewöhnt habe, am Tag insgesamt 38 Tabletten und 40 Tropfen zu nehmen.

Ich habe, pfiffig wie ich war, die Kräuterkügelchen in Chinatown besorgt für ein Drittel des Preises, nur damit mein Heilpraktiker mir jetzt gesagt hat, das wäre gut und schön, aber die wären nicht rein genug. Nicht rein genug! Und dabei kann es für uns Kinderwunschlerinnen ja gar nicht blitzblank, frisch und sauber genug zugehen! Also haben wir sie weggeworfen.

Ich hatte meinen zweiten Akupunkturtermin, diesmal wurde an anderen Stellen gestochen, und als die fränkelnde Sprechstundenhilfe nach einer halben Stunde reinkam, um die Nadeln wieder rauszuziehen, hat sie ganz nett und zutraulich gegurrt "Guuud gerrrruuhd?". Nein, ein Laden, in dem sowas passiert, der kann nicht zu esoterisch sein. Außerdem wurde festgestellt, dass ich einen Belag auf der Zunge habe, der da nicht hingehört.

Eine Freundin hat mir erzählt, sie hat geträumt, sie wäre schwanger, und dann hätte sie im Traum ein schlechtes Gewissen meinetwegen gehabt. Buh! Das soll bitte im wirklichen Leben nicht passieren, ja? (Das mit dem schlechten Gewissen meine ich, bezüglich der Schwangerschaft: nur zu!)

Und ich freue mich auf meinen Termin Ende Juli in der neuen Klinik.

Aber worauf ich mich fast noch doller freue, ist in ein paar Tagen endlich, endlich umgezogen zu sein, nicht mehr zwischen Kisten zu leben, in denen immer das Falsche ist, meinen Tee wieder aus meinen Tassen zu trinken statt aus irgendwas, und wieder ein Netz zu haben. Endlich bitte wieder ein Netz. Ich brauche mein Netz.

So. Wochenlanges Schweigen verpflichtet zu seitenlangem Geposte.
Im Haus im Moment der Stand der Dinge folgender:

Die Wände sind hübsch weiß gestrichen, leider der frisch abgeschliffene Boden teilweise versehentlich auch. Verkehrte Welt: Flora, die friedfertige, das Schaf, läuft fluchend durch die Bude und keift "Hier auch! Sauerei! Die sollen nochmal kommen und das saubermachen! Und dafür 4000 Euro, mein Arsch!" während L., der Fuchs, der Handwerkerschreck, dem keiner was vormacht, besänftigt: "Kann doch mal passieren." Genau. Mal. Nicht 200 mal.

Die Küche ist drin, von zwei Monteuren mit dem Gemüt des Dalai Lama aufgebaut. Die waren durch nichts aus der Bahn zu werfen. Unsere Küche ist schief. Nichts ist im rechten Winkel. Die Arbeitsplatte war falsch abgemessen, und dann passte die Spüle erst mal nicht. Der Unterschrank war zu groß und kollidierte mit dem Abflussrohr. Jedenfalls, nachdem das fehlende Abflussrohr, das Ikea nicht mitgeliefert hatte, dann mal drin war. Und dann noch so ungefähr acht andere Katastrophen. Ich zitterte und schwitzte, die Monteure montierten. Jetzt steht die Küche und sieht in meinen Augen rattenscharf aus, das Biest.

Die Lichtschalter sind an der Wand, müssen aber zum Teil wieder runter, weil aus unerfindlichen Gründen die Elektriker zum Teil merkwürdige 80er-Schalter in weiß montiert haben, obwohl wir schwarze Bakelit-Schalter wie aus den 40ern bestellt hatten. Bei den Steckdosen hab ich den Überblick verloren. Manche müssen noch, manche sind zwar montiert, gehen aber noch nicht, andere hängen noch aus der Wand, gehen aber schon.

Ungefähr 80% unserer Möbel, Bücher (wenn man gerade umzieht, erscheint der Kindle plötzlich als richtig dufte Idee), Platten (pfeif auf den Charme knisternder Rillen, in Zukunft mp3s für mich) und anderen Geraffes haben wir schon nach und nach da hingeschleppt und auf den Dachboden oder in den Keller gebuckelt. Der Rest ist zu schwer für mich und L. zusammen, da müssen noch andere Jungs ran. Und die kommen hoffentlich am Freitag. Dann ziehen wir um. Also, so richtig. Das heißt, jetzt bringen wir auch schon unsere Tage mit Handwerkern und Pappkartons und Arbeitshandschuhen und Kabeltrommeln und dem Chinaservice zu, das wird sich auch nach Freitag so schnell nicht ändern, aber wir werden am Freitag Morgen in unserer alten Wohnung aufwachen und am Freitag Abend in unserer neuen Hütte einschlafen, und danach führt kein Weg mehr zurück in die Innenstadtbutze mit dem Dönerladen an der Ecke und dem Kiosk schräg gegenüber, mit meinen Mädchen in Laufentfernung und einem der besten Kinos der Stadt zwei Straßen weiter.

Damit zum Tier. Die kleine Lili war beim Friseur. Sie war während unseres Urlaubs bei meiner Schwiegermutter auf dem Land, also in der besten Hundepension der Welt, und im Service inbegriffen war der Friseurbesuch. Jetzt sieht sie zwar hundeschautauglich, aber damit auch grundbescheuert aus. Vor allem dann, wenn man so dasteht und sie vor einem sitzt und sie plötzlich so klitzeklein wirkt und man ihren platten Kopf und die riesigen Ohren genau vor der Nase hat. Vorher hatte sie einen Kopf wie ein Galloway-Rind, mit breiter und gelockter Stirn. Jetzt hat sie einen Kopf wie ein... weiß auch nicht. Wie irgendwas mit plattem Kopf. Aber sie freut sich schrecklich, die Wolle los zu sein und nicht mehr so zu schwitzen, das wächst alles nach, muss eben scheinbar zweimal jährlich sein, wir gewöhnen uns dran, und ich habe sie so vermisst im Urlaub. Sie sieht nur so sehr ANDERS aus. Kennt jemand diesen Film mit Robin Williams, in dem er tot ist und in einer Art Paradies aus Ölfarben lebt, und irgendwann merkt er, dass sein guter Kumpel Sowieso in Wirklichkeit seine ebenfalls tote Tochter ist? Und er hat sie so vermisst? Nur sieht sie jetzt ganz anders aus? Oder so ähnlich? Jedenfalls ist es natürlich ÜBERHAUPT nicht damit zu vergleichen, seinen Hund nach dem Urlaub wiederzubekommen, und er sieht anders aus. Überhaupt nicht! Aber ein bisschen vielleicht ja doch.

Und dann noch kurz zum Stammtisch. Diesen Samstag hatten wir das ja ins Auge gefasst. Und ich wäre nach wie vor dabei. Wer noch?

Freitag, 11. Juni 2010

Angekommen Stop

Mein verbleibender Akku ist runter auf einen hauchdünnen, roten Strich. Darum wieder mal Telegrammstil. Die Sonne scheint, wir sind in New York, ich bin immer noch nicht schwanger, aber akut nicht selbstmordgefährdet deshalb, ich blute ein bisschen, aber Werte das als Zeichen der voranschreitenden Renovierung meines miesen Unterleibes. Und das Tolle: Hot Dogs stehen zwar auf der Don't-Seite meines TCM-Speiseplans(Ketchup. Schweinefleisch. Sehr, sehr industriell verarbeitetes Weißmehl). Aber dafür steht kalifornischer Weißwein auf der Do-Seite.

Dienstag, 8. Juni 2010

Wie der Trockenkeller mir den Abschied erleichtert

In unserem Haus gibt es einen Trockenkeller. In diesem Trockenkeller hängen grob geschätzt 30 Wäscheleinen. Auf drei dieser Wäscheleinen hatte ich gestern meine Wäsche aufgehängt. Die anderen 27 waren frei. Gerade komme ich in den Keller, um diese Wäsche, die mit mir nach New York fliegen soll, von der Leine zu nehmen. Sie hängt aber nicht mehr auf ihrer Leine. Sie hängt auf einer anderen Leine, und zwar in drei Schichten übereinander, alles ist wild verkrumpelt und klamm und muffig. Ein Teil der Wäsche hängt auch gar nicht mehr auf der Leine, sondern liegt in einem Häufchen auf einem Stuhl. Diese Wäsche ist sogar noch klammer. Und auf der Leine, auf der gerade noch meine Wäsche hing, hängt jetzt andere Wäsche. Diese Wäsche beansprucht ca. 10 der 30 Wäscheleinen für sich. Kurz nachrechnen: selbst, wenn meine Wäsche da auch noch hängen würde, dann wären trotzdem noch 17 Leinen frei. Eine meiner Nachbarinnen hatte das dringende Bedürfnis, auf genau die gleiche Leine wie ich ihre Wäsche zu hängen, und hat umdekoriert. Dazu musste sie meine Unterhosen anfassen, was ihr sicherlich nicht angenehm war, aber nicht halb so unangenehm, wie ich das finde, dass nun irgend eine alte Frau aus dem Haus meine Unterhosen in den Fingern hatte und dass ich jetzt ungefähr dreimal so lang brauchen werde, um das alles zu bügeln, und das, wo ich gerade überhaupt keine Zeit zum Bügeln habe. Ich weiß nicht, ob ich das bisher klar gemacht habe, aber ich neige zu plötzlichen und hilflosen Aggressionen. In dem Moment, in dem ich gerade meine klamme und zerknüllte Wäsche aufgehoben habe, war ich so sauer, dass es mir ein Fest gewesen wäre, die betreffende Nachbarin mit (zum Glück Ballerina-)Fußtritten durch den Wäschekeller zu treiben.

Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich mich darauf freue, eine eigene Waschmaschine zu haben in einem Haus, in dem ich Wäsche waschen kann, wann immer mir danach ist. Dienstag Abends? Klar! Sonntag Mittag? Kein Problem! Und wo auch immer ich die Wäsche hinhänge, sie bleibt dort, bis sie trocken ist. Womöglich sogar länger!

Außerdem habe ich zu berichten, dass ich seit drei Tagen üble Regelschmerzen habe, obwohl ich immer noch durchgehend die Pille nehme (die mir der Heilpraktiker gerne ausreden würde, aber bevor ich nicht mit der Klinik gesprochen habe, wird daraus leider nichts. Vermutlich eine Yin-Mangel-Folge: Sturheit.). Auch ein bisschen Blut (altes Blut, wie ich als Blutprofi inzwischen sofort sehe) hat sich gezeigt. Ich habe eine Ibuprofen genommen und die Schmerzen umdefiniert: das ist kein Alarmsignal dafür, dass mir mein Unterleib wieder mal einen Urlaub versauen will (das wäre so ungefähr der fünfte), sondern das bedeutet, dass die vom Heilpraktiker angekündigte Aufmöbelung meiner Fortpflanzungsorgane in vollem Gang ist. Juchhu, Schmerzen! Blut! Das muss nämlich so sein, und nur so kann es besser werden! Genau.

Montag, 7. Juni 2010

Was bin ich doch verwöhnt

Gestern bin ich durch das eiskalte Schwimmbecken in der Heide gezogen, das Hundekind hat auch eine Runde gedreht, und auf einmal ist mir eingefallen: das letzte Mal, als ich hier drin war, war ich schwanger. Das war ein gruseliger Moment.

Kaum hat sie ihr heißersehntes iphone, schon ist Madame zu faul, sich die Finger zu verrenken und aus der Heide zu posten. Oder vom Sofa. Oder sonstwoher. Ich habe zwar eine Entschuldigung, nämlich das Buch, das geschrieben werden will und muss, aber so richtig lasse ich die Entschuldigung selbst nicht gelten.

Außerdem steht der Bericht vom Heilpraktiker noch aus.

Die Entwarnung kam fast sofort: ich hatte mich noch kaum richtig hingesetzt, als er mir schon erklärt hat, die chinesische Medizin wäre eine ganz bodenständige Sache und hätte überhaupt nichts mit Esoterik zu tun. Das war für mich ungefähr so eine feine Nachricht, als wenn ich zu meinem ersten Kliniktermin Ende Juli käme und die Ärztin sagen würde "Spritzen? Pah! Wär doch gelacht, wenn wir Sie nicht einfach so schwanger kriegen würden. Würde Ihnen der Geburtstermin Ende April passen?" Ich hasse Esoterik noch viel, viel mehr, als ich Spritzen hasse. "Hass" ist in diesem Zusammenhang kein zu starkes Wort. Mein Unterkiefer verkrampft sich, wenn mir wer mit Kristallen und dergleichen kommt, ich fange an, aus den Ohren zu dampfen, und meine Augen suchen panisch nach einem Fluchtweg. Wenn mir jemand erzählen würde, Leberwurst würde uns stärker an unsere früheren Inkarnationen anbinden, dann würde ich aufhören, Leberwurst zu essen.

Also keine Esoterik. Stattdessen habe ich so ungefähr hundert Fragen aus sämtlichen Lebensbereichen beantwortet. Mein Heilpraktiker weiß jetzt, dass ich zwar Rückenschmerzen, ab und zu Migräne und Schlafstörungen habe, aber keine Verdauungsprobleme, Ohrenschmerzen oder Lungenleiden. Auch mit vaginaler Trockenheit kein Ärger, Dankeschön. Die Fragen waren an sich schon spannend, ein bisschen wie ein Psychotest, bei dem ausnahmsweise mal nicht absehbar ist, wohin das alles führen soll und welche Antwort mich zum Vollidioten oder Beziehungsdepp stempelt. Nach den Fragen habe ich meine Hände auf ein niedliches kleines Samtkissen gelegt, mein Puls wurde ausführlich untersucht, und dann musste ich noch die Zunge von allen Seiten zeigen. Das Ergebnis von all dem: Ich habe einen Yin-Mangel. Meine weibliche Seite kommt zu kurz! (Das hätte mir meine Mutter auch sagen können. Und L. eigentlich auch.) Die männliche Seite ist voll da. Ich habe also genug Hitze, Energie, Feuer usw., aber nicht genug Wasser, Ruhe, Kühle oder was auch immer. Das Ergebnis ist, dass mein Kopf ständig leerdreht (das kann ich bestätigen, ich wache nachts ZACK! auf und suche mir dann schnell-schnell irgendein Thema, das zu meiner Unruhe passt und an dem ich mich für ein paar Stunden festbeißen kann) und mein Unterleib dauernd irgendwelchen Quatsch veranstaltet. (Das Wort "Quatsch" ist nicht gefallen. Überhaupt hat er das alles viel vernünftiger erklärt, als ich das jetzt könnte. Aber es hat mir eingeleuchtet.)

Und was machen wir jetzt? Ich muss bei meiner Ernährung ein bisschen darauf achten, mehr von den Dingen zu essen, die gut für mich sind, und weniger von denen, die nicht gut für mich sind. Unter anderem ist Buchweizen gut für mich bzw. gegen meine Endometriose. Und trifft sich das nicht großartig, die weltgrößte Blini-Esserin soll mehr Buchweizen essen? Nicht alle Empfehlungen kommen mir dermaßen entgegen, ich soll z.B. nichts Scharfes mehr, und das mir, wo ich nichts Schöneres kenne als Essen, bei dem mir die Augen tränen. Aber auch das ist ab und zu erlaubt, nur eben insgesamt weniger.
Dann bekomme ich noch alle 14 Tage eine Akupunktur, zum Transfer ein bisschen häufiger.
Aber das Wichtigste sind die Kräuter. Die Kräuter sind schwarze kleine Kügelchen in großen Klickerbechern, von denen ich täglich eine halbe Handvoll auf drei Mahlzeiten verteilt schlucke und die entgegen aller Befürchtungen kein halbes Monatsgehalt kosten, sondern im Monat ungefähr so viel wie drei mal Pizza bestellen. Außerdem soll es sie noch billiger in Chinatown geben, und welches glückliche Mädchen fliegt noch diese Woche nach New York? Schon wieder? In das steingewordene Trostpflaster für die kinderlose Menschheit?

Ich schlucke also schwarze, ein bisschen muffig riechende Kügelchen aus Fischfutter-Schraubbechern, gucke auf meinen großen Nahrungszettel, bevor ich anfange zu kochen, hab Chili, Wasabi und den scharfen Senf für besondere Gelegenheiten aufgehoben, und bin froh, dass ich da hingegangen bin. Außerdem freue ich mich auf den ersten Termin in der neuen Klinik Ende Juli. Mit dem Geburtstermin Ende April könnte es knapp werden, aber ein Junikäferchen wäre mir sowieso lieber. (Verwöhnt. Hab ich es nicht gesagt? Verwöhnt.)

Donnerstag, 3. Juni 2010

Eso-Entwarnung

Guter Termin. Hier bricht jetzt weder die befürchtete Ernährungsdiktatur aus, noch kommen Hühnerfüße, oder, fast noch ekliger, "positive Gedanken" ins Spiel. Mehr nachher aus dem WLAN-Café!

Samstag, 29. Mai 2010

Andere reißt ihr Baby Samstags um sieben aus dem Schlaf, mich meine Babyträume

Dieser Heilpraktikertermin schlägt wirklich Wellen. Im Moment vergeht keine Nacht, in der ich nicht davon träume. Dabei ist noch keine Richtung auszumachen, ich hatte schon Babyträume und Unglücksträume. Nicht, dass ich zu viel auf Träume geben würde - (hatte ich schon erwähnt, dass ich eigentlich angesichts dieses ganzen Lagers - Traumdeutung, Kristalle, Seelenwanderung, Kügelchen, Tröpfchen und Düftchen - reagiere wie ein scheuender Wasserbüffel, also glubschig gucken, schnauben, trampeln, wegrennen - und sagt das nicht schon genug, dass das für mich alles "ein Lager" ist?) aber ich bin wirklich sehr, sehr neugierig, wie der Termin läuft.

Bei allem Gegrübel steht wenigstens eins fest: eine Methode, die auch dann hilft, wenn man nicht dran glaubt, hat erst mal einige Pluspunkte verdient. Sollte das also klappen - d.h., sollte das alles dazu führen, dass ich in einem Jahr mit Kugel oder Zwillingswagen durch die Stadt schiebe - dann rennt dem Mann die Bude ein und vergoldet seine Praxis. Ja?

Ansonsten habe ich noch zu verkünden, dass ich mich eher auf eine Reißzwecke setzen würde als noch mal in eine "Lady's Night" im Cinemaxx. Egal, wie nett die Gesellschaft und wie toll der Film ist, nichts kann dafür entschädigen, den waaaaahnsinnig unwitzigen und ununterhaltsamen Cinemaxx-Mann vor der Leinwand auf- und ablaufen zu sehen, während er sich mit dem abrackert, was offiziell und irreführend als "Showprogramm" bezeichnet wird. Außerdem, gekonnt oder nicht, will ich grundsätzlich nicht angefeuert und eingepeitscht werden. Ich weiß ja schon, dass ich den Film sehen will, sonst wäre ich nicht hier. Wenn ich mir ein Eis hole, dann steht doch auch niemand neben mir und brüllt mich an, ob ich mich denn schon ordentlich freuen würde, und HIER IST ES: DEIN! SCHOKO! LADEN! EIS!

Donnerstag, 27. Mai 2010

Mit einem Fuß in der Klapse, mit null Füßen im Kreißsaal

So, da geht Flora also nächste Woche zum ersten Mal zum Heilpraktiker. Und schon wieder rattert das Hirnmaschinchen. Das sollte es natürlich lieber nicht, bevor ich nicht wenigstens einmal da war und mir angehört habe, was er zu sagen hat. Aber es rattert nun mal gerne und lässt sich auch schwer stoppen.

Drehe ich jetzt eigentlich vollkommen durch, dass ich gerade plane, demnächst noch mal so ungefähr den doppelten Preis der IVFs hinterher zu werfen? Womöglich in das gleiche bodenlose Loch, aus dem auf jeden Fall am Ende kein Baby gekrabbelt kommt?
Oder ist das der einzige richtige Weg, und ich bin demnächst eine von denen, von denen diese Frauen reden, die immer jedem erzählen, ihre Freundin hätte es mal mit XY probiert, und plötzlich BLAMM schwanger, WUTSCHI gesundes Kind auf der Welt? "Die war schon 37, hatte den Bauch voller riesiger Myome, Endometriose, verstopfte Eierstöcke, alles Mist, und dann..." woraufhin die Frau, die sich das anhört, denkt "halt bloß die Klappe, du olle Lügentante".
Was mache ich, wenn der mir sowas sagt wie "essen sie kein Fleisch mehr, kein Alkohol, keine einzige Zigarette mehr, nur noch rohes Gemüse und kein Stress, und DANN" - tue ich das dann einfach mal zähneknirschend oder endet es so, dass ich brav zahle und da hingehe und trotzdem lebe, wie ich will, nur mit schlechtem Gewissen und der ständigen Angst, dass der mir mit seinen chinesischen Wundermethoden auf die Schliche kommt?
Ist das der erste Schritt auf der Straße, an deren Ende der zahnlos grinsende Wahnsinn samt Alufolienboykott, Traumfänger und Edelsteinauflegen steht?

Nächste Woche bin ich schlauer. Oder verwirrter. Oder wütender. Mal sehen. Jedenfalls werde ich dann vermutlich ein paar Löchlein mehr im Körper haben.

Sonntag, 23. Mai 2010

Na toll: noch mehr Nadeln.

Am dritten Juni habe ich meinen ersten Termin beim Heilpraktiker. Er ist nicht nur TCM-Spezialist, sondern scheinbar DER Mann für Kinderwunschbehandlungen. (Außerdem wirkt er seine Wunder nur drei Häuser von uns entfernt. Ich wäre allerdings auch bis nach Billstedt gefahren.) Der erste Termin wird 90 Minuten dauern und mich ca. 170 Euro kosten. Ich soll ein ehrliches (gut, dass er das dazugesagt hat) Ernährungsprotokoll und Unterlagen aus der Klinik mitbringen. Und vermutlich werde ich dann akupunktiert (gibt es das Verb?). Schon wieder denke ich: da passe ich mal zwei Jahre lang nicht auf, und plötzlich bin ich Charlotte.