Posts mit dem Label achter Monat werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label achter Monat werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 6. September 2014

Themen 1 bis 11, einfach zusammengetrieben und in einen einzigen engen und schlecht belüfteten Post gepfercht.

1. will ich Euch im Namen einer NDR-Journalistin um etwas bitten: wir haben uns alle (oder fast alle) schon oft am Kopf gekratzt, was das eigentlich soll, dass Abkürzungsbehandlungen aus Sicht der Krankenkassen nur verheirateten Paaren vorbehalten bleiben. Übrigens als einzige Kassenleistung weit und breit. Genau zu diesem Thema möchte die Journalistin einen kritischen Beitrag machen und sucht dafür betroffene Paare, am liebsten aus Norddeutschland. Ich find’s toll, dass das Thema inzwischen so weit in den anfangs so fremdelnden Medien angekommen ist, dass auch mal so ein ganz sachliches Thema diskutiert wird statt der üblichen Tränendrüsen-Schicksals-Berichterstattung, und würde mich freuen, wenn sich die eine oder andere von Euch findet. Falls Ihr dabei sein wollt, schreibt mir bitte an die Email-Adresse flora.albarelli@yahoo.com. (Ja, die Adresse verwende ich nur für solche Zwecke, nein, abseits solcher Aufrufe gucke ich da nicht rein, und nein, deshalb ist es auch keine böse Absicht, wenn mir eine von euch dorthin geschrieben haben sollte und ich auf ihre lange nette Email gar nicht geantwortet habe. Wer schnell gelesen und im Zweifel beantwortet werden will, bitte weiter per Kommentar.)

2. sind einige Klischees rund ums Kinderhaben und Kinderkriegen doch nicht so doof. Das Kitaviren-Klischee z.B. Mein Sohn geht jetzt seit Anfang August dort hin und musste bisher fünf mal zuhause bleiben, teilweise für mehrere Tage, weil er in der Kita Durchfall hatte. Zuhause ist ihm von all diesen gefährlichen Infektionskrankheiten nie etwas anzumerken. Zuletzt hat er sich Dienstag (nachdem ich ihn morgens quietschlebendig und unkrank wie nur was abgeliefert hatte) übergeben, daraufhin musste ich aus der Stadt angerast kommen (L. kam gerade vom Flug und hatte das Telefon aus) und ihn abholen. Woraufhin er den weiteren und die beiden folgenden Tage knallgesund war - nur eben zuhause. Gestern morgen habe ich ihn wieder hingebracht, mal schauen, für wie lange. In Südamerika, erzählt L., ruft eine Frau, deren Kind krank wird, alle anderen Frauen mit Kindern in der Umgebung an, die kommen dann alle rum und gönnen ihren Kleinen ein hübsches Virenbad - damit sie es hinter sich haben. Da bekommen wir also das Rundum-Paket! Nette Gesellschaft, anregende Umgebung, liebevolle Betreuung und das Deluxe-Paket Abhärtung XXL. Die Kindergärtnerin sagte, ja, das geht allen so, und ja, das dauert vermutlich das komplette erste Jahr. Wir seufzen und wappnen uns. Und schicken eine Voodoo-Extradosis Zahngebrüll an die Eltern, die es einfach nicht raffen und ihre Kinder morgens trotz sieben Meter gegen den Wind stinkendem Durchfall und Fieber dort abliefern. Warum es unserer Zuckerwurst zuhause immer gut geht, dazu habe ich mehrere Theorien. Theorie a: auch dank der Hunde ist sein Immunsystem schon relativ fit. Das heißt, er fängt sich zwar etwas ein - genug, um einmal die Windel vollzustinken z.B. - aber dann ist er auch fast sofort durch damit. Theorie b: Kinder haben eben ab und zu mal eine Flüssigwindel, ohne dass das gleich das Norovirus oder Ähnliches bedeuten muss. Nur hat die Kita eben ihre Vorschriften, also muss er nach Hause und darf 48 Stunden nicht wiederkommen. Theorie c, an die glaube ich selbst überhaupt nicht: Nur zuhause fühlt er sich wohl, der arme Schatz! Und darum sagt er ganz deutlich, dass er lieber zuhause sein möchte, in der einzigen Sprache, die er bisher beherrscht: Durchfall. Theorie d: die Kitadamen sind überlastet und dezimieren die Gruppe, indem sie ständig gesunde Kinder nach Hause schicken. Auch daran will ich nicht glauben.

3. Andere kriegen das gut hin mit Babyfotos, auf denen das Gesicht gerade so abgewendet oder unscharf ist, ich eben nicht. Hätte ich eins, würde ich es posten. Würmchen ist so niedlich, dass ich vermutlich demnächst aus sämtlichen What’s-App-Gruppen fliege wegen meiner Babyfotos, ich will, dass ihn alle sehen. Und es ist nicht nur die Zuckerschnute, sondern alles: wie er “hmmm” macht und den Kopf in den Nacken legt, wenn er etwas besonders Leckeres isst. Wie er den Löwen nachmacht. “hrrmmm.” Wie er sich die Ohren zuhält, wenn ein Flugzeug über unsere Köpfe fliegt. Wie er mir von allem, was er isst, den ersten Bissen abgeben will. Wie er beim Einschlafen immer erst tobig ist und beißen will und sich dann resigniert aufs Kuscheln verlegt. Wie er dem Hund um den Hals fällt. Wie er “chrp, chrp” kleine Fressgeräusche nachmacht, wenn wir zusammen die kleine Raupe Nimmersatt lesen. Ich kann nicht fassen, dass L. und ich (und Frau Doktor) zusammen so etwas Niedliches hinbekommen haben sollen.

4. waren wir zusammen auf der Hochzeit meiner Schwester, die erste Flugreise als ganze Familie. Und es ging gut, sehr gut sogar. Vor die Wahl gestellt, ob ich mit einem Haufen willkürlich ausgewählter Fremder und Würmchens willkürlich ausgewählter Laune lieber fünf Stunden in einem ICE stecken will oder 45 Minuten in einem Flugzeug, nehme ich das Flugzeug, auch wenn es noch etwas enger ist. Ich hätte mir aber gar keine Gedanken machen müssen. Der Druckausgleich-Trick mit dem Fläschchen funktioniert, wir haben ihm einfach eine große Flasche Wasser beim Start und der Landung zum Saugen gegeben, dann tun ihm die Ohren nicht weh. Wir haben außerdem für den kurzen Flug unsererseits auf Getränke verzichtet, das wäre nicht gut gegangen mit Klapptablett und Baby. Kurz vor Abflug gab es noch mal eine Windel und unterwegs die Raupe Nimmersatt, und dann waren wir auch schon da. Taxi mit altersgemäßem Kindersitz kann man vorbestellen, alles kein Problem.

5. Und dann die Hochzeit! Die war toll. In Hamburg ist es Konsens, dass man in München nicht leben könnte. Ich finde aber, man könnte das sehr gut. Ich finde in München an jeder Ecke irgend etwas, was mir die Aussicht sogar ziemlich verlockend erscheinen lässt. Das meiste davon ist essbar. Ich kann wenig auszusetzen finden an einer Stadt, wo man innerhalb von hundert Quadratmetern 1a griechische Vorspeisen, Schweinsbraten mit Kruste unter Kastanien und eine Riesenauswahl von Bio-Sorbet essen kann. Und direkt um die Ecke ist der englische Garten, wo man sich die ganzen Schweinereien wieder runterspazieren oder runterrennen kann, wenn man irgendwann über sein blödsinniges Pipiproblem hinweg… aber lassen wir das. Hmmm! hat Kalle gemacht. Das Tollste an der Hochzeit war aber, zu sehen, in was für eine nette, herzliche, fröhliche und rundum gute Familie meine Schwester da eingeheiratet hat. Die kannte ich nämlich alle noch gar nicht. Jetzt freue ich mich wie Bolle auf die kirchliche Hochzeit nächstes Jahr Anfang Juli. (Nicht zuletzt auch deshalb, weil es jetzt mit den schwangeren Hochzeiten mal reicht. Über Jahre habe ich mich beschwert, dass in meinem Umkreis niemand heiratet. Jetzt heiraten alle, und immer bin ich zur großen Sause schwanger. Nächste Woche sind wir wieder auf einer Hochzeit, und ich werde da stehen mit meinem Orangensaft und in meinem Zeltkleid, in vernünftiger- und tristerweise flachen Schuhen, tapfer die köstlichen Fischhäppchen ablehnen und gegen zehn ins Bett verschwinden.)

6. ist die Brille endlich fertig, bezahlt und abgeholt. Kontaktlinsen kann ich immer noch nur einseitig tragen, was bei minus acht Dioptrien dazu führt, dass ich innerhalb kürzester Zeit einen Hornissenschwarm im Kopf habe und anfange zu schielen. Mein rechtes Auge hat - laut Augenärztin schwangerschaftsbedingt - sich so sehr verändert, dass Kontaktlinsen dazu jetzt gerade nicht so gut passen, und eine Weile Pause muss ich ihm noch gönnen. Also sehe ich gerade folgendermaßen aus: unten der Bauch, so weit klar. Dann ein ziemlich rotes Gesicht. Das als “Strahlen” zu bezeichnen, würde den Begriff sehr dehnen. Darüber die Landfrisur: der Puschel durch die von Kalle ausgerissenen Haare steht in vollem Saft, ich habe praktisch keine Stirn mehr, es sei denn, ich trage eins dieser breiten Kopfbänder, die aber bei meiner Kopfform leider immer im Lauf einer Viertelstunde so verrutschen, dass es auch wieder nichts ist. Hinter dem Kopfband sind einige Wirbel, die auch von der Schwangerschaft zu profitieren scheinen. Mit dicken, glänzenden Locken ist es diesmal nichts, jeden Morgen im Spiegel erwartet mich eine neue Überraschung. Und mitten im Gesicht meine Brille, Modell Politbüro, die wirklich extrem robust wirkt, aber es nicht ist: die letzte Reparatur war schon die dritte, weil Kalle sie mir immer wieder von der Nase reißt und ein Glas auf dem Boden zerknallt. Jedes Mal kostet es so um die 180 Euro, denn weil ich so dermaßen blind bin, müssen die Gläser irgendwie speziell sein, damit die Brille nicht im Schneckentempo meine Ohren amputiert vor lauter Glasbaustein. Aber reden wir nicht über Geld, reden wir über Schönheit und Ausstrahlung. Frisur, Figur, Brille, uffjedunsenes Gesicht mit kleinen, von Kontaktlinsenunverträglichkeit geröteten Schweinsäuglein: Tadaaa! Fertig ist der bei der Geburt getrennte Zwilling von Roncalli-Direktor Bernhard Paul. (Vermutlich frage inzwischen nicht nur ich mich, wie eine wie ich zu so einem niedlichen Kind kommt. Passanten schütteln die Köpfe.)

7. Obwohl sie es nicht verdienen, habe ich meinen Haaren zwei neue Shampoos gekauft und habe das Gefühl, wenigstens beim Duft bin ich angekommen: Asfera von Furterer und Harmonic von Intelligent Nutrients riechen beide schön frisch nach Minze, hinterlassen eine kühle, aber nicht trockene Kopfhaut, machen quietschsauber, ohne zu vertrocknen, und dürfen für’s Erste bleiben. Ich hoffe, wenn nach der Geburt die Frisur irgendwann wieder normal ist, dann kann ich auch beurteilen, ob meine Haare genau so begeistert sind wie ich. Außerdem bin ich dazu übergegangen, nach jeder Wäsche die immer trockene Freaksträhne an meinem Hinterkopf mit Klettenwurzelöl einzureiben: es lag da noch rum, kostet fast nichts und bekommt jetzt seine Chance, wo stinketeure Superkuren versagt haben.

8. L. hat es tatsächlich durchgezogen: er hat 30 Tage lang vegan gelebt und ungefähr sieben Kilo abgenommen. Was heißt, dass er mit kleinen Auflockerungen weiter machen will. Und nicht nur das ist die Überraschung: wir haben uns auch nicht die Köpfe eingeschlagen. Was vermutlich auch daran lag, dass er seine Kocherei weitgehend für sich behalten hat und sich extrem am Riemen gerissen hat, mir meine Schweinebraten und meinen Speck madig zu machen. Manchmal sah die Küche schlimm aus. Vor die Wahl gestellt, ob ich das in zehn Minuten schnell wegmache oder mir den Abend versaue, indem ich deshalb Krach anfange, muss ich sagen, hab ich mich meistens für erst wegmachen und später die eine oder andere spitze Bemerkung entschieden, den weiblichen Klassiker. Und nicht nur L.s Figur, auch mein Budget profitiert, denn während L. früher gerne mal ein halbes Kilo Käse als kleinen Snack zwischendurch gegessen hat, habe ich jetzt meine Schätze im Kühlschrank ganz für mich allein und muss nur mit Kalle teilen, während er sich mit Pastinaken und Mandelmus vergnügt.

9. Der letzte Tag auf der Arbeit rückt näher, und noch ist kein Ersatz für mich in Sicht. Ich habe noch mal recherchiert, und dem SMS-Verkehr mit meinen Mädchen ist zu entnehmen, dass ich am 31. März meine Chefs über die Schwangerschaft informiert habe, genau wie über den Termin, zu dem ich in den Mutterschutz gehe. Nachdem ich von Würmchens Klumpfuß erfahren hatte, war ich erst mal im Urlaub, aber gleich am ersten Tag zurück am Schreibtisch habe ich ihnen auch das gesagt und dass es bedeutet, dass ich diesmal nicht nach drei Monaten, sondern wohl erst nach sechs oder vielleicht sogar noch später zurück komme, weil hier dann eben andere Aufgaben auf mich warten. (Darauf haben sie übrigens wie aus dem Lehrbuch für den Chef des Jahres reagiert.) Seitdem… 21. 22. 23. Immer noch ist unklar, wer in meiner Abwesenheit meine Jobs übernimmt. Es sollte mich nicht beschäftigen, tut es aber. Ich würde gerne mit einem guten Gefühl und einem sauberen Schreibtisch in die Pause gehen. Hrrrrrr. Währenddessen fällt es mir jedes Mal schwerer, mich in die Bahn zu wuchten und dann acht Stunden aufrecht und konzentriert an meinem Rechner zu verbringen. Das Augenproblem kam noch dazu, besonders in unserem Konferenzraum zu Abstimmungen liefen mir dicke Tränen über das Gesicht, und ich konnte kaum die Hand vor Augen sehen. Auf der Treppe aus der Ubahn halte ich mich am Geländer fest und schnaufe, und als neulich der Fahrstuhl gewartet wurde, habe ich kurz überlegt, diesen Arbeitstag zu knicken und einfach wieder nach Hause zu gehen, denn zu Fuß in den sechsten Stock? Entschuldigung. Nachmittags lege ich mich mit Rechner immer schon eine Stunde aufs Sofa in den Pausenraum, aber auch das ist nur Kosmetik. Ich zähle die Tage: neun sind es noch. Und gleichzeitig treibt es mich wirklich um, dass ich nicht weiß, wie das ab dann werden soll mit meinen Job-Babies.

10. Zu dem kleinen Kommentarkrieg von letzter Woche sage ich jetzt mal nichts mehr. Ich habe das Gefühl, da ist alles gesagt, und zwar mehrfach und von allen Beteiligten.

11. Wie wäre mal wieder Stammtisch? Zur Abwechslung Brunch? Tut mir leid, ich will euch nicht mein Alkohol- und Kippenverbot aufzwingen, aber abends gehen bei mir leider zu früh die Lichter aus, das lohnt sich kaum, dafür das Haus zu verlassen. Ein schicker Sonntag also? Irgendwann demnächst, Ende September, Anfang Oktober? Hebt doch mal vorsichtig die Kommentarhand, wer grundsätzlich Lust hätte.

Sonntag, 26. Mai 2013

34. Woche

Heute mal ohne Foto, ich fürchte, in meinem Telefon würde irgend eine wichtige Elektrode durchschmoren, wenn ich heute morgen ein Foto von mir machen würde. Die Nacht war hart. Zwar war ich um elf zuhause nach einem gemütlichen Rumhock-Abend in einer Mädchenküche, aber L. hat es erst so gegen drei geschafft und war dann bis vier nicht zum Schlafen zu kriegen. Und während L. im Bad mit dem beschäftigt war, was ein Mann manchmal so tun muss, wenn er vorher bei Freunden mit gut bestückter Hausbar zu Gast war, hatte Momo, unser wolliger Pflegehund, einen Anfall. In der Mädchenküche hatte ich noch voller Stolz berichtet, ihr letzter wäre bestimmt schon über vier Wochen her, und jetzt das. Wir müssen jetzt feste hoffen, dass es wieder für eine Weile der einzige bleibt, sonst muss sie wieder in diese blöde Klinik und an den noch blöderen Tropf. Entsprechend unruhig und schreckhaft habe ich geschlafen, daneben der mit seinem Fähnchen wedelnde L., um sieben habe ich die Hunde ins Auto gepackt und war mit ihnen auf der leinenfreien und deshalb schwangerentauglichen Strecke spazieren, und jetzt hänge ich hier hundemüde zwischen Stillkissen und mit Hundematsch beschmierter Decke auf dem Sofa und überlege, ob ich lieber versuchen soll, noch mal einzuschlafen, oder mir jetzt einen strammen Tee koche und den Tag mit halb geschlossenen Augen angehe. Ehrlich, hätte ich bis drei Uhr früh und ein paar alkoholfreien Bieren mehr durchgehalten, könnte ich jetzt auch nicht müder sein.

L. ist übrigens ohne Auto zurück gekommen (was ich ihm auch geraten haben wollte), das steht noch bei seinem Freund mit der heute etwas dezimierten Hausbar und ist laut L. bis unter die Dachkante vollgepackt mit "hardware", worunter in diesem Fall wohl ein Baby-Bay, eine Wickelkommode, eine nagelneue Milchpumpe und ähnlicher Kram zu verstehen ist. Meine Gefühle dazu sind etwas durchwachsen: einerseits freue ich mich natürlich, dass L.s Freund uns großzügigerweise die komplette Baby-Ausstattung seiner zwei Mädchen überlässt, das spart Geld, Fahrerei und Nerven. Andererseits hatte ich mich ehrlich gesagt darauf gefreut, Geld, Fahrerei und Nerven in meinen ersten und vielleicht ja auch letzten Baby-Einkaufsbummel zu investieren. Ich dachte, das wird nett, sich die Erfahrungsberichte irgendwelcher Milchpumpenbesitzerinnen durchzulesen und dann zu entscheiden. Ob eine Baby-Bay wirklich so praktisch ist oder ob sie eher die schlaue französische Pausenregel untergräbt, weiß ich nicht, da hätte ich gerne noch ein bisschen was zu gelesen. Und auf meinen Plan mit ohne Wickelkommode, dafür aber mit Värde war ich auch ein bisschen stolz. Dazu kommt noch, dass L. sich zeitweise geweigert hat, die Anschaffung von all solchen Dingen mit mir auch nur zu diskutieren. Noch gestern mittag wollte er z.B. von Milchpumpen nichts hören. Wenige Stunden später ruft er mich an und berichtet voller Freude davon, dass jetzt eine davon in seinem Kofferraum liegt. "Väter haben es auch nicht leicht", schreiben alle. Für sie ist der Übergang noch schwieriger, so ganz ohne Bauch und darin strampelndes Kind, das ihnen stündlich vor Augen führt, dass sich jetzt einiges ändern wird. Mit ein bisschen Gerumpel war also zu rechnen. Blöd nur, wenn so alles gleichzeitig rumpelt. Heute nacht, während L. im Bad zugange war und ich den zuckenden Hund in den Armen gehalten habe, dachte ich, was jetzt noch fehlt, ist eine geplatzte Fruchtblase.
Und dabei waren wir gerade so weit, dass ich dachte, wir könnten den Hund auch mal wieder alleine lassen. Nicht lange, aber wir könnten. Und wir könnten sie vielleicht sogar mal über Nacht in einer Hundepension unseres Vertrauens unterbringen. Demnächst zum Beispiel, wenn wir auf der Berliner Hochzeit sind. Wie wir das jetzt machen, keine Ahnung. Vielleicht ist ja meine Schwiegermutter bereit, Momo zu nehmen, und nur Lili wird in die Pension (die sie über alles liebt) geschickt. Oder einer von uns muss zuhause bleiben, das wäre dann L., denn an dieser Hochzeit habe ich die älteren Rechte.

Was gibt es vom Würmchen? Obwohl ich jeden Tag das Gefühl habe, er wächst und wächst, und obwohl ich eine meiner ersten Schwangerschafts-Fressmacken durchlebe (Smacks in riesigen Mengen) habe ich seit letzter Woche nicht zugenommen. Ich nehme jetzt Methyldopa statt Metoprolol, und die Umstellung war ehrlich gesagt ein bisschen hart. Es hat nicht sofort angeschlagen, und anfangs war mir ständig schwindelig, das hat bestimmt drei Tage angehalten. Jetzt geht's besser, der Blutdruck ist auch da, wo er soll, ich bin gespannt, was die Ärztin am Mittwoch sagt. Würmchen zappelt mehr als in den letzten paar Wochen zusammen, und man sieht es sogar jetzt, durch eine Bettdecke und ein Nachthemd hindurch. Kleine Beulen, die so schnell wieder verschwinden, wie sie kommen. Der Kopf ist nach meiner Laienmeinung immer noch irgendwo hinterm Bauchnabel, wo die Plazenta sich rumtreibt, kann ich nur vermuten. Außerdem frage ich mich gerade: bin ich eigentlich immer noch im achten Monat, oder ist das jetzt schon der neunte? Der neunte Monat war für mich als Kind immer ein Zustand, der schätzungsweise fünf Minuten anhält und dann unmittelbar in eine wilde Jagd zum Krankenhaus übergeht. Da werde ich wohl doch mal langsam meine Tasche packen, nüing?

Und dann habe ich noch einen Aufruf an die Abkürzungsdamen unter euch: eine sehr nette Journalistin vom ORF möchte ein Radiointerview mit mir aufnehmen. Sie macht eine ganze Serie zu dem Thema. Sie wird vom 10. bis zum 12.6. eigens zu diesem Zweck in Hamburg sein. Da bleibt noch massig freie Zeit, und die würde sie gerne nutzen, um außer mir noch jemanden zu interviewen - vorzugsweise eben eine Abkürzungsdame, die noch in den Behandlungen steckt und bei der es bisher noch nicht geklappt hat. Natürlich kann die betreffende Dame das Interview gerne unter Pseudonym geben, und bevor es gesendet wird, bekommt sie es selbstverständlich zur Freigabe vorgelegt. Hat jemand unter den Hamburger Damen Lust und Zeit?

p.s. neunter Monat. Tatsächlich. Und zwar schon seit einer Woche. Laut der Wikipedia-Einteilung beginnt der neunte Monat mit der 33. Woche.

Mittwoch, 22. Mai 2013

Wenn Fusselhirne planen, Teil 2

Bei Diäten (Weight Watchers, Fasten - ja, ich weiß, keine Diät, wäwäwäwäwäwä, abends keine Kohlehydrate etc.) hat das schon dufte funktioniert, mit Würmchen wird es genau so super laufen, da wette ich: ich suche mir raus, was gut für mich klingt, und ignoriere den Rest. Mit anderen Worten, ich mach mir die Welt, so wie sie mir gefällt.

1. Würmchens erste Reise.
Irgendwo habe ich gelesen, die allerallerbeste Reisezeit mit kleinen Kindern ist die, wenn sie noch nicht laufen können, sondern einfach in ihrem Wagen liegen oder sitzen und sich willenlos von Mama und Papa durch eine ferne Metropole schieben lassen. Vorausgesetzt, die Metropole verfügt über sauberes Trinkwasser und ausreichende medizinische Versorgung, soll das kein Problem sein. Und ich plane. Ich liege hier herum und plane, dass die Schwarte kracht. Vielleicht endlich mal nach San Francisco? Oder doch wieder New York? Rom? Egal, noch diesen Herbst hoffe ich, die ganze Bande zusammenzupacken und auszutesten, ob mein Kind zu der Sorte gehört, die einen Flug mit ein paar fröhlichen Glucksern übersteht und die Banknachbarn von den Sitzen flirtet oder eben zu der anderen Sorte.

2. Stillen.
Das mit dem Stillen werde ich unter der Regie meiner Hebamme mal versuchen. Ich werde sogar die Tipps befolgen, die sie mir gibt, seien es Kohlblätter oder Wollmilchsalbe oder bloß nichts draufschmieren, wird nur schlimmer. Mit Hütchen und ohne. Sollte es laufen, mache ich das so ca. drei-vier Monate. Sollte es nicht laufen, läuft es nicht, und ich hoffe, ich bekomme deshalb keinen Schuldkomplex. Ziel ist es, ein zufriedenes, gesundes Baby zu haben, aber auch eine zufriedene, gesunde Mutter zu bleiben. Und irgendwo dahinter wartet das noch viel größere Ziel, meinem Baby ein freundschaftliches und offenes Verhältnis zum Essen anzugewöhnen. Wir werden sehen.

3. Wickeltisch.
Unser Wickeltisch wird kein Wickeltisch, sondern eine dieser Küchenkommoden, die es bei Ikea gibt. Die meisten sind aus der Värde-Serie oder sehen jedenfalls so aus, als wären sie. Die sehen erstens dreimal besser aus als so ein komisches fake-landhausmäßiges Wickeldings. Zweitens liebt L. diese Möbel schon lange und streichelt sie jedes Mal, wenn wir bei Ikea sind, endlich hätten wir einen Grund, eins zu kaufen. Drittens sind sie als Küchenmöbel schön hoch, man holt sich also keine Rückenprobleme, wenn man Würmchen darauf viele liebe Mal wickelt. Viertens sind sie irre praktisch mit den Schubladen usw. Siebzehntens schaffe ich mir lieber ein Möbelstück an, das ich zwanzig Jahre lang benutzen kann, als eins für zwei Jahre. Obendrauf kommt eine Wickelauflage unserer Wahl, daneben ist noch Platz für die Sachen, die man ständig braucht, und alles andere wandert nach unten in die Schubladen. Perfekt, finde ich!

4. Erziehungsweisheiten.
Heute müssten zwei weitere Babybücher in der Post sein: das zweite Druckerman-Buch, das die Erkenntnisse aus "Warum französische Kinder keine Nervensägen sind" zu 100 Regeln zusammenfasst, und das Buch "french kids eat everything" von Karen le Billon. Ich werde berichten.

5. Job.
Das Thema Arbeit hat sich erst mal erledigt, sollte man denken. Heute oder morgen werde ich noch einmal ein paar Filmideen zu Papier bringen, die im Kopf eigentlich schon fertig sind, und noch an die Agentur schicken. Einfach, weil ich das so will und die Ideen zu schade sind, um in ein paar Wochen im Stillnebel zu verschwinden. Sollte die Agentur das falsch verstehen und mich demnächst öfter anhauen, ob ich hier noch mal kurz und da noch mal kurz kann, dann sage ich freundlich nein. Ich habe das Gefühl, ich hatte in dieser ganzen Schwangerschaft noch keine so gute Idee wie die, es jetzt zu lassen (na gut, "Idee" ist vielleicht das falsche Wort...). Es geht mir um Längen besser.

6. Kita.
Zwar haben wir es eine Weile vor uns hergeschoben, aber in den nächsten Wochen müssen wir uns vorsichtshalber noch in ein paar weiteren Kitas anmelden. Drei habe ich schon im Auge: eine, weil sie so nah ist. Eine, weil sie im Wald liegt und den Kindern wohl früh die Nähe zur Natur vermitteln will. Und eine, weil wir darüber so viel Gutes gehört haben. Dann hätten wir insgesamt vier Eisen im Feuer, würden immer noch hoffen, dass es bei Nr.1 klappt, aber wenn nicht, dann hoffentlich bei einer der anderen. Im Vorort zu leben, hat auch seine Vorteile: ich fürchte, Eppendorfer Schwangere kommen unter acht Anmeldungen nicht weg.

7. Geburtsvorbereitungskurs.
Das mit dem Geburtsvorbereitungskurs wird nichts mehr. Die Hebammenpraxen haben mit einer Ausnahme bis heute nicht auf meine Emails mit Anfragen geantwortet, also habe ich angerufen und in jedem Fall den Bescheid bekommen, hach wie schade, nun wäre der letzte Platz gerade weg. (Ich verstehe, dass Emails für Hebammen vielleicht nicht das Kommunikationsmittel der Wahl sind. Dann würde ich allerdings auch einfach darauf verzichten, eine Adresse über meine Homepage anzubieten.) Der einzige Kurs, in den wir noch gekommmen wären, wäre ein Wochenendkurs gewesen, der an L.s Geburtstagswochenende ist. Tut mir leid, da haben wir was anderes vor. Jetzt muss es ohne gehen. Ich gucke allerdings gerade sehr eifrig nach einem Kurs, der Säuglingspflege und Erste Hilfe bei Babys kombiniert. Scheint es nicht zu geben, aber vielleicht habe ich noch nicht gründlich genug geguckt? Sonst eben beides in einem eigenen Kurs. Heute morgen habe ich den Kopf meines Babys wieder irgendwo schräg hinterm Bauchnabel ertastet. Ich glaube auch nicht so richtig an die Plazenta-Wunderwanderung. Und wo es sich doch mehr und mehr zu einem Kaiserschnitt zusammenzieht, kann ich mir den Hechelkurs wirklich sparen. Sollte es auch mit der Säuglingspflege nichts werden, würde mich der Erste-Hilfe-Kurs doch beruhigen. Säuglingspflege habe ich noch ein bisschen im Kopf, so ist das, wenn man eine elf Jahre jüngere Schwester hat, die auch mal Windeln und Fläschchen und all das brauchte. Und die Nachsorgehebamme ist ja auch noch da, yay!

8. Mein ganz privater Mutterschutz.
Auf die Hochzeit in Berlin fahren wir noch. Danach ist Schluss. Ich möchte dann bis zur Geburt bitte nichts mehr vorhaben, jedenfalls nichts, was erfordert, dass ich eine Tasche packe. Ich freue mich wie Bolle auf ein paar Wochen, in denen ich nur noch hier ein bisschen mit Farbe herumschmiere, da ein bisschen vorkoche und einfriere und davon abgesehen ab und zu mal durch das dann hoffentlich vorhandene Kinderzimmer gehe, mich zufrieden in den Ohrensessel setze und das alles auf mich wirken lasse.

Sonntag, 19. Mai 2013

Mich wundert das gar nicht, dass es inzwischen ca. 28 Zeitschriften mit "Land" im Titel gibt

Die Treppen könnten ein Problem werden. Treppen in einem offen gebauten Haus, belegt mit harten Fliesen, bei denen man nicht einfach eine Tür zumacht und das Treppenhaus ist verschlossen. Außerdem gibt es einen extrem verlockenden Teich an der Terrasse, zu dem es mich als Zweijährige auf jeden Fall mit Macht gezogen hätte. Dann ist da noch der felsige Steilhang runter zur Straße, allerdings so dicht bewachsen mit dornigen Brombeerbüschen, dass Würmchen sich nach zwanzig Zentimetern Sturz schon in einer neuen und ganz andersartigen Notlage wiederfinden würde. Ansonsten wird das hier großartig. Die Balkone sind gut vergittert, die Pflanzen ums Haus alle nicht giftig, im Keller stehen bestimmt noch riesige Spielzeugschätze, und meine Eltern geben ganz sicher die besten Großeltern der Welt ab. Bzw., wie die Nomenklatur in unserer Familie lautet, Oma und Opa Heppenheim. Wieder eine Sache, die ich kaum erwarten kann - eine von den vielen: das Familienauto mit Mann, Karre, Hunden und Kind bepacken und dann( mit Zwischenstop in NRW, damit er seine Uroma kennenlernen kann), hier runter fahren und ihm zeigen, dass das Leben außerhalb der Stadt auch anders sein kann: dass es auch Wiesen ohne leere Schnapsflaschen und verrottenden Grillmüll gibt, dass man Kühe nicht nur essen, sondern auch streicheln kann und dass Mutti, wenn sie nur will, auch imstande ist, in diesem grässlichen Dialekt zu sprechen. Der wird Augen machen.

Vielen Dank für die vielen Tipps zur Krankenhaustasche! Miederhosen in Größe 42, Schlafbrille, eine Großpackung Cornies und Bifis, Schwimmring und all das andere werden unverzüglich angeschafft. Es wird dann wohl doch eher ein Krankenhaus-Flugkoffer werden, aber mach was, und in unserem Familienzimmer ist ja auch Platz dafür. Ansonsten geht der Plan ungefähr so: irgendwann demnächst, sobald die Handwerker endgültig wieder verschwunden sind, mache ich den Dachboden und das Gästezimmer besuchsfein. Geht es dann los, informieren wir als erstes meine Schwiegermutter, die sich dann bitte sofort bei uns einnistet und für's Erste die Hunde sittet, was in solchen Notsituationen auch ausnahmsweise damit getan ist, für Futter, Wasser und Epilepsie-Medikamente zu sorgen und in regelmäßigen Abständen die Küchentür in den Garten zu öffnen. Dann macht sich meine Familie auf den Weg und quartiert sich ein. Meine Schwester spricht schon von Kuchen, die sie für uns zu backen gedenkt - ob mit oder ohne Kuchen, so machen sich alle ein paar nette Tage in Hamburg und kommen ein-zweimal am Tag zu Besuch. Und dann ziehen wir mit Würmchen zuhause ein und haben erst mal ein paar Tage für uns ganz allein. Ich finde, das klingt nach einem guten Plan.

Und jetzt gehe ich mal an den Teich gucken, was die Kaulquappen machen.

Freitag, 17. Mai 2013

33. Woche.

Auf einfachen Wunsch hin hier ein neues Kugelbauchfoto. Nicht mosern, ich kann das nicht, dieses Bloggerinnen-Profi-mäßige aus dem Handgelenk Selbstportraits mit perfektem Bildausschnitt. Nun ist eben Ringo mit drauf. Mach was.




Die anderen Eckdaten: 77 Kilo. Bauchumfang: keine Ahnung. Schwangerschaftsstreifen: bisher noch nicht. Schlaf: ca. vier-fünf Stunden pro Nacht. Schwindelanfälle: seit dem Arztbesuch kein einziger mehr. Dafür bin ich zum ersten Mal umgeknickt, auf einem ca. anderthalb Zentimeter hohen Bordstein und in flachen Schuhen. Das ist gestern so gegen zehn passsiert, und es tut immer noch mörderisch weh, auch wenn am Knöchel nichts zu sehen ist. Meine Apps und meine Schwangerschaftsbücher hatten mich gewarnt, dass das passieren würde: so was kommt von aufgeweichten Gelenken und davon, dass man seine Füße nicht mehr sieht. Aber habe ich die Warnungen beherzigt? Nein. Ich war sogar immer noch ab und zu in High Heels unterwegs und hatte auch fest vor, das zu Spezialgelegenheiten weiter so zu halten. Aua.

Tag 1 der großen Ferien.

Manchmal merkt man es wirklich erst hinterher. Wenn man am Morgen danach aufwacht und sich plötzlich trotz Riesenkugelbauch zwanzig Kilo leichter fühlt. Bis Oktober werde ich jetzt nicht mehr an den Schreibtisch müssen. Keine Bahnfahrten morgens am Rande der Ohnmacht, kein Ächzen und Schnauben über Aufgaben, die ich sonst mit links gelöst habe, kein Wegschrubben auf Vorrat in letzter Minute mehr, damit das auch ja alles reibungslos läuft, wenn ich nicht mehr da bin. So lange Freiheit war noch nie. Und nicht nur das, sondern noch viel besser: die Sorgen, die seit dem letzten Termin bei meiner alten Ärztin wie ein Tinitus immer im Hintergrund waren ("Zu klein. Zu eierköpfig. Vielleicht unterversorgt. Vermutlich früher holen. Zu klein. Zu eierköpfig. Vielleicht unterversorgt. Vermutlich früher holen. Zu...") sind einfach weg. Placenta praevia ist auch kein Spaß, das weiß ich schon - aber wenn die Lösung für dieses Problem einfach Kaiserschnitt heißt, ist doch alles gut. Und vielleicht, ganz vielleicht, wenn mein Idiotenglück anhält, löst sich das ja auch noch von ganz alleine.

Die Frage ist, was mache ich mit meiner Freiheit? Ich habe da so eine Idee. Aber ich will sie lieber erst gar nicht aufschreiben, weil ich keine Lust habe, mich blöd zu fühlen, falls ich meinen Hormonhintern doch nicht für mehr hochkriege als Kinderzimmer klarmachen, Kind bekommen und Kind über die ersten drei Monate bringen.

Jetzt erhole ich mich erst mal für ein paar Tage bei meinen Eltern, die ganz rührend sind ("Waaas? Du spülst hier nicht!") Ich liege in meinem alten Kinderzimmer, in dem immer noch die phosphoreszierenden Sterne von vor über zwanzig Jahren an den Deckenbalken kleben, höre draußen die Landgeräusche (Vogelzwitschern, Mopedknattern) und trinke koffeinfreien Tee. Und während ich hier den Frieden genieße, werden bei uns zuhause neue Fenster eingebaut, L. darf sich ganz allein damit und mit den zwei Hunden herumschlagen, und ich weiß, dass ich heute nichts mehr weiter tun muss als irgendwann duschen und trotz des gut gefüllten Kühlschranks meiner Mutter Platz lassen für das Schnitzel mit gebratenen Zwiebeln, das es heute Abend in der Kochkäskneipe geben wird und von dem ich seit Monaten träume, so was gibt es nämlich nicht in ganz Hamburg.

Vielen Dank übrigens für die vielen, vielen Tipps und Kommentare zum Ratschläge-Post! Ein Molton-Laken ist bestellt. Die Nummer vom Krankentransport ist im Handy eingespeichert. Und sobald ich wieder zuhause bin, packe ich meine Tasche. Abgesehen vom Offensichtlichen (Socken, Strampler, Buch, Ladekabel, Umschlag für Geburtsurkunde mit Gebühren, Riesen-T-Shirt und Nachthemd, Riesenbinden, Ohropax, einmal Badausstattung komplett in Mini) - hat irgendwer einen Tipp für eine Sache, die unerwarteterweise extrem nützlich wurde?

Eine Idee hatte ich selbst gerade für fünf Minuten, und weil sie zeigt, wie sich Fusselhirnigkeit und Mangel an Realitätssinn bei mir aufs Ungünstigste mischen, will ich sie euch nicht vorenthalten: ich dachte, ich nehme einen Stapel schöne, leere Postkarten mit, schon beklebt mit Briefmarken, dazu einen schicken schwarzen Zeichenstift, und dann werde ich im Krankenhaus kleine Babyportraits zeichnen und statt Fotokarten verschicken, au ja! Genau. Irgendwie werde ich das unterkriegen zwischen Marmelade kochen und meiner Steuer für 2012.

Mittwoch, 15. Mai 2013

In aller Kürze

Mit dem Kind ist alles in Ordnung. Es ist auch nicht zu klein, das war offensichtlich wirklich ein Messfehler des Kartoffelsalatultraschalls. Laut der Messung von heute wiegt es fast 1900 Gramm und ist damit völlig im Rahmen. Die einzigen Probleme: die Plazenta versperrt im Moment noch den Ausgang. Es kann gut sein, dass sie sich in den nächsten Wochen noch "hochzieht" mit dem Wachstum der Gebärmutter, dann ist alles gut und überhaupt kein Problem. Wenn sie das nicht tut, wird es auf einen Kaiserschnitt hinauslaufen. Und der Muttermund ist zu kurz. So kurz, dass ich jetzt nicht mehr arbeiten darf und mich schonen soll, zumindest so lange, bis der Mutterschutz beginnt und wir nahe genug am errechneten Geburtstermin sind.

Ich bin sehr glücklich mit meiner Entscheidung, die Praxis zu wechseln. Die Ärztin heute hat sich fast eine Stunde Zeit für mich genommen, allein der Ultraschall war ausführlicher als der bei Erst- und Zweittrimesterscan und auf einem ähnlich feinen Supergerät. Mein Kind hat auf diesem Ultraschall aber nicht nur vernünftige Abmessungen, sondern auch endlich wieder ein Kinn. L. war die ganze Zeit daneben und hat den Bildschirm ganz verliebt angestarrt. Liebe Abkürzungsdamen, ich sage das bestimmt viel zu selten, aber heute tue ich es mal: alles wird gut.

Dienstag, 14. Mai 2013

Schluss mit fleißig.

So ungefähr muss sich eine von diesen dünnen flatterigen Plastiktüten fühlen, wie man sie beim Gemüsemann bekommt, wenn man sie mit viel zu vielen Glasflaschen und anderem schweren Kram bepackt nach Hause trägt. Bitte nicht reißen. Bitte nicht reißen. Bestimmt reißt es gleich. Bitte nicht reißen.

Heute war wieder einer der Arbeitstage, an denen mir schon morgens in der Bahn wirklich, wirklich schwummerig war. Dann auf dem Weg von der Bahn in die Agentur noch mal. Den Vormittag über ging es, aber als ich in der Mittagspause wegen einer ausgefallenen Rolltreppe gezwungen war, mörderische acht Treppenstufen zu steigen, wäre ich wieder fast umgefallen. Und dann nach dem Essen am Schreibtisch wieder. Währenddessen habe ich ständig das Gefühl, es wird dünn, flatterig und knapp da unten. Das Gefühl ist neu und nicht gut. Ich weiß nicht, ob man so etwas wie ein Gefühl für seinen Muttermund hat. Aber es fühlt sich an, als würde nur eine hauchdünne Membran zwischen Fruchtwasser und Kind und dem kalten Beton stehen. Bilde ich mir das jetzt ein? Bin ich hysterisch? Oder einfach nur zu faul und bocklos zum Arbeiten? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, heute konnte ich nicht mehr. Um zwei habe ich meine Sachen gepackt und bin gegangen. Ja, es ist noch eine Menge zu tun, und der zweite Texter ist im Urlaub, und alle verlassen sich auf mich und ich lasse überhaupt alle ganz schrecklich im Stich. Aber das ist mir immer noch lieber, als mein Kind im Stich zu lassen. Morgen habe ich den Arzttermin bei der neuen Ärztin, so um die Mittagszeit. Da fährt L. mich hin und bleibt dabei, und dann werde ich fragen, ob ich ab jetzt bitte krankgeschrieben sein kann. Wie wir das dann mit dem Geld machen, keine Ahnung. Ehrlich gesagt ist das auch ein Pipifaxproblem, L. hat Geld. Ich zwar nicht, und bisher habe ich immer großen Wert darauf gelegt, mich selbst zu finanzieren und nicht auf Kosten meines Mannes zu leben, aber das hier ist eine Ausnahmesituation. Ich könnte nie wieder diesen Laden (oder irgend eine andere Agentur) betreten, wenn ich jetzt mein Kind verlieren würde, und wo wäre ich dann mit meiner finanziellen Unabhängigkeit? Ganz davon abgesehen, dass es auch sein Kind ist. Sagt die Ärztin morgen, das sieht doch alles super aus und da sind bestimmt acht Meter stahlharter Muttermund, will ich nichts gesagt haben und trolle mich an meinen Schreibtisch. Aber ich finde ehrlich gesagt, im achten Monat reicht es dann auch irgendwann. Auch, wenn ich mir komisch vorkomme, zu einer neuen Ärztin zu gehen und gleich beim ersten Gespräch um eine Krankschreibung zu bitten - nicht halb so komisch, wie ich mich fühlen würde, morgens während der Rush Hour in der U1 eine Fehlgeburt zu haben.

Freitag, 10. Mai 2013

Wenn andere Fusselhirne Medikamente verordnen

Der Eierkopf-Termin bei meiner Frauenärztin. War noch was? Ach ja: "Ich habe nur noch für zwei Wochen Bluthochdruckmedikament. Bekomme ich da von Ihnen ein Rezept, oder muss ich zu meiner Internistin gehen?"
Kein Problem, alles kein Problem. Klar! Machen wir gerne. Ich wühle also die angebrochene Packung aus meiner Tasche und lese ihr laut und deutlich vor: Metoprololsuccinat, 27,5 mg. Sie notiert, der Rezeptdrucker rattert, ich gehe mit Rezept in der Tasche nach Hause.
Gerade in der Apotheke, nach zwei Tagen Wartezeit dank Feiertag: "Bitteschön, ihr Bisoprolol." Mein was? Tatsache: mein Bisoprolol in der Dosierung 3,5.
Und jetzt? Es ist Freitag, zwanzig nach zwölf, ich habe keine einzige Tablette mehr im Haus, meine Frauenärztin schließt um halb eins, ich bin ca. eine Dreiviertelstunde mit den Öffentlichen von ihr entfernt. Ich rufe da an. Man ist sich keiner Schuld bewusst, erklärt sich aber nach langem Bitten und Betteln gnädig bereit, "ausnahmsweise" und "aus Kulanz" das neue Rezept per Post an mich zu schicken. Mit Glück ist es dann morgen da.

Kann sein, dass das kein großer Unterschied ist zwischen Meto und Biso. Kann auch sein, dass eine Dosierung von 3,5 bei Biso einer Meto-Dosierung von 27,5 entspricht. Ich weiß es nicht, ich bin schließlich weder Ärztin noch Apothekerin. Problem ist nur: ich möchte mich nicht vor dem Tresen einer Apotheke damit auseinandersetzen müssen, ob das so ist. Ich bin im achten Monat, verdammt, ich schlucke nicht einfach irgend einen Betablocker.

Diese Wurschtigkeit. Die war einer der Hauptgründe dafür, warum es mir jetzt nach vielen Jahren in dieser Praxis auch mal gelangt hat. Ich bin schweißgebadet. Und ziemlich froh, dass mein nächster Termin in einer anderen Praxis stattfinden wird.

Donnerstag, 9. Mai 2013

Wenn Fusselhirne planen, Teil 1

1. Mutterschutzgeld.
Ich bin komisch mit behördlichen Fristen. Komisch ist das falsche Wort, doof. Sobald ich anfange, daran zu denken, dass ich mich langsam mal um irgend etwas kümmern könnte, ist nicht Tatendrang das alles bestimmende Gefühl, sondern eine dumpfe Angst, jetzt schon zu spät dran zu sein. Der Himmel gebe, dass ich niemals einen komischen Knoten oder Leberfleck entwickele, sonst könnte das übel ausgehen. Man stelle sich darum meine Erleichterung vor, als ich vor ein paar Wochen mal gegoogelt habe, wie das mit dem Mutterschutzgeld geht, und die übereinstimmende Antwort war: sieben Wochen vor der Geburt bekomme ich von meiner Frauenärztin eine Bescheinigung mit dem vermutlichen Geburtstermin und außerdem ein Formular, das ich dann ausfülle und an meine Krankenkasse schicke. Die regelt das dann. Ich dachte, das wird schrecklich. Ich dachte, ich bin wieder mal die einzige, bei der etwas schief geht, dann stehe ich da, mittellos, muss L. anhauen, der wird sauer, weil ich geschlampt habe etc. etc., und die ganze schöne entspannte Vorbabyzeit ist im Arsch. Aber jetzt sieht es doch ganz so aus, als liefe alles nach Plan.

2. Kinderwagen.
Steht in Berlin und wartet auf uns. Demnächst feiert eins der Mädchen Hochzeit, wir sind dabei, L. kommt einen Tag später nach und das mit dem Auto, wir fahren da vorbei, holen das Ding ab und alles ist gut. Einen Fußsack haben wir noch nicht, aber den kaufen wir dann, wenn wir ihn brauchen.


3. Kinderbett.
Im Lauf der Zeit habe ich viel Zeit damit verbracht, wunderschöne und irre teure Kinderbettchen anzustarren, zum Beispiel Sebra Kili aus Dänemark. Aber inzwischen habe ich eine Entscheidung gefällt, mit der ich sehr glücklich bin: das Babybettchen werden wir nicht im Hamburger Bessere-Eltern-Superladen kaufen, sondern bei Ikea. Ohne Lieferzeiten und für relativ wenig Geld. Dieses weiße Kinderbettchen werden wir dann mit einem schönen Nestchen und vielleicht ein paar bunt lackierten Stäben hübsch machen. Die Kreditkarte kommt dann zum Einsatz, wenn Würmchen da rausgewachsen ist und an seinen Möbeln tatsächlich Spaß entwickelt. Es gibt so lustige, schöne und phantasieanregende Kinderbetten für Kleinkinder: Schiffe, Burgen, Höhlen, was auch immer. Ein richtig schönes Babybett kostet ungefähr genau so viel wie die und ist doch eigentlich fast mehr für die Eltern da, um den Gutschi-Gutschi-Faktor im Babyzimmer zu erhöhen. Und die Wickelkommode kaufen wir ebenfalls bei Ikea. Nun guckt mich nicht so an, Mutti will Hotdogs!


4. Schnuller, Muttermilchflaschen, Stilleinlagen, Spucktücher, Windeln etc.
Ein Gang zu Budni bzw. einmal bei meiner Versandapotheke vorbeigeklickt. Ehrlich gesagt schiebe ich das gar nicht vor mir her, ich freue mich darauf, aber ich möchte es genießen und mich nicht davon stressen lassen. Außerdem haben wir noch kein Kinderzimmer, und ich wüsste nicht so richtig, wohin mit dem Kram, wenn wir ihn jetzt schon hätten.


5. Geburtsvorbereitungskurs.
Das Argument mit der Babypflege leuchtet mir ein, darum habe ich jetzt drei verschiedene Hebammenpraxen angeschrieben und gefragt, ob sie noch einen Platz frei haben in ihrem Kurs. Bisher noch keine Antwort, aber das habe ich ja schon gelernt, dass Hebammen mit Emails oft nicht besonders zackig sind, weil sie meist zwischen den Knien irgendeiner brüllenden und fluchenden Frau festsitzen.


6. Frauenärztin.
Die neue Praxis hat geantwortet und mir einen Termin für den 15.Mai gegeben. Ich freu mich drauf und bin immer noch sicher, dass das richtig so war.


7. Arbeit.
Ich habe nur noch acht Arbeitstage vor mir. Trotzdem macht mir das alles ein bisschen Kummer. Acht Stunden am Schreibtisch sind gerade wirklich, wirklich anstrengend für Steiß, Rücken und Kopf. Selbst wenn ich die Zeit damit verbringen würde, auf youtube alte Folgen von Inspektor Barnaby anzusehen, wäre das anstrengend. Die Jobs, die gerade auf mich zurollen, sind aber auch ziemlich anspruchsvoll. Die Sorte anspruchsvoll, bei der man sich innerhalb kürzester Zeit in ein staubtrockenes und sehr technisches Fachgebiet einfuchsen muss. Ich will niemanden hängen lassen, aber ich will mich auch nicht quälen. Wäre ich fest angestellt, hätte ich mich längst krankschreiben lassen. Gäbe es im Laden meines Auftraggebers noch drei andere, die meine Aufgaben übernehmen könnten, auch. Und fast noch mehr als alles andere stressen mich gerade die Fragen und Planungen für die Zeit nach meiner Rückkehr. Darf ich nicht erst mal bitte gehen jetzt? Und mein Kind bekommen? Und mich davon berappeln? Ja? Es ist wohl nicht zu lösen. Und es macht überhaupt keinen Spaß gerade.

Mittwoch, 8. Mai 2013

Jekooft.

Liebe Damen, vielen Dank für die unzähligen Kinderwagentipps. Ich freue mich, mitteilen zu können, dass eine Entscheidung gefallen ist und sogar schon in die Tat umgesetzt wurde: im Hinterzimmer von Baby Korb in Berlin wartet ein Kinderwagen samt Babywanne, Sportaufsatz, Sonnenschirm, Regenhaut und (auf L.s besonderen Wunsch hin) Becherhalter darauf, von uns beim nächsten Besuch abgeholt zu werden. Am Ende hatte sich das Feld zu zwei Finalisten zusammengezogen: zum Brio Go und zum iCandy Peach. Der iCandy war der, der aus England kommt und nicht im Netz verkauft wird, so dass L. irgendwann mal den famosen Plan hatte, nach London zu fliegen und dort unseren Kinderwagen ohne mich zu kaufen. Muss ich wohl nicht erst erklären, dass ich kategorisch gegen dieses affige Vorhaben war. In Hamburg jedenfalls war dieser Wagen nicht zu kriegen. Jetzt zeigte sich aber, in Berlin schon, und zwar genau in diesem einen Laden, der zufällig bei uns um die Ecke lag. Die Farbe haut mich immer noch nicht um (türkis mit lime-grünen Akzenten), aber am Ende haben wir alle Argumente für beide Wagen besprochen, L.s Mutter besteht darauf, unseren Kinderwagen zu bezahlen, und ich habe beschlossen, diese Entscheidung einfach ganz entspannt abzuwarten.

Pro Brio Go:
* der mit Abstand meiste Platz, um Einkäufe etc. zu transportieren
* kommt aus Schweden (ja, das ist für mich ein Argument. Meine ersten fünf Jahre in Hamburg habe ich bei der SEB verbracht, einer Bank mit wirklich miesen Konditionen und nur drei Filialen im kompletten Stadtgebiet. Wieso? Weil ich es nett fand, bei einer schwedischen Bank zu sein)
* dunkelblaues Körbchen (ich bin noch nicht so drin in der Kinderwagen-Terminologie) und weißes Gestänge: völlig unaufgeregte, nette Farben
* hat abgesehen von irgendeiner Chemikalie in den Festschnallgurten sehr gut getestet - und in den neuen Wagen sind die Gurte harmlos
* Country-Wheels als Zusatzausstattung für mehr Geländegängigkeit

Contra Brio Go:
* ziemlich sperrig, auch zusammengeklappt
* wenn ich ehrlich bin, werden wir unsere Einkäufe vermutlich sowieso ohne Kinderwagen erledigen - einer fährt, der andere bleibt mit Baby zuhause. Wir brauchen also keine Superdupertransportkapazitäten
* Auch unsere Ausflüge ins Gelände halten sich im Rahmen bzw. auf manierlichen, städtischen Spazierwegen
* Außerdem überlässt uns einer von L.s Freunden zusätzlich seinen runtergerockten alten Kinderwagen, der extrem geländegängig sein soll - an Matschtagen, an denen es uns trotzdem mit Macht nach draußen zieht, nehmen wir den
* 1200 Euro mit kompletter Ausstattung. Tausendzweihundert.
* Nicht ganz so seidig beim Zusammenklappen
* Der Griff erinnert mich an diese orthopädischen Mountainbike-Lenker, die ich so hasse
* Im Sportwagenaufsatz kann das Kind nicht ganz flach liegen

Pro icandy:
* So klappt man ihn zusammen: An zwei Punkten drücken, Wanne abheben, Griff mit gewissem Schwung (den ich noch im Laden raushatte) nach unten drücken, den Gurt am Gestell nach oben ziehen und zack auf die Schulter hängen. Ungefähr so groß wie eine etwas dickere Handtasche.
* Er fährt sich genau so schmoov wie der Bugaboo. Die Vorderräder sind aber etwas größer, so dass er weniger hängen bleibt.
* L. würde es sehr, sehr glücklich machen.
* Mit Komplettausstattung fast 300 Euro billiger als der Brio.
* SOLLTE noch ein zweites hinterherkommen, dann kaufen wir einen kleinen Adapter (für 80 Euro) und aus dem Einkinderwagen wird ein Zweikinderwagen, ein ziemlich schicker noch dazu.
* Auch im Sportwagen kann das Kind liegen.
* Obwohl er viel zierlicher wirkt, zeigt der Matratzenvergleich, dass Ndogo in der iCandy Babywanne genau so viel Platz hat wie in der schwedischen Konkurrenz
* Weil es den icandy bei uns eigentlich nicht gibt, ist er bei uns auch nicht getestet. In GB aber schon, und er hat sich sehr gut geschlagen.
* Ich vermute stark, dass William und Kate, die Glücklichen, am Ende die "Regal Edition" des icandy Cherry fahren werden, die für normale Menschen erst ab September zu haben sein wird. (Würde ich auch sofort nehmen, dann gäbe es diese Brio Go-Diskussion überhaupt nicht: dunkelblau mit weiß-roten Akzenten.) Anglophiler kleiner Vollpfosten, der ich bin, macht mich das irgendwie glücklich.
* L.s affige Reise nach London wäre nicht mehr nötig, wenn wir einfach das Ding aus Berlin nehmen würden. Abholen könnten wir ihn demnächst, wenn wir in Berlin auf einer Hochzeit sind.

Contra iCandy Peach:
* Weniger Platz für Einkäufe
* Die Farben sind allesamt grauselig, es sind auch nur drei: kackbraun mit schwarz (der Trauerkinderwagen), orangerot (das Warndreieck) und türkis. Im Laden stand türkis mit hellgrünen Akzenten und schwarzbraun.

Nachdem wir zwei Tage und Nächte selbstverständlich über nichts anderes nachgedacht hatten, sind wir am Montag noch mal zum Laden marschiert, ich habe mich sonnigster Laune und in der Gewissheit, mit beiden Entscheidungen glücklich zu sein, noch mal auf einen Bummel durch die anderen Abteilungen gemacht, während L. mit seiner Not alleine war. Und jetzt ist es der iCandy geworden. Der türkisfarbene mit den hellgrünen Streifen. Ich kann es kaum erwarten, bis er endlich bemannt ist.

Was war sonst noch in Berlin? Wir waren im Theater, in der gefeierten Medea-Inszenierung von Michael Thalheimer. Nach einer Stunde in der ersten Reihe ist mir klar geworden, dass ich jetzt lieber im schönen Garten des Hauses der Festspiele unter der blühenden Magnolie sitzen würde und ein Buch lesen, und genau so habe ich es dann auch gemacht. Ich bin außerdem mehreren Tipps von Wednesday Chef Luisa zum Teil zehn Stationen weit mit der Ubahn hinterhergefahren und war jedes Mal sehr glücklich über die Entscheidung: das Furious Chicken im Angry Chicken Imbiss war genau so toll wie die Udonsuppe und die hausgemachte Ingwer-Brause im japanischen Imbiss Heno Heno. Aber am allerallerallerschönsten war das Eis bei Vanille Marille. Gibt es hier jemanden aus Berlin, der da noch nicht war? Auf den bin ich jetzt ein bisschen neidisch, denn er hat etwas sehr Schönes vor sich, was ich jetzt leider schon hinter mir habe: ein Eis, das die allermeisten anderen Eise plötzlich reichlich albern aussehen lässt. (In Hamburg gibt es z.B. die Kette Eiszeit, die das "vielleicht beste Eis der Welt" verkauft, wobei so ziemlich jede Sorte gleich und irgendwie langweilig nach Vanille schmeckt. Das versuchen sie vergeblich, mit achtzig Sorten Sauce und Streuseln rauszureißen.) Ich hatte zum ersten Mal im Leben fünf Kugeln: Marille, schwarze Johannisbeere, salziges Karamell, Birne "gute Luise" und Grieß mit Pflaume. Die letzten drei waren die besten, aber alle waren köstlich. In den nächsten Wochen werde ich L. bitten, unsere Eismaschine aus dem Keller nach oben zu wuchten und von den Fledermausnestern zu befreien, und dann werde ich einen von vornherein zum Scheitern verurteilten Versuch starten, Karamell und Grieß-Pflaume nachzumachen. Irgendwann in Berlin hat Würmchen sich außerdem noch mal komplett verlagert, der Kopf ist immer noch unten, aber der Rücken und die Beine sind jetzt irgendwie anders und schaffen es so, mir noch mehr Luft und Magen abzudrücken. Vor allem Nachts ist es übel, ich komme selten auf mehr als vier Stunden Schlaf. Und weil heute der vermutlich letzte Tag ohne Hunde (noch in der Pension) und ohne Baby sein wird, werde ich ihn genießen, indem ich einen einzigen langen Vormittags-, Mittags- und Nachmittagsschlaf mache. Liebe Damen, gute Nacht.

Freitag, 3. Mai 2013

31. Woche

Jeden Abend auf dem Sofa werfe ich den Kick Counter an. Jedes Mal, wenn das Würmchen sich bewegt, soll ich klicken. Und für zehn Kicks sollte er höchstens zwei Stunden brauchen. Sein Rekord waren bisher zweieinhalb Minuten, länger als 26 hat er noch nie gebraucht. Er mag zierlich sein, aber ziemlich lebendig.

Mein Bauch löst langsam mein Gehirn als zentrale Steuerinstanz ab. Der Bauch bestimmt, wann ich sitze, stehe und liege, wie ich mich dabei fühle, wann ich esse und vor allem, wann ich wieder damit aufhöre, wann ich schlafe und wann ich nur so daliege und in die Dunkelheit starre. Das mit dem Essen ist wirklich seltsam und für mich eine ganz neue Erfahrung. Ungefähr so stelle ich mir das vor, wenn stark übergewichtige Menschen sich eine Klammer um den Magen legen lassen. Ich trage regelmäßig vibrierend vor Vorfreude Schüsseln und Teller aus der Küche zum Sofa und fünf Minuten später kleinlaut und kaum angerührt zurück. Es passt einfach nichts rein, wenn der ganze Bauch schon voller Würmchen ist. Keine Angst, ich bleibe dran, und über den Tag komme ich schon auf meinen Kalorienschnitt, aber eben auf zwanzig kleine Pleiten verteilt. Frühstücken werde ich heute z.B. in drei Schritten: vorhin hatte ich eine Handvoll Erdbeeren, so in einer halben Stunde versuche ich es mit einer winzigen Schüssel Special K's und wieder eine halbe Stunde später werde ich die dicke italienische Toastie-Maschine anfeuern und die Brie-Reste vom Mädchenwochenende auf ungefährliche 100 Grad hochtoasten. Momentan allerdings fühle ich mich mit fünf Erdbeerchen im Bauch wie nach dem Verzehr eines böhmischen Todespuffers.

Die Praxisklinik hat geantwortet, am 15. habe ich meinen ersten Termin dort. Zwar nicht bei einer der beiden angepriesenen Ärztinnen, aber "die sind alle großartig". Das, die vielen Ruhepausen, die Aussicht, erst in neun Tagen wieder an den Schreibtisch zu müssen und der tiefe Frieden, der frühmorgens über unserer Hütte am Rande der Stadt liegt, geben mir schon jetzt das Gefühl, dass es gerade aufwärts geht mit Würmchen auf der Wachstumskurve.

Ich habe jetzt 8,2 Kilo zugenommen, mein Bauch ist zwar gewaltig, aber passt immer noch in manche meiner Vorschwangerschaftsklamotten (was mir zeigt, dass ich damals beim Klamottenkauf vielleicht manchmal einfach nur faul war, wenn ich Größe 40 einfach genommen habe und es nicht noch mal mit 38 oder 36 probiert habe), wir haben immer noch keinen Kinderwagen, kein Bett, keinen Wickeltisch und keinen Windeleimer, das macht uns immer noch keine Angst, und ich bin immer noch der Meinung, das in den sechs Wochen Mutterschutz schon hinzukriegen. Ich bin auch immer noch nicht zum Geburtsvorbereitungskurs angemeldet. Ich weiß, wenn ich will, sollte ich langsam, aber ich bin mir gar nicht so sicher, ob ich will. Inzwischen habe ich mit drei Damen gesprochen, die auch ohne Kurs wunderbar ihre Kinder zur Welt gebracht haben und erzählt haben, die Hebammen im Kreißsaal hätten da wenig Raum für Fehler und Missverständnisse gelassen, die hätten sie so sicher da durchgeführt, und alles, was sie in einem Kurs hätten lernen können, hätten sie in dieser Situation bestimmt sowieso vergessen. Ich gucke also noch ein bisschen herum, ob ich einen (im besten Fall Wochenend-)Kurs für uns finde, und wenn nicht, dann ist auch nicht alles verloren.

Hat hier eine übrigens was über den Brio Go gehört? Der etabliert sich gerade als unser Spitzenkandidat. Bugaboo will L. aus Prinzip nicht, weil zu szenig, Hesba ist mir glaube ich zu klobig für jeden Tag, Emmaljunga gefällt mir nicht, und von seinem Plan, auf die Empfehlung seiner Cousine hin nach London zu fliegen und von dort einen (nur in drei scheußlichen Farben erhältlichen) icandy mitzubringen, kann ich ihn gerade von Tag zu Tag mehr abbringen.

Noch 70 Tage.

Mittwoch, 1. Mai 2013

Flora auf der Flucht

Ich mache das nicht gerne. Erinnert sich noch jemand daran, wie lange ich gebraucht habe, um die Kinderwunschklinik zu wechseln? Ich bin inzwischen Experte darin, mich zu beruhigen und zu beschwichtigen und alle nagenden kleinen Sorgen und Bedenken aus dem Weg zu schaufeln, nur, damit ich niemanden irgendwie vor den Kopf stoßen muss.
Und jetzt ist es wohl so weit.
Gestern Abend war ich nach der Arbeit noch bei einer Freundin auf der Geburtstagsparty. (Bevor hier eine was von "Schonen" zischt: um elf sind wir gegangen, bis dahin habe ich nur auf dem Sofa gesessen und zwei Maracuja-Schörlchen getrunken.) Dort waren nicht nur etliche Damen versammelt, die meine jetzige Gynäkologin kennen (und inzwischen die Ärztin gewechselt haben), sondern auch mehrere frisch gebackene Mütter. Und irgendwann war ich von einem Sprechchor umringt, der sehr überzeugend auf mich einredete. Zuhause habe ich das alles dann noch mal hin- und hergewälzt. Und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich versuchen werde, kurz vor Torschluss jetzt doch noch die Ärztin zu wechseln. Ich mag meine Ärztin! Keine Frage! Ich hab sie auch lange verteidigt, das ist nicht das erste Mal, dass mir Freundinnen sagen, ich sollte mir eine andere suchen. Aber gerade bin ich ziemlich unglücklich dort. Es ist so eine merkwürdige Mischung aus Angst machen und dann wieder drüber weg bügeln. Zum Beispiel meine Kreislauf-Pannen: es ist mir jetzt schon ein paar Mal passiert, dass mir von jetzt auf gleich schwindelig bis zum Umfallen wird. "Jaja, kommt vor" ist so ungefähr ihre Reaktion. Oder das Bluthochdruckmedikament, von dem mir jetzt schon zwei andere Ärzte gesagt haben, das wäre für mich als Schwangere aber jetzt nicht so gut. Oder - und das ist für mich gerade das Wichtigste - dass mir vor Wochen eine Ärztin aus der Superultraschallklinik gesagt hat, sie wäre nicht ganz sicher, ob die Plazenta richtig arbeitet, das müsste man im Auge behalten - und sie mir immer nur sagt, wird schon, lassen sie sich nicht verrückt machen. Dabei haben mir die anderen Mütter gestern erzählt, bei ihnen hätte die Ärztin bei fast jedem Termin mit dem Doppler nachgesehen, wie es denn nun genau aussieht. Meine zieht das scheinbar nicht in Erwägung, obwohl das Kind doch gerade noch ein Brummer war und jetzt plötzlich so zierlich ist UND ich zu hohen Blutdruck habe, der sich auch negativ auf die Arbeit der Plazenta auswirken kann. Ich will nicht ständig nach solchen Dingen recherchieren müssen. Ich will mich drauf verlassen können, dass meine Ärztin alles tut, was nötig ist, damit mein Kind gesund zur Welt kommt und ich nicht wahnsinnig werde. Jetzt sind mir zwei Ärztinnen ans Herz gelegt worden (und nicht zum ersten Mal), die beide in der gleichen Praxisklinik arbeiten. Und bevor ich mich selbst wieder weichklopfe mit meinen Beruhigungsmantras, habe ich heute morgen da hingeschrieben, kurz meine Situation erklärt und um einen Termin gebeten. Ich will mich nicht mehr selbst hypnotisieren müssen, um mich gut versorgt zu fühlen. Ich will mich einfach gut versorgt fühlen.
Ich tue das immer noch nicht gerne. Mir graut davor, in der alten Praxis anzurufen und denen zu sagen, dass es das war und dass sie bitte alle meine Unterlagen an die neue Adresse schicken. Aber ich werde es tun. Hier geht's schließlich nicht mehr nur um mich.

Dienstag, 30. April 2013

Für diesen Tag habe ich heute leider kein Foto

Glitschi-glitschi-glitsch. "Ihr Kind hat aber einen ganz schönen Eierkopf." Glitschidiglitschi-glitsch. "Aber das MUSS natürlich nichts heißen."

Aha. Wieso... na, egal.

Nein, nicht egal: bin ich die erste nervöse Schwangere, die auf dieser Liege liegt? Was heißt das jetzt? "Muss nichts heißen..." Kann aber? Und wenn ja, dann was? Heißt das nur, das Kind kommt nun doch nicht wie erhofft nach L., sondern nach seiner eierköpfigen Mutter? Heißt das, da ist irgendwas im Argen und jetzt hilft nur noch Daumen drücken? Wieso erzählt sie mir sowas? Und dann ist es auch noch zierlich. Zierlich! Letztes Mal war es noch "ein Brummer". Warum bin ich in solchen Momenten nie geistesgegenwärtig genug, zu fragen, innerhalb welcher Spanne wir uns hier mit den Normwerten bewegen? Liegen zwischen Brummer und zierlich jetzt 100 Gramm oder 400? Ein Kilo? Liegt es am Ende nur wieder an dem blöden Kartoffelsalat-Ultraschall? Und wenn der so schief misst, wieso machen wir das hier überhaupt? Ich steige doch auch beim Arzt nicht auf eine Waage, die mal zehn Kilo mehr, mal zehn Kilo weniger misst? Und auf einmal ist mein großes starkes Kind zierlich und hat einen Eierkopf.

Gestern, um es abschließend noch mal zusammenzufassen, war jedenfalls eher einer der mieseren Tage dieser Schwangerschaft. Nicht nur deshalb, weil ich insgesamt vier Stunden in Warte- und Sprechzimmern zugebracht habe und eine weitere auf dem Weg dahin und deshalb am Ende nur einen halben Tag mit meinem Auftraggeber abrechnen konnte, was mich eine solide Anzahlung auf den Kinderwagen gekostet hat.

Aber um beim Thema zu bleiben: im Krankenhaus hatten sie mir vorher telefonisch versprochen, in einer halben Stunde wäre ich mit der Anmeldung durch, sofern ich meine Papiere am Start hätte. Hatte ich. Trotzdem saß ich dann da und saß und saß, und die Laune verfinsterte sich zusehends, nicht nur, weil neben mir ein 65jähriger Unsympath mit seiner 25jährigen Freundin saß, die hochschwanger, mit so vielen Streifen wie ein Zebra und bei 12 Grad bauchfrei unterwegs war. Die erste Stunde habe ich gehofft, er wäre ihr Vater oder Opa. Dann hat er ihr den Arm um die Schulter gelegt und an ihrem Ohr gekaut. Tja nun. Das war wieder eine der Situationen, die man nicht direkt nach einer Abkürzungspleite erleben will. Die Ärztin, die schließlich mit mir sprach, musste sich erst doppelt telefonisch absichern, bevor sie einverstanden war, mich erst mal für eine normale Geburt vorzumerken. Zu hoher Blutdruck, 40, Konisation, schwanger nach Kinderwunschbehandlung, "zierliches" Kind? "Vermutlich werden wir es früher holen müssen. Und bis dahin engmaschig überwachen." Mein Blutdruckmedikament will sie dann auch noch mal umstellen. "Ihre Frauenärztin weiß da aber auch Bescheid." Weiß sie? Hat sie gar nichts von gesagt.

Nee nee nee, das war kein so guter Tag. Und ich hatte mich ehrlich auf die Anmeldung gefreut. Ein Meilenstein! Abkürzungsflora mit dem Gurkenbauch marschiert in ein Krankenhaus, der Bauch ist zwei Minuten vor mir da, und ich melde mich allen Ernstes für eine Geburt an. Nicht eine, sondern meine. Ich dachte, ich lasse eine Flasche alkoholfreien Sekt springen! Danach war mir dann irgendwie nicht mehr. Wieso bin ich eigentlich so leicht aus der Spur zu werfen? Woher diese Stimmungsschwankungen? Wieso reicht eine etwas unsensible Bemerkung, und ich stehe kurz vor einer Panikattacke?

Ach ja. Da war ja was. Mein kleiner, zierlicher, süßer Eierkopf.

p.s. jetzt habe ich noch mal nachgesehen in einer Tabelle. In der 30. Woche wiegen Babys durchschnittlich 1300irgendwas Gramm. Meins wiegt laut Kartoffelsalat-Ultraschall 1267. Ich würde mal sagen, nichts, was das eine oder andere Stündchen Ruhe und der eine oder andere Burger nicht hinkriegen können?

Montag, 29. April 2013

Gemischte Neuigkeiten

Die guten Nachrichten sind: Würmchens Proportionen sind sehr gut, der Herzschlag genau so, wie er sein soll, und die leichten Bewegungen und Kontraktionen der Gebärmutter laut Wehenschreiber auch. Ich habe meine Antikörperspritze - die angeblich wichtigste dieser Schwangerschaft - intus, es hat trotz zwei Minuten langer Vorrede der Sprechstundenhilfe überhaupt nicht gepiekst, und mein Gewicht und mein Blutdruck sind auch auf den Punkt.
Nicht so doll dagegen ist, dass mein Muttermund sich "zu weich und zu kurz anfühlt", auch wenn er laut Ultraschall mit 3,57 cm genau die gewünschte Länge hat - Konisation hin oder her. Das bedeutet ab jetzt Schonung. Kein Sport, keine Hausarbeit, keine Hundegänge, keine Gewaltmärsche. Weil ich nicht körperlich arbeite, darf ich das auch weiter tun (ausgerechnet). Und was ich nach der vierunddreißigsten Woche treibe, ist ihr auch egal - nur jetzt, jetzt gerade heißt es nach Feierabend und an den freien Tagen: ab aufs Sofa. Vor ein paar Tagen hab ich mir das noch gewünscht, aber nicht nur, dass mir der unangenehmste Teil meiner Aktivitäten erhalten bleibt, ich hatte auch nicht daran gedacht, dass wir einen netten Kurzurlaub in Berlin und einen bei meinen Eltern vor der Nase haben, dass jetzt endlich Frühling ist und ich gerne draußen wäre, um die Gartenhäuschentüren zu streichen, die Beete zu harken und mit den Hunden durchs Moor zu streifen, und dass Anfang Juni eine Hochzeit ansteht, auf der ich eigentlich vorhatte zu tanzen.

Also schön. Machen wir das Beste draus. Jetzt kann L. zeigen, was er am Herd so draufhat. Vielleicht komme ich endlich durch mit der fünften Staffel 30Rock. Die 17 angefangenen Bücher auf meinem Nachttisch kommen danach an die Reihe. Und das Schöne: wenn ich das richtig sehe, ist die Schonfrist in dem Moment vorbei, in dem der Mutterschutz beginnt - Ende Mai, Anfang Juni. Und vielleicht sieht beim nächsten Termin in zwei Wochen ja auch schon wieder alles ganz anders aus.

Donnerstag, 25. April 2013

Würmchen, bist du groß geworden.

Morgen beginnt die dreißigste Woche. Ok, wo finde ich jetzt einen Arzt, der mir schnell, sauber und zuverlässig ein Stück Gummi in die Bauchdecke einsetzt? Ich habe keine Ahnung, was da noch kommen soll. Nicht, dass der Bauch von außen schon so gewaltig aussieht. Aber ich fühle mich (spätestens seit dem Verzehr dieses böhmischen Todespuffers) egal ob hungrig oder vollgegessen immer so, als würde ich gleich platzen. Noch eine Minute, dann ist es so weit. Da geht nichts mehr. Wer hätte gedacht, dass acht Kilo Gewichtszunahme so viel sind? So unfassbar viel? Wenn es wirklich die empfohlenen 13 werden, kann ich am Ende ganz froh über dicke Hand- und Fußgelenke sein, denn jedes Gramm, das ich nicht auch noch unter meine Bauchdecke quetschen muss, ist eine echte Erleichterung. Außerdem habe ich spätestens jetzt den Entschluss gefasst, bei aller Liebe zum Essen niemals richtig dick zu werden. Ich habe schon immer sehr dicke Menschen bis fast zu Tränen bewundert, die sich trotz ihrer riesigen Bäuche zu Sport - und dann auch noch Ausdauersport - aufraffen. Ich gehe durch mein Fitnessstudio, sehe ein Frau von 130 Kilo auf dem Laufband und muss mich schnell abwenden, sonst muss ich weinen. Wie anstrengend das sein muss, wie frustrierend, bestimmt auch wie schmerzhaft, wie dämlich man sich dabei vorkommt und wie viel Mut und Tapferkeit und Todesverachtung dazugehört, es trotzdem zu tun, kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Bzw. konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen, denn seit Neuestem gehöre auch ich zu denen, die erbleichen bei der Nachricht, dass morgen der Fahrstuhl den ganzen Vormittag ausfällt und das bedeutet, dass ich in den sechsten Stock zu Fuß muss. Noch vor einem halben Jahr war ich stolz darauf, jedes Mal freiwillig die Treppe zu nehmen und die Strecke in unter einer Minute zu schaffen. Vorbei. Auch wenn ich in Wien überglücklich und dankbar dafür war, immer noch viele Stunden jeden Tages mit anstrengendem Großstadt-Gelatsche zubringen zu können, die Hundespaziergänge wuppe und sogar ab und zu meine Gymnastik mache, wird die Aussicht auf Aktivität immer weniger verlockend. Egal, wie nett die geplante Unternehmung ist, ich bin trotzdem sehr froh, wenn sie erst hinter mir liegt. Würde mir jetzt jemand sagen: 'Flora, wir haben uns alle nochmal beraten und nach ärztlicher Konsultation beschlossen, den Rest dieser Schwangerschaft bleibst Du bitte auf dem Sofa liegen. Babyzimmer, Reisen, Job, Hunde, Haushalt - überlass einfach alles uns, mach Dir keine Gedanken! Und welche Sorte Ben&Jerry's können wir Dir vom Supermarkt mitbringen?' dann wäre ich glatt dabei und würde vor Freude in die Hände klatschen. Der Steiß bröckelt, ich schnaufe wie eine Dampflok mit verstopften Ventilen, ich mag nicht mehr, weder können noch müssen. Und dem nächsten Kollegen, der mir irgendwelche Termine für August unterbreiten will, obwohl ich doch mit deutlich sichtbarem Riesenbauch zwölfmal täglich an seinem verglasten Büro vorbeiwatschele, wickele ich sanft mein Stillkissen um den Hals und erwürge ihn.
Habe ich neulich noch meine Ubahn-Mitfahrer so gelobt? Jetzt ist es so weit: eigentlich bin ich inzwischen deutlich sichtbar die, für die man einen der markierten Plätze frei macht. Das ist bisher noch null mal passiert. Jede zweite Fahrt verbringe ich im Stehen, während sich ziemlich gesund aussehende Männer sitzend mit ihrem Smartphone beschäftigen. Vielleicht tue ich ihnen Unrecht, und die haben alle ein Holzbein. Vielleicht sollte ich auch energischer auf meinem Recht bestehen und bin selbst Schuld. Vielleicht sind das auch einfach rücksichtslose Arschlöcher, denen hoffentlich niemals jemand einen Platz anbietet, wenn sie mal alt und klapprig sind. Oder im achten Monat.

Was ist sonst noch?

Ich hab das dumpfe Gefühl, der Ton hier verschärft sich gerade etwas und wird sich noch weiter verschärfen. Die Frage ist nicht, ob das passiert. Auch bei mir, der bisher die Babywelt von Innen einigermaßen fremd war, ist inzwischen angekommen, dass da draußen einiges los ist, sobald man die bösen Themen (Stillen etc.) anschneidet. Bzw. dass Themen, über die man immer dachte, friedlich nachdenken, schreiben und sprechen zu können, auf einmal böse Themen sind. Die Frage ist nur, wie ich damit umgehe. Denn da das nicht alles Trolle sind, ist der Klassiker unter den Troll-Reaktionen - stoisches Ignorieren - wohl keine Option. Lösche ich in Zukunft die schlimmsten Ausrutscher? Oder hänge ich jede Woche eine Stunde meiner Zeit daran, das alles zu lesen und erst dann zu entscheiden, was ich veröffentliche und was verschwindet und den Gürtel aus Weltraumschrott um diesen Blog anwachsen lassen wird? Auch doof, denn manchmal vergehen drei-vier Tage, an denen ich nicht dazu komme, mich um den Blog zu kümmern (auch das wird sicher nicht besser in Zukunft), und es ist bestimmt frustrierend, einen sorgfältig formulierten Kommentar abzuschicken, und drei Tage später ist er immer noch nicht veröffentlicht. Will ich uns vielen, vielen netten Abkürzungs- und Ex-Abkürzungs- bzw. nicht eigentlich Abkürzungs-, sondern einfach nur zum Glück um den ganzen Abkürzungskram drumrumgekommen Damen so das Leben schwer machen, nur weil da ein paar doofe Ranzschnecken auftauchen, die niemand gerufen hat? Oder schreibe ich nur noch über Dinge, die garantiert niemanden aus dieser Fraktion auf den Plan rufen? Das wäre so sterbenslangweilig, da kann ich es auch lassen.

Mal sehen.