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Sonntag, 19. August 2012

Ich hab's versucht! Ehrlich!

Aber entweder, das Netz wollte nicht so wie ich. Oder mein Rechnerladekabel war irgendwo verschwunden. Oder in dem Moment, in dem ich einen Post schreiben wollte, klingelte mein Telefon, und hinterher waren schon wieder Tomaten zu pellen für die Abendbruschetta, oder mein Hormonbrumsenkörper schrie nach einer Runde im Schwimmbad, oder oder oder. Und so kommt das, dass ich jetzt tatsächlich fast zehn Tage keinen einzigen Piep habe von mir hören lassen. Und jetzt kommt's: während ich tippe, zeichnet sich schon wieder ab, dass das hier kein langer Post wird. Denn L. hat seine ausgefuchste Apparatur angeworfen, mit der er in Nullkommanichts einen Grill voll Kohle durchglühen kann, neben mir steht eine Wagenladung Grillgut, und gleich, wenn die Kohlen so weit sind, dann werde ich schon wieder anderes zu tun haben als Schreiben. Deshalb schnell-schnell: Donnerstag kommt die Adoptionstante zu uns nach Hause, und in manchen Momenten denke ich, wir sollten das Haus schnell abreißen und so wieder aufbauen, wie normale Leute so leben. So mit ordentlich und so. In anderen Momenten sehe ich diesem Termin dermaßen gelassen entgegen, als hätten wir die kleine Wurst schon sicher in unserem noch nicht vorhandenen Kinderwagen liegen. Und mein Unterleib hat mir vor ein paar Wochen eine fabelhafte Überraschung bereitet: nach der Konisation musste ich ja immer wieder zu Extra-Pap-Abstrichen, und die waren immer im besten Fall so lala und nie gut. Bis zu diesem Mal. Ich weiß nicht, warum. An meinem Lebensstil kann es nicht liegen. Aber jetzt ist alles so was von gut, dass es besser gar nicht mehr geht. Sogar so gut, dass wir jetzt ernsthaft darüber nachdenken, mich mit fast 40 noch gegen HPV impfen zu lassen. Was sagt man dazu?
Und jetzt hopphopp an den Grill.

Montag, 19. Dezember 2011

Erst eins, dann zwei, dann drei

Einige Ereignisse, die nichts weiter miteinander zu tun haben als meinen Kinderwunsch:

Ich sitze auf dem Fußboden in meinem Arbeitszimmer und sortiere vollkommen chaotische Papiere und andere Dinge aus vier Jahren. Kontoauszüge, Rechnungen, Versicherungsverträge, die letzten Zuckungen der Papier-Foto-Ära, alles. „Wie kommt eine selbständige Frau eigentlich dazu, ihre Buchhaltung so verlottern zu lassen?“ könnte jetzt eine Kommentatorin schreiben, und ich würde antworten „Mutter? Du hier?“. Jetzt ist alles sortiert, gelocht und abgeheftet oder ruht in Frieden in der Altpapiertonne. Aber unter anderem habe ich bei dieser Gelegenheit auch die Rechnungen vom Chinamann gefunden. Obwohl ich bestimmt nicht nur aus Kostengründen mit der Behandlung bei ihm aufgehört habe, und obwohl ich bei jeder einzelnen Sitzung immer das Gefühl hatte, verhältnismäßig billig wegzukommen – schließlich geht es ja um den langersehnten Nachwuchs, da ist grundsätzlich natürlich GAR NICHTS zu teuer, nicht wahr – ist mir trotzdem klar geworden, als all die Rechnungen jetzt so vor mir lagen, dass ich innerhalb von anderthalb Jahren um die 900 Euro bei ihm gelassen habe. Vermutlich war ich keine Musterpatientin. Vielleicht hätte ich mich besser an die Nahrungsvorschriften halten sollen, auch wenn er selbst gesagt hat, dass das bei mir nicht so entscheidend ist. Aber dass ich nicht gerade mit Feuereifer zur Sache gehe, wenn ich mich abseits der Schulmedizin bewege, wird auch in Zukunft so bleiben. An meiner Endometriose, den diffusen Unterleibsschmerzen oder den Myomen hat die Behandlung nichts geändert. Ein Kind habe ich auch noch nicht. Aber immerhin kann ich sagen, das hab ich auch mal probiert.

Ich liege auf der höllisch bequemen Liege meiner Osteopathin und lasse den Dingen ihren Lauf. Das heißt, teilweise. Denn eigentlich würde ich jetzt wegdämmern. Aber gleichzeitig ist es gerade zu und zu interessant. Die Osteopathin hat selbst vor Jahren eine KiWu-Behandlung gemacht und nach drei IVFs und erschreckend wenig Eizellen-Ausbeute beschlossen, dass sie es jetzt gut sein lässt. (Gut, zu wenig Zellen sind ja nun nicht mein Problem.) Und sie hatte damals mit 39 – ihr Mann war damals 44 – auch eine Adoption beantragt. Und zwei Jahre später, als sie schon über 40 war, kam der Anruf, sie könnte jetzt einen gesunden Säugling haben. Sie hat darüber nachgedacht und sich dann dagegen entschieden. Bequeme Liege hin, entspannendes Raumparfum her: ich war hellwach. Ich hab schon ein paar mal mehr oder weniger ernsthaft über Adoption nachgedacht. Aber ich hatte immer noch eine gewisse Hemmschwelle im Kopf. Nicht, weil ich dachte, das ist nichts für uns oder das ist erfüllter Kinderwunsch zweiter Klasse, sondern weil ich dachte, das wird nichts. Wir sind denen zu alt, wir haben zu konkrete Vorstellungen (Säugling, kein Drogenhintergrund), das ist nur eine weitere Methode, sich frustrieren zu lassen. Aber jetzt sehe ich das anders. In Hamburg, erzählte sie, besteht immer noch ein großer Bedarf. Und zwar gab es bei der zuständigen Hamburger Behörde mal eine dieser entsetzlichen Fräulein Rottenmeiers, die hunderte von Elternanwärtern mit ihrer Art in Angst und Schrecken versetzte, aber die ist inzwischen pensioniert, und sie hatte es immer nur mit einer reizenden, netten und offenen Dame zu tun. Zwischen den Feiertagen, das haben wir gestern abend beschlossen, gehen wir es an. Ich bin ziemlich aufgeregt, gespannt und gottfroh, dass ich jetzt etwas vor der Brust habe, das mich noch nervöser macht als die Frage, ob ich mein Weihnachtsessen so hinkriege wie gedacht, ob der Baum schief ist und ob Lili das Haus abfackelt.

Ich liege bei meiner Frauenärztin auf dem Stuhl zum zweiten Abstrich nach dem miesen PAP. Vorher habe ich drei Nächte lang schlecht geschlafen. Ich hatte das alles schon mal, und die Ärztin damals hat immer beruhigend auf mich eingeredet, dass das alles in soundsoviel Prozent der Fälle, also quasi immer, sich sowieso in Wohlgefallen auflöst, rarara, ei-ei, gaaanz ruhig, und am Ende stand erst eine OP und dann eine gynäkologische Akte, die plötzlich aufging wie Popcorn. Und jetzt wieder. Aber diesmal hatte sie tatsächlich gute Nachrichten: es scheint so, dass man inzwischen herausgefunden hat, dass in manchen Fällen (kommt wohl auch auf die Spielart des HPV-Virus an) auch bei Damen in unserem Alter eine Impfung noch Sinn hat. Bin ich gespannt, was diesmal rauskommt.

Man kann über diesen blöden Kinderwunsch sagen, was man will: langweilig wird es erst mal nicht.

Donnerstag, 6. Oktober 2011

Manchmal sind keine Neuigkeiten die besseren Neuigkeiten

ich sage deshalb nichts, weil ich selbst noch nichts weiß. Dienstag habe ich es noch geschafft, nur einmal pro Stunde in die Mailbox meines Telefons zu gucken. Mittwoch war ich schon auf 30 Minuten eingebrochen. Inzwischen bin ich bei 15 Minuten, und heute morgen entfuhr mir ein spitzer Schrei angesichts von irgendwelcher Mailanbieter-Spam à la „Flora Albarelli, jetzt auf Premium-Mail umstellen und Millionen und Abermillionen von Euro sparen!“

Ich muss euch aber warnen. Falls es klappt, kann es gut sein, dass ich trotzdem noch ein Weilchen die Klappe halten muss.
Vermutlich hätte ich das von vornherein tun sollen, aber mach was.

Trotzdem gibt es Neuigkeiten, wenn auch nicht besonders rosige: die miese pickelige Petze HPV ist wieder da. Zwar noch nicht mit voller Kraft, aber trotzdem: zum ersten Mal seit meiner Konisation vor viereinhalb Jahren habe ich einen verdächtigen Abstrich. Ich bin dementsprechend begeistert. Im Dezember muss ich wieder hin. Meine Ärztin sagte, das könnte auch gut an meinen achtwöchigen Dauerzwischenblutungen (Zwischen was eigentlich?) liegen, und nachdem die jetzt dank Maxim verschwunden sind, kann sich der Wert bis dahin gut wieder entspannen.

Der mieseste Moment gestern im Zusammenhang damit war der, als ich es L. sagen musste. In solchen Momenten fühle ich mich immer doppelt und dreifach als Mogelpackung. Der arme Schatz, er könnte mit einer anderen längst drei, fünf, zwanzig Kinder haben, und dann komme ich alle paar Monate, stelle mich vor ihn hin, steige von einem Fuß auf den anderen, druckse ein bisschen herum und habe wieder mal dufte Neuigkeiten. Er kann nichts dafür, er hat nie auch nur ein Fünkchen zu diesem Gefühl beigetragen, aber es nimmt ihn manchmal fast mehr mit als mich. Was mich in klamme Unruhe versetzt, haut ihn um. Er warf sich aufs Sofa und sagte „das wird nie was mit den Kindern. Nie.“ Sofort versuchte ich, gegenzusteuern und ihm zu erklären, dass das alles nicht so schlimm sein muss, wie er jetzt denkt – da hatte er schon einen Plan, wie wir für mich aus den nächsten Monaten einen stressfreien Erholungsurlaub ohne scharfe Kanten machen. Wir haben dann den Ofen angemacht, ein Glas Rotwein getrunken, waren mit dem Hund Kastanien werfen, haben noch ein Glas Rotwein getrunken, und dann habe ich erstaunlicherweise acht Stunden seelenruhig geschlafen. Und heute ist schon wieder die fünfminütliche Mailabfrage auf der Prioritätenliste nach oben gewandert.
Abkürzungsdamen, drückt mir die Daumen, dass wir die Petze bis Dezember vergrault haben. HPV ist mir gerade eine Abkürzung zu viel. Man hört sich ja schon an wie die Jungs damals, während sie beim Bund waren - Wenn man die dann am Wochenende irgendwo traf, ratterte und knatterte es nur so vor lauter Abkürzungen, die kein Mensch versteht. So möchte ich mich nicht anhören.

Und wehe, eine kommt mir jetzt mit Homöopathie oder Reiki. Wir stellen uns einfach vor, ihr hättet mir jetzt zwanzig gute Tipps gegeben, und ich hätte gesagt, danke schön, lieb gemeint, aber nichts für mich. Und dann überspringen wir diese Phase. Wär das was?