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Sonntag, 25. Mai 2014

Mach's gut, schmuddelweißer, brummender und manchmal etwas brenzlig riechender kleiner Freund.

Der Chat wäre also glücklich überstanden. Falls eine der mitchattenden Damen sich aufgeregt hat über meinen Gesichtsausdruck beim Vorlesen mancher Fragen: das war nicht böse gemeint, der Monitor war nur so weit weg und die Schrift so klein, ich musste das Gesicht so zusammenkneifen, um das lesen zu können. (Dazu kam noch, dass die Chat-Organisatoren gerne anfingen, wild herumzuscrollen, sobald ich eine Frage ins Auge gefasst hatte. Nicht leicht das alles!). Ich habe wieder mal festgestellt, dass ich schriftlich besser bin als mündlich und dass ein Platz im Scheinwerferlicht nichts ist, was mich glücklich macht.

Aber nun ist es wie gesagt überstanden und liegt hinter mir, genau wie die grünen Hügel rund ums Haus meiner Eltern, die Besuche im netten neuen Eiscafé in der Altstadt, wo es solche Sorten wie Pumpernickel und endlich wirklich saures Zitroneneis gibt, und Oma und Opa, die sich keine Gelegenheit entgehen lassen, Zeit mit ihrem Enkel zu verbringen. So dass Mutti endlich mal wieder ohne Kleinkindbegleitung duschen, Tee trinken, auf dem Balkon liegen oder einfach nur nichts tun konnte. Und das ist dringend, dringend nötig gewesen.

Ich schreibe diesen Post im Liegen auf dem Bett, während L. sich sonstwo herumtreibt und mein Kindchen einen seiner sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr seltenen Mittagsschläfe macht. Der Rechner hängt am Kabel, das auf eine komplizierte Weise um den Bildschirm herumgezwirbelt ist, und parallel hängt er an der externen Festplatte und kurbelt und kurbelt, um ein Backup herzustellen. Vermutlich das letzte. Und vielleicht ist das auch der letzte Post auf diesem Rechner. Es geht leider, leider zu Ende mit ihm. Nach über fünf Jahren, ein stolzes Alter für ein Macbook, das schon Flugreisen, Nächte im Freien und Misshandlungen durch Hunde und ein Baby verkraften musste. Ich habe mich lang gegen einen Nachfolger aus Alu gewehrt, aber jetzt sind die weißen Zeiten hier wohl wirklich vorbei. Es geht nicht mehr, und es will auch nicht mehr, das treue Maschinchen. Seit es L. vor einer Weile vom Bett gefallen ist, hat es einen Sprung, direkt neben der Stelle, in die das Ladekabel gehört, und jetzt lädt es nur noch an guten Tagen, und auch dann nur sehr zitterig. Die üblichen Altersschwächen, also lange Wartezeiten auf Dinge, die früher einen Sekundenbruchteil dauerten, Hänger und Würger und all die Dinge, die ein ungeduldiger Mensch wie ich gar nicht gut kann, die zeigen sich schon etwas länger und werden auch nicht besser. Das arme alte Schätzchen, in diese Tasten habe ich fast den kompletten Blog und das Buch gehackt, hier habe ich gearbeitet und Quatsch gemacht und Fotos vom Kindchen geladen und bearbeitet, kistenweise Rosé auf Eis getrunken und die Tasten mit Tomatensauce oder Schlimmerem bespritzt, hier habe ich Playlists gebastelt und ein Vermögen bei Amazon verjuxt, Nigellas DVDs sind Dutzende Male gelaufen (auch damit wird es jetzt vorbei sein, neue Rechner gibt es nur ohne DVD-Laufwerk), und einmal hatte ich das Ding sogar mit in New York und habe morgens mit meinen Kaffee auf der Hoteltreppe gesessen und geschrieben, während die berittenen Polizisten vorbeizockelten. Abschiede kann ich nicht gut. Aber jetzt wird es wohl Zeit.

Mittwoch, 7. Mai 2014

Eine gute Nachricht und eine schlechte Nachricht, die aber irgendwie auch gut ist.

Entgegen der Tradition die gute zuerst: das Baby ist fast schon beschämend gesund, strampelt pausenlos, weicht dem Ultraschall geschickt aus und dreht uns ein langes Nasenbein. Nach dem Scan liegen meine Chancen auf ein heiles, rundum properes Baby zwanzig mal so hoch wie davor, wenn man einfach nur mein Alter, die IVF und so weiter als Berechnungsbasis nehmen würde. Besser geht nicht, bei zwanzigfacher Chance ist Schluss, da kann Würmchen uns noch so stolz seine Nackenfalte, seinen Kopfumfang oder seine Oberschenkelknochen präsentieren.
Und obwohl ich das doch alles jetzt schon kenne, ist es trotzdem gestern erst richtig angekommen: wir bekommen noch ein Kind. Rainer Maria bekommt einen Bruder. Oder eine Schwester, das war noch nicht zu sehen. Diesen November werde ich wieder laut fluchend in einen Kreißsaal wackeln und ganz still wieder herauskommen. (Rainer Maria habe ich es jetzt schon ungefähr achtzig mal erzählt, aber er scheint es auch noch nicht zu kapieren. Vielleicht hätten wir ihn gestern zum Scan mitnehmen sollen?)

Jetzt die schlechte. Die Drehbuchwerkstatt will mich nicht. Ich kann kaum beschreiben, wie erleichtert ich darüber bin. In den letzten Monaten habe ich ca. 278 Stunden meines ohnehin knappen Schlafes an Grübeleien und Panik verloren, wie das alles klappen soll. Es wäre ja nicht damit getan gewesen, öfter nach München zu fliegen, um mich dort in Workshops und Seminare zu setzen. Irgendwann hätte ich das Biest auch schreiben müssen. Ich komme ja kaum dazu, meine schnell-schnell hingeschluderten Blogposts zu schreiben! Es wäre wie die Hausaufgaben aus der Hölle geworden. (Aber wieso wollten die mich nicht? Wieso?) Nächstes Jahr sieht es viel besser aus, nächstes Jahr wäre großartig. Dann hätte ich nur die August, September und Oktober irgendwie runterzureißen, und ab November ist Ndogo II schon in der Kita, dann habe ich Zeit, an meinem Rechner zu sitzen, ohne ständig zu brüllen "L.! Das Baby! Fläschchen! Jetzt!" (Bin ich zu schlecht? War die Bewerbung zu schnuddelig? Hätte ich doch die dritte Idee einreichen sollen, die, aus der ich eigentlich was ganz anderes machen will als ein Drehbuch und die mir deshalb zu schade war?) Die Ideen, die ich eingereicht habe, kamen mir damals gut vor, aber wenn ich ehrlich bin, habe ich seit Abschicken der Bewerbung keinen Gedanken mehr an sie verwendet, das ist ja wohl kein gutes Zeichen? Ich müsste besessener sein davon. Und sowieso, wäre eine freie Form des Schreibens für mich nicht besser als ein Drehbuch? (George R.R. Martin hat früher Drehbücher geschrieben, bis er entnervt war davon, dass es immer hieß "Du kannst Pferde reinschreiben oder Stonehenge, aber nicht Pferde und Stonehenge", weil das sonst zu teuer wird. Dann hat er Bücher geschrieben, und es läuft nach allem was man hört nicht schlecht.) (Jaja. Sagt die Tante, die es vor der Geburt ihres Kindes und mit reichlich freier Zeit und Gelegenheit auf gerade mal ein dünnes Buch gebracht hat, und das auch noch ein Sachbuch. Hätte ich das ernsthaft in mir, hätte ich es dann nicht längst mal getan?)

Also gut. Ich beschließe jetzt, es zum nächsten Mal wieder zu versuchen, außerdem Thema drei, das nicht eingereichte, nach besten Kräften voranzutreiben, und zwar spätestens dann, wenn Rainer Maria in die Kita kommt. (August, September, Oktober, der halbe November. Dreieinhalb kostbare Monate. Daraus muss doch was zu machen sein?) Und ich bin froh, jetzt doch nicht irgendwo in den Wolken über dem Harz auf dem Weg nach München einen Nervenzusammenbruch zu erleiden. Es sind die kleinen Dinge, für die man dankbar sein muss! (7,8 cm misst Ndogo jetzt vom Scheitel zum Steiß. Kleine, feine Wurst.)

Dienstag, 15. April 2014

Sagt nicht, liebe Marzipanfreunde, ich hätte euch nicht gewarnt.

Eine Woche und wieder kein Piep. Ich bin in großer Versuchung, zu behaupten, das läge nun an dem unfassbaren Stress, dem man als Mutter eines Babys ausgesetzt ist, wenn man zusätzlich schwangerschaftsbedingt jeden Abend spätestens um neun ins Bett kippt (um dort dann eher nicht zu schlafen, Dankeschön auch, Hormone). Es stimmt ja auch: ich habe wenig Zeit. Aber ein bisschen habe ich schon, nur verwende ich die gerade eben auf andere Dinge: auf Expeditionen in mir bisher unbekannte Bereiche der Küche, auf Hundespaziergänge durch endlich nicht mehr kahle und feindliche Landschaften, auf Arbeit, auf Game of Thrones, auf Sherlock, auf endlich mal wieder Kleider kaufen (ich hasse shoppen. Meistens bin ich einfach zu faul. Für mich ist es ein Angang, mich in der Mittagspause erst durch einen vollen Laden zu quetschen, dabei sieben zusehends stärker zerkrumpelte Kleidungsstücke unterm Arm einzuklemmen und dann in einer viel zu engen Kabine wieder mal mit der Erkenntnis konfrontiert zu werden, dass es eben doch ein Unterschied ist, ob man jeden zweiten Tag eine halbe Stunde läuft oder nicht. Jetzt ging es aber nicht mehr anders, die vier-fünf Oberteile, die ich noch anziehen kann, drohen mir vom Körper zu rotten, ich brauche einfach neue, ob ich will oder nicht. Und es ist typisch für mich, dass ich mich endlich genau fünf Minuten aufraffe, bevor ich die neuen Sachen dank Bauch schon wieder auf den Speicher räumen muss. Na gut. Wo war ich?) oder auf früh ins Bett gehen (ja, noch früher als neun) und Krimis lesen. Gerade lockt mich der Blog nicht besonders. Der Grund ist vielleicht folgender: der Blog sagt erninnert mich gerade jedes Mal, wenn ich die Seite aufrufe, dass ich undankbar bin. Oder feige. Oder beides.

Vor ein paar Tagen hatte ich ein paar ziemlich unfreundliche Kommentare. Ich habe das dumpfe Gefühl, aber genau weiß ich es natürlich nicht, dass die gleiche Person da schon öfter in die gleiche Tröte getrötet hat. Es ging jedenfalls darum, hier würde es jetzt ja wohl langweilig, wo ich schon wieder schwanger wäre. Und sie würde das nicht als Mut machend empfinden, genau deshalb, weil es bei mir nie wirklich schwer gewesen wäre, und es wäre ja wohl auch von Anfang an klar gewesen, dass es bei uns am Ende klappt (was mich zum Hormongegenstück der Streberin macht, die immer jammert, sie hätte bestimmt eine Fünf, und dann heimlich enttäuscht ist, wenn es nur eine Zwei plus ist). Demnächst würde hier das Gemecker losgehen, wie anstrengend es mit zwei Kindern ist. Und sie würde lieber die Blogs lesen, in denen es Hormonkummermäßig mehr zur Sache ginge. Wieso mir ständig der Puderzucker in den Arsch gepustet würde von meinen Leserinnen, wäre ihr sowieso schon lange schleierhaft.
Ich habe mich gewundert (über so viel Hartnäckigkeit und wieder mal über die Idee, einen ungeliebten Blog nicht einfach aus dem Programm zu nehmen, sondern zum Abschied - falls es jetzt wirklich einer war und nicht in zwei Wochen der nächste Meckerbrief kommt - noch mal Dampf abzulassen), war ein bisschen angefasst und habe wieder mal reichlich viel Zeit damit verbracht, herumzugrübeln. Denn etwas Wahres ist ja dran. Und nicht erst seit diesem Kommentar habe ich zumindest innerliche Rechtfertigungsprobleme. Einerseits sind da draußen immer noch so viele von euch, die sich nichts mehr wünschen als endlich ein Positiv und neun Monate später ein gesundes Baby. Zwei erscheinen schon völlig irre. Ich sage das nicht nur aus Diplomatie, sondern ich kann mich wirklich sehr gut, zu gut daran erinnern, wie das alles auch für mich über viele viele Jahre war. (Dass ich während dieser zweiten Schwangerschaft meistens für meine Verhältnisse merkwürdig ruhig bin, steht auf einem anderen Blatt.) Ich werde nie den Tag in meiner alten Agentur vergessen, als mein Teampartner eine ausgiebige Lebenskrise hatte, weil seine kleine Tochter eine Brille bekommen sollte. "Ein Stück Glas zwischen mir und den Augen meiner Tochter!" sagte er tonlos und drückte die Fluppe im Fensterrahmen aus. Und ich gab zu bedenken, dass es doch schön wäre, wenn sie in Zukunft sicher die Straße überqueren könnte, aber es nützte nichts, er hatte den Blues, und zwar gründlich. Sowas wollte ich mit euch nie machen. Ich wollte hier nicht um Mitleid bitten, weil unser Kind nun doch nicht in die dollste, sondern in die zweit-dollste Kita kommt. Oder mich seitenlang über die Preise von Babykram auslassen. Oder in "Warum ich?"-Gejammer ausbrechen, weil ein flotter New York-Trip jetzt nicht mehr so unkompliziert geht wie früher.
Vier Jahre haben wir vergeblich gewartet, jetzt haben wir ein Baby und ein zweites ist unterwegs! Das verlangt nach Ausrufungszeichen und Dauerglück! Und genau hier hakt es. Denn ich bin zwar sehr oft sehr glücklich, aber ich bin auch sehr oft sehr kaputt und habe bei vielen Dingen keine Ahnung, wie das alles werden soll. Wie hält man zwei so kleine Lemminge unter Kontrolle, die ständig genau da hin wollen, wo sie nicht hin dürfen? Wie verträgt eine Ehe das? Wieso habe ich so früh wieder eine IVF gemacht, wenn ich mich das jetzt frage? Schon richtig - aber wieso hat es jetzt gleich beim ersten Versuch geklappt? Wenn es beim ersten Mal vier Jahre gebraucht hat? Ich freue mich schrecklich, aber ich habe auch ziemliche Angst. Jetzt geht bald das Gejammer los, mit zwei Kindern wäre es anstrengend - genau. Könnte passieren. Ich weiß es nicht. Was ich aber genau weiß, ist, dass ich keine Lust habe, über einen Soll-Zustand zu bloggen: nur über die Marzipan-Momente, über all das Tolle, was ja wirklich passiert, über unsere Vorfreude und kleine Zähnchen und Füßchen und Näschen und Händchen. Das gibt es alles auch, aber es gibt eben auch die wirklich finsteren Momente, und nicht darüber zu schreiben, ist gelogen und langweilig. Aber kann ich meinem Kollegen mit der Brillenkrise dann nicht gleich die Hand schütteln? (Ihr bekommt ein völlig falsches Bild von dieser Kommentatorin. So schlimm hat sie das alles bestimmt nicht gemeint. Aber sie hat wohl einen Nerv getroffen. Und auch ohne sie wälze ich das alles schon eine ganze Weile im Kopf herum.) Feige oder undankbar: entweder, ich schreibe auch über das, was nicht so schön ist (undankbar) oder ich lasse es aus Angst vor Onlinekloppe (die meine schwangeren Nerven gerade nicht so gut können) oder aus Angst, auf euren Gefühlen herumzutrampeln. Was nun?

Das hier war schon immer und ist auch jetzt ein ich-ich-ich-Blog. Alle Blogger sind egozentrisch, und ich bin es vermutlich noch mehr als die meisten. Vielleicht ist Egozentrik ja auch jetzt die Lösung: ich versuche, von mir auf andere zu schließen. In der Spritzenzeit habe ich jede Menge Blogs gelesen. Manche der Bloggerinnen sind während der Zeit schwanger geworden und haben Babys bekommen, andere hatten sie schon vorher. Obwohl ich mir nichts sehnlicher gewünscht habe als selbst von Gebrüll nachts um drei um den Schlaf gebracht zu werden, selbst Breiflecken von chemische-Reinigung-Klamotten zu rubbeln und selbst all die Ängste und Ratlosigkeiten und den ganzen Ärger mitzumachen, dachte ich eigentlich selten "Und ihr habt noch die Stirn, euch zu beklagen", sondern habe immer die Blogs lieber gemocht, in denen auch mal ausgiebig gemeckert wurde. Ich hatte sogar eine Zeit, in der ich einen Blog, den ich vorher ganz toll fand, wegen zu viel Sonnenschein und Heiti-Teiti aus der Liste genommen habe (inzwischen lese ich wieder eifrig mit) - nicht aus Neid, sondern weil mir das zu süßlich wurde. Ich wollte kein Marzipanbaby. Ich wollte ein Kind mit kaputten Knien und Ärger in der Schule. Ich wollte das auch nicht alles milde und mütterlich weglächeln und immer einen Apfelkuchen im Ofen haben, ich wollte normal schön und normal doof. Ich wollte einfach sehen, wie das ist. Jetzt weiß ich es, und ich würde gerne davon erzählen, nur halte ich mich ständig davon ab aus Gründen, die mir selbst manchmal noch schleierhaft sind. Über Hormonstress konnte ich doch auch schreiben? Und dabei hätte ich damals auch denken können "Was meckerst du denn, mit deinen acht Eizellen, andere haben null in drei Versuchen, sei mal lieber fein still".

Wollen wir es mal versuchen? Die ständige innere Zensur abzustellen, die mir dauernd einflüstert, ich dürfte mich ab jetzt nie wieder über irgendwas mit Babybezug beschweren wegen all der Abkürzungsdamen? Da rede ich und rede ich. Sagt doch auch mal was.

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Friendly Fire: p.s.

Wieso überhaupt so viel an anderen herumgekrittelt und reingegrätscht wird, ist natürlich auch eine interessante Frage. Aber die Frage, die mich gerade viel mehr beschäftigt, ist folgende: Wenn man schon so dermaßen vom ehrenhaften Anliegen umgetrieben wird, dass es bitte allen Babies so gut gehen soll wie den eigenen, dann gibt es doch so viel lohnendere Gelegenheiten sich einzubringen, als den Feldzug gegen andere gutwillige und ambitionierte Mütter, die eben ein-zwei Dinge ein bisschen anders anpacken als man selbst, ob im Internet, in der Krabbelgruppe oder auf dem Spielplatz. Meine Lieblingsbloggerin dooce (die ihr in meiner Blogroll findet) engagiert sich z.B. bei "Every Mother Counts", einem Projekt, das dafür kämpft, dass schwangere Frauen in Afrika nicht mehr mit Wehen teilweise 50 Kilometer zu Fuß zur nächsten Behelfsklinik laufen müssen, nur um dort dann wegen Überlastung wieder weggeschickt zu werden und ihr Kind allein irgendwo im Staub zu bekommen. Ich bin sicher, eine Stunde am Rechner, nachdem das eigene Kind glücklich, warm, satt und behütet eingeschlafen ist, fördert Dutzende von tollen Initiativen zutage, die es wert sind, diese Energie und die Leidenschaft für das Kindeswohl dort einzubringen.

Dienstag, 15. Oktober 2013

Friendly Fire.

Jetzt bin ich schon seit fast drei Monaten Mutter und vorher eine Ewigkeit erst noch nicht schwanger und dann schwanger gewesen, und ich verstehe es immer noch nicht.

Da sind auf der einen Seite die Mütter, die sich Mühe geben. Die alles richtig machen wollen, nach besten Kräften, die ihr Kind so gut lieben und groß ziehen wollen, wie es nur geht. Die Testergebnisse googeln, bevor sie einen Schnuller kaufen, die sich für Kurse anmelden und Strampler aus Biowolle kaufen, nicht aus Sorge um die Schafe, sondern aus Sorge um ihr Baby.

Und dann sind da auf der anderen Seite manche, die einen Freund haben, der das Kind verprügelt, und sie tun und sagen nichts. Die, denen ihre Kinder schlichtweg egal sind. Die ihrem Zweijährigen eine schallern, weil sie jetzt gerade ihre Soap gucken wollen und keine Lust auf sein Gebrüll haben. Die schwanger Kette rauchen. Die sich vernünftige Babynahrung nicht leisten wollen und stattdessen dann einfach Milchpulver nehmen. Die, die ab und zu einen Moment haben, in dem sie denken "Ach, das Würmchen. Wie es ihm wohl geht?" und dann ein Tränchen zerdrücken und zehn Minuten später trotzdem so weiter machen.

Und gäbe es noch eine dritte Seite, wären da vielleicht die, die keine Wahl haben. Die irgendwie allein mit drei Kindern und ohne Mann klar kommen müssen und eben arbeiten und das Kind bei der Nachbarin lassen, auch wenn sie manchmal das Gefühl haben, mit der stimmt irgendwas nicht. Die manchmal die Tür zumachen und das Kind brüllen lassen, weil es einfach nicht mehr geht. Die kein Geld haben für einen neuen Kindersitz, wenn das Kind aus dem alten rausgewachsen ist, oder die erst gar keinen Kindersitz haben. Die... ach, ihr wisst, was ich meine.

Was mir nicht in den Kopf will ist, warum Gruppe 1 - die Glücklichen, die ihre Kinder wollen und lieben und gleichzeitig die Möglichkeit haben, alles für sie zu tun, die also genau da sind, wo sie sein wollen und eigentlich einfach nur zufrieden sein müssten - sich ständig ankläffen und rumschikanieren muss. Wieso sich die Frauen, die grundsätzlich überhaupt nie Alkohol trinken, im Forum auf die arme Seele stürzen, die auf einer Hochzeit zwei Glas Sekt getrunken hat, als sie noch nicht wusste, dass sie schwanger ist. Warum engagierte Online-Scharmützel geführt werden über die richtige Art, ein Kind voll zu stillen. Warum ich auf einmal eine ganz Miese und total daneben bin, weil ich nach drei Monaten wieder arbeite - auch deshalb, weil ich sonst einen extrem familienfreundlichen Job aufgeben würde, um mir dann nach einem Jahr Elternzeit einen extrem familienunfreundlichen suchen zu müssen. Wobei, ich kann das ab. Andere trifft es bestimmt härter. Ich frage mich eben nur...

Es wird mir wohl ewig ein Rätsel bleiben.

Donnerstag, 8. August 2013

Ich, ich, ich.

Liebe Abkürzungsdamen, wenn man diesen Blog lang genug liest, könnte man manchmal glatt vergessen, dass dieses Kind nicht nur eine Mutter und eine Abkürzungsärztin mit sehr glücklichem Händchen hat, sondern auch einen Vater. Vor ein paar Tagen hat L. sich mein Handy ausgeliehen, um schnell etwas nachzulesen. Und als er den Browser öffnete, war da zufällig mein letzter Post - der Zwei-Wochen-Post - geöffnet, weil ich mir kurz vorher im Auto die Kommentare durchgelesen hatte. Normalerweise liest L. meinen Blog nicht, trotz mehrfacher Einladung. Bei dieser Gelegenheit hat er den Post gelesen, und was er gesehen hat, hat ihm nicht gefallen. Er findet, ich habe kein Recht, einfach so intime Details über unser Kind, das sich noch nicht wehren kann, ins Netz zu stellen. Er glaubt außerdem, dass Kalle eines Tages nicht besonders begeistert sein wird, wenn die Jungs aus seiner Klasse ihn googeln und dann auf schwer verliebte Posts von vor vierzehn Jahren stoßen, in denen seine hormonvernebelte Mutter von seiner rosigen Haut und seinen Schrumpelzehen schwärmt. Ich muss ehrlich sagen, darüber hatte ich keine Sekunde nachgedacht, als ich das geschrieben habe. Aber jetzt, wo ich es tue, muss ich sagen, ganz Unrecht hat er da vermutlich nicht, zumal in Hamburg bis dahin vermutlich nicht viele Kinder mit seinem Namen herumspringen. Und jetzt?

Jetzt werde ich trotzdem weiter schreiben. Aber ich werde in Zukunft wieder mehr über mich schreiben, darüber, was das Baby mit mir macht, wie mein Leben mit ihm ist und was sonst noch passiert und weniger über Kalle, seine körperliche Entwicklung und vor allem seine Schrumpelzehen. Ich werde mir bei allem, was ich schreibe, vorstellen, eine Horde Beavis- und-Butthead-artiger pickliger vierzehnjähriger Klassenärsche würden das hier lesen und Kalle in der nächsten großen Pause wieder auf die Pelle rücken. Vierzehnjährige Klassenärsche finden in allem etwas Lächerliches, Blödes und Beleidigendes. Aber sie sollen sich im Zweifel über mich lustig machen, nicht über Kalle. Wie das werden soll? Weiß ich auch noch nicht so genau. Aber ich tue mein Bestes.

Freitag, 31. Mai 2013

Ein dickes Schlabberbussi geht heute ans Internet.

Ich hatte glaube ich schon mal erwähnt, dass eine meiner großen Lebenskrankheiten (außer Endometriose und Myomen) die Macke ist, es immer allen Recht machen zu müssen. Tue ich das nicht, sind zusätzlicher Schlafentzug als Sahnehäubchen auf dem normalen Schlafentzug obendrauf, Unruhe, Beklemmung und insgesamt ein großer Haschmich die Strafe. Ich versuche ja, dagegen anzukommen! Manchmal klappt es auch. Zum Beispiel, indem ich einfach die Momente, in denen ich auf so einer sonnigen Stimmungswelle segele, dass mir gerade jetzt die Meinung der Leute wurscht ist, ausnutze und dann schnell die Dinge mache, die ich mich sonst nicht trauen würde. Oder eben die Dinge schreibe. Dass ich dann mit den Folgen leben muss, weiß ich in diesem Moment zwar, aber was solls: manchmal weiß man, dass das Wasser eiskalt sein wird, und springt trotzdem, zum Springen braucht es nur eine Zehntelsekunde Mut, und dann ist es passiert und war dann doch gar nicht so schlimm, und am Poolrand wartet ein muckeliges Handtuch.
Normalerweise bin ich nicht der Meinung, dass es erstrebenswert ist, die Gefühle und Meinungen anderer grundsätzlich komplett zu ignorieren. Nicht nur, dass genau das eins der Erkennungszeichen von Psychopathen ist, ich kann auch für diese ganze "Nett ist der kleine Bruder von Scheiße"-Philosophie wenig Sympathie aufbringen. Ich finde, nett ist nett und scheiße ist scheiße. Ganz und gar mit der Wurzel ausrotten will ich diesen Instinkt bei mir also nicht. ABER! Zu angepasst ist ungesund und hält klein und grau und mausig, und besonders beim Schreiben kann dieses ewige Bloß-niemandem-auf-die-Füße-treten verhängnisvoll sein. Nicht kann, ist. Als Werbetexterin habe ich jetzt zwölf lange Jahre lang Leuten nach dem Mund getextet: Agenturkollegen, Kreativdirektoren, Beratern, sieben Kunden mit achtzehn Meinungen dazu, wie genau man was genau sagen sollte - ihr könnt es euch in etwa vorstellen, was das mit einem macht, wenn die Aufgabe darin besteht, "witzig" und "originell" und "eine ganz eigene Stimme" zu sein und dabei trotzdem bloß niemandem quer zu kommen. Und bloß nicht den Gesetzgeber vergessen und die Marktforschungs-Gruppe aus zufällig in der Fußgängerzone zusammengekoberten Hausfrauen, Irren und Rentnern! (Jaja, Spaß hat es auch manchmal gemacht, auch wenn das jetzt nicht so klingt.) Und jetzt versuche ich schon seit einer Weile, mich weg vom Texten und hin zum Schreiben nach eigenen Vorstellungen zu entwickeln. Dieser Blog ist ein Teil davon, das Buch natürlich auch, die Zeitschriftenartikel (wobei die auch an einer extrem kurzen Leine geschrieben wurden, etwa der Sorte Leine, an der bei der Hundeschau die frisierten Pudel vorgeführt werden). Und seit geraumer Zeit arbeite ich neben Job, Blog, normalem Leben und Schwangerschaft an einem neuen Buch, einem, das nichts mit Kindern oder Kinderwunsch zu tun hat und dessen Inhalt ich ganz allein zu bestimmen habe. Freiheit! D.h., Freiheit nicht gerade, denn jetzt kommt mir mein Rechtmachinstinkt sowas von quer. Es wird hoffentlich niemanden hier verwundern, dass aus einem Buch nicht so richtig was werden kann, wenn der Autor sich beim Schreiben ständig fragt, was Tante Inge, die Nachbarn und sein alter Deutschlehrer hierzu wohl sagen würden. Das heißt, es gibt jede Menge Bücher, die sind genau so, und bei manchen Genres (Kochbücher z.B.) stört das auch gar nicht, aber das ist nicht die Sorte Buch, die ich gerne schreiben möchte und auf der ich mit Stolz meinen Namen sehen würde (und NEIN, ich arbeite nicht an einem schwiemeligen Sexbuch wie "Shades of Grey" und versuche auch nicht, die neue Charlotte Roche zu werden. Meine Stimmen setzen leider schon viel früher ein). Die Frage ist nur, wie bringe ich die innere Zensur dazu, die Klappe zu halten? Ohropax nützt genau so wenig etwas wie laute Musik. Die Stimmen sind immer da, sie gehören zu mir und werden mir noch auf dem Totenbett erzählen, dieser Lippenstift wäre aber nicht der Situation angemessen.

Das einzige, was hilft, ist, ein dickeres Fell zu entwickeln und im Zweifel einfach zu antworten: "Siehst du das so, Stimme? Fein, ich sehe das anders, und jetzt entschuldige mich, ich hab zu tun." und zu hoffen, dass die Beklemmung, das Unwohlsein und die Schlaflosigkeit irgendwann durch zunehmende Abstumpfung gelindert werden. Und genau das lerne ich gerade! Dank Dir, Internet, bzw. einem Teil meiner Kommentare. Dem kleineren Teil meiner Kommentare, klar, aber jedes vernünftige Training fängt klein an und arbeitet sich dann langsam vor. Ich gehe fest davon aus, dass das hier schlimmer wird mit der Zeit, wenn Würmchen erst da ist und ich noch mehr Chancen habe, Dinge anders zu sehen und zu machen als andere. Dass es in Teilen der Mütterwelt absolut unüblich ist, entspannt zu lächeln und die anderen ihren Stiefel machen zu lassen, hatte ich schon gelesen, und Überraschung: es ist wohl tatsächlich so. Darauf hatte mich die schöne, harmonische Blogzeit als Kinderwunschbloggerin nicht vorbereitet, aber nun geht's hier bootcampmäßig rund. Ich kann also feste darauf bauen, auch in Zukunft das Geld für eine teure Psychotherapie zur Heilung meiner Überangepasstheit sparen zu können. Irgendwann ist das Buch bestimmt fertig. Und wenn es so weit ist, werde ich den vielen aufgebrachten anonymen Damen zwar keine Tantiemen zahlen, aber ich verspreche, es wird auch euch gewidmet sein. Ohne euch würde ich das niemals schaffen. Danke, Danke, Danke.

Donnerstag, 25. April 2013

Würmchen, bist du groß geworden.

Morgen beginnt die dreißigste Woche. Ok, wo finde ich jetzt einen Arzt, der mir schnell, sauber und zuverlässig ein Stück Gummi in die Bauchdecke einsetzt? Ich habe keine Ahnung, was da noch kommen soll. Nicht, dass der Bauch von außen schon so gewaltig aussieht. Aber ich fühle mich (spätestens seit dem Verzehr dieses böhmischen Todespuffers) egal ob hungrig oder vollgegessen immer so, als würde ich gleich platzen. Noch eine Minute, dann ist es so weit. Da geht nichts mehr. Wer hätte gedacht, dass acht Kilo Gewichtszunahme so viel sind? So unfassbar viel? Wenn es wirklich die empfohlenen 13 werden, kann ich am Ende ganz froh über dicke Hand- und Fußgelenke sein, denn jedes Gramm, das ich nicht auch noch unter meine Bauchdecke quetschen muss, ist eine echte Erleichterung. Außerdem habe ich spätestens jetzt den Entschluss gefasst, bei aller Liebe zum Essen niemals richtig dick zu werden. Ich habe schon immer sehr dicke Menschen bis fast zu Tränen bewundert, die sich trotz ihrer riesigen Bäuche zu Sport - und dann auch noch Ausdauersport - aufraffen. Ich gehe durch mein Fitnessstudio, sehe ein Frau von 130 Kilo auf dem Laufband und muss mich schnell abwenden, sonst muss ich weinen. Wie anstrengend das sein muss, wie frustrierend, bestimmt auch wie schmerzhaft, wie dämlich man sich dabei vorkommt und wie viel Mut und Tapferkeit und Todesverachtung dazugehört, es trotzdem zu tun, kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Bzw. konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen, denn seit Neuestem gehöre auch ich zu denen, die erbleichen bei der Nachricht, dass morgen der Fahrstuhl den ganzen Vormittag ausfällt und das bedeutet, dass ich in den sechsten Stock zu Fuß muss. Noch vor einem halben Jahr war ich stolz darauf, jedes Mal freiwillig die Treppe zu nehmen und die Strecke in unter einer Minute zu schaffen. Vorbei. Auch wenn ich in Wien überglücklich und dankbar dafür war, immer noch viele Stunden jeden Tages mit anstrengendem Großstadt-Gelatsche zubringen zu können, die Hundespaziergänge wuppe und sogar ab und zu meine Gymnastik mache, wird die Aussicht auf Aktivität immer weniger verlockend. Egal, wie nett die geplante Unternehmung ist, ich bin trotzdem sehr froh, wenn sie erst hinter mir liegt. Würde mir jetzt jemand sagen: 'Flora, wir haben uns alle nochmal beraten und nach ärztlicher Konsultation beschlossen, den Rest dieser Schwangerschaft bleibst Du bitte auf dem Sofa liegen. Babyzimmer, Reisen, Job, Hunde, Haushalt - überlass einfach alles uns, mach Dir keine Gedanken! Und welche Sorte Ben&Jerry's können wir Dir vom Supermarkt mitbringen?' dann wäre ich glatt dabei und würde vor Freude in die Hände klatschen. Der Steiß bröckelt, ich schnaufe wie eine Dampflok mit verstopften Ventilen, ich mag nicht mehr, weder können noch müssen. Und dem nächsten Kollegen, der mir irgendwelche Termine für August unterbreiten will, obwohl ich doch mit deutlich sichtbarem Riesenbauch zwölfmal täglich an seinem verglasten Büro vorbeiwatschele, wickele ich sanft mein Stillkissen um den Hals und erwürge ihn.
Habe ich neulich noch meine Ubahn-Mitfahrer so gelobt? Jetzt ist es so weit: eigentlich bin ich inzwischen deutlich sichtbar die, für die man einen der markierten Plätze frei macht. Das ist bisher noch null mal passiert. Jede zweite Fahrt verbringe ich im Stehen, während sich ziemlich gesund aussehende Männer sitzend mit ihrem Smartphone beschäftigen. Vielleicht tue ich ihnen Unrecht, und die haben alle ein Holzbein. Vielleicht sollte ich auch energischer auf meinem Recht bestehen und bin selbst Schuld. Vielleicht sind das auch einfach rücksichtslose Arschlöcher, denen hoffentlich niemals jemand einen Platz anbietet, wenn sie mal alt und klapprig sind. Oder im achten Monat.

Was ist sonst noch?

Ich hab das dumpfe Gefühl, der Ton hier verschärft sich gerade etwas und wird sich noch weiter verschärfen. Die Frage ist nicht, ob das passiert. Auch bei mir, der bisher die Babywelt von Innen einigermaßen fremd war, ist inzwischen angekommen, dass da draußen einiges los ist, sobald man die bösen Themen (Stillen etc.) anschneidet. Bzw. dass Themen, über die man immer dachte, friedlich nachdenken, schreiben und sprechen zu können, auf einmal böse Themen sind. Die Frage ist nur, wie ich damit umgehe. Denn da das nicht alles Trolle sind, ist der Klassiker unter den Troll-Reaktionen - stoisches Ignorieren - wohl keine Option. Lösche ich in Zukunft die schlimmsten Ausrutscher? Oder hänge ich jede Woche eine Stunde meiner Zeit daran, das alles zu lesen und erst dann zu entscheiden, was ich veröffentliche und was verschwindet und den Gürtel aus Weltraumschrott um diesen Blog anwachsen lassen wird? Auch doof, denn manchmal vergehen drei-vier Tage, an denen ich nicht dazu komme, mich um den Blog zu kümmern (auch das wird sicher nicht besser in Zukunft), und es ist bestimmt frustrierend, einen sorgfältig formulierten Kommentar abzuschicken, und drei Tage später ist er immer noch nicht veröffentlicht. Will ich uns vielen, vielen netten Abkürzungs- und Ex-Abkürzungs- bzw. nicht eigentlich Abkürzungs-, sondern einfach nur zum Glück um den ganzen Abkürzungskram drumrumgekommen Damen so das Leben schwer machen, nur weil da ein paar doofe Ranzschnecken auftauchen, die niemand gerufen hat? Oder schreibe ich nur noch über Dinge, die garantiert niemanden aus dieser Fraktion auf den Plan rufen? Das wäre so sterbenslangweilig, da kann ich es auch lassen.

Mal sehen.

Samstag, 30. März 2013

Um nicht zu sagen, vom Leben durchweg enttäuscht

Gestern schrieb eine mir bisher fremde Dame, ich wäre neurotisch und verbittert. Neurotisch kann ich selbst nicht beurteilen, aber verbittert? Gerade bin ich so fröhlich, wie man nur sein kann. Ich bin so fröhlich, dass ich sogar dem Schnee vor dem Fenster liebevolle Blicke zuwerfe. Ich sitze nämlich in der Heide auf dem Sofa mit der zweiten Tasse Tee des Tages und male mir schön bunt aus, wie herrlich das alles wird, wenn wir erst mit Würmchen herkommen. Um meiner Phantasie auf die Sprünge zu helfen, gibt es hier Stapel alter Fotoalben, in denen L. dabei zu sehen ist, wie er schwimmt, spielt, Kindergeburtstage feiert, Ostereier sucht oder skeptisch seine Weihnachtsgeschenke betrachtet. Unter einer dicken Schneehaube ruht im Moment noch das Schwimmbad, in dem Würmchen irgendwann mal unter Lilis strengen Blicken und meiner Anleitung Schwimmen lernen wird. Die bemoosten Kiefern neben der Auffahrt geben irgendwann mal die perfekte Kulisse für Würmchens Playmobil-Indianerspiele ab. Und von den Kühen, die am Fuß der Wiese über den Zaun lugen, wird er mal lernen, was Geduld und Sanftmut sind.

Guckt nur auch mal hin, Hunde! Da könnt ihr euch was abgucken. Meine Schwiegermutter hat der Hütte jetzt so lange keinen Besuch mehr abgestattet, dass das Wild hier das Ruder übernommen hat. Überall im Schnee ziehen sich kreuz und quer die Spuren von Rehen, Dachsen, Wildschweinen und Hasen, und wenn ich den Hundegang durch den Wald nicht auf dem Bauch zurücklegen will, dann muss ich brüllen und die beiden Zugmaschinchen tüchtig in den Nacken kneifen. Ihr altes Frauchen war sehr skeptisch wegen Momos neuem Epilepsie-Medikament, aber wenn sie das sehen würde, wäre sie beruhigt: keine Spur von Tran oder Müdigkeit.

Was war noch? Ich bin inzwischen bei Rezept Nr.14 und denke langsam, ich sollte einfach reumütig zu Nigella zurückkehren. Das Geheimnis zwischen uns ist nicht nur, dass ich ihre Kochbücher von allen am liebsten lese, sondern ich kann auch blind darauf vertrauen, dass ihr schmeckt, was mir schmeckt. Rezept Nr. 14 war ein Schokoladenkuchen aus dem New York Times-Kochbuch. Das ist das mit Abstand dickste und vollste Kochbuch in meiner Sammlung, und darum fällt es mir vielleicht manchmal etwas schwer, es anzugehen. Aber wednesday chef Luisa hat so geschwärmt von Evelyn Sharpe's French Chocolate Cake! Dazu besteht er auch noch aus gerade mal sieben Zutaten (Eier, Butter, bittere Schokolade, Zucker, eine Prise Salz, ein Esslöffel Mehl und Schlagsahne als Garnitur), und Luisa hatte nicht nur selbst gesagt, sondern auch noch mehrere Zeuginnen angeführt, die alle einhellig der Meinung waren, dies wäre der leckerste Schokoladenkuchen ihres Lebens. Und das Rezept hatte eins dieser Zaubertrick-Elemente, die mich immer dazu kriegen, es auszuprobieren: Nach 15 Minuten backen sollte man den Ofen ausmachen, einen Löffelstiel in die Ofentür klemmen und den Kuchen so zu Ende garen lassen. So etwas liebe ich. Wir waren bei Nachbarinnen eingeladen, ich hatte noch Heidelbeeren und Himbeeren zum Garnieren, alle anderen Zutaten auch, und tadaaa:



fertig war der ca. siebenundzwanzigbeste Schokoladenkuchen meines Lebens. Ziemlich trocken, ziemlich bitter und ziemlich... da kann man auch mal verbittert sein, oder? Ach Nigella, und dabei sind in deinen Kochbüchern noch mindestens zwölf Schokokuchenrezepte versteckt, die ich noch nicht angerührt habe! Wird Nr.15 eins davon?

Mittwoch, 27. Februar 2013

Mein Goldfisch mit Geweih

Habe ich geschrieben, Igittigitt, ein Junge, den stecken wir am besten in einen Sack und ertränken ihn in der Regentonne? Oder verkaufen ihn an einen durchreisenden Rummel? Kann ich mich nicht dran erinnern, aber ich habe auch nicht das dollste Gedächtnis dieser Tage. Habe ich geschrieben, jede, die hier jemals mitgelesen hat, hat ein Zwangsabo von der schlimmsten Jamba-Sorte bis an ihr Lebensende abgeschlossen und muss jetzt immer weitermachen, komme, was wolle, egal, wie doof ich inzwischen geworden bin? Kann ich mich auch nicht dran erinnern. Aber mach was, Würmchen schlägt mir nun mal auf die Konzentration, ist also alles möglich.

Wir genießen noch für ein-zwei Stunden die Ruhe bei meinen Eltern, bevor wir uns auf den Heimweg machen. Sie freuen sich so auf ihr Enkelkind, dass es ihnen schon zu den Haarwurzeln herausquillt. Und ich werde umsorgt wie eine schwangere Bienenkönigin, kriege ein Sofa samt Decke und Kissen ganz für mich, während der Rest der Familie um mich herumkauert, muss hier keinen Finger rühren, noch nicht mal das Tier spazierenführen, und finde, das könnte ruhig noch ein paar Tage so weitergehen. Tut es aber nicht, heute Abend ist wieder alles beim Alten. Und das alte ist: der Bauch wächst weiter, Würmchen tritt und boxt immer mal ein bisschen - immer noch nicht schlimm (es hieß immer, das fühlt sich an wie ein Goldfisch, der wild im Bauch herumschwimmt. Nur, dass meinem Goldfisch gerade ein kleines Geweih gewachsen ist.), sondern jedes Mal ein Grund zu Staunen und Freude. Und trotz all dem - trotz der seltsamen Lebensmittelvorschriften, obwohl ich die einzige bin, die kein Glas Cognac vor sich stehen hat, obwohl ich eine deutlich gekennzeichnete Schwangerschaftshose trage und obwohl ich offiziell im sechsten Monat bin, gibt es immer noch große Strecken des Tages, an denen das nicht wirklich real sein kann. Fünf Monate seit dem Test putzen eben vier Jahre Spritzen nicht einfach so weg. Vier Jahre, in denen ich mir immer größte Mühe gegeben habe, ehrlich im Blog zu sein und einfach zu schreiben, nicht wie sich diese ganze Kinderwunschsache nach allem, was man so liest und hört, so anfühlen sollte, sondern wie ich sie erlebe. Und wenn ich nach einem Jungsultraschall jetzt ein paar Tage brauche, um mich von meinem vier Jahre lang gehegten und gepflegten kunterbunten Mädchentraum zu trennen und den Jungstraum genau so farbenprächtig auszuschmücken, dann liegt das vielleicht auch daran, dass mich nicht ein Konferenzraum voller Disney-Kreativer und Nonnen ausgedacht hat. Versteht mich nicht falsch: ich kann sofort nachvollziehen, dass das manche Abkürzungsdame erzürnt und enttäuscht. Es erzürnt und enttäuscht diese Abkürzungsdame hier ja selbst. Aber ich verspreche euch, das würde hier nach kurzer Zeit sehr, sehr langweilig werden - nicht zuletzt für mich - wenn ich ab jetzt ausschließlich und jeden Tag schreiben würde, wie wunderbar herrlich alles in jeder Hinsicht ist und dass wir dem Schicksal täglich auf Knien danken. Vor vielen, vielen Jahren habe ich mal in mein Tagebuch geschrieben, wenn doch nur K. wieder mit mir zusammen sein wollte, dann hätte ich in meinem ganzen Leben nie wieder etwas zu meckern oder irgend einen Wunsch. Ein paar Monate später wollte K. mit mir zusammen sein, woraufhin ich nicht nur entgegen meinem Versprechen nicht aufgehört habe, zu meckern und zu wünschen, sondern sieben Jahre später sogar eigenhändig mit ihm Schluss gemacht habe. So viel zum Thema: Träume werden wahr, und von diesem Moment an gilt: Mundwinkel streng nach oben. Ich habe damals auch schwer mit mir und meiner mangelnden Glücksausdauer gehadert, aber es war eben nun mal so, wie es war. Ist euch das noch nie passiert?

Im übrigen möchte ich jetzt noch mal ausdrücklich - zwischen den Zeilen scheint nicht zu reichen - schreiben, dass ich hier über einen Gefühlszustand spreche, der inzwischen in der Vergangenheit liegt und noch nicht mal ganze drei Tage angehalten hat. Ich freue mich inzwischen und minütlich immer noch mehr auf meinen kleinen Knirps. Ich freue mich wie wild auf ihn! Ich habe vor lauter Vorfreude kaum noch Platz für ein anderes Gefühl gerade, abgesehen vielleicht von der allgemeinen großen Verwirrung und ab und zu der Sehnsucht nach einem Salamibrot.


Mittwoch, 30. Januar 2013

Ich werde es wohl nie verstehen. Und: der Zitronentrick.

Es gibt eine Charaktereigenschaft, die mir komplett fehlt, und die Leute dazu bringt, Fremden im Internet anonym die merkwürdigsten Nachrichten zu schicken. Es ist ein bisschen so, als müsste ich zwanghaft auf der Straße zu irgendwelchen Frauen sagen, dass ich das nur gut meine, aber dass sie dringend zwanzig Kilo abnehmen müssen. Oder dass ich die dunkle Ahnung habe, der Mann an ihrer Seite wäre nicht der richtige für sie. Oder dass sie überhaupt alles falsch machen. Oder dass sie ihre Kinder nicht verdienen. Oder... egal, jedenfalls so, als müsste ich sowas sagen und dann noch irgend etwas dazusagen, um ja nicht als gemeine Schnepfe dazustehen und mich schon mal vorsorglich gegen jede Gegenwehr zu immunisieren, die da kommen könnte - sowas wie "aber ich bin echt ein Fan" oder auch "ich mag dich schon immer" oder "ich mein's echt nicht böse". Was das Ganze fast noch unverständlicher für mich macht, ist: wäre ich so drauf, dann würde ich nach erfolgreicher Furz-Detonation schnell das Weite suchen. Während Damen, die das im Netz tun, gerne noch bleiben und sich rechtfertigen und nicht verstehen, warum jetzt plötzlich alle so wütend werden, und dann im Gegenzug böse werden auf die, die da gerade böse werden. Harrrrrrrgh.... wieso muss so was ab und zu passieren? Manchmal fast täglich? Ich weiß es nicht. Aber wenn das einzige Mittel dagegen ist, die Kommentarfunktion abzustellen, dann gibt es leider kein Mittel, denn dieses Mittel kommt nicht in Frage. Zum Glück kommen auf einen Stinker ja immer noch 100 gut riechende Damen. Ansonsten appelliere ich an alle hier: argumentieren, schimpfen und wegjagen hilft nicht. Die sind einfach so, es wird nur schlimmer, und je stärker der Gegenwind weht, desto mehr sehen sie sich als gekränkte Unschuld, und dann schreiben sie alles noch mal, als hätten wir es beim ersten Mal nicht schon verstanden, und das hört alles nie auf. Ich bin sehr gerührt über die vielen vielen vielen, die mich hier verteidigen und beschützen! Ihr seid ein echter Trost. Ich fürchte nur, bei der Adressatin kommt das alles nicht oder nur sehr verzerrt an. Ich jedenfalls habe beschlossen, das zu ignorieren, ist besser für meinen Schwangerschaftsgeplagten Teint. Bis ich es dann das nächste mal nicht ignoriere...

Damit wieder Schluss mit Bloggerkram, ich habe eine echte Sensation zu vermelden: vielleicht zum ersten Mal in meinem Leben habe ich in zwei Tagen zwei Ratschläge beherzigt. Ratschlag 1 war der mit den sechs Mahlzeiten (Wasser auf meine Mühlen, leider) und heute wieder einen aus dem amerikanischen Schwangerschaftsbuch ohne Fotos: Gegen den ewigen Pustebauch, der auch für das vollgefressene Phantomgefühl sorgt, hilft warmes Leitungswasser mit frisch gepresster Zitrone. Tadaaaa! Funktioniert. Wer vorgestern miterlebt hat, wie der Schatten meines Riesenbauches die Sonne verdunkelt, wird kaum glauben können - genau so wenig wie ich - dass ich heute in einer normalen, nicht-Schwangerschafts-Jeans unterwegs bin. Der Bauch ist noch da, aber anders. Und er quält mich nicht mehr, obwohl es Pasta zu Mittag gab. Kommt das mit dem Wasser und der Zitrone nicht auch in diesem "Wieso Französinnen nicht dick werden"-Buch vor? Jedenfalls fühlt es sich noch nicht mal an wie irgend ein hausbackener Großmutter-Trick, sondern eher wie ein chicer Lifestyle-Insider-Geheimtipp. Wasser mit Zitrone. So spielt man's in der Großstadt!

Montag, 21. Januar 2013

Nochmal gelesen. Immer noch nicht.

Angesichts von mehreren schlaflosen Nächten und ansonsten unerklärlichen Peaks in meinem Blutdruck nach der Lektüre von mit Blutungen und Fehlgeburten drohenden Kommentare über die letzten Monate finde ich, ich war nachgerade handzahm. Lammfromm!

Kann man so sehen, muss man aber nicht.

Liebe Abkürzungsdamen, nun hab ich den Post noch bestimmt fünfmal durchgelesen, und so richtig schlimm kann ich ihn nicht finden. Der Kommentar, der dann am Ende der Auslöser war, hat nur das Fass zum überlaufen gebracht - hatte ich ja auch selbst geschrieben und die Schreiberin gebeten, nicht alles auf sich zu beziehen. Wir haben das alle in uns, dass wir sehen, wie andere etwas machen, und uns denken "könnte man nicht", "sollte man nicht lieber" etc., aber hier geht es nicht um die idiotensichere Käsekuchenmethode, eine Empfehlung für einen günstigen Autoschrauber oder einen Kinotipp fürs Wochenende, sondern um ein Thema, das für mich immer noch und vermutlich noch eine ganze Weile ziemlich angstbelastet ist. Und mir dann zu sagen, ich sollte nicht zum Yoga gehen, wenn ich Angst vor Blutungen hätte - oder auch z.B. vor ein paar Wochen mir als Legehenne, als ich vom Arzt kam und berichtet habe, die Hormone könnte ich jetzt absetzen, da würde dann aber Fehlgeburt drohen, ojemine, die sollte ich mal ruhig weiter schlucken - finde ich extrem grenzwertig. Ich habe auch nicht geschrieben, die sowas kommentieren, sind alle doof oder fiese Petzen oder dergleichen - ich habe nur geschrieben, dass ich sowas hier nicht lesen will, weil es mich vollkommen kirre macht. In meinem eigenen Blog würde ich das nicht als Zensur bezeichnen - Zensur wäre, wenn ich solche Kommentare lösche oder sogar umschreibe, bevor sie veröffentlicht werden. Ich sehe das vielmehr als mein Hausrecht. Und das "ok, sie schreibt einen Blog mit Kommentarfunktion, da muss sie sich nicht wundern"-Argument lasse ich nicht gelten, denn gerade daraus, dass das hier ein Blog zu einem extrem emotionalen und persönlichen Thema ist, folgt doch, dass ich jedes Recht der Welt habe, zu sagen, wenn mir etwas zu viel wird. Nichts wurde gelöscht. Niemand wurde beleidigt. Ich hab nur eine Ansage gemacht, wie ich das gerne hätte - auch in Hinblick darauf, dass die Tipps und Empfehlungen vermutlich nicht weniger werden, wenn die Geburt näher rückt (was sie hoffentlich tut).

Übrigens: ich war enorm erleichtert, nachdem ich den Post am Wochenende geschrieben habe. Ich bin nämlich - auch wenn das vielleicht die eine oder andere hier anders wahrnimmt - ansonsten eher schon mein ganzes Leben lang mit dem Fluch geschlagen, immer nur strahlende und zufriedene Gesichter um mich herum zu ertragen und es grundsätzlich allen Recht machen zu wollen. Bloß nicht rumzuzicken, zu meckern oder auch mal dagegen zu sein. Mich zu beschweren, fällt mir schwer. Daran wollte ich arbeiten, und ich arbeite dran. Nicht aus Spaß am Zickigsein, sondern weil mich diese Empfehlungen wirklich, wirklich umtreiben, um den Schlaf bringen, mir die Ruhe rauben und mich manchmal schon fast dazu bringen, die Quatschbude hier dicht zu machen. Mag euch übertrieben erscheinen - ist aber nun mal so. Hier sitzt eine, die immer noch bei jedem Klogang mit einer Fehlgeburt rechnet und viel Energie dafür einsetzt, einigermaßen entspannt zu bleiben. Die kann sowas echt nicht brauchen. Es war höchste Zeit, mal was zu sagen, und ich schreibe das nicht zum ersten Mal. Die freundlichen, ins Witzige gedrehten Aufforderungen in der Vergangenheit, die bloß niemandem auf die Füße treten wollten, haben nur leider gar nichts genützt, wie man sieht. Hier war ein lautes und deutliches "Schluss jetzt damit, aber sofort" gefragt. Wenn damit einher geht, dass jetzt ach mal die eine oder andere mucksch reagiert, dann - kann ich das eben nicht ändern. Wisst ihr was? Schreibt doch einfach selbst einen Blog, und dann macht ihr das eben anders.

Samstag, 19. Januar 2013

Also schön. Wie sage ich das?

Ohne jemanden zu kränken, ohne jemandem zu nahe zu treten, ohne... ach was. Ich sag es einfach. Mein Blog, meine Regeln.

Ich hab das schon mal geschrieben, ich glaube sogar, mehr als einmal. Aber dieser Blog ist nicht als Suche nach Rat und Hilfe von fremden Menschen aus dem Internet gedacht. Wenn ich eine Frage habe, wie ich mich in der Schwangerschaft zu verhalten habe, dann frage ich meine Gynäkologin oder meine Internistin oder gucke in ein schlaues (mit Betonung auf schlau) Buch. Nicht in ein Forum, und nicht in die Tiefen meines Blogs. Mag sein, dass ich mal wissen möchte, wie eure Meinung und eure Erfahrungen mit irgendwas sind. Dann frage ich. Ich möchte nicht - niemals - egal, wie gut ihr es meint - dass ihr mir schreibt, "also ich an deiner Stelle würde..." oder auch "Du solltest vielleicht..." und "Meinst du nicht, es wäre besser, wenn...", genau so wenig wie "Wieso macht das deine Ärztin so, wieso nicht anders, bist du sicher, dass das nicht dem Kind schadet?" So lange bin ich zwar noch nicht schwanger, aber ich habe inzwischen mitbekommen, dass es zu vielen Fragen - so verwirrend das auch sein mag - mehr als eine Expertenmeinung gibt. Und ich möchte mir weiterhin vorbehalten, das hier so zu machen, wie ich und meine Ärztin das für richtig halten. Ich weiß, dass mein Körper gerade viel leistet, und dass es kein Wunder ist, wenn ich müde bin. Ich weiß aber auch, dass die Müdigkeit nicht nur von den gewaltigen Vorgängen in meinem Unterleib her rührt, sondern auch hormonell bedingt ist - ganz zu schweigen davon, dass tiefster Winter ist, dann bin ich eben müde. Ich weiß auch, dass die Spaziergänge mit den Hunden an der (endlich wieder) kalten, klaren Luft mir gut tun. Ich gehe vorsichtig, nicht im Stechschritt, mit Spikes, wenn nötig, und ich mache Pausen. Ich habe nicht vor, heute erst einen Bauch-Beine-Po-Kurs und anschließend eine Runde Hanteltraining runterzureißen, sondern will mir dieses Wochenende noch einen gemütlichen Yoga-Kurs raussuchen und dort einen Teil der Übungen mitmachen, anschließend noch ein paar langsame Bahnen durchs Becken ziehen und dann vielleicht noch eine Runde in die 60-Grad-Sauna gehen, bevor ich in einen Bademantel gemuckelt einen Liter Quellwasser trinke und dazu die neuesten Schmutzblätter lese. Ist das jetzt ok? Wollen wir vielleicht abstimmen, ob ich das darf?

Tut mir übrigens leid, liebe unbekannte Dame, dass Du das jetzt abkriegst, Du hast es - da bin ich sicher - sehr, sehr gut gemeint und einen eigenen Schimpf-Post nicht verdient. Es ist auch nicht Dein eigener, er richtet sich an all die, die mir hier (und Legehenne auch schon) gerne mit Rat, Warnung, Empfehlung und Lebensweisheit zur Seite stehen. Im Gegensatz zu mir kennt ihr die Personen nicht, von denen hier die Rede ist - ich brauche z.B. keine Tipps aus dem Netz, wie mein Vater irgendwas meint, ich kenne ihn seit 39 Jahren und weiß, dass er sich zwanghaft um alles, einfach alles kümmert, ob es ihn nun angeht oder nicht. Ihr kennt auch nicht meine inzwischen knüppeldicke Akte und meine Laborwerte oder meinen Ultraschall, so dass ich mich im Zweifel lieber auf das Urteil meiner Ärztin verlasse als auf euers. Ich sage es nur noch mal: ich bin keine von denen, die ein Schwangeren-Forum fragt, ob das jetzt ok ist, wenn ich eine Salamipizza esse oder wenn ich (auf ausdrücklichen Rat von Gynäkologin und Internistin, das tut nämlich gut bei zu hohem Blutdruck) zum Sport gehe. Ich will dementsprechend auch nicht, dass das Forum zu mir kommt. Lasst es einfach, ok? Egal, wie es gemeint ist. Es macht mich nämlich wahnsinnig, und auch das ist schlecht für den Blutdruck. Ich will auch keine Rechtfertigungen hören, die kenne ich schon alle, es sind die allerbesten, da bin ich ganz sicher, ich mag das nur einfach nicht. Ok? Wieder Freunde?

Genug geschimpft (hoffe ich jedenfalls). In meinem Bauch ist einiges los. Seitdem ich aktiv darauf achte, habe ich öfter mal das Gefühl, da krabbelt was. Es ist ein seltsames Gefühl, und wenn heute Abend nicht die Bande vorbeikäme zum Dschungelcamp-Gucken, dann hätte ich als Voll-Nerd Lust, mir den ersten Alien-Film auszuleihen, um es zu feiern. Heute Nacht habe ich mich einmal im Halbschlaf umgedreht und das scheinbar irgendwie falsch gemacht, und ZACK hatte ich üble Schmerzen an einer Stelle, an der ich noch nie welche hatte. "Autsch, autsch, hoffentlich sind Wehen nicht ganz so ätzend", dachte ich im Halbschlaf, und dann war ich plötzlich hellwach und wusste: die sind ungefähr zehnmal so schlimm, wenn nicht hundertmal. Und das war er: der Moment, in dem ich zum allerersten Mal in meinem Leben Schiss vor einer Geburt hatte. Nach vier Jahren Kinderwunschbehandlung ist das ein großer Moment. Ich fühle mich nicht mehr den ganzen Tag gleichzeitig hungrig und vollgefressen, und in die Nahrungsaufnahme ist insgesamt eine schöne Routine gekommen. Was ich nicht darf, ist jetzt geklärt, das kann ich also vermeiden, ohne groß darüber nachzudenken. Und wenn ich nicht mehr darüber nachdenke, was ich alles nicht darf und mit Vorsicht behandeln muss, bleibt mehr Hirn- und Gierkapazität für das übrig, was ich darf - und das ist ehrlich gesagt ungefähr 500mal so viel wie das, was ich nicht darf. (Stellt euch mal für einen Moment vor, es wäre genau umgekehrt, und während einer Schwangerschaft müsste man von Test bis Geburt von Alkohol, rohen Eiern, rohem Fleisch, rohem Fisch, Rohmilchkäse, ungewaschenen, erdverkrusteten Gemüse, Austern, Schinken und Salami leben. Auch nicht schön. Fluppen hätte ich fast vergessen, also schön, Fluppen noch. Und Antibiotika, Schmerzmittel und Hustensaft.) Außerdem fange ich an, in den Swing zu kommen, was Ausruhen, Schonen und Kräfte Rationieren betrifft. Heute Abend z.B. habe ich die Hütte voll, und es gibt nicht etwa das dusselige Huhn, das ich sonst immer mache und das mit knusprigen Ofenkartoffeln zusammen die letzten zwei Stunden vor Eintreffen der Gäste bestimmt, sondern Lasagne. Die Bolognese dafür hab ich gestern vormittag angesetzt, ganz in Ruhe und mit irgendwann vor Weihnachten geschnibbeltem und eingefrorenen Suppengrün. Vorbereitet schmeckt sie eh besser. Dann war gestern noch die Bechamel zu rühren und Käse zu reiben, und seit gestern Abend stehen zwei feine Lasagnen im Wintergarten, mit Folie abgedeckt, und alles, was heute noch zu tun ist, ist ein Feuerchen machen, die Sofakissen aufschütteln und um halb acht die erste Form in den Ofen schieben. Den Einkauf hab ich auch auf drei Tage verteilt. Meine aktuelle Hunderoute führt entlang eines Flüsschens, wo wir kilometerweit laufen können, ohne dass die Hunde an die Leine müssen - perfekt, wenn es ein bisschen glatt ist. Wir fahren zwei Kilometer, ich stakse vorsichtigen Schrittes mit den beiden über die Straße, dann lasse ich sie frei, und dann haben wir die Wahl zwischen drei Rundwegen: 45, 90 und 120 Minuten. Viel bequemer geht es nicht. Ich zwinge mich nicht zu Hausarbeit, wenn ich kaputt bin, sondern nutze die seltenen Momente, wenn ich z.B. a) hellwach, b) fit und c) in der Stimmung für eine meiner Lieblings-DVDs bin, lege einen Film ein und bügele schwuppdiwupp den ganzen Korb leer. Ich protestiere nicht mehr, wenn mir jemand etwas abnehmen will - wenn meine Schwiegermutter spülen will, soll sie spülen, und ich fühle mich auch nicht verpflichtet, währenddessen in der Küche rumzuhantieren, um ja nicht faul zu wirken, sondern bleibe mit einer Zeitschrift auf dem Sofa liegen. Ich verlasse Mittwoch Abend die Agentur, will schon zu meiner Kollegin sagen "Und wenn was ist, rufst du an", stoppe mich aber direkt nach dem "Und..." und sage stattdessen "... ein schönes Wochenende, bis Montag!".

Mittwoch, 7. November 2012

Wisst ihr noch wie das war, wenn Ross und Rachel Krach hatten?

Ein paar von euch haben gefragt, ob meine frisch schwangere Freundin auch einen Blog hat. Hat sie tatsächlich, er heißt "Die Liebe in den Zeiten der Endometriose", und ihr findet ihn in meiner Blogroll. Sie freut sich sicher über eure Besuche! Und ich halte ab jetzt die Klappe, was sie betrifft, abgesehen von den ganz großen Nachrichten (die hoffentlich erst irgendwann nächsten Sommer kommen). Das hier fühlt sich nämlich langsam so an wie diese Standard-Comedy-Szene, in der zwei nicht mehr miteinander sprechen und einer in der Mitte steht und ständig mit "sag ihr, sie kann mich mal..."-artigen Sätzen beschossen wird. Das hier ist also ab sofort wieder ein Kinderwunsch- und Quatschblog, kein Schwangerschaftsblog. Wer einen Schwangerschaftsblog will, soll zu meiner Freundin Legehenne gucken. Aber bitte wiederkommen, ja?

Ja doch, ich freu mich auch, und wie! Zu und zu schön. Dohoch! Ehrlich! Glaubt ihr mir?



:)

Montag, 5. November 2012

Nachrichten aus dem Abkürzungsland: Leben in der Testphase

Meine Kryo-Zyklus-Abkürzungsfreundin lässt ausrichten: vielen Dank, schon wieder, für die vielen vielen gedrückten Daumen. Stand der Dinge ist: wenn man von einem 28tägigen Zyklus ausgeht, hätte sie letzte Woche Dienstag in einer Blutlache aufwachen müssen. Bisher herrscht Ruhe in der Wäschetruhe, was das betrifft, bis auf ein paar Utrogest-Ferkeleien natürlich, Dankeschön. Und heute war endlich der Test. Leider konnte sie erst gegen eins Blut dalassen, weil der ganze Morgen und Vormittag für irgendwelchen hochwichtigen Kundenkram draufging. Jetzt muss die arme Seele bis morgen auf das Ergebnis warten. Was sie aber eigentlich ganz lässig tut. Der Grund dafür ist, dass sie am Freitag einen Drogerietest gemacht hat, der war negativ. Nun kann man nicht einerseits davon ausgehen, Dienstags seine Tage zu bekommen, und jeden Tag Verspätung als Zeichen feiern, und andererseits sagen, na gut, unter Hormonen ist eh alles verschoben, da wäre es ja auch viel verlangt, wenn Freitag schon der Test positiv ist, nachdem man Montag erst Blut dalässt. Sie geht also vorsichtig, wie wir Damen mit den Zyklen nun mal werden, lieber davon aus, dass der Test negativ ausfällt, und tröstet sich damit, dass sie sich das sowieso und immer schon gedacht hatte, dass sie ab Dienstag runter ist von den Hormonen und mal wieder schlafen kann und außerdem auch endlich wieder durch den Herbstwald rennen, um die diesmal für Kryo erstaunlich dicke Hormonkugel wieder loszuwerden.
Heute morgen war ihr übrigens schlecht.


Von mir gibt es nicht so spektakuläre Neuigkeiten. Aber was die Roboterfangfunktion für Kommentatoren betrifft, habe ich die mal ausgeschaltet. Könnte also sein, dass demnächst hier extrem seltsame Penisverlängerungs- und Investitions-Kommentare auftauchen. Und hoffentlich, dass Kommentare abzugeben jetzt wieder leichter wird. Ich betrachte das mal als Testphase, lasst ihr mich wissen, wie es läuft? Ich verspreche, ich tue das Gleiche.

Mittwoch, 19. September 2012

Hätte, hätte, Herrentoilette

Als vor etwas mehr als zwei Jahren das Buch kurz vor veröffentlicht war, war klar, dass jetzt oder nie der Zeitpunkt ist, es meiner Familie zu erzählen: das mit dem Blog und dem Buch. Besonders unbekümmert habe ich das nicht getan, aber nachdem der Verlag sich dann auch noch die Nummer mit meinem auf Amazon und überall sonst einfach verratenen Echtnamen geleistet hatte, war klar, es muss sein, denn rauskriegen werden sie es so oder so, und dann wird's doof. Man kann nicht dem Internet jede Gefühlsregung verraten und der eigenen Familie keinen Piep davon sagen. (auch wenn ein kleiner Teil von mir immer noch manchmal denkt: kann man nicht? Kann man doch.) Jetzt ist es eben so, und das Ergebnis ist weniger dramatisch als gedacht: eigentlich hatte ich die innere Zensur irgendwann aus purer Zerstreutheit vergessen, so viel Zensur war auch nicht nötig, das hier ist schließlich kein ich-hatte-eine-schreckliche-Kindheit-Blog, sondern ein Kinderwunschblog, und nachdem meine Eltern über die Behandlungen usw. von Anfang an immer im Bilde waren (ob auch das ein Fehler war? Ich werde es wohl nie wirklich wissen...), ist das hier immer noch nicht der Ort, wo ihre Tochter endlich ihre Maske fallen lässt. Ich bekam eine reizende Mail von meiner Lieblingstante, meine Mutter erzählt mir manchmal am Telefon, wer das hier alles liest (ihre Reinmachfrau z.B.), und dann werde ich kurz rot, aber all das war und ist in Ordnung.
Dann kam die Adoptionsbewerbung, und nachdem ich davon ausgegangen bin, dass die zumindest unsere Namen mal googeln würden (und hier kommt wieder diese dämliche, unentschuldbare und bis heute eigentlich nur mit einem fröhlichen "Tüdelü, na sowas, kann ja mal passieren" kommentierte Schlamperei des Verlags ins Spiel... Grrrrr. Grrrrrrrrrrrrrrrrrrr.), dachte ich auch da, ich muss das sagen. Ein bisschen habe ich vielleicht auch gehofft, dass ein ganzer Blog und ein Buch vielleicht zu meinen Gunsten angerechnet werden, wo doch nachweislich komplett verarbeitete Kinderlosigkeit vorgeschrieben ist. Also weiß heute die Dame vom Amt Bescheid. Bei irgend einem der Treffen kam das mal zur Sprache, und zu meiner Verblüffung (und etwas gekränkten Eitelkeit) klang die Dame damals so, als hätte sie sich das hier noch nie angeguckt und hätte das auch in Zukunft nicht vor. Und jetzt?

Jetzt ist es zwar genauso wenig wie damals, als plötzlich die Familie im Publikum saß so, dass ich hier die Bloggerin mit der Maske bin. Aber trotzdem gibt es eine Riesenfülle von Themen, zu denen ich mich nicht mehr traue, etwas zu schreiben. Und das sind Themen, die eigentlich wichtig sind. Und es juckt mich in den Fingern, darüber zu posten, und stattdessen schreibe ich hier über mein Laufprogramm (das mir auch wichtig ist, sehr sogar), jobliche Verstrickungen, meinen Speiseplan und irgendwelche auf keinen Fall kinderwunschbezogenen Hirnfürze. Wie wäre es mal mit einem schönen Post über das Wetter? Nein, wir halten nicht heimlich Kampfhunde, wir sind auch nicht drogensüchtig, eigentlich schon mitten im Trennungsjahr vor der Scheidung oder halten drei vor der Bäckerei geraubte Säuglinge in einem schalldichten Keller gefangen, nichts von allem, was wirklich für eine Adoptionsentscheidung wichtig wäre, wird hier verschwiegen oder umgeschwindelt. Trotzdem ist mein Blog irgendwie nicht mehr mein Blog, denn der große Bruder guckt zu. Das heißt, er guckt ja scheinbar noch nicht mal, das ist das hirnrissigste daran! Und nun denke ich, Familie ja, Adoptionsbehörde vielleicht doch besser nicht. Ich glaube inzwischen nicht mehr, nachdem das in den vielen Gesprächen so wenig Thema war, dass wir diesen Pluspunkt überhaupt gebraucht hätten, und dass die Behörde es überhaupt als Pluspunkt wertet, ist auch überhaupt nicht klar. Hätte ich das doch bloß gelassen. Alle waren sich so sicher, dass das gut ist. Ich auch, vielleicht ein bisschen weniger als alle, sonst hätte ich ja nicht alle gefragt, ob ich den Eiertanz ausplaudern soll oder nicht. Inzwischen denke ich, wer weiß?
Am Ende hätten sie noch nicht mal gegoogelt.

Samstag, 2. Juni 2012

Servicewüste Eiertanz

Liebe Abkürzungsdamen und vor allem liebe eifrige Kommentatorinnen,

heute muss ich mal kurz was erklären und mich vielleicht auch entschuldigen. Viele schreiben mir hier einfach nur wunderbare Dinge, Nettigkeiten, Lob und Anteilnahme, und ich freu mir einen dritten Eierstock, wenn ich das lese. Andere wollen etwas wissen und warten dann teilweise Monate auf eine Antwort. Auf die komme ich gleich noch mal zurück. Und dann gibt es wieder welche - sehr, sehr wenige, und die meinen das auch bestimmt nicht böse - die schaffen es irgendwie, mir einen Kommentar genau im falschen Moment zu unterbreiten. Also mir in einem Moment zu schreiben (was sie natürlich nicht ahnen können), in dem ich gerade fürchterlich dünnhäutig, innerlich unsortiert und überhaupt nicht darauf vorbereitet bin. Eigentlich ist dieser Blog für mich eine große Stütze und hat seinen Zweck, mir dabei zu helfen, den Kopf während der Kinderwunschzeit über Wasser zu behalten, voll erfüllt. Tut er immer noch jeden Tag. Aber es gab auch Momente, da lief er mir furchtbar quer. Zum Beispiel damals, beim ersten und bisher auch zum Glück einzigen Kommentar, den ich jemals gelöscht habe: als mir eine schrieb, dass es mir verhältnismäßig gut ginge, würde eben bedeuten, dass ich mir ein Kind in Wahrheit gar nicht wirklich wünschen würde. Damals saß ich gerade im Enttäuschungs-Erholungs-Urlaub mit L. in New York und wollte nicht zwei ganze Tage abwechselnd vor Wut, Entrüstung und Rechtfertigungsdrang schäumen. Drei mal habe ich angesetzt zu einem Antwortkommentar mit dem wackligen Hotel-WLAN, dann habe ich gedacht "Meine Urlaubszeit kriegst du nicht, du Empathie-Günther" und den Kommentar einfach simsalabim gelöscht. So blöde wurde es nie wieder (bis auf den Troll damals, aber über Trolle kann ich zum Glück lachen), aber manchmal hatte ich nach dem Lesen eines Kommentars noch das Gefühl, ich wäre beim Schwimmen im lauen Mittelmeer plötzlich an eine Feuerqualle geraten. So genau konnte man das gar nicht immer begründen, war aber so. Nun gibt es zwar Haifischwarnungen, aber so viel ich weiß keine Quallenwarnungen, wobei mir Haie im Zweifel fast noch lieber sind als Quallen, und überhaupt, wusstet ihr eigentlich, dass jährlich viel mehr Haie durch Menschen... jajaja, rollt nur mit den Augen! (Für Quallen gilt vermutlich das Gleiche.)... aber, wo war ich: die Quallen haben doch dem Urlaubsgefühl im lauen Wasser ziemlichen Abbruch getan. Ich wollte nicht mehr um kurz vor Mitternacht, eingemuckelt mit L. auf dem Sofa vorm Feuer und mit einem Glas Wein in der Hand, plötzlich von einer Feuerqualle erwischt werden. Oder mit meinen Mädchen irgendwo bei griechischen Schweinereien und Getratsche. Oder mitten in einer Präsentationsvorbereitung, im Zahnarztwartezimmer vor der Wurzelbehandlung oder im ICE "Gude Laune" nach Frankfurt.

Darum habe ich irgendwann letzten Winter an einem langen, dunklen, stürmischen Abend beschlossen, dass eine Änderung einzutreten hat: so wichtig der Blog mir immer noch ist, er sollte nicht mehr Tag und Nacht unkontrolliert in meine Badebucht eindringen können. Darum habe ich an diesem Abend die Kommentarfunktion so umgestellt, dass ich die Kommentare nicht mehr per Mail auf eine meiner zwei Alltags-Adressen bekomme (die beide sowohl auf das fest installierte Mailprogramm meines Rechners als auch in mein iphone münden), sondern sie werden an eine neue Adresse eigens zu diesem Zweck geschickt. Alle paar Wochen versuche ich, da reinzugucken, außerdem natürlich, wenn ich gerade schreibe - dann lese ich gerne auch mal die Kommentare der letzten fünf Posts durch. Aber die Kommentare sind jetzt längst nicht mehr so präsent, oder besser, jetzt entscheide ich, wann ein guter Moment ist, um sie zu lesen und wann ich eine eventuelle Qualle, die sich zwischen all die tollen, freundlichen, lustigen, klugen und Mut machenden Kommentare gemischt hat, mit einem Lächeln wegstecken kann.

Und so kommt das, dass ich in letzter Zeit leider immer öfter Antworten schuldig bleibe auf Fragen, die doch eigentlich innerhalb von 24 Stunden zu beantworten sein sollten. Bitte seid nicht böse. Ich gebe mir Mühe. Ich verspreche es. Und ich wollte mich wieder mal bedanken: liebe Nicht-Quallen, kann sein, dass der Blog eine große Stütze für mich ist. Aber ihr seid es bestimmt noch mehr.

Und um die guten Vorsätze gleich umzusetzen: Das Buch heißt Adoption und ist von Herbert Riedle, Barbara Gillig-Riedle und Brigitte Riedle. Leider für ein Taschenbuch mit fast 30 Euro ganz schön teuer, aber ich hab das Gefühl, das ist es wert.

Donnerstag, 3. Mai 2012

Reisetipp

Liebe Abkürzungsdamen. Zwar ist in diesem IVF-Blog offensichtlich IVF-mäßig gar nichts los und geboten. Aber gerade habe ich einen netten neuen IVF-Blog entdeckt, guckt doch mal hier:

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Einer meiner ekligeren Ex-Chefs würde sagen: einfach mal den Finger in den Po gesteckt und die Temperatur gefühlt.

Wenn ich laufen gehe, ist alles gut. Es ist nicht nur so, dass ich mich hinterher den ganzen Tag lang unerträglich gut fühle, sondern ich bin auch eine der Ausnahmen, die wirklich GERNE laufen. Ich genieße diese 40 schweißgebadeten Minuten, höre meine Lieblingsmusik auf dem iphone, und zwischendurch erzählt mir die Frauenstimme von nikeplus, wie weit und wie schnell ich schon gelaufen bin. Wenn ich laufe, schlafe ich besser, bin konzentrierter, fühle mich vom Kopf bis zu den Zehen zuhause in meinem unfruchtbaren Körper, und fast das allerbeste daran ist: ich kann essen, was ich will, ohne mir Gedanken um meinen Körperumfang zu machen.
Man sollte meinen, es wäre selbstverständlich, dass ich jeden zweiten Tag laufe und es kaum abwarten kann. Trotzdem vergehen immer wieder Wochen, wenn nicht Monate, in denen ich nicht laufe.

Ich weiß, dass ich Weizen manchmal nicht gut vertrage. Ich bekomme oft innerhalb von Sekunden einen Sechs-Monats-Bauch, muss die halbe Nacht pupsen, dass mir die Augen tränen, und manchmal bekomme ich davon auch noch Pickel. Hat mich das jemals vom Kauf eines Mettbrötchens oder dem Verzehr einer Riesenrutsche Pasta abgehalten? Die Antwort lautet seltsamerweise: Nö.

Rauchen ist ungesund, widerlich, führt zu Krebs, macht hässliche Haut, und mit der Fruchtbarkeit macht es Sachen, vor denen meine Endometriose nur errötend den Hut ziehen kann. Trotzdem gibt es Abende - nicht jeden Tag, nicht jede Woche, sogar manchmal nicht mal jeden Monat - an denen ich das tun muss. Dann muss ich auf dem Weg zur Verabredung noch mal kurz links abbiegen und mir eine Schachtel American Spirits kaufen (in Orange, das sind dann Ökofluppen ohne irgendwelche Zusatzstoffe, und die in der leichtesten Sorte, echte Raucher und sogar Rote Gauloises-rauchende Romanistik-Studentinnen würden mich nicht mal angucken) und den Großteil dieser Schachtel vor der Tür der selbstverständlich Rauchverbots-Bar in den Vollmond pusten.

Ich schreibe einen Blog mit offener Kommentarfunktion, was bedeutet, dass hier jeder alles schreiben kann, was er will, und das, obwohl ich extrem dünnhäutig bin und ein negativer Kommentar mir gerne eine schlaflose Nacht beschert. In diesem Blog versuche ich, eine Art Online-Tagebuch zu führen. Das heißt, ich wache auf, bin in einer bestimmten Stimmung, gehe durch den Tag, und wenn sich irgendwo eine freie halbe Stunde findet, die ich nicht für ein gründliches Fußpeeling oder das kleine Großreinemachen nutzen will, dann schreibe ich einen Post über das, was mir gerade so durch das Hirn und durch den Bauch schießt. Das Ergebnis ist oft das Gegenteil von vielem, was ich am Vortag geschrieben habe. Ich wünsche mir von Herzen ein Kind, was sage ich, drei, und ich muss einiges auf mich nehmen, um vielleicht, mit viel Glück, meinem Ziel irgendwann näher zu kommen als mit einer Dreimonatsfehlgeburt. Ich schreibe hier viel Quatsch, aber wenn ich immer warten würde, bis ich einen rundum fundierten Beitrag parat hätte, dann würde ich vielleicht einmal im Monat posten. Ich weiß nicht, was euch hierher treibt, ich jedenfalls kann nicht anders. Und obwohl wirklich nichts Schlimmes passiert ist - ich glaube, ich bin eine von den verwöhntesten Bloggerinnen der Welt, bis auf den einen Troll hat mich niemand jemals hier öffentlich beschimpft oder ist mir sonstwie zu Nahe gekommen - geht mir sogar so ein Post wie der neulich von einer, die schrieb, sie wüsste auch nicht, was ich eigentlich sagen will und ob ich denn überhaupt ernsthaft Kinder wollte, an die Nieren. Vielleicht sollte ich das hier einfach lassen. Kann ich aber nicht und will ich auch nicht.

Ihr Lieben, damit will ich nicht sagen, ich möchte ab sofort nur noch Lob hören und Kritik ist verboten. Ich wollte nur - wie mit jedem Post - durchgeben, wie es mir gerade geht mit meinem lästigen Kinderwunsch und dem Terz drumherum. Das hier ist nicht die Duma, macht einfach so weiter. Ich mag euch gern.

Und nein, ich bin nicht betrunken. Es ist 18:34, Herrgott.