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Sonntag, 12. März 2017

Eine sehr unsortierte Auswahl einiger Dinge, die ich gerade nicht verstehe.

1. Mein erster Freund K. wohnte noch zu Hause, als wir zusammen waren (wie man das mit 17 so macht). Seine Mutter kochte ganz anders als meine. Kam z.B. die Verwandtschaft zu Besuch, dann kochte sie nicht, wie man sich das so vorstellen würde von einem ländlichen Haushalt, einen großen Braten mit ein paar Beilagen und hinterher Torte, sondern sie machte Schnitzel, Bratwürste, eine Sauce mit Fleischklößchen, Braten, einen Fleischkäse vom Metzger, Frikadellen und vielleicht auch noch Koteletts. Dazu gab es dann Reis, Nudeln, Spätzle, selbstgemachte Semmelknödel und noch ganz, ganz viel anderes. Die Verwandten fanden's supi. Bei uns zuhause gab es Mailänder Käserouladen, Wirsingauflauf, Fisch mit Senfsauce und vielen Kräutern und Badische Porreesuppe. Das war auch alles sehr lecker, aber eben anders lecker. In Mutter K.s Küche spielten Brühwürfel und Fondor eine wichtige Rolle, und in vielen Fällen war das überhaupt kein Fehler. Ihr Prunkgericht war eine Kartoffelsuppe, zu der es Apfelpfannekuchen gab. Ich habe bestimmt vier mal zugeguckt, wie sie die Suppe macht, und es mir zwölf mal mehr erklären lassen. Trotzdem kriege ich sie heute nicht hin. In die Suppe kommen Kartoffeln, Suppengrün, Petersilie, Brühwürfel, Zwiebeln und Dosenpilze, so viel ist klar. Vielleicht noch Majoran? Keine Ahnung. Bei den Apfelpfannekuchen bin ich am Ziel, die schmecken genau wie ihre. Aber diese Kartoffelsuppe entzieht sich mir jetzt seit zwanzig Jahren, so lange nämlich, wie ich schon nicht mehr mit K. zusammen bin und nicht mehr an Mutter K.s Tisch gesessen habe. So schwer kann's doch nicht sein! Kann es doch. Warum, verstehe ich nicht. Heute starte ich jedenfalls den nächsten, ca. zweiunddreißigsten Versuch.

2. Viele regen sich auf über das fiese Frauenbild aus Modelshows und Modestrecken. So dünn ist im wirklichen Leben keine Frau, da werden Zwänge und schrecklich komplizierte Krankheiten erzeugt, eine ganze Generation von Mädchen ist unzufrieden mit ihren im Grunde völlig okayen Körpern usw. Ich konnte mich darüber nie so richtig aufregen, muss ich zugeben, vielleicht bin ich erstens zu wenig anfällig für Essstörungen und zusätzlich auch noch so haarsträubend egozentrisch, dass ich mir das noch nicht mal vorstellen kann, was das mit anderen machen kann. Aber worüber ich mich in letzter Zeit sehr oft schrecklich aufrege, ist das Frauenbild in Bilderbüchern. Und wie! Ihr solltet mich sehen. Kein Wunder, dass meine Frauenärztin sich Sorgen um meinen Blutdruck macht und ich inzwischen bei sechs Methyldopa täglich bin. Bobo Siebenschläfers Mutter z.B.: Bobo schmeißt seinen Kakao vom Hochstuhl, und ehe du piep sagen kannst, ist Mutter Siebenschläfer lächelnd auf den Knien und wischt das weg. Zum Geburtstag bekommt sie eine Torte, die Bobo durch Rumhüpfen geplättet hat (wieso, wieso darf die kleine Wurst die Torte tragen? Wieso?) und freut sich natürlich so recht von Herzen. Bobo schließt sie ein und weigert sich, wieder aufzuschließen, und nachdem das Problem mit Lächeln nicht zu lösen ist, klettert sie eben aus dem Fenster, lächelnd natürlich. Dann die Kinder in der Wanne. Kinder in der Badewanne in Bilderbüchern können gar nicht anders, die setzen immer das ganze Bad unter Wasser. Man bekommt das Gefühl, das muss so sein, wenn hinterher noch Wasser in der Wanne ist, dann hat man was falsch gemacht. Die Mütter wischen und lächeln. Diese Bücher sind nicht von 1957, sondern von jetzt. Ich wünsche mir genau so wenig die Lindenstraße in Kinderbuchform, aber ein bisschen mehr Realität? Kann sein, dass die Teen Vogue oft von noch nicht komplett ausgeformten Charakteren gelesen wird, die sich viel zu leicht beeinflussen lassen, aber was ist mit Bilderbüchern? Wieso regt sich da niemand auf? Ich rede nicht nur von den Kindern, sondern auch von den Millionen von Müttern, die überall auf den Sofas sitzen, das Bilderbuch in den Händen und den Kopf voller Schuldgefühle und Unsicherheit, und dann erklärt das Bilderbuch, wie's gemacht werden soll: lächeln. Wischen. Niemals schimpfen. Niemals die Nase voll haben oder wütend werden. (Es gibt eine ganz tolle Ausnahme, nämlich Willi Wiberg. Willi lebt bei seinem allein erziehenden Vater, was aber bisher kein Thema war, und es kommt tatsächlich vor, dass Papa müde ist oder lieber die Zeitung lesen will, als mit Willi zu spielen. Er wird allen Ernstes auch mal sauer, z.B. als seine Lieblingspfeife weg ist. Trotzdem ist das ein toller Papa, der erzählt und erklärt und ganz viel versteht und richtig macht. Hurra für Papa Wiberg!) Es ist, als hätten die Bilderbuchautoren Angst, es sich mit ihrer Leserschaft zu verscheißen, wenn die Mütter und Väter auch nur das geringste Hindernis in einer kunterbunten Welt voller Phantasie und Überschwemmung und Schokoladenschlachten darstellen. Wieso? Keine Ahnung. Ich dachte in letzter Zeit bei der Lektüre von Büchern für Dreijährige öfter an "The Veldt" von Ray Bradbury, eine der gruseligsten Kurzgeschichten aller Zeiten. Z.B. hier kann man sie lesen.

3. Warum knarren immer die Dielen im Flur vor dem Kinderzimmer am lautesten? Würden wir das Kinderzimmer verlegen, würde das Knarren mit umziehen, da bin ich sicher.

4. Ich bekomme noch ein Kind. Was gibt es da nicht zu verstehen? Auch das verstehe ich nicht, sehe ich doch jedes Mal meinen gigantischen Bauch, wenn ich an mir runtergucke. Tritt mich das Kind doch jeden Tag nach Kräften. Stapeln sich hier doch inzwischen wieder die Pakete mit Sterilisiergerät, Babyaufsatz für den Kinderwagen, Babykindersitz und Pre-Milch. Hocke ich doch ständig auf dem Boden, gucke mit einem Auge Barnaby und sortiere mit dem anderen Babywäsche in passende Haufen und Körbe. Liege ich doch dauernd bei meiner Frauenärztin herum und habe diese ulkigen CTG-Geräusche im Ohr. Habe ich doch einen ET, der ständig näher rückt, und miese Übungswehen, um es zu beweisen. Die Kliniktasche steht im Flur, die Familie sitzt auf glühenden Kohlen, L. und ich führen hitzige Diskussionen über Vornamen und all das. Trotzdem will es nicht so richtig ankommen in meinem Fusselhirn. Vielleicht, weil es mir immer noch Angst macht, was die ersten Discowochen mit dem Würmchen gemacht haben könnten. Vielleicht, weil ich das immer für ein Gerücht gehalten habe, diese Talkshow-artigen Schwangerschaften von Frauen nach IVF und in fortgeschrittenem Alter. Vielleicht, weil ich mir überhaupt noch nicht vorstellen kann, wie das alles werden soll.
Aber keine Angst: erstens baue ich auf die aufrüttelnde Wirkung einer weiteren Geburt. Und zweitens auf Babygeruch und Huscheln an meiner Schulter und Stillen und all das. Das Sein bestimmt das Bewusstsein: da hab ich immer schon dran geglaubt. Und genau so, wie mein innerer Realitätsverlust mich nicht von der äußeren Anschaffung des notwendigen Babykrempels abgehalten hat, wird er mich davon abhalten, auch dieses Würmchen fest im Arm zu halten und mich um es zu kümmern, wenn es da ist. (Oder? Wird er doch nicht?)

5. Kleine Jungs und Dinosaurier.

6. Wo kaufen eigentlich die Kandidatinnen aus dem "Bachelor" ihre Kleider? So ein Geschäft hab ich glaube ich noch nie gesehen.

7. Bei all dem Bluthochdruck, der damit einhergehenden Beklemmung, dem Geächze und Gefauche bei jedem Bücken und Aufstehen und all dem ist mein Fusselkörper in manchen Dingen überraschend freundlich zu mir. Z.B. ist in dem Moment, in dem Rasieren wirklich schwierig werden würde, von Epilieren wollen wir gar nicht reden, kein Härchen mehr an meinen Beinen gewachsen. Das ist doch nett! Verstehen kann ich es trotzdem nicht, ich hab von diesem Phänomen noch nie gehört und kann mich auch nicht erinnern, ob das die letzten beiden Male auch schon so war.



Samstag, 18. Oktober 2014

Schöner Mist.

Vor zehn Minuten ist das Kind eingeschlafen, gerade habe ich ihn in sein Bettchen umgebettet (was er sich heute nach einem langen, tobigen Tag ohne Mittagsschlaf gefallen lässt wie ein Gemüse), und jetzt liege ich hier und kann mich ein bisschen in meinem Viren-Elend suhlen. Ach ach ach. Ach ach ach ach ach. Als ich Montag Morgen aufgewacht bin und immer noch keine Stimme hatte, dachte ich noch "Jetzt lege ich mich mal fein ins Bett, nutze aus, dass ich heute so gut wie gar nicht nach dem Kleinen gucken muss, päppele mich mit allem, was die Schwangerschafts-Apotheke hergibt, trinke literweise die scheußlichsten Tees und glotze Videos, und dann wird das schon wieder. Mittwoch zum Mädchenabend bin ich fit, spätestens Samstag aber, wenn die Berliner Damen zu Besuch kommen, auf jeden Fall." Das gleiche dachte ich Dienstag auch. Mittwoch wieder, wenn auch schon mit Fragezeichen dazwischen. Heute ist Samstag. Seit gestern habe ich nicht nur keine Stimme und einen Husten, der sich in jedem Kriegsfilm-Lazarett gut machen würde, sondern auch noch Halsweh. Die Berliner Damen sind da, sie sitzen jetzt in diesem Moment alle in einer muckeligen Küche in Eimsbüttel, nur zwanzig Minuten Autofahrt entfernt. Sogar einen Parkplatz würde ich kriegen, da kriege ich immer einen Parkplatz! Schön, über den freut sich nun jemand anderes, denn mit mir ist heute nicht zu rechnen. Morgen auch nicht. Im Moment denke ich noch: nächste Woche aber sicher! Aber wer weiß das schon?
Also gut. Denken wir an das Positive. Seit Sonntag ist Huckleberry dem täglich ausgesetzt und hat sich bisher nicht angesteckt. Im Gegenteil, er war selten so munter, aufgekratzt und gesprächig wie jetzt. "Brararararara. Lalalalarararara. Rololololororororo. Diss." So geht das den ganzen Tag. Dazwischen klettert er Bücherregale und Treppen hoch und runter, startet alle Elektrogeräte, die er erreichen kann, spielt mit dem Hund und verteilt seine Duplosteine in alle Winkel. Beim Einkaufen flirtet er jede ältere Dame in Grund und Boden, ich muss aufpassen, dass ihm nicht jede Einzelne davon einen Keks oder ein Würstchen in die Hand drückt, sonst endet es übel mit ihm.

Aber ein bisschen traurig bin ich auch. Nein, im Blog wollen wir ja ehrlich sein, sehr traurig an der Grenze zur 24-Stunden-Depression. Denn trotz all dieser Mutterfreuden halten die Bedürfnisse von vor dem Würmchenwunder nicht automatisch die Klappe. Ich finde, einmal pro Woche müsste es möglich sein, meine Freundinnen zu sehen, wenigstens die kleine Runde. Und wenn nicht, dann doch alle zwei Wochen. Und alle zwei oder drei Monate auch die große Runde. Ich freu mich auf diesen Abend (und auf das Frühstück morgen, das ich auch ausfallen lassen muss) schon seit Wochen. L. ist schon extrem genervt, denn in diesen Wochen habe ich keinen Tag verstreichen lassen, ohne ihn daran zu erinnern, damit er es auch bestimmt nicht vergisst: gell, am 18. geht Mutti aus. Den ganzen Abend. Sie wird vermutlich das Haus verlassen, bevor der Kleine schläft, das musst Du dann also machen. Und es kommt noch wilder: am nächsten Morgen gleich wieder! Dann verschwindet sie für bestimmt drei Stunden, um wie andere Leute auch mal ohne Kind in einem Café zu sitzen und Rühreier zu essen, die niemand vorher in seinen kleinen starken Fäusten zerquetscht hat. Und L. war einverstanden, L. hatte sich hundertprozentig auf seine Babysitterrolle eingestimmt, L. war mehr als klar, dass er heute und morgen keine Fußballverabredung, keinen Jungsabend und keinen Kurzurlaub planen sollte. Es wäre perfekt gewesen! Wenn nicht diese beschissenen Viren wären, für die ich mich glaube ich bei meiner Schwiegermutter bedanken kann, die neulich hustend hier auftauchte, weil sie so gerne den Kleinen sehen wollte. In den letzten Wochen lag es fast immer an mir, immer war irgendwas mit Gesundheitsbezug. Und so kommt es, dass ich Anfang August zum letzten Mal in dieser Eimsbütteler Küche gesessen habe. Seitdem waren die Damen in kleiner Runde noch einmal bei mir, und das war es. Demnächst habe ich nicht nur ein Kind, sondern zwei, und das Zweite werde ich die ersten Monate stillen. Dann wird es nicht unkomplizierter. Dankbarkeit hin oder her, ich vermisse das: Wach sein, wenn alle Kinder schlafen, ratschen, meinetwegen auch Wein trinken und rauchen, Unfug reden, noch irgendwo andershin gehen, überhaupt wo hingehen, mich aufbrezeln und heute mal ohne Leine unterwegs sein. Ach ach ach ach ach.

Bleibe ich also heute mal zuhause, oder? Ist doch auch mal schön.

Dienstag, 14. Oktober 2014

P**p

Die Kita kann nichts dafür. Die Kita konnte was für verschiedene Dünnschiss-Episoden, aber hierfür nicht. Das hier sind alles Spätfolgen der sehr schönen Familienhochzeit auf Sylt, auf der L, Würmchen, der Hund und ich Anfang September waren. Zwei schicksalhafte Tage, die zwei sehr nette Menschen bis an ihr Lebensende zusammengeschweißt haben, und uns und einen Haufen Viren scheinbar annähernd genau so lang. Das Kind der Braut war krank, und direkt nach der Hochzeit erwischte es erst die älteren Gäste. Meine Schwiegermutter lag vier Wochen lang flach. Würmchen hatte zehn Tage zu kämpfen, mit Bindehautentzündung, Erkältung und Magen-Darm. L. ist immer noch nicht wieder richtig bei Stimme. Ich hatte erst Magen Darm (das war so Mitte September und fiel schön mitten in den Endspurt am Arbeitsplatz, aber mach was), dann war ich erkältet, dann hatte ich tagelang solche Rückenschmerzen, dass ich schon anfing mit einer Frühgeburt zu liebäugeln, denn eine PDA erschien fast als einzige Möglichkeit, mal ein paar Stunden den Höllenqualen zu entwischen. (Falls sie diesmal wirkt. Tut sie doch, oder? Versprochen?) Nach den Rückenschmerzen war ein Tag Ruhe, himmlische, schmerzfreie Ruhe. Dann fing der Husten an. Und seit drei Tagen habe ich keine Stimme. Überhaupt keine. Gestern hat Würmchen mich (aus Liebe, klar) gebissen, und statt eines Schreies kam nur so eine Art betontes Ausatmen aus meinem Mund. Sollte das Baby kommen, bevor die Stimme wieder da ist, dann wird das eine Geburt, von der Tom Cruise begeistert wäre: kein Mucks aus dem Kreißsaal. Es ist alles nicht so schön. Nicht umsonst handeln so viele Albträume davon, dass man schreien oder sprechen will, aber es kommt kein Ton. So wie es jetzt ist, könnte ich mir noch nicht mal einen Krankenwagen rufen, wenn ich allein zuhause bin und es losgeht. Oder geht das per SMS? Und erinnert sich noch eine außer mir an diesen Technicolor-Spielfilm mit der traumarisierten Frau, die keine Stimme hatte, und am Ende war sie irgendwie dem Mörder in die Falle gegangen, und es brannte (oder so ähnlich), und sie musste per Telefon Hilfe holen, und konnte nicht, und am anderen Ende wollten sie schon auflegen, und dann hat sie irgendwann ganz schwach krächzen können "Hallo... hier... ist... Helen". Wie sie sich wohl geschlagen hätte mit "Hallo, hier ist Flora Albarelli, ich wohne in der Sowiesostraße irgendwas, ich kriege jetzt ein Kind, die Fruchtblase ist geplatzt, bitte schicken Sie mir einen Krankenwagen. Ach ja, und ich bin allein mit meinem Baby, das muss also mit ins Krankenhaus. Ich muss jetzt liegen, darum lasse ich die Haustür angelehnt. Supi, Danke, freu ich mich!" Nein, nein, nein. So kann das nicht bleiben.
Heute und morgen ist Würmchen noch ganztägig umsorgt: morgens Kita, nachmittags hilft das Kindermädchen. Und ich kampferhole mich. Ich liege im Bett, so warm eingemummelt, wie ich es mit den noch passenden Klamotten irgendwie hinkriege, juckender dicker Schal und alles, zugedeckt bis unter die Nase, ich trinke täglich drei Liter Salbei-Thymian-Tee, den ich hasse, und zwischendurch heiße Zitronen. Ich inhaliere und reibe mich mit Bronchoforton ein und lüfte und lese und schlafe, ich esse Hühnersuppe und lasse das mit dem Sprechen jetzt einfach, L. und ich schreiben uns SMSen und kleine Zettelchen. Die To-Do-Liste bis zur Geburt wird lang und länger, ich will mich um mein Kind kümmern und winzige Strampler in neue Körbchen legen, mit L. gebrauchte Geschwisterwagen besichtigen und mich mit Würmchens neuem Kindersitz auseinandersetzen, nicht hier liegen und schwitzen. Inzwischen bin ich bei Band III der Cazalet-Saga und werde für immer den Geruch von Kampfer und Menthol in der Nase haben, wenn ich diese Bücher aufschlage.

Dienstag, 7. Oktober 2014

Würmchen II und ich stehen jedenfalls auf der Gästeliste.

Seit gestern sind wir im AK Altona angemeldet. Wieso erst seit gestern? Mir kam das auch knapp vor, aber das war nun mal der Anmeldungstermin, den sie mir im Juli gegeben haben. Meine Gefühle dazu sind, wie eigentlich zu fast allem, gemischt. Als ich gestern zurück zum Auto gegangen bin, hatte ich einen Anfall von Heimweh nach dem UKE. Aber nun ist es eben so.

Altonas Vorteile:
Dort sitzen die Klumpfußspezis, auch wenn ich gestern informiert wurde, die eigentliche Behandlung würde erst beginnen, nachdem wir schon wieder zuhause wären. Woraufhin ich sofort dachte "Was mache ich dann hier?". Aber auch vor Beginn der Behandlung werden die Spezis hoffentlich den Fuß schon mal ansehen und einen Plan machen. Wehe, wenn nicht.
Ist man erst mal von der Autobahn runter, braucht man noch zwei Minuten bis ins Parkhaus.
Man hört über dieses Krankenhaus nur Gutes.

Altonas Nachteile:
Das UKE ist seit dem 20.Juli 2013 Träger der Flora-Vertrauensmedaille in Gold. Die muss Altona sich erst mal verdienen.
Ich weiß, damit stehe ich ziemlich alleine da, gerade wenn es um Schwangerschaft und Geburten geht, aber ich MAG große Krankenhäuser. Mit vielen verwirrend angeordneten Stationen, Hunderten von Ärzten und ganz viel Gewühl. Und das gestern wirkte doch ziemlich lütt.
Mein Frauenarzt gestern sah gut aus. Da kann ich ja so gar nicht drauf. Schon gar nicht, wenn wir uns demnächst wiedersehen und ich die mit dem krebsroten Kopf bin, die blutend, brüllend und stinkend und mit Sauerstoffmaske überm Gesicht in den Seilen hängt. Mein Typ Frauenarzt ist erstens eine Frau und zweitens von der energischen, zupackenden und raubeinigen Sorte. Genau die Sorte wie im UKE. Ach, UKE. Wieso hast du keine Klumpfußspezis? Wir könnten so glücklich zusammen werden, Du und ich.
Zwar ist es von der Autobahn aus nicht weit. Aber bis wir erst mal an der Ausfahrt sind, haben wir einen ziemlich weiten Weg über einen Autobahnabschnitt, der unter normalen Umständen wegen des Elbtunnels schon mies ist. Jetzt sind da überall Baustellen, man kann also im alleräußersten Notfall noch nicht mal hupend und mit Warnblinkanlage über den Standstreifen dran vorbeifahren. Außerdem ist das für alle weit, nicht nur für uns. Auch der Besuch hat es ungefähr fünfmal so weit wie vorher. Und meine Familie kennt sich da schon mal gleich gar nicht aus.
Altona ist ganz stolz auf sein Storchennest, die Familienzimmer, die eigentlich mehr sind wie ein Hotel. Bei Würmchen I dachte ich noch, das wär's. Jetzt will ich das gar nicht mehr, mich mit L. für drei Tage da einigeln. Erstens ist L. nicht der Typ dafür, zweitens ich auch nicht, drittens haben wir Würmchen I und einen Hund, wo sollen die denn bleiben? Dieser Altona-Vorteil ist mir also völlig egal. Nee Nee Nee, Altona, so nicht.
Im UKE hat die Geburtsanmeldung zwar gleich dreimal so lange gedauert wie das gestern, aber dafür wurde auch direkt ein Ultraschall gemacht, der Muttermund überprüft usw. Gestern - nichts. Ich werde mich bis Freitag gedulden müssen, um zu erfahren, ob das Kind tatsächlich noch quer liegt und ob sonst alles in Ordnung ist. Auch sonst hätte ich die Hälfte von allem, was ich gestern von der ersten Geburt zu berichten hatte, auch der Wand erzählen können. Irgendwie scheinen die zu denken "Red du nur, Patientendings, wir machen dann schon."

Und tadaaaa: Einmal gemischte Gefühle bitte für die Dame!

Außerdem habe ich zu erzählen, dass ich ein ganz tolles neues Buch entdeckt habe: The light years von Elizabeth Jane Howard. Das Beste daran ist, dass es das erste einer Reihe von Fünfen ist, die ich jetzt alle noch vor mir habe. Es geht um eine englische Familie, die sich jeden Sommer im Haus der Eltern trifft. Klingt langweilig und nach Rosamunde Pilcher, ist es aber nicht. Ich habe lange nicht mehr mitten in der Nacht drei Stunden am Stück auf der winzigen Kindle-App meines Telefons gelesen, ohne aufhören zu können, aber genau so war es die letzten drei Nächte.

Und von Würmchen I gibt es auch Neues: er macht Anstalten, mit dem Löffel zu essen, er sagt inzwischen "Äsch" für Fläschchen, "Üss" für Tschüs, Mama und Papa für Mama und Papa, "Mma" für Oma, "Ham" für haben, macht die Tiergeräusche von Hunden, Schlangen, Löwen, Hähnen, Elefanten und Pferden nach und hat neulich versucht, eine Lampe in Betrieb zu nehmen. Nachdem der Schalter nichts ausrichtete, hat er den Stecker genommen und wollte ihn in die Steckdose stecken. Er guckt sich gerne mit mir zusammen Kochbücher an und macht bei fast jedem Foto "Hmmmmm!" dann grinst er mich an und klatscht in die Hände. Er spielt gerne fangen, und wenn ich gaaaaanz laaaaangsam hinter ihm her krabbele und ihn verfolge, dann bricht die reine Hysterie aus. Er lässt sich gerne an einer ausgemusterten Hundeleine auf dem Bobbycar durch den Garten ziehen, liebt seine Bilderbücher (gestern hat er leider eins mit unter die Dusche geschmuggelt) und hat gerade eine Leidenschaft für auf-zu, an-aus, auf-ab und da-weg. Er wird tatsächlich groß, der Kleine. Nur nachts, wenn er neben mir liegt in seinem Schlafsack, mit seinen hellen Bäckchen und den Fäusten und den Locken im Genick, dann ist er ein Baby.

Mittwoch, 17. Juli 2013

Fünf.

Inzwischen bin ich ganz sicher, dass bis Freitag nichts passieren wird und dass wir dann einleiten werden. Wie lange es danach noch dauert, lasse ich mal auf mich zukommen, immerhin habe ich nicht einen, sondern zwei Geburtsbegleiter dabei, die sich 1a ablösen können: meine Freundin B. und L., die kriegen mich da zusammen schon durch. Und weil ich mir da so sicher bin, spricht für mich auch absolut nichts dagegen, mich heute am traditionellen Mädchentag noch mal in der Stadt zu verabreden. Der Klinikkoffer ist wie immer im Kofferraum, und welchen Ort auch immer wir uns suchen - er wird näher am Krankenhaus sein als unser Haus. Ich bin entspannt. Woher Würmchen diese Unpünktlichkeit hat, wüsste ich allerdings schon gern. Mir hat die spätestens mein erster Hamburger Job ausgetrieben, der war nämlich in einer Agentur mit Prinzipien, und zu diesen Prinzipien zählte, dass alles gefälligst pünktlich zu passieren hat. Ich fand das gut. Wer zu spät ins Meeting kam, stand vor verschlossener Tür und konnte zurück in sein Büro schleichen. Theoretisch zumindest. Praktisch hätte ich mir manchmal gewünscht, es wäre wirklich so gewesen, denn während immer mehr Poser und Macker und Idioten das Ruder an sich gerissen haben, war es auch plötzlich ok, fünfzehn Minuten zu spät zu kommen, einen deutlich sichtbaren Starbucks-Becher in der Hand. Auf dem Papier galt aber immer noch: wer zu spät kommt, zeigt damit nur, dass er die eigene Zeit als wichtiger einschätzt als die anderer Leute. Dass er lieber noch schnell seine Emails liest, den end-witzigen Youtube-Film zu Ende guckt, sich noch einen Kaffee holt oder auf dem Weg zur Ubahn noch ein leckeres Teilchen trotz Schlange beim Bäcker kaufen muss, während die anderen, die sich das alles verkniffen haben oder eben einfach zehn Minuten früher aufgestanden sind, nutzlos und blöde irgendwo sitzen und warten, ist doch piepegal! (Nein, ich gehe nicht davon aus, dass Würmchen bei Starbucks ist. Das habt ihr falsch verstanden. Aber obwohl die Meetingtür immer noch sperrangelweit offen steht, darf ich mich doch fragen, wo verdammt noch mal er bleibt.)

Inzwischen erreichen mich von Zuhause Neuigkeiten, die ... ich weiß auch nicht. Mein erster Freund K. war ein Junge aus dem Nachbardorf, mit dem ich seit der fünften Klasse zur Schule gegangen bin. Sieben Jahre lang waren wir zusammen, und in den letzten zwei Jahren, als es immer mehr kriselte, hat er manchmal davon gesprochen, wir sollten doch Kinder kriegen jetzt bitte. Ich war Anfang 20 und wusste überhaupt nicht, was das jetzt soll, hatte aber den leisen Verdacht, es hatte auch damit zu tun, dass er seit einer Weile vergeblich versuchte, einen Studienplatz für freie Kunst zu bekommen und ein Kind mit zwei Studenten als Eltern der perfekte Grund gewesen wäre, diesen anstrengenden und deprimierenden Kampf erst mal ruhen zu lassen und sich für die nächsten drei bis zwanzig Jahre im kleinen, warmen und staatlich unterstützten Nestchen einzumuckeln. Bestimmt hatte es auch etwas damit zu tun, dass er damals eben Kinder wollte und ich nicht oder damit, dass er mehr an uns hing als ich - jedenfalls kamen Kinder nicht in Frage. Dann war Schluss, und es begann für mich eine zwar extrem unterhaltsame, aber trotzdem katastrophale Zeit in meinem Liebesleben, die sich bis 2006 zog und aus der ich irgendwann mal was machen muss. Er dagegen bekam endlich seinen Studienplatz, und zwar in Wien, da lebt er noch heute. Kunst hat er zwar studiert, aber davon zu leben, ist schwer bis unmöglich. Mein letzter Stand war, dass er sich mit Mini-Jobs über Wasser hält und sich um seine Kunstprojekte nach Feierabend kümmert. Mein letzter Stand war auch, dass er ein Kind bekommen hat: einen sehr dreieckigen Jungen, über den er sich fürchterlich gefreut hat. Jetzt erzählt mir meine Mutter, dass er inzwischen drei Kinder hat. Und ich weiß nicht, wie es wäre, wenn ich immer noch in der Warteschleife von IVF Nr. 7 hängen würde, aber ... das macht so gar nichts von den Sachen mit mir, die man erwarten könnte. Es deprimiert mich nicht. Ich denke auch nicht, wieso er und nicht ich. Oder irgend etwas aus der "Hättste mal"-Schule. Die Nachricht aus dem gleichen Telefonat mit meiner Mutter, dass meine alte Biolehrerin gestorben ist, hat mich viel mehr aus der Bahn geworfen. Die war toll! Eine früher ganz fitte Tennismeisterin, die durch eine Hormonerkrankung plötzlich krankhaft dick wurde und das mit dem lustigsten und schlauesten Humor der Schule aufgefangen hat. (Nicht, dass die Humorstandards an meiner Schule besonders hoch gewesen wären... trotzdem. Eigentlich wurde sie zu einem großen, 150 Kilo wiegenden, rotgesichtigen, schnaufenden, schwitzenden Trotzdem. Und ich kann nicht fassen, dass sie tot sein soll.)
K.s erstes Kind kam übrigens mitten in die erste Kinderwunschzeit und hat mich auch schon nicht so getroffen, wie es laut Kinderwunschklischees zu erwarten gewesen wäre. Vielleicht ist das alles auch schon zu lange her, um noch eine wichtige Rolle in meinem Gefühlshaushalt zu spielen. Oder es liegt daran, dass ich ihn von allen meinen Ex-Freunden am liebsten mag und es ihm wirklich gut gönnen kann. Oder ich bin doch mehr Luxusbienchen, als ich mir selbst zugestehe, und das Szenario, ohne Job in der Großstadt drei Kinder großzuziehen, scheint mir eher erschreckend. Oder es liegt eben doch alles an Würmchen und der neuen Gelassenheit, die er mit sich bringt. Oder...

Oha. L. rührt sich. Ich glaube, ich bin mal so nett und mache ihm einen Capuccino. Mittwoch, Donnerstag, Freitag - es könnte für lange Zeit der vorvorletzte sein.

Dienstag, 16. Juli 2013

Vier drüber.

Ich möchte nicht penetrant werden, aber auch heute muss ich es wieder sagen: jeder Schritt, den ich in dieser neuen Gynäkologischen Praxis mache, sagt mir, dass es genau richtig war, hier zu sein und nicht mehr bei meiner alten Ärztin. Es fing damit an, dass ich mich am Empfang anmeldete und die Sprechstundenhilfe sagte, da bräuchte ich ja wohl keinen Ultraschall, sondern müsste nur Pipi abgeben und ein CTG machen, das würden sie dann einem Arzt zeigen und damit gut. Nachdem irgendwann beides durch war, sollte ich noch mal im Wartezimmer Platz nehmen, und kaum hatte ich die ersten drei Seiten einer Zeitschrift durch, ging die Tür auf, die Vertretungsärztin meiner Ärztin kam rein und bat mich trotz des nach wie vor vollkommen ereignisfreien CTG zum Ultraschall und zur Untersuchung. Mein Blutdruck war ihr auch zu hoch. Und weil sie auf dem Ultraschall außerdem sah, dass Würmchen eine extrem volle Blase hatte, wollte sie mich in einer Stunde noch mal sehen. "Jetzt machen sie einen schönen Spaziergang, holen sich ein Eis und kommen dann wieder." Und genau so habe ich das gemacht, kam auch sofort dran, die Blase war jetzt leer und alles gut. Dank Superultraschall konnte sie außerdem auch direkt sagen, dass zwar das Bläschen voll, aber die Nieren trotzdem in fabelhafter Verfassung waren. Bei meiner alten Ärztin hätte ich a) keinen Ultraschall bekommen, und wenn doch, hätte sie bei der miesen Kartoffelsalatqualität b) nichts von der vollen Blase gesehen, und wenn doch, dann hätte ihr c) ihr Ultraschall keine Möglichkeit geboten, die Nierenfunktion zu überprüfen, woraufhin sie d) sowas gesagt hätte wie "die Blase ist aber reichlich voll. Komisch. Das könnte... aber nee, machen sie sich mal keine Gedanken, wird schon nichts sein." Donnerstag gehe ich noch mal hin, und wenn sich dann noch nichts von alleine tut, dann melden wir mich für Freitag zum Einleiten an. Liebe Damen, ich weiß, ihr meint es nur gut und habt in eurem Fall auch bestimmt mit allem Recht. Aber ich komme aus einer Familie, in der meine Mutter drei Kinder bis zur Fruchtwassertrübung und damit über den gesunden Punkt hinaus ohne die klitzekleinste Wehe mit sich herumschleppen musste. "Das Kind kommt, wenn es fertig ist" mag anderswo stimmen, bei uns wäre das fatal gewesen. Der hohe Blutdruck kommt auch noch dazu. Ich finde, Freitag ist ein guter Tag zum Kinderkriegen. Und diese Praxis ist ein guter Ort zum Schwangersein.

Montag, 15. Juli 2013

Drei drüber.

Alle drei Tage stemme ich meinen schweren Wanst vom Sofa hoch und mache das Haus besuchsfein. Ich fege die Fellmäuse von der Treppe, ich schicke den Saugroboter durch alle Zimmer ohne Teppich, ich mache Dusche und Waschbecken sauber, ich räume den ganzen Mist von den frisch bezogenen Betten für meine Familie, und dann atme ich durch, sehe mich um und kann mich für ca. einen halben Tag entspannen. Bis L. und die Hunde (und ich vermutlich auch) dafür sorgen, dass es wieder abwärts geht. L. beispielsweise stellt bevorzugt Dinge auf das Bett, in dem meine Eltern schlafen sollen. Wäschebottiche, Sporttaschen, aber auch mal einen seit fünf Jahren nicht mehr benutzten Plattenspieler. Das daraufhin dringend fällige Gespräch habe ich schon achtzig mal geführt, Danke für den Tipp, ohne Ergebnisse. Und ich weiß nicht, auf wen ich dann wütender bin: auf L., der meine mit so viel Schweiß und Schnaufen und Mühe hergestellte Ordnung immer wieder zerstört, oder auf Würmchen, das sich einfach weigert, jetzt endlich verdammt noch mal zu kommen, damit ich damit aufhören kann.

Ich fühle mich langsam aber sicher wie eine Simulantin. Ich treffe wildfremde Leute auf der Straße - die Kassiererin aus meinem Stammsupermarkt, Leute aus dem Viertel, deren Hund schon mal an Lilis Po geschnuppert hat, Handwerker, die vor Ewigkeiten mal bei uns waren - und alle fragen immer "Naaaa? Immer noch nicht?" und ich komme mir vor, als würde der Witz langsam alt und als müsste ich demnächst mal aufhören, immer mit diesem Kissen unterm Pulli rumzulaufen. Ist da jetzt ein Baby drin oder nicht?

Die Atemnot ist auch wieder da, und zwar in alter Hochform. Sitzen ist doof. Liegen aber auch. Stehen und Gehen sowieso. Gibt es eine Position, in der man sich jetzt noch wohl fühlt, dann habe ich sie noch nicht gefunden. Eine Badewanne, die jetzt ja helfen soll, haben wir nicht. Schlafen kann ich auch nicht. L. schnarcht außerdem seit ein paar Wochen, nur für den Fall, dass es mir ausnahmsweise mal doch gelingen sollte. Merkt ihr was? Diese Hormongemengelage ist nicht sehr L.-freundlich. Ich bin ohnehin meistens nicht sehr scharf auf menschliche Gesellschaft, jetzt gerade wird es extrem. Und L., der nun mal den ganzen lieben langen Tag da ist, kriegt es ab.

Inzwischen muss ich alle zwei Tage bei einem Arzt erscheinen, egal was. Gestern z.B. habe ich fünf Stunden in meiner Geburtsklinik verbracht nur für ein CTG, so ruhig und langweilig wie das Mittelmeer. Und auch da zeigte sich, dass meine armen Mitmenschen gerade eigentlich gar nichts tun müssen, um mich bis zur Weißglut zu reizen. Gestern waren da außer mir wieder mal nur Paare und Familien, die wollen sich dann unterhalten, denken aber, es wäre rücksichtsvoller, zu flüstern. Fünf Stunden Gespräche vs. fünf Stunden Flüstern - da fällt mir die Entscheidung leicht. Gespräche kann ich sofort ausblenden, aber dieses Gezischel, Geschmatze und Geraschel einer lauten Flüsterunterhaltung macht mich - na? Wahnsinnig. Dann sitze ich da und schäme mich, was ich für eine bin, und wünsche diesen flüsternden händchenhaltenden Harmoniebiestern gleichzeitig die Krätze an den Hals und schäme mich dafür noch mehr. Mit dem Ergebnis, das dann bei der Messung mein Blutdruck an der Oberkante war und ich noch mal eine Stunde liegen musste, bevor sie mich endlich, endlich haben gehen lassen. Und das nächstes Wochenende noch mal? Auf gar keinen Fall.

Ich will nicht mehr. Würmchen, es ist Montag. Ich finde, du könntest gefälligst mal an die Arbeit gehen. Und auch wenn die Ärztin, die meine Ärztin gerade vertritt, das mit den sieben Tagen nicht so eng sieht und sagt, zehn Tage drüber wären auch noch ok: nein, nicht für mich. Freitag ist Schluss. Hörst Du, Würmchen? Freitag.

Sonntag, 14. Juli 2013

14. Juli: auch kein schlechter Geburtstag.

Vor... wartet mal... 25 Jahren waren wir am 14. Juli in Frankreich. Ich war 15, und meine Eltern hatten zusammen mit zwei anderen Familien ein riesiges altes Haus in der Bretagne gemietet. In dem verpennten Fischerdorf war der 14. Juli eine vergleichsweise ruhige Angelegenheit. Das Haus war ein Chaos, es gab eine Art Rittersaal mit Flügeltüren und Kamin, mit Möbelsperrmüll zugestellte Gänge, verschimmelte Wände und Geranientöpfe und Etagenbetten, Antiquitäten und viel Plastik. Außer mir gab es noch zwei andere Teeniemädchen in den Familien, wenn auch nicht ganz so verkorkste wie mich: Sarah und Sonja. Zusammen mit ihnen und weit weg von der grauenvollen Schule fühlte ich mich allerdings ausnahmsweise weniger verkorkst als Zuhause. Fast jeden Abend fabrizierten wir zusammen ein paar Meter Knoblauchbaguette als Beilage zum Essen (was meinen Vater, der Knoblauch persönlich nimmt, in den Wahnsinn getrieben haben muss, aber er hat keinen Piep gesagt). Immer wenn das Wetter schön war (und das war es meistens) aßen wir entweder auf der langen Terrasse vor dem Rittersaal oder gleich unten im verwilderten Garten mit Blick auf das Meer. Ich erinnere mich an Artischocken, gegrillte Langustinos, und daran, dass das der Urlaub war, in dem ich zum ersten Mal gesalzene Butter zusammen mit Nutella und Marmelade aß, und seitdem führt kein Weg zurück. Heute noch müssen meine Mädchen und L. mir fassungslos dabei zusehen, wie ich mein Nutellabrot salze. Zwar war der Küstenort am Meer, aber an einer ziemlich steinigen Küste, deshalb sind wir fast jeden Tag in die Autos gestiegen und an einen der vielen unfassbar schönen Strände in der Nähe gefahren. Das Meer war überall so, wie ich es am liebsten mag: kein knallblauer, ruhiger Tümpel mit aufgereihten Sonnenliegen am Ufer wie das Mittelmeer, sondern wild, eiskalt und mit riesigen Wellen. An den vier-fünf Tagen, an denen es regnete, fuhren wir nach Quimper zum Bummeln, wanderten durch die Wälder, sahen uns alte Städte an, saßen in Creperien herum und verbrachten Stunden in französischen Supermärkten. Das war einer der schönsten Urlaube in meinem an schönen Urlauben nicht gerade armen Leben, und eines Tages möchte ich genau das noch einmal haben: meine Freunde weg vom Mittelmeer an den Atlantik locken, ein großes altes leicht angegammeltes Haus mieten und dort wochenlang hausen. Sommerurlaub, wie er mal gedacht war: nicht nur eine oder zwei kümmerliche Wochen, sondern fast ein ganzer Sommer, in dem man nichts weiter zu tun hat als Schlafen, Lesen, Essen, Schwimmen, braun werden, Sand aus Schuhen schütteln und Schalentiere knacken.

Sollte Würmchen heute kommen - wofür ich sehr wäre, denn es ist ausnahmsweise mal kühl und verregnet, und genau so wie es gutes Laufwetter gibt (das hier ist z.B. welches), gibt es bestimmt auch gutes Geburtswetter, wobei ich davon ausgehe - nachdem ich zwar schon öfter gelaufen bin, aber noch kein Kind habe - dass gutes Laufwetter auch gutes Geburtswetter ist - das sind jetzt reichlich viele Gedankenstriche für einen Satz, aber egal, ich mach weiter - dann habe ich jetzt schon den Plan, mit ihm in den ersten Jahren mal am 14. Juli in Frankreich zu sein und ihm vorzuschwindeln, das ganze Spektakel samt Feuerwerk wäre zu Ehren seines Geburtstages. Wer weiß? Vielleicht kann ich ihn auf diese Weise dazu kriegen, eines Tages etwas mehr Eifer als Mama und Papa im Französischunterricht an den Tag zu legen. (Wobei ich nichts dafür konnte, Schuld war mein grässlicher altjüngferlicher Französischrochen. Aber das ist eine andere Geschichte.) Oder aber ich lege damit früh genug den Grundstein für einen soliden Größenwahn.
Geburtstag haben heute außerdem Gustav Klimt und Ingmar Bergman. Ob die als Kinder von ihren Eltern mit Hilfe des französischen Nationalfeiertages reingelegt wurden, weiß ich nicht.
Frederik steht mit auf unserer Liste. Wenn er heute kommt, vielleicht ja sogar mit c?

Samstag, 13. Juli 2013

In extrem gemischter Gesellschaft

Geburtstagskinder heute: Gaius Julius Caesar, der Gründer des Ku Klux Klans, Günther Jauch und Harrison Ford. Und wer weiß, vielleicht ja auch Würmchen? Der Tag ist noch jung, jung genug jedenfalls, um ihm im Bademantel entgegenzutreten. Auch gestern Abend dachte ich wieder, jetzt aber bestimmt gleich. Denn der Bauch wird immer noch dicker und strammer, und neben der Angst, auf den letzten Zentimetern noch Schwangerschaftsstreifen zu bekommen, bringt das auch mit sich, dass jede klitzekleine Unvorsichtigkeit, jedes Hüsterchen, jedes zu hastige Umdrehen im Bett ziemlich ungerechte Schmerzen mit sich bringen kann, und am Stichtag kommt man da schon mal ins Spekulieren. Die Nacht war allerdings dann ganz geruhsam, und das ist in diesem Fall ein Glück, denn gestern hatte L. noch mal richtig Ausgang. Er war eingeladen auf einer Party, deren Gastgeber sympathischerweise entschieden hatte, dass er an diesem Abend weder Freundinnen noch Verlobte oder Ehefrauen, Mütter oder Schwestern sehen will, sondern nur seine Jungs. Es war ein rauschendes Fest, vermutlich hätte L. sein Telefon sowieso nicht gehört, und das meiner Mädchen, das sich gewünscht hat, unbedingt dabei zu sein bei dieser Geburt, hätte seinen Wunsch aber so was von erfüllt bekommen.
Jetzt ist L. wieder da, liegt leicht verkatert oben im Bett und schläft noch ein Stündchen oder zwei, und ist vermutlich fast ein bisschen enttäuscht, immer noch nicht Vater zu sein. Und wenn Würmchen sich heute nicht auf den Weg macht, ist heute frei. Erst morgen muss ich wieder zum Arzt, und zwar ohne Termin in meine Geburtsklinik, was im besten Fall zwei und im schlimmsten Fall acht Stunden dauern wird. Zum Trost habe ich mir jetzt schon vorgenommen, mir im Anschluss die beste Pizza der Stadt zu bestellen, die es direkt um die Ecke gibt. Der gute alte Glückscheesie in neuer, verbesserter Form! Ich muss schließlich bei Kräften bleiben, hier steht eine Geburt ins Haus. (Wenn ich es nur oft genug schreibe, passiert es vielleicht ja wirklich.)

Freitag, 12. Juli 2013

Stunde Null.

Huaaaaaah! Wer hätte gedacht, dass die totale Abwesenheit irgendwelcher Vorkommnisse so spannend sein kann. Ab und zu ziept und zwiebelt es, mal unten rechts, mal oben links. Dann wieder nichts, aber auch gar nichts. Gestern war der ca. fünfte Tag, an dem ich abends noch zu L. gesagt habe, jetzt KÖNNTE es aber nicht mehr lange dauern. Ich bin ins Bett gegangen und habe mir zum Einschlafen gewünscht, dass es wenigstens nicht vor drei Uhr früh losgeht, so dass ich noch ein paar Stunden Schlaf unter die Mütze kriege. Und dann wache ich um halb sieben auf, immer noch mit Passagier, und habe mein Eisentablettchen verpennt. Meine Mutter weiß es zum Glück aus dreifacher Erfahrung besser, aber Geschwister und Schwiegermutter haben schon die ersten "Naaaaa? Wollte nur mal so hören..."-Anrufe und -SMS geschickt. Ich sag Bescheid! Ganz bestimmt! Sollte das jetzt aber einreißen, bekommt der nächste, der fragt, zur Antwort "Ja also, seit drei Tagen ist er da, wir sind jetzt auch wieder zuhause, fahren jetzt aber erst mal für ein paar Tage weg, war ganz schön spannend, aber das erzähle ich dann irgendwann mal in Ruhe, wir sehen uns ja bestimmt irgendwann die nächsten Monate. Tschüssi, Akku alle!"

Es stellt sich nämlich heraus, dass wir doch warten müssen wie andere Leute auch. Die Untersuchung gestern hat gezeigt, dass die Plazenta jetzt sensationelle 1,1 cm von der kritischen Stelle entfernt liegt und damit 1 Milimeter über Soll, und damit ist der geplante Kaiserschnitt für heute vom Tisch, wir warten jetzt einfach, bis es losgeht. Das gestern zu erfahren, hat fast vier Stunden Hockerei mit zu enger Hose im Wartezimmer meiner Geburtsklinik erfordert, aber sollte das das Ticket zur Chance aufs zweite Kind sein, dann meinetwegen. Kind 1 bleibt, wo es ist, wiegt inzwischen 3.490 Gramm, hat immer noch schön viel Fruchtwasser in fabelhafter Qualität und hat gestern auf dem Ultraschall gekaut und dabei gelächelt. Äußerlich konnte ich ihn immer noch weder L. noch mir zuordnen (und finde diese 3D-Bilder auch eher gruselig als irgend etwas Anderes), aber charakterlich scheint er also nach mir zu kommen. Ab jetzt werde ich da alle zwei Tage antanzen müssen. Und ich lerne dazu. Ich weiß inzwischen, welcher Parkautomat in der Krankenhaustiefgarage unbedingt zu meiden ist und welche Parkplätze man lieber nicht ansteuern sollte, wenn man nicht einer Panikattacke nahe mit seinem Bauch zwischen Auto und Wand eingequetscht sein will. Ich kenne die Damen am Empfang und weiß, Dame A nickt mir zwar aufmunternd zu, aber trotzdem warte ich lieber, bis Dame B von ihrem Rechner aufsieht, denn wenn ich jetzt Dame A erzähle, was ich hier will, stehe ich in zehn Minuten noch hier und wedele mit meinem Mutterpass. Ich habe immer selbst was zu lesen dabei, weil die vermutlich schwer verkeimten Krankenhauszeitschriften immer fest in der Hand der unzähligen Kleinkinder sind, die andere Frauen samt dem Rest ihrer Familie scheinbar zu jedem Arztbesuch mitschleppen müssen. Aus dem gleichen Grund habe ich auch immer selbst eine Wasserflasche dabei, denn den Wasserspender in der Ecke machen die kleinen Engelchen plitschi-platsch ratzeputz leer. Wer hätte gedacht, dass aus mir noch ein Schwangerschaftsprofi wird?

Und jetzt muss ich los. Ich habe einen Termin mit einem Wehenschreiber und einem Ultraschall am anderen Ende der Stadt.

Mittwoch, 10. Juli 2013

Bevor ihr fragt: immer noch nicht.

Eigentlich hätte ich Hunger auf Chili. Oder auf eine größere Menge Kochkäse mit Musik (worunter man da, wo ich herkomme, eingelegte rohe Zwiebeln versteht) auf Brot. Oder auf geschmorte grüne Bohnen mit Rosmarin. Oder auf Huhn mit viel, viel Knoblauch. Aber gibt man solchen Wünschen nach, wenn man vielleicht heute noch eine Rotte fremder und unschuldiger Menschen zwingt, stundenlang zwischen seinen Beinen zu verharren? Eher nicht. Stattdessen habe ich mit dem Basteln angefangen, ich klebe mir jetzt nämlich ein Buch mit lauter Tipps rund um Babys und Kinder und Kindergeburtstage und Kinderzimmer und Hilfe in allen kinderbezogenen Notsituationen, die man sich nur vorstellen kann. Was das betrifft, war meine erste Brigitte Mom schon mal ziemlich ergiebig. Der Tipp, Kindern, die Glas verschluckt haben, Apfelmus mit zerrupften Taschentüchern zu essen zu geben, ist genau so darin gelandet wie die Schummelwaffeln aus fertigem Brownie-Teig. Selbst wenn ich da nie wieder reingucken sollte, gibt es mir doch das Gefühl, irgendwie besser vorbereitet zu sein.

Heute Abend treffen wir uns schon wieder "zum vielleicht letzten Mal", die Mädchen und ich unter freiem Himmel, und langsam wird es albern mit diesen acht letzten Malen. Meinetwegen kann Würmchen jetzt kommen. Heute z.B.! Wäre zwar schade um den netten Abend und die Pizza, die ich mir gerade schon ausmale, aber einmal muss es ja sein, und das Wetter ist sowieso nicht zum Durchdrehen, wir haben wieder mal einen Handwerker im Haus, diesmal den Maler, der Klinikkoffer steht neben der Haustür, und ein paar Bilder habe ich auch im Würmchenzimmer aufgestellt. Ich habe mir sagen lassen und glaube das auch, dass Kinder so gut wie jeden Gegenstand in ihrer Umgebung mit gleichem Interesse betrachten, deshalb habe ich statt zwei Kinderbildern ein Technicolor-Foto von Sean Connery in Badehosen und ein schwarzweiß-Bild von Woody Allen an seinem Bett aufgestellt. Das Kind braucht schließlich männliche Vorbilder! Von seinem Bett aus hat es außerdem eine prima Aussicht auf die Zweige der alten Eiche und der Buchen vor seinem Fenster, die sich im Wind wiegen. Das wird er auch mögen. Ansonsten ist das Zimmer noch ein bisschen kahl, aber ich dachte, das ist im Zweifel besser als eine völlig überladene Explosion von Niedlichkeiten. Ich warte erst mal ab, was er so für einer ist und was er mag, bevor ich jeden Quadratzentimeter durchdekoriere.

Zur Verkürzung der Wartezeit habe ich außerdem gerade Gossip Girl wiederentdeckt. Irgendwann vor ein paar Jahren hatte ich damit mal angefangen und es dann völlig vergessen, jetzt gibt es auf lovefilm die ersten vier Staffeln online. Ihr findet, das ist aber nicht der passende Zeitvertreib für eine 40jährige, der gerade so gewaltige, daseinserschütternde Umwälzungen bevorstehen? Eine Serie über reiche, verwöhnte und intrigante Teenies in New York, die ständig Champagnerparties feiern und sich SMSen schicken und in jeder neuen Einstellung beweisen, dass man richtig viel Geld für Kleidung ausgeben und trotzdem einfach nur albern aussehen kann? Tja, was soll ich sagen. Es macht mir aber nun mal Spaß. Und während die vierte Staffel Downton Abbey auf sich warten lässt und George R.R. Martin sich offensichtlich nach wie vor lieber auf Sci-Fi-Conventions rumtreibt und Fast Food frisst zur großen Sorge aller, die sich Gedanken um seinen Blutdruck machen, anstatt endlich den sechsten Band von Game of Thrones zu schreiben, werde ich damit wohl weitermachen, bis Würmchen dem einen Riegel vorschiebt.

Montag, 8. Juli 2013

Einmal Fritten, drei Erdbeerschnüre und zwei weiße Mäuse später

Jeden Morgen koche ich mir eine Kanne Würmchentee, der geht so: zwei Teelöffel normalen losen Earl Grey, zwei Teebeutel koffeinfreien Teekanne Schwarztee Klassik. Auf diese Weise wird der koffeinfreie Tee noch bis nächste Woche Dienstag reichen, dann ist noch ein Beutel übrig für einen Nachmittagstee, und das war es dann. Würmchen, Lieber, ich habe nicht vor, danach neuen zu kaufen. Du weißt also, was Du zu tun hast: spätestens nächste Woche Dienstag rechne ich mit Dir.

Gestern war ich mit den Mädchen im Freibad, das erste (und vermutlich leider auch letzte) Mal diesen Sommer. Zu diesem Zweck habe ich mir einen halben Schwangerschaftstankini gekauft, und auch das war vermutlich ein letztes Mal für diese Schwangerschaft, denn noch mehr Schwangerschaftskleidungsstücke werde ich jetzt nicht mehr kaufen. Der Tankini ging aber, denn er war der letzte seiner Art, die Hose dazu war weg und nirgendwo zu finden, er hatte noch nicht mal mehr ein Preisschild, und ich habe ihn für den Gnadenpreis von fünf Euro bekommen. Den Still-BH, dessentwegen ich eigentlich da war, habe ich dann doch lieber hängen lassen, denn als ich da so in der Kabine stand in diesem Baumwollenen Riesendings, habe ich mir überlegt, dass ich die Größe vermutlich erst nach dem Milcheinschuss richtig kenne. Die ersten zwei-drei Tage wird es also ohne hundertprozentig passende und funktionale Unterwäsche gehen müssen. Am Ende werde ich im Nachthemd stillen! Und auch das wird irgendwie gehen, da bin ich ganz, ganz sicher. (Ganz davon abgesehen, dass ein kleiner Teil von mir immer noch denkt, vielleicht klappt die Stillerei eh nicht, es kommt einfach nichts raus, und dann sitze ich da mit drei Exemplaren dieser unschmooven Unterwäsche.)
Das Freibad hat übrigens alle Erwartungen erfüllt, die ich an es hatte: alles voller Schwimmbadprolls samt Haaren und Ketten, das Quieken und der Chlorgeruch, ich hatte von den Mädchen neidisch beäugt eine Schale Schwimmbadpommes (immer die besten) und im Wasser war es genau so, wie man es uns Kugelbäuchen immer verspricht: Schwerelosigkeit, kühler Kopf und tiefer Friede. Ich hatte sogar meinen Privatbademeister, der am Beckenrand auf und ab ging und nur mich im Auge hatte, damit mir auch ja nichts zustößt und niemand auf mich draufspringt. (Vielleicht, ganz vielleicht hat er aber auch darauf gelauert, dass das plötzlich losgeht und er mir dann zack-zack eine Rechnung schreiben kann für einmal Poolreinigung und Neubefüllung komplett.) Allen Damen im Endstadium der Schwangerschaft kann ich das nur wärmstens empfehlen. Ich hatte zwei Zeitschriftenpremieren mit: die "Brigitte Mom" und die "Fräulein", und während die Fräulein mir nach kurzer Zeit zu anstrengend, bemüht, dämlich und langweilig wurde (und wieso schreiben die alles falsch? Haben die da niemanden, der sich darum kümmert, dass sich Gina Rowlands eigentlich Gena Rowlands schreibt usw.? Peinlich ist das. Ganz peinlich.), war die Brigitte Mom gar nicht so schlecht. Wenn ich auch die haarsträubenden anonymen Geständnisse der Mütter, die überall im Heft zu finden sind, gar nicht sooo haarsträubend und eher niedlich fand. ("Das Lieblings-T-Shirt meiner Tochter ist so hässlich, also sage ich immer, festhalten jetzt, dass es in der Wäsche ist, wenn sie es anziehen will, hihihi.") Aber vermutlich zählt auch hier der Gedanke: selbst wir Brigitte-Mom-Leserinnen sind nicht perfekt! So sanft, schmerzlos und schleichend gleitet man von einer Zielgruppe in die nächste. (Hörst Du, Würmchen? Gleiten. Sanft, schmerzlos und schleichend ist vielleicht Dein Stichwort?)

Und dann habe ich noch eine Produktwarnung auszusprechen: sicher habt ihr auch die Fernsehwerbung für diese Nivea Milk gesehen, mit der man sich unter der Dusche eincremt, und gedacht, das klingt ja praktisch und wie die Lösung für das vor allem sommerliche Problem, dass man gerade frisch geduscht ist und absolut keine Lust hat, sich schon wieder mit irgend einer Klebeschmiere einzucremen. Vielleicht denkt ihr sogar drüber nach, sie zu kaufen. Tut es nicht! Ich hab es getan. Erstens ist das Eincremen unter der Dusche mindestens so widerlich wie das Eincremen nach dem Abtrocknen. Zweitens hängt der Kleister sich, obwohl nicht spürbar, doch an die Hände. Wenn man sich dann nach dem Duschen das Gesicht eincremt, stellt man zu seiner Überraschung fest, dass man fünf Minuten später im Gesicht schwitzt wie ein Schweinchen nach drei Saunagängen. Und mit Kontaktlinsen gibt es Probleme, die ihr euch noch gar nicht vorstellen könnt oder wollt. Es nützt auch nichts, sich direkt nach dem Duschen noch mal extra die Hände zu waschen. Bäh! Zum Glück war das ein billiger Fehlkauf. Ende der Produktwarnung.

Sonntag, 7. Juli 2013

Bereitschaftsdienst.

Ich weiß noch, mitten im Winter (also vermutlich irgendwann so um den zehnten April herum) hatte ich mal geschrieben, beim Blick nach draußen könnte ich mir gar nicht vorstellen, jetzt schon im siebten Monat zu sein. Denn jetzt wäre ja Winter, und das Baby käme erst im Sommer, und da wäre noch ein Frühling dazwischen, der noch längst nicht in Sicht war. Jetzt ist Sommer, da gibt es kein Missverständnis mehr. Ich habe mir gestern endlich neue Flipflops gekauft, die Kirschen kosten vier Euro das Kilo, abends muss ich die Hortensien und den Rasen gießen, und jeden Tag esse ich mindestens ein Kilo von diesen tollen platten Mini-Nektarinen, die mir letztes Jahr noch gar nicht aufgefallen waren. Heute gehen die Mädchen und ich ins Schwimmbad, und da wollen wir mal sehen, ob es zu einer Wassergeburt im ganz großen Stil kommt. Alle winzigen Spannbettlaken (Babybay, Bett, Stubenwagen) sind gewaschen und an Ort und Stelle, die Strampler ordentlich nach Größe und Wetter in verschiedene Körbe sortiert, die Folie im Windeleimer ist geknotet und bereit für die erste volle Windel, sogar die Gebrauchsanweisung fürs Haus für meine Familie habe ich schon geschrieben. Jetzt muss sie nur noch ausgedruckt werden. Und wenn ich das noch schaffe, backe ich noch eine Dose Nussecken für sie und verstecke sie vor L., damit sich meine Eltern und Geschwister stärken können nach ihren Besuchen beim Enkelkind bzw. Neffen. (Bin ich die einzige, die immer gleich an die Ducks denkt, wenn von Neffen die Rede ist?) Äußerlich, also äußerlich ist also alles sowas von bereit. Ein paar Bilder könnte ich noch aufhängen. Das mach ich dann wohl heute. Innerlich ist eine andere Sache. Innerlich ist komisch.

Jeden Morgen beim Aufstehen tut es erst mal weh. Der Kleine drückt mir mit seiner (wenn man L. und mich als Maßstab nehmen kann) sicher beachtlichen Riesenrübe auf den Steiß und auf das Becken. Der erste Weg aufs Klo geht also nicht ohne Ächzen und Stöhnen ab. Sitze ich dann erst mal, begrüße ich ihn natürlich angemessen und bedanke mich bei ihm, dass ich eine weitere Nacht im eigenen Bett schlafen durfte, statt auf Gummibällen kauernd ungerechterweise meine Kinderwunschärztin zu verwünschen. Ich weiß nicht, wie es anderen Damen geht, aber abgesehen vom Drama spricht mich an einer nächtlichen Geburt wenig an. Morgens aufwachen, in Ruhe frühstücken und duschen und anziehen und dann irgendwann - das wäre schön. Aber wenn ich ausnahmsweise so etwas wie ein Gefühl dafür entwickelt hätte, dann würde ich sagen, vor Freitag wird das nichts. Auch wenn ich jetzt über vier Jahre Zeit hatte, mich an den Gedanken zu gewöhnen, ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass ich morgen Abend ein Baby haben könnte. Oder Mittwoch. Vielleicht habe ich deshalb auch nächste Woche wieder jede Menge vor. Vielleicht plane ich deshalb untypischerweise immer noch nicht meine erste Mahlzeit nach dem Ende der Schwangerschaftsregeln. Und vielleicht schiebe ich deshalb immer noch pfeifend meine Kugel durch Parkanlagen, Einkaufszentren und Freibäder, denn dass es JETZT und HIER losgeht, kann ja nicht sein. (Nein, liebe Damen, vorgesorgt habe ich natürlich, der Klinikkoffer ist immer im Auto und der Mutterpass griffbereit in der Tasche, und ich gehe an keinen dieser Orte ohne Telefon.) Ganz vielleicht habe ich sogar deshalb immer noch keine Angst - außer der schon besprochenen vor einem mir fremden Kind und der, es könnte ihm irgend etwas fehlen. Bin ich einfach zu blöd, zu weltfremd und zu unbeleckt für Angst? Oder ist das jetzt endlich mal meine Art, angemessen dankbar zu sein? Yay, Geburtsschmerzen?

Donnerstag, 4. Juli 2013

Stille. Tiefe, wohltuende Stille. Und damit höchste Zeit für etwas Geschnatter.

Heute ist der erste Tag nach sieben Wochen, an dem keine Handwerker kommen. Gestern hatten sie schon mal angetäuscht: der Vorarbeiter hat sich vorgestern mit der Ansage verabschiedet, morgen (also gestern) kämen sie erst mittags. Mit dem Ergebnis, dass L. und ich noch selig schlummernd und eingeknäuelt im Bett lagen, als es um halb acht klingelte und vier Handwerker samt ihren Lärmerzeugungsgeräten vor der Tür standen. Natürlich mussten sie als erstes ins Bad. Richtig fertig ist das hier noch nicht - wir haben noch keine echten Griffe an den Fenstern, zum Teil werden die Fensterbänke von kleinen Gummischnipseln in Position gehalten, sie haben die Austauschgriffe für die Balkontüren versehentlich mitgenommen, so dass meine Balkonpflanzen vertrocknen, wenn nicht wenigstens einmal täglich Regen runterkommt, und gestrichen werden muss das auch noch mal alles - aber die Sägerei, Nagelei und Hämmerei ist wohl erst mal überstanden. Und damit der Staub. Gestern habe ich das Gästezimmer gästefein gemacht in der Hoffnung, dass L. sich davon abhalten lässt, wieder all seine Sporttaschen und Dreckwäsche und Bügelwäsche und überhaupt darauf aufzuhäufen, und jetzt sitze ich zum ersten Mal seit Wochen am Esstisch mit Tee und Rechner ohne die Gesellschaft fremder Herren in Latzhosen um mich herum. Schöne Sache!

Nachdem es jetzt ja jede Sekunde vorbei sein kann mit erstens diesem ruhigen Zustand und zweitens dieser Schwangerschaft, habe ich mir überlegt, noch mal zusammenzuschreiben, was mir aufgefallen ist. Gelesen und gehört habe ich eine ganze Menge (wenn auch vermutlich nicht ganz so viel wie manche andere), einiges davon hat gestimmt, anderes war zumindest für meinen Fall Kokolores.

Für mich nicht wahr war:
Wasser in den Beinen und den Händen und überhaupt. Ich kann mir dafür noch nicht mal auf die Schulter klopfen, so gern ich das auch täte, denn eigentlich habe ich alles falsch gemacht: ich habe weiter trotz zu hohem Blutdruck (der allerdings durch Medikamente im Zaum gehalten wird) viel Salz gegessen, einfach weil mir Essen mit zu wenig Salz nicht schmeckt und ich sofort in die finsterste Stimmung gerate, wenn mir das Essen nicht schmeckt. Ich habe außerdem irgendwann im sechsten Monat aufgehört mit der Schwangerschaftsgymnastik und mir gesagt, dass Hundespaziergänge und Haushalt und Gänge zu Edeka und zurück reichen müssen. Ich hatte wohl einfach wieder mal Glück. Und dabei kenne ich gertenschlanke, große und sportliche Damen, die die letzten Monate ihrer Schwangerschaft vorübergehend (zum Glück. Immer vorübergehend.) zu gewaltigen Hüpfburgen aufgeschwollen sind. Bitte hasst mich nicht. Und wenn doch, dann kann ich euch jetzt schon versprechen, dass ihr entschädigt und auf eure Kosten kommen werdet, wenn ich vergeblich und halbherzig gegen den Schwangerschaftsspeck ankämpfen werde. Ich hab das Gejammer und Gequengel jetzt schon im Ohr.

Glück gehabt habe ich wohl auch bei ein paar anderen Schwangerschaftssymptomen: kein Streifen weit und breit, nur eine schwache linea nigra oberhalb des Bauchnabels (heißt die dann überhaupt auch linea nigra?) seit dem fünften Monat. Keine Haare an den Innenseiten der Oberschenkel und am Oberkörper. Keine seltsamen Sonnenflecken im Gesicht (vielleicht auch deshalb, weil ich zwischen April und Oktober das Haus nicht unter LSF 50 verlasse). Keine Krampfadern, keine Fußschmerzen und kein Sodbrennen. (Ich glaube inzwischen, ich werde irgendwann begraben, ohne je zu erfahren, wie sich Sodbrennen anfühlt. Vor ein paar Jahren hatte ich mal die Aufgabe, mir eine Kampagne für ein Mittel gegen Sodbrennen auszudenken. Das war schwierig, weil ich die einzige auf dem Job war, die nicht wusste, wie das ist.) Na, hasst ihr mich jetzt? Ich kenne das ja schon aus der Kinderwunschzeit, unerwünschte Nebenwirkungen lassen mich oft in Frieden. Weite Teile des "What to expect"-Buches konnte ich einfach überblättern, weil mir all die Fragen ("Was sind das für komische Dingsbumse auf meinen Beinen... wieso muss ich mich immer noch ständig übergeben... wann hört das auf mit XY an meinen Ohren...") überhaupt nichts sagten.

Jede Schwangerschaft kostet einen Zahn: obwohl ich ein bisschen schlampig damit war, meine Calcium-Tabletten regelmäßig zu nehmen, und obwohl meine Fingernägel sich zeitweilig in Blätterteig verwandelt hatten, haben meine Zähne scheinbar keinen Schaden genommen. Mein Zahnarzt ist jedenfalls ganz zufrieden. Und das, obwohl ich während der Schwangerschaft deutlich mehr Bock auf Süßigkeiten hatte als jemals zuvor und dem auch nachgegeben habe.

Der Ehemann wird plötzlich zum Hausdiener, Masseur, Kuscheltier und Experten für Gynäkologie und Geburtshilfe: L. bleibt L., schwanger oder nicht. Weder hat er es sich zur Aufgabe gemacht, meine Ernährung zu überwachen und mich zum Mittagsschlaf zuzudecken, noch hat er sich in die Grundtechniken der Nackenmassage eingefuchst. Weil mir ersteres sehr Recht war, habe ich gerne auf letzteres verzichtet. Zumal sich das mit den Rückenschmerzen in erträglichen Dimensionen gehalten hat, sobald ich einmal von meinem Schreibtischstuhl weg war. Er ist einfach nicht der Typ dafür, und das ist völlig in Ordnung für mich. Eigentlich hätte ich mir das auch denken können, denn schon während der Kinderwunschzeit war er keiner von denen, die zu jeder Blutentnahme und zu jedem Zysten-Ultraschall mit müssen. Er freut sich, aber die ganz dicke Freude kommt eben dann, wenn das Kind da ist. Und bis dahin lässt er mich machen. Und es geht uns gut dabei.

Plötzlich sind Babys das Tollste und Wichtigste auf der Welt! Mein Verhältnis zu Babys im Allgemeinen hat sich nicht verändert. Ich bin ein bisschen neugieriger geworden und habe z.B. während der Kinderwagenentscheidungszeit mehr geguckt, was andere Mütter so durch die Welt schieben. Davon abgesehen freue ich mich auf meins und bringe den Babys anderer Mütter zwar Freundlichkeit und Wohlwollen, aber nicht diesen Enthusiasmus entgegen, den andere Schwangere wohl an den Tag legen. Vielleicht ändert sich das ja, wenn Würmchen erst richtig da ist. Ich höre sehr gerne zu, wenn sie von ihren Babys und der Geburt und den ersten Wochen erzählen, man weiß nie, was man noch lernen kann. Aber es ist immer noch so, dass mich die Begegnung mit einem Hundewelpen auf der Straße in größeres Entzücken versetzt als die Begegnung mit einem Baby. Was erst los wäre, wenn man in Hamburg mit jungen Giraffen, Elefanten oder Braunbären spazieren gehen würde! Seit ein paar Tagen hat lovefilm, das Filmleihportal meines Vertrauens, den Kinofilm "Babys" im Online-Angebot, das heißt, ich könnte ihn mir jetzt sofort angucken. Fällt mir nicht im Traum ein. Als er damals im Kino kam, war ich noch mitten in der Kinderwunschzeit mit ungewissem Ausgang, aber auch sonst hätte ich trotz begeisterter Kritiken niemals ein Ticket gekauft. Jetzt müsste ich doch die perfekte Zielgruppe sein. Bin ich aber irgendwie... nicht.

Gelüste. Einmal musste es unbedingt Toast Hawaii sein, auf den ich sonst gar nicht kann, und ich hatte öfter mal Lust auf Süßes, das mich sonst nicht interessiert. Aber davon abgesehen war es in der Schwangerschaft eher weniger wild als davor. Ich hatte schon unschwangere Zeiten, da musste ich in zwei Wochen sechs mal Spareribs zum Abendbrot haben. Oder habe mich tagelang nur von eingelegten Heringen, Hühnerfrikassee, scharfer Vietnamesischer Suppe oder Bohnensalat mit Schafskäse ernährt. Demgegenüber war ich während der Schwangerschaft manchmal regelrecht ratlos, worauf ich eigentlich gerade Hunger habe. Nur Chinesisch ging durchgehend gar nicht.


Für mich wahr war:
Arbeit wird irgendwann richtig, richtig schwer und anstrengend und zur Quelle einer Mini-Depression spätestens ab Sonntag Nachmittag. Ich konnte nicht mehr. Ich hätte mehr von mir erwartet, aber ich konnte nicht mehr. Und das schlug sich so vehement körperlich nieder, dass ich sogar schon kurz davor bin, bei mir an ein psychosomatisches Phänomen zu denken. Wie kann das sein, dass ich auf dem Weg zur Arbeit oder aus der Mittagspause zurück an den Schreibtisch regelmäßig umgekippt bin und das schlagartig vorbei war, sobald ich da raus war? (Gut, das hing vielleicht auch damit zusammen, dass ich gleichzeitig die Eisentabletten bekommen habe.) Ich hätte mich eher als eine von denen gesehen, die eines Tages im Meeting einen Blasensprung bekommen. Das war sowas von nicht so, und es hat mein Bild von mir und meinem Job und dem Zusammenspiel zwischen beiden ziemlich verändert.

Die Gefühlsachterbahn: Wer diesen Blog nicht Post für Post, sondern mehrere Posts hintereinander weg liest, wird sich in den letzten Monaten öfter mal an den Kopf gepackt und sich gefragt haben "Ja wie denn nun?". Manchmal reichte eine Stunde und null äußerer Anstoß, um von buddhahafter Ruhe zu grässlichen Vorahnungen und totaler Verzweiflung zu geraten. Richtig schlimm war das, so lange ich versucht habe, mir das zu verbieten und mich dagegen zu wehren. Dann kam nämlich zu all dem Haschmich auch noch die Angst, jetzt völlig durchzudrehen. Irgendwann habe ich eingesehen, dass das nun mal gerade so ist und auch noch eine Weile so bleiben wird, und da war es dann schon viel besser. Eigentlich wie während der 13 IVF-Warteschleifen. Richtig, fast genau so.

Der Kokon: der hatte viele Gesichter. Zum Beispiel, dass ich mich vor jeder Abendveranstaltung, egal wie sehr ich mich darauf gefreut hatte und egal wie viel Spaß ich dann doch noch da hatte, fast körperlich zwingen und aus dem Haus treten musste, um nicht in letzter Sekunde doch auf dem Sofa zu bleiben. Kam auch nur das kleinste äußere Hindernis dazu (Auto springt nicht an...) war es vorbei. Ich bin wochenweise komplett verspießert. Mein Traum von einem schönen Abend war irgendwann: um acht im Schlafanzug, dann mit einem Kräutertee ins Bett und im Internet eine alte Folge von Inspektor Barnaby angucken. Das war doch nicht ich! Doch, war ich offensichtlich doch. Auch die Freude, die ich plötzlich an solchen Aufgaben wie Wäsche sortieren und Rosen düngen hatte, das war auch nicht ich. Und entsprechend das tiefempfundene Grauen angesichts des Chaos, das die Handwerker hier wochenlang reingebracht haben.

Die Mütter-Konnegge: Mein erster Freund damals hatte ein Motorrad, und wenn ich hintendrauf saß, habe ich gesehen, Motorradfahrer grüßen sich, wenn sie sich zufällig begegnen. Schwangere tun das auch. Schwangere und Mütter sehr kleiner Kinder. Es ist manchmal nur ein Lächeln oder eine kleine schüchterne "Yay!"-Grimasse, aber sie tun es. Auf Parties fand ich mich immer öfter mit den Müttern oder den Schwangeren auf einem Sofa, und es war unfassbar, wie viel es da zu besprechen gab. Ich bin froh, dass das so von alleine passiert und ich nicht gegen meine Natur plötzlich in eine dieser fürchterlichen Gruppen muss. Was mich allerdings manchmal ein bisschen wundert: im echten Leben funktioniert es doch auch ganz gut, wieso geht es im Internet so oft schief und wird so schnell feindselig? Aber darauf haben schon ganz andere keine Antwort gefunden.

Kommt Zeit, kommt Babyklamotte: die zeitweilige Panik irgendwann zwischen siebtem und achtem Monat angesichts nicht vorhandener Ausstattung fürs Baby hätte ich mir sparen können. Wie Wichtelmännchen haben sich nach und nach Freunde und Familienmitglieder gefunden, die uns mit dem ganzen Kram förmlich zugeschüttet haben. Inzwischen sitze ich hier mit beispielsweise 50 Sommerstramplern in der Größe für Neugeborene, die Würmchen vermutlich gar nicht alle tragen können wird, bevor er eine Größe weiter ist. Außerdem haben die Wichtel uns einen Stubenwagen, ein Babybay, zwei Windeleimer samt sechs Ersatzfolienkassetten, eine ganze Batterie von Muttermilchfläschchen, eine Handpumpe, eine Wickelkommode, ca. 120 weitere winzigkleine Kleidungsstücke, einen Schiebewagen von Ikea, ein Tragetuch und einen Babybjörn, ein Töpfchen und diverse geruchsdichte Boxen rund ums Wickeln vor die Tür gelegt. Den Kindersitz habe ich im Netz bestellt, und zwar war der Wunschsitz auf der ersten Seite erst nach sieben Wochen lieferbar, aber schon die nächste Seite hatte ihn zum gleichen Preis sofort auf Lager. Den Wagen haben wir einfach so, wie er da stand, mitgenommen, auch hier deshalb null Lieferzeit. (Übrigens habe ich einen Tipp: im Baby one an der Alsterkrugchaussee steht seit Monaten ein von mir zeitweilig heftig umschlichener Bugaboo Chamäleon in der todschicken Ausführung dunkelblauer Korb - rote Räder. Er kostet nur 750 Euro. Will den denn wirklich niemand haben?) Was auch immer die bevorzugte Lieblingssorge während der Schwangerschaft ist, die Anschaffung von Babykram muss euch nicht um den Schlaf bringen. (Dufte, wie schlau und entspannt ich hinterher daherschwafeln kann, oder?)

Die Esoterik-Lawine: die ist leider, leider wahr für mich. Gut, meine Toleranzschwelle sitzt da auch sehr niedrig, aber es war in meinem Fall tatsächlich so, dass der Rest der Welt denkt, weil man schwanger ist, steht man plötzlich auf all den Kram. Ihr wisst schon, auf welchen Kram. Den, den ich nicht so mag. Ich hatte auch irgendwann keine Lust mehr, mich jedes Mal auf eine Diskussion einzulassen, sondern habe nur noch leer geguckt, bin an meinen "inneren Ort" gegangen (gute Vorübung für die Geburt, habe ich mir sagen lassen) und still für mich gedacht "Meschugge. Vollkommen drei-Sterne-meschugge. Einfach Lächeln, dann geht es hoffentlich schnell vorbei."

Dienstag, 2. Juli 2013

40. Woche: The look of Heuschnupfen is on your face.

Heute ist Dienstag, seit Freitag bin ich in der 40. Woche und damit ein bisschen spät dran. Meine Entschuldigung ist ausnahmsweise nicht mein Bauch, sondern meine Augen: irgendwas stimmt da nicht. Mindestens zwei Stunden am Tag kann ich kaum gucken, dicke Tränen kullern mir übers verschwollene Gesicht, und das, obwohl es für die Heulerei nicht den kleinsten Anlass gibt. Am schlimmsten ist es, wenn ich mit den Hunden und bei offenem Fenster Auto gefahren bin. Heuschnupfen hat mich wohl endlich auch eingeholt, nachdem ich jetzt fast 40 Jahre so unberechtigt stolz darauf war, tränenfrei durch Heuschober, Frühlingswiesen und Birkenwälder toben zu können. Schöner Mist. Das bringt auch mit sich, dass jeder Tag nur in etwa drei Stunden für mich bereithält, in denen ich schmerz- und schlierenfrei auf einen Bildschirm egal welcher Art gucken kann. Das treibt einem die pünktliche Bloggerei ein bisschen aus.

So sieht das in etwa aus, jedenfalls in guten Momenten:


Diese Abkürzungsdame scheint kurz vorm Platzen zu stehen. Außerdem fällt vielleicht der einen oder anderen auf, dass ich in letzter Zeit scheinbar fast immer das Gleiche anhabe. Das trügt nicht, bei lauen 17 Grad in Hamburg variiere ich meine zwei Schwangerschaftsjeans derzeit mit drei geringelten Schwangerschaftsoberteilen durch, dann kommt die nächste Wäsche. Die vielen geräumigen Kleidchen liegen auf Bügelhalde, so lange hier noch täglich dank der Handwerker ein Sandsturm durchs Haus fegt, hab ich andere Sorgen. Dieses Oberteil ist übrigens streng genommen gar kein Schwangerschaftsoberteil, sondern ein knapp bauchnabelbedeckendes Minikleid von American Apparel. Und ich hoffe sehr, es eines Tages auch wieder so tragen zu können. Was dieses Thema betrifft, habe ich mich letzte Woche mal vorsichtig eingegoogelt zum Thema Laufen nach der Geburt und nach zehn Minuten schaudernd beschlossen, dass ich dazu erstens meine Frauenärztin und zweitens einen Sportarzt fragen werde und auf beide höre, auf sonst niemanden.

Inzwischen arbeiten wir ganz gemächlich die To-Do-Liste ab. Gestern haben wir baby bay auf die richtige Höhe eingestellt, außerdem wurden zwei passende Spannbettlaken geliefert. Dann kam noch ein Päckchen von L.s Cousine mit ihrem alten Moby Tragetuch an, und ich habe geübt, mir das umzubinden. Mit Bauch nicht so richtig überzeugend, aber ohne wird das schon. Auch wenn ich sagen muss, Krawatte binden ist ein Witz dagegen.

Was jetzt noch zu tun bleibt:
- Betten und Gästezimmer herrichten für den Einfall meiner Familie
- dazu dringend notwendig: doch noch bügeln, um Platz zu schaffen (im Moment türmen sich Wäscheberge im Schlafzimmer meiner Eltern)
- Gebrauchsanweisung für das Haus schreiben und ausdrucken, damit sie von Kaffeemaschine bis Trockner klarkommen
- Vielleicht sogar noch eine Dose Nussecken backen und vor L. verstecken

Und dann kommt wirklich nur noch Klickerkram wie Bilder im Kinderzimmer aufhängen, vielleicht nochmal zu IKEA für ein paar weitere Körbe ins Regal und einige wüste Streits mit L., damit das Gästezimmer nach der anstehenden Hauruck-Aktion gefälligst bis zur Geburt im gästefähigen Zustand bleibt.

Und sonst?
Jetzt habe ich so oft gehört und gelesen, am Ende könnte man einfach nicht mehr. Mir geht's jetzt besser als vor vier Wochen. Ich bekomme mehr Luft, ich fühle mich nicht ganz so unförmig (vermutlich einfach Gewöhnungssache), ich kann besser schlafen und ich fühle mich nicht den ganzen Tag so voll und uffjedunsen. Wenn es nur danach ginge, könnte das meinetwegen gerne noch vier bis sechs Wochen so weitergehen. Wie viel Zeit ich dann hätte! Allerdings werde ich langsam auch ungeduldiger und ungeduldiger. Und ich liege auf der Lauer. Jedes nächtliche Zwicken könnte das Zeichen zum Startschuss sein. Heute nacht habe ich mein Date mit der Eisentablette verpennt und sie erst um sechs geschluckt, daraufhin war mir schlecht. Und was sagt mein Schwangerschaftsbuch: Übelkeit, ein gängiges Zeichen, dass es losgeht. Bisher geht hier gar nichts los, und die Übelkeit hat sich jetzt auch gelegt. Dafür könnte ich mir jetzt einbilden, wenn ich mich ganz ganz doll darauf konzentriere, dass sich so etwas anbahnt wie eine leichte Blasenentzündung. Oder ist es etwa DAS? Ich habe mir sagen lassen, dass eine Geburt sich nicht besonders subtil ankündigt, also werde ich diesen Vorzeichen-Haschmich wohl einfach über mich ergehen lassen und mir immer wieder sagen, dass ich es schon merken werde. Ganz bestimmt.

Donnerstag, 27. Juni 2013

Sogar die verdammte Tastatur ist eingestaubt. Und der Rechner war zugeklappt. Zugeklappt!

Würmchen wiegt jetzt 3.200 Gramm und kann laut Ärztin jederzeit kommen, auch wenn sie noch kein konkretes Anzeichen entdecken konnte, dass es in den nächsten zehn Minuten losgeht. Der Wehenschreiber war unauffällig, er zappelt immer noch kräftig, und die Senkwehen können zwar alles mögliche gewesen sein, aber eben keine Senkwehen, denn der Kopf sitzt immer noch nicht fest im Becken. Was bedeutet, wenn es losgeht und die Fruchtblase platzt, muss ich im Liegen und damit im Krankenwagen ins Krankenhaus. Morgen fahre ich aber erst mal in meiner eigenen schäbbigen Schüssel und sitzend da hin, denn dann habe ich einen weiteren Termin, bei dem festgestellt werden soll, wie tief genau die Plazenta nun sitzt und was das heißt. Meine Ärztin war nicht begeistert von ihrer Lage, hat sich noch mit einem Kollegen besprochen und ist zu der Ansicht gelangt, dass das die Füchse aus der Geburtshilfe besser beurteilen können. Den nächsten regulären Arzttermin habe ich am Stichtag, das heißt am 12.7., und ab da muss ich alle zwei Tage kommen, es sei denn, Würmchen bequemt sich. Ich war außerdem begeistert zu hören, dass in meiner neuen Praxis längstens sieben Tage über Termin gewartet wird, dann schicken sie einen ins Krankenhaus zur Einleitung. Die Vorstellung, fast zwei Wochen auf glühendem Klinikkoffer zu sitzen, fand ich noch nie verlockend. Auch wenn hier immer noch... aber das ist eine andere Geschichte.

Ich wundere mich inzwischen, dass man nicht öfter in der Zeitung liest von Menschen, die sich von hinten an Handwerker heranschleichen und sie mit Bademantelgürteln, Bratpfannen oder Flaschen zur Strecke bringen. Ich neige nicht zu körperlicher Gewalt, aber der Impuls ist inzwischen da. "In einer Woche schaffen wir es wohl nicht" hatte der beflissene Projektleiter damals im Dezember zu uns gesagt. "Aber in zwei auf JEDEN Fall." Jetzt sind die Fensterfüchse die sechste Woche hier, und ein Ende ist nicht abzusehen. Gestern kamen plötzlich statt der inzwischen schon vertrauten anderen Vögel ein ca. zwölfjähriger Gehilfe und ein mir noch fremder Mann, die uns vorgestellt wurden als Mitarbeiter einer ganz anderen Tischlerfirma. Unsere Fensterfüchse sind inzwischen auf einer anderen Baustelle verplant, die beiden sind der Ersatz. Sie haben noch nie mit unserer Fensterfirma gearbeitet und umgekehrt. Wäre ich auch selbst drauf gekommen, nachdem sie den ganzen Tag das Haus in Lärm und Staub gehüllt haben und trotzdem nicht mehr als sechs einfache, angeschrägte Bretter an zwei Fenster montiert haben. Morgens hatte ich ihnen noch gesagt (die Putzarie von gestern noch in den Neunmonatsknochen), sie sollten bitte, bitte darauf achten, den Tag über alle Türen hinter sich zuzumachen, damit der Staub nicht in jedes einzelne Zimmer und in jede Ritze quillt. Ergebnis war, dass alles offen stand. Sogar das Kinderzimmer, und in dem hatten sie noch nicht mal zu tun. So dass ich jetzt noch mal die ca. achtzig Strampler und winzigkkleinen Babyschühchen usw., die uns L.s Cousine geschickt hat, waschen, trocknen, falten und anhand ausgebleichter Größenschildchen sortieren muss. Das wird zusätzlich erschwert dadurch, dass der Weg zur Waschmaschine inzwischen völlig verbaut ist mit riesigen Handwerkergeräten, die in unserem Keller zwischengelagert werden. Inzwischen betrachte ich die Aussicht auf die Geburt als willkommene Chance, mal ein paar Stunden ohne Handwerker zu verbringen. Ich hoffe jedenfalls, der Kreißsaal wird nicht gerade neu gekachelt, während ich da liege.
Morgen kommt der Chef der Fensterfirma persönlich hierher, und dann werde ich ihm mal was erzählen. Ein einziges Mal während dieser Monate will ich die Schwangerenkarte voll ausspielen, und er bekommt sie morgen links und rechts um die Ohren. Seit meiner Schulzeit hatte ich nicht mehr sechs Wochen am Stück frei, verdammt. Ich hatte mich seit Dezember auf den Mutterschutz gefreut. Diese Zeit sollte dazu da sein, sich zu sammeln, zu schonen, noch ein paar letzte schöne Dinge in Freiheit zu genießen und sich behaglich auf das Baby zu freuen. Ich dachte, ich verbringe diese Zeit mit einer Gala auf der Couch. Oder mit L. in der Heide. Oder mit meinen Mädchen rippchenessend beim Portugiesen. Stattdessen verbringe ich diese Zeit damit, von fremden Männern auf dem Klo überrascht zu werden, fast täglich um halb sieben aufstehen zu müssen und einen niemals endenden Kampf gegen den Staub zu führen. Und das ist einzig und allein die Schuld dieser beschissenen Fensterfirma. Da kann einem schon mal der Bademantelgürtel ausrutschen, oder?

Außerdem habe ich noch einen Tipp für ein gesundes Sommergetränk: Neulich hatte ich vergessen, dass ich mir einen ganzen Topf Yogi Chai Tee Schoko gekocht hatte. Den losen, nicht den aus Beuteln. Man streut zwei Teelöffel in einen Topf voll Wasser und lässt das alles 10-15 Minuten kochen, woraufhin ein großartiger Duft das ganze Haus durchzieht. Der Topf stand jedenfalls am nächsten Morgen immer noch da. So geht das Getränk: man rührt eine individuelle Menge Honig in den Tee (geht besser, wenn er noch etwas warm ist), nimmt sich ein großes Glas mit Eiswürfeln, füllt es durch ein Teesieb zu zwei Dritteln mit dem zart gesüßten, abgekühlten Yogitee und gießt das Ganze mit kalter Milch auf. Ich trinke davon im Moment ca. zwei Liter am Tag. (Nein, unbekannte und sicher wohlmeinende Kommentatorin, Yogi Chai ist ein reiner Gewürztee und koffeinfrei. Frei, sage ich!)

Mittwoch, 26. Juni 2013

Gestern, im Supermarkt an der Kasse:

Ich (lade meine Einkäufe aufs Band, unter anderem zwei Flaschen Chianti, von denen eine halbe in die Puttanesca-Sauce zur Pasta wandern soll, der Rest in meinen Besuch heute Abend): "Tüdelü, Dumdidum..."
Mir fremde Frau, herrisch: "Sind Sie sicher, dass Sie das als Schwangere trinken sollten?"

Tja, und nun? Ich schwanke zwischen folgenden Antworten:
1. Ich Depp! Hab ich völlig vergessen, dass schwangere Frauen keine Gäste haben dürfen. Da kann ich mich nur vorbehaltlos entschuldigen und Sie herzlich bitten, dass das unter uns zwei Hübschen bleibt.
2. Sind Sie sicher, dass Sie das was angeht?
3. Ja, leider. Ich muss meinen Pegel halten, und die halbe Flasche Sprit von heute morgen ist auch schon fast verstoffwechselt.
4. Wieso schwanger? Wer ist hier schwanger? Oh mein Gott, sie meinen...
5. Lieber den Barolo, meinen Sie? Hab ich auch schon drüber nachgedacht.
6. (unter heftigen Tränen) Ich bin nicht schwanger! Aber stolz auf meinen Körper!

Usw. usf.

Die einzige, ziemlich langweilige und geistlose Antwort, die mir in meiner Verblüffung einfiel, war:
7. (ungefähr in dem Ton, in dem man auch "Fresse!" sagen würde) Yep.

Ich weiß, es könnte schlimmer sein. Holly von "Nothing but bonfires", selbst in der 36. Woche, berichtete gestern von einer Frau, die sie daran hindern wollte, bei Starbucks ein Schokomuffin zu kaufen. Wegen des Koffeins in der Schokolade, falls ihr euch fragt (ich hab mich nämlich gefragt). Ich hab auch schon mal eine Frau auf der Straße getroffen, die mir am liebsten meinen koffeinfreien Frappucino aus der Hand geschlagen hätte.

p.s. bevor sich hier eine berufen fühlt: Meine Puttanesca blubberte bestimmt anderthalb Stunden fröhlich und meine Ölflaschen, Mehlgefäße, Senfgläser und Besteckhumpen mit kleinen roten Spritzern bekleckernd vor sich hin, bevor wir sie gegessen haben. Da bleibt kein Promillchen übrig.


Dann hab ich noch zu berichten von meinen Senkwehen. Jedenfalls denke ich, das waren Senkwehen. Nach einem knüppelvollen Tag gestern (Waren Handwerker da? War es laut? Und dreckig? Hatte ich mehrfach gegen all den Staub anzuputzen und außerdem noch achtzig andere Dinge zu erledigen? Ja, ja und ja.) lag ich irgendwann um kurz vor Mitternacht endlich im Bett und dachte: Au Backe. Es zog so mittig, ungefähr ab Bauchnabel und dann die zehn Zentimeter abwärts, und zum ersten Mal habe ich einen Eindruck davon bekommen, was passiert, wenn ein Organ, das man trotz seiner vielfältiger Interessen und Hobbies (Myome. Endometriose.) sonst so gar nicht wahrnimmt, mal die Muskeln spielen lässt. Heute morgen bin ich aufgestanden und hatte den deutlichen Eindruck, der Schwerpunkt meines Bauchs hat sich ungefähr fünf Zentimeter nach unten verlagert. Und Würmchen hält verdächtig still. Nicht völlig still (ratet mal, wie oft ich ihn seit dem Aufstehen schon mit dem Zeigefinger gepiekt habe, um sicherzugehen, dass er noch lebt), aber irgendwie eingeschüchtert. Vermutlich war das für ihn auch anstrengend. In einer halben Stunde mache ich mich auf in die Stadt zu meiner Gynäkologin, die mir hoffentlich bestätigt, dass er jetzt endlich fest mit dem Kopf tief im Becken sitzt. Schluss mit dem Getobe! Wir sammeln unsere Kräfte jetzt für den Endspurt.

Hach, Bloggen macht durstig. Wo ist jetzt der Rest von diesem Chianti?


Samstag, 22. Juni 2013

Eigentlich wollte ich doch nur eine kleine Fahrt mit Baby ins Grüne machen.

In unserem Vorort ist Dienstags und Samstags Markt. Meine Gefühle gegenüber diesem Markt sind gemischt: es sollte Spaß machen, tut es aber nicht immer. Wenn man wie ich gerne kocht und Kochbücher und Kochsendungen verschlingt, bekommt man den Eindruck, jeder echte Fressack müsste auf Märkte stehen. So frisch! So vielfältig! So günstig! Ich habe den dumpfen Verdacht, die Hälfte aller Standbetreiber kauft genau so auf dem Großmarkt ein wie jeder normale Fisch- und Gemüsehändler auch, verkauft den Kram aber gegenüber Edeka mit teilweise deutlichem Aufpreis für's schöne Einkaufsgefühl. Und während der treue Gemüsehändler jeden Tag da ist und hofft, seine gewaltigen taufrischen Bunde Minze und seinen Knoblauch an den Mann zu bringen, schneien die Marktleute nur ab und an mal rein, und zum Dank stürzen sich alle darauf. Gleich zu Anfang des Marktes steht immer ein Mann, der vermutlich per Mehrheitsbeschluss an den Rand verbannt wird, mit einem Stand, an dem er Schlachtabfälle für Hunde verkauft. Allerlei Gekröse, Hälse, Mägen, sowas. Es stinkt erbärmlich, und er selbst hat den Geruch längst für immer angenommen. Auch eine dreiwöchige Dauerdusche mit meinem guten Pfefferminzduschgel plus zwischengeschalteten Saunagängen und Salzpeelings könnte da nichts ausrichten, da bin ich mir sicher. Als wir gerade erst hergezogen waren, habe ich die junge Lili manchmal mit auf den Markt genommen und ihr als mustergültiges Frauchen sogar ab und zu etwas da gekauft. Ich wäre beinahe umgefallen, was das kostet. Es stellt sich heraus, dass man auf unserem Markt schon angegammelte Schlachtabfälle ungefähr so teuer bezahlt wie feines demeter-Rumpsteak ein paar Stände weiter. Vier mickrige Stückchen getrockneter Ochsenziemer? 11,76 bitte. Schön sind die Fischstände, aber gerade leide ich ein bisschen vor der Auslage, denn gerade hat die Matjes-Zeit wieder begonnen, und Matjes und Krabbensalat und schöner Lachs in Sashimi-Qualität und all das sind immer noch verboten. Verboten, verboten, verboten, ich konnte das noch nie leiden, wenn irgendwas verboten ist, schon gar nicht, wenn es mit Essen zu tun hat. An den Obstständen ist die Auswahl zwar raffinierter präsentiert, aber trotzdem kleiner als bei meinem netten Gemüsetürken, fast immer gibt es irgendwas nicht, was ich brauche, so dass ich dann mit den Taschen voller Fremdgemüse noch zu einem anderen Stand (oder mit rotem Kopf zum Türken, der über diese Treulosigkeit immer hinweglächelt) muss. Außerdem führt der Markt mir immer wieder vor Augen, dass ich am Herd doch noch nicht so weit bin, wie ich gerne wäre: Körbchen übern Arm, loslaufen, gucken was es gibt und dann improvisiert einkaufen, daran erkennt man ja wohl den Könner (und daran, dass er in seiner eigenen Kochsendung ständig Gemüseleute und Fischmänner mit Vornamen begrüßt). Bei mir endet ein Marktgang immer damit, dass ich zu viele verschiedene Dinge einkaufe, weil sie gut aussehen, und am Ende feststelle, dass ich jetzt zwei Drittel der Zutaten für ca. acht Rezepte zusammen habe, aber leider für kein einziges alle.

Und hier kommt Würmchen ins Spiel. Würmchen hindert mich nicht nur am Matjesessen, sondern auch daran, elf Kilo Rezeptbruchstücke nach Hause zu wuchten. Mit Würmchen im Bauch kaufe ich plötzlich wieder nach Gewicht ein. Ich bin gezwungen, mir auch vor dem vollsten Stand zu überlegen, was ich zuhause habe und wie ich jetzt mit möglichst wenig und vor allem möglichst leichten Zutaten daraus etwas mache. Speck hab ich, Petersilie wächst im Garten, Pasta und trockenen Wermut hab ich auch, wie wären Linguine mit Speck aus dem Ofen wie bei Nigella? Dafür bräuchte ich nichts. Ich stehe vor dem Fischstand, und auf einmal fallen mir die Krabben wieder ein, die ich vor einer Weile eingefroren hatte. Ich will schon ein Riesensteak vom Biostand ordern, da fällt mir ein, dass ich noch Hack habe und 1a Köttbullar mit Kartoffelpü machen könnte... sogar Preiselbeeren sind noch da! Am Ende laufe ich nach Hause mit einer Einkaufstasche, die sich immer noch lustig vor und zurück schwingen lässt, weil darin nicht mehr ist als ein Bund Minze, zwei Knollen Knoblauch, ein Baguette, ein kleines Stück Ziegenkäse und ein paar Oliven. Würmchen macht, dass ich so billig einkaufe wie noch nie (und das für jemanden, der früher imstande war, eine halbe Monatsmiete auf dem Markt zu lassen. Nicht auf unserem Gekrösemarkt, aber auf dem Markt. Es gab Markttage in der Stadt, da bin ich während eines Marktganges zweimal an den Geldautomaten gegangen.) und trotzdem so lecker esse wie selten. Bauch macht erfinderisch.

Außerdem steige ich seit gestern voll ein in die Autositz-Problematik. Auf unseren icandy passt ein Maxi Cosi, die Adapter haben wir schon. Gestern wollte L. sowieso zu einer Werkstatt, der Babymarkt lag am Weg, und ich dachte, da fahren wir jetzt eben kurz vorbei und kaufen einen Kindersitz. Ha! Eine etwas ungepflegte Verkäuferin dröhnte uns mit ihrer lauten Stimme eine Viertelstunde lang an, und dann sind wir fluchtartig wieder gegangen. Grobe Richtung ihrer Instruktionen war in etwa "Gut, wenn ihnen das Leben ihres Babies egal ist, können Sie das natürlich so und so machen. Ansonsten hätten wir hier..." Ich hatte ja keine Ahnung. Ich dachte z.B., Maxi Cosi ist Maxi Cosi, die werden schon alle auf unseren Wagen passen. Nix da! Jetzt stehen wir vor folgenden Fragen und Entscheidungen:
1. Es gibt, wenn ich das richtig überblicke, drei Möglichkeiten, einen Autositz im Auto zu befestigen. Erstens: man schnallt ihn mit dem ganz normalen Gurt an. Zweitens: neuere Autos (meins nicht, aber L.s offensichtlich) haben eine Isofix-Vorrichtung, das sind zwei harte metallene Ösen zwischen Rücklehne und Rücksitz, da hakt man ihn ein. Dritten: man kauft so ein gewaltiges, metallisches Dings, das dann im Auto fest montiert wird und in das man wiederum den Autositz einhakt.
2. Es gibt Babyschalen (also Kindersitze für Neugeborene), die man mit ins Flugzeug nehmen und dort relativ fest montieren kann und welche, mit denen das nicht geht. Kurioserweise scheint das bei Maxi-Cosi nur mit dem billigsten Modell zu gehen. Ich verstehe das nicht.
3. Es gibt außerdem einen neuen Maxi Cosi, aus dem die Kinder nicht mit spätestens einem Jahr rauswachsen, sondern der auch noch für Vierjährige geeignet ist. Der scheint mir so ein metallisches Einhak-Schlitten-Dings schon eingebaut zu haben. Er kostet mehr als doppelt so viel wie ein normaler Einsteiger-Maxi Cosi, aber dafür ist er eben zwei Kindersitze in einem, was mir sinnvoll erscheint. Diesen Milofix gab es aber in unserem Babyladen nicht.

Gestern Abend habe ich mir jede einzelne Mutter auf dem Geburtstag gegriffen und alle gefragt, wie sie das mit dem Babysitz gemacht haben. Alle hatten nur einen Gurt zum Befestigen. Das Isofix-Ding ist hinten im Auto, ich hatte aber z.B. vor, oft mit dem Kind und den Hunden loszufahren zu einem langen Spaziergang zu viert. Ist das Kind hinten, besteht die Gefahr, dass die Hunde sich unter und neben dem Hundegitter durchwursteln und einfach auf den Kleinen drauftreten - mit langen Krallen und nicht unbeträchtlichem Gewicht. Da bin ich dagegen. Habe ich ihn vorne neben mir, kann ich ihn aber sowieso nur mit Gurten befestigen. Dieses Befestigungsdings hinten wäre also nur für Fahrten, auf denen L. und ich gemeinsam unterwegs sind, so dass einer von uns hinten neben der Wurst sitzt und sich erstens kümmern kann bzw. zweitens die Hunde zurückhält. Solche Fahrten werden nicht den Löwenanteil der Fahrten ausmachen. Während gestern die Verkäuferin uns noch andröhnte, der preiswerte, aber flugzeugtaugliche Maxi Cosi wäre quasi eine Todesfalle, lese ich heute, dass er bei Stiftung Warentest mit gut abgeschnitten hat. Außerdem hat mir immer noch niemand mit letzter Sicherheit sagen können, ob man den Kindersitz direkt mit den Isofix-Ösen verbinden kann oder ob man dann trotzdem noch dieses Metallmonstrum braucht. Sollte das so sein, schlägt das Pendel gerade in Richtung Milofix aus. Aber passt der auf unser Kinderwagengestell? Harrrrg.

Liebes Würmchen,

Seit gestern bist du kein Frühchen mehr, herzlichen Glückwunsch! Heute morgen bin ich aufgewacht und habe beschlossen, darauf zu pfeifen, dass unter den Fensterbänken in deinem Kinderzimmer immer noch der Putz bröckelt und Löcher klaffen, und beschlossen, zu putzen, egal ob da noch mal der Maler durchmuss oder nicht. Ich muss noch ein paar Leitz-Ordner mit albernem Steuerkram auf den Dachboden schaffen und dort verstauen, das Regal von einem halben Kilo Staub befreien und Deinen Vater dazu kriegen, es an die vorgesehene Wand zu rücken, dann ist der Rest ein Kinderspiel. Ich glaube nicht, dass Dich Ordnung schon besonders interessiert, und Du wirst lachen: mir geht es eigentlich mit 40 Jahren immer noch genau so, aber das hier ist anders. Zu wissen, dass Du hier bald einziehen sollst, weckt in mir eine große Sehnsucht, mit dem großen Straußenfederstaubwisch, einer Flasche duftendem Öko-Reinigungsspray und riesigen Mengen Seifenwasser anzurücken. Und wenn ich eins in den letzten 40 Jahren gelernt habe, dann ist das, diese seltenen Launen zu nutzen, bevor sie wieder in den Tiefen meines Fusselhirns verschwinden.

Gestern abend war ich zum vermutlich achten Mal auf meiner "letzten Party" vor Dir, es fühlt sich langsam an wie Howard Carpendales Abschiedstournee, immer gibt es doch noch einen Abend, an dem alle trinken außer mir und ich mich gegen Mitternacht stillvergnügt in mein Auto setze und uns nach Hause ins Bettchen fahre. Und wieder mal haben bestimmt fünfzehn Menschen den Bauch mit Dir drin angefasst und uns viel Glück gewünscht. Die netten Frauen bei Edeka an der Kasse wünschen mir Glück, der Polizist, der auf dem Heimweg wissen will, ob ich was getrunken habe, wünscht mir Glück, Familie und Freunde sowieso, der Schornsteinfeger, der Klempner, die Nachbarn, die Tierärztin, alle wünschen uns Glück, und langsam habe ich wirklich das Gefühl, das könnte klappen mit uns beiden. Es könnte tatsächlich passieren, dass ich Dich demnächst, sehr demnächst sogar, gesund und rund und rosig im Arm halte. Anderen ist es doch auch passiert, wieso also nicht mir? Und ich bin sogar so optimistisch, dass ich anfange, Pläne zu machen. Ich mache Pläne, wie wir zwei zusammen zum Babyschwimmen gehen. Wer weiß, vielleicht lernst Du da Deinen besten Freund für's Leben kennen? Ich mache Pläne, mit Dir und den Hunden zwei Stunden lang durchs winterliche Moor zu schieben. Ich mache Pläne für Wochenenden in der Heide, an denen wir auf einer Decke unter Kiefern liegen und zugucken, wie die Zweige sich im Wind wiegen. Ich mache Pläne für Fahrten über den Markt, auf denen wir schönes frisches Gemüse kaufen, und dann schieben wir nach Hause, und dann mantsche ich daraus unter Deiner Aufsicht Deinen ersten Brei. Im Moment - noch ohne Schlafentzug, ohne schmerzenden Dammriss, ohne Stillprobleme und ohne erste Erkältungssorgen - freue ich mich auf alles. Auf jede vollgekackte Windel, auf winzige Wäsche, die auf dem Balkon im Wind flattert, auf mucksches Geknötter, auf Spaziergänge durch Hagel und Hitze und überhaupt. Du wirst schon wieder lachen, was Deine Mutter für eine bescheuerte, verplante Vollidiotin ist, aber ich freu mich sogar auf die Geburt.

Dieses Wochenende wird das Kinderzimmer ein Kinderzimmer, basta. Und ab Montag darfst Du gerne vorbeikommen. Ich bin zuhause.

Mittwoch, 19. Juni 2013

Siri, pack doch bitte meinen Klinikkoffer zu Ende, wisch hier einmal feucht durch, und wenn Du schon dabei bist, dann krieg auch bitte gleich mein Kind für mich. Ja?

Bücher sortiert in die, die ich in den nächsten Monaten unbedingt lesen muss, und die, die auch für ein halbes Jahr verschwinden können: Haken dran.
Bücher entsprechend in den Keller geschafft oder im Schlafzimmer verstaut: Haken dran.
So dass Würmchens angehendes Kinderzimmerregal jetzt leer ist: Haken dran.
Schreibtisch ausgeräumt, so dass ihn heute Abend L. und mein Bruder aus dem Kinderzimmer auf den Dachboden wuchten können: Haken dran.
Klinikkoffer von extrem lässiger Ledertasche, die aber leider nur das Fassungsvermögen eines kleinen Schuhkartons hat, in uncoolen, aber praktischeren Rollkoffer umgepackt und im Zuge dessen gleich um mehrere wichtige Dinge ergänzt: Haken dran.
Spucktücher, die ich während der Erkältung nachts als Halstücher benutzt habe, damit nicht mein ganzes Bett mit braunem Tigerbalm verschmiert wird, in die Kochwäsche gesteckt: Haken dran. (Wehe, das geht nicht raus und ich muss neue kaufen.)
Bett für meinen Bruder klargemacht: Haken dran.
Restliche Belege für Mittagspausen etc. für 2013 für die Steuer sortiert: Haken dran.
Noch ausstehende Kreditkartenabrechnungen organisiert, gesichtet, Steuer-relevante Posten markiert und erklärt und abgeheftet: Haken dran.

Ich finde, mehr kann man von einer Dame im neunten Monat an einem Tag mit 34° nicht erwarten.

Noch offen auf der To-Do-Liste sind:
- neuer Bezug für Baby-Bay
- Bezug für Kinderwagenmatratze
- Maxi-Cosy
- Tragedings für Frischgeschlüpfte Babies

Das machen wir morgen, eine willkommene Entschuldigung, für ein-zwei Stündchen vor den Handwerkern in den Babymarkt zu fliehen.

Und dann muss noch das Paket aus England ankommen, in dem L.s Cousinchen uns ihre rausgewachsenen Baby-Sachen schickt. Die muss ich dann auch noch mal waschen und trocknen und falten.

Dann müssen die Handwerker endlich, endlich verschwinden.

Dann bauen wir noch das IKEA-Bett auf, bzw. aus bitterer Erfahrung mache ich das lieber alleine, das endet sonst mit Scheidung und alleinerziehend und all dem, IKEA können wir nicht so gut zu zweit.

Dann sollten wir noch Rollos oder licht-dichte Gardinen im Schlafzimmer und im Kinderzimmer befestigen, denn man hört ja, dass Babies in abgedunkelten Räumen besser schlafen. (Klitzekleine Schlafbrillen wären doch toll. Wobei ich mir sicher bin, irgend eine Schlaubiene hat schon wieder herausgefunden, dass die quasi direkt zum plötzlichen Kindstod führen.) Oder warten wir mit der Verdunkelung lieber, bis wir festgestellt haben, dass unser Würmchen tatsächlich nur im Dunkeln schläft? Vielleicht ja auch so.

Dann muss ich noch einmal alles putzen und feucht abwischen, durchlüften, und dann könnte es tatsächlich den Moment geben, in dem ich noch ein paar Bilder aufhänge im Kinderzimmer und wir dann auch mal fertig sind.

Laut Schwangerschafts-Apps, denen ich gestern doch mal wieder einen Höflichkeitsbesuch abgestattet habe, sind es noch 23 Tage. Warum also die plötzliche Hektik? Weil ich das dumpfe Gefühl habe, so lange dauert es nicht mehr. Mein Bauch macht komische Dinge. Und mit komisch meine ich, manchmal tut das ganz schön weh. Sind das jetzt Senkwehen? Braxton-Hicks-Kontraktionen? Ich hatte gedacht, die wären schmerzlos. Wenn das Wikipedias Vorstellung von Schmerzlos ist, dann rate ich Wikipedia dringend, es mal selbst zu versuchen. Oder ist wieder mal die blöde Endometriose Schuld, dass das so zwiebelt? Es ist jedenfalls beruhigend zu wissen, dass in einem Eppendorfer Klinik-Medikamentenlager die Zutaten für eine feine PDA warten, auf denen mein Name steht. Manchen hier wird nämlich langsam ein bisschen mulmig. Zum Beispiel dann, wenn sie auf einem zwei-Kilometer-Hundespaziergang dreimal Pause machen müssen. Oder wenn sie sich nach einer ca. 20 Gramm wiegenden Socke bücken und plötzlich das Gefühl haben, sie kommen nie wieder hoch, sondern kriegen gleich ihr Kind direkt hier unten im Waschkeller. Oder wenn sie morgens ein bisschen länger schlafen, daraufhin die Blase noch ein bisschen voller ist als sonst und das im Ergebnis dafür sorgt, dass sie es nur an der Hüfte im rechten Winkel nach vorne geknickt noch aufs Klo schaffen. Und dabei macht Würmchen bisher nur Spaß.

Oder?