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Samstag, 26. Februar 2022

Jenseits von Lililand.

Vorweg: Ja, ich sehe die Nachrichten. Ich sehe nicht nur die Nachrichten so gebannt wie zuletzt rund um die Biden-Wahl, sondern ich schrecke nachts um elf, um zwei, um vier hoch und gucke, was der Tagesspiegel und meine anderen Nachrichten-Apps zu berichten haben. Ich bin vor Sorge und Mitleid und Wut und Beklemmung fast krank. Und jetzt schreibe ich einen Post über ein völlig anderes Thema. Also, los geht's.

Habe ich schon mal erwähnt, dass ich als Kind vollkommen wild, von der ersten Sekunde an hooked war, wann immer es um Videospiele aller Art ging? Ich meine, viel war ja erst mal nicht. Aber das, was es da gab bei anderen Kindern und deren großen Geschwistern, war für mich damals unfassbar toll. Nicht zu glauben, dass es Kinder gab, die jeden Tag Zugang zu so etwas hatten, so viel sie wollten! Die Eltern meiner Freundin Manu hatten irgendwann an ihre dicke Glotze das Spiel "Pong" angeschlossen. Das war, so weit ich weiß, das erste Videospiel überhaupt. Zwei Spieler steuerten zwei Balken mit jeweils einer Fernbedienung, die so groß war wie ein Stück Butter. Damit spielten sie eine krude Simulation von Tischtennis, daher "Pong". Hätte man mich in dem Haus allein gelassen und vergessen, hätte ich vermutlich drei Tage lang Pong gespielt und dazu die üppigen Kellog's-Smacks-Vorräte aufgegessen und mir jedenfalls keinen Kopf gemacht. Manus große Schwester hatte dann irgendwann sogar einen eigenen Computer in ihrem Zimmer. Auf dem liefen Spiele, die auf Cassetten gespielt waren und dann auch tatsächlich in eine Art Cassettenrekorder gesteckt wurden. Nicole war nett, aber schon 15, und sie war nur manchmal in der Stimmung, zwei zwölfjährige Nervensägen in ihr Zimmer zu lassen. Aber wenn - oh Gott. Pacman war tatsächlich mehr als die Entschädigung für viele kleine Nickligkeiten und Schäbigkeiten, die ich mir schafartig von Manu gefallen ließ, seit sie nicht mehr auf die gleiche Schule ging wie ich und neue, bitchigere Freundinnen hatte. Ich kann mich auch noch an einen Skiurlaub erinnern, bei dem im Keller ein Arcade-Automat mit Donkey Kong stand. Ich habe mein ganzes Taschengeld da reingesteckt, und während der zehn Tage habe ich es tatsächlich dreimal auf Level 3 (das, bei dem die T-Träger wie Aufzüge funktionieren) geschafft. Meine Hingabe ging also nicht Hand in Hand mit irgend einer Art von Talent. Noch mal zwei Jahre später hatte meine Freundin Sabine auf der Skifreizeit mit dem Sportclub ein Handheld-Spiel dabei, bei dem man eine Kellnerin war, die ein Café voller ungeduldiger Gäste sehr zackig bedienen musste. In diesem Urlaub ging mein Taschengeld für neue Batterien für das Ding drauf. Wäre nicht das lästige Skifahren dazwischen gekommen, hätte ich den ganzen Tag in einem muffigen Etagenbett gelegen und gedaddelt, gedaddelt, gedaddelt. Nein, ganz so war es auch nicht, ich hatte Spaß am Skifahren, aber weg vom elterlichen strengen Auge so ein Ding in der Hand zu halten - kaum zu toppen.

Ja, nun bin ich der Großvater oder so ähnlich. Und seit Weihnachten haben wir zuhause eine Nintendo Switch. Glaubt es oder nicht, es war L.s Vorschlag. Ich wäre nie damit angekommen, denn ich wäre mir sicher gewesen, er erklärt mich für bekloppt. Unsere Kinder haben das Pech, in einen dieser Bildschirmzeit-lässt-sich-kaum-vermeiden-aber-wird-strengstens-kontrolliert-Ausnahmen-bestätigen-die-Regel-Haushalte geraten zu sein. Ich weiß, was ich ihnen schuldig bin, auch wenn ich tief drinnen immer noch vollstes Verständnis habe, wäre ich doch selbst gern mal ein paar Stunden mit dem Ding allein. (Donkey Kong kann man sich im e-shop laden. Hab ich das gemacht? Na ratet mal.) Zu Anfang hatten wir Mario Kart. Mario Kart ist toll: in einer liebevollen, witzigen Nintendo-Welt fährt man in Gestalt von Princess Peach oder Tanuki-Mario Rennen auf selbst zusammengestellten Autos und Motorrädern. Die Rennen führen durch Sahnetortenschlösser, Inka-Ruinen oder durch das wie irre blinkende Discodrom. (Sollte ich als vielleicht-Epileptikerin da mitmachen? Hm. Also erstens bin ich zuhause auf dem Sofa und stehe nicht in einem felsigen Berghang, während ich fahre. Und zweitens: ja, wenn ich nur zugucke - vier Controller für fünf Familienmitglieder - dann spüre ich so etwas wie einen Sog und gehe schnell nach nebenan. Aber wenn ich selbst fahre, kein Problem. Und wenn ich was mitzureden habe, dann dirigiere ich den Rennkurs eher weg vom Discodrom.) Ein Grand Prix besteht aus vier Rennen und dauert mit Auto-Auswahl ungefähr 15 Minuten. Wenn wir also wollen, können wir uns alle auf dem Sofa versammeln, fahren zwei davon - einen mit L., einen mit mir - und haben eine halbe Stunde lang richtig Spaß. Die Kinder machen das unfassbar gut, niemand quengelt, dass er noch einen dritten Grand Prix will, alles ist vollkommen im Ordnung.

Dann kam Animal Crossing. Animal Crossing New Horizons genauer gesagt. Das hatte L. gleich zusammen mit der Switch bestellt. Am ersten Feiertag haben wir es mal ausprobiert, sind aus irgend einem Grund nicht richtig reingekommen, und dann haben wir es beiseite gelegt. Dann habe ich von 18 Seiten gehört, wie toll und kindgerecht und niedlich das ist, und habe mich noch mal reingefuchst. Und dann, tja, dann waren wir drin.

Animal Crossing New Horizons ist ein Spiel, bei dem man zu Anfang einen putzigen, menschlichen Avatar für sich baut. Dann fliegt man auf eine kleine Insel, die von nun an das eigene Reich ist. Unsere hat viele Klippen und Flüsse, ist mit Kirschbäumen bewachsen und heißt Lililand. Dort hat man noch ein paar Mit-Robinsons und ein Team aus drei Waschbären, die den Flug begleiten. Und dann geht's los. Erst mal wohnt man in Zelten, dann gibt es den Upgrade zu kleinen Häusern. Man wandert herum und beguckt sich die Landschaft, man sammelt Stöcke und Früchte und Rohstoffe, man baut Sachen und fängt Insekten und Fische und verkauft Dinge, für die man dann Sternies bekommt. Man bekommt auch Meilen für erreichte Meilensteine wie z.B. den fünfzigsten gefangenen Fisch oder viele freundliche Gespräche mit Nachbarn. Mit der Zeit hat man den Bogen raus, und die Insel kann sich weiter entwickeln. Neue Bewohner ziehen ein, Händler kommen zu Besuch, man kann auch auf andere Inseln fliegen und gucken, was man dort so sammeln kann. Das alles fühlt sich in den ersten paar Stunden an wie die niedlichen kleinen Zwischen-Missionen, die es in den alten Zelda-Spielen gab, und ich hab den leisen Verdacht, dass dieses schöne Gefühl - mal keine Monster bekämpfen oder Rätsel knacken, sondern dem netten Wicht aus dem niedlichen Dorf dabei helfen, seine zehn Hasen wieder einzufangen - die Inspiration dazu gewesen sein könnte, daraus doch ein ganz eigenes Spiel zu machen. Es ist schön in Animal Crossing. Ruhig, entspannt, bis vor kurzem lag noch Schnee, da knirschte es so schön beim Laufen, und es ist immer irgendwas Kleines zu tun. Die Kinder waren auch sofort wie eingesaugt. Ein paar Tage haben wir es laufen lassen. Dann war es ziemlich schnell so weit, dass die Jungs mich beim Abholen aus der Schule als Erstes fragten "Mama. Dürfen wir Animal Crossing? Büttööö!". L. und ich runzelten die Stirn und reglementierten, ich richtete eine Kindersicherung für die Switch ein, mit der man höchstens 30 Minuten am Tag spielen kann, ohne einen Code einzugeben und mein Telefon mir alles petzt, was auf der Switch passiert. Das Ergebnis war, dass L. eines Nachts auf dem Weg aufs Klo ein Geräusch aus dem Zimmer des Großen hörte und ihn dann dort um 2:30 fand, wie er unterwegs in Lililand war. Ein Kind, das jeden Morgen nur unter größtem Protest aus dem Bett zu holen ist und angetrieben werden muss wie ein Muli, um dann um halb acht angezogen und mit gepacktem Ranzen in die Schule zu gehen. In dieser Nacht hat L. einfach die Switch entstöpselt und weggeräumt. Und hier stehen wir nun.

Ich bin der Meinung: nicht die Switch ist das Problem, sondern Animal Crossing. Ein Spiel mit so wenig Struktur und Grenze ist nichts für Kinder. Mit 20 Minuten kommt man auf Lililand nicht weit, allein bis es fertig geladen ist und man tatsächlich loslaufen und Dinge tun kann, dauert es. Zwar kann man zu mehreren gleichzeitig auf der Insel sein, aber immer nur einer kann bestimmen, was gemacht wird, die anderen dürfen nur hinterher rennen. Und es gibt nie einen guten Punkt, um aufzuhören. Selbst wenn man drei Stunden spielen würde, wären da immer noch Schneeflocken oder Fische zu fangen, Schneemänner zu bauen, Löcher zu graben, Fossilien zu bestimmen oder ein Gartenstuhl zu bauen. Man geht immer mit dem Gefühl, die Arbeit liegengelassen zu haben, und das gleich dreimal, wenn man sich nicht selbst losreißt, sondern Mama sagt, jetzt ist Schluss. Meine Kinder, deren Kinderzimmer regelmäßig in einen Zustand der Unbewohnbarkeit abgleiten, wenn ich nicht wider meine Überzeugungen ab und zu Heinzelmännchen spielen würde - dass die so einen Spaß an einem Spiel haben, bei dem es im Grunde um Haushaltsführung und Aufräumen geht, das hat seine ganz eigene Ironie. Also: Schluss mit Animal Crossing, bitte wieder her mit Mario Kart. Die bunte Gang fehlt mir. Ich setze die Kindersicherung hoch auf null Minuten, dann geht ohne elterlichen Code gar nichts mehr, und dann gucken wir mal.

L. dagegen sieht es so, dass hier ein harter Schnitt her muss. Jetzt wieder Rennen zu fahren, ist in seinen Augen ungefähr so, wie einem Alkoholiker zu empfehlen, in Zukunft nur noch Bier zu trinken. Noch ist nicht ausgefochten, wie wir es machen. Demnächst kommen mehrere Upgrades mit neuen Rennstrecken, und dann wird es irgendwann auch Bewegungsspiele geben wie damals für Wii sports. Die würde ich zu und zu gerne erleben. Wie macht ihr das bei euch zuhause? Ich würde mich über ehrliche Antworten freuen (nachdem ich in letzter Zeit häufiger den Verdacht hatte, die anderen Mütter erzählen mir eh nur das, wovon sie annehmen, dass es sie streng und konsequent und damit gut dastehen lässt.)

Also: wie sieht es bei euch aus mit dem ganzen Bildschirmthema? Wie regelt ihr das? Und funktioniert diese Regelung, oder gibt es dauernd Stunk? Und die noch aktiven Abkürzungsdamen: an dem Thema kommt man auch ohne Kinder kaum vorbei, mir jedenfalls ging es damals so. Wie würdet ihr es machen? Ich hatte damals einen Plan, auch wenn sich im Nachhinein herausstellt, der war für die Tonne.

Dienstag, 31. Dezember 2013

Bääääää bliiiiprrrrpfffff. Gogol. Öööööhmpf.

Morgens um halb neun schlage ich die Augen auf, weil da ein kleines, niedliches Geräusch an meine Ohren dringt: Ndogo ist wach in seinem Bett nebenan und erzählt sich was. Mein Kind ist ein Morgenmensch, ist das zu fassen? Ein Morgenmensch, der trotzdem lange schläft. Nach seinem Fläschchen und einer frischen Windel lege ich ihn in sein neues Babyreservat, ein riesiges, sechseckiges Ding, das er von meinen Eltern zu Weihnachten bekommen hat, und dann kann ich mich fast drauf verlassen, dass er eine halbe Stunde lang alle seine Knister- und Klingel- und Rasseltiere begrüßt und mit seinen Füßen und Händen spielt. Es sei denn natürlich, ich verlasse mich darauf und plane für diese Zeit irgend etwas Erwachsenes fest ein. Dann ist alles anders. Aber wer macht heute schon noch erwachsene Pläne?
Ach ja, wir ja doch. Heute Abend haben wir das erste Mit-Baby-Silvester, und das wird so laufen, wie ich das sonst nur von meinen Eltern kenne: treffen mit zwei Paaren mit Kindern, Fondue (ich mache fünf Saucen für das Fondue. Drei davon habe ich gestern Abend fertig gemacht, zwei erst heute, weil gestern glatte Petersilie aus war. Die drei von gestern sind alle drei brüllend scharf, ich hoffe, die zwei heute werden etwas sanfter, sonst gucken die anderen Erwachsenen mich wieder so an. Keine Gute Idee ist es übrigens, abends mit unbehandschuhten Händen, weil L. entgegen meiner Anweisungen keine Latexhandschuhe, sondern diese riesigen flappigen Plastiktütenhandschuhe für solche Zwecke besorgt hat und in diesem Haushalt ja immer nichts weggeschmissen werden darf, bevor es aufgebraucht wurde oder schimmelt, harrrrgh - mit unbehandschuhten Händen jedenfalls zwölf riesige rote Chilischoten zu zerteilen und zu entkernen und sich dann am nächsten Morgen ohne ein ausgiebiges Handpeeling mit einer dieser Automechaniker-Waschpasten die Kontaktlinsen einzusetzen.), vielleicht ein bisschen milde Knallerei für die größeren Kinder, Frohes neues Jahr, Küsschen links und Küsschen rechts und dann Zähneputzen und ins Bett. Das wird nett! Außerdem, was will ich denn? Ich bin 40, L. ist 43, der Ärmste, und abgeböllerte Finger, Alkoholvergiftungen und Knutschflecke, über deren Herkunft man am nächsten Morgen nur rätseln kann, sollten eigentlich hinter uns liegen. Wobei, Knutschflecke... anderes Thema.
Achtzehn Posts in achtzehn Tagen waren vielleicht ein bisschen zu ehrgeizig. Aber weil ich bisher keinen einzigen Silvestervorsatz habe, will ich wenigstens dieses kümmerliche kleine Ziel erreichen. Damit das klappt, muss ich ein bisschen schummeln. Seid mir nicht böse, wenn das etwas unbeholfen wird. Man sollte es nicht glauben, aber ich habe meine komplette Schul- und Unizeit ohne einen einzigen Spickzettel hinter mich gebracht, da tut man sich ein bisschen schwer. (Nicht aus Tugendhaftigkeit übrigens, sondern weil ich so ein Schisshäschen bin, das noch nicht mal Schwarzfahren kann.) Gerade bin ich bei Nr.6. Ich kann das alles noch schaffen! Und los.

Montag, 25. November 2013

Pre-Milch, deine Tage sind gezählt.

Das Wichtigste zuerst: das Kind lebt noch und hat uns zur Begrüßung ziemlich verschlafen angestrahlt, bevor es dann hellwach war und anfing, quiekend vor Freude mein Kinn zu essen. Heute Nacht haben wir händchenhaltend geschlafen, noch passt er gerade so in sein Babybay. Wenn es ihm in irgend einer Weise geschadet haben sollte, dass er für ein paar Tage von meiner Mutter betreut wurde statt von uns, dann lässt er es sich nicht anmerken. Ich hatte zwischendurch immer mal wieder eine kalte Stelle, fünf Minuten, in denen ich mich nicht mehr für dieses ganze Wiendings interessiert habe, sondern nur seufzend die Fotogallerie in meinem Telefon durchgesehen habe. Aber davon abgesehen hatten wir ein paar schöne Tage im Nieselregen, ich war zwei mal im Kino (ein Film in Ordnung, der andere sturzblöd, aber auch schon egal, es war zu toll, wieder mal mit einem Eimer Popcorn im Dunkeln zu sitzen), zweimal im Theater sowie in der fabelhaft verqualmten Theaterkneipe Bendel, ich habe zwei Bücher gelesen und einmal zwölfeinhalb Stunden am Stück geschlafen, war in der Sauna und habe als nachträgliches Geschenk zur Geburt einen alten Mantel aus New York bekommen, in dem ich mir jetzt vorkomme wie Katherine Hepburn. Dass ich jetzt direkt drei Tage arbeiten gehen muss, tut mir leid, nächstes Mal organisieren wir das so, dass ich in der darauffolgenden Woche Mittwoch-Donnerstag-Freitag arbeite. Wobei L. mir gerade per Telefon berichten konnte, dass Ndogo die Kinderfrau mit lautem Freudengegluckse begrüßt hat.

Die Hydra Dings BB Cream von Dior ist eine Pleite. Es sei denn, man wünscht sich von einer BB-Cream, das Gesicht gelblich-beige zu färben und speckig zu machen. Die Verkäuferin, auch nicht blöd, hat mir diesen Glanz als "Perlmuttschimmer" verkauft. Das ist er auch in der ersten halben Stunde, danach speckt es wirklich nur noch. Pudern hilft, aber wenn ich am Tag sieben mal pudere, brauche ich auch keine BB-Cream. Die Farbe sollte sich eigentlich nach wenigen Minuten meinem natürlichen Hautton anpassen und perfekt für "englische Typen" wie ich angeblich einer bin gemacht sein. Nix da, beige bleibt beige, und in meinem Gesicht gibt es normalerweise keine beigefarbene Zelle. Das Ergebnis ist ungefähr so wie damals bei meiner ersten BB-Cream, die von Garnier war und um die sieben Euro gekostet hatte, die habe ich nach dem ersten Versuch weggeworfen. Das werde ich mit dieser hier nicht tun, weil sie so teuer war - eigentlich irrational, beige ist beige. Die Lehre, die ich daraus ziehe, ist nicht nur, diese Creme bestimmt nicht noch mal zu kaufen, sondern auch, in Zukunft auf der Suche nach einem neuen Kosmetikprodukt nicht mehr ins Alsterhaus zu gehen, denn dort ist alles nach Marke sortiert. Es gibt dort niemanden, zu dem ich gehen kann und sagen "Guten Tag, ich hätte gerne eine schöne BB-Cream mit hohem Lichtschutzfaktor, die zu meinem Hautton passt bitteschön". Ich muss zu Dior oder zu Shiseido marschieren, und dann kriege ich eben das, was die haben. Die einzig gute Nachricht ist, dass es nun doch kein stinketeures Produkt in meine Standardausrüstung geschafft hat, im Zweifel begeistere ich mich lieber für 15-Euro-Creme als für 60-Euro-Creme. (Normalerweise hätte ich die enttäuschende Tube gar nicht weiter erwähnt, aber eine Kommentardame hatte darum gebeten. Das meiner Meinung nach beste Duschgel der Welt ist übrigens Fabulously Fresh von Burt's Bees, einer Marke, deren Produkte mich sonst nicht so überzeugt hatten. Es ist ölig und damit leicht rückfettend und riecht so extrem nach Minze, dass es zu vor-Baby-Zeiten schon im Alleingang Kater und bis heute Müdigkeit und schlechte Laune beseitigt hat. Im Sommer erfrischt es, im Winter wärmt es - ich find's toll. Man bekommt es unter anderem im Online-Shop der Apotheke am Rothenbaum.)

Vor einer ziemlichen Weile hatte ich mich mit Stammtischdame Nina mal auf der Schanze getroffen, und zum Ende des Babybummels waren wir noch bei Budni. Da fragte sie mich dann, wie ich das denn vorhätte mit Zufüttern: selber kochen oder Gläschen? "Quatsch, das Kind isst, was wir essen" dröhnte ich damals noch dummselbstbewusst. Seitdem habe ich zum Glück ein bisschen dazu gelesen und nehme jetzt alles zurück. Ndogo ist jetzt vier Monate alt, damit im besten Alter für erste Experimente mit Möhrchen usw., und sobald diese Arbeitswoche am Donnerstag vorbei ist, stürze ich uns in dieses Abenteuer. Gerade habe ich schon die ersten drei Bio-Gemüsegläschen bei Budni besorgt. So lange noch nicht richtig klar ist, was er mag und was ihm bekommt, werde ich nichts selber kochen. Erstens ist die Tiefkühltruhe voll, in dieses Chaos aus undichten 8-Kräuter-Packungen und undefinierbaren Alufoliepäckchen will ich seine Babyportiönchen nicht versenken, ich könnte sie zu leicht mit eingefrorenem Eiweiß oder Weißweinrestchen verwechseln, nicht auszudenken. Zweitens ist mir das Frustpotential zu hoch: ich mag mir gar nicht vorstellen, wie sich das anfühlt, an einem Babytag mit ihm loszuschieben, feinstes Biogemüse zu besorgen, zu waschen, zu putzen, zu schnibbeln, zu dämpfen, zu pürieren und dann erwartungsfroh mit dem Löffel auf das Mäulchen zuzusteuern, nur damit er mir das alles um die Ohren wirft und losbrüllt und ich die schönen Pastinaken/Topinambur/Kürbisbreichen für nix und wieder nix fabriziert habe. Ganz zu schweigen von den unvermeidbaren Schuldgefühlen, sollte er mein Essen wirklich essen und anschließend den Dünnschiss oder die Verstopfung seines kleinen Lebens haben. Drittens glaube ich ehrlich gesagt, dass ein Biogläschen im Zweifel aus frischerem Gemüse und schonender gegart ist, als ich das mit normalen Edeka-Hausmitteln hinkriege. Ich freue mich also schon sehr darauf, für Ndogo zu kochen, aber ich glaube, am Anfang baue ich lieber auf Alnatura usw.
In meiner Bürotasche liegen jetzt drei Gläschen: Frühkarotten, Kürbis und Pastinake. Und Donnerstag Mittag haben Ndogo und ich eine Verabredung zum Essen. Mein Baby wird erwachsen! Ich find's toll.

Dienstag, 19. November 2013

Für vernünftige Überleitungen fehlt mir gerade die Energie.

Neulich habe ich irgendwo gelesen "die Minuten kriechen, die Tage rasen" - so oder so ähnlich. Und ziemlich genau so ist es mit einem Baby. Die Zeit zwischen halb neun und halb zehn abends zum Beispiel, wenn er einfach nicht einschlafen will, nicht mit Geduld und Gesinge und Geschaukel und Fläschchen und trotzdem nicht - die gibt mir das Gefühl, ich trage ihn gerade schon seit drei Tagen durchs Wohnzimmer, und immer knarrt die gleiche Stelle, während ich mit ihm um den Esstisch laufe und L. nebenan schon wieder eine Folge meiner Lieblings-Krimiserie guckt. Oder wenn ich nachts wach bin und neben mir dieses kleine Profil zwischen zwei geballten Fäustchen liegt, dann scheint es fast, als wären das nicht zehn Minuten, sondern die Ewigkeit. Und dann ist plötzlich November, Ende November sogar, und dabei war doch gerade noch September? Während ich hier drinnen schleppe und wickele und füttere und klitzekleine Kleidungsstücke wasche, werden da draußen Firmen gegründet und Filme gedreht und Ehen geschieden und vor allem jede Menge Laub mit Hilfe extrem lauter Geräte zusammengepustet. Davon mal abgesehen - von den merkwürdigen Dingen, die mit meiner Zeit passieren, und davon, dass ich zu eigentlich fast allem, was mir mal wichtig war, nicht mehr komme, und davon, dass ich eigentlich immer gerade vor irgend etwas Angst habe, sowie davon, dass über allem, was ich tue und lasse, das Gefühl hängt, den Dingen nicht gerecht zu werden und in zunehmende Unordnung zu geraten - von all dem abgesehen bin ich sehr glücklich. Und dankbar. Und glücklich. Und dankbar. Und glücklich.

Morgen abend kommen meine Eltern, dann erkläre ich meiner Mutter, wie das neue Fläschchendesinfizierungsdings funktioniert und der Autokindersitz, dann packen wir, und Donnerstag früh steigen wir ins Flugzeug und kommen erst Sonntag wieder. Jede, die sich denkt, "das täte ich nicht", kann sich sicher sein: ich denke das auch oft genug, aber das ist vermutlich eine dieser Sachen, die man einfach trotzdem machen muss. Ihr kennt meine Mutter nicht, ich schon, und ich habe manchmal das dumpfe Gefühl, bei ihr ist das Kind fast in besseren Händen als bei mir. Ihm wird also nichts passieren. Ob ich dagegen in den drei Tagen manchmal trübe und voller Melancholie auf meine Buchteln starre oder das Treiben auf der Akademietheaterbühne eher teilnahmslos verfolge, werde ich abwarten. L. freut sich wie verrückt auf drei Tage nur mit mir, was ich mal als Kompliment werte, und das Kompliment würde ich eigentlich gerne zurückgeben.

Meine alte BB-Creme war alle, die war von Smashbox und kostete ca. 25 Euro pro Tube (glaube ich, ich komme sehr, sehr lange mit so was aus, da vergesse ich meistens bis zur nächsten Tube den Preis), und obwohl ich eigentlich ganz zufrieden damit war, war ich doch nicht wirklich bis in alle Ewigkeit begeistert. (Ich bin einer dieser Tröpfe, die tatsächlich glauben, es gäbe so etwas wie das perfekte Kosmetikprodukt in jeder Kategorie, ich müsste nur lang genug suchen. Aber beim Duschgel habe ich es tatsächlich gefunden!) Und irgendwie kam das plötzlich nach einigem Gegoogel und ca. sieben Pröbchen so, dass ich gestern im Alsterhaus bei Dior war und mir eine Tube Hydra Life BB Cream gekauft habe. Auch, wenn diese Tube drei Jahre halten sollte, werde ich trotzdem nicht vergessen, dass sie 58 Euro gekostet hat. Beschwingt bin ich mit meinem Dior-Tütchen zurück an den Schreibtisch gegangen. Heute morgen bin ich aufgewacht, habe kurz auf das schlafende Gesicht zwischen den zwei geballten Fäustchen neben mir geguckt und dann aber sofort als nächstes gedacht "Neue Creme! Heute erster Tag mit neuer Creme!" und dann auf einmal gedacht "Schöner Mist. Neue Creme für 58 Euro fühlt sich auch nicht anders an als früher mal mit neuem Tintenkiller für eine Mark fünfzig in die Schule".
Und nachpudern muss man auch noch.

Stammtischtermine bis Jahresende werden langsam dünn. Jetzt oder nie bzw. erst 2014. Also jetzt. Sonntag bin ich wieder da. Nächsten Freitag habe ich schon was vor. Am sechsten Dezember haben L. und ich Jahrestag. Am 20. habe ich zwar noch nichts, aber dieses Jahr kommt meine komplette Familie zu Weihnachten, und am 20. werde ich vermutlich schon mit Schürze um irgendwas schmoren oder mit Speck bardieren oder was weiß ich. (Spätestens dann, nach täglich vier Stunden im Küchendunst, kann die schicke BB-Creme zeigen, was sie drauf hat.) Wie wäre also der 13. Dezember? Das wäre mein Lieblingstermin. Damit es nicht so nach "Friss oder stirb" aussieht, biete ich euch außerdem an: Montag, den neunten Dezember, oder Montag, den 16. Dezember. Und sollten alle Stricke reißen, dann eben noch mal zum Samstags- oder Sonntagsbrunch. Oder?

Ich hoffe übrigens, dass bis Weihnachten der nachgeburtliche Haarausfall überstanden ist. Der Fachliteratur ist zu entnehmen, dass während der Schwangerschaft nur sehr wenige Haare ausfallen (was stimmt, ich habe in neun Monaten zwei mal meine Haarbürste gereinigt). Dann kommt die Geburt, und irgendwann danach fallen innerhalb kürzester Zeit all die Haare aus, die man sonst in den neun Monaten verloren hätte, bis wieder alles beim Alten ist. Ich dachte schon, ich wäre davongekommen, aber jetzt ist sie da: die Zeit, in der ich mich einmal kurz übers Waschbecken beuge und meine Zähne putze und hinterher vier lange Haare beseitigen muss. In der ich fast eine Genickstarre kriege, weil ich zigmal am Tag über meine Schultern gucken und unzählige helle lange Haare von meiner dunklen Jacke pflücken muss. Und in der ich ehrlich gesagt Angst davor habe, für Gäste zu kochen, denn es ist so gut wie unmöglich, kein Haar ins Essen fallen zu lassen. Fies, denn der einzige Ort, an dem ich Haare nicht unappetitlich finde, ist festgewachsen auf dem Kopf.

Liebe Abkürzungsdamen, die Mittagspause ist vorbei, das war es dann schon wieder. Ich versuche, mich aus Wien zu melden. Sollten zufällig irgendwelche Einbrecher mitlesen, die außerdem technisch gewieft genug sind, um meinen Wohnort herauszufinden: wenn ihr euch jetzt die Hände reibt und denkt, da räumen wir dann in den nächsten Tagen mal schön die Bude aus - da sind noch zwei große, im Zweifel bissige Hunde. Und meine Eltern, die zwar nicht beißen, aber trotzdem sicher ihre ganz eigenen Methoden haben, mit euch fertig zu werden.

Samstag, 22. Juni 2013

Eigentlich wollte ich doch nur eine kleine Fahrt mit Baby ins Grüne machen.

In unserem Vorort ist Dienstags und Samstags Markt. Meine Gefühle gegenüber diesem Markt sind gemischt: es sollte Spaß machen, tut es aber nicht immer. Wenn man wie ich gerne kocht und Kochbücher und Kochsendungen verschlingt, bekommt man den Eindruck, jeder echte Fressack müsste auf Märkte stehen. So frisch! So vielfältig! So günstig! Ich habe den dumpfen Verdacht, die Hälfte aller Standbetreiber kauft genau so auf dem Großmarkt ein wie jeder normale Fisch- und Gemüsehändler auch, verkauft den Kram aber gegenüber Edeka mit teilweise deutlichem Aufpreis für's schöne Einkaufsgefühl. Und während der treue Gemüsehändler jeden Tag da ist und hofft, seine gewaltigen taufrischen Bunde Minze und seinen Knoblauch an den Mann zu bringen, schneien die Marktleute nur ab und an mal rein, und zum Dank stürzen sich alle darauf. Gleich zu Anfang des Marktes steht immer ein Mann, der vermutlich per Mehrheitsbeschluss an den Rand verbannt wird, mit einem Stand, an dem er Schlachtabfälle für Hunde verkauft. Allerlei Gekröse, Hälse, Mägen, sowas. Es stinkt erbärmlich, und er selbst hat den Geruch längst für immer angenommen. Auch eine dreiwöchige Dauerdusche mit meinem guten Pfefferminzduschgel plus zwischengeschalteten Saunagängen und Salzpeelings könnte da nichts ausrichten, da bin ich mir sicher. Als wir gerade erst hergezogen waren, habe ich die junge Lili manchmal mit auf den Markt genommen und ihr als mustergültiges Frauchen sogar ab und zu etwas da gekauft. Ich wäre beinahe umgefallen, was das kostet. Es stellt sich heraus, dass man auf unserem Markt schon angegammelte Schlachtabfälle ungefähr so teuer bezahlt wie feines demeter-Rumpsteak ein paar Stände weiter. Vier mickrige Stückchen getrockneter Ochsenziemer? 11,76 bitte. Schön sind die Fischstände, aber gerade leide ich ein bisschen vor der Auslage, denn gerade hat die Matjes-Zeit wieder begonnen, und Matjes und Krabbensalat und schöner Lachs in Sashimi-Qualität und all das sind immer noch verboten. Verboten, verboten, verboten, ich konnte das noch nie leiden, wenn irgendwas verboten ist, schon gar nicht, wenn es mit Essen zu tun hat. An den Obstständen ist die Auswahl zwar raffinierter präsentiert, aber trotzdem kleiner als bei meinem netten Gemüsetürken, fast immer gibt es irgendwas nicht, was ich brauche, so dass ich dann mit den Taschen voller Fremdgemüse noch zu einem anderen Stand (oder mit rotem Kopf zum Türken, der über diese Treulosigkeit immer hinweglächelt) muss. Außerdem führt der Markt mir immer wieder vor Augen, dass ich am Herd doch noch nicht so weit bin, wie ich gerne wäre: Körbchen übern Arm, loslaufen, gucken was es gibt und dann improvisiert einkaufen, daran erkennt man ja wohl den Könner (und daran, dass er in seiner eigenen Kochsendung ständig Gemüseleute und Fischmänner mit Vornamen begrüßt). Bei mir endet ein Marktgang immer damit, dass ich zu viele verschiedene Dinge einkaufe, weil sie gut aussehen, und am Ende feststelle, dass ich jetzt zwei Drittel der Zutaten für ca. acht Rezepte zusammen habe, aber leider für kein einziges alle.

Und hier kommt Würmchen ins Spiel. Würmchen hindert mich nicht nur am Matjesessen, sondern auch daran, elf Kilo Rezeptbruchstücke nach Hause zu wuchten. Mit Würmchen im Bauch kaufe ich plötzlich wieder nach Gewicht ein. Ich bin gezwungen, mir auch vor dem vollsten Stand zu überlegen, was ich zuhause habe und wie ich jetzt mit möglichst wenig und vor allem möglichst leichten Zutaten daraus etwas mache. Speck hab ich, Petersilie wächst im Garten, Pasta und trockenen Wermut hab ich auch, wie wären Linguine mit Speck aus dem Ofen wie bei Nigella? Dafür bräuchte ich nichts. Ich stehe vor dem Fischstand, und auf einmal fallen mir die Krabben wieder ein, die ich vor einer Weile eingefroren hatte. Ich will schon ein Riesensteak vom Biostand ordern, da fällt mir ein, dass ich noch Hack habe und 1a Köttbullar mit Kartoffelpü machen könnte... sogar Preiselbeeren sind noch da! Am Ende laufe ich nach Hause mit einer Einkaufstasche, die sich immer noch lustig vor und zurück schwingen lässt, weil darin nicht mehr ist als ein Bund Minze, zwei Knollen Knoblauch, ein Baguette, ein kleines Stück Ziegenkäse und ein paar Oliven. Würmchen macht, dass ich so billig einkaufe wie noch nie (und das für jemanden, der früher imstande war, eine halbe Monatsmiete auf dem Markt zu lassen. Nicht auf unserem Gekrösemarkt, aber auf dem Markt. Es gab Markttage in der Stadt, da bin ich während eines Marktganges zweimal an den Geldautomaten gegangen.) und trotzdem so lecker esse wie selten. Bauch macht erfinderisch.

Außerdem steige ich seit gestern voll ein in die Autositz-Problematik. Auf unseren icandy passt ein Maxi Cosi, die Adapter haben wir schon. Gestern wollte L. sowieso zu einer Werkstatt, der Babymarkt lag am Weg, und ich dachte, da fahren wir jetzt eben kurz vorbei und kaufen einen Kindersitz. Ha! Eine etwas ungepflegte Verkäuferin dröhnte uns mit ihrer lauten Stimme eine Viertelstunde lang an, und dann sind wir fluchtartig wieder gegangen. Grobe Richtung ihrer Instruktionen war in etwa "Gut, wenn ihnen das Leben ihres Babies egal ist, können Sie das natürlich so und so machen. Ansonsten hätten wir hier..." Ich hatte ja keine Ahnung. Ich dachte z.B., Maxi Cosi ist Maxi Cosi, die werden schon alle auf unseren Wagen passen. Nix da! Jetzt stehen wir vor folgenden Fragen und Entscheidungen:
1. Es gibt, wenn ich das richtig überblicke, drei Möglichkeiten, einen Autositz im Auto zu befestigen. Erstens: man schnallt ihn mit dem ganz normalen Gurt an. Zweitens: neuere Autos (meins nicht, aber L.s offensichtlich) haben eine Isofix-Vorrichtung, das sind zwei harte metallene Ösen zwischen Rücklehne und Rücksitz, da hakt man ihn ein. Dritten: man kauft so ein gewaltiges, metallisches Dings, das dann im Auto fest montiert wird und in das man wiederum den Autositz einhakt.
2. Es gibt Babyschalen (also Kindersitze für Neugeborene), die man mit ins Flugzeug nehmen und dort relativ fest montieren kann und welche, mit denen das nicht geht. Kurioserweise scheint das bei Maxi-Cosi nur mit dem billigsten Modell zu gehen. Ich verstehe das nicht.
3. Es gibt außerdem einen neuen Maxi Cosi, aus dem die Kinder nicht mit spätestens einem Jahr rauswachsen, sondern der auch noch für Vierjährige geeignet ist. Der scheint mir so ein metallisches Einhak-Schlitten-Dings schon eingebaut zu haben. Er kostet mehr als doppelt so viel wie ein normaler Einsteiger-Maxi Cosi, aber dafür ist er eben zwei Kindersitze in einem, was mir sinnvoll erscheint. Diesen Milofix gab es aber in unserem Babyladen nicht.

Gestern Abend habe ich mir jede einzelne Mutter auf dem Geburtstag gegriffen und alle gefragt, wie sie das mit dem Babysitz gemacht haben. Alle hatten nur einen Gurt zum Befestigen. Das Isofix-Ding ist hinten im Auto, ich hatte aber z.B. vor, oft mit dem Kind und den Hunden loszufahren zu einem langen Spaziergang zu viert. Ist das Kind hinten, besteht die Gefahr, dass die Hunde sich unter und neben dem Hundegitter durchwursteln und einfach auf den Kleinen drauftreten - mit langen Krallen und nicht unbeträchtlichem Gewicht. Da bin ich dagegen. Habe ich ihn vorne neben mir, kann ich ihn aber sowieso nur mit Gurten befestigen. Dieses Befestigungsdings hinten wäre also nur für Fahrten, auf denen L. und ich gemeinsam unterwegs sind, so dass einer von uns hinten neben der Wurst sitzt und sich erstens kümmern kann bzw. zweitens die Hunde zurückhält. Solche Fahrten werden nicht den Löwenanteil der Fahrten ausmachen. Während gestern die Verkäuferin uns noch andröhnte, der preiswerte, aber flugzeugtaugliche Maxi Cosi wäre quasi eine Todesfalle, lese ich heute, dass er bei Stiftung Warentest mit gut abgeschnitten hat. Außerdem hat mir immer noch niemand mit letzter Sicherheit sagen können, ob man den Kindersitz direkt mit den Isofix-Ösen verbinden kann oder ob man dann trotzdem noch dieses Metallmonstrum braucht. Sollte das so sein, schlägt das Pendel gerade in Richtung Milofix aus. Aber passt der auf unser Kinderwagengestell? Harrrrg.

Donnerstag, 13. Juni 2013

Irgendwann, wenn Du groß genug bist, fahren Du und ich mal im Heidepark eine schöne Runde Achterbahn. Ich hab das Gefühl, daran könntest Du Spaß haben.

Das Glücksrad dreht sich weiter: gestern beim Hebammentermin lag Würmchens Kopf so ungefähr auf fünf Uhr. Heute taste ich ihn auf acht, gestern früh auf zwei. Wobei zwölf die einzig richtige Richtung wäre. Ok, um nicht zu wirr zu werden: er liegt immer noch in "perfekter" Beckenendlage. Die Wahrscheinlichkeit dafür, ich hab es nachgesehen, liegt so zwischen 3 und 5%. Zusammen mit den Wahrscheinlichkeiten dafür, gleichzeitig verstopfte Eileiter, Endometriose und Myome zu haben und der Wahrscheinlichkeit, mit fast 40, zwei nicht besonders plietschen Kryozellen und beim dreizehnten Versuch schwanger zu werden und zu bleiben, ist Würmchen wohl tatsächlich ein extrem unwahrscheinlicher Sonderfall und damit schon jetzt etwas gaaaanz Besonderes. Heute um halb zwölf haben wir einen Termin im Krankenhaus, dann gucken die sich die Lage noch mal genau an und entscheiden dann, an welchem der nächsten Tage sie ihn drehen. Die Hebamme hat mir Mut gemacht: ich hätte viel, viel Fruchtwasser, da wäre sehr viel Platz für eine Wendung, und in zwanzig Jahren im Job wäre es ihr noch nie vorgekommen, dass eine ihre Patientinnen dann spontan per Notkaiserschnitt hätte entbunden werden müssen. (Mies wäre es allerdings, wenn noch so viel Platz wäre, dass das pfiffige Würmchen sich einfach bei nächster Gelegenheit wieder zurückdreht.) Sie hat mir erklärt, dass die es wirklich meistens gut hinkriegen, vor allem, wenn noch so viel Platz ist, und wenn sie auf Schwierigkeiten stoßen, dann lassen sie es einfach. Würmchen und ich, wir haben also noch ein paar Wochen zusammen. Und dafür bin ich mehr als dankbar, denn hier ist immer noch weder ein Ende noch ein Kinderzimmer abzusehen. Ich weiß auch, dass Babys sich vermutlich nicht an herumliegenden Ziegelsteinen und Mörtelsäcken stören, dass es auch keinen Wert legt auf hübsche Wanddekoration oder saubere Fußleisten und wohl kaum mit dem Finger auf dem Rand seiner Wickelkommode langfahren wird, um zu sehen, ob es staubt. (Tut es, und wie.) Aber für mich ist das wichtig. Mich, mich, mich. Ich will ihn haben, diesen wenigstens halben Tag, in dem ich mich ganz allein mit einer Tasse Tee ins Kinderzimmer setze, die Tür hinter mir zumache, mich in den Ohrensessel setze, mich umsehe, tief durchatme und denke: jetzt kannst Du kommen, Würmchen. Kopf oder Po voran, ganz egal. Dann puste ich auf meinen Tee, rücke vielleicht noch ein Bild gerade, stelle ein paar Blumen aus dem Garten in eine Vase und erzähle Würmchen ein bisschen von seinem zukünftigen Zimmer.

Und wenn es ganz gut läuft, dann habe ich bis dahin auch diese grässliche, unappetitliche, rotäugige Erkältung in die Flucht geschlagen.

Donnerstag, 6. Juni 2013

Erledigungsmarathon: Kilometer 9 bis 14.

1. Die Fenster.
Irgendwie wird alles immer, immer schlimmer, aber weil heute noch die Fenster im Kinderzimmer endgültig fertig werden - samt Regenschiene, Innenfutter und was weiß ich was für Fachbegriffen - kratzt mich das kaum noch. Ommmmmm. Seit gestern sind nicht nur die Fensterboys, sondern auch die Maurer im Haus, nach letzter Zählung sind nun sechs Männer damit beschäftigt, in dem Moment reinzukommen, in dem ich auf dem Klo sitze und mich mit den Nebenwirkungen der Eisentablette herumplage. Seit zwei Tagen werden außerdem jeden Abend die großen Löcher zwischen Wohnzimmer und Straße mit dicken Spanplatten vernagelt, und hätten L. und ich jemals vorgehabt, in unserem Wohnzimmer eine Swingerparty zu feiern, wäre jetzt der perfekte Moment dazu - wären da nicht die Quadratkilometer von Malerfolie, das Geröll usw. Und natürlich mein Neunmonatsbauch, klar. Stündlich gibt es neue schlechte Nachrichten. Eine bisher als grundstabil geltende Mauer ist plötzlich nur noch Brösel. Dämm-Material von 1927 macht ausgerechnet jetzt schlapp. Steine, die vorher zu einer hübschen Zierleiste vermauert waren, passen da plötzlich nicht mehr hin, wo sie gestern noch maßgeschneidert gesessen haben, und jetzt will der Handwerker das entstandene Loch "einfach praktisch mit Blech abdecken" - non? Ich denke nein. Aber das ist alles egal. Denn heute noch, versprochen, heute noch, wird das Kinderzimmer fertig. Zwar droht neue Komplikation, weil L. jetzt plötzlich der Meinung ist, wir bräuchten keinen Maler, er könnte das selbst, aber das warte ich mal in Ruhe ab und raufe mir die Haare, wenn es dazu einen Anlass gibt. Wer hätte gedacht, dass ein Marathon so entspannend sein kann?

2. Ikea.
Es gab das ausgesuchte Bettchen nicht, also haben wir ein anderes genommen, das wir außerdem gleich mitnehmen konnten. So einfach kann es sein! Dazu eine Matratze, die bei Ökotest mit sehr gut getestet wurde, zwei Packungen der weißen Superwaschlappen, ein geringeltes Babybadehandtuch mit Kapuze, zwei Schlafsäcke für Neugeborene, eine Babywanne, ein Matratzenschoner, eine Matratzenauflage, drei winzige Spannbetttücher, KEIN Nestchen (nachdem ich jetzt oft genug gehört habe, bei den ganz kleinen sollte man das lassen), zwei Packungen schöne Spucktücher, zwei Frottee-Dinger zum Abdecken der Wickeltischauflage (die leider ausverkauft war bis August), ein Dreierset Plastekanister zum seitlich Einhängen am Wickeltisch, vier Körbe für die Expedit-Fächer in weiß und eine solarbetriebene Lichterkette für L.s bevorstehenden Geburtstag. Um L.s Nerven zu schonen und weil die Zeit knapp war, hatte ich mir einen Generalstabsmäßigen Schlachtplan gemacht. Ich schwöre, wir waren keine 30 Minuten in dem Laden. Und schon wieder habe ich ein paar Sorgen weniger. Die Wickeltischauflage habe ich jetzt gerade bei amazon bestellt, genau wie eine leichte, gestrickte Babydecke. Gestern habe ich außerdem die vor Ewigkeiten gekaufte antike Wiege aus dem Sauerland zusammengebaut, sehr hübsch ist sie, aber es scheint nicht möglich zu sein, dafür eine passende Matratze zu finden. Macht nichts, habe ich mir überlegt: viel Zeit wird Würmchen darin sowieso nicht verbringen (mit verschiedenen Leihgaben hat er jetzt die Möglichkeit, sich an fünf verschiedenen Orten lang zu machen), viel wiegen wird er auch noch nicht und Rückenprobleme werden noch eine ganze Weile auf sich warten lassen - wir falten einfach eine dicke Wolldecke passend und decken sie mit einer leichten Strickdecke ab, dann hat er es darin wunderbar weich. Bevor wir nun anfangen, Kaltschaum zuzuschneiden - nee.

3. Der Steuerkram.
Ist fertig bis auf eine klitzekleine Kleinigkeit. All die Zettelchen, die in den letzten Jahren mein Portemonnaie zu grotesken Ausmaßen ausgebeult haben, sind säuberlich sortiert und in beschrifteten Umschlägen verstaut, die Handyrechnungen chronologisch abgeheftet. Meine Steuertante wird begeistert sein. Jetzt warte ich nur noch darauf, dass meine Bank mir meine gesammelten Kreditkartenabrechnungen schickt, dann packe ich den Kram ins Auto und fahre ihn schnell vorbei. Wenn man bedenkt, wie tüchtig und ruhig ich mich fühle, nachdem ich so eine Mistarbeit erledigt habe, sollte ich mich eigentlich darum reißen.

4. Der Erste-Hilfe-Kurs für Babys.
Es gibt einen Anfang Juli in meiner neuen Praxis. Entweder, dann ist Würmchen schon da, dann wird es natürlich schwierig, mich einfach fünf Stunden auszuklinken. Oder ich bin kurz vorm Platzen. Weil der nächste Kurs aber erst Ende September ist, melde ich mich dazu jetzt trotzdem an.

Und jetzt liege ich auf einer Decke im Garten, trinke koffeinfreien Eistee, und ob die Handwerker das bei ihren Fensterarbeiten sehen können und mich für eine stinkfaule Drohne halten, ist mir piepschnurzegal. Und einatmen, ausatmen.

Würmchens Kopf war heute morgen wieder nicht zu tasten, woraus ich freudig geschlossen habe, dass er unten im Becken verstaut war. Jetzt ist er irgendwo da, wo ich sonst meinen Blinddarm vermute. Spannendes Kind habe ich da, oder?

Dienstag, 4. Juni 2013

Erledigungsmarathon: Kilometer 1-8.

Das mit der Krankenkasse und dem Mutterschutzgeld ging wider Erwarten easy-popeasy: zwar kam das Ganze kurz ins Stocken, als ich feststellte, dass das einzige im Netz vorhandene Antragsformular schon sehr auf angestellte Bald-Mütter zugeschnitten ist, aber ich habe dann kurzerhand den Papierkram zusammengepackt und bin zur nächstgelegenen Filiale gefahren. Da allerdings ging es noch mal rund: ich war schon am Einparken, als ein Fuchs von einem Rentner mir den Parkplatz wegnehmen wollte. Ungerührt habe ich weitergemacht, was ihn dann dazu brachte, sich mit hochroter Birne und gesträubtem Haarkranz an meinem Fenster aufzubauen und rumzubrüllen. Weiterhin sonnig lächelnd bin ich ausgestiegen und mit einem "Entschuldigung, darf ich mal? Ich hab hier noch zu tun" an ihm vorbeigeschoben. Daraufhin ist er mir nachgelaufen, um mir nachzuweisen, ich hätte im zu dem Parkplatz gehörigen Geschäftsgebäude ja wohl gar nichts zu tun sondern wollte "nur shoppen". Und da habe ich mir inständig gewünscht, er würde jetzt bitte die Polizei rufen. In sich hatte er diesen Impuls auf jeden Fall, das war der Typ, der als Hobby Falschparker aufschreibt und verpetzt. Wäre das schön gewesen! Ich mit glasklarem Krankenkassen-Anliegen und Neunmonatsbauch, er mit nüschte außer offensichtlich erhöhtem Schlaganfallrisiko. Hihihi... hat er aber nicht, zu schade. Und der Antrag war dann auch binnen fünf Minuten ausgefüllt und erledigt.

Im Babymarkt war ich gerade, leider ohne richtig greifbaren Erfolg, denn in meinem Schwangerentran hatte ich vergessen, vorher das Wickeldings auszumessen und nachzusehen, ob unser gebraucht übernommenes Babybay das Original- oder das Maximodell ist. Dafür war nebenan ein dm (zu denen ich eigentlich nie gehe, weil ich gerüchteweise gehört habe, die würden unserem heißgeliebten Budni hier das Wasser abgraben wollen, und auf Budni lasse ich nichts kommen, aber wenn die Blogdamen so gute Tipps geben...), und da habe ich dann eine Packung Ökowindeln für Neugeborene, zwei Schnuller für korrekte Zahnstellung in weiß und blau, eine Tube Windsalbe, eine Schachtel Bio-Stilltee, eine Schachtel Baby-Kleenex und einen biobaumwollenen Strampelsack gekauft. Bei normaler Kleidung bremse ich mich, so gut es geht, denn am 8. Juni kommt L.s Cousine aus London angeflogen, im Gepäck eine Riesenladung Babykleidung. Ihr Junge, der im März geboren wurde, ist von Anfang an so irre gewachsen, dass die erste und zweite bis dritte Größe jetzt schon zu klein sind, das dürfen wir alles erben. Und vor dem 8. Juni wird Würmchen doch wohl hoffentlich nicht kommen? Bitte?

Die Fenstermänner tun, was sie können (tun sie wirklich, ich gucke alle fünf Minuten nach, und wehe, wenn nicht), aber unser altes Haus macht ihnen gerade einen Strich durch die Rechnung. Zwei Erker, die neu befenstert werden sollten, erweisen sich als total marode und müssen jetzt neu gemauert werden, bevor man auf den Schutt jetzt noch neue Fenster setzt. Zum Glück ist das im Erdgeschoss und nicht im Kinderzimmergeschoss, und ich hoffe und bete (und habe das jetzt auch schon so oft zu jedem Beteiligten gesagt, die Platte hat echt einen Sprung), dass das Kinderzimmer davon unbeschadet fertig wird. Achtet nicht auf uns, ist egal, ob wir im Geröll und mit Sperrholzplatten statt Fenstern leben! So lange nur Würmchen ein kleines, friedvolles und intaktes Reich hat. Morgen kommt ein Maurer und sieht sich das Schlamassel an, ich denke mal, ich werde auch zu früher Stunde schon nicht an Wimperntusche und Lippenstift sparen.

Die Rosen habe ich übrigens auch hochgebunden. Ich weiß, ich sollte gerade andere Prioritäten haben, aber erstens ist das mal eine Aufgabe gewesen, die null Muskelkraft erfordert, und zweitens sind die Rosen das einzige, was bei mir wirklich beeindruckend wächst, und inzwischen haben wir fast so etwas wie eine Beziehung - und wenn die Ausleger noch lange auf der Erde herumgelegen hätten, dann hätten sie über kurz oder lang die Hunde abgeknickt, und das hätte mich ehrlich bekümmert.

Ich habe meine Papiere zur Hälfte sortiert, ich gebe zu, zur einfacheren Hälfte, aber immerhin. Extrafleißschweinchen gibt es dafür, dass ich das alles bei strahlendem, wunderschönem Atlantik-Wetter mache, nachdem es hier wochenlang nur geschüttet hatte. Andere gehen ein Eis essen, ich mache die Steuer, da ist doch ein Lob wohl mal angebracht? Heute jedenfalls müsste ich damit fertig werden.

L. selbst hat es zwar vermutlich schon wieder vergessen, aber er hat sich plattquatschen lassen, noch diese Woche mit mir sowohl zu Ikea als auch in die Agentur zu fahren.

Soweit. Das geht doch eigentlich ganz gut voran, oder?

Und dann hab ich noch zu berichten, dass ich seit gestern Eisentabletten schlucke, genauer gesagt ferro sanol duodenal (wieso denke ich immer an "Brat fettlos mit Salano ohne"?) und dass mir das gar nicht gefällt. Aber so gar nicht. Das Rezept war in der Post, weil meine Frauenarztpraxis nach einer Blutuntersuchung einen Eisenmangel festgestellte hat, und gestern habe ich es eingelöst. Die Apothekerin hat mir eingeschärft, dass die Eisenpillchen sowohl auf sehr nüchternen Magen als auch mit großem zeitlichen Abstand zur Schilddrüsentablette genommen werden müssten - tja nun, da habe ich ein Problem, denn ich bin nicht bereit, mir den Wecker auf fünf Uhr früh zu stellen, dann Eisen zu schlucken und vier Stunden später L-Thyroxin, um dann nochmal eine halbe Stunde aufs Frühstück zu warten. Eine Lösung, mit der sie einverstanden war, war dann schließlich, abends um sechs zum letzten Mal zu essen und dann direkt vor dem Schlafen das Eisen zu schlucken. Auch nicht so doll, abends ohne Wein kann schon trostlos sein, aber jetzt auch noch ohne Essen? Zudem ist mir auch im Schlaf richtig schön schlecht geworden von dem Ding, und der rostige Geschmack im Mund macht es auch nicht besser. Aber was solls, ist der Endspurt, und bald ist das vorbei. Heute werde ich mir (natürlich nur aus Rücksicht auf den Eisenmangel) ein-zwei schöne dicke Burger braten.

Montag, 3. Juni 2013

Habt ihr den Knall gehört? Das war der Startschuss zum Erledigungsmarathon.

Inzwischen habe ich einen Termin in meiner Geburtsklinik: am 13. Juni soll ich mich da vorstellen, dann werde ich untersucht. Liegt Würmchen dann immer noch falsch, wird ein zweiter Termin gemacht, vermutlich am 14. oder noch eher am 15. Juni. Dann versuchen sie, ihn von außen zu drehen. Geht das schief, machen sie dann sofort einen Kaiserschnitt. Das heißt, es kann passieren, dass ich heute in zwölf Tagen ein Baby habe.

Yay bzw. Urgs.

Neben aller Freude und Ungeduld heißt das auch, jetzt sollte hier in mancherlei Hinsicht mal Butter bei die Fische.

Ich muss den Handwerkern Tag und Nacht wie die Steuerfahndung im Genick sitzen, damit sie jetzt bloß Gas geben und wenigstens das angehende Kinderzimmer schon mal fertig gestrichen werden kann. Wenigstens das.

Ich muss zu Ikea (wobei ein Großteil der Aufgabe darin besteht, L. mitzuschnacken), ein Kinderbett aussuchen, ein paar Babyhandtücher und Babywaschlappen und solchen niedlichen Killefitt kaufen und außerdem Körbe oder andere Einsätze, die in mein Expedit-Bücherregal passen. Das soll nämlich das Babyzimmerregal werden. Dafür qualifiziert es sich durch genau diese Körbe: die passen haargenau in die Fächer wie Schubladen und sind perfekt, um Strampler, Söckchen, Windeln oder was auch immer man sonst so für Babykrams braucht, darin ordentlich und griffbereit zu verstauen.

Damit Expedit diese verantwortungsvolle Rolle übernehmen kann, müssen aber erst mal die 800 Bücher daraus verschwinden. Dafür muss ich ein Möbeltaxi organisieren, das von meinen Eltern in Süddeutschland nach Hamburg fährt und mir mein uraltes, aber wunderschönes Bücherregal bringt.

Damit ich das Bücherregal aufbauen kann, muss eigentlich auch der klägliche Rest des alten hässlichen Einbaukleiderschranks im zukünftigen Arbeits- und Gästezimmer abgebaut werden. Dann brauchen wir aber einen neuen Kleiderschrank, am besten einen für die Ewigkeit und schön genug, um in unser Schlafzimmer zu dürfen. Um diese Shopping-Dominorallye an dieser Stelle zu unterbrechen, finde ich mich damit ab, einen Großteil meiner Bücher erst mal in alten Umzugskartons im Keller zu verstauen, das Bücherregal zwar herzuschaffen, aber für spätere Verwendung in die Garage zu packen und kurz durchzuatmen. Uff.

Dann brauchen wir noch einiges an Krams, das aber mit einem koordinierten Gang durch den zehn Autominuten entfernten Babysupermarkt zu kriegen sein sollte. Eine Auflage für den Wickelservierwagen, Schlafsäcke für das Würmchen und all sowas. (Mein Gott, sind die teuer! Am Samstag in Berlin, als wir unseren Kinderwagen abgeholt haben, habe ich mal einen Blick auf Preisschilder geworfen. 86 Euro für einen zwar niedlich sternchenbedruckten, aber trotzdem winzigen Schlafsack?!? Von einer Marke, von der zumindest ich als Abkürzungsdame noch nie gehört habe? Schaudernd bin ich weitergegangen und in der Petit Bateau-Abteilung gelandet. "Jetzt mache ich mir mal einen Spaß" dachte ich und habe auch dort auf die Preisschilder für Schlafsäcke geguckt. 65 Euro? Wer hätte das gedacht, dass man bei solchen Sachen mit Petit Bateau noch billig bedient ist?)

Bevor ich wieder irgend eine Frist verbammele, muss ich heute noch mit meiner Bescheinigung über die in sieben Wochen (als ob) bevorstehende Geburt, die gestern in der Post war, zur nächsten Niederlassung der Barmer. Im Netz war ich schon, das könnte lustig werden, denn die Informationen dazu, was genau jetzt mit mir als künstlersozialkassenversicherter selbständiger Barmer-Kundin passiert, gehen extrem auseinander.

Ich muss L. mit in die Stadt schleppen und (möglichst nach Feierabend oder zur Mittagspausenzeit) meiner alten Agentur einen Besuch abstatten. Auf dem Rechner liegen immer noch Dateien, die ich brauche, im Schrank sind immer noch Hamstervorräte an Special K.s, Müesli und dergleichen, und ich würde gerne alles Wichtige in eine Kiste packen, von L. ans Auto buckeln lassen und mitnehmen. Dann kann ich auch das im Kopf mal abschließen und wirklich wissen, dass jetzt Babyzeit ist und nicht die kurze Pause zwischen zwei Jobs.

Ich muss (möglichst bei dieser Gelegenheit) zu C&A und mir wie angewiesen billige riesige fleischfarbene Miederhosen kaufen.

Ich muss zusammen mit L. eine Entscheidung treffen, ob wir das Kinderzimmer rein weiß streichen wollen oder wenigstens eine bunte Wand haben möchten. Oder Tafelfarbe? Bunte Tafelfarbe? Die entsprechende Farbe sollten wir dann möglichst selbst besorgen. Unser Stamm-Malermeister ist ein Vereinskollege von L., der ist zwar sehr nett und hat immer von jetzt auf gleich Zeit, aber er scheint leider - ungünstig in seinem Beruf - farbenblind zu sein. Unsere Haustür z.B. sollte er in einem tiefdunklen Graublau streichen, das ich mit viel Gedöns samt Pantone-Farbcode etc. festgelegt hatte. Jetzt ist sie hell-lavendelfarben. Wollen wir Würmchen nicht in einem orangefarbenen Kinderzimmer aufwachsen lassen, sollten wir ihm da zur Hand gehen.

Ich muss mich zu einem Baby-Erste-Hilfe-Kurs anmelden. Zum Glück bietet meine neue Arztpraxis so was an. Bevor Würmchen da ist (oder notfalls eben in den ersten Wochen, bevor er viel Gelegenheit hat, sich selbst in Schwierigkeiten zu bringen), will ich wissen, was ich tun kann, wenn ihn eine Biene sticht. Oder wenn er sich verbrennt. Oder wenn er blau anläuft. Oder wenn er keine Luft bekommt. Oder... was auch immer.

Ich muss meine Finanzpapiere aus dem letzten Jahr und den letzten Monaten sortieren, abheften und möglichst eigenhändig zu meiner Steuerberaterin fahren. Nicht ganz leicht, wenn das Arbeitszimmer immer noch eine staubige Hölle voller Geröll ist, aber muss ja.

Ich muss die Betten klar machen für den Einfall meiner Familie. Die halten sich bereit und wollen hier anrücken, sobald es losgeht, was ja jetzt - erwähnte ich das schon? - schneller gehen kann als gedacht.

Und das sind nur die Dinge mit direktem oder indirektem Babybezug. Soll ich anfangen von Kletterrosen, die endlich was zum Hochranken brauchen? Von meinem Auto, das immer mehr Aussetzer hat und außerdem nur zwei Türen, so dass ich eigentlich vor dem Baby noch ein neues bräuchte? Von meinem Knie, das mir seit Wochen Ärger macht und mit dem ich eigentlich mal zum Orthopäden wollte? Von Zahnreinigungen, Haus-Großputz und all den kleinen Nestbautriebbefriedigungen wie Kleiderschrank ausmisten, Blümchen auf die Tische, Kekse backen, die ich jetzt wohl nicht mehr hinkriege? Nee nee nee, davon fange ich lieber nicht an.

Montag, 27. Mai 2013

Teufel in Glasergestalt

Eigentlich hätte ich diese Woche noch drei Tage gearbeitet - heute, morgen und übermorgen - und dann hätten die großen Babyferien angefangen. In meiner Phantasie hätte ich mir die Arbeit schön aufgeteilt, jeden Tag irgend eine kleine niedliche Sache am Kinderzimmer verändert und die letzten zwei, drei Wochen nur noch jeden Morgen mit meinem koffeinreduzierten Tee und einem sonnigen Lächeln im Ohrensessel platzgenommen, den ich mir schon als Stillsessel reserviert habe, und das Ganze auf mich wirken lassen. So weit meine Phantasie, die dumme Nuss.

Die Wirklichkeit sieht in etwa folgendermaßen aus:
Wir bekommen neue Fenster. Die alten sind... schwierig. Unser Haus wurde 1927 gebaut, damals wurde es mit einer 1a Garnitur hölzerner, weißlackierter Sprossenfenster ausgestattet. Dann zog ca. 1929 die Familie ein, von deren Erben wir das Haus dann gekauft haben. Die haben an diesen Sprossenfenstern genau gar nichts mehr gemacht. Keine Schicht Lack, nichts. Stattdessen haben sie irgendwann als Lärmschutz gegen manche Fenster von innen potthässliche, neue Kunststofffenster gesetzt. Nach getaner Arbeit haben sie sich erstmal eine angezündet und dann 60 Jahre lang nicht wieder mit dem Rauchen aufgehört. Gelüftet wurde höchstens zu hohen Feiertagen. Das Ergebnis: von außen charmant vergammelte, vor allem aber vergammelte schöne alte Holzfenster aus hauchdünnem Glas, nicht mehr zu retten. Von innen durchgegilbte hässliche Kunststoffdinger, abgerissene und um hässliche Fenstergriffe geknotete Rolladengurte, kaputte Fensterbänke oder wahlweise an vielen Fenstern auch gar nichts - Einfachverglasung. Damit kann zwar ganz England und Dänemark scheinbar prima leben, aber wir haben im Winter wirklich gelitten. Es war saukalt, und zwar ausgerechnet in den Räumen, in denen ich es gerne gemütlich warm habe: im Bad und in der Küche, im Flur, der auch gerne ruckzuck die ganze schöne Ofenwärme aus dem doppeltverglasten Wohnzimmer saugte... eigentlich überall. Wenn man beim Duschen nicht mehr seinen Atem als Wolke vorm Gesicht hatte, wusste man, jetzt kommt der Frühling. Es war klar, wir brauchen neue Fenster.

Jetzt sind aber Fenster für mich ein Spezialthema. Ich habe mehrere solcher Spezialthemen, da bin ich extrem eigen und auch leider stur. Ich will meine Spaghetti alle Vongole nicht mit Tomaten. Ich hasse es, wenn irgendwo im Haus Kleingeld herumliegt. Ich könnte nie ein Ei essen, bei dem das Weiße auch nur das kleinste bisschen wabbelig ist. Niemand, wirklich niemand darf meine Füße berühren. Und ich kurbele mich zu von außen betrachtet völlig unmotivierten Wutausbrüchen und Tiraden hoch, wenn schöne alte Häuser mit hässlichen neuen Fenstern verschandelt werden. In unserem Viertel stehen mehrere doppelte Häuser - keine Doppelhäuser, sondern das gleiche Haus zweimal nebeneinander. In fast jedem Fall hat der eine Eigentümer irgendwann in den 80ern aus reinem Geiz oder auch reiner Gemeinheit sprossenlose Kunststofffenster einbauen lassen, das sieht grauenvoll aus. Vor allem, wenn man direkt daneben sieht, wie viel Gesicht das Haus plötzlich bekommt, wenn man Sprossenfenster nimmt. Zu diesem Thema habe ich glaube ich jeden Menschen meiner Umgebung schon zu Tränen gelangweilt, L. immer vorneweg. Es war also einerseits klar, dass wir neue Fenster brauchen. Andererseits war aber auch klar, dass niemand in meiner Nähe jemals wieder seines Lebens froh werden würde, wenn es keine Sprossenfenster aus Holz wären. (Eigentlich, bilde ich mir jedenfalls ein, bin ich kein Snob. Ich zeige nur immer zufällig auf das Paar Schuhe, das am teuersten ist, und zwar, bevor ich das Preisschild gesehen habe. Wie kann so ein Scheusal wie ich einen so netten Mann wie L. gefunden haben? Ich weiß es nicht, fragt ihn. Als wir einem polnischen Gärtner mal von unserem Plan erzählten, die ollen Mistfenster durch neue aus Holz mit Sprosse zu ersetzen, machte er minutenlang nur die Geste, bei der man sich die Hand wie eine Pistole an die Schläfe setzt und abdrückt. Was er wohl damit sagen wollte?)

In Hamburg, wo viele Leute in netten alten Häusern wohnen und genau so sprossig sind wie ich, gibt es mehrere Fensterbauer, die auf genau solche Fenster spezialisiert sind. Die Dinger sind so teuer, dass der Unterschied zwischen den hässlichsten und den schönsten unter diesen Fenstern dann auch nicht mehr groß ins Gewicht fiel, also haben wir die schönsten bestellt. Das war im November. Der Mann von der Fensterfirma vermittelte uns damals den Eindruck, hier hätten wir es mit Profis zu tun, die unsere Wünsche tipptopp und blitzschnell erfüllen würden. Eigentlich könnte man noch vor Weihnachten durch sein. Er vermittelte uns auch den Eindruck, wenn die Fensterfirma hier erst mal mit den Fensterteilen und den tüchtigen Tischlern anrücken würde, dann wäre das ganze in drei, höchstens vier Tagen erledigt. Fenster einzubauen macht zwar heute weniger Dreck als früher, aber trotzdem war klar, wenn die Fenster drin sind, muss auch noch mal ein Maler kommen und z.B. Löcher rausgerissener Rolläden schließen. Egal, wir waren guter Dinge.

Jetzt ist Mai, bald ist Juni. Dann kommt der Juli und damit Würmchen. Die Fensterbauer waren bisher sechs mal hier, heute zum siebten Mal. Ca. 30% der bestellten Fenster sind eingebaut, allerdings noch 0% der dazugehörigen Fensterrahmen und Fensterbänke. Die restlichen Fenster sind noch nicht fertig. Monatelang bekamen wir auf Nachfrage Anrufe und Emails, in denen es ganz so aussah, als würden unsere Fenster im Grunde genommen fertig im Lager warten, nur noch ein- zwei I-Tüfelchen würden fehlen, dann ginge es quasi morgen los. Irgendwann im April ist L. der Kragen geplatzt, und nachdem er dann mit dem Chef gesprochen hatte, musste der kleinlaut einräumen, dass bisher noch nicht mal das Holz für unsere Fenster auf dem Hof wäre und man jetzt aufgrund geänderter EU-Bestimmungen auf anderes Holz ausweichen müsste. (Nervt euch diese ellenlange Geschichte? Ja? Dann könnt ihr euch in etwa vorstellen, wie sie mich erst nervt.) Inzwischen häuft sich Missgeschick auf Missgeschick. Mal wird "die Software umgestellt", dann ist ein Magnet in der Anlage defekt, dann werden Fenster zwar fertig, aber mit schlechter Oberfläche, dann... ach, egal. Jedenfalls werden die Handwerker hier noch ca. zwanzig Mal auflaufen, und ob und wann sie dann fertig sind, weiß kein Mensch. Nie im Leben sitzen wir in einem fertig befensterten und gestrichenen Haus, wenn das Würmchen kommt. Mein ganzer schöner Traum, den ich jetzt seit November träume, von der morgendlichen Tasse Tee und sorgsam gehüteten Würmchenvorfreude im fertigen Kinderzimmer, ist im Arsch. Wir werden hier bis zur letzten Minute über Malerplanen steigen, zweimal täglich vergeblich Staub saugen, und vom Bilder aufhängen oder letzte Deko-Feinheiten justieren kann überhaupt keine Rede sein. Die Fenster der Firma M. sind die schönsten, die allerschönsten, da gibt es keine Frage. Das, was bisher zu sehen ist, ist extrem vielversprechend. Trotzdem verfolgt die Firma M. mich inzwischen in meine Träume. Dazu kommt noch, dass einer der beiden Stammtischler, die hier ein und aus gehen und quasi schon zur Familie gehören, die nervtötende Angewohnheit hat, im Türrahmen zu lehnen, mich grinsend von Kopf bis Fuß anzuglotzen und dann im schmierigsten denkbaren Tonfall Dinge zu sagen wie "Steht ihnen aber gut" oder auch "ich seh ja gerne eine Frau in anderen Umständen". Iiiiiiiiiibääääääääääääähgrrrrrrrrrr. Buhahahaha. Seit gestern Abend steht außerdem der gesammelte von L.s Freund vermachte Kram im Keller, und wir wissen nicht, wohin damit. Ein babybay, ein baby björn, ein Reisebettchen, eine Wickelkommode (so eine Art Servierwagen zum Servieren voller Windeln, nur höher), eine Milchpumpe samt Fläschchen und anderem Zubehör, ein Töpfchen, zwei Windeleimer, eine Wickeltasche, ein Lauflernwagen, eine Wärmelampe und eine Ladung von Reifen aus Styropor, deren Zweck ich bestimmt auch noch herausfinden werde. In jedem Zimmer, das ich auf der Suche nach Ruhe betrete, taucht innerhalb von zwei Minuten einer der Handwerker auf. Überall liegen Kabel und dieses ganze Gerät, und das ist nicht gut, wenn man wie ich seine Füße nicht mehr sehen kann und sich eigentlich angewöhnt hatte, blind zu navigieren. Die Haustür steht fünf Stunden am Tag offen, weil die Handwerker irgendwas raus oder rein tragen, und jedes Mal muss man aufpassen wie ein Luchs, dass die Hunde nicht ausbüchsen. Es staubt, es ist laut, und meine geruhsamen Morgen mit Internet und Tee und Zeitung sind auch perdu, denn die Handwerker kündigen sich zwar immer für halb neun an, klingeln dann aber meist um halb acht und müssen auch gerne als erstes ins Bad. In den letzten Tagen habe ich mich (undgeduscht, klar) zweimal in der Küche, einmal im Esszimmer und zweimal im Keller angezogen. Ich will Ruhe, verdammt. Ich will planen, träumen, meinen Bauch frisch geduscht mit duftenden Ölen einreiben, ich will über kleine Niedlichkeiten nachdenken, und ich will nicht, dass währenddessen irgend ein Fensterhecht in der Tür steht und Anzüglichkeiten von sich gibt.
Leider will ich auch schöne, getischlerte Holzsprossenfenster, also habe ich mir den ganzen Mist selbst zuzuschreiben, was es nur noch schlimmer macht. Harrrrrrrgh. Dumme Flora. Dumme, dumme, dumme, dumme, dumme Flora.

Einziger Lichtblick: Momo hatte keinen weiteren Anfall mehr.



Mittwoch, 8. Mai 2013

Jekooft.

Liebe Damen, vielen Dank für die unzähligen Kinderwagentipps. Ich freue mich, mitteilen zu können, dass eine Entscheidung gefallen ist und sogar schon in die Tat umgesetzt wurde: im Hinterzimmer von Baby Korb in Berlin wartet ein Kinderwagen samt Babywanne, Sportaufsatz, Sonnenschirm, Regenhaut und (auf L.s besonderen Wunsch hin) Becherhalter darauf, von uns beim nächsten Besuch abgeholt zu werden. Am Ende hatte sich das Feld zu zwei Finalisten zusammengezogen: zum Brio Go und zum iCandy Peach. Der iCandy war der, der aus England kommt und nicht im Netz verkauft wird, so dass L. irgendwann mal den famosen Plan hatte, nach London zu fliegen und dort unseren Kinderwagen ohne mich zu kaufen. Muss ich wohl nicht erst erklären, dass ich kategorisch gegen dieses affige Vorhaben war. In Hamburg jedenfalls war dieser Wagen nicht zu kriegen. Jetzt zeigte sich aber, in Berlin schon, und zwar genau in diesem einen Laden, der zufällig bei uns um die Ecke lag. Die Farbe haut mich immer noch nicht um (türkis mit lime-grünen Akzenten), aber am Ende haben wir alle Argumente für beide Wagen besprochen, L.s Mutter besteht darauf, unseren Kinderwagen zu bezahlen, und ich habe beschlossen, diese Entscheidung einfach ganz entspannt abzuwarten.

Pro Brio Go:
* der mit Abstand meiste Platz, um Einkäufe etc. zu transportieren
* kommt aus Schweden (ja, das ist für mich ein Argument. Meine ersten fünf Jahre in Hamburg habe ich bei der SEB verbracht, einer Bank mit wirklich miesen Konditionen und nur drei Filialen im kompletten Stadtgebiet. Wieso? Weil ich es nett fand, bei einer schwedischen Bank zu sein)
* dunkelblaues Körbchen (ich bin noch nicht so drin in der Kinderwagen-Terminologie) und weißes Gestänge: völlig unaufgeregte, nette Farben
* hat abgesehen von irgendeiner Chemikalie in den Festschnallgurten sehr gut getestet - und in den neuen Wagen sind die Gurte harmlos
* Country-Wheels als Zusatzausstattung für mehr Geländegängigkeit

Contra Brio Go:
* ziemlich sperrig, auch zusammengeklappt
* wenn ich ehrlich bin, werden wir unsere Einkäufe vermutlich sowieso ohne Kinderwagen erledigen - einer fährt, der andere bleibt mit Baby zuhause. Wir brauchen also keine Superdupertransportkapazitäten
* Auch unsere Ausflüge ins Gelände halten sich im Rahmen bzw. auf manierlichen, städtischen Spazierwegen
* Außerdem überlässt uns einer von L.s Freunden zusätzlich seinen runtergerockten alten Kinderwagen, der extrem geländegängig sein soll - an Matschtagen, an denen es uns trotzdem mit Macht nach draußen zieht, nehmen wir den
* 1200 Euro mit kompletter Ausstattung. Tausendzweihundert.
* Nicht ganz so seidig beim Zusammenklappen
* Der Griff erinnert mich an diese orthopädischen Mountainbike-Lenker, die ich so hasse
* Im Sportwagenaufsatz kann das Kind nicht ganz flach liegen

Pro icandy:
* So klappt man ihn zusammen: An zwei Punkten drücken, Wanne abheben, Griff mit gewissem Schwung (den ich noch im Laden raushatte) nach unten drücken, den Gurt am Gestell nach oben ziehen und zack auf die Schulter hängen. Ungefähr so groß wie eine etwas dickere Handtasche.
* Er fährt sich genau so schmoov wie der Bugaboo. Die Vorderräder sind aber etwas größer, so dass er weniger hängen bleibt.
* L. würde es sehr, sehr glücklich machen.
* Mit Komplettausstattung fast 300 Euro billiger als der Brio.
* SOLLTE noch ein zweites hinterherkommen, dann kaufen wir einen kleinen Adapter (für 80 Euro) und aus dem Einkinderwagen wird ein Zweikinderwagen, ein ziemlich schicker noch dazu.
* Auch im Sportwagen kann das Kind liegen.
* Obwohl er viel zierlicher wirkt, zeigt der Matratzenvergleich, dass Ndogo in der iCandy Babywanne genau so viel Platz hat wie in der schwedischen Konkurrenz
* Weil es den icandy bei uns eigentlich nicht gibt, ist er bei uns auch nicht getestet. In GB aber schon, und er hat sich sehr gut geschlagen.
* Ich vermute stark, dass William und Kate, die Glücklichen, am Ende die "Regal Edition" des icandy Cherry fahren werden, die für normale Menschen erst ab September zu haben sein wird. (Würde ich auch sofort nehmen, dann gäbe es diese Brio Go-Diskussion überhaupt nicht: dunkelblau mit weiß-roten Akzenten.) Anglophiler kleiner Vollpfosten, der ich bin, macht mich das irgendwie glücklich.
* L.s affige Reise nach London wäre nicht mehr nötig, wenn wir einfach das Ding aus Berlin nehmen würden. Abholen könnten wir ihn demnächst, wenn wir in Berlin auf einer Hochzeit sind.

Contra iCandy Peach:
* Weniger Platz für Einkäufe
* Die Farben sind allesamt grauselig, es sind auch nur drei: kackbraun mit schwarz (der Trauerkinderwagen), orangerot (das Warndreieck) und türkis. Im Laden stand türkis mit hellgrünen Akzenten und schwarzbraun.

Nachdem wir zwei Tage und Nächte selbstverständlich über nichts anderes nachgedacht hatten, sind wir am Montag noch mal zum Laden marschiert, ich habe mich sonnigster Laune und in der Gewissheit, mit beiden Entscheidungen glücklich zu sein, noch mal auf einen Bummel durch die anderen Abteilungen gemacht, während L. mit seiner Not alleine war. Und jetzt ist es der iCandy geworden. Der türkisfarbene mit den hellgrünen Streifen. Ich kann es kaum erwarten, bis er endlich bemannt ist.

Was war sonst noch in Berlin? Wir waren im Theater, in der gefeierten Medea-Inszenierung von Michael Thalheimer. Nach einer Stunde in der ersten Reihe ist mir klar geworden, dass ich jetzt lieber im schönen Garten des Hauses der Festspiele unter der blühenden Magnolie sitzen würde und ein Buch lesen, und genau so habe ich es dann auch gemacht. Ich bin außerdem mehreren Tipps von Wednesday Chef Luisa zum Teil zehn Stationen weit mit der Ubahn hinterhergefahren und war jedes Mal sehr glücklich über die Entscheidung: das Furious Chicken im Angry Chicken Imbiss war genau so toll wie die Udonsuppe und die hausgemachte Ingwer-Brause im japanischen Imbiss Heno Heno. Aber am allerallerallerschönsten war das Eis bei Vanille Marille. Gibt es hier jemanden aus Berlin, der da noch nicht war? Auf den bin ich jetzt ein bisschen neidisch, denn er hat etwas sehr Schönes vor sich, was ich jetzt leider schon hinter mir habe: ein Eis, das die allermeisten anderen Eise plötzlich reichlich albern aussehen lässt. (In Hamburg gibt es z.B. die Kette Eiszeit, die das "vielleicht beste Eis der Welt" verkauft, wobei so ziemlich jede Sorte gleich und irgendwie langweilig nach Vanille schmeckt. Das versuchen sie vergeblich, mit achtzig Sorten Sauce und Streuseln rauszureißen.) Ich hatte zum ersten Mal im Leben fünf Kugeln: Marille, schwarze Johannisbeere, salziges Karamell, Birne "gute Luise" und Grieß mit Pflaume. Die letzten drei waren die besten, aber alle waren köstlich. In den nächsten Wochen werde ich L. bitten, unsere Eismaschine aus dem Keller nach oben zu wuchten und von den Fledermausnestern zu befreien, und dann werde ich einen von vornherein zum Scheitern verurteilten Versuch starten, Karamell und Grieß-Pflaume nachzumachen. Irgendwann in Berlin hat Würmchen sich außerdem noch mal komplett verlagert, der Kopf ist immer noch unten, aber der Rücken und die Beine sind jetzt irgendwie anders und schaffen es so, mir noch mehr Luft und Magen abzudrücken. Vor allem Nachts ist es übel, ich komme selten auf mehr als vier Stunden Schlaf. Und weil heute der vermutlich letzte Tag ohne Hunde (noch in der Pension) und ohne Baby sein wird, werde ich ihn genießen, indem ich einen einzigen langen Vormittags-, Mittags- und Nachmittagsschlaf mache. Liebe Damen, gute Nacht.

Sonntag, 24. Februar 2013

Da erwarte ich von mir aber entschieden mehr.

So geht's nicht. Drei Tage Flappe ziehen sind genug. Was sollen die Leute denn von mir denken? Mich eingeschlossen? Anfangs haben die vielen, vielen reizenden Kommentare à la "In dem Moment, in dem wir es erfahren haben, war es plötzlich genau richtig" mir nur noch deutlicher gezeigt, wie falsch das alles in meinem Kopf läuft: denn bei mir hielt das Gefühl "ein Junge wieso denn bloß ein Junge ich will keinen Jungen ist denn das zu viel verlangt?" ehrlich gesagt bis heute Nacht an. Und ich wusste, wie bescheuert das ist: ich wusste, wie dankbar wir sein können - dafür war ich schließlich vier Jahre lang auf der anderen Seite, die habe ich nicht hormonbedingt vergessen. Aber zu schmollen und zu wissen, dass Schmollen gerade das Allerallerletzte ist, hat die emotionale Gesamtlage auch nicht besser gemacht. Auch nicht geholfen hat gestern die Diskussion zwischen L. und seiner Mutter, dass in seiner Familie erblich bedingter Haarausfall angeblich immer eine Generation überspringt. L.s Großvater: beerdigt mit voller Frisur. L.s Vater: extrem frühe Halbglatze. L.: bis heute Lockenkopf ohne sichtbaren Lücken. Würmchen: naja. Im Juli gebäre ich einen einundzwanzigjährigen, teigigen Nerd mit Pferdeschwanz und Halbglatze, der sich nie die Nägel schneidet, na bravo. Das dachte ich wirklich! In meinem Fusselhirn! Bis gestern Abend. Jetzt habe ich beschlossen, es muss ein Ende haben, und zwar sofort, das geht so nicht. Jetzt wird gegengesteuert, sonst trifft mich ein Blitz und der vollkommen berechtigte Zorn alles Abkürzungsdamen. Ein erster Schritt ist ein neues Pinterest-Bord. Haltet mich nicht für shopping-süchtig, denn das Gegenteil ist der Fall, ich bin eher shopping-phobisch. Aber es hilft tatsächlich, mir auszumalen, wie sein erstes Zimmer aussehen wird, was er anziehen wird und welche Bilder wir an seine Wand hängen werden. Zufällig ist jetzt die Zeit, in der ich mir tatsächlich überlegen muss, was wir noch brauchen, zumindest, wenn ein Teil der Sachen nette Ebay-Funde, von uns aufpoliert und verschönert, sein sollen. Ein alter Schaukelstuhl z.B., um ihn nachts in den Schlaf zu schaukeln. Und ein alter Ohrensessel zum Stillen, am besten aus ganz ollem, medizinballdickem Leder, damit man die ganze ausgerülpste Milch einfach wieder abwischen kann. Vielleicht finden wir sogar solche Schätze wie eine riesige Steiff-Ausstellungsgiraffe oder viele kleine alte Segelbootchen, aus denen ich ein Mobile basteln kann. Morgen fahren wir für noch nicht mal 48 Stunden zu meinen Eltern, da liegen laut meiner Mutter noch Tonnen von Kinder- und Babykram, Bücher von mir außerdem - die alten Märchenbücher z.B. mit den schrägen Illustrationen von Ruth Koser-Michaels, vielleicht können wir ja einen kleinen Teil schon mal mitnehmen? Ich brauche jetzt Dinge, die ich anfassen und an denen sich meine Phantasie austoben kann, sonst baut sie nur wieder Mist wie die Vorstellung, mein Kind würde der Comicladenbesitzer aus den Simpsons. Und schon jetzt habe ich das Gefühl, all das Geplane und Gepinne hilft. Es wird höchste Zeit, sonst verpasse ich das Beste.

Übrigens bin ich gar nicht so sicher, ob ich jetzt, in der 21. Woche, tatsächlich noch im fünften Monat bin? Laut "What to expect" schon, aber laut deutscher Zählung bin ich im sechsten. Also gut, dann eben beide Labels.