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Dienstag, 21. Juni 2011

Natürlich spreche ich extrem ungern über meine, öhömm, Auftritte in der Öffentlichkeit.

Aber wenn ihr mich GAR so lieb bittet - und um Verwirrung vorzubeugen:
Cosmopolitan - der Artikel ist jetzt seit ein paar Tagen draußen, und ich habe ihn alleine zuhause geschrieben. Ob ich dabei Make-Up getragen habe, weiß ich nicht mehr, aber ich erinnere mich genau, dass meine Haare nicht geglättet waren. Das Thema war Kinderwunschbehandlung, und ich sollte meine Erfahrungen dazu aufschreiben. Als ich zum ersten Mal mit der Redakteurin telefonierte, dachte ich noch, ich muss sie warnen: dass ich das Ganze nicht als persönliche Katastrophe, Behinderung oder Fluch empfinde, dass ich nicht besonders empfänglich bin für verschwommene Psycho-Theorien und esoterische Wunderkuren, und dass es mir eigentlich ganz gut geht - dass ich also nicht die richtige bin für einen Leidensbericht. Das hat sie nicht davon abhalten können, trotzdem meinen Text zu drucken (und mir ein nettes Honorar dafür zu zahlen), und als ich vor ein paar Tagen mit der Zunge zwischen den Zähnen mein Belegexemplar aus dem für Zeitungen leider viel zu kleinen Briefkasten gefruckelt habe, war ich begeistert zu lesen, dass direkt im Anschluss Tewes Wischmann zu Wort kommt und nicht etwa schon wieder den Quatsch erzählt, den man dauernd lesen muss, wir müssten eigentlich alle nur loslassen und dergleichen, sondern lauter vernünftige Sachen schreibt. Ein Foto von mir war zwar geplant, aber das sollte das Foto aus dem Buch werden, und das fand ich schon beim ersten Mal nicht so hübsch, also habe ich ihnen ein anderes von mir geschickt - das fanden nun aber sie scheinbar nicht so hübsch, und darum haben wir uns pragmatisch darauf geeinigt, dass es kein Foto gibt. Das war mir aber eigentlich auch lieber, denn während über mein Buch nur Menschen stolpern, die eigentlich keinen Anlass haben, sich über meinen Kinderwunsch das Maul zu zerreißen, weil sie selbst offensichtlich im gleichen Schlamassel stecken, kann in der Cosmo auch mal jemand über mich stolpern, der eigentlich nur auf seinen Zahnarzttermin wartet und mich sowieso noch nie leiden konnte, schon damals nicht, als er in Physik neben mir sitzen musste. Die Cosmo hat meinen Artikel aber nicht nur gewünscht fotolos gedruckt, sondern auch bis auf ein-zwei winzige Korrektürchen - alle abgesprochen - wie ich ihn geschrieben hatte. Ein dreifaches Hurra für die Cosmo! So finde ich das gut.

Die Emotion ist eine andere Geschichte: das war der Termin, zu dem auch Simone gebeten war, am Tag der großen Prinzessinnenglitzertraumhochzeit, und bei dem wir frisiert, geschminkt und stundenlang in prachtvoller Kulisse fotografiert wurden. (Natürlich habe ich Bammel, dass ich auf dem Foto, das ich noch nicht gesehen habe und wohl auch erst in der fertigen Zeitung sehen werde, erbärmlich aussehe und dann nicht nur erbärmlich aussehe, sondern erbärmlich nach 30 Minuten in den Händen einer Visagistin und von einem zauberhaften Profifotografen fotografiert, und weil ich ja grundsätzlich die Sabbel nicht halten kann, wissen das dann auch noch alle. "Emotion - jetzt ohne Models!" Genau.) Zu dem Gespräch waren außer Simone und mir noch zwei andere Abkürzungsdamen geladen, wir haben uns mindestens zwei Stunden lang um ein Diktiergerät versammelt und Fragen beantwortet, und daraus wurde dann ein Interview geschrieben, das wir vor ein paar Wochen dann per Mail zur Freigabe bekommen haben. Und ich hatte viel, viel zu ändern. Ich hoffe, dass das nun alles genau so im Heft stehen wird, wie ich will, und ich hoffe auf ein nettes Foto, und ich hoffe auf einen kleinen Infokasten, in dem genau so vernünftige Sachen stehen, wie sie Herr Wischmann geschrieben hat, und ich hoffe, dass das Ganze bald erscheint und dass niemand, der mich zwar kennt, aber nichts von den hormonellen Herausforderungen meines Lebens weiß, diese Zeitschrift kauft oder zufällig beim Zahnarzt findet. Ziemlich viele Hoffnungen für einen kleinen Artikel, die Chancen stehen also nicht schlecht, dass sich zumindest eine davon nicht erfüllt.

Außerdem habe ich zu berichten, dass eine sehr nette Kollegin jetzt schwanger ist. Aber die, die täglich zulegt, bin ich. Was will mir das sagen? Irgendjemand von der Psycho-Front zufällig hier, der eine Theorie parat hat?

Samstag, 30. April 2011

Ich hätte ja schon eher gepostet, aber ich war noch in der Maske, kennt ihr ja

Wieder mal passiert erst tagelang nichts und dann auf einmal viel zu viel. Der Reihe nach (jedenfalls versuche ich das nach Kräften, aber bekanntermaßen soll man sich mit Braten in der Röhre ja nicht übernehmen).

Gestern:
Der Zeitplan in London und in meiner Küche/auf meinem Fernsehsofa steht und funktioniert reibungslos. Ich weihe das Original-Krönungs-Service ein, das L. heimlich für mich in England bestellt hat (nicht das ganze Service, sondern einen Teller und zwei Tassen), indem ich vom Teller Eier, Speck, gegrillte Pilze und Tomaten und Toast mit Marmite, Cheddar und bitterer Orangenmarmelade esse. Anders als Götz George in "Schtonk" trenne ich mich nämlich nicht plötzlich oder werfe mit Sachen, wenn man mir Toast mit bitterer Orangenmarmelade vorsetzt. Dazu gibt es aus den Tassen Earl Grey, und zwischendurch zwei Gläser Pimms mit Eis, Gurken, Erdbeeren, Zitrone und Ginger Ale. Das Hochzeitsservice ist für meinen Geschmack ja fast zu stilvoll, es ist z.B. weit und breit kein Bild der beiden darauf zu sehen, aber wenigstens Goldrand, Herzchen und so. Habe ich wohl Glück, jemanden wie L. zu haben, der sowas für mich kauft und daraus dann auch noch bereitwillig seinen Kaffee trinkt?
Wenn ich ihm auch sagen musste, William hätte ich auch genommen, dieser plötzliche Haarausfall hat mich auf eine spezielle Art gerührt, gegen die ich machtlos bin.
Gegen eins musste ich das alles hinter mir lassen, um mit ungewohnt viel Produkt im Gesicht und im gewünscht sommerlichen Kleid in ein Taxi zu springen. Natürlich hatte ich einen Taxifahrer, der mir die ganze Fahrt über unaufgefordert erzählt hat, das wäre ja wohl alles ein Riesenscheiß, wer so was gucken würde, wäre ein Vollidiot und könnte einem leid tun, zeterzeter blablabla. Ich habe gelächelt und huldvoll aus dem Fenster gewunken, so machen wir das im englischen Königshaus.

Und dann der Termin. Ich kann euch jetzt sagen, das Fernsehen hat Recht, fotografiert werden ist wirklich ein bisschen so wie bei Heidi! Die zauberhafte, sommersprossige Visagistin (die sich mit den Worten vorstellte "Ich bin Haare Make-Up"), beäugte das Ergebnis meiner Schminkbemühungen ein bisschen freundlich-argwöhnisch, woraufhin ich schnell so tat, als wären das nicht 30 Minuten Zunge-im-Mundwinkel-geklemmte Anstrengung gewesen und lässig erlaubte, das gleich alles wieder runterzunehmen. Und dann musste ich zwanzig Minuten lang nach oben gucken, nach unten gucken und wieder nach oben gucken. Die Spaziergänger in Planten und Bloomen, die uns auf der Caféterrasse sitzen sahen, fragten sich vergeblich, woher sie uns denn nun kennen sollen. Nirgendwoher, liebe Spaziergänger! Wir sind genau solche Niemande wie ihr! Wir machen uns heute nur mal hübsch! Einen kleinen Triumph hatte ich aber, als Haare Make-up bereitwillig mein weißes Make-up und meinen Lippenstift benutzte, die sie sehr passend fand. Ha.
Dann ging es ohne Umweg über einen Spiegel auf ein weißes Himmelbettchen, das wie zufällig da rumstand, ich musste meine Wollstrumpfhose ausziehen, damit das im Augustheft nicht so kühl wirkt, und dann habe ich eine halbe Stunde lang alles gemacht, was der unfassbar nette Fotograf mir sagte. Im Nachhinein muss ich sagen, der war fast ZU nett. Denn falls die Wahl auf das Bild fallen sollte, auf dem ich auf dem Bett knie und so im Sitzen nach vorne robbe, als würde ich gleich "groarrrrr" machen und einen Tiger imitieren, das hab ich nur gemacht, weil der so nett war und ich deshalb so entspannt! Im August wird der Fotograf Vater, bitte wünscht ihm und vor allem seiner Frau viel Glück. Nach dem letzten Foto bin ich sofort aufs Klo gerannt, und siehe da, ich sah dank ungewohntem Kajal und ein bisschen smoky aus wie Avril Lavigne, zusammen mit dem Blümchenkleid ergab das so eine Art romantic gothic. Nuja. Wir werden sehen. Das war sicher nicht die Schuld von Haare Make-up, sondern lag daran, dass ich das sonst nicht mache, sondern mir die Wimpern tusche, mir einmal die Puderquaste auf die Nase drücke und los, es sei denn, es ist was. Und darum erkenne ich mich selbst kaum noch, sobald jemand mir mit Kajal kommt. Sogar meine Haare waren mit einem Elektrogerät geglättet worden! Das war wirklich noch nie.


Dann die eigentliche Hauptsache, das Gespräch. Wir waren zu fünft: die Journalistin, Simone, eine Dame aus München, die sich noch nicht so richtig in die Abkürzungswelt begeben will, und eine ehemalige Abkürzungsdame, die schon vorübergehend hingeschmissen hatte, als sie plötzlich simsalabim schwanger wurde und jetzt ein vier Monate altes Kind hat. Die Fragen waren zum Teil von der Sorte, die mich sonst auf die Palme bringen ("Glaubt ihr, dass ihr vielleicht irgendwie unbewusst das Kind gar nicht wollt?") Zum Teil aber auch genau richtig und gut, und am Ende hatten wir alle ziemlich viel von dem gesagt, was es so zu sagen gibt. Genauer gesagt, bin ich gespannt, wie die "Emotion" das alles ohne Sonderheft unterbringen will. Ach so, das machen Zeitschriften gar nicht so? Das wird noch editiert und gekürzt?

Nach fünf Stunden bin ich hochzufrieden nach Hause gefahren, immer noch ein bisschen zu Avril-artig für meinen Geschmack, aber trotzdem mit dem Gefühl, einen Nachmittag unter lauter freundlichen, klugen und lustigen Menschen verbracht zu haben. Und vom Rest werde ich ab sofort nichts mehr verraten, schließlich sollt ihr gefälligst Mitte Juli diese Zeitung kaufen.

Dann noch abends mein traditionelles Abschied-vom-Essen-für-Erwachsene-Dinner mit L. Er kommentierte mein nagelneues Gesicht mit den Worten "Schön, dass Monika Lierhaus wieder das Leben genießt". Harr. Ich hab mich am Riemen gerissen, denn ich wusste ja schon, dass ich höchstens mit einer "okayen" Eizelle rechnen kann und die Wartezeit bis zum nächsten rohen Fisch vermutlich eher zehn Tage als ein Jahr betrifft, da muss man nicht auf Henkersmahlzeit-Modus umschalten. Also hatte ich nur halbrohes Fleisch und Weißwein. Und um elf lag ich im Bett.

Heute:
Um halb eins saß ich auf dem Donnerstühlchen, und die Eierbeauftragte verkündete mir freudestrahlend, es wäre EIN ZWEIZELLER! Als sie mein Gesicht sah, schob sie schnell nach: die Zellen waren nicht wie angekündigt am Mittwoch aufgetaut worden, sondern gestern, und da sind zwei zudem sauber geteilte und auch sonst propere Zellen ok. Wir plauderten noch ein bisschen darüber, was jetzt auf mich zukommt, und es zeigte sich, auch nach gefühlt 12 Versuchen kann einen doch noch einiges überraschen. Mir hatten Sprechstundenhilfen immer gesagt, ich müsste jetzt im Schleichschritt gehen, dürfte nicht mehr Radfahren und müsste spitzen Bemerkungen ausweichen. Ich kann mich sogar noch an ein DinA4-Blatt voller Anweisungen und Verbote erinnern. Der Arzt kam dazu und rollte die Augen. Die beiden heute haben herzlich gelacht darüber und gesagt, wenn ich joggen gehen will, soll ich joggen, die Welt wäre ein bedeutend leererer Platz, wenn das JETZT das Würmchen umbringen würde, und stillhalten und die Hände ringen wäre eher kontraproduktiv. (Außerdem habe ich mir einen Anpfiff eingefangen, weil meine Blase voll war, man könnte ja gar nichts sehen auf dem Ultraschall. Aha. Man lernt nie aus, auch nach unzähligen Versuchen, bei denen volle Blase Pflicht war. Was ja auch nicht weiter wundern kann, angesichts dessen, dass sich die Grundfunktionen des weiblichen Körpers ja alle zwei Monate einmal komplett umkrempeln und neu erfinden). Aus irgend einem Grund war ich sofort bereit, zu glauben und zu beherzigen, was mir heute gesagt wurde. Und morgen gehe ich laufen.

Tag 1 mit Würmchen. Am 12. ist der Test.

Montag, 18. April 2011

Ein klitzekleines bisschen zu viel Emotion für einen Tag

Das Buch gibt es jetzt schon eine ganze Weile, jeden Tag verkaufen wir ein paar Ausgaben davon, und ich dachte, das plätschert nun so vor sich hin. Aber jetzt durfte ich gerade erst meinen Senf zu Befruchtungsfragen in einer Pharma-Zeitschrift geben, dann habe ich mit vor Nervosität knisternden Fingern eine Seite für die Cosmopolitan getippt, und jetzt möchte eine Zeitschrift, dass Simone und ich uns mit anderen Abkürzungsdamen (und vermutlich einem KiWu-Arzt) in eine Sitzecke setzen und über das Thema Kinderwunsch, unerfüllter Kinderwunsch und alles, was man dabei so fühlt oder auch nicht fühlt, sprechen. Wie ist das, wenn sich dieser Wunsch einfach nicht erfüllt? Wie erlebt man das, wenn man sich von diesem Traum verabschieden muss? Zur ersten Frage kann ich mir inzwischen was einfallen lassen, zur zweiten kaum, weil ich noch weit davon entfernt bin, es sein zu lassen. Aber die Überlegungen, was um Himmels willen ich da sagen soll und wie ich an der eigentlich unausweichlichen Totalblamage vorbeikomme, wird im Moment von einer ganz anderen in den Hintergrund gedrängt.

Warum um Himmels willen findet das am 29. April statt? Ein Tag, der seit Wochen in meinem Kalender mehrfach mit Neonmarkern markiert ist, so dass ich auf gar keinen Fall auf die Idee komme, mir da versehentlich irgend einen Auftrag reinzuschreiben oder einen Arzttermin oder eine Verabredung. Der Plan war längst in Beton gegossen, den ganzen Tag vor der Glotze zu verbringen und Hochzeit zu gucken. Wie nett wollte ich mir das machen! Ich wollte Liveschaltungen zu meinen Mädchen per Skype, ich wollte Eis und rosa Brause, und L. habe ich jetzt auch schon achtmal gesagt, dass er nicht auf die Idee kommen soll, an diesem einen Tag auch nur für eine Minute "mal kurz was gucken" zu wollen. Sonst ist er immer der Herr über die Fernbedienung, dieses eine Mal nicht.

Wochenlang habe ich den Tag verteidigt wie eine Löwin. Und jetzt das. Und das ist zu wichtig, das kann ich nicht absagen. Nicht deshalb. Einen achthundert-Euro-Job hätte ich für den Tag abgelehnt, aber das geht nicht, da muss ich hin. Noch bleibt mir der Festplattenrekorder. Wehe, der funktioniert nicht. Wehe, L. will wieder im falschen Moment Strom sparen und macht irgend einen Quatsch mit meiner Programmierung. Wehe, das dauert fünf Stunden und ich verpasse wirklich alles.

Haltet mich für oberflächlich, dass ich angesichts eines so existentiellen Themas lieber auf dem Sofa sitzen und wildfremden Menschen beim Heiraten zugucken will. Und haltet mich gerne für noch viel oberflächlicher, wenn ich euch jetzt sage, dass der Tag, an dem mir so etwas nicht mehr wichtig ist, der Tag sein wird, an dem ich ernsthaft darüber nachdenken werde, ob es jetzt nicht Zeit ist, aufzuhören mit der Behandlung.

Donnerstag, 10. März 2011

Der erste Schritt auf den Abgrund zu, auf dessen Grund ich besoffen, dick und gleichzeitig magersüchtig in der intouch bin

Jemand will ein Interview von meiner Coautorin Simone und mir. Unser erstes! Zum Glück muss ich nirgendwo hinfahren, um mich zu blamieren, sondern darf zuhause geschützt an meinem Rechner sitzen und mir gründlich überlegen, was ich auf die Fragen antworte.

Bei näherer Überlegung hätte ich das vielleicht nicht verraten sollen, denn dann hätte ich, falls das alles sehr peinlich wird oder jemandem in den falschen Hals gerät, immer noch behaupten können, dass man in der enorm adrenalingeschwängerten (Harrrrr) Interviewsituation schnell mal was sagt, was sich hinterher als blöd oder missverständlich erweist. Zu spät, schon ist es aus mir herausgeplatzt, und das, obwohl ich diesen Post nicht vor laufendem Diktiergerät zusammenstammele, sondern zuhause im Schutz meines Arbeitszimmers schreibe!

Eieieiei. Ich seh schwarz für dieses Interview und möchte an dieser Stelle der Dame von der Presse schon mal ans Herz legen, sich ein paar nette und ungefährlichere Alternativthemen zu überlegen, falls ich es vergeige. Hier ein paar Vorschläge:
- die ersten Enten des Jahres, die unter Polizeischutz die Straße überqueren.
- irgendwas mit dem Fluch der Inkas, Pharaonen oder des Bermudadreiecks.
- ein Bericht über eine Hundertjährige.
- was ist eigentlich aus Octomum geworden?
- Mallorca. Ahnt man ja nicht, was sich da alles im Hinterland verbirgt, im Grunde eine TOTAL schöne Insel!
- etwas mit den Ochsenknecht-Blagen, Krischan-Sindbad oder wie heißt der eine? Ach nein, das hat Max Goldt sich ausgedacht.
- die Ananas-Diät.

Montag, 25. Oktober 2010

Eine buchförmige Erscheinung liegt vor mir auf dem Tisch.

Es existiert nicht nur theoretisch irgendwo da draußen, es ist auch wirklich da. Zumindest ist die Illusion so überzeugend, dass ich es anfassen, dran riechen, dran lecken und drin blättern kann. Simone, die Liebe, Gute, Kompetente und rundum Zauberhafte, hat es mir geschickt, nachdem das Päckchen verschütt gegangen ist. Ich könnte mir jetzt also einen rauschenden Abend machen. Ich könnte seit zwei Stunden mutterseelenallein in der Thai-Oase stehen und den Kellnern Karaoke vorsingen. Oder ich könnte im Silbersack mein Autorenhonorar in der Musikbox versenken. Ich könnte eimerweise Hühnchenteile aus Kentucky Fried Chicken für die Penner vor der Haspa rausschleppen, mit meiner ersten halben Schachtel Fluppen durch sein und längst jenseits von Gut und Böse. Aber stattdessen sitze ich hier und bringe eine verdammte Broschüre für einen hochrespektablen Kunden zu Ende, um nicht millionenschwere Folgeaufträge in den Wind zu schießen.

Am Wochenende wird allerdings in den Wind geschossen. Dann bin ich in Berlin, wo mich sowieso keiner kennt bis auf die, denen das nichts ausmacht, wenn ich irgendwas in den Wind schieße, und die nicht die Nase rümpfen, sondern mir gerührt übers strubbelige Haar streichen, wenn ich das Buch irgendwann aus meiner Tasche ziehe und glücklich brabbele "guck mal, weißt du noch, wie wir mal ein Buch geschrieben hatten?"

Ganz schön dick ist es übrigens, das Buch. Muss an den vielen Hormonen liegen.

Freitag, 22. Oktober 2010

Die ausgleichende Gerechtigkeit für das Freie-Eileiter-Wunder wird präsentiert von Ihrer Post.

Es ist immer noch nicht da. Gestern Abend habe ich die Karte der DHL aus dem Briefkasten meiner alten Wohnung gefischt. Heute bin ich im strömenden, eiskalten Regen zur Bahn gelaufen, 20 Minuten neben einer Frau gefahren, die sich mit ihren angeklebten Fingernägeln am Kopf gekratzt und dann DAS GEGESSEN HAT, was sie unter ihren Schaufeln gefunden hat, bin dann noch mal zehn Minuten durch mieses Wetter gelaufen, um auf der Post hilflos miterleben zu müssen, wie drei Beamten mit vereinten Bemühungen auch nach zwanzig Minuten mein Paket, mein Buchpaket mit meinen 20 Belegexemplaren, nicht finden können. Jetzt gibt es eine Suchmeldung, und ich habe immer noch kein Buch. Ich würde ja eins bei amazon bestellen, aber da sind im Moment 10 Tage Lieferzeit.

Hab ich das nur geträumt? Sagt die Wahrheit: kann mir irgendwer versichern, dass es dieses Buch wirklich gibt?

Willkommen in der Twilight-Zone.

Donnerstag, 21. Oktober 2010

After Work-Tea-Party

Inzwischen weiß ich auch nicht mehr, warum ich nicht sofort Hurra geschrieen und ja gesagt habe, als die mich gefragt haben, ob ich ab sofort - ganz unverbindlich, auf keinen Fall exklusiv und überhaupt ganz nach meinen Regeln - drei Tage in der Woche für einen wirklich netten Laden arbeiten will. So dass von jeder Woche theoretisch vier Tage bleiben, an denen ich treiben kann, was ich will: mich anderswo buchen lassen, Kurzreisen machen, auf dem Rücken liegen und schmollen, mir ein Hobby suchen, vor Kalorien funkelnde Mahlzeiten kochen und essen oder posten. Dank dieser Regelung habe ich gestern Abend um sechs mein festes Soll schon erfüllt und hätte jetzt Wochenende, wenn ich nicht sekündlich mit dem Anruf eines anderen Auftraggebers rechnen würde, der sich heute früh melden wollte, um mich unter einem Haufen Arbeit zu begraben. Aber wir werden sehen, ob das wirklich alles so monströs viel ist.

So sieht's also aus: ich sitze mit nassen Haaren am Esstisch, trinke mein zweites Tässchen Tee des Tages, habe das Telefon in Griffweite und fühle mich ansonsten als rundum freier Mensch. Wenn ich an mir runtersehe, dann sehe ich vor allem meinen roten Wollpulli, unter dem man den Enantone-Ballon nicht mehr sehen kann. Jedenfalls nicht durch den Pulli. Ohne Pulli sehe ich ein kleines gelblich verfärbtes Böllchen, in etwa so, als ob man von einem Tischtennisball das obere Drittel abgeschnitten und mir unter die Haut geschoben hätte. So fühlt sich das auch an. Draufdrücken ist nicht so gut, aber ich muss ja schließlich auch nicht dauernd auf meinen Bauch drücken. Ganz so anschaulich hatte ich mir das Depot bei diesem Depotmedikament nicht vorgestellt: ich dachte nicht, dass ich jetzt eine kleine Kugel neben dem Nabel hätte, von der sich mein Körper jeden Tag ein kleines Stück abknuspert. (Als ich noch klein war, haben mir meine Großeltern mal einen Tiroler Speck aus dem Skiurlaub mitgebracht. Ich war schon damals mehr für sowas zu haben als für Schokolade. Der Speck hing im Vorratskeller, und jeden Tag bin ich da runtergeschlichen und habe mir ein winziges Stückchen abgeschnitten, bis er irgendwann ganz verschwunden war. So in etwa stelle ich mir das mit Enantone jetzt vor. Ob die mich beim nächsten Mal ein bisschen probieren lassen?) Nebenwirkungen: einen Tag lang habe ich fürchterlich geschwitzt, aber das lag vielleicht auch an dem sehr, sehr preiswerten Wollkleid, in dem ich an diesem einen Tag unterwegs war. Seitdem nichts. Enantone: wieder etwas, wovor man keine Angst haben muss.

Oben hämmert und flucht L., der sich daran gemacht hat, schon mal so viel zu unserem Badezimmerumbau beizutragen, wie er nur kann. Der erste Handwerker, der vor zehn Tagen da war, hat selbstbewußt etwas von 35.000 Euro gesagt. Da haben wir herzlich gelacht und nachgedacht, jetzt müssen wir also selbst ran, vor allem L. Seit dem ersten Handwerker waren inzwischen vier andere da, und wieder mal ist zu beobachten, dass IVF nicht der Ausnahmezustand ist, den man nach ein paar Minuten in einem Forum zum Thema erwarten würde. Eigentlich ist so ziemlich alles, was man schon kennt, auch wie IVF. Die Handwerker z.B.: jeder einzelne, den man fragt, sagt, dass all seine Vorgänger Blödsinn erzählt haben und es in Wirklichkeit genau anders gemacht werden muss, wittert aber dafür ein neues Problem, das unbedingt behoben werden muss. Und wenn nicht, dann... Sie werden schon sehen, wie das wird, Duschen ohne Fußboden. Bzw. Wohnen ohne Wände. Bzw. Leben in einer Ruine. Was lernen wir daraus? Wir lassen sie reden, sagen an irgend einer Stelle "Stop!", und der, der dann gerade in unserem Bad steht und unkt, kriegt den Auftrag, woraufhin wir mit Wänden und Fußboden duschen, uns waschen und uns Kuren in die Haare schmieren bis an unser glückliches Ende.

(Ich habe ziemlich gute Laune. Nicht nur, weil für mich ab heute theoretisch Wochenende ist, sondern weil ich die Zeit seit heute wieder mögen darf. Sie hat nämlich auf dem Titel einen richtig vernünftigen Mini-Artikel über PID gebracht, der nicht vom ethisch blasierten Jens Jessen geschrieben ist.)

Und dann das Buch. Tja. Was soll ich sagen: seid nicht traurig, wenn es noch nicht da ist; vielleicht tröstet es euch ja, dass ich auch bisher noch keins in den Fingern hatte und mich ab und zu frage, ob ich das alles nur im Hormonnebel geträumt habe oder es dieses Buch wirklich gibt.

Freitag, 15. Oktober 2010

Noch drei.

Tage bis Buch. Ich bin ziemlich gespannt. Was werden die Mädchen sagen? Und L. (der sich immer noch standhaft weigert, den Blog zu lesen, aber der das Buch lesen wird, so wahr ich hier in meinem Snoopy-Schlafanzug liege und mir die hervorragende neue Belle&Sebastian-Platte anhöre)? Und meine Eltern? Ich wette, meine Eltern hätten sich das alles anders vorgesetellt. Aber so ist es nun mal, ich kann ja schließlich auch nichts dafür. Wann wird es zum ersten Mal passieren, dass ich feststelle, dass jemand das Buch (und den Blog) gelesen hat, der das auf gar keinen Fall tun sollte, und bei dem ich mich fühle, als hätte mein ekliger Lateinlehrer in meinem Tagebuch geschnüffelt? Und wenn das irgendwann zum achten Mal passiert, wird die Welt ein Einsehen haben und es wird mir eines Tages nicht mehr so viel ausmachen, wie ich mir das jetzt ausmale? (A propos Lateinlehrer, ich bin gottfroh, so alt zu sein, dass all meine Lehrer inzwischen aus dem Kinderwunsch-Alter raus sind und darum keinen Grund haben, zufällig über das Buch zu stolpern. Andererseits, wenn ich nicht so alt wäre, hätte vielleicht nie ein Anlass bestanden, ein Kinderwunschbuch zu schreiben. Heieieiei, vielleicht sind solche Überlegungen jetzt die psychischen Komplikationen der Behandlung, von denen ich so viel gehört habe?)

Noch zwei siebenachtel.

Dienstag, 12. Oktober 2010

-> -> ->

Guckt mal guckt mal guckt mal!
Inzwischen sind es nur noch sechs Tage bis zum Erscheinungstermin, amazon hat sich letzten Endes doch noch überzeugen lassen, die Texte auszutauschen, und wer will, kann das Buch jetzt vorbestellen.
Ich muss der Kommentatorin vom letzten Post übrigens ein bisschen Recht geben. Natürlich kennt von Euch bisher noch niemand Simone, meine Co-Autorin und die Mutter der Idee zu diesem Buch. Aber ich würde mich freuen, wenn Ihr Euch ab sofort nicht nur auf "mein" Buch freut, sondern auf unser Buch. Sie hat sich nämlich genau so die Finger wundgeschrieben (wenn nicht noch mehr, schließlich hatte sie nicht ein ganzes Jahr, in dem sie schon mal so drauflosgepuzzelt hat, ohne die geringste Ahnung, was mal daraus werden sollte - nein, sie ist direkt mit einer Deadline und einem Riesenhaufen Arbeit in diese Gemeinschaftsproduktion gestartet).
Yippieh!

Dienstag, 5. Oktober 2010

Zeitmaschine, mach mal morgen bitte

Wieder letzter Tag vor der OP, aber unter verschärften Bedingungen: heute wird der Arbeitstag auf keinen Fall vor Mitternacht enden, und wenn ich ganz großes Pech und eine Konzentrationskrise habe, auch noch deutlich später. Außerdem muss ich in der Mittagspause in einen ziemlich weit entfernten Stadtteil kommen, um dort meine Einweisung ins Krankenhaus abzuholen, die ich bei der Nachsorge leider noch nicht mitnehmen konnte, weil das ein ganz anderes Quartal war, ich Dummerchen. Diesen Trip werde ich mir zwar versüßen mit meiner Henkers-Pasta-und-Rotwein-Mahlzeit beim netten Italiener um die Ecke (Ich sage nur: in Zukunft Glücksbolo statt Glückscheesie, wollen wir doch mal sehen, ob wir diesem Unfruchtbarkeitsmist nicht die Hölle heiß machen), aber trotzdem hängt dieser kleine Ärztewandertag an meinen sowieso schon knallvollen Arbeitstag noch ein Stündchen hinten dran. Mit viel, viel Glück habe ich morgen nicht um sieben da anzutanzen, sondern erst um elf. Das wäre himmlisch. Mit Pech sinke ich um zwei ins Bett, habe seit vielen Stunden nichts mehr gegessen, kann dann trotzdem nicht schlafen, weil ich das Gefühl habe, mit meiner Arbeit nicht fertig zu sein und völlig überstresst bin, und um halb sechs klingelt der Wecker.

Brrrr. Eklige Vorstellung. Schnell weg damit, und zur Ablenkung lasse konzentriere ich mich lieber darauf, dass das zwar ein widerlicher Arbeitstag wird, rundum widerlich, Iiiiih Iiiiiih Iiiiiih, aber der NÄCHSTE Arbeitstag danach - der, wenn Krankenhaus mit Bauchspiegelung und Endometriosemassaker, kurze Erholung und Schwarzwaldwanderwoche vorbei sind - ist der Tag, an dem das Buch erscheint. (bitte bitte bitte, liebe amazons usw., bitte, schafft es bis dahin, alle diesen merkwürdigen Text auszutauschen. Bitte!!!!)

Donnerstag, 30. September 2010

Wie war das noch mal mit Stress und Fruchtbarkeit?

Ich hoffe ja, der Zusammenhang zwischen viel Arbeit und Hektik und wenig Babys ist wieder einer dieser Mythen, die sich einfach nur deshalb so lange und hartnäckig trotz sehr, sehr unzureichender Zahlen und Beweise halten, weil sie so einleuchtend klingen (und weil bei uns Frauen ja alles irgendwie, räusper, psychisch ist. Letzten Endes. Sowieso. Nein?)

Das wäre schön. Denn gerade steuere ich schon wieder auf hektische Zeiten zu.
Aber der Reihe nach.
Heute war ein großer Tag: nicht nur, weil Freundin Klärchen heute nach langer, langer, langer, manche würden sogar sagen: viel zu langer Zeit ihren alten Job aufgegeben hat und nun unterwegs zu neuen, blühenden Ufern mit kilometerlangen Sandstränden ist, sondern auch, weil ich heute per Handschlag eingewilligt habe, aus meiner Dauerbuchung ein halbfestes Arbeitsverhältnis zu machen. In Zukunft werde ich an drei Tagen pro Woche wissen, wo ich hingehe und mein Geld verdiene. Dafür werde ich zwar nicht ganz so üppig bezahlt wie sonst, aber für diesen kleinen Unterschied erkaufe ich mir auch ein bisschen mehr Sicherheit, nicht ganz unwichtig, wo doch hier demnächst so viele Handwerkerrechnungen (und Hamsterhormonrechnungen) anfallen werden. Das heißt zwar, an drei Tagen pro Woche gebe ich meine heißgeliebte Freiheit auf. Aber zum Glück bleiben damit noch vier Tage davon übrig. Blöd nur, dass gerade mein anderer Dauerbucher zwei Projekte angeschoben hat, für dich ich so großzügig bezahlt werde, dass ich bekloppt wäre, sie abzulehnen. Zwar kann ich mir bei diesen Projekten die Zeit frei einteilen, aber für Prokrastinatoren wie mich bedeutet das eher mehr Stress als weniger.

Gut.

Mittendrin nun noch der OP-Termin nächste Woche Mittwoch und der idyllische Kurzurlaub im Schwarzwald mit meinem ältesten Freund.
Zum Glück hat das Essen in Süddeutschland ja so eine irre beruhigende, einschläfernde Wirkung (nur so kann ich mir die Erfolge von CDU und CSU in dieser Gegend erklären), und ich werde diesen Effekt für mich nutzen, so gut ich kann. Nichts hilft so sehr dabei, die innere Mitte zu finden, wie wenn die innere Mitte vollkommen mit Spätzle und Rehgulasch ausgekleidet ist. Es ist wie Ayurveda, nur irgendwie... besser. Das wird ein Spaß. Aber vorher und hinterher wird das ein Stress.

Außerdem muss ich zum Buch sagen: bei amazon ist immer noch alles beim Alten. Langsam wird es peinlich. Und ziemlich ungeschickt, denn nicht nur haben wir längst einen fabelhaften Text für diesen Anlass geschrieben, sondern dank meiner Coautorin haben wir jetzt sogar eine Empfehlung, für die andere sich einen Eileiter durchtrennen würden: der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin höchstpersönlich findet, das Buch ist eine gute Idee, und das dürfen wir sogar auf amazon schreiben. Nur steht da immer noch irgend welcher Quatsch über zu alte Frauen. Harrrrgh. Ich hoffe, das sorgt dafür, dass wir wenigstens nicht hinter Gordon Brown zurückfallen. (Gordon Brown, Britischer Ex-Premier, hat im April ein Buch mit seinen Reden herausgebracht. Im August hatte er 32 Exemplare verkauft. Und wenn ich selbst 33 Exemplare vom Eiertanz kaufen müsste, ich würde es tun.)

Samstag, 25. September 2010

Das Internet, die lahme Schnecke

Jeder Tag beginnt im Moment damit, dass ich auf allen gängigen Buchverkaufsseiten gucke, was da zu unserem Buch steht. Und da steht immer noch der alte Schlonz, den ich doch längst gerne los wäre. Der Verlag kann nichts dafür, aber amazon, libri usw. sind wirklich ganz schön lahme Trinen. Nicht nur, dass unser Buch dort immer noch den unsäglichen Untertitel "Ein Begleiter für Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch" hat (das wollen wir doch mal sehen, ob der Kinderwunsch unerfüllt bleibt, bitteschön!), sondern im Beschreibungstext steht auch so ungefähr "immer mehr Menschen entscheiden sich zu spät, ein Kind zu bekommen. So auch Simone Widhalm und Flora Albarelli" oder so. Harrrgh.

Liebe Abkürzungsdamen, lasst euch davon bitte nicht abhalten, die Texte werden hoffentlich, hoffentlich bald ausgetauscht, und sie haben nichts mit dem Inhalt dieses Buches zu tun. Versprochen!

Dienstag, 21. September 2010

Da war doch noch was?

Das Buch. Ich kann es kaum fassen, aber es scheint, dass wir wirklich jetzt fertig sind mit dem Buch. Heute morgen habe ich der Lektorin geschrieben, ja, auch ich bin jetzt einverstanden mit dem Umschlag, und damit geht das Buch vermutlich morgen in Druck. Das einzige, was jetzt noch zu tun bleibt, ist, einen hübschen Text für die Online-Buchläden zu schreiben, und dann schon mal den Wein kalt zu stellen für den Tag, an dem das Paket mit den Belegexemplaren eintrifft.

Jetzt ist es doch ziemlich schnell gegangen, was ziemlich schade ist - ich dachte (wenn und falls ich überhaupt darüber nachgedacht habe) immer, wenn man ein Buch scchreibt, dann schließt man sich zwei Jahre in einer Kate irgendwo am Meer ein und werkelt einsam an seinem Manuskript. Ich dachte an Schreibkrisen, Prokrastination und Spaziergängen, auf denen man innerlich wilde Streitgespräche führt. Ich dachte an Wände, die von oben bis unten vollgehängt sind mit Skizzen, wie das ganze aufgebaut sein soll. Da habe ich wohl falsch gedacht. Die Wahrheit ist, ich habe über ein Jahr lang jeden Tag so am Buch herumgemuckelt, ohne zu wissen, dass es überhaupt ein Buch wird, und dann, nachdem wir den Vertrag hatten, bestimmt sechs Wochen lang nur täglich beschlossen, dass es heute losgeht, ohne dass irgend etwas passiert wäre. Dann wurde es irgendwann eng, sehr eng sogar, fürchterlich eng, und ich habe zwei Wochen lang zu L. nichts anderes gesagt als "jetzt nicht". Und dann war es fertig, vorbei. Es kamen noch ein paar kleine Grabenkämpfe wie der ums richtige Layout oder die Reihenfolge der Kapitel, aber ansonsten - nein, man kann nicht sagen, dass ein Buch das ganze Leben umkrempelt oder sonstwie ein erschütterndes Erlebnis ist. Fast ein bisschen schade. Als hätte ich meinen eigenen Geburtstag verpasst.

Dienstag, 24. August 2010

Die nun wirklich längste Warteschleife aller Zeiten

Gerade habe ich mal kurz nachgerechnet. Wenn das mit der Operation wirklich alles glatt geht (als ob...), dann habe ich ab September eine dreimonatige Frist vor mir, bevor es überhaupt losgehen kann, und wenn es dann losgeht, dann auch erst mal ganz bescheiden mit Synarela. Wobei mein TCM-Mann ja schon angekündigt hat, in dieser Zeit würden wir mal "richtig arbeiten". Also dann vielleicht doch die Stärkungstees, von denen ich beim Stammtisch schon mit gesträubtem Nackenfell gehört hatte? Und die beim ersten Mal so Fresssack-freundliche Nahrungsumstellung wird dann vermutlich auch härter. Also diesmal sozusagen ein ultralanges IVF-Protokoll, bestehend aus dreimonatiger Gesundheitsdiktatur und DANN irgendwann Synarela. Dann irgendwann wirklich IVF mit Spritzen, Ultraschalls und der ganzen bunten Hormonwelt (die mich dann vermutlich schon nicht mehr schocken kann, keine Medikamenten-Nebenwirkung der Welt könnte es mit den Nebenwirkungen aufnehmen, die strenge Nahrungsvorschriften und -Verbote auf mich haben, so ist das leider bei uns Fresssäcken). Und dann, irgendwann, vermutlich schon im neuen Jahr, die Rückübertragung. Das heißt, jetzt in einem Jahr wäre ich, wenn es hoch kommt, schwanger. Und irgendwann, wenn Winter, Frühling, Sommer und Herbst vorbei sind, dann vielleicht - ein Baby.

Das ist lang. Das ist wirklich lang. Und diesmal werde ich vermutlich bei einem positiven Test zwar jubeln, mich kringeln, L. mit neckischen Schnuller-Streichen überraschen und überhaupt, aber so richtig, richtig sicher werde ich mich erst fühlen, wenn... ja, wann eigentlich?

Im Moment ist es wirklich gerade leichter, sich mit dem Schreiben über den Kinderwunsch auseinanderzusetzen als mit dem Kinderwunsch selbst.

Meine Co-Autorin ist gerade schwer beschäftigt, und zwar außerhalb der Welt rund um die Uhr zur Verfügung stehender WLAN-Verbindungen. Darum kann ich sie nicht fragen. Aber euch werde ich demnächst mal fragen: welcher Klappentext würde euch dazu bringen, ein Kinderwunschbuch (vermutlich euer viertes) zu kaufen?

Mittwoch, 18. August 2010

Hausaufgabenmüde

Letztes Wochenende, als es schon so spät am Tag war, dass ich mich in meinem Schlafanzug schon richtig müffelig und fies fühlte, aber nicht duschen konnte, weil das Buch fertig werden musste und ich dachte, wenn ich jetzt auch nur fünf Minuten von meinem Rechner weggehe, dann kommen ca. acht verschiedene andere Dinge und werfen sich mir in den Weg, krallen sich von hinten an meinen Knöcheln fest, stellen mir ein Bein und versuchen auf jede erdenkliche Art, mich davon abzuhalten, zurück an die Arbeit zu gehen,

da... (kurz Luft holen) dachte ich, was würde ich jetzt drum geben, wenn ich endlich mal wieder einen ganz normalen Auftrag hätte. Etwas, was mich emotional überhaupt nicht weiter betrifft, abgesehen davon, dass es mir ein bisschen peinlich wäre, es zu versauen.

Bitteschön, Wunsch gewährt. Weil dieser August sich für November hält, haben wir zum ersten Mal seit unserem richtigen Einzug den Kamin an. Ich sitze davor mit dem Rechner auf dem Schoß und habe genau diesen Auftrag, von dem ich noch letzte Woche geträumt habe. Und ich merke, obwohl ich den/die Auftraggeber mag, das Geld sehr gelegen kommt und auch das Thema interessant ist, ich bin gerade ein bisschen Auftragsmüde. Wäre das schön, wenn in Zukunft meine Arbeit etwas wäre, was mir wirklich Spaß macht und wozu mich nichts und niemand peitschen muss, sondern wovon ich mich eher mit Gewalt abhalten als dazu antreiben muss. ("Geld verdienen mit Prosecco trinken? Was glaubt sie, wer sie ist, Paris Hilton?")

Gut für mich: das Buch ist noch längst nicht fertig. Und sobald ich mit diesem Erwachsenen-Auftrag durch bin, darf ich mich kurz strecken und mit den Knochen knacken und dann wieder mit ihm spielen gehen.

Montag, 16. August 2010

Ich kann nur hoffen, dass die Lektorin langsam liest.

Denn mindestens eine Woche will ich die Schwarte jetzt nicht mehr sehen. Gleichzeitig bin ich so froh, damit durch zu sein; in meinem ganzen (an endlosen Hausarbeiten und langen Auftragstexten nicht gerade armen) Leben habe ich noch nie ein 190 Seiten-Word-Dokument vollgeschrieben. Und das, was ich heute morgen noch gelesen habe, hat mir immer noch gefallen. Aber jetzt soll das Ding auch gerne eine Woche auf eigene Faust ohne Mutti Spaß haben. Wenn danach erste Korrekturen kommen oder ich sogar die Hälfte noch mal machen soll, dann bitte, aber nicht so schnell. Jedenfalls nicht heute.

Heute würde ich gerne feiern. Eigentlich wollte ich L. zum Essen ausführen, aber der diätet gerade wieder (was ihn gestern nicht davon abgehalten hat, anderthalb Pizzen zu essen, aber gut, irgendwo muss man anfangen, das sehe ich ein, und er weiß ganz gut, dass das nicht unter drei Gängen abgegangen wäre). Trotzdem habe ich zwei dicke Steaks besorgt, die schaffe ich notfalls auch allein, und eine Flasche Cremant Rosé liegt im Tiefkühlschrank.

Ich muss ehrlich sagen, wenn mir vor zwei Jahren jemand gesagt hätte, ich wäre zwar unfruchtbar, aber würde damit noch so viel Spaß haben, hätte ich das nicht geglaubt.

Sonntag, 15. August 2010

Vollkommen, gründlich und dermaßen fertig.

Morgen ist die Lektorin aus dem Urlaub zurück. Und gerade, vor zwei Minuten, bin ich fertig geworden. Morgen früh schicke ich es los, und dann habe ich noch einen Vormittag, um eine zweite Variante fertig zu machen, in der der Ratgeber- und mein Teil miteinander verwoben sind.

Zwischendurch gab es Momente, da konnte ich das Baby nicht mehr sehen. Es war einfach zu aufdringlich geworden und zu anstrengend. Aber jetzt...

Uff.

So. Wo ist jetzt dieser Rotwein, von dem L. letzte Woche gesprochen hat?

Und ihr, Hamburger Mädchen: nächste Woche feiern wir. Es ist mir egal, an welchem Abend, aber wir feiern.
Ich würde so gerne noch drei Seiten vollschreiben, wie sich das anfühlt. Aber gerade hasse ich Buchstaben. Und diese schreckliche Bewegung mit den Fingern, dieses Geklacker... uäch. Dieses Wochenende hatte ich ca. 40 Stunden davon. Es reicht.

Montag, 9. August 2010

Zwischenstand bzw. Zwischenlage

Fertig sind bisher:
Das Kapitel über den Anfang meiner Schwangerschaft.
Das Kapitel über die Blutkrise.
Das Kapitel über die zweite Hälfte meiner Schwangerschaft nach der Krise.
Das Kapitel darüber, wie das alles überhaupt kam mit der Unfruchtbarkeit.
Das Kapitel darüber, wie das Buch zu lesen ist und wie nicht.
Das Kapitel darüber, wie man sich das Leben zwischen den Behandlungs-Zyklen erleichtert.
Das Kapitel darüber, wie man sich das Leben während des Zyklus erleichtert.
Das Kapitel über Freunde, Familie, Kollegen, und wie sie damit umgehen (sollten).
Das Kapitel über Alternative Methoden.

Noch nicht fertig sind:
Das Kapitel über die Medikamente, was sie tun und was nicht,
Das Kapitel über Eizellenentnahme,
Das Kapitel über Rückübertragung,
Das Kapitel über blöde Klischees über Kinderwunschbehandlungen - egal, ob diese Klischees in Zeitungen stehen oder aus den Mündern von Leuten in unserer Umgebung kommen.

Aber fast fertig sind sie.
Mit geht's übrigens genau so.

Mein größter Trost ist, dass gerade einer meiner alten Träume wahr zu werden scheint: ich kann im Schlafanzug arbeiten. Wenigstens morgens nach dem Aufwachen bis zu dem Moment, in dem der Hund das zweite Mal raus muss. Und wenn ich dann vom Hundegang mit gut durchgepustetem Kopf wieder nach Hause komme, dann setze ich mich auch nicht an den Schreibtisch, sondern steige mit Kleidern wieder ins Bett, klemme mir den Rechner auf die Knie, schenke mir noch eine Tasse Earl Grey ein, zünde eine Kerze mit Waldesduft an und arbeite so lange weiter im Bett, bis mich jemand mit Stockschlägen daraus vertreibt.

Sonntag, 25. Juli 2010

Flora muss sich wegen akuten Schreibrappels entschuldigen

Ich weiß, dass das hier gerade in bisschen mickerig wird mit den Einträgen. Aber das liegt daran und nur daran, dass ich gerade so unfassbar viel mit dem Blog arbeiten muss, dass er gerade fast zu einem reinen Job geworden ist. Natürlich nicht nur. Aber im Moment mag ich ihn nicht so gut leiden wie sonst. Denn gerade ist er das, womit ich mich gefälligst von morgens bis abends zu beschäftigen habe, und wenn ich es nicht wirklich die ganze Zeit tue, dann sitzt er mir im Genick und schwingt die kleine Gewissenspeitsche. Sowas tun doch Freunde eigentlich nicht!

Und diese Woche wird es noch schlimmer, denn diese Woche ist die definitiv letzte Woche, in der wir fertig werden dürfen mit dem Manuskript. Und ich hab noch so unfassbar viel zu tun. Ich habe sogar einen Auftrag abgelehnt, einen richtigen echten Auftrag mit Bezahlung und so, damit ich diese Woche rund um die Uhr an meinem Rechner hängen und am Buch schuften kann. Und darum fällt mir mein täglicher Statusbericht gerade ein bisschen schwer. Aber nächste Woche werde ich seitenweise zu berichten haben! Davon, wie es am Montag in der neuen Klinik war, was es auf dem Ultraschall (dem ersten seit Monaten) zu sehen gab, ob die TCM geholfen hat und wie es jetzt weitergeht.

Bitte seid mir nicht böse und kommt wieder, wenn es wieder losgeht.

Donnerstag, 15. Juli 2010

Andere Sorgen, aber ganz andere

Und kaum hat die feine Madame aufgehört, sich im Blog Gedanken zu machen, ob so ein Arbeitstag nun produktiver mit oder ohne Spaziergänge wird, brüllt es aus dem Keller, und L. hat entdeckt, dass wir trotz wochenlanger Trockenheit und Affenhitze Wasser im Keller haben. Und zwar genau in dem Keller, in dem im Moment noch 70% unserer Bücher und Platten liegen. Lagen. Denn die nächsten zwei Stunden sind wir ca. zwanzig mal die Treppen hoch und runter gerannt, um unsere Schätze unters Dach zu kriegen, ins Trockene. Und noch haben wir nicht rausgekriegt, woran das liegt. Jetzt muss ein Klempner kommen, und wir wohnen noch nicht mal seit vier Wochen hier. Und egal, was der Klempner herausfindet, die Rechnung zahlen wir. So ist das, wenn man in einer eigenen Hütte wohnt. Genau so.

Und dann war es auch schon wieder Zeit für einen Gang mit dem Hund, und dann musste ich anfangen, aufzuräumen, denn heute ist der Tag von Frau B., unserer tüchtigen Putzfrau, und wenn die sieht, was wir für Schlampen sind, dann verliert sie jeden Respekt, und das wäre dann das Ende unserer an sich wenigstens ein mal wöchentlich blitzblanker Bude.
Und jetzt bin ich gerade fertig geworden mit all dem Geraffe und fange endlich, endlich an. Bis eine Email aufploppt und ich höflich gebeten werde, doch noch mal eben schnell fix und nebenbei etwas nachzuschieben für einen Auftrag, der doch eigentlich längst erledigt war. Am besten sofort.

Fluchten sind nicht gut für mich? Sind sie doch. Bin ich froh, dass ich übermorgen früh aus diesem Affenstall rauskomme.
Ich bin nassgeschwitzt. Ich will ein Büro. Ich will ein Single sein, den kein Mensch anruft, der keine Freunde hat und nie verabredet ist. Geht das bitte? (Andererseits: welchen Grund hätte ich dann, ein Kinderwunschbuch zu schreiben? Endlich mal Gesellschaft, und wenn ich sie selbst gebären muss?)