Ich balanciere, umdefiniere und jongliere im Moment mit zwei großen, dicken und schier übermächtigen Wünschen herum, die sich manchmal gegenseitig auszuschließen scheinen. Der eine ist der Wunsch nach einem Kind. Der andere ist der Wunsch, ein "normales", glückliches Leben zu führen mit Freunden, Beziehungen, Job, gutem Essen und Trinken und manchmal auch blödem, unkonstruktivem Herumlungern. Und meistens sieht es so aus, als ob für beide Wünsche gilt: haben oder nicht haben. Aus der Kombination dieser zwei Ausprägungen und der beiden Wünsche ergeben sich folgende Szenarien:
1. Ich lebe mein Leben und bekomme ein Kind, vielleicht sogar zwei oder sogar drei. Nein, wir wollen nicht gierig werden, das bringt schlechtgelaunte höhere Mächte und damit Unglück, zwei. Juchhu, zwei! Bzw. Juchhu, eins! (Man kann nie vorsichtig genug sein.)
2. Ich reiße mich wahnsinnig am Riemen und richte mein Leben komplett an dem Kinderwunsch aus. Ich esse und trinke so, als hätte ich entsprechende Gelübde geleistet, ich plane vorerst weder jobliche noch Reise-Eskapaden, ich vertröste Freunde, die was wollen, auf irgendwann in fünf Jahren, und ich widme mich mit dem gleichen Nachdruck, mit dem ich mich vorher meiner Freizeit, meinem Hund, meinem Mann und meinen Freunden gewidmet habe, irgend welchen Dingen, die angeblich - hört man - jedenfalls sagt das diese Frau da, diese... wie heißt sie noch... die Wahrscheinlichkeit ein klitzekleines bisschen erhöhen können, dass es doch noch klappt mit dem Kind. Und am Ende klappt es.
3. Ich lebe so weiter wie bisher, und aus irgendwelchen Gründen bekomme ich kein Kind, und zwar nie. Ich sterbe, und an meinem Grab weinen keine Enkel. All die Kuchen, die ich noch vorhabe zu backen, werde ich selbst essen müssen. Ich werde auch niemals jemandem das Fahrradfahren beibringen, es sei denn, der Hund zeigt Interesse. Dafür habe ich Urlaube, Freunde, einen Job, Sport und nicht zu vergessen, niemals zu vergessen: L.
4. Ich reiße mich genau so zusammen wie unter Szenario 2 beschrieben und bekomme trotzdem kein Kind.
Ich glaube, wir alle sind uns einigermaßen einig, dass Szenario 1 die dufteste aller Vorstellungen ist und Szenario 4 ein Albtraum, der uns so weder passieren darf noch passieren wird. Sind wir uns da einig? Worüber allerdings Uneinigkeit besteht - und zwar nicht nur unter uns hier im Blog, sondern auch manchmal unter mir (Dienstags) und mir (Mittwochs), ist die Frage, ob nun Szenario zwei besser ist als Szenario 3 und wie groß wir die Wahrscheinlichkeit einschätzen können, dass es das eine oder das andere wird. Meine Entscheidungsfindung wird glaube ich auch dadurch extrem getrübt, dass ich mir Szenario 3 irgendwie nicht vorstellen kann. Das heißt, ich glaube immer noch viel zu sehr - vermutlich weit über meine echten Möglichkeiten hinaus - daran, dass es irgendwann klappen wird. Wieso? Keine Ahnung. Vielleicht geht es mir noch zu gut. Vielleicht bin ich auf diesem Auge ein bisschen doof. Vielleicht aus Selbstschutz. Vielleicht tun uns die Stadtwerke etwas ins Trinkwasser, um uns bei Laune zu halten.
Dann gibt es aber auch solche Tage, da denke ich, zwar gibt es für die Kinderfrage wenig Freiheitsgrade - entweder, ich kriege ein Kind oder nicht. Aber die "Leben" vs. "esoterischer Superschmuh plus triste makrobiotische Ernährung minus Freunde, Freude und Flugreisen" - Variable hat ja vielleicht doch noch ein paar mehr Ausprägungen. Und die lote ich gerade ein bisschen aus.
Zurück von einem wunderschönen Minitrip nach Kopenhagen. Wir waren abends um elf im Bett. Ich habe insgesamt übern Daumen sechs alkoholische Getränke zu mir genommen. Wir haben lange Spaziergänge an der frischen Luft unternommen. Es gab viel Fisch (Omega-Dings-Fettsäuren und so, feine Sache) auf Vollkornbrot. Wir werden sehen, wie es läuft beim nächsten Mal Hormondisco.