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Samstag, 16. September 2023

Wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben und ziemlich viel Louis Cole hören

Für alle, die nach diesen ständigen, endlosen Pausen keine Lust mehr haben und nur kurz wissen wollen, was denn nun ist, bevor sie sich für immer ausklinken: Die Gebärmutter ist draußen, die haben das gut gemacht, das Albertinen kann ich nur empfehlen, und die Kriiiiiise ist nach langen, langen Jahren diesen Sommer in eine Trennung übergegangen. War schön mit Euch!

Jetzt die Maxi-Version: bei der OP ist alles gut gegangen, ich bin danach nicht in eine tiefe Depression gefallen, wie manche Leute in meiner Umgebung prophezeit hatten, und ich nehme weiter Zafrilla, die vielleicht auch etwas dazu beiträgt. Das hat weniger mit außerordentlichen Stehaufmännchen-Qualitäten zu tun als damit, dass ich drei Kinder habe und kein weiteres will. Was das mit einer Frau macht, die wegen ihrer Endometriose viele Jahre Schmerzen, Eingriffe und Kinderwunschbehandlung hinter sich hat und am Ende doch an diesen Punkt kommt, kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Ich habe meinen gewaltigen Tampon-Vorrat auf die Agenturtoilette gelegt und lebe jetzt mit wenig Wehmut ohne meine Splatter-Perioden. Ich denke nur noch manchmal so um den 24. eines Monats herum, normalerweise würde ich mich jetzt tagelang krümmen und hätte vermutlich einen weiteren Urlaub genau so geplant, dass ich im Pool jederzeit damit rechnen muss, plötzlich in einer Wolke aus Blut zu treiben oder im Meer die Haie anzulocken.

Für die Wiederaufnahme meines Laufprogramms hat die OP leider weniger getan. Nach den vorgeschriebenen sechs Wochen war ich das erste Mal wieder auf einer extrem kurzen Strecke unterwegs, für einen so winzigen Lauf lächerlich professionell ausstaffiert mit Wettkampfschuhen, High Tech Jacke und Lauf-App, damit ich in der Viertelstunde nicht versehentlich das Tempo überreiße. Und es ging ganz gut! Die Knie und die Hüfte liefen noch etwas unrund, aber ich kam euphorisch und mit trockener Hose zuhause an. Der zweite Lauf, ein paar Tage später im Urlaub, endete nach 100 Metern mit schmachvoller Umkehr und tiefer Verzweiflung. Seitdem habe ich es erstmal gelassen, die Watschen muss ich mir gerade jetzt nicht nochmal abholen. Vielleicht gebe ich der Sache im Herbst, zur besten Laufzeit, wieder eine Chance. Dazwischen kann ich lange spazieren und wandern, Sport auf der Matte machen, und ich habe gerade entschieden, dass ich demnächst das Fechten wieder anfange, das hatte ich im Studium schon mal getan, dann wieder gelassen, und ich glaube, dass das ein perfektes Ventil für meinen neu erwachten Kampfgeist ist. Eine Möglichkeit wäre noch das Netz, das den Beckenboden stützt, doch diese Lösung ist nur für 15 Jahre gut, danach ist das Netz so eingewachsen, dass man es nicht entfernen und durch ein neues ersetzen kann, und ich habe vor, noch länger als 15 Jahre zu leben (und zu laufen). Außerdem scheint der Beckenboden selbst nicht das Problem zu sein. Wunder der natürlichen Geburt! Die Natur weiß es doch am Besten!

Und die Kriiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiise: kurz nach unserem Sommerurlaub war es dann so weit. Nach vielen Jahren mit immer dem gleichen Streit in leicht unterschiedlichen Farbtönen, der zu nichts geführt hat als zu Kummer und noch mehr Streit. Nach ganzen anderthalb Sitzungen beim Paartherapeuten (anderthalb, weil ich zu der zweiten alleine gegangen bin). Nach ganz viel Trauer um die guten Zeiten, nach nächtelangem Brüten über den alten Fotos von uns, als alles noch gut war. Es tut mir leid, zu viel Detail gibt es nicht, L. hat auch Augen und einen Internetzugang, und das ist alles schon schlimm genug für ihn. Er wollte erst die Nestlösung, bei der die Kinder im Haus bleiben, wir beide eine kleine Satellitenwohnung haben und uns dann die Klinke in die Hand geben. Das wollte ich auf keinen Fall, denn damit wäre zumindest der Alltags-Nervkram-Aspekt unseres Dauerstreits bis ins Unendliche weiter gegangen, und nach so langer Zeit in einem Haus, das so dermaßen eher seins als meins ist, wollte ich eine eigene Umgebung für mich und die Kinder, in der ich die Möbel aussuche, die Bilder aufhänge und den Kühlschrank befülle und die Küchenschränke genau so einräume, wie es mir passt. Ein paar verzweifelte Wochen lang habe ich nach dieser Wohnung in unserem leider und völlig zu Recht extrem beliebten Beritt gesucht, es ist so gut wie aussichtslos: auf jede Wohnung, die groß genug ist, kommen Dutzende von Bewerbern, und kein Vermieter dieser Stadt würde sie mit dieser Auswahl einer Frau ohne Mann, aber mit drei Kindern geben, egal, wie gut sie verdient. Es sei denn, er hätte genau das gleiche auch durchgemacht und ein sehr großes Herz. Dabei stand für mich die ganze Zeit die perfekte Lösung im Raum: L. überlässt mir den Mietvertrag für seine Arbeitswohnung, die zwar ein bisschen, aber nur ein bisschen zu eng für uns ist. Erst wollte er das auf keinen Fall, und es hat mich wochenlange Hartnäckigkeit und all meine Überredungskünste gekostet, ihn von seiner geliebten Junggesellenbude loszueisen.(Sagte ich Kampfgeist? Kampfgeist.) Jetzt machen wir einen neuen Mietvertrag, und zum ersten November kann ich hier rein. In Anbetracht von allem Unglück, durch das wir gerade knietief waten, ist das ein großes Glück: es wird zwei große Kinderzimmer für drei Kinder geben, die Wohnung ist zwar in einem äußerlich hässlichen Haus, ist aber selbst sehr schön und hat - Luxus über Luxus - mitten in der Stadt einen großen, schönen Garten, in dem man abends sitzen und jemandem zuhören kann, der bei offenem Fenster gar nicht mal so schlecht Klavier spielt. Von April bis Oktober gibt uns dieser Garten noch mehr Platz. Ich muss in dieser Wohnung noch nicht mal eine Waschmaschine unterbringen, die gibt es im Keller. Wir sind 12 Minuten zu Fuß vom Haus entfernt, die Kinder können weiter zu Fuß zur Schule, zum Sport und zu ihren Freunden, und sollten sie mal bei L. sein und er wird plötzlich von der Grippe gefällt, dann laufe ich kurz rum und hole sie. Sollte ein Kind sein Lieblingsschnuffeltier oder sein Matheheft vergessen, auch. Ich wohne am Rande eines Viertels, in dem es ein schönes Kino gibt, ganz viele Cafés, und das ich zwar schon gut kenne, aber in dem ich in der kinderfreien Woche durch die Straßen wandern kann, als wäre ich im Urlaub. Ich habe viel vor mit der kinderfreien Zeit. Ich werde sie vermissen, aber in ein paar Tagen habe ich sie wieder, und dann werden wir tagelang streitfrei zusammen sein. Auch wenn ich diese Momente voller Aufbruchstimmung habe, macht es mich fertig: nicht mehr zu wissen, wo ich hingehöre. Etwas aufzugeben, das ich jetzt 17 Jahre lang hatte. 50 zu sein und keine Ahnung zu haben, wie es weitergeht. Ihn so traurig, enttäuscht und wütend zu sehen (und mich auch). Die Kinder, die das bisher bewundernswert wegstecken, jedes auf seine Weise, aber das dicke Ende wird schon noch kommen (wir holen uns Hilfe, und die werden wir auch brauchen). All der Kram, den ich jetzt bedenken und organisieren muss, all die Listen, die ich schreibe und abarbeite. Das hält einerseits das Maschinchen gerade am Laufen, aber am anderen Ende all dieser Endlos-Listen wartet eine Wand auf mich, an der ich mir gewaltig den Kopf stoßen werde, bei klarer Sicht kann ich sie jetzt schon sehen.

Diesen Post schreibe ich frühmorgens, an der Terrassentür der Wohnung, für die Jahreszeit übertrieben dick eingemummelt, denn ich habe gerade zum dritten Mal Corona, habe es auch tatsächlich, und nicht nur diese fühlt-sich-an-wie-ein-Schnupfen-Variante, und habe mich zur Quarantäne hier verschanzt. Der Große hat dieses Wochenende das Klassentier, es ist jetzt schon verschwunden, ich bin nicht da, um es wiederzufinden, Fotos zu machen und am Montag auszudrucken und mit ihm in das Klassentier-Buch einzukleben, und es gibt nichts, was ich daran ändern kann. So sitze ich hier und übe schon mal für die Wochen in der Zukunft, wenn ich die Zügel aus der Hand geben muss.

Samstag, 18. März 2023

Ein Ende, ein halbes, eine selbst für mich neue Dimension von Peinlichkeit und ein Anfang

Liebe Abkürzungsdamen,
und natürlich liebe Agenturleute,

heute ist für mich ein besonderer Tag, und an diesem Post habe ich lange herumgedruckst.

Die Wahrheit ist, dass hier schon ewig tote Hose herrscht. Nein, vollkommen falsch gewähltes sprachliches Bild gerade für hier und jetzt: hier ist seit Ewigkeiten kein neuer Post erschienen, ich beantworte keine Kommentare mehr, und wenn ich mal schreibe, dann ist das auch nicht so richtig zufriedenstellend, die paar hingeworfenen Krümel. Einige der Gründe kennt Ihr längst: meine letzte IVF-bezogene Tat war 2013, und das hier ist ein Blog über das Leben in Kinderwunschbehandlung. Über meine Kinder will ich nicht schreiben, weil sie erstens eines Tages unweigerlich auf dieses Arschloch in ihrer Klasse stoßen werden, das den Blog ausschnüffelt und ihnen dann mit Mamas Online-Liebeserklärungen von 2019 das Leben zur Hölle machen wird. Außerdem, weil ich weiß, wie das ist, wenn man selbst gerade zwischen zwei Zyklen hängt und dann liest, wie herrlich chaotisch die Weihnachtsbäckerei mit den Kindern bei einer anderen lief und sich freuen will und irgendwie nicht kann aber doch so gerne will und trotzdem traurig wird und es ist alles einfach nur scheiße, wieso denn ich?

So.

Dann ist da immer noch die Krise, die Krise ist mal gut drauf und mal läuft sie Amok. Ich hab immer noch keine Ahnung, ob ich, ob wir das hinkriegen und wenn ja, wie, ob ich mich nicht so anstellen soll und das wird schon, ob das alles nur in meinem Fusselhirn ist oder einfach überall. Während einer Familienkrise über das Familienleben zu schreiben, ist einerseits eine Top-Idee, andererseits sollte es vielleicht lieber im privaten Tagebuch oder im Rahmen einer Therapie passieren als auf einer meterhohen Plakatwand direkt gegenüber von L.s Schlafzimmerfenster. Vielleicht, nur vielleicht.

Und dann war da neulich noch dieses Meeting, in dem einer meiner Chefs - den ich sehr mag, der ein feiner Mensch ist und der das bestimmt nicht böse gemeint hat, aber eben ein paar Sekunden zu wenig nachgedacht hat - etwas über mich sagen wollte, und plötzlich erschien an der Wand das grauenvolle Foto aus dem Spiegel-Spezial-Artikel damals, und die Temperatur in meinem Gehirn sank schlagartig um 20 Grad. “Wusstet ihr eigentlich, dass unsere Flora Millionen von Lesern hat?” hörte ich ihn aus zwei Kilometern Entfernung nicht ganz richtig sagen. Also, insgesamt schon, aber trotzdem bin ich schließlich nicht… egal. Sofort zogen mindestens vier Leute im Meeting ihr Telefon raus und fingen an zu googeln. Und dann waren wir auch schon wieder auf dem nächsten Chart, und hier sind wir nun. Noch mal willkommen an euch, lovely people aus einer der tratschigsten Branchen der Welt, mit denen ich jeden Tag an der Kaffeemaschine stehe und die sich zwar streng genommen auch hätten hergoogeln können, aber die mich vermutlich von alleine nicht gegoogelt hätten, es sei denn, sie hätten sich auch völlig unerwartet wie die meisten von uns unter den Abkürzungsleuten gefunden, und die nun auch, wenn sie das wirklich möchten, alles wissen über Hormonzirkus, die Zustände in meiner Bauchhöhle, über meine Geburten und wie das so war, über den ganzen Mist und Spaß, und wenn sich jemand vorstellen kann, wie sich das anfühlt, dann ja wohl ihr. Und hier sind wir jetzt. Ein großes Hallo!

Mein erster Impuls zurück aus dem Meeting war, den Blog zu löschen.

Das hab ich nicht getan, und das werde ich auch nicht tun. Und während mein Puls sich zurück in den zweistelligen Bereich gekämpft hat und ich die Phasen extreme Scham, Angst, Wut, ich kündige, why oh why (und wieso bitte dieses bescheuerte Foto, von allen Fotos weltweit von mir, das ich trotz Absprache so nie freigegeben habe, auf dem ich einen fleckigen verwaschenen Pulli trage und aussehe, als hätte ich gerade eine Marienvision und müsste dringend mal was Pflegendes für die Haare verwenden), starren die gerade, nein, die haben was Besseres zu tun zum Glück, doch, die starren, beruhig dich, Jenna Maroney - also alle Zustände des voll ausgeprägten Fusselhirns durchlaufen habe, habe ich irgendwie zu einer Haltung gefunden, die ich mir jetzt auferlegt habe wie andere Leute ein Schweigegelübde und mit der ich zu einer Art von Frieden gefunden habe: es ist doch ok. So ist das eben, wenn man im Netz über seinen ganzen Privatquark schreibt. Vielleicht ist sogar jemand dabei, der oder die auch gerade in dieser Lage ist und sich jetzt etwas weniger allein fühlt, das wäre schön. Ich bin ein großes Mädchen und sollte zu dem stehen, was ich hier tue. Das hier ist nämlich auch ein Baby. Es mag manchmal komisch aus der Windel riechen oder die Delfter Vasen umschmeißen, aber es ist doch meins.

Und dann ist da noch was. Agentur-People, ihr werdet es ja live mitbekommen, dass ich demnächst mindestens zwei Wochen nicht da sein werde. Da liege ich nämlich im Krankenhaus für das nächste und hoffentlich letzte Kapitel meiner Endometriose-Behandlung. Schon seit Monaten ist in meinem Bauch offensichtlich die Hölle los. Wie viel genau, weiß ich seit zwei Besuchen im Beckenboden- und Endometriose-Zentrum eines Hamburger Krankenhauses. Und am 29.3. werde ich darum operiert. Agenturleute, dies ist wirklich der Punkt, an dem ihr nicht weiter lesen solltet, wenn ihr das öffentliche Diskutieren medizinischer Details eklig findet. Ihr seid gewarnt.


Ich bekomme eine Bulkamid-Injektion neben die Harnröhre, die mein Pipiproblem aus der Welt schaffen sollte (der Beckenboden, ich war genauso überrascht wie ihr, das zu hören, ist gut in Schuss und “ordentlich trainiert”, na bitte). Dann werden noch verschiedene Endometriose-Herde rund um die Gebärmutter entfernt, unter anderem muss ein Stück aus meiner Darmwand ausgestanzt werden und eine richtig große Endometriose-Zyste ist dann hoffentlich auch weg. Und dann wird mir, so wie es aussieht, die inzwischen auch von Adenomyose und einem Rudel Myome zerschossene Gebärmutter entfernt. Ich bitte alle Abkürzungsdamen, von warnenden, mahnenden und entgeisterten Kommentaren abzusehen, ich will auch nicht hören, dass das ein typischer Fall von übergriffiger und ignoranter Männermedizin ist, dass es alternative uralte Heilmethoden gibt oder eine Klinik in Tschechien oder Kanada, die mein Problem anders löst. Auch nicht, dass ich nur an meiner Ernährung oder dem Feng Shui in meinem Schlafzimmer schrauben muss. Ihr könnt euch nicht vorstellen - wobei, vielleicht doch - wie weh das alles tut, wie müde das macht, wenn man immer blutet und Eisenmangel hat, wie gruselig das ist, wenn meine Gebärmutterschleimhaut meinen Darm frisst und wenn jeder Tag neue Merkwürdigkeiten mit sich bringt. Ihr könnt euch vermutlich schon etwas besser vorstellen, wie hart es für mich ist, mich von einem Körperteil zu trennen, mit dem ich schon so viel erlebt habe (und ihr irgendwie auch). Wie das ist, wenn einem ein Arzt erzählt, Kinder würde ich ja nicht mehr wollen, die würde also nicht mehr gebraucht und hätte ihren Job erledigt. Der hat es bestimmt gut gemeint und ja im Kern auch Recht, aber trotzdem: nicht gut. Und fast alle von Euch haben Erfahrung damit, sich unters Messer zu legen in der Hoffnung, auf diese Weise etwas besser zu machen und es bestimmt nie zu bereuen, aber genau weiß man es nicht. Das Ende meiner Fusselgebärmutter ist jedenfalls für mich ein fetter Einschnitt und fühlt sich an wie das Ende von viel mehr Dingen.

Ich verspreche, ich werde Euch - wann, weiß ich noch nicht - schreiben, wie das lief und irgendwann nach einer Schonzeit, ob ich endlich wieder laufen gehen kann. Falls ihr eine Frau mit wirrem Haar, Stöpseln im Ohr, hochrotem Kopf und nassgeheultem Gesicht im Hamburger Raum an euch vorbeirennen seht, das bin dann wohl ich. Und ob das dann das Ende des Blogs ist, weiß ich auch noch nicht.

Und dann wollte ich Euch noch erzählen, dass ich heute morgen um sechs Uhr aufgestanden bin und eine Domain gekauft habe. Ich habe sie direkt für zwei Jahre bezahlt, denn ich habe viel damit vor. Noch steht da gar nichts, aber das wird sich bald ändern. Sie wird genau so persönlich sein wie diese Seite hier. Sie wird manchmal bestimmt auch Abkürzungsthemen streifen, aber sich um ein komplett anderes Thema drehen, das mich jetzt in Atem hält, seit ich ca. zwei Jahre alt bin und mich bis ins Grab begleiten wird. Demnächst werde ich die ersten Posts schreiben. Und wenn es so weit ist, erzähle ich euch davon. Falls es also ein paar unter Euch gibt, die irgendwann wegen Abkürzungskram hier gelandet sind, dann aber trotz allem geblieben sind und vielleicht Lust haben, etwas Neues von mir zu lesen: ich freue mich auf Euch.

Sonntag, 1. April 2012

Falls hier der Eindruck entsteht: nein, der Stammtisch hat nicht bis Sonntag morgen gedauert.

Abkürzungsdamen in gesetztem Alter beschließen schließlich nicht mehr nach einem bunten Abend im Gloria, jetzt noch kurz ein Ründchen über den Kiez zu flanieren, dann eine spontane Mitfahrgelegenheit nach Sylt zu nutzen, dort am Strand zu pennen, sich einen Tag lang mit Polohemden herumzutreiben, den Flieger nach Berlin zu nehmen, dort zum Prenzlauer Berg zu fahren und ein paar Stunden lang die unzähligen Muttis zu bepöbeln und herumzuschubsen und dann irgendwann einzusehen, dass es jetzt aber mal wieder gut ist, zurück nach Hamburg zu fahren und zur Stärkung noch einen im Silbersack zur Brust zu nehmen, bevor sie stunden später müde, aber glücklich und mit ungebrochenen Lebensgeistern & Knochen aus einem Taxi fallen. Mittwoch Abend um kurz nach Mitternacht lag ich leicht angeschickert, aber wohlbehalten und brav im Bett, von einer fabelhaften Abkürzungsdame nach Hause gefahren. Ohne Umwege über den Kiez.

Das war wie immer sehr schön! Ich danke allen Damen, die da waren, und kann allen anderen aus Hamburg nur raten, nächstes Mal doch auch zu kommen.

So. Heute ist ein aufregender Tag: L. ist auf einem Tischtennistrainerlehrgang, und der Hund und ich vertreiben uns die Zeit, indem ich endgültig letzte Hand an meinen Adoptionslebenslauf lege und mir auf einem strammen Spaziergang am Alsterlauf noch mal ernsthaft überlege, wie ich das mit dem Blog, dem Buch und der Behörde mache. Und parallel - zum Glück sitze ich hier sicher auf meinem Sofa, mit dem Tier als Beschützer direkt daneben, und ihr könnt mich nicht hauen - stecke ich mitten in meinem nächsten Versuch, mein Muffintop loszuwerden: der 24 Stunden-Diät. Es klingt wie eine lächerliche, armselige Pupstheorie für die ganz, ganz Doofen, aber bisher läuft es gut. Und weil nur 24 Stunden zu überstehen sind und nicht wie sonst "nur zwei Wochen, aber dauerhafter Erfolg ist nur mit einer Ernährungsumstellung für IMMER möglich", hat bisher weder meine Laune noch meine Entschlossenheit gelitten. Gestern war noch ein relativ normaler Tag, abgesehen davon, dass ich gegen 18:00 eine Stunde lang alles gegeben habe auf dem Crosstrainer und anschließend eine Gurkenkaltschale mit Nordseekrabben hatte und als Digestiv nur noch Kräutertee, und heute geht es Eiweißreich und Kohlenhydratefrei weiter, aber schon morgen fange ich den Tag wieder mit meinem Agenturmüesli an. Angeblich verliert man auf die Art ein bis zwei Kilo, und zwar für länger. Wenn das gut läuft... ach was, ich bin SICHER, das läuft! Dann mache ich so einen Tag jetzt zweimal pro Monat, und bis zum Juni bin ich bei meinen 62 Kilo.

(Merkt ihr was? So lange ich mich nicht endgültig entschieden habe, ob die Behörde von dem hier erfährt oder nicht, werdet ihr leider noch mehr zum Thema Diäten, Wetterprognosen, Abenteuer mit dem Hund und dergleichen hören müssen.)

Und dann ist da noch eine Kleinigkeit, die mir ein bisschen Kummer macht: gestern, während der Stunde Schwitzen auf dem Maschinchen, tat es weh. Unten links. Genau da, wo die Zyste neulich noch saß. Jetzt ist alles wieder gut, aber ich fürchte, nächste Woche geht es nicht ohne neuen Ultraschall ab. Hatten die Schmerzen zu bedeuten, dass Ilse sich aufmacht? Oder, dass sie meinen Eierstock so fest wie nie im Griff hat? War das ihre Art, mit dem Besen an die Decke zu klopfen, weil das Gehampel sie nervt?

Freitag, 9. März 2012

Die manische Flora

Am 20. März um 15 Uhr freuen wir uns auf das erste LIVE-Treffen mit der Adoptionsbehörde. Wird es auch das letzte sein? Werde ich zehn Minuten oder nur fünf brauchen, um uns für alle Zeiten auf die schwarze Liste zu setzen? Wird mein Fusselhirn übernehmen, wo mein Bauch ausnahmsweise nichts mehr gegen meine Familienplanung ausrichten kann? Ich bin gespannt.

Aber bis dahin, liebe Abkürzungsdamen, ist noch viel zu tun. Ich befinde mich in einem Rausch der Aktivität. Gestern bin ich erst zum ziemlich weit entfernten Autohändler gerast, habe die TÜV-Papiere und den anderen Kram abgeholt, bin zur Zulassungsstelle gefahren, habe dort zwei Stunden intensiv gewartet, bin dann mit den Schildern zurück zum Autohändler gerast und hatte gegen drei endlich, endlich mein Auto vor der Hütte stehen. Und was für ein Auto! Es ist perfekt. Das heißt, sobald ich nachher mit feuchten Tüchern und Q-Tipps einmal da durch bin und die letzten Reste von Zigarrenasche und Kleister aus den Ritzen entfernt habe. Ein Navi habe ich schon gekauft, bei einem Autoradio war ich unschlüssig. Es ist zwar eins drin, aber es klebt wie Fanta und hat nur einen Cassettenrekorder. Aber dann habe ich beschlossen, meiner uralten, seit zehn Jahren nicht mehr angefassten Cassettensammlung eine letzte Saison zu spendieren, und eine halbe Stunde später war ich auf dem Weg zu Obi (Verbandskasten, Warndreieck, Feuerlöscherchen, Schwamm und Abschleppseil) und habe laut zu Doris Day gesungen. (Ich bin ein schlechter Radiohörer. Es kann passieren, dass mich das Radio mal positiv überrascht für ca. zehn Minuten. Aber ich halte Musik, die ich nicht leiden kann, überhaupt nicht aus - null Toleranz. Ich habe schon halb volle Einkaufswägen in Geschäften stehen lassen und bin gegangen, weil plötzlich "A groovy kind of love" kam oder "Wind of change"). Zurück von Obi war ich mit Lili beim Tierarzt und habe ihr die Polypen aus den Augen kratzen lassen. War das widerlich? Ging es mir durch und durch, ihren Kopf dabei wie einen Schraubstock festzuhalten, damit sie nicht ständig wegzuckt, während ein Skalpell nur Milimeter von ihrem Auge entfernt zugange ist? Hat sie mir das aber überhaupt nicht übel genommen und war schon zehn Sekunden nach der Mini-OP schon wieder schwanzwedelnd in Leckerchen-Laune? Ja, ja und ja.
Heute kümmere ich mich um den Maler, der die Baustelle hinter dem Ex-Kamin in Ordnung bringen soll, lasse endlich meine Brille machen, und wenn mir trotz aller Anstrengung nichts anderes einfällt, wo Doris Day und ich mit dem Auto hinfahren können, dann backe ich Kekse und koche Hühnerfrikassee im großen Stil.

Und zwischen all dem warte ich auf dieses gewisse "Plopp, Autsch" mit dem sich die Zyste löst. Denn überraschenderweise hat meine Blutprobe die Wahrheit gesagt: an Zyklustag 22 habe ich meine Tage bekommen. Das hatte ich auch noch nie: hoffen auf die Schmerzen. Oder hat eine der anwesenden Abkürzungsdamen schon mal eine Zyste mit der Periode loswerden können und vielleicht zu berichten, dass das dann nicht so ein spektakuläres Erlebnis sein muss? Ich habe jedenfalls vor, in den nächsten Tagen ein bisschen nachzuhelfen, indem ich Frühjahrsputz mache und den Garten umgrabe. Nur schade, dass man dazu kein Auto braucht.

Uuuuund - und damit reicht es dann auch mal mit diesem Getippe am frühen Morgen - ich wollte noch mal an den Stammtisch kommenden Mittwoch erinnern. Ein paar versprengte Zusagen habe ich ja schon. Wer noch? Jetzt kommt schon! Oder soll ich noch mal einen anderen Termin vorschlagen?

Montag, 5. März 2012

Ilse und ich

Donnerstag war ich auf dem X-Trainer. Freitag war ich auf dem X-Trainer. Samstag war ich auf dem X-Trainer. Sonntag war ich auf dem X-Trainer. Heute ist Montag, ich arbeite den ganzen Tag, danach rase ich nach Hause und fahre mit L. in den Hamburger Westen, um mir einen alten billigen Twingo anzusehen und vielleicht zu kaufen. Und dann – ratet mal – gehe ich vermutlich auf den X-Trainer.

Nach der kurzen haarsträubenden Schamattacke direkt nach dem Aufgeben habe ich ehrlich gesagt kaum noch einen zweiten Gedanken an die verpatzte Fastenwoche verschwendet. Und die Mädchen – meine Instanz in so gut wie allem – sagen es auch: für mich ist Sport der Weg. Das heißt, ich hoffe, er ist es, weniger bzw. gar nichts essen ist es nämlich nicht. Und siehe da: letztes Wiegen am Morgen vor FX Passage ergab 68,8 kg, und ein gemütliches und nahrhaftes Wochenende später bin ich immerhin schon bei 68,2. Hätte ich das Fasten durchgehalten, wäre ich heute zwar vermutlich bei 62, aber würde auch auf dem letzten Loch pfeifen und hätte das meiste davon bis zum nächsten Wochenende wieder drauf. Alles wird gut.

Und dann die Zyste. Ich nenne sie jetzt Ilse, wie in Ilse, Ilse, keiner willse, und ich glaube, langsam kapiert sie, dass sie hier nicht erwünscht ist. Die Klinik hatte mir ja schon ausrichten lassen, mit der nächsten Periode, diesmal ein bisschen früher als erwartet, würde sie sich vermutlich/hoffentlich/ganz ganz bestimmt, machen Sie sich mal keine Gedanken – verziehen. Und ich glaube ehrlich gesagt, sie hat schon damit angefangen. Ich laufe mit Lili durchs Gehölz, und auf einmal zwickt und kneift es, dass mir fast die Luft wegbleibt. Trotzdem nehme ich mir für diesen Donnerstag und Freitag mal lieber nicht zu viel vor, denn ich habe den Schmerz von damals aus dem Flugzeug noch in ziemlich mieser Erinnerung. Die Zyste damals war ein bisschen größer als diese, und zu dem Schmerz kam noch die Angst, weil ich nicht wusste, was los ist, und zum Hinlegen und Krümmen war kein Platz in der Holzklasse, aber trotzdem will ich nicht gerade mitten in einem Pilateskurs schwitzen, wenn es losgeht. Ach, Ilse. Freunde werden wir wohl sowieso nicht, wollen wir es nicht einfach lassen miteinander? Und Feinde bleiben?

Freitag, 2. März 2012

16:31

Kam der Anruf, nachdem die Sprechstundenhilfe gestern gesagt hat, um eins wären die Blutwerte dann da. So gern ich meine Klinik auch mag, ich finde, in das Rückrufverhalten könnte ein bisschen mehr Zug kommen. Aber gut...

Laut Blutwerten gab es einen Eisprung, und in einer Woche sollte ich meine Tage bekommen. Das würde heißen, dass es diesen Monat schon am 23. Zyklustag damit losgeht? Mich wundert inzwischen gar nichts mehr... und von Hormonen in welcher Form auch immer in den dicken Onkel oder sonstwohin war keine Rede.

Ist das wieder SPANNEND mit meinem Bauch!

Heute 45 Minuten und angeblich zehn Kilometer auf dem Crosstrainer. Gestern auch. Fortpflanzungsapparat, ich kann zwar wenig gegen deine Kapriolen tun. Aber ich kann wenigstens dafür sorgen, dass es dir demnächst da drin ein bisschen zu eng wird. Ha!

Zum Glück nicht auf leeren Magen

Bin ich froh, dass ich das mit dem Fasten nun doch gelassen habe. Denn mein Besuch in der Klinik gestern gegen Abend lief... sagen wir mal so, dass man das nicht gerne erlebt, während einem der Magen in den Kniekehlen hängt. Ich habe am linken Eierstock (dem bösen, zum Glück) eine Zyste. Sie ist ca. 5cm groß, und sie muss weg. Heute erfahre ich, ob wir es mit Hormonen versuchen können, oder ob ich schon wieder, zum inzwischen... wartet mal... nee, ich krieg es nicht mehr zusammen, ob es jetzt das sechste Mal ist oder das achte Mal, auf einen OP-Tisch klettern muss. Und der Vertretungsarzt - ein älterer Herr - erklärte mir freundlich, aber bestimmt, wenn wir da weiter "mit Messer und Gabel" dran rumwerkeln würden, hätte ich demnächst "gar keine Eierstöcke mehr, und das war's dann". Gott behüte! Wo meine Eierstöcke und ich doch seit Jahren so viel Spaß zusammen haben!

Abkürzungsdamen, bitte drückt die Daumen. So zwischen eins und zwei müsste ich mehr wissen. Ich wäre bereit, mir riesige Spritzen in den dicken Onkel zu jagen. Nur bitte nicht schon wieder eine Bauchspiegelung. Bitte.

Und jetzt koch ich mir erst mal ein Ei.

Dienstag, 2. August 2011

Worüber die meisten Jogger schweigen, aber die sind auch scheinbar besser erzogen als ich oder auch besser konstruiert, so untenrum

Auf dem Ultraschall war nichts zu sehen. Außer zwei kleinen Myomen, „Myömchen“, wie meine Ärztin sie nannte, die aber scheinbar nur spielen wollen und nichts tun. Und links und rechts davon nichts, was meine dämlichen Regelschmerzen seit drei Wochen rechtfertigt, die Schmierblutungen oder die Tatsache, dass ich nur noch aufs Klo gehen kann, wenn ich vorher laufen war, dann aber... oh oh oh.

Ich bitte alle, die in solchen Fragen etwas pingelig sind, ab hier nicht weiterzulesen und erst nach dem großen Absatz wieder einzusteigen; ich verspreche, es kommen auch wieder salonfähigere Zeiten.

Ich habe mir nie große Gedanken um meinen Stuhlgang gemacht. Wenn mich ein Arzt gefragt hat, wie oft ich... hm... und wie viel... und welcher Konsistenz und Farbe das Ergebnis...?, war ich meistens ratlos, denn ehrlich, ich habe mir darum nie einen zweiten Gedanken gemacht. Genau so gut hätte ein Arzt mich fragen können, wie viele Millimeter im Monat meine Haare wachsen oder wie viele Kubikmeter Sauerstoff ich täglich verbrauche, nur so ungefähr? Übern Daumen? Inzwischen läuft es so: ich quäle mich morgens um Viertel vor sieben aus dem Bett, steige in meine Hightech-Jogging-Klamotte, schnüre die hässlichen Schuhe zu, suche meine Musik und meine Kopfhörer, erkläre dem Hund, dass er jetzt noch nicht dran ist, sondern erst später, und dann laufe ich los. Ich bin noch nie gerne im Kreis gelaufen, sondern habe mir jedes Mal ein etwas weiteres Ziel gesucht, auf das ich dann voller Tatendrang zugetrabt bin. Das geht jetzt nicht mehr. Denn trotz perfekt zusammengestellter Playlist und der besten Ausrüstung, die ich je hatte, muss ich spätestens zwanzig Minuten nach dem ersten Schritt mit Schweiß auf der Stirn und zusammengekrümmt wie ein Wurm auf den Pott, wo gefühlt zwei Kilo aus mir rausbrechen. Und erst dann laufe ich weiter. Mein Aktionsradius beschränkt sich also auf den Quadratkilometer rund ums Haus. Ich dachte, daran ist die Endometriose schuld, was auch sonst? Ich ernähre mich im Moment fast nur von Ballaststoffen, ich hab genug Bewegung, und wenn jetzt jemand mit psychischen Ursachen kommt, dann hau ich ihm eine.

Und nun ist da gar keine Endometriose. Jedenfalls keine, die groß und dick genug wäre, um auf dem Ultraschall aufzutauchen.

Während ich hinter dem Gardinchen wieder in meine Kleider gestiegen bin, haben wir noch kurz beschnackt, wie es nun weiter geht. Ich kann zu jedem Zeitpunkt, an dem es mir passt, die Pille absetzen. Dann bekomme ich irgendwann meine Tage, rufe in der Klinik an, und drei bis vier Tage später fangen wir an – und zwar jetzt doch mit Stimulation, aber ganz, ganz superduperleichter, das Raffaello unter den Hormonspritzen. Kein Nasenspray, kein Enantone, Zack – und ich freu mich drauf. Und ob ich vorher noch einen ganz normalen Hausfrauenversuch in New York ausprobiere, kann ich mir überlegen.

Sonntag, 31. Juli 2011

Ein Traum rückt mir auf die Pelle

Ich hab schon lange nicht mehr an einem Wochenende so viel gearbeitet wie an diesem. Und dabei war das komische, dass das, was mir eigentlich leicht fällt - irgendwelchen dahingeplapperten Blödsinn aufzuschreiben - viel mehr Zeit in Anspruch genommen hat als die schwierige Aufgabe, mir irgendwelche Scherze zum Thema Fußball (weiß Gott nicht mein Thema) aus den Rippen zu leiern. Ich darf nämlich wieder mal für die Cosmo schreiben. Morgen ist Abgabe, und weil ich morgen in die Agentur muss, ist heute Abgabe. Das Thema will ich noch nicht verraten, aber es liegt mir eigentlich nahe. Nur: auf einmal bin ich zu bammelig, um es einfach laufen zu lassen. Dazu kommt noch, dass "es laufen lassen" und "bitte nicht mehr als 2.500 Zeichen" zwei Anweisungen sind, die schwer unter einen Hut zu kriegen sind, zumindest unter meinen. Ich habe den Text nicht nur geschrieben, ich habe ihn acht mal geschrieben, bis ich zufrieden war. Und als ich meinen fertigen Text gerade zum dritten Mal durchlas, kam ich auf die sinnvolle Idee, doch mal die Zeichen zu zählen. Es waren fünftausend, und keins davon kam mir überflüssig vor. Jetzt habe ich vier Stunden lang gekürzt und bin fertig. Wieso ist das plötzlich so schwer? So etwas mache ich doch fast jeden Tag, und nie habe ich irgendwelche Skrupel, erst etwas hinzuschreiben und dann die Hälfte wieder wegzuwerfen, ohne noch einen Gedanken daran zu verwenden.
Vielleicht ja deshalb, weil mir gerade klar wird, dass das wichtig werden könnte und dass ich gerne mehr Geld mit Schreiben und weniger Geld mit Texten verdienen würde. Glaubt mir, das ist ein Unterschied. Und auf einmal bin ich so locker wie damals vor zehn Jahren in meinem ersten Vorstellungsgespräch, zu dem ich vollkommen overdressed und mit Muffen bis Meppen erschien. Jetzt könnte es ernst werden.

Bis morgen ist trotzdem noch eine Menge zu tun. Was aber gut ist, denn es lenkt mich davon ab, mir Sorgen zu machen, denn morgen ist nicht nur Agentur, sondern auch Ultraschall in der Klinik, und die dicke Endometriose muss die Hosen runterlassen. Um zehn nach eins bin ich dran, und am liebsten wäre es mir, wenn mir das erst um zehn vor eins einfällt, so dass ich es gerade noch per S-Bahn schaffe, pünktlich zu sein.

Und dann muss ich noch berichten, dass L. und ich zum ersten Mal, seit dieser Hormonzirkus in die Stadt gekommen ist, über Leihmütter sprechen. Wir sprechen nur, längst nicht jeden Tag, und ich ändere alle fünf Minuten meine Meinung. Ich weiß auch nicht. Ich will nicht die Armut einer anderen Frau ausnutzen. Ich will selbst schwanger sein. Aber ich will auch ein Kind. Und manchmal weiß ich nicht, wie lange ich das hier noch hinkriege. Zwei Jahre? Vier Jahre? Dann bin ich 42. Ich weiß, dass das ein extrem kniffeliges Thema ist. Und ich kann euch jetzt schon sagen, ich werde alle Kommentare zu dem Thema lesen, aber die Entscheidung - falls es eine Entscheidung geben wird - wird nicht zur Abstimmung ausgeschrieben werden.

Sonntag, 24. Juli 2011

Für ein bisschen weniger Flora auf dieser Welt

Also, das mit Weight Watchers. Das war so eine Sache. Ungefähr 48 Stunden lang hatte ich auf eine merkwürdige, mir sonst unbekannte Art sogar Spaß daran, jeden winzigen Happen, den ich zu mir nehme, einschließlich das Schüsschen Milch im Tee morgens, in ein Computerprogramm einzutragen. (Ich glaube ehrlich gesagt, dahinter steckt die ziemlich listige Idee, dass man schnell mit einem Kekschen hier und einem Nüsschen da aufhört, wenn man nach zwei Sekunden Essen jedes Mal zwei Minuten Bürokratie zu bewältigen hat.) Aber der geheimnisvolle Effekt, das Weight Watchers Wunder vom letzten Mal (essen was ich will und trotzdem abnehmen, schließlich bezahle ich dafür monatlich 15 Euro) ist diesmal ausgeblieben. Ich kam aus meinem duften Urlaub zurück, inwändig ausgekleidet mit Chips, Hühnchen, Bratkartoffeln, Croissants (nur HAUCHDÜNN belegt mit Schinken, Käse und Mayo) und Zitroneneis, alles geschmeidig gemacht mit fässerweise rosarotem Cava, bestieg die Waage und wog 69 Kilo. 69. Das sind fast 70, und 70 waren noch nie. Die wii ist da nicht so präzise, aber ich habe das dumpfe Gefühl, sobald es 70 sind, findet Nintendo mich zu dick, und mein mii wird von normal pummelig in kugelrund umgestaltet. (Alle, die nicht solche Nerds sind wie ich, können sich den letzten Satz einfach wegdenken.) Im Urlaub schwante mir schon so was, als ich jedes einzelne Mädchenfoto gehasst habe, auf dem ich und meine rote, uffjedunsene Visage zu sehen waren. Allerdings habe ich es da noch auf den Sommer geschoben, der mir ja nicht steht. Stellt euch meinen Zorn vor! Natürlich habe ich sofort Weight Watchers gekündigt.
Jetzt gibt es einen neuen Plan. Und bisher funktioniert er gut, ich bin zufrieden, fresse mich voll und nehme trotzdem ab. Folgendermaßen lautet der Plan: einen Monat keinen Alkohol außer in Fällen, in denen es grob unhöflich wäre, ihn abzulehnen oder die Gerüchteküche hochkocht, ich wäre wohl schwanger. Was ich bekanntermaßen und nachweislich nicht bin und auch so schnell nicht sein werde, wir erinnern uns. Weizenmehl auch erst mal so wenig wie möglich. Denn im Anschluss an den fabelhaften Urlaub musste ich noch für einen Job für zwei Tage nach Barcelona, und während dieses Jobs zeigte sich die spanische Küche von ihrer fürchterlichsten Seite, es wurden ständig Platten mit in Öl frittierten weißen Sandwiches mit Plastikkäse und Plastikschinken herumgereicht und als kleiner Snack zwischendurch frittierte Schweineschwarten. Ich übertreibe kein bisschen! Zum vernünftigen Essen blieb keine Zeit. Ich hätte nie gedacht, dass das mal passiert, aber ich kann kein Weißbrot mehr sehen und habe eine große, unstillbare Sehnsucht nach Salat und frischem Obst. Wo war ich?
Ach so, der Plan. Er klingt nach Gehirnwäsche, und das ist es auch, denn L. bearbeitet mich jetzt seit einem halben Jahr jeden Abend, wenn ich in der Küche stehe und versonnen im Risotto rühre, dass wir unseren Speiseplan nach Tageszeiten abstimmen sollen und Abends keine Kohlehydrate essen. Ich habe ihn immer hochmütig ausgelacht und gesagt, "Schätzelein, Liebes, es ist LÄNGST erwiesen, dass es vollkommen wumpe ist, um welche Tageszeit man seine Kalorien zu sich nimmt, was zählt, sind die Kalorien" und noch ein Stück Butter in den Topf geworfen. Aber jetzt haben L. und die 69 Kilo mich so weit.

Morgens gibt es Birchermüesli, das esse ich an Agenturtagen sowieso zum Frühstück, denn nach dem Aufwachen muss ich erst meine L-Thyroxin schlucken und darf danach 30-60 Minuten lang nichts mit Milch zu mir nehmen, so dass ich nur die Wahl habe, entweder um sechs mein Pillchen zu schlucken und um sieben zu frühstücken, oder bis halb acht zu schlafen, mein Pillchen zu schlucken, ein gut verschließbares Pöttchen mit Milch eingeweichtes Müesli mit in die Agentur zu nehmen, da mit Joghurt und Obst aufzumotzen und am Schreibtisch zu frühstücken. (Die Brötchen, die es in den Bäckereien an meinem Weg zur Arbeit zu kaufen gibt, spotten jeder Beschreibung.) Diese Prozedur ziehe ich jetzt von Montag bis Freitag durch. Samstags und Sonntags gibt es Dinkelvollkornbrot mit Sachen drauf, sonst verliere ich nicht nur den Spaß am Birchermüesli, sondern auch am Aufwachen. Mittags gibt es im Moment noch Salat, weil ich den Hals nicht voll kriege, ansonsten aber, was ich will, also auch gerne Pasta. Und Abends gibt es nur noch Eiweiß und Gemüse. Also z.B. Hähnchenflügel mit Zitrone und Pfeffer aus dem Ofen, dazu gebratene Paprika. Oder grünen Salat und Bratwürstchen. Oder auch nur Salat. Oder ein Stück Fisch mit Broccoli und Sojasauce. Oder was weiß ich. Nach sechs Tagen bin ich jetzt bei 75,5, und das auch nur, weil uns gestern unsere netten Nachbarinnen eingeladen und sabotiert haben, indem sie vor uns ca. zwölf verschiedene Schälchen mit Käsegebäck, Chips und Kräuterbaguette aufgebaut hatten und uns ständig mit Oberflächenspannung Wein nachgeschenkt haben. Das heißt, die jüngere schenkte nach, während ihre 93jährige Mutter bei jedem Glas ein Freudentränchen im Auge hatte und sagte "Das ist so schön, das ist so schön!" und da will man nicht barsch auf Diäten verweisen. (Das ist sowieso etwas, was ich gelernt habe: wenn man schon in der miesen Lage ist, eine Diät zu machen, sollte man bloß niemandem davon erzählen. Die einen finden dann plötzlich auch, dass man zu dick ist, die anderen versuchen es einem auszureden und erzählen einem, wie fabelhaft und genau richtig man aussieht, und nach zwei Gläsern Rotwein glaube ich das natürlich und schiebe mir noch eine Minipizza in den Hals.)
Und dann habe ich noch eine neue App entdeckt, die mir bisher nur Freude gemacht hat: die Nike+ GPS App. Man lädt sie sich für 1,59 aufs iphone, steckt den Kopfhörer rein, zieht die schnellen Schuhe an, geht eine Runde laufen, und während man Musik hört, misst das schlaue Telefon, wo man lang läuft, wie lange schon, wie weit, wie schnell, sagt einem alle fünf Minuten, wie man sich so schlägt, muntert ein bisschen auf, wenn es nötig ist, und ist der Lauf zu Ende, kann man damit auf facebook angeben und sich loben lassen (ich bin ja leider so ein schwaches Tierchen, das immer gelobt werden will, damit es sich überhaupt in Bewegung setzt), und Lance Armstrong persönlich gratuliert einem zu einem neuen persönlichen Rekord.
Ich sage Bescheid, wenn ich bei 65 bin.

Und weil das hier kein Abnehmblog, sondern ein Unterleibsblog ist, habe ich an dieser Front auch etwas zu melden: ich fürchte, die aus dem Hals stinkende, räudige, pickelige alte Petze Endometriose ist zurück. Es ist nur so ein Gefühl. Kein gutes Gefühl, ich bin genervt. Nächste Woche versuche ich, einen Termin in der Klinik zu kriegen. Ich will nicht schon wieder operiert werden. Ich will nicht schon wieder vier Wochen lang keinen Sport treiben können, wo ich gerade in Schwung komme. Ich will nicht schon wieder hören, dass das jetzt aber vermutlich die letzte OP zu dem Thema ist. Ich habe keine Lust mehr, dass Ärzte mir erzählen, sie hätten auch keine Ahnung, warum ich trotz Enantone und Pille immer wieder zu zuwuchere. Denn ehrlich, wenn es das jetzt wieder ist - dann kann ich doch die Hormone auch weglassen und zur Abwechslung vielleicht sogar eine Chance haben, auch zu einem dieser Wundertiere zu werden, die plötzlich einfach so schwanger werden. Vorausgesetzt, die miese Endowurst hat mir nicht schon wieder den einen guten Eileiter abgeschnürt. Drückt mal die Daumen, liebe Damen, ja?

Und zu dem Emotions-Thema kann ich nichts sagen, ich hab nämlich immer noch kein Belegexemplar. Aber ich bin gespannt. "Vernünftig" klinge ich, sagt ihr? Das wäre mal was Neues.

Donnerstag, 24. Februar 2011

Sie hat das C-Wort geschrieben, sie hat das C-Wort geschrieben

Es gibt nicht mehr viele Gelegenheiten, zu denen man ein Fax bekommt oder verschickt. Ich hab heute beides gemacht. Meine Klinik rief an, denn morgen habe ich den Nachsorge-Termin, bei dem außerdem besprochen werden soll, wie es weitergeht mit mir und der Unbegabtenförderung für meine Eizellen. Das geht aber nicht ohne den OP-Bericht von meiner letzten Bauchspiegelung, der bisher dort nicht eingetroffen war. Also habe ich im Krankenhaus angerufen und darum gebeten, mir den Bericht zu faxen. Komischerweise fühlt es sich immer noch viel mehr wie ein Wunder der Technik an, wenn Sekunden später das Papier aus meinem Drucker quillt, als wenn ich einen interaktiven Film, der auf meine Stimme reagiert, per Email bekomme. Das Papier quoll, und ich dachte, bevor ich das weiterfaxe an meine Kinderwunschklinik, gucken kann ich ja schon mal.

Rarara, Desinfektion der Bauchdecke, Einführung von diversen Dingens, rarara, Eröffnung und Entfernung verschiedener Fremdworte, und dann: wieder Verwachsungen zwischen Uterus und anderen Teilen, dringende Empfehlung für ein... warte mal... wie bitte? ein Chlamydienscreening.

Das C-Wort, da war es wieder. Chlamydien. Diese fiese Angelegenheit, auf die ich schon beim Eintritt in beide Kliniken getestet worden war, ohne dass irgend ein Test ausgeschlagen hätte. Aber noch viel wichtiger: diese fiese Angelegenheit, wegen der ich vor anderthalb Jahren einer Freundin mit dem Arsch ins Gesicht gesprungen bin bzw. L. das stellvertretend übernommen hat, weil ich mich immer noch bleich und verstört in eine Ecke des Zimmers drückte, als sie das nächste mal anrief. Sie war extrem alternativmedizinbewegt und hatte zusammen mit ihrer Heilpraktikerin per Ferndiagnose festgestellt, dass ich mit Sicherheit Chlamydien hätte. Und dann machte irgendwas plopp in meinem Kopf, und es kam zu einer Kettenreaktion unguter Assoziationen und Gefühle, und das Ende vom Lied war die Sache mit dem Arsch und dem Gesicht. Es war schrecklich. Wir haben seitdem nie wieder gesprochen. Und was tue ich nun? Springe ich meinem Fax mit dem Arsch ins Gesicht oder warte ich erst mal ab? Ich warte wohl erst mal ab.

Aufregender Termin wird das morgen. Sehr, sehr aufregend.

Mittwoch, 16. Februar 2011

Da fällt mir ein, Konfetti hätten wir sowieso nicht im Haus

Einen Tag danach liege ich ächzend und schnaufend auf der Matratze im Wohnzimmer, der Bauch ist immer noch dick (ich sollte vielleicht mal messen?), ich blute auch - aber alles ist im Rahmen dessen, was auf dem Zettel steht, den ich zur Entlassung mitbekommen habe. Neben dem Rat, möglichst bald zu meiner Kinderwunschärztin zu gehen - denn "jetzt, wo alles so schön aufgeräumt ist da unten", sollen wir bald weitermachen. Ja gut. Die Erfahrung zeigt, dass mein Bauch da wieselflink ist: die Zeit, die man nach einer OP im Schongang verbringen muss - nicht Rad fahren, nicht joggen und schon gar kein neuer Befruchtungsversuch - diese Zeit nutzt er effektiv aus, um wieder vollständig zu verkrauten. Aber vielleicht wird ja diesmal alles anders.

Gerade wird mir klar, dass ich gerade jetzt um diese Zeit zweijähriges IVF-Jubiläum feiere. Ich glaube, letztes Mal ging es Ende Februar los, nachdem wir von der kleinen ersten Hochzeitsreise zurück waren. Noch nicht so richtig, aber mit Synarela. Wir waren damals schon seit ein paar Monaten in unserer alten Klinik, hatten Aids-Test und erste Voruntersuchungen überstanden, ich hatte die Babyfoto-Collagen im Flur gesehen und gedacht, das hier wird ein Spaziergang für uns - wäre doch gelacht, wenn das bei uns nicht auch klappen würde. Jetzt, zwei Jahre später, stehen angeblich die Chancen so gut wie nie: immerhin ein Eileiter ist frei, das größte und mieseste Myom ist aus dem Weg geräumt, und mein Bauch ist "aufgeräumt". Dazu kommt auch noch, dass wir gerade perfekt eingerichtet wären auf ein Kind. Wir haben ein großes Haus mit jeder Menge Platz, der Hund ist aus dem Gröbsten raus, ich kann fast so arbeiten, wie ich will, der Spielplatz ist direkt gegenüber, ich muss nur aus dem Wohnzimmerfenster gucken. Wieso kriege ich mich gerade auf meiner Matratze nicht dazu, innerlich mit Konfetti zu werfen?

Und trotzdem - ich weiß nicht, wie mein Hirn das anstellt - bin ich mir ganz sicher, dass ich in zwei Jahren ein Kind habe. Oder sogar zwei. Dass ich mit einem klobigen Zwillingskinderwagen durch die Welt schiebe und Bahnreisenden und Fußgängern entsetzlich auf die Nerven falle mit dem Riesending. Dass ich den Tag noch verfluche, an dem ich mir meine erste Spritze gesetzt habe, weil mir an einem Sonntag morgen um sechs plötzlich wieder einfällt, wie sehr ich früh aufstehen hasse, und dass ich nicht halb so oft mit den Kindern Pasta kneten oder Plätzchen backen werde, wie ich mir jetzt vornehme.

Dienstag, 15. Februar 2011

Abzüge für Enantone in der B-Note

Ich bin wieder zuhause, liege hier mit einem Bauch wie der Nikolaus (Gas- und Adept-gefüllt) und habe es überstanden. Aber da war wieder alles voller Endometriose. Über zwei Stunden haben sie an mir herumgeschnitzt. Und mein rechter Eileiter ist auch wieder dicht. Was genau hat dieses Enantone da unten eigentlich getrieben, außer für Haarausfall und miese Laune zu sorgen?

Montag, 14. Februar 2011

Das fängt ja augezeichnet an.

Diese Bauchspiegelung ist schon jetzt anders als alle anderen zuvor: ich soll um zwölf im Krankenhaus sein. Um zwölf! Nicht um halb sieben, um sieben oder um sechs, sondern um zwölf. Ich bin begeistert. Die Tasche mit dem dicken glucksenden Adept-Beutel ist gepackt, ich habe etwas Weites an, in das morgen mein Adept-gefüllter und malträtierter Bauch passt, und ich bin wirklich, wirklich bester Dinge. Nicht zuletzt auch deshalb, weil diesmal das beste aller Krankenlager zuhause auf mich wartet: Lili zu Ehren, die noch keine Treppen steigen darf, haben wir unser Bett im Wohnzimmer aufgebaut. Direkt in Reichweite von Telefon, Fernseher und Kamin. Und nur ein paar Trippelschritte zur Küche.

Liebe Abkürzungsdamen, bitte Daumen drücken, dass mein Bauch sich heute von seiner allerlangweiligsten Seite zeigt!

Donnerstag, 27. Januar 2011

Kopfschüttelnd und zähneklappernd

Falls dieser Post nicht ganz so lang wird: das liegt nicht daran, dass ich keine Lust oder keine Zeit hätte, sondern daran, dass meine Finger vor Kälte beim Schreiben so dermaßen steif sind, dass sie fast genau so klappern wie die Tasten.
Und dabei gibt es wirklich viel zu erzählen.
Seit zwei Tagen hatte ich ein bisschen Angst: trotz Enantone habe ich nämlich plötzlich geblutet, und zwar in ziemlichen Mengen. Weil aber gestern Großkampftag in der Agentur war und ich heute sowieso zum Vorgespräch für die Bauchspiegelung am 14.2. musste, habe ich ausnahmsweise nicht panisch bei meiner Ärztin angerufen, sondern fein still meine Arbeit gemacht und gewartet. Das Warten hat sich gelohnt. Als ich heute morgen um elf auf dem Stuhl saß, gab es im Grunde nichts Neues: Myömchen im Werden, ein Eierstock schläft, wie er soll, während der andere überraschenderweise trotz allem Follikel produziert wie eine Popcornmaschine. Also im Grunde genommen wie eine Popcornmaschine, der man den Stecker rausgezogen hat und die trotzdem weitermacht. Die Ärztin stocherte und guckte und klickte bestimmte Bereiche auf dem Ultraschallbildschirm an, und sie sagte, Myome wären vermutlich gar nicht mal mein Hauptproblem, sondern die Endometriose. Und dann kam sie, die große Überraschung: "Haben Sie schon mal von Adept gehört?" Nein. "Adept ist eine Lösung, mit der wir Ihren Bauchraum nach der OP spülen können. Die Lösung bleibt drin, und sie verhindert, dass die Endometriose nachwächst. Es gibt aber auch einen Nachteil."

Was? Fallen mir auf einen Schlag alle Haare aus und nehmen Enantone die Arbeit ab? Ermuntert Adept die Myome zu neuen Höhenflügen? Macht es mich - HORROR! - unfruchtbar?

"Es kostet 135 Euro."

Ehrlich, Abkürzungsdamen: ist das eine Zahl, die uns um den Schlaf bringt?

Was mich aber vermutlich in der nächsten Nacht um den Schlaf bringen wird, ist das: ich habe jetzt seit drei Jahren Endometriose. Und ich hatte deshalb vier Bauchspiegelungen, in zwei Wochen die fünfte. Und erst bei der fünften kommt jemand auf die Idee, mich danach zu fragen?

Manchmal... also manchmal...

Sonntag, 16. Januar 2011

Nachrichten aus dem Hundesportverein

Während L. am anderen Ende der Stadt seinen Gegnern die Plastebälle um die Ohren haut, hängen Lili und ich hier in den Seilen. Lili hatte nämlich gestern den ersten Übernachtungsbesuch ihres Lebens zu Gast. Püppi ist beruflich Labrador, sechs Monate alt und besteht nur aus Zähnen und Schwanzwedeln. Und weil unsere kleine Fellfee mit ihren 14 Monaten auch noch ziemlich welpig ist, haben die zwei von gestern Abend bis Mitternacht und heute früh ab sieben getobt. Zwischendurch waren sie so wild, dass ihre Konturen verschwommen sind. Jetzt sind die zwei dicke (und müde) Freundinnen, und ich habe die Erkenntnis gewonnen, dass Labradore die verfressensten Tiere der Welt sind. Wenn Püppi frisst, dann ist das so, als würde sie kurz den Napf mitsamt Futter in den Mund nehmen, das Futter runterschlucken und den Napf wieder ausspucken. Als ich erschrocken Lilis Futter in Sicherheit bringen wollte, damit der kleine Gast sich nicht den Magen verdirbt, ist sie fast aus dem Stand auf den Küchentisch gesprungen und hat sich den Rest auch noch geholt. Kein Wunder, dass Labradore leicht zu erziehen sind, man muss wirklich nur ein schäbiges, trockenes Stück Hundefutter in der Hand halten, und schon lesen sie einem jeden Wunsch von den Lippen ab. Demgegenüber gab es mit Lili schon Momente, in denen ich ihr mit einer Scheibe Serrano-Schinken in der Hand hinterhergerannt bin, ohne dass sie Anstalten gemacht hat, gefälligst zu tun, was Frauchen will.

Mann, war das niedlich. Und anstrengend. Und niedlich. Und anstrengend. Und niedlich.

Ansonsten habe ich endlich mal wieder Kinderwunschnews: ich habe einen OP-Termin für meine Kontroll-Bauchspiegelung, bei der hoffentlich herauskommt, dass das mit der Endometriose und den Myomen nicht so wild ist diesmal und ich schon mal mit dme Gedanken spielen kann, im Herbst eine Babykugel durch die Gegend zu schieben. Am 14. Februar bin ich dran, wodurch L. und ich zum Glück den Valentinstagsfeierlichkeiten entgehen, und der außerdem ein Glückstag ist, weil eine sehr liebe (und sehr willensstarke) Freundin an einem Valentinstag vor vielen Jahren von heute auf morgen und tatsächlich für immer und ohne Ausnahme mit dem Rauchen aufgehört hat. Von zwei Schachteln pro Tag runter auf null. Der 14. Februar ist also in meiner Welt ein guter Tag für Ereignisse mit Gesundheitsbezug.
Und diese Woche Dienstag ist mir zum ersten Mal etwas passiert, wovor ich immer Angst hatte, was sich aber (wie fast alle Kinderwunschbezogenen Angstthemen bisher) dann doch als halb so wild entpuppt hat: ich bin beim Enantone spritzen auf Blut gestoßen. Ich hab alles so gemacht wie immer, aber statt des winzigen Blutströpfchens, das sonst manchmal aus dem Löchlein quillt, hat es diesmal geblutet und geblutet. Aber jetzt ist alles wie immer: dicker braunblauer Fleck, darunter ein Knubbel, in dem sich das Enantone-Depot für die nächsten Wochen befindet. Wenn ich draufdrücke, tut es weh, also drücke ich einfach nicht drauf.

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Statt eines Kastanientiers bastele ich mir einen Kastanienpost

Auf jedem Spaziergang kommen Lili und ich über einen großen, schönen Platz. Um den Platz herum stehen rote Klinkerhäuschen mit weißen Sprossenfenstern, und auf dem Platz stehen Bäume, die so alt sind wie die Häuser - also sehr alt. Viele davon sind Kastanien. Lili liebt Kastanien. Sie findet Bälle jeder Art großartig, und Kastanien gehen als Bälle durch, vor allem, seit ich sie werfe. Ich mag Kastanien auch gern und hole jedes Jahr im März aus den Taschen meiner Wolljacken ihre verschrumpelten Leichen. ("Ersetzen Sie im vorangegangenen Satz das Wort "Kastanien" durch das Wort "Kaninchen", und plötzlich wird dieser Blog ganz, ganz gruselig.") Ich mag sie so gern, dass ich sie ständig befühle und mir dabei von Herzen wünsche, es gäbe Möbel, die sich so schön anfühlen und so aussehen wie eine frisch vom Baum gefallene Kastanie. Lili nimmt Kastanien furchtbar gerne in den Mund, und wenn ich eine Kastanien drei- vier mal für sie geworfen habe, zerbeißt sie sie. Es macht gar nichts, wenn Lili an einem sonnigen Herbsttag auf diese Art 80 Kastanien zerbeißt, denn erstens sind die Bäume groß und fruchtbar, und zweitens scheint sich außer Lili und mir niemand für die Kastanien zu interessieren. Niemand schleppt tütenweise Kastanien nach Hause, um sie auf sein Fensterbrett zu legen oder mit Zahnstochern lustige Tiere daraus zu basteln.

Die Wahrheit ist, es gibt wenig Kinder in dieser Siedlung.

Dabei wäre sie perfekt für Kinder. Wenig Autos, und die paar, die fahren, fahren langsam. Nette Häuschen mit großen, verwunschen Gärten. Dazwischen Parks mit Spielplätzen, die nie überfüllt sind. Parkplätze für die Kombis, die man als Kinderbesitzer zu brauchen scheint. Aber die meisten unserer Nachbarn sind aus dem Kinderalter raus; falls sie Kinder haben, dann kommen die drei mal im Jahr zu Besuch und basteln auch bei dieser Gelegenheit nichts aus Kastanien. Während hier 70jährige durch ihre 250-Quadratmeter-Häuser schluffen und alles plötzlich so still ist, wohnen die Leute mit Kindern in Eimsbüttel und wissen nicht so richtig, wie lange das noch gut geht zu dritt oder viert auf 60 Quadratmetern mit winzigem Balkon, gruseln sich aber auch zu Recht davor, für die gleiche Miete 100 Quadratmeter in Steilshoop zu beziehen.
Herbst ist bei mir immer die Jahreszeit, sich mal Gedanken zu machen über alles und überhaupt. Und das führt dazu, dass ich mir gerade einerseits denke: vielleicht haben wir zwei, L. und ich, ein Kapitel übersprungen, und dann doch wieder nicht so richtig. Obwohl wir das alles - Kinderkriegen - hoffentlich noch vor uns haben, rentnern wir hier so vor uns hin. (Falls man von rentnern sprechen kann, wo ich gerade in Arbeit ertrinke.) Andererseits ist es doch auch eine schöne Aufgabe, eigenhändig dafür zu sorgen, dass in diesem Viertel demnächst der Altersdurchschnitt vielleicht ein bisschen sinkt.

Flora ist von der Pille weg, und ich hab noch nicht meine Tage. Für jede Minute bin ich dankbar, die ohne diesen Terz vergeht. Gleichzeitig bin ich gespannt, ob jetzt, endometriosebefreit, das alles nicht sowieso nicht mehr so schlimm ist. Und weil ich meiner Meinung nach einen gut habe bei der Endometriose (immerhin: anderthalb Fehlgeburten? Bisher drei Bauchspiegelungen? Hallo?) wünsche ich mir, dass die days of wine and roses noch bis Montag auf sich warten lassen, weil ich dieses Wochenende endlich mal wieder zu einem Damenwochenende nach Berlin fahre und in den Hauptstadtclubs jedenfalls nicht ausgerechnet dadurch Aufmerksamkeit erregen will, dass meine dicke Binde (Tampons darf ich ja nicht) so knistert wie eine Windel.

Dienstag, 19. Oktober 2010

Eindeutig Rundregulation, würde ich sagen

Es ist 5 Uhr 17, und Flora schreibt einen Post. Gestern WAR aber auch ein Tag! Nach einer Nacht, in der ich übern Daumen drei Stunden geschlafen habe - einfach so, eine flippige Laune meiner Nerven - habe ich mich morgens ächzend, fluchend und Haare raufend aus dem Bett gepellt und bin zur Arbeit gefahren. Die Arbeit hat sich in diesem Fall schon seit ein paar Tagen wieder langsam gemuckst, obwohl doch gestern eigentlich erster Arbeitstag sein sollte. Wer will es der Arbeit verdenken? Heute ist ein wichtiger Präsentationstermin, die Hälfte der Belegschaft ist entweder krank oder sitzt auf fremden Kontinenten fest, und da dachten sie, sie rufen mal an. Von Bett und Sofa aus hab ich getan, was ich konnte, aber trotzdem war gestern schon in dem Moment, in dem ich aus winzigen knallroten Augen in den Spiegel gestarrt habe und das alles nicht fassen konnte, vollkommen klar, dass dieser Arbeitstag ein knallvoller, anstrengender und langer werden würde.
Wodurch fast ein bisschen in den Hintergrund geriet, dass gestern außer einem dicken fiesen Arbeitstag auch der große Tag war. Der Tag, an dem unser Buch endlich erscheint. Eigentlich - ganz eigentlich - hätte das danach verlangt, dass ich mich in den Zug setze, meine Coautorin von ihren sicher auch unaufschiebbaren Jobs abhalte und wir den ganzen Tag lang Luftschlangen pusten und sprudelnde Getränke trinken. Auch, wenn ich leider bis jetzt noch keins der Bücher gesehen habe, der Verlag hat fest versprochen, heute ist es so weit.
Zwar hatte ich gestern also Stress und noch kein Buch, aber auch einen Arzttermin: Nachsorge und Wie-gehts-weiter in der Klinik. Um die Mittagszeit habe ich also trotz sich durchbiegendem Schreibtisch irgend etwas gemurmelt, meine Tasche geschnappt und mich auf den Weg zur S-Bahn gemacht, so schnell das mit meinen aus irgend einem Grund täglich größer und ausgelatschter werdenden Mittelpumps ging. Schlupp-Schlupp. (Ein bisschen wie Clogs mit Socken. Aber ich schweife ab.) Es stellte sich heraus, dass Frau Doktor mich weder auf dem Stuhl noch ohne Hose sehen wollte, "da gibt's jetzt nichts zu sehen, das wäre Quatsch." Stattdessen las sie mit mir zusammen noch mal den OP-Bericht, in dem nichts wirklich Neues stand: schlimme, schlimme Endometriose, große Wundfläche, lange Heilungszeit, dringend empfohlene Hormonbehandlung. Im Krankenhaus hatte der Arzt das noch als "Hormonkur, die Sie vorübergehend in die Wechseljahre versetzt" bezeichnet, das klang nicht so verlockend. Frau Doktor nahm in dem Zusammenhang gestern zum ersten Mal die Worte "langes Protokoll" in den Mund, und in dem Moment war klar: Aaaah, ist doch gar nicht so schlimm, ist doch langes Protokoll. Wie eine extended Version des kurzen Protokolls? So in etwa, und eigentlich nicht besonders kompliziert. In ungefähr zwei Monaten darf dann das Krankenhaus noch mal in meinen Bauch gucken, und danach entscheiden wir, ob wir nur stimulieren oder meine dritte IVF starten. Außerdem ist der Chinamann erst mal draußen, zu viel Hormone für seinen Geschmack, stattdessen soll ich nun zur Osteopathin. Mit Rezept wurde ich in die Apotheke geschickt, wo ich erfrischenderweise nur zehn Euro zu zahlen hatte und ein kleines Päckchen mit meiner Spritze bekam (wie die hieß, weiß ich gerade nicht mehr, und wenn ich jetzt ins Schlafzimmer und an meine Hose schleiche, um den Beipackzettel zu suchen, wacht L. auf - also morgen). Mit Spritze kam ich zurück in die Klinik, musste noch kurz warten und dann Blut lassen und mir die Spritze in den Bauch geben lassen. Wobei mir erklärt wurde: eigentlich darf ich das auch selbst, aber von diesen Spritzen brauche ich nur alle vier Wochen eine, und das Anmischen (Spritze in Ampulle stechen, Spritzeninhalt in die Ampulle drücken, alles gut schütteln, Ampulleninhalt zurück in die Spritze ziehen, alte Nadel ab, neue Nadel drauf, Luft raus und dann ca. ein Schnapsglas voll milchiger Brühe in den Bauch) ist ein bisschen komplizierter als Gonal - deshalb haben sie mir das gerne abgenommen. Während die Arzthelferin drückte, rettete ich den Beipackzettel aus dem Müll als Lektüre für die S-Bahn-Rückfahrt ins Büro. Und wieder mal machte ich die Beobachtung: egal, wie viel Kummer, Grübeleien, Wut und Verwirrung in meinem Kopf vorher geherrscht hat angesichts unklarer Aussichten, was das jetzt alles schon wieder werden soll mit noch mehr OPs und noch mehr Medikamenten, ein kurzer Besuch in der Klinik (das war bei der alten meist auch so) reicht, und plötzlich ist doch eigentlich alles gar nicht so schlimm. Wir downregulieren mich jetzt, genau! In vier Wochen bekomme ich noch eine Spritze, und auch der Rest des Plans klingt auf einmal ganz vernünftig und so, als wäre es genau das Richtige. Fein, fein.
Leider hatte ich die Zeit, die ich eigentlich beim Schnellitaliener in der Herbstsonne mit Pasta und einem Gläschen Rotwein zur Feier des Tages verbringen wollte, im Wartezimmer mit der Bunten verbummelt und musste mit meinen Schlabberschuhen zurück zur Bahn. Auf dem Weg dahin piepte mein Handy zum ersten Mal: L. hysterisch auf der Mailbox, er war gerade beim Friseur, und das Buch ist auf Seite vier der Bild. Fieberhafte SMSen mit Coautorin, Mädchen, dazwischen Telefonate mit L., für den das alles fast so toll war, als hätten wir auf Seite vier im Kicker gestanden. Dann zurück in die Firma und schon beim ersten Schritt ins Büro beinahe erschlagen von einer Arbeitslawine. Keine Zeit für aufgeregte Emails, Kontrollklicks bei amazon oder sogar Blogposts. Bis mir irgendwann in der ganzen Hektik auffiel: Diese Wölbung da unter deinem Pulli, die gehört da eigentlich nicht hin. Schnell mit Beipackzettel aufs Firmenklo: mein Bauchnabel steht jetzt, wie es in einem amerikanischen Film heißen würde, auf halb drei. Da, wo er eigentlich mal war, ist eine dicke, knallrote und ziemlich empfindliche Kugel, gefüllt, könnte ich mir denken, mit einem Schnapsglas voll milchiger Flüssigkeit.
Wieder mal zeigt sich: es ist auch nicht immer nur schlimm, so verfressen zu sein wie ich! Die Gazellen aus dem Nachbarbüro z.B. könnten nicht mit so einer Kugel rumlaufen, ohne alle zwei Minuten gefragt zu werden, was das denn bitte sein soll. Ich dagegen komme mit sowas durch (vielleicht ja auch, weil ich inzwischen auf die 40 zugehe und man dann nicht mehr ganz so nassforsch fragt, wenn sich plötzlich etwas Unschönes an der Figur tut...). Ein Blick auf den Beipackzettel zeigte, ich kann in den nächsten Tagen mit Durchfall, Verstopfung, Stimmungsschwankungen, Hautunreinheiten, Brustvergrößerungen und -Verkleinerungen und noch einigem anderen rechnen. Hormonkur! Yeiiiih!

So. 5:45. Hab ich irgend etwas vergessen? Arbeitsstress, Erscheinungstermin, Bildzeitung, Spritze, Kugelbauch. Damit zurück ins Bett.

Samstag, 9. Oktober 2010

Stell Dir vor, Du bist 37 und musst immer noch bei den Bundesjugendspielen ran.

Irgendwann vor ewigen Zeiten, als ich schwanger war und ständig noch mal, noch ein letztes Mal, in meiner alten Klinik anrücken musste zum Blut abnehmen, hat mich das an die Bundesjugendspiele erinnert. Als ich noch zur Schule gegangen bin, haben sie uns jedes Jahr versichert, das wäre jetzt das letzte Mal, dass wir uns bei Gluthitze einen Tag auf dem Sportplatz um die Ohren hauen müssen, um der Welt erneut zu beweisen, dass Kugelstoßen, Weitsprung und Werfen nicht unsere Stärken sind, während Sportlehrer zu Hochform auflaufen und sich von ihrer miesesten, trillerpfeifigsten Seite zeigen. Wirklich, nur noch dieses Jahr, jetzt kommt schon! Nächstes Jahr seid ihr ja dann schon junge Damen und müsst nicht mehr.
Als ob.
Jetzt ist es genau so. Ich weiß nicht, wie viele letzte Operationen vor der glücklichen Schwangerschaft ich inzwischen hatte. Eigentlich stand schon meine vorletzte Bauchspiegelung unter diesem Stern - das war, glaube ich, Dezember 2008. Zweimal hintereinander stand jetzt ein Arzt an meinem Bett, nachdem ich aus der Narkose wieder aufgewacht bin, und hat mir eröffnet, im Grunde wäre alles fabelhaft, aber ich müsste trotzdem noch mal ran. Seit ca. drei Jahren kann ich keinen Urlaub mehr planen, weil immer, wirklich immer mein Scheißbauch dazwischen kommt. Die kommende Woche - genauer gesagt, die Woche ab heute - sollte mit Herbstlaub, Sonnenschein, freundschaftlichem Geschnatter, Gekraxel, Rucksäcken voller Schinkenbrötchen und Kohlrabi und Quellwasser vergehen. Stattdessen liege ich hier mit derzeit fünf langsam zuwachsenden Löchern im Bauch und der Aussicht auf mehr davon, sobald sich mein Unterleib so weit erholt hat, dass ich theoretisch mal wieder Sport treiben, Schwimmen gehen, in die Sauna gehen oder - haha - einen Urlaub planen könnte. Und auch diesmal ist die Begründung: wir müssen das noch machen, denn sonst stehen die Chancen für eine Schwangerschaft ganz, ganz schlecht. Das Positive daran: auch ohne nur ein kleines Fitzeleinlinchen schwanger zu sein, bekomme ich so eine authentische Preview darauf, wie ein neugeborenes Baby das Leben der Eltern in Geiselhaft nimmt.
Ich bin stinksauer. Merkt man kaum, oder? Nicht auf die Ärzte, ich hab wirklich das Gefühl, in meiner neuen Kinderwunschklinik und auch in dem Krankenhaus, in dem ich jetzt zum zweiten Mal lag, in besten Händen zu sein. Aber bei meinem Bauch hab ich langsam einen gut. Wie wäre es z.B. mit spontan vier Kilo weniger? Das wäre ein schöner Anfang. Und nein, ich meine damit nicht vier Kilo relativ unkompliziert entnehmbare Endometriose.

Freitag, 8. Oktober 2010

Ich bin dafür, dass Endometriose verboten wird

Ich bin wieder draußen. Das ist schön. Weniger schön ist, dass ich demnächst wieder drin sein werde. Schon wieder.
Der Arzt hat gesagt, dass das ein ziemlich übler Fall von Endometriose ist, dass er sich nicht sicher ist, alles erwischt zu haben, dass er darum dringend eine Hormonkur vorschlägt, die mich vorübergehend in die Wechseljahre versetzt (Das Wort "Wechseljahre" verwenden wir bitte nicht vor L., gell?), und dass er danach gerne noch mal eine Bauchspiegelung machen würde, um sich zu überzeugen, dass nun auch wirklich alles klar ist für eine Schwangerschaft. Bis das so weit sein könnte, bin ich 38. Oh Mann.

Jedenfalls, ich bin wieder draußen. Ich liege im Bett, der Airedale liegt neben mir und zerkaut das Stück Biomöhrchen, das ich ihm abgegeben habe, ich soll noch ein paar Tage liegen und danach ganz langsam wieder durch die Gegend staksen. Meinen Wanderurlaub kann ich mir in die Haare schmieren, und ich habe fürchterliches Heimweh nach Wald, Hütte, altem Freund, Spätzle, Rehgulasch, unserem Geschnatter und all den Herrlichkeiten, die ich mir für diese Woche ausgemalt hatte.