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Montag, 6. Februar 2017

Ein paar der Dinge, die mir diese Schwangerschaft versüßen.

1. Stilfser.
Als einerseits Fresssack und andererseits paranoides, nervöses Fusselhirn hat man es in der Schwangerschaft nicht ganz leicht: einerseits möchte ich gut essen. Andererseits kommen mir da die ganzen Miesmacher und Rauner und Unker in die Quere, die so ziemlich alles verbieten wollen, was Spaß macht, und natürlich ist das alles Bullshit, aber irgendwas bleibt doch kleben und verdirbt alles. Mit Gouda und anderen Langweilerkäsen bis zum Stichtag kann ich mich aber auch nicht abfinden. Eine Lösung, die alle glücklich macht - oder jedenfalls mich - ist Stilfser. Es gibt ihn erstens an meinem Lieblingskäsestand auf dem Markt seit Monaten im Sonderangebot. Zweitens schmeckt er wie Rohmilch, ist es aber nicht. Drittens geht damit wirklich alles: so essen, an die Kinder verfüttern, überbacken, über Pasta oder Chili oder Risotto oder Minestrone oder Kartoffeln reiben, alles! Jetzt habe ich die Rohmilch-Frage erst mal abgehakt und kaufe einfach jeden Dienstag ein Riesenstück davon, damit hat der Käsejunkie in mir Ruhe. Und dieser Käse ist so lecker (irgendwo auf halber Strecke zwischen Cheddar und Appenzeller, würde ich sagen), dass ich das glaube ich auch nach der Geburt genau so weiter tue.


2. Auf lange Abende pfeifen.
Früher war da immer die große Angst, ich würde was verpassen, bzw. das ganze "Was wird aus meinem Leben?"-Drama. Diesmal war ich einfach so müde, dass es mir egal war. An 80% der Abende während dieser Schwangerschaft war ich irgendwann zwischen acht und neun im Bett. Und zwar auch deshalb, weil ich mich darauf verlassen kann, jede Nacht so gegen eins aufzuwachen und dann bis fünf keinen Schlaf mehr zu finden. Anders wäre es einfach nicht gegangen. Es gab Ausnahmen, aber die müssen es wert sein. Und? Habe ich was verpasst? Ein paar Tatorte vielleicht. Nichts, was mich ernsthaft umtreibt. Und irgendwann kommt das alles wieder, und dann sitze ich hellwach auf der Couch und freue mich drauf.


3. Bircher Müesli.
Schon lange mein Lieblings-Mitbring-Frühstück für Arbeitstage, jetzt für jeden Tag: Abends schlurfe ich als letzte Tat des Tages in die Küche, kippe einen kleinen Messbecher voll Müesli-Mischung aus der großen Blechdose in eine Tupperdose, fülle diese zu einem Drittel mit Milch und stelle sie in den Kühlschrank. Am nächsten Morgen kommen noch Quark, Honig und Tiefkühlfrüchte dazu, fertig ist ein Frühstück, das frisch schmeckt (und sich dadurch prima mit Morgenübelkeit verträgt), gesund ist und das Baby füttert (angesichts dessen, was ich sonst so esse, spricht eine Menge dafür, gleich morgens ein paar Vitamine, Eiweiß, mehrfach ungesättigte Fettsäuren etc. zu mir zu nehmen) und locker bis 14 Uhr vorhält. Ich glaube, diesmal versuche ich, in den ersten Monaten mit Baby damit meine Notmahlzeiten zu bestreiten statt mit Special K's.


4. Getränkeservice, amazon und all die anderen.
Diese Schwangerschaft war die erste, in der ich wirklich früh beschlossen habe, es mir leicht zu machen und manche Dinge einfach nicht mehr selbst nach Hause zu buckeln. Das würde ich jetzt immer wieder so machen und kann es wärmstens empfehlen.


5. Que sera, sera, liebe Hebammen.
Ich hatte eine Hebamme, eine sehr gute sogar. Dann hat sie mich vor ein paar Wochen angerufen und mir zerknirscht abgesagt, sie ist leider krank geworden und muss eine Weile aussteigen. Weil Hebammen in Hamburg selten und heiß umkämpft sind und ich dazu auch noch schrulligerweise in den Ferien entbinden werde, ist das ein Supergau. Eigentlich. Denn nach einem erfolglos zertelefonierten Vormittag und einem mittleren Nervenzusammenbruch habe ich mich gefragt: muss das wirklich sein? Ich hab doch schon zwei Kinder, in meiner Frauenarztpraxis gibt es Hebammen, die im Not- oder auch im Zweifelsfall auch mal das Baby angucken können, eine Waage hab ich selbst, und mein Kinderarzt sitzt auch um die Ecke, ganz zu schweigen von meiner Geburtsklinik. Und nun ist es eben so, ich schaff das schon. Bisher war es doch mit mir und den Hebammen immer so, dass ich nach dem dritten Besuch dachte, nun muss ich das auch nicht mehr haben, aber die Frau will ja ihr Geld verdienen, und wie sieht denn das aus, wenn ich sie jetzt rausschmeiße?

Dann eben ohne. So wie Milliarden Frauen, die nicht zufällig ihre Kinder im fürsorglichen deutschen Gesundheitssystem bekommen.


6. Meine Frauenärztin.
Genauer gesagt, ihr Ultraschall. Versteht mich nicht falsch, ich bin ein Riesenfan von ihr: sachlich, extrem fachkundig, verständnisvoll, freundlich, pragmatisch und einfach rundum gut, wie sie ist. Aber wenn man schwanger ist und dazu neigt, sich Sorgen zu machen, die nur durch konkrete, greifbare Untersuchungsergebnisse wirklich zerstreut werden können, dann ist ein gutes Ultraschallgerät in der Praxis Gold wert. Ich habe oft in den letzten Monaten an meine Ex-Ärztin und ihren Kartoffelsalat-Ultraschall gedacht und wurde von einer Welle der Dankbarkeit überflutet, dass ich da nun nicht mehr bin. Schwanger mit miesem Ultraschall ist wie Fußball-WM mit altem Schwarzweiß-Fernseher.



7. Phantom-Ohrenstöpsel.
Nachts hilft mir Ohropax beim Schlafen, tagsüber sorgen diese imaginären Wunder-Dinger für Ruhe und Frieden. Als Tipp taugt dieser Punkt leider nicht viel, denn ich hab auch keine Ahnung, woher diese Gelassenheit kommt, aber diesmal schaffe ich es erstaunlicherweise ganz gut, dicht zu machen. Egal, ob mich eine Kita-Mutter angesichts meines ersten Capuccinos des Tages fragt, ob ich tatsächlich Kaffee trinken darf, ob die Bäckerin mich eindringlich vor dem Schokofranzbrötchen warnt, weil Kakao doch Koffein enthält, oder ob die Dame von der Krankenkasse der Meinung ist, alles weniger als ein Jahr Elternzeit wäre unverantwortlich. Rarara, Bliblablo, hat jemand was gesagt? Schönen Tag noch!



8. COS.
Schwangerschaftsjeans müssen sein, der Rest diesmal irgendwie nicht. Zum Glück gibt es COS. Die ewigen weiten, kastenartig geschnittenen Oberteile und Hängerchen, die mir sonst ehrlich gesagt ein bisschen auf die Nerven gegangen sind (weil extrem wenig schmeichelnd für meine Figur), kommen mir jetzt gerade richtig. Der Bauch passt rein, und wenn das Baby auf der Welt ist und ich langsam wieder normale Formen annehme, dann kann ich die Dinger immer noch anziehen, Kastenform hin oder her, und habe kein Geld für Kleider ausgegeben, die ich am Ende nur drei Monate lang wirklich trage. (Für Schwangerschaftsjeans werde ich dagegen auch nach der Schwangerschaft definitiv noch Verwendung haben. Heute wird mein neues Waffeleisen geliefert.)



9. Mein Dufflecoat.
Wer keine Lust hat, sich acht polyesterige Schwangerschaftstops bei H&M zu kaufen, hat erst Recht keine Lust auf die schäbigen Anoraks aus der Mama-Abteilung. Ich hatte auf meinen Dufflecoat gehofft, und er hat meine Hoffnungen bisher nicht enttäuscht: in die Dinger passt eine Menge Baby rein. Meiner ist ein tonnenschwerer Hamburger Klassiker von Ladage & Oelke in Dunkelblau, den ich beschämend billig auf ebay gekauft habe. Er bringt mich jetzt durch den dritten Winter, achter Monat hin oder her. Es könnte gut sein, dass ich versuchen werde, das Baby im Babybjörn da mit reinzuknöpfen, sollte der Frühling auf sich warten lassen. Ich bin mir da sogar ziemlich sicher.



10. Tageszeitungen.
Wer sich vom neuen Mutterglück nicht aus der Welt drängeln lassen will, hat eine einfache und wirkungsvolle Option: statt neunmalklugen Ratgeberbüchern einfach öfter mal Zeitung lesen. Ich kann gar nicht sagen, worin der Zauber besteht - eigener Pipikram-Ärger relativiert sich angesichts von Weltkrisen, erweiterter Horizont, Futter fürs Gehirn, Ablenkung oder was auch immer - aber mir tut das gut.

Dienstag, 20. September 2016

Mach mal weniger Ausrufungszeichen.

Ganz allmählich legt sich die Schnappatmung. Selbst die größte Aufregung nutzt sich irgendwann ab: WAAAAAAAH! EIN KIND!!!!!! UND ALL DER ALKOHOL!!!! UND DIE FLUPPEN!!!!!!!! UND MEIN JOB!!!! UND MEIN LEBEN!!!! UND MEINE NERVEN!!!!!! UND MEINE BEZIEHUNG!!!!! Und überhaupt, irgendwann geht das Fusselhirn erst in normale Groß- und Kleinschreibung über und dann zum Entspannen und Freuen und dann kommen auch schon all die kleinen Popel-Aufreger um die Ecke. Zum Beispiel der, dass wir in den letzten sechs Monaten systematisch den Babykram losgeworden sind: Fläschchen-Sterilisier-Gerät, Riesenlaufstall, Doppelkinderwagen, Maxi-Cosi in Tipptoppzustand, Babybay, Stubenwagen, Mini-Strampler und -Schlafsäcke und -Mützchen und all der andere Kram: alles unwiderruflich weg. Oder der, dass H&M zum ersten Mal nicht die übliche Bank für Schwangerschaftskram ist: wieso gibt es da gerade acht verschiedene Skinny- und Super-Skinny-Jeans und keine einzige meiner stinknormalen guten alten Schwangerschaftsjeans, auf die ich mich jetzt seit drei Wochen freue, nämlich seit mein Viermonatsbauch aussieht wie ein Sechsmonatsbauch? Und wieso ist natürlich wieder etwas, diesmal nämlich die Nabelschnur, die nur eine Arterie hat? (Spezialistinnen unter den Lesern: ich weiß, dass das hoch korreliert mit manchen Gendefekten, aber die haben wir schon so gut wie sicher ausgeschlossen.)

Und dann liege ich da auf der gepolsterten Bank, und die Ärztin glitscht mit dem Ultraschalldings auf meinem Bauch herum, und sie sagt, dass das Gesicht gut aussieht. Und das Zwerchfell. Und der Kopf und das Gehirn. Das Herz sowieso. Die Füße sind diesmal gerade, alles ist richtig lang und richtig groß und auch sonst völlig in Ordnung, und ich habe wieder ein bisschen weniger Angst vor meinem schlimmsten Albtraum - einem FAS-Baby - und dann sagt sie: "Ach ja. Hab ich schon gesagt? Es wird ein Mädchen."

Ein zähes kleines Luder! Mit kleinen Gummistiefeln und Krusten am Knie und Latzhosen! Und mit Glitzeraufklebern und Snoopy-Spardose und Wendy-Heften! (Gibt es die noch?) Und jetzt rege ich mich erst mal über gar nichts mehr auf, weder groß noch klein. Ich schaffe das nämlich. Mundwinkel hoch, Rücken gerade, Bauch raus.

Dienstag, 6. September 2016

Ihr habt's vielleicht geahnt. Ich jedenfalls nicht.

Einmal im Jahr, so ungefähr zwischen Mitte Mai und Mitte Juni, bekommt mein Fusselhirn eine Extraaufgabe. Dann taucht neben all dem anderen Kram, der mir ständig unverlangt durch den Kopf spukt, auch noch das Thema auf, was denn nun mit den Eizellen wird? Den befruchteten Eizellen, die damals übrig waren, weil das mit Michel so sensationell und unerwartet schnell geklappt hat, nämlich gleich beim ersten Versuch nach Kalle. Die liegen bis heute im Kryoschlaf in einem Labor irgendwo in Altona (nehme ich an), und immer um diese Zeit kommt die Jahresrechnung für die Lagerung. Die Rechnung besteht aus einem freundlichen Anschreiben, dem Überweisungsvordruck und einem Formular, das man ausfüllen und abschicken soll für den Fall, dass man keinen Wert mehr legt auf diese Eizellen. Darauf gibt man dann an, feierlich und für immer, dass die kleinen Tiefkühlwürmchen entweder der Forschung zur Verfügung gestellt werden oder direkt aufgetaut und vernichtet. Vernichtet! Vernichtet. Ich war immer ein entschiedener und bei Gelegenheit auch extrem und lautstark überzeugter Abtreibungsbefürworter, selbst zu unerfülltesten Kinderwunschzeiten - jede Frau soll das selbst bestimmen können, da hat ihr kein Kirchengreis und kein CSU-Landrat reinzuquatschen. Aber es war auch immer schon ziemlich sicher, dass sich kaum Umstände denken lassen, unter denen das FÜR MICH in Frage kommt. Nicht vor der Kinderwunschzeit, nicht währenddessen (Ach?) und auch nicht danach. Und obwohl ich schon zwei mal im Leben die Pille danach genommen habe, fühlte sich dieser Embryo-Vernichtungsbogen doch anders an. Nämlich so, dass ich ihn irgendwie nicht ausfüllen und abschicken konnte, auch wenn klar war - aus hundert vernünftigen Gründen - dass ein drittes Kind ein Schnapsidee wäre. Dazu gleich noch. Die jährliche Lagerungsgebühr war zwar nicht gerade wenig, aber trotzdem ein Schnäppchenpreis dafür, diese für mich schier nicht zu treffende Entscheidung noch ein weiteres Jahr aufschieben zu dürfen. Zum Beispiel so lange, bis ich es mir anders überlege. Oder wirklich zu gebrechlich für noch ein Kind bin. Oder bis das Thema Eizellenspende gut geregelt ist. (Ich merke gerade, dass dieses ethisch ziemlich komplizierte Thema mich jetzt gerade, an diesem sonnigen Vormittag mit meiner Tasse Tee am Rechner, fürchterlich überfordert, also lasse ich das jetzt und komme vielleicht endlich zum Punkt. Welcher war das noch mal? Da war doch was...)

Ende Mai habe ich die Rechnung bezahlt, und Ruhe war, wenn auch natürlich nur wieder Ruhe auf Zeit. Das Fusselhirn gab Ruhe, und fast zeitgleich fing der Fusselbauch wieder an, Ärger zu machen. Nach einem Jahr voller Splatter-Perioden hatte ich plötzlich gar keine mehr, stattdessen fiese Dauerblutungen und ab und zu auch fiese Schmerzen. Der letzte Ultraschall sah danach aus, als wäre die Endometriose wieder stark im Kommen, da waren merkwürdige Einschnürungen oder was weiß ich, jedenfalls hatte mir meine Ärztin in Aussicht gestellt, irgendwann in den nächsten Monaten könnte es sein, dass wir eine neue Bauchspiegelung ins Auge fassen sollten. Ich dachte, na gut - nicht schön, aber andererseits, welche Mutter von zwei kleinen Kindern sagt schon nein zu drei Tagen im Krankenhaus allein mit ihrem Kindle? Jetzt schien es so weit zu sein. Ich hatte also einen Arzttermin, zu dem konnte ich aber nicht gehen, denn zwei Stunden vorher hat mir Kalle eine Magen-Darm-Grippe aus der Hölle verpasst. Dann habe ich es für ein paar Wochen aus den Augen verloren, wir haben die Kinder getauft, da war einiges zu organisieren, ich habe wieder richtig zu arbeiten angefangen, endlich, und dann sind wir für ein paar Tage nach London geflogen, L. und ich. Inzwischen war meine letzte Periode sechs Wochen her, und ich dachte - kann ja eigentlich nicht sein, aber ich mache wohl mal einen Test. Der Test war negativ. Ich holte von Zeit zu Zeit mal meinen Kalender vor und guckte, wann ich denn wohl Zeit für einen Arzttermin und einen kurzen Krankenhausaufenthalt haben würde, aber so dringend war es ja nicht, und viel Luft war da auch nicht - ich wurschtelte also weiter so vor mich hin, wozu gibt es Tampons? Dann stand eine große Hochzeit ins Haus, und immer noch keine echte Periode. Inzwischen war Mitte Juli. Ich habe noch mal einen Test gekauft, diesmal einen poshen Clearblue mit Sprachanzeige. Negativ. Urlaub, Arbeit, mehr Arbeit, Kinderbetreuen, Kitawechsel, Schmierblutungen. Und dann, vor zweieinhalb Wochen, reichte es mir doch, und ich hatte wieder mal einen Arzttermin. Ich dachte, vielleicht kriege ich die Bauchspiegelung sogar noch im September unter, bevor wir für eine Woche an die See fahren? Und vor der Hochzeit einer meiner besten Freundinnen? Am Vorabend saß ich noch mit meinen Freundinnen am Küchentisch, es gab ordentlich Vinho Verde und auch bestimmt zehn Kippchen. Auf dem Heimweg hatte ich noch kurz den Impuls, noch eine zu rauchen, dachte dann aber aus irgend einem Grund, ach lass mal.
Und dann saß ich vor meiner Ärztin und erzählte ihr das alles. Sie kennt mich noch nicht so lange, ich war vorher erst einmal bei ihr, denn die Ärztin aus der gleichen Klinik, die die Schwangerschaften betreut hat und gründlich im Bilde über all den Abkürzungskram in meinem Bauch ist, die lebt inzwischen im Rheinland. Also habe ich erzählt und erzählt. Dann bin ich auf den Stuhl gestiegen, Abstrich, weitererzählt. Inzwischen machte sie das Ultraschall-Dings klar, und ich dachte noch für eine Sekunde, bitte kein Krebs - bitte nur die gute alte Endo. Und dann sagte sie: "So, und jetzt unterbreche ich Sie nur ungern, aber - "
Und da war es. Auf dem Schirm. Ein Würmchen, eindeutig. Mit Kopf, Armen, Beinen, Herzschlag. "Ich würde sagen, 9 plus drei", sagte die Ärztin. Ich sagte erst mal gar nichts mehr und dann eine Menge.

Ich war noch nie in meinem ganzen Leben so dermaßen geschockt.

Denn das konnte, ehrlich, das konnte nicht sein.
Erstens bin ich unfruchtbar.
Zweitens 43.
Drittens gab es ehrlich gesagt nur eine Gelegenheit, überhaupt schwanger zu werden, in den letzten Monaten.
Viertens lag zu diesem Zeitpunkt meine letzte Periode schon viele, nämlich fünf Wochen zurück.
Fünftens ist die Endometriose gerade angeblich noch schlimmer als damals zu schlimmsten Abkürzungszeiten.
Sechstens war das nicht so abgemacht.
Siebtens läuft es gerade zwischen L. und mir streckenweise nicht besonders rosig. Auf jeden Fall nicht gerade "Wäre es nicht wunderbar, unserer Liebe ein weiteres, speckbeiniges kleines Denkmal zu setzen, mein Zuckerschnütchen?"-mäßig rosig.
Achtens habe ich nicht einen, sondern zwei Tests gemacht, und jetzt kommt mir nicht mit "vielleicht hast Du den falsch angewendet", wenn einer weiß, wie Schwangerschaftstest geht, dann ja wohl wir Abkürzungsdamen. Der erste Test war vielleicht noch ein bisschen zu früh, der zweite - da war ich in der siebten Woche.
Neuntens - und Schlimmstens - war das nicht der Sommer des Kamillentees und der Vollkornbrote. Wir waren auf zwei Hochzeiten, von denen eine nachts um vier nach reichlich Gin Tonics endete. Fast jeden Mittwoch saß ich an besagtem Küchentisch, vor mir ein stets gut gefülltes Glas Weißwein und eine zunehmend leerere Schachtel Kippen. L. und ich waren in einem Urlaub, in dem es eine Woche lang jeden Abend ein bis anderthalb Gläser Wein im Restaurant gab und wir hinterher in unserer Wohnung noch eine Flasche Wein aufgemacht haben. Ehrlich gesagt war das mein erster Gedanke, während ich da so breitbeinig und plötzlich im dritten Monat auf dem Stuhl hing. Nicht-Abkürzungsdamen schockt das vielleicht weniger - wenn man erst in der fünften oder sechsten Woche aus heiterem Himmel von einer Schwangerschaft erfährt, dann wäre man schon ein sehr, sehr braves Mädchen, wenn die letzten paar Wochen zufällig sowieso alkoholfrei gewesen wären. Aber nach einer IVF ist von der ersten Minute an Ausnahmezustand, und wer auch nur mit dem dicken Zeh über die Linie in verbotenes Terrain piekt, ist ja wohl selbst Schuld und muss sich nicht wundern, wenn jetzt alles schief geht. Bei Kalle und Michel war ich brav! So brav! Ich habe fast einen hysterischen Anfall bekommen, als ich einmal versehentlich in ein mit Mayonnaise geschmiertes Brötchen gebissen habe. So war ich! Nicht immer, aber oft genug. Und jetzt das: gesoffen, geraucht wie ein Schlot, von Sushi wollen wir gar nicht reden. Wieso muss das jetzt passieren? Nach diesem Sommer? Im Frühjahr z.B. hätte das glatt passieren können - sechs zufällig so gut wie alkoholfreie Wochen. Wieso Wieso Wieso?

Die Ärztin hörte sich das alles an und sagte dann, vermutlich wäre alles gut gegangen, ich sollte aber zur Sicherheit und zur Beruhigung bitte einmal mit Embryotox sprechen, die nun mal die Spezialisten für jede Art von Chemie sind, die einem Embryo schaden kann oder nicht. Das habe ich dann getan. (Natürlich hab ich auch gegoogelt, ich bin auch nur ein Mensch. Sollte hier eine mitlesen, der es ähnlich geht wie mir - gibt es so jemanden? Außerhalb von RTL2? Eine plötzlich schwangere Unfruchtbare, die es erst Mitte dritter Monat merkt? Nein? Komisch. Jedenfalls - ich denke die ganze Zeit drüber nach, aber mir fällt kein Thema ein, bei dem Googeln eine noch schlechtere Idee ist. Wirklich keins.) Embryotox wollte genau wissen, wann ich wie viel wo von getrunken habe, dann haben sie all das (es war eine Menge) in ihren Rechner eingegeben, und das Ergebnis war, dass vermutlich tatsächlich alles gut gegangen ist, eine Garantie gibt es nicht, aber die Aussichten sind sehr gut, dass Würmchen dieses wochenlange Discofieber überstanden hat. Und wehe, irgend eine will das jetzt mit aller Gewalt falsch verstehen und denkt, dieser Blog würde Werbung dafür machen, in der Frühschwangerschaft noch mal ordentlich reinzuhauen. Wehe!

Und jetzt?
L. hat es mit fröhlicher Fassung getragen. Als ich totenbleich nach Hause kam und ihm die Nachricht überbrachte, stellte sich heraus, dass er sich im Gegensatz zu mir tatsächlich Sorgen um meine Gesundheit gemacht hatte und erleichtert war. Außerdem ist das ein 1a Vorwand für seine Lieblingsbeschäftigung: nach noch größeren, noch tolleren Wohnungen zu gucken. Ich bin immer noch schwanger, seit gestern im vierten Monat. Embryotox hat mir empfohlen, doch bei den ersten Scans besonders genau hinzugucken, denn die Schäden in der Frühschwangerschaft durch Alkohol sind im Zweifel welche, die man mit etwas Glück sehen kann - ein zu kleines Hirn, ein zu kleiner Kopf, Organschäden usw. Meine Ärztin ist rührend und macht das jetzt einfach so, so dass ich jetzt innerhalb von zwei Wochen zwei extragründliche Super-Ultraschalls bekomme. Der erste war unauffällig, der Harmony-Test auf die häufigsten genetischen Störungen auch, und in neun Tagen habe ich noch einen Scan, bei dem man hoffentlich schon mehr sehen kann. Ist der auch gut, dann bekomme ich tatsächlich noch ein Kind. Einfach so. Ohne Menogon, Enantone, Gonal, Crinone, Utrogest und ohne Einnistungsspritze. Manchmal denke ich, ich stehe immer noch unter Schock. Meistens sogar. Manchmal freue ich mich fürchterlich. Manchmal denke ich, ich bin vollkommen bescheuert und schaffe das nie. Manchmal denke ich, aber ich habe doch gerade erst den Bandscheibenvorfall und die Beckenbodenschwäche hinter mir, gerade kann ich wieder arbeiten, gerade kommen die Kinder beide in die gleiche Kita in Laufentfernung, gerade wird es leichter und lustiger hier, gerade fängt Michel an zu sprechen und gerade haben wir fast den ganzen Babykram den Flüchtlingen gespendet oder verkauft. Dann freue ich mich wieder, und dann stehe ich wieder unter Schock. Und der Alkohol macht mir immer noch Angst, so schlimm, dass ich trotz der netten Ärztin von Embryotox manchmal kaum Luft bekomme.

Und jetzt ihr. Was sagt man dazu?

Samstag, 8. März 2014

Wie die Karnickel.

Hab ich euch schon mal erzählt, dass ich als Schulkind mal drauf und dran war, pfeifend vor einen heranrasenden Krankenwagen zu spazieren, der aus unerfindlichen Gründen mit Tempo 80 über die rote Ampel unterwegs war und keine Sirene anhatte, und ein fremder Mann, an dessen Gesicht ich mich noch nicht mal mehr erinnern kann, mich hinten am Griff meines Scout-Ranzens packte und zurückzog?
Oder, wie oft ich schon fast mit dem Auge in einen spitzen Ast gerannt bin? Oder, wie oft ich schon aus großer Höhe und kopfüber gefallen bin und mir dabei nie mehr geholt habe als Nasenbluten und ein paar Sternchen vor den Augen? Oder die unzähligen Sprünge nachts in unbekannte Gewässer, die nicht mit Querschnittslähmung endeten, sondern mit... einfach gar nichts? Oder, wie ich einmal allein im Wald spazieren war und ein fremder Mann mir nachlief, und wie ich dem einfach weggerannt bin und er es nicht geschafft hat, mich einzuholen? Eine Viertelstunde lang? Bis ich an ein Dorf kam und in Sicherheit war? Oder wie oft ich schon nachts allein in meiner Nuckelpinne unterwegs war und dank meiner endlässigen und längst ausgestiegenen Freunde einen fremden Tramper mit an Bord hatte, der mir nichts getan hat, sondern einfach friedlich ausgestiegen ist und sich bedankt hat? A propos Nuckelpinne: von den zahlreichen Unfällen, die ich ohne einen Kratzer überstanden habe? Von den... ach, von den hunderten anderer Gelegenheiten, bei denen ich unfassbares Glück hatte?

Und jetzt bin ich schwanger. Schon wieder. Vielleicht bleibe ich es sogar, wer weiß? Vielleicht bekommt mein IVF-Wunderkind noch eine Wunderschwester oder einen Wunderbruder. Wenn ich kein Glückskind bin, dann weiß ich es nicht.

Liebe Abkürzungsdamen, 2014 ist ein gutes Jahr für Abkürzungsbabys. Ganz bestimmt! Vielen Dank für all die reizenden Kommentare. Wenn ihr nur einen Bruchteil so viel Glück habt wie ich, dann klappt das doch jetzt hoffentlich?

Ich kann es immer noch nicht fassen. Es fühlt sich die ganze Zeit so an, wie vermeintlich an einem Montag aufzuwachen, und dann plötzlich zu merken, dass Sonntag ist. Und zwar der erste Sonntag der langen, langen Sommerferien. Irgend etwas Besonderes muss ich doch jetzt tun? Sieben Blumensträuße über das Haus verteilen? Kuchen für die Nachbarn backen, auch für die garstigen, mit denen wir immer diesen bescheuerten Ärger um die Mülltonnen haben? Vorerst feiere ich den Tag mit einer Tasse Tee und damit, Rasmus dabei zu beobachten, wie er sonnigster Laune mit seinem Holzdackel spielt und dazu pffff-brwwww macht. Und sich auf Gesellschaft freut.

Dienstag, 6. August 2013

Was mir gar nicht fehlt.

Schnürschuhe zubinden mit Bauch.

Noch weniger: Schnallenschuhe zuschnallen mit Bauch. (Ich spreche von euch, kniehohe Biker Boots.)

Das Brie-Schinken-Muscheln-Sushi-Salami-Feta-Oliven-Alkohol-Aioli-Lachs-Rohmilch-Embargo.

In einer etwas schludrigen Haltung plötzlich husten zu müssen und auf einmal höllische Schmerzen im Bauch zu haben.

Überallhin mit Klinikkoffer fahren.

Die "Und?"-Anrufe und -SMS.

Unaufgeforderte Ernährungsberatung von Wildfremden auf der Straße und im Supermarkt.

Meine völlig durchgenudelten zwei gestreiften H&M-Schwangerschaftsoberteile, bei denen diese elastischen Bänder an der Seite zum Einstellen der Weite (die eh kein Mensch braucht) schon bis zu den Füßen gehangen haben und die am Ende schon diese leicht andere Körnung im Stoff unter den Armen hatten.

Meine Schwangerschafts-Apps.

Die idiotischen Fragen in "What to expect". ("Bringt es Unglück, wenn ich von Babys träume?")

Fünf Treppenstufen hochgehen und einen Kreislaufkollaps erleiden.

Eisentabletten morgens um vier.

Schwangerschaftsyoga.

Leute, die der Meinung sind, ich dürfte jetzt aber XY nicht mehr tun, weil ich schwanger bin. ("WAS, du fährst AUTO?")

Der Wartebereich am Kreißsaal des UKE.

Die Tiefgarage des UKE.

Der wiederverwendbare, mit ollem Ultraschallgel getränkte Stoffgurt für das CTG, den ich wegen der Müllvermeidung ins UKE immer wieder mitbringen musste. (Hätte ich niemals aufgehoben, wenn ich damals schon gewusst hätte, dass wenig später auf der anderen Seite der Glastür zur Wochenstation täglich ca. 60 Liter ungetrennter Mischmüll pro Nase anfallen, um die sich kein Mensch schert...)

Die einzige zu sein, die in Kalles Ultraschallfotos irgendwie so gar nichts erkennen kann.

Das Saufnäschen und die Saufbäckchen in meinem Gesicht. Bei Menschen ohne Couperose macht Schwangerschaft "rosig" und "strahlend". Bei Menschen mit... ohje, ohje.

Nicht zu wissen, ob Kalle gesund ist.

Nicht zu wissen, ob Kalle niedlich ist.

Nicht zu wissen, ob Kalle von Anfang an mein Baby sein wird.

Zupfmassagen.

Sieben Klogänge pro Nacht.

Schwangerschaftstee.

Schmierblutungen.

Der Kartoffelsalatultraschall meiner alten Ärztin. Und die Kartoffelsalatkommentare, mit denen sie ihm erst noch die richtige Würze verliehen hat. "Oha." "WAS?" "Ach, nichts. ... Vermutlich."

Müde sein ab neun. Ins Bett müssen um halb elf. Dann trotzdem nicht schlafen und dabei genau wissen, dass das hier gerade die letzten Wochen mit einer Chance auf Nachtruhe sind.

Donnerstag, 10. Januar 2013

Kate, vielleicht auch Jen und dann noch eine.

Liebe Abkürzungsdamen, ich habe euch etwas zu sagen. Wo ist denn hier der Knopf für bombastische Soundeffekte? Die könnte ich jetzt gut gebrauchen, denn ich habe die ungefähr dickste Nachricht seit Existenz dieses Blogs, und wir hatten schon viele dicke Nachrichten. Außerdem würde mich nerdiges Herumbasteln mit Animationen und SFX über diesen Moment retten, denn die Situation ist zugegebenermaßen reichlich seltsam. Seltsam, großartig, unfassbar und noch so ungefähr hundert andere Dinge. Also schön, raus damit:


Ich bin schwanger.


Für viele von euch ist das überhaupt keine Überraschung, die bitte ich um Entschuldigung, wenn sie jetzt mit einer anderen Superdupernachricht gerechnet hatten und ein Gähnen nur mühsam unterdrücken können. Immerhin waren die Hinweise in meinem Blog auf das, was sich da in Legehennes Blog tut (die zufällig in haargenau der gleichen Situation wie ich mit zufällig genau dem gleichen Umfeld und der gleichen gynäkologischen und Abkürzungsvorgeschichte und zufällig auch mitten im Adoptionsbewerbungsverfahren schwanger wurde) extrem durchschaubar.

Aber vielleicht der Reihe nach: ich habe also mehr oder weniger klammheimlich einen zweiten Blog angefangen, in dem zuerst von einer IVF geschrieben (negativ) und dann von einem Kryoversuch berichtet, und diesmal, bei Versuch Nr.13, mit drei nicht besonders bis überhaupt nicht vielversprechenden Eizellen aus der Tiefkühle hat es geklappt. Und klappt immer noch. Jetzt bin ich im vierten Monat, genauer gesagt, seit heute in der fünfzehnten Woche. Nach all der Zeit, in der ich hier im Eiertanz auf nichts anderes hingefiebert habe, hat es hier nicht stattgefunden. Wie kann das angehen?

Wir hatten darüber schon mal richtiggehend Stunk in den Kommentaren, wie richtig oder falsch das ist. Ich kann nur versuchen zu erklären, wieso, und eigentlich finde ich es gar nicht so schwer nachvollziehbar. L. und ich hatten uns entschieden, uns um ein Adoptivkind zu bewerben. Denn eigentlich waren wir schon sicher, dass es auf dem normalen Abkürzungsweg nicht mehr klappt. Mein letzter positiver Test war im Sommer 2009, seitdem: nichts. Und selbst wenn ich noch mal zwei Linien gezaubert hätte, hätte ich fast fest damit gerechnet, dass ich das kleine Wunder wieder verliere. Also haben wir unsere Bewerbungen geschrieben, fünf Gespräche geführt, sind zu dieser bescheuerten Betreuungsgruppe gegangen und haben wieder mal hochleistungsgehofft: dass irgendwann der Anruf kommt, und dass das Kind dann unser Kind ist und bleibt. Die Chancen, da hatten sie uns schon vorgewarnt, waren nicht besonders gut. Zu viele kinderlose Paare, zu wenig Mütter, die ihr Kind tatsächlich für immer weggeben wollen. Aber gehofft haben wir. Von all dem, was die Dame von der Behörde uns erzählt hat, fanden wir so gut wie alles nachvollziehbar, gut und richtig. Das Einzige, was uns zu knuspern gab, war das: Paare, die adoptieren wollen, dürfen keine eigenen Kinder kriegen. Haben sie schon welche, bekommen sie sowieso kein Adoptivkind mehr. Werden sie während des Verfahrens schwanger, auch nicht. Und haben sie tatsächlich das große Los gezogen und dürfen adoptieren, sollten sie trotzdem weiter verhüten bzw. keine Kinderwunschbehandlungen mehr machen. Wieso, hat uns dort nie jemand richtig erklärt. Das Wort "Trauma" fiel zwar ständig, aber wurde dann auch so stehengelassen, und wenn wir den Betreuungsgruppenpsychologen weiter dazu befragen wollten, schwoll ihm eine Ader an der Stirn. Dagegen hat sich etwas in mir gesträubt, und zwar mit Macht. Ich konnte sofort verstehen, dass die Behörde über unsere Beziehung Bescheid wissen sollte und sich ein Bild davon machen sollte, wie wir selbst aufgewachsen sind. Dass es wichtig sein könnte, womit wir unser Geld verdienen und wie diese Jobs auf ein Adoptivkind reagieren würden. Aber in unsere Verhütungsgewohnheiten und medizinischen Entscheidungen lasse ich mir von niemandem reinquatschen, nicht ohne eine Begründung, die ich verstehen kann. Ohne große Hoffnung und weil wir immer noch nicht wussten, ob wir überhaupt als Bewerber angenommen werden (das zieht sich nämlich eine ganze Weile), hatten wir im Frühjahr noch eine IVF gemacht. Die ging schief. Jetzt waren wir zwar angenommen, hatten aber noch drei Tiefkühlzellen übrig. Hätten wir die vergammeln lassen sollen auf die vage Aussicht hin, dass wir vielleicht mit ganz, ganz viel Glück einen Anruf von der Behörde bekommen (der bis heute nicht gekommen ist)? Wir haben den Versuch gemacht. Bei der Behörde hatte ich zwar gesagt, meine letzte IVF wäre im Januar gewesen statt im April, aber in jedem anderen Punkt war ich ehrlich gewesen. Die wussten von diesem Blog. Ich wusste zwar nicht, ob sie mitlesen, aber das Risiko wollte ich nicht eingehen. Gar nicht darüber schreiben wäre aber auch nicht gegangen, man kann nicht seit drei Jahren über jede Spritze bloggen und dann plötzlich einfach die Klappe halten. Also habe ich einen zweiten Blog angefangen und in den Hinweisen darauf im Eiertanz ziemlich klar gemacht, wer da schreibt und warum. Ich dachte, es ist nur für zwei, drei Wochen, bis ich wieder meine Tage bekomme. Ich dachte, auch dieser Versuch geht in die Hose, und dann war es das, und wir hoffen wirklich nur noch auf die Adoption. Ich dachte, die kleine Schummelei flutscht so durch. Und dann war der Test positiv. Ich dachte, beim ersten Ultraschall stellt sich heraus, dass es eine Eileiterschwangerschaft ist oder ein Windei. Bei jedem Klogang habe ich zitternd vor Angst auf das Papier gestarrt und jedes Mal mit einem Blutsturz gerechnet. Nichts. Der erste Ultraschall war gut. Dann der zweite. Jede Woche hatte ich einen Termin, bei dem ich mit dem Schlimmsten gerechnet habe. Was sage ich: immer noch war jeder Klogang (und davon gab es eine Menge) ein Termin, bei dem ich mit dem schlimmsten gerechnet habe. Aber die Wurst hatte sich festgebissen und wollte bleiben. Also musste ich weiter doppelbloggen. Die Frage war, wie lange? Bis in die zehnte Woche? Oder bis in den vierten Monat? Bis zum Ersttrimesterscreening? Bis zur 24. Woche, wenn ein Frühchen schon eine Chance hat, zu überleben? Bis zur Geburt oder bis zur Konfirmation? Es war immer klar, dass es so nicht ewig weitergehen kann. Es war aber auch klar, dass ich nicht mit einem positiven Test in der Hand direkt die Behörde anrufe, nicht nach meiner Fehlgeburt in der zwölften Woche.

Diese Woche war das Screening. Alles war gut, so gut, dass ich seitdem das Grinsen kaum noch aus dem Gesicht bekomme. Die drei angeditschten, spätentwickelten Kryoeier haben sich tatsächlich durchgekämpft, zumindest eins davon. Und jetzt ist endlich Schluss mit dem Quatsch. Für wen das wirklich als Überraschung kommt, der kann gerne in der Legehenne jetzt noch nachlesen, was in den letzten Monaten so passiert ist. Ich freue mich aber sehr, dass der Affentanz ein Ende hat. Ich war als Legehenne nie voll dabei, denn das hier ist nun mal mein Blogbaby, und ich freue mich, nachdem hier schon von so vielen Pleiten berichtet wurde, endlich über meinen Kugelbauch, die Ultraschalls und alles, was sonst noch auf uns zukommt berichten zu können. Ich hoffe, ihr versteht, was das sollte, und könnt mir den Mummenschanz verzeihen.





Freitag, 27. November 2009

Wie die katholischen Karnickel.

Schwanger. Ich fasse es nicht.

Mein Wert ist zwar "ziemlich gut", aber "zur Sicherheit" machen wir weiter mit Estrifam und Crinone, und ab naechster Woche bekomme ich zwei Progesteron-Spritzen (falls ich das mit miesem Empfang im dicksten Wochenend-Verkehr richtig verstanden habe) woechentlich. Erscheine ich euch zu cool und abgeklaert? Dieser Blog bietet noch nicht die Moeglichkeit, dass man beim lesen z.B. ueber die Schriftfarbe erkennen kann, wie ich mich fuehle (so wie bei Kraken), aber ich kann euch versichern, wenn ich der Heultyp waere, wuerde ich jetzt heulen vor Glueck. Wuerde ich ehrlich!

Und dann hatte ich heute auch noch das bisher netteste Vorstellungsgespraech meines Lebens (und ich hatte schon Vorstellungsgespraeche... Anderes Kapitel.) Fuer einen Job ab dem ersten Januar. Kann mir das mal jemand so erklären, dass ich es verstehe, wieso das gerade jetzt passiert? Wo ich seit April mit viel Energie und finanziellem Aufwand versuche, schwanger zu werden?
Am Besten Spiele ich noch schnell Lotto. Scheint mir so ein Tag zu sein.

Freitag, 10. Juli 2009

Vortrauer ist die dümmste Trauer

Die Mutter meines Vaters war der ängstlichste Mensch der Welt. Jede noch so harmlose Situation konnte in ihrem dicken, wirren Kopf sofort in eine Katastrophe umschlagen. Bei jedem Abschied brach sie in Tränen aus aus Angst vor Autounfällen. Ich weiß nicht, wie oft sie mir eingeschärft hat, ich dürfte nicht mit Fremden ins Auto steigen, auch wenn sie Schokolade hätten. Ist gut, Oma. Wenn es Hühnchen gab (und sie machte das beste Hühnchen der Welt), schaute sie mit angstgeweiteten Augen panisch um sich, weil sie Angst hatte, eins von uns Kindern würde den spitzen Knochen am Hähnchenschenkel verschlucken und daran ersticken. Sie kam sogar ins Schwitzen, wenn ich in ihrem Rührfix Sahne schlagen durfte, lief händeringend um mich herum und japste „Aber keine Butter machen! Keine Butter machen!“ Egal, wie gemütlich und nett man es gerade hatte, ihr Kopf war immer ausgerichtet auf die Katastrophe, die in der nahen Zukunft lauern könnte (und die nie kam. Weder die Butter, noch der Knochen, noch der Schokoladenmann, noch der Autounfall.)
Diese Oma vertrat die Theorie, im Winter dürfte man auch im Haus nicht zu warm angezogen sein, denn wenn man später nach draußen gehen würde, dann würde man draußen nach der Wärme drinnen noch mehr frieren und sich eine Lungenentzündung holen. Eine Lungenentzündung. Drunter tat sie es nicht.

Den dicken, wirren Kopf habe ich von ihr geerbt. Die Angst besser nicht.

Jeden Morgen wache ich auf, frage mich kurz, ob wohl gleich diese berühmte Morgenübelkeit einsetzt (bisher noch nicht), flitze aufs Klo, um zu gucken, ob ich immer noch nicht blute und die kleine Wurst verliere, und dann freue ich mich. Ungefähr fünf Minuten lang und so doll, dass es weh tut. Und dann setzt die Bremse ein. Besser nicht zu früh freuen, könnte ja noch alles Mögliche schief gehen, und dann?
Nun ist die Frage: wenn man die Gefahr bedenkt, nach Riesenfreude ganz, ganz tief zu fallen, wann ist diese Gefahr vorbei? Nach drei Monaten? Nach einer Fruchtwasseruntersuchung? Aber auch nach fünf Monaten kann noch was schiefgehen! Und wie! Also nach der Geburt, wenn das Kind gesund und niedlich und vor allem DA ist? Aber was ist mit plötzlichem Kindstod? Oder was mit schlimmen Kinderkrankheiten, Autounfällen, Schlittschuhfahren auf unsicherem Gewässer, Hühnerknochen, dem schwarzen Mann? Darf ich mich entspannen und freuen in dem Moment, in dem die Wurst 18 wird und aus dem Gröbsten raus ist? Wieso soll ich stundenlang schlotternd vor Kälte auf dem Sofa sitzen, um mich hinterher in den fünf Minuten an der Bushaltestelle nicht zu verkühlen?

So geht das nicht. So kann ich nicht leben, und ich glaube auch nicht, dass das funktioniert. Wenn ich das Baby verlieren sollte, bin ich traurig. Und vorher ängstlich gewesen zu sein oder mir die Vorfreude zu verkneifen, würde daran überhaupt nichts ändern. Bestimmt hilft es, wenn ich im schlimmsten Fall nicht kistenweise Babykram in den Keller räumen muss. Aber es hilft nicht, vorher wochenlang sorgenvoll aus dem Fenster in den Regen zu starren. Das kann ich hinterher immer noch. Zu einer Zeit, von der ich später denken werde (das weiß ich schon genau): da hättest du eigentlich zum Platzen glücklich sein müssen. Nach den ganzen Wochen und Monaten mit IVF, in denen du dich am Riemen gerissen hast, hast du jetzt etwas, von dem du manchmal schon geglaubt hast, dass es nie passiert.

So. Wo sind diese Wunderkerzen und Knallfrösche, die von Silvester noch übrig waren?

Donnerstag, 9. Juli 2009

Die da

Nicht nur meine Eltern, L., meine Geschwister, meine Freunde und ihr alle seid so unfassbar nett zu mir, nein, auch mein Hormonspiegel benimmt sich: wie befohlen, haben sich seit vorgestern alle Werte verdoppelt. Mein Körper macht genau was er soll, wie verrückt ist das denn?
Unfassbar alles. Ich hatte inzwischen die ersten Erlebnisse, bei denen ich drei Meter neben mir stand, mir zugesehen habe beim Schwanger sein und es nicht fassen konnte: zum Beispiel war ich gestern die Nervensäge im Restaurant, die vier Minuten gebraucht hat, um bei der Bestellung ein Essen ohne Parmesan zu finden. (Wer hätte gedacht, dass reichlich Käse jemals GEGEN ein Essen spricht?) Oder die, die zum Bus GEGANGEN statt GERANNT ist. Wie ein Geher bei der Olympiade, dieser Watschelgang, denn noch bin ich zum Rennen noch nicht wieder zugelassen. Was aber natürlich der Busfahrer nicht wissen konnte, der brav auf mich gewartet hat. Vorgestern habe ich in der Buchhandlung in Babybüchern geblättert und mir dabei so eine Art Gruß-Blick mit einer Frau im neunten Monat zugeworfen (machen das Schwangere? Grüßen die sich, wie Motorradfahrer? Und wenn ja, wie? Gibt es eine spezielle Handbewegung, oder reicht grinsen und rot werden?) Und heute durfte ich in der Apotheke erklären, in der wievielten Woche ich bin, um der Apothekerin klarzumachen, dass ich wirklich DIESE Folsäure brauche und nicht die andere. Muss man sich mal vorstellen. Die Schwangere ist in einer Woche. Demnächst ist sie sogar in einem Monat. Und ich bin dabei und guck ihr dabei zu.

Omas tragen keinen Bikini

Meine Mutter hat ein altes Fotoalbum, das ist von außen mit einem flotten 50er-Jahre-Muster in beige und grau bedruckt, und innen besteht es aus dickem, cremigem weißem Büttenpapier und Zwischenblättern aus dünnem Transparentpapier mit Spinnweben-Prägung. Darin sind all ihre Fotos bis zur Hochzeit. Fotos, auf denen sie vier Jahre alt ist und Kuchen isst, ganz manierlich (wie ich meine Oma kenne, waren schlechte Tischsitten ein Grund für die Apokalypse), Fotos, auf denen sie mit Freundinnen spielt (auch ganz manierlich in ihrer manierlichen Siedlung), und dann irgendwann Strandfotos im Bikini, Fotos mit netten Strandjungs, Fotos, auf denen sie in einem Kostümchen Seil springt und Fotos von einer Klassenfahrt nach Hamburg, auf dem diese 15jährigen Mädchen alle frisiert und angezogen sind wie Jackie Kennedy. Ich habe mir dieses Fotoalbum als Kind so oft angeguckt, am liebsten Sonntag Morgens, wenn meine Eltern noch schliefen. Ich bin im Nachthemd ins Wohnzimmer geschlichen, habe mir das Album aus dem riesigen Bücherregal gezogen, mich auf den Teppich in einen Sonnenfleck gesetzt, meine besondere Lesehaltung eingenommen (sitzen, Knie anziehen, in den Nachthemd-Stoff überm Knie beißen, Album vor die Füße, zusammenkauern, vollkommenes Glück) und meiner Mutter beim Kuchen essen, Schlitten fahren, Puppen spielen und flirten zugeguckt. Und weil ich es so oft angeguckt habe, fühlt es sich inzwischen an, als wäre ich die ganze Zeit dabeigewesen. Und manchmal kam es mir in meinem Sonnenfleck auf dem Teppich auch vor, als wären diese Fotos, auf denen man die Delial Schutzfaktor drei förmlich riechen konnte, wirklicher als die Frau, die gerade in ein paar Metern Entfernung versucht, noch ein bisschen zu schlafen, bevor der ganz große Rummel losbricht und mein Bruder ins Plantschbecken will.

Und diese heiße Biene im Bikini wird jetzt Oma?

Es ist wirklich nicht zu begreifen.

Mittwoch, 8. Juli 2009

Abrakadabra

Wie wird aus einem In Vitro-Blog ein Schwangerschaftsblog?
Und daraus abgeleitet noch ungefähr 80 andere Fragen:
Die meisten Frauen, die hier mitlesen, machen selbst gerade eine In Vitro-Behandlung mit. Und die meisten von Euch versuchen vermutlich, sich einerseits nicht unterkriegen zu lassen, aber andererseits auch nicht ZU hoffnungsvoll zu sein – jedenfalls nicht bei diesem speziellen Versuch, um nicht zu traurig zu sein, wenn es nicht klappt – nein, lieber allgemein hoffnungsvoll bleiben – also hoffen, dass es irgendwann schon klappen wird. Und nun komm ich mit meinem dümmster-Bauer-dickste-Kartoffeln-Glück angetrampelt.
Gehe ich euch jetzt auf die Nerven, wenn ich erstens ständig den Computer knutschen könnte vor Freude, und zweitens irgendwann wieder anfange zu meckern?
Darf man nach IVF schwanger werden und sich dann auch noch beschweren, dass einem nicht 24 Stunden am Tag die Sonne aus dem Arsch scheint?
Oder darf man so widerlich fröhlich sein, wenn sie es doch tut?
Und dann ist da noch die Frage: ich bin gerade am Beginn der fünften Woche. Ich müsste eigentlich den Ball sowas von flach halten, denn noch können 1000 Dinge schief gehen (wenn ich einem meiner Bücher glauben schenke, dann sind es noch ein paar mehr, und einige davon habe ich JETZT SCHON quasi herausgefordert...) - vielleicht ist dieser veränderte Blog-Zustand ja genau so vorübergehend wie mein körperlicher Zustand, und in ein paar Wochen sind wir schon wieder auf IVF eingestellt, der Blog und ich?

Ich habe fast ein schlechtes Gewissen, dass es bei mir geklappt hat. Als hätte ich irgendwo in einer langen, langen Warteschlange gestanden und mich schon fast mit den Leuten um mich herum angefreundet, und dann kommt der Türsteher, gibt mir die hohe Fünf und nimmt mich mit, an der ganzen langen Schlange vorbei, und ich schäme mich.

Bin ich eigentlich bescheuert?

Ach herrlich: es gibt doch nichts Besseres als eine Schwangerschaft, um zur Abwechslung mal ein richtig schönes Chaos im Kopf zu produzieren.

Experten, wohin man schaut

Das Prilblümchen ist im Moment einen Millimeter groß, bzw. zwei, bzw. so groß wie ein Streichholzkopf, bzw. so groß wie ein Reiskorn.
Während der Schwangerschaft ist Räucherfisch ein perfekter Eiweißlieferant bzw. eine tödliche Gefahr, weil oft nicht gar genug. Ausweg: am besten die Fische selbst im heimischen Räucherofen räuchern!
Kräutertees sind jetzt ein guter Durstlöscher; aber Achtung vor Minztee und Himbeerblättern!
Die Sauna ist gut für das Wohlbefinden, das muss jede Frau selbst sehen, wie sie sich wohlfühlt, bzw. kann die Sauna durch zu hohe Körpertemperatur dem Baby echt übel schaden.
Der Schleimpfropf, der verhindern soll, dass sich Sachen in die Gebärmutter verirren, die da jetzt nicht hingehören, löst sich sechs Wochen vor der Geburt oder zwei bis drei Tage vorher.
Der erste Ultraschall steht gestern, in einer Woche, in dreien oder am Mitte des dritten Monats an.
Ab und zu ein Glas Wein tut gut und kann niemandem schaden, wenn man mal davon absieht, dass das Kind schon durch einen Schluck Hirnschäden davontragen kann, aber wer weiß das schon so genau? Liebe zukünftige Mutter, wenn es dir DAS Wert ist, dann natürlich: Prost.

Warum, warum, warum hab ich mir ZWEI Babybücher gekauft und war außerdem auch noch im Internet unterwegs? Dabei kennen wir doch das Internet und wissen, was für eine wirrköpfige Klatschtante es ist!

Wie vergesse ich jetzt diesen Quatsch am Besten ganz schnell wieder? Saufen scheidet ja nun leider aus.

Ich glaube, ich mache jetzt was, was ich schon lange wollte, aber noch nie getan hab: ich hol mir einen Schwangerschaftstest und freue mich wie ein Schneekönig, dass er positiv ist. Zum ersten Mal in meinem Leben will ich auch zwei Linien sehen. Das ist mir locker die acht Euro wert.

Wieso darf das Label zu diesem Post nicht "Schwanger!!!" heißen, sondern gildet nur ohne Ausrufungszeichen?

Und das kam so: (wobei, wie das kam, das wisst ihr ja, hab ich ja lang und breit erzählt...) Ich komme zurück aus der Stadt und vom Test, im Gepäck ein Doppelpack HSV-Schnuller, den miesen alkoholfreien Sekt und einen ausgewachsenen Haschmich. Und als ich in die leere Wohnung komme, weiß ich: jetzt sind noch mindestens vier Stunden totzuschlagen. Nachdem ich beinahe die Tapete von der Wand genagt, beinahe die Einrichtung zerlegt und beinahe in meinen Computer gebissen habe, klingelt um zehn vor zwei das Telefon, mein Arzt ist dran und klingt schon beim ersten Wort so, als könnte er nur mühsam ein Kichern unterdrücken. „Also, ich habe gute Nachrichten: sie sind schwanger, der Wert war sehr deutlich positiv, und alles sieht hervorragend aus.“ Und dann hat er noch irgendwas davon gesagt, dass ich Donnerstag noch mal zur Blutabnahme kommen soll und in drei Wochen dann zum Ultraschall (mein erster Ultraschall ohne Zystenbezug! Yeeeeih!), es kann aber auch gut sein, dass er irgendwas über die Wirtschaftskrise, Rosenzucht oder die Flugverbindung nach Rom gesagt hat, so genau weiß ich das leider nicht mehr. Denn in diesem Moment war ich kurz vorm Durchdrehen und wollte nur noch, dass dieses Gespräch beendet ist, so dass ich mich ungestört und in Frieden laut kreischend auf dem Fußboden wälzen kann. (In meinen In Vitro-Papieren heißt es, Patientinnen mit psychischen Problemen könnten von der Behandlung ausgeschlossen werden. Und wir wollen ja nicht... nüch?)
Nach zehn Minuten kreischen und wälzen bin ich kurz zu mir gekommen, um zu meinem Weinmann um die Ecke zu laufen und für alles Geld, das ich noch im Portemonnaie hatte, eine Flasche Champagner rosé für L. zu kaufen, es reicht schließlich, wenn einer von uns beiden die Light-Live-Plörre trinken muss. Dann noch ein bisschen wälzen und kreischen und mit dem HSV-Schnuller in der Hosentasche lauern, bis L. endlich nach Hause kommt. Als er dann kam, habe ich mich auf dem Balkon versteckt, und da hat er mich dann gefunden mit meinem Schnuller und dem breitesten Grinsen der Welt.

Und das war dann ein sehr, sehr großer Spaß. Hihi. Ich hatte manchmal schon Angst, dass L. sich gar nicht so richtig freut und auch nach einem positiven Test immer noch denken wird: ohje, ohje, aber wenn es schief geht und wir doch kein Baby kriegen, aber diese Angst war – wie sich gezeigt hat – sehr, sehr bescheuert und unbegründet.

Und dann hatten wir nur noch so wenig Zeit, weil L. schon vor Wochen Theaterkarten für gestern Abend hatte und die Vorstellung schon um sieben anfing, weil auch zwei Kinder mit auf der Bühne waren, und dabei wollte ich doch noch dasitzen und mich freuen und alkoholfreien Sekt trinken und mit allen stundenlang telefonieren und bloggen und noch tausend Sachen mehr. Aber das ging dann eben nicht. Und deshalb haben wir nur kurz mit den angehenden Großeltern telefoniert, die sich gefreut haben wie Bolle, und ich habe mit den Mädchen telefoniert, und dann hat L. mich davon abgehalten, mit noch mehr Mädchen zu telefonieren, und dann hab ich vergeblich versucht, in unserem Viertel ein Babybuch zu kaufen (hab ich gesagt, ich würde unser Viertel mögen? Falsch, ganz falsch!), und dann war auch schon Zeit zum Aufbruch, und dann habe ich in der Stadt noch schnell zwei Babybücher gekauft, Theater (zwar wunderschön, aber ich hab die ganze Zeit nur darauf hingefiebert, endlich mein Babybuch zu lesen und zu erfahren, was die Wurst jetzt schon kann und wie groß sie ist, und muss das hier so dunkel sein, ich kann ja die Schrift nicht erkennen?), Hände wundklatschen, nach Hause, Babybuch lesen, uff.

Ich kann euch sagen: es stimmt, was die Leute sagen. Schwangerschaft IST anstrengend.
Und ich glaube gleichzeitig, ich werde es nicht kapieren, bis sie mich in den Kreißsaal schieben, dass ich nun wirklich schwanger bin.