Posts mit dem Label Klinik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Klinik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 25. März 2014

Um es lang zu sagen

Sollte einer meiner Auftraggeber diesen Post lesen und sich sagen, Fräuleinchen, nicht während der bezahlten Arbeitszeit, dann habe ich zu meiner Verteidigung zu sagen: 1. bin ich heute so durch den Wind, dass es sowieso unverantwortlich wäre, in dieser Stimmung generierte Ideen auf Kunden loszulassen, 2. habe ich gerade die Runde durch alle Beraterbüros gedreht und gefragt, ob es irgendwas für mich zu tun gibt, und die Antwort lautete Nein Danke, und 3. bin ich Schnelltipper und brauche auch für diesen Wortschwall nicht länger als zwanzig Minuten. So.

Eine Woche habe ich mich nicht gemuckst, es tut mir ehrlich leid. Ungefähr sechsmal hatte ich angesetzt, aber dann immer auf halber Strecke den Nerv verloren. Schwangeren sagt man ja ständig "Dein Körper braucht das jetzt", egal, ob es um Schlaf, Familienpackungen Chips oder Wutausbrüche aus dem Nichts geht. (Ich hasse das übrigens, wenn andere Menschen zu mir Dinge sagen, in denen die beiden Worte "Dein Körper" vorkommen. Das fühlt sich an wie ein zu warmer und schwitziger Händedruck. Aber mach was... in der Schwangerschaft kriegt man jede Menge davon zu hören.) Ich ziehe also zur Entschuldigung ausnahmsweise mal die Mein-Körper-Karte und behaupte frech, mein Körper brauchte eine Woche Blogferien. Echt!

(Habe ich schon mal erzählt, wie ich zum letzten Termin vor der Geburt bei meiner Frauenärztin war und hinterher mit dem Auto in eine irre enge Straße geraten bin, die blockiert war durch ein paar Straßenbauer mit irgendeinem Monsterbagger, ohne dass das vorher per Schild oder irgendwas angekündigt war? Und wie ich nicht zurück konnte, weil hinter mir inzwischen jemand stand, der es nicht gerafft hat und telefonierte? Und wie ich dann dachte "Ok, einmal darfst du das" und mir den Bauch haltend aus dem Auto gestolpert bin und die armen Bauarbeiter angeschwindelt habe, hier ginge es gerade sowas von los und sie sollten jetzt sofort die Straße freimachen? Und dann kichernd weiterfahren konnte, nachdem die mir alle noch viel Glück gewünscht hatten? Das war natürlich mies. Und dass man in den Wehen nicht Autofahren darf, wussten die scheinbar zum Glück nicht oder wollten sich jetzt nicht auf Diskussionen einlassen.)

Heute Mittag ist der große Termin, und ich habe keine Ahnung, was ich vorahnen und denken soll. Einerseits fühle ich mich diesmal schwangerer als letztes Mal um diese Zeit. Sogar Morgen- Mittag- und Abendübelkeit habe ich, und als ich gestern Abend Mann und Schwiegermutter zum Essen ausgeführt habe und ein extrem gut abgehangenes Stück Rind serviert wurde, war der Geruch für mich kaum auszuhalten widerlich. Das sind doch eigentlich gute Zeichen. Auch müde bin ich, und zwar schwangermüde mit Babymüde obendrauf. Spiffi schläft nicht mehr ganz so mustergültig wie noch vor kurzem, und ich kann nur dankbar sein, dass ich tatsächlich den Großteil meiner nächtlichen Aktivitäten am nächsten Morgen vergessen habe und die Fläschchen zählen muss, wenn ich wissen will, wie oft. Dann ist mir noch wieder eingefallen, dass ich diesmal tatsächlich so etwas wie eine Einnistungsblutung hatte - nur ein paar Tröpfchen, nicht weiter wild - und die waren so spät, dass ich schon dachte, das kann aber nicht sein: sieben Tage nach der Rückübertragung. Jetzt habe ich aber gelesen, dass das Zellhäufchen sich bis zu elf Tage nach der Befruchtung einnisten kann. Elf Tage kommen mir jetzt reichlich unwahrscheinlich vor, aber andererseits ist es auch ziemlich unwahrscheinlich, gleichzeitig HPV, verschlossene Eileiter, Myome und Endometriose zu haben, und siehe da, alle paar Monate sitze ich um einen Stammtisch mit einem Haufen Damen, die das alle trotzdem haben. Das würde jedenfalls mehr als erklären, wieso letztes Mal noch nur eine Fruchthülle ohne spannenden Inhalt zu sehen war (das und der Nebel auf dem Ultraschallschirm). Also gut. Pro: Ich fühle mich schwanger, und es wäre so nett, wenn ich es wirklich wäre. Contra: das wäre zu schönes Idiotenglück, der nicht so dolle Ultraschall vom letzten Mal, ich bin 41 und eine Menge kann in jeder Minute seit dem positiven Test schiefgegangen sein.

Da hilft wohl wieder mal nur einatmen und ausatmen und warten.

Diese irre Menge von Ultraschalls für Kinderwunschpatientinnen macht das Leben jedenfalls nicht einfacher, inzwischen habe ich nach einer guten Untersuchung ungefähr fünf Stunden Gnadenfrist, bis ich mich wieder vor der nächsten grusele.

Inzwischen habe ich von Spiffi zu erzählen, dass es mit dem Essen schwierig ist, aber wir uns trotzdem keine Sorgen machen müssen. So lange die Leute ständig Sachen sagen wie "der wird aber mal größer als L. (1,96)" oder auch "Na, du wirst aber mal Holzfäller, nüing, min Dschong?" scheint es wohl nicht komplett schief zu laufen. Aber immer noch sind Fläschchen das, was er am liebsten mag. Gläschen sind bis auf wenige Glücksmomente meistens bäh, und die Hunde hatten selten so ein glänzendes Fell wie jetzt, wo sie täglich den Löwenanteil von zwei 1a Bio-Gemüsegläschen bekommen, die Spiffi nach dem ersten Löffel mit purem Abscheu von sich schiebt. Ich habe es auch schon mit einer Freestyle-Variante von Baby-led-weaning probiert, aber von weaning ist nicht viel zu merken, Spiffi zermatscht nur alles in seinen kleinen starken Holzfällerhänden und schmiert es mir ins Haar. Was er aber liebt und was immer geht, ist Mineralwasser, und zwar unbedingt mit Kohlensäure. Sobald in Sichtweite jemand eine Flasche Mineralwasser öffnet, robbt er blitzschnell auf denjeningen zu und sperrt hechelnd vor Gier den Schnabel auf. Gestern hat er zum ersten Mal erst selbst ein paar Schlucke genommen und dann mir die Flasche in den Mund geschoben, er war erst zufrieden, nachdem ich mindestens sieben Schlucke genommen hatte. Fast jeden Tag erzähle ich ihm von seinem vielleicht-wenn-alles-gut-geht Geschwisterchen, aber ich glaube, unter Geschwisterchen kann er sich noch nicht so viel vorstellen. Was vielleicht auch besser ist, wenn man bedenkt...

So. Zwanzig Minuten sind um. Mehr kann ich nicht verantworten. Das wäre ja wohl mal wirklich doof: Baby futsch und Job futsch an einem Tag.

Ich verspreche, ich sage kurz piep nach dem Ultraschall heute mittag.

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Schatz, es wird etwas früher heute.

Lange Jahre hab ich mit männlichen Kollegen gearbeitet, die zuhause Frauen und kleine Kinder sitzen hatten. Dann spielten sich z.B. Szenen wie die folgende ab:

Es ist 19:27 und das Ende dieses Arbeitstages ist gerade in der vernichtenden Abstimmung in weite Ferne gerückt. Jetzt sitzen wir im Büro des Kollegen zusammen und versuchen irgendwie, die Scherben zusammenzusammeln, dieses Discofiepen im Ohr wegen des Gebrülls unserer Chefs wieder loszuwerden und einen Plan zu machen, wie es weitergeht.

Das Telefon klingelt. Der Kollege geht ran, anfangs noch erfreut über den Anruf und die Stimme am anderen Ende.
"Hallo! Oh Mann, hier ist gerade alles im Arsch. Wir müssen alles noch mal neu machen. Ich glaube..."

Wir erahnen am anderen Ende der Leitung einen deutlich verschärften Ton.

"... was... nein, kann ich nicht, ich muss... oh Mann, ich mach das doch nicht absichtlich? Ich wär doch jetzt auch gerne... NEIN, natürlich bist du mir nicht egal! Ich... nein, natürlich ist mir das auch wichtig! Aber... können wir später re... Hallo? Hallo?"

Und mit hängenden Schultern und plötzlich dreimal so dunklen Augenringen legt er auf.

"Arme Wurst", dachte ich damals meistens. "Wenigstens hab ich keine Familie. Wenigstens sind es nur meine Nerven und meine Magengeschwüre, die ich hier gerade strapaziere."


Später wurde dann das Klima und die Arbeitszeiten etwas lockerer. Männliche Kollegen mit kleinen Kindern und dazugehörigen Freundinnen und Frauen zuhause hatte ich immer noch. Nur gab es jetzt immer mehr, die sich nicht die Nächte für total superduperwichtige Vorstandspräsentationen um die Ohren hauten und sich mit letzter Kraft nachts um zwei irgendetwas aus dem ausgelutschten Gehirn wrangen. Die taten nur so. Die arbeiteten bis sechs, vielleicht auch bis sieben, und dann begann der gemütliche Teil des Arbeitstages. Dann holten sie sich Bierchen aus dem unerschöpflichen Agenturkühlschrank, bestellten sich vielleicht noch eine Pizza, und dann legten sie die Füße hoch und guckten sich Youtube-Videos an und dachten sich vielleicht zum Spaß noch irgendeine Quatschidee wie einen Flashmob oder dergleichen aus - aber eigentlich war das Freizeit, getarnt als Jobstress. Es war klar: reißt sich Papa jetzt von diesem netten Gedaddel und Gesüffel los und kommt nach Hause, dann wartet da eine Frau, die den ganzen Tag das Baby geschleppt und getröstet und gefüttert und noch mehr geschleppt hat, und deren Feierabend beginnt leider erst dann, wenn Papa übernimmt. Also wurde es eben heute wieder etwas später.

"Blöde Wurst", dachte ich dann. "Dann leg Dir eben keine Familie zu."

Und je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, was für ein Glücksfall das gerade alles ist: drei Tage in der Woche gehe ich zur Arbeit. Und ist die Arbeit vorbei - zum Glück sehen sowohl meine Chefs als auch ich das so, dass das um 18:00 der Fall sein sollte - dann fahre ich nach Hause, freue mich auf mein Kind, und L. hat nicht den ganzen Tag alles allein gemacht und wartet schon hinter der Haustür, sondern wir haben beide noch jede Menge Reserven.
Ich muss ehrlich sagen, schon kurz nach der Geburt habe ich damit angefangen, mir schon mal prophylaktisch Sorgen zu machen, wie das alles wird, und ogottogott, was, wenn alles grandios vor die Wand fährt. Mir diese Sorgen jetzt nicht mehr machen zu müssen und die erste Woche hinter mir zu haben, ohne dass es irgendwem von uns schlechter geht, ist für mich so toll und so befreiend, dass ich mich seit gestern Abend fühle wie frisch massiert. Die erste Cantienica-Stunde heute war vielleicht auch deshalb nicht so spektakulär, aber das erzähle ich in den nächsten Tagen mal in Ruhe. In der Klinik war ich auch: meine Ärztin hatte strahlend Michel auf dem Schoß, freute sich ehrlich und ganz herzlich mit uns, machte dann noch, wo ich schon mal da war, einen Ultraschall, stellte fest, dass zumindest mein linker Eierstock einen sehr guten Eindruck macht (das ist nichts Neues, der rechte ist in Endometriose eingewickelt wie Loriots Kohlroulade und sagt kaum noch was) und wir haben ausgemacht, dass ich mich melde, wenn ich meine Tage bekomme, was irgendwann demnächst der Fall sein sollte. Außerdem soll ich mal feststellen, wie viele Milliliter genau Michel noch bei mir trinkt, und sollte es wirklich nur noch ganz wenig sein, dann brauche ich vor der Stimulation noch nicht mal endgültig abzustillen.

Dienstag, 13. März 2012

An der ganz, ganz langen Leine

Nach den ersten Krämpfen und Flüchen letzte Woche dachte ich mir irgendwann: wieso rufst du nicht einfach mal in der Klinik an und erkundigst dich, wie es so geht und ob du jetzt irgendwas beachten oder einnehmen musst? Könnte ja mal sein? Und schon nach vier Stunden kam der Rückruf: bitte ja, bitte Valette, bitte einmal täglich und dann in so ca. drei Wochen wieder melden zum nächsten Ultraschall. Und ich denke mir wieder mal: ein Glück mache ich das nicht erst seit gestern. Und bei aller Sympathie für die leicht hippie-eske Note meiner Klinik finde ich doch, ein bisschen mehr Zug könnte drin sein. Und wieso eigentlich erst in drei Wochen Ultraschall? Dieses Rumoren unten links – ist das jetzt ein gutes Zeichen oder ein Zeichen dafür, dass Ilse noch mal zugelegt hat an Gewicht, Bösartigkeit und Sprengkraft?
Kaum bin ich wieder auf Hormonen, schon merke ich, dass sich etwas tut. Das war früher anders, ich war immer auf eine unseriöse Art stolz darauf, wie wenig mich das alles kratzt – eine ähnlich blöde Attitüde wie die von Leuten, die stolz auf ihre Körpergröße sind oder darauf, dass ihre Haare noch nicht dünner werden. Vielleicht liegt es am Alter, vielleicht hat mein Körper sich auch ein bisschen überfressen an all den Abkürzungsmedikamenten: die Hamsterhormonphase ist vorbei, lass uns heute mal lieber Pizza. Täglich ein winzig kleines Pillchen, und schon liege ich nachts wieder wach und zergrübele mir das morsche Hirn, habe einen Bauch wie eine Trommel und friere und schwitze den ganzen Tag gleichzeitig. Und gleichzeitig spüre ich langsam einen gewissen Überdruss. Abkürzungsdamen, ich muss gestehen: nach drei Jahren werde ich langsam müde. Ich finde, es reicht jetzt mal mit Zysten und anderen Gewächsen, Ultraschalls und Spritzen. Ich habe keine Lust mehr, meinen Kalender und mein Budget darauf auszurichten. Und ich habe eigentlich auch keine Lust mehr, darüber zu reden und zu schreiben.
Hapüh. Nach der manischen Miniphase am Wochenende folgt jetzt die süße kleine Pillendepression. Ich freu mich auf einen Abend voller Flüche, Hass und Gekicher mit euch. Und dann ist es hoffentlich auch wieder gut.

Freitag, 2. März 2012

Zum Glück nicht auf leeren Magen

Bin ich froh, dass ich das mit dem Fasten nun doch gelassen habe. Denn mein Besuch in der Klinik gestern gegen Abend lief... sagen wir mal so, dass man das nicht gerne erlebt, während einem der Magen in den Kniekehlen hängt. Ich habe am linken Eierstock (dem bösen, zum Glück) eine Zyste. Sie ist ca. 5cm groß, und sie muss weg. Heute erfahre ich, ob wir es mit Hormonen versuchen können, oder ob ich schon wieder, zum inzwischen... wartet mal... nee, ich krieg es nicht mehr zusammen, ob es jetzt das sechste Mal ist oder das achte Mal, auf einen OP-Tisch klettern muss. Und der Vertretungsarzt - ein älterer Herr - erklärte mir freundlich, aber bestimmt, wenn wir da weiter "mit Messer und Gabel" dran rumwerkeln würden, hätte ich demnächst "gar keine Eierstöcke mehr, und das war's dann". Gott behüte! Wo meine Eierstöcke und ich doch seit Jahren so viel Spaß zusammen haben!

Abkürzungsdamen, bitte drückt die Daumen. So zwischen eins und zwei müsste ich mehr wissen. Ich wäre bereit, mir riesige Spritzen in den dicken Onkel zu jagen. Nur bitte nicht schon wieder eine Bauchspiegelung. Bitte.

Und jetzt koch ich mir erst mal ein Ei.

Donnerstag, 16. Februar 2012

Am ersten Tag kommen einem die Hormonferien immer noch unendlich lang vor.

Die Praxis hat zurückgerufen, ich soll mir einen Termin zum Ultraschall zwischen 14. und 21. Zyklustag geben lassen, diesen Monat läuft nichts. Und bei dem Termin finden wir dann heraus, ob wir nächsten Monat schon wieder starten können.

Niemand soll sagen, ich hätte es nicht versucht! Ich hätte mir schon heute eine große dicke Apothekenwundertüte geholt und den Abend mit einem kleinen Spritzchen in den Bauch beendet. Man sieht schon gar nichts mehr von den blaugrünen-Miniflecken-Sommersprossen, die noch vor kurzem meinen Bauchnabel so hübsch umkränzten.

Ach, verdammt. Ein Teil von mir ist froh, dass ich noch ein paar Wochen Ruhe habe. Ein anderer Teil findet das gar nicht gut. Dieser Teil ist der Meinung, dass "Ruhe haben" an sich eine schöne Sache ist, würde aber das große Ruhe haben, wenn es endlich mal geklappt hat, dieser kleinen Ruhe zwischen den Hormonsausen vorziehen. Ich mach das doch nicht zum ersten Mal, habe ich wirklich gedacht, ich könnte jetzt von Januar bis Mai vier Zyklen durchziehen? Bin ich nicht froh, dass meine Haare eine kleine Chance bekommen, mal eine Weile nicht innerhalb von acht Stunden komplett durchzufetten und ein bisschen nachzuwachsen? Und dass ich demnächst vielleicht auch nach 21:30 mit offenen Augen angetroffen werden kann? L. und ich können uns ganz neu kennenlernen! In den letzten Wochen war er der Typ, der das Feuer gemacht hat, vor dem ich unmittelbar nach Arbeit, Heimweg und Abendspaziergang mit dem Tier dann behaglich weggeknackt bin, und neben dem ich dann 12 Stunden später wieder aufgewacht bin, ohne mich zu erinnern, wie ich ins Bett gekommen bin. Das sind doch eigentlich gute Nachrichten! Und was ist mit meinen Sportplänen, meinen Autoplänen, meinen Plänen für ein Muckelwochenende mit den Mädchen in der Heide? Mit Wein und interessantem Käse?

Ach ja. Manchmal gibt es nichts Besseres als eine eindeutige Entscheidung von höherer Stelle, um zu wissen, was man eigentlich will. Und ich merke gerade, ich hätte gerne weitergemacht. Heute. Gestern. Am liebsten letzte Woche.

Samstag, 11. Februar 2012

Die Rechnung war heute in der Post.

1.336,98. Moment mal. 1.336,98? 1.336,98.

Das kann doch nicht sein, ich hatte mit mindestens 3.000 gerechnet, aber auch 5.000 hätten mich nicht von den Füßen gehauen? Wir zahlen das alleine, das steht da ausdrücklich drin!

Dann hab ich noch mal nachgesehen, die ICSI ist nicht aufgeführt. Und auch sonst habe ich das Gefühl, da fehlt einiges. Und ich denke wieder mal (was ich letzte Woche schon mal geschrieben, aber dann ganz kleinlaut wieder gelöscht hatte, weil ich noch nicht wusste, wie das hier ausgeht und es mir irgendwie zu blöd war, jetzt negative Kommentare zu lesen, aber heute bin ich bereit und habe ein ausreichend dickes Fell, also raus damit): wir sind so schnell dabei, auf Ärzte zu schimpfen und ihnen alle mögliche Schuld zu geben. Aber mein Körper hat wirklich in den letzten Jahren zunehmend seltsam auf Hormone reagiert. Eizellenmassenreifung unter Enantone? Endometriose in Schüben, die eher von der Farbe der Saison abzuhängen scheinen als von meinem Hormonspiegel? Hm. Und wer weiß: wenn ich die zwei Tage noch Menogon bekommen hätte, dann hätte es doch auch passieren können, dass ich wieder meinen Nikolausbauch und eine Überstimulation gehabt hätte. Ich glaube wirklich, dass viel in diesem Prozess Ermessenssache ist und nicht in Beton gegossen. Und heute werfe ich meiner Ärztin über den Internetäther ein Küsschen zu für diesen Hauch von einer Rechnung. Auch, wenn es natürlich schöner gewesen wäre, es hätte einfach gefälligst mal geklappt. Endlich.

Dienstag, 2. August 2011

Worüber die meisten Jogger schweigen, aber die sind auch scheinbar besser erzogen als ich oder auch besser konstruiert, so untenrum

Auf dem Ultraschall war nichts zu sehen. Außer zwei kleinen Myomen, „Myömchen“, wie meine Ärztin sie nannte, die aber scheinbar nur spielen wollen und nichts tun. Und links und rechts davon nichts, was meine dämlichen Regelschmerzen seit drei Wochen rechtfertigt, die Schmierblutungen oder die Tatsache, dass ich nur noch aufs Klo gehen kann, wenn ich vorher laufen war, dann aber... oh oh oh.

Ich bitte alle, die in solchen Fragen etwas pingelig sind, ab hier nicht weiterzulesen und erst nach dem großen Absatz wieder einzusteigen; ich verspreche, es kommen auch wieder salonfähigere Zeiten.

Ich habe mir nie große Gedanken um meinen Stuhlgang gemacht. Wenn mich ein Arzt gefragt hat, wie oft ich... hm... und wie viel... und welcher Konsistenz und Farbe das Ergebnis...?, war ich meistens ratlos, denn ehrlich, ich habe mir darum nie einen zweiten Gedanken gemacht. Genau so gut hätte ein Arzt mich fragen können, wie viele Millimeter im Monat meine Haare wachsen oder wie viele Kubikmeter Sauerstoff ich täglich verbrauche, nur so ungefähr? Übern Daumen? Inzwischen läuft es so: ich quäle mich morgens um Viertel vor sieben aus dem Bett, steige in meine Hightech-Jogging-Klamotte, schnüre die hässlichen Schuhe zu, suche meine Musik und meine Kopfhörer, erkläre dem Hund, dass er jetzt noch nicht dran ist, sondern erst später, und dann laufe ich los. Ich bin noch nie gerne im Kreis gelaufen, sondern habe mir jedes Mal ein etwas weiteres Ziel gesucht, auf das ich dann voller Tatendrang zugetrabt bin. Das geht jetzt nicht mehr. Denn trotz perfekt zusammengestellter Playlist und der besten Ausrüstung, die ich je hatte, muss ich spätestens zwanzig Minuten nach dem ersten Schritt mit Schweiß auf der Stirn und zusammengekrümmt wie ein Wurm auf den Pott, wo gefühlt zwei Kilo aus mir rausbrechen. Und erst dann laufe ich weiter. Mein Aktionsradius beschränkt sich also auf den Quadratkilometer rund ums Haus. Ich dachte, daran ist die Endometriose schuld, was auch sonst? Ich ernähre mich im Moment fast nur von Ballaststoffen, ich hab genug Bewegung, und wenn jetzt jemand mit psychischen Ursachen kommt, dann hau ich ihm eine.

Und nun ist da gar keine Endometriose. Jedenfalls keine, die groß und dick genug wäre, um auf dem Ultraschall aufzutauchen.

Während ich hinter dem Gardinchen wieder in meine Kleider gestiegen bin, haben wir noch kurz beschnackt, wie es nun weiter geht. Ich kann zu jedem Zeitpunkt, an dem es mir passt, die Pille absetzen. Dann bekomme ich irgendwann meine Tage, rufe in der Klinik an, und drei bis vier Tage später fangen wir an – und zwar jetzt doch mit Stimulation, aber ganz, ganz superduperleichter, das Raffaello unter den Hormonspritzen. Kein Nasenspray, kein Enantone, Zack – und ich freu mich drauf. Und ob ich vorher noch einen ganz normalen Hausfrauenversuch in New York ausprobiere, kann ich mir überlegen.

Dienstag, 26. April 2011

Flora A. ist nicht zu fassen

Vor zwei Minuten habe ich mir eine Ampulle Brevactid angemischt und in den Bauch gespritzt. Ab übermorgen schmiere ich wieder mit Crinone herum (jaja, ich weiß, Uterogest ist billiger, aber billiger als "hab ich sowieso noch in Mengen hier rumfliegen" wird es nicht, und Crinone habe ich noch in Mengen hier rumfliegen), und Samstag kommen die Würmchen an Bord, die das Auftauen überlebt haben.
In dem Maße, in dem meine Eizellen abbauen, lerne ich dazu. Beim ersten, zweiten oder dritten Versuch hätte ich noch in dem Moment, in dem der Doktor sagt "Freitag ist Transfer" die Lippen zusammengepresst, "Hmhm" gepiept und hinterher zähneknirschend alles, was mir mal wichtig war, aus meinem Kalenderblatt für Freitag gestrichen. Heute habe ich gesagt "Freitag ist doof, geht auch Samstag?" und siehe da, Samstag geht auch. "Ehrlich? Das hier ist natürlich am Wichtigsten, falls das meine Chancen senkt, kriege ich das Freitag irgendwie hin."
Neinnein, Samstag geht auch.*

Und plötzlich senkte sich eine große, schöne Gelassenheit über mein Fusselhirn. Samstag geht auch! Wenn Freitag doof ist, geht auch Samstag!

Und jetzt muss ich ein Geständnis machen. Heute war ich beim Vertretungsarzt, ein sehr wortkarger Vertreter. Während des kurzen Ultraschalls hätten andere Ärzte (die Anästhesisten z.B., von denen ich neulich erzählt habe) einen Wortschwall loswerden können. "So, das wird jetzt kühl, schön entspannt, hier sehen wir... dort sehen wir... ja... das sieht gut aus..." Er war da anders. Rein mit dem Dings, stocher-stocher, markier-markier, raus mit dem Dings, "So." mit kurzem O. Ich habe das als Aufforderung gewittert, abzusteigen, mich wieder anzuziehen und nach nebenan zu gehen, und außerdem als Einladung, etwas auszuprobieren. Nämlich, ihn nicht zu fragen, ob ich mir noch flink einen Termin beim Chinamann machen soll. Von sich aus hat er nicht davon angefangen, ich auch nicht, und ich habe beschlossen, diesmal versuche ich es noch mal ohne.

Das heißt nicht, dass ich ab bin vom Chinamann! Aber ich gebe diesem Versuch nicht viel Herzblut. Kaputte, tiefgekühlte Zellen? Ich mache alles mit und bin auch bester Dinge, aber ich schmeiße nicht auch noch zwei Akupunkturen hinterher und zwinge meinen Chinamann, am Samstag seine Butze zu öffnen nur für eine, die sowieso noch nicht mit sich einig ist, ob sie überhaupt an eine Medizinform glaubt, an die man scheinbar glauben muss, damit sie funktioniert. Petzt es bitte nicht den Würmchen, meiner Ärztin und dem Internet. Ich wette, das merken die nie!
Ich fühle mich wie ein Meisterdieb. Wie ein Meisterdieb bei gelungener Flucht auf einem antiken Motorrad. Mit ohne Helm.


* der Festplattenrekorder ist längst programmiert. Aber der Termin für die muckelige Sofarunde der Unfruchtbaren steht immer noch nicht fest. Und ich wette, da wäre mein Eiertermin genau reingekracht. Hach, dieser ewige Clash zwischen Eizellen und Karriere!

Freitag, 22. April 2011

In einer Welt voller geschmackvoller Eierstöcke muss ich mir natürlich einen mit Swarovski zulegen

Ich hatte mal einen Freund, der wie kein zweiter die Kunst beherrschte, mir das Leben zu versauen. (Dass er es wurde und dann trotz vieler, vieler zergrübelter Nächte so lange blieb, lag daran, dass ich zuerst in einer Stadt studierte, in der Jungs entweder nicht zu haben oder Mitglied der Jungen Union waren oder schwäbelten oder alles zusammen - und dass ich dann da zwar wegzog, aber die nächsten Jahre so viel schuftete, dass ich nur nachts um drei zum Nachdenken kam, und um diese Uhrzeit bin ich zwar gut im Sorgenmachen, aber nicht im Nachdenken. So war das.) Während der drei unvergesslichen gemeinsamen Jahre hat er einige Male voller Süffisanz und Herablassung zu mir gesagt "Du willst eben unbedingt was Besonderes sein".
Auslöser war meistens, dass ich in seinen Augen Zicken machte oder irgend etwas anders sah als er. Und gemeint war das so: "Eigentlich, meine Kleine, bist du doch ein hundsgewöhnliches Ding, im Grunde langweilig. Aber weil du gern was Besseres und Interessanteres wärst, so wie ich es z.B. von Natur aus bin, hast du dir einige Attitüden zugelegt. Wie albern und lächerlich das ist! Aber weißt du, nicht nur DU bist im Grunde langweilig, sondern deine Schrullen sind es mindestens genau so sehr, also erspar mir und meinem Scharfsinn doch bitte das Theater, gähn, gähn, manchmal ist es ein bisschen ermüdend, so wahnsinnig intelligent zu sein wie ich."

Ich hätte nicht gedacht, dass dieser Moment in meinem Leben noch mal kommen würde. Aber gestern war er da: ich dachte an ihn und wünschte mir trotzdem, er wäre jetzt hier - um das hier zu hören! Von wegen Schrullen und Attitüden, gestern saß ich vor meiner Kinderwunschärztin, und sie erklärte mir zehn Minuten lang und gestützt auf zwanzigjährige Befruchtungserfahrung, dass ich in der Tat ETWAS GANZ BESONDERES BIN! Ha.

Sie sagte, sie hat noch nie erlebt, dass ein Eierstock so auf Hormonbombardements reagiert. Erst hat er sich nicht um fünf Monate Enantone geschert, dann hat er wie irre produziert, aber nach wenigen Tagen einfach alles halbfertig liegen lassen, und auch die Eizellen, die dabei herauskamen, waren so gut wie alle morphologisch auffällig. ("Eigentlich, mein Eierstock, bist du doch ein hundsgewöhnliches Ding, im Grunde langweilig. Aber weil Du gern was Besseres und Interessanteres wärst..." vielleicht wirken solche Kniffe ja bei ihm?)
Nachdem wir also die anatomischen Probleme wie Endometriose und das Barbamama-Myom in meiner Gebärmutter beseitigt haben, habe ich jetzt ein Eizellenproblem. Naja.
Einfach so weitermachen wäre also keine gute Idee, Aufhören aber auch nicht, und sie will nach dem Tiefkühlversuch - bei dem die eingefrorenen Eizellen übrigens ganz gut aussahen - unstimuliert weitermachen, und vielleicht sogar mal eine ICSI versuchen. Eine neue Abkürzung! Mein Befruchtungs-Paninibildchenalbum füllt sich langsam.

Blut habe ich auch dagelassen, und Dienstag Mittag gehe ich wieder vorbei zum nächsten Ultraschall. Irgendwann nächste Woche ziehen vermutlich die Tiefkühlwürmchen ein.

Eine Ereignis, das mir immer komplett unmöglich schien, tritt innerhalb von 24 Stunden zum zweiten Mal ein: Ich wünsche mir, wir hätten Stammtisch und mein Ex wäre da. Nur für fünf Minuten und dann auf Nimmerwiedersehen nicht mehr! Ich wäre währenddessen kurz die Nase pudern, und ihr könntet ihm mal in Ruhe oder gerne auch mit Nachdruck erklären, wie bescheuert genau der Vorwurf an eine Abkürzungsdame ist, mit aller Gewalt anders sein zu wollen als die anderen.

Dienstag, 12. April 2011

Ich heule nicht, ich bin erkältet, verdammp

Gestern mittag kam ein Anruf aus der Klinik, meine Blutwerte vom Freitag waren nicht ganz so dufte wie erhofft, ich sollte mir bitte heute mittag noch mal eine Brevactid spritzen und dann...

"Ich hab seit heute Nacht meine Tage."

Äh, tatsächlich? Also, in echt? So richtig?

"Ich kenne das jetzt seit ca. 25 Jahren, das sind meine Tage."

Aber wieso denn jetzt, das ist doch eine Woche zu früh?

"Nein, das ist auf den Tag genau pünktlich."

Aber... aber... ohje, das tut ihr leid. Wir sprechen morgen wieder. Aber die Medikamente muss ich dann jetzt nicht mehr nehmen.

Heute kam der Anruf: am Donnerstag vor Ostern soll ich mich früh in der Praxis "vorstellen".

Und dann? Ich könnte mir vorstellen, meine Ärztin hat auch hier wieder Gedanken gelesen: die Tiefkühlwürmchen würde ich jetzt auch gerne schnell hinter mich bringen. Denn ich glaube, auch die werden nach diesem Quatschzyklus nicht anbeißen, und dann können wir das Thema abhaken und uns dem nächsten Kapitel zuwenden: IVF ohne Stimulation. Nur meine quirligen Eierstöcke und ich. Um dann vielleicht nicht mit einem ganzen Körbchen voller Eier zu starten und am Ende doch ohne Baby dazustehen, sondern um ein, vielleicht zwei richtig schöne Eier zu haben.

Und die alten Tricks bekommen zwar langsam Patina, aber wirken immer noch: ich freu mich auf nächstes Wochenende, wenn die Mädchen geballt anrücken. Und auf ein anderes Wochenende mit einem Mädchen im Exil. Und auf Wandern im Schwarzwald, herumlungern am Pool mit pinken Getränken auf Eis im Juli, und vielleicht ja wirklich New York (zum letzten Mal ohne Kind? Irgendwie... glaube ich das nicht) mit L.
Autsch. Allein, weil diese Krämpfe dann für neun Monate aufhören würden, wäre eine Schwangerschaft doch mal nett.
Ätschipopätschi, Knallbauch: gestern abend habe ich vier Kisten leckeren Sommerwein aus Italien bestellt.

Ich merke genau an dieser Stelle wieder mal deprimierenderweise, dass ein Teil von mir scheinbar immer noch glaubt, für Nicht-unterkriegen-lassen gäbe es irgendwann einen Preis in Form eines Babys. Und wenn es dann ganz schlicht und undiskutierbar nicht klappt, dann fühle ich mich trotz Riesenklappe plötzlich ziemlich klein und doof. Darum jetzt sofort ein Themenwechsel:

Menschen mit vielen Kindern, vor denen ich mich grusele, nicht aus Neid, sondern aus... ich weiß auch nicht, der Tatsache, dass sie ein lebender Beweis dafür sind, dass diese Kindersache nichts, aber auch gar nichts mit Nett oder Nichtnett oder irgend einer Art von Belohnungssystem zu tun hat, sondern vollkommen willkürlich und chaotisch passiert. In letzter Zeit fallen mir da spontan zwei Beispiele ein: dieser grässliche Inzest-Mensch, der hoffentlich bis ans sehr späte Ende seiner Tage hinter Gittern in der gleichen Zelle mit einem Menschen mit krankhaften Blähungen sitzen muss, nachdem er mit seiner Tochter zig Kinder gezeugt hat. Und dann folgendes Video der Kelly Family, das ich bei dooce gefunden habe. Kinder, die auf Befehl ihrer Eltern auf einer Bühne vor Publikum singen müssen, dass sie heute Nacht nicht ins Bett pinkeln.

Samstag, 9. April 2011

Was hat sie, was ich nicht hab? Der große Klinikvergleich.

Gestern war ich noch mal in der Klinik, habe Blut dagelassen, damit überprüft werden kann, ob ich auch genügend Gelbkörperhormon im System habe, und hinterher war ich noch mal zur Akupunktur. Zum Abschied drückte der nette Chinamann mir herzlich die Hand, wünschte mir viel Glück und sagte, dass er jetzt erst mal nichts mehr für mich tun kann: "Wir haben an allen Rädchen gedreht, an denen wir drehen können." Und plötzlich ist klar, dass diese IVF im Grunde jetzt gelaufen ist.

Ich sitze im Bett, der Hund war schon ausgiebig spazieren, neben mir steht eine Tasse Kräutertee, und ich kann meine Augen auch ohne zwei dazwischengeklemmte Streichhölzer ausnahmsweise offen halten. Anlass genug, den großen Vergleich zwischen den beiden Kliniken zu ziehen: was hat die eine, was die andere nicht hat?

Ein dicker Unterschied besteht eigentlich weniger zwischen den Kliniken als zwischen den Ärzten. Arzt A war ziemlich jung, sehr freundlich, sehr korrekt, und wenn ich nicht am Akzent gehört hätte, dass er aus der Dortmunder Ecke kommt, hätte man ihn gut als Schweizer verkaufen können. In seinem Behandlungszimmer gab es ziemlich wenig Persönliches, was natürlich auch daran liegen kann, dass er gerade erst dort angefangen hatte. Bei allem, was er tat und ließ, erklärte er mir genau, wieso und wieso nicht (das ist glaube ich die neue Schule Ärzte, die lernen das jetzt alle, so dass man z.B. Anästhesisten hat, die die Einstichstelle desinfizieren und sagen "Jetzt wird es gleich ein bisschen kalt und feucht, jetzt wische ich, jetzt piekst es, jetzt leite ich eine Lösung ein, jetzt beginnen wir mit der Narkose, jetzt kribbelt gleich der Arm, jetzt haben sie gleich einen merkwürdigen Geschmack oder Geruch in der Nase, jetzt schlafen sie gleich ganz ruhig ein". Ächz.), und es gab immer für alles eine Erklärung, auch wenn ich damit nicht immer restlos zufrieden war. (Z.B. habe ich nie verstanden, wieso es mal hieß, diesen einen Versuch machen wir noch trotz Myom, denn operieren würden wir das ungern, weil zu schwer, und wenn es JETZT nicht klappt, dann wissen wir, dass wir operieren müssen - um dann nach dem gescheiterten Versuch einfach die nächste Runde einzuläuten, mit genau der gleichen Begründung.) Arzt A hätte ich jederzeit als Ingenieur bei einem NASA-Projekt besetzt, oder als kommenden Mann im Beratungsstab der Bundeskanzlerin.
Dagegen Ärztin B: Ärztin B ist vermutlich 50, fröhlich, ein bisschen chaotisch, klackert auf bunten Berkemännern durch die Praxis, und was sie sagt, klingt zwar nicht immer wie aus dem Lehrbuch, aber trotzdem unmittelbar überzeugend. Was sie sagt, hat meistens eher mit grundsätzlichen Dingen über meinen Bauch und meine Aussichten zu tun als damit, was genau in den nächsten Tagen passieren wird. Das kann gut daran liegen, dass sie ja weiß, dass ich das nicht zum ersten Mal erlebe. Ihr Behandlungszimmer ist voll mit Bildern, Fotos und anderen Dingen, die sie mag. Wenn ihr was nicht passt, knallt sie mir das um die Ohren - was ich aber mag, denn wenn man zu zuvorkommend und zart mit mir umgeht, fühle ich mich sofort wieder wie ein armes hilfloses Hormonschaf. Ärztin B wäre sofort durchgegangen als Fernsehköchin, die in einer Ente auf Fresstour durch Europa ist und mit italienischen Trüffelsuchern durch den Wald stapft, als Künstlerin oder als ehemalige Pipi-Langstrumpf-Darstellerin. Wenn Arzt A sagte, er wünscht mir viel Glück, war das höflich. Wenn Ärztin B das sagt, dann strahlt sie mich dabei so an, als würde sie sowieso fest davon ausgehen, dass es klappt. Ich fühle mich mehr zuhause bei Ärztin B als bei Arzt A. Vermutlich bin ich da ungerecht, denn das war eigentlich auf den ersten Blick so, und alles, was danach passiert ist, war fast egal.

Dann die Kliniken: Klinik A liegt um die Ecke der Glückscheeseburger. Klinik B bietet zwar keine Cheeseburger, aber Glückspasta und Glückspizza. Aber das ist längst nicht der einzige Unterschied! Klinik A ist riesig, sie zieht sich über mehrere Etagen, im Wartezimmer gibt es ungefähr 30 verschiedene Zeitschriften, und ich hatte da im Lauf der Monate mit bestimmt acht verschiedenen Sprechstundenhilfen zu tun. Klinik B passt locker in eine Etage, und es geht ein bisschen enger zu: unser gemeinsames Aufklärungsgespräch vor der Punktion hatten wir im Pornozimmer, weil gerade nichts anderes frei war, wo wir dann L. auch allein zurückgelassen haben. Das können andere finden, wie sie wollen, ich fand es nett und familiär.
In Klinik A nimmt man es in so ziemlich jeder Hinsicht sehr, sehr genau. Für die Zeit zwischen Transfer und Test hat Klinik A mir ein doppelseitig bedrucktes DIN A 4-Blatt mitgegeben, auf dem stand, was ich tun und lassen soll, und diese Liste wurde noch mündlich von einer Sprechstundenhilfe ergänzt. (Aus dem Gedächtnis weiß ich noch, dass ich täglich Eiweißpulver trinken, mich eigentlich nur schonen und im Zweifel alles lassen soll, das mir nicht ganz astrein erscheint. Was ich nicht soll, machte den Hauptteil der Seite aus: nicht rennen, auch nicht dem Bus hinterher, nicht Trampolin springen, nicht radfahren, keinen Rohmilchkäse, keine luftgetrocknete Salami oder Schinken, keinen Lachs, keine Mayonnaise, keinen rohen Fisch, kein rohes Fleisch, selbstverständlich keinen Alkohol, keine warmen Duschen, keine... ach, was weiß ich.) Als wir nach dem Transfer die Praxis verließen, erlaubte die Sprechstundenhilfe mir nicht, meine Stofftasche, in der sich sichtbar nicht mehr als ein paar Socken, meine Hausschuhe und das bisschen Klinik-Papierkram befanden, selbst zu tragen.
Klinik B dagegen übertrug mir meine Eier und wies mich an, es in den nächsten zwei Wochen ein bisschen langsam angehen zu lassen, viel Wasser zu trinken und Ruhe zu bewahren. Und der Chinamann, den ich am gleichen Tag zur Akupunktur traf, wunderte sich: "Hat sie ihnen gar nicht gesagt, sie sollen heute und morgen Abend ein Glas Rotwein trinken? Das macht sie immer, hat sie bestimmt vergessen! Dann sage ich ihnen das jetzt." Aha. Wieso das denn, Rotwein nach dem Transfer? "Dem Embryo schadet es jetzt mit Sicherheit noch nicht, der hängt erst in einigen Tagen am Kreislauf mit dran. Das ist also die letzte Chance für wer weiß wie lange. Und außerdem wärmt Rotwein die Gebärmutter, und das braucht sie jetzt - denn immerhin wurde mit kaltem Stahl in einem warmen Milieu hantiert, das mag sie nicht, und wir wollen doch, dass es ihr gut geht für die Eierchen?" Na gut, damit es meiner Gebärmutter gut geht, habe ich schon ganz andere Dinge getan als Rotwein trinken.

Auch bei den Medikamenten ließ es Klinik B lässig angehen. "So, hier sind Ihre Rezepte, hier der Plan, viel Spaß, wir sehen uns in einer Woche wieder." Während ich in Klinik A fast einen Spritzkurs bekam. Aber auch hier will ich Klinik B kein Unrecht tun, nachdem ich mich da als Vollprofi verkauft hatte; beim ersten Mal machen die das bestimmt auch anders. Und der Plan: Klinik A gab mir immer, bei jedem Schritt, längst nicht nur bei der Eisprungspritze, das deutliche Gefühl, wenn ich nicht alles GANZ GENAU SO mache, wie befohlen, dann kann ich die Sache im Grunde vergessen. Klinik B fand es dagegen nicht so schlimm, dass wir das Ganze jetzt um eine Woche nach vorne oder nach hinten verschieben - "alles kein Problem, machen Sie einfach, wie Sie meinen!"

Je länger ich drüber nachdenke, desto lieber ist mir Klinik B. Aber desto lieber ist es mir auch, dass ich meine ersten Versuche in Klinik A hatte, wo man mich bei jedem kleinen Trippelschritt an die Hand genommen und mir jede Entscheidung einfach abgenommen hat.

Gleichzeitig frage ich mich wieder mal, wie zwei Kliniken eine so einfache Sache wie die Warteschleife so unterschiedlich behandeln können. Auch in Klinik A haben das nicht alle Sprechstundenhilfen gleich gemacht. Die eine fing an, mir Dinge zu verbieten, und hörte gar nicht wieder auf. Eine andere schüttelte mir die Hand und sagte warm "herzlichen Glückwunsch, Sie sind jetzt schwanger, verhalten Sie sich dementsprechend." Aber mal ehrlich: es muss doch, nachdem Frauen seit Zehntausenden von Jahren schwanger werden, inzwischen eindeutige, verbindlich belegte Erkenntnisse dazu geben, was in dieser Zeit wichtig ist und was nicht? Und wenn das so ist, wieso sind dann die einen der Meinung, sie müssten uns Thunfisch verbieten (wegen des Quecksilbers) und andere uns sagen, wir sollten uns bloß ein bisschen schonen?
Ich habe einen dumpfen Verdacht, woher das kommt: ich stelle mir vor, ich bin ein Medizinautor und schreibe ein Schwangerschaftsbuch. Ein Buch, das sich frisch schwangere Frauen kaufen, die an der Kasse ein bisschen rot werden und sich dann zuhause mit ihrem Babybuch aufs Sofa legen und alle paar Seiten rufen "Schahatz, wusstest du schon, dass...". Diesen Frauen will man natürlich gönnen, dass der Spaß länger dauert als nur zehn Minuten. Und genau das wäre der Fall, wenn in einem Babybuch stehen würde "herzlichen Glückwunsch, Sie sind schwanger, schonen Sie sich in den nächsten neun Monaten, nur nichts überstürzen, toi toi toi für die Geburt."

Dienstag, 29. März 2011

Keine Rose ohne Marienkäfer

Zurück von der Ärztin.
Der unerfreuliche Teil: ich stehe in meiner Mittagspause vor dem Tresen der Klinik, und die Sprechstundenhilfe teilt mir mit, dass es evtl. noch etwas dauern könnte.
Ich: aha. Wie lange denn so in etwa? Eine Viertelstunde? Eine halbe?
Hilfe: das kann ich nicht sagen, sie ist außer Haus. Sonst können Sie Ihren Ultraschall auch gerne bei einem der Kollegen machen lassen?
Ich: das wäre dann vielleicht besser, ich muss zurück an die Arbeit.

Kaum habe ich mit dem Hintern die Wartezimmersitzfläche berührt und die Klatschzeitschrift entfaltet, kommt Frau Doktor im Eilschritt um die Ecke und nimmt mich mit ins Zimmer. Ich bin begeistert, sie ist hektisch und fängt sogar an, ein bisschen zu schimpfen: ich sollte meine Termine in Zukunft doch bitte nicht ganz so knapp planen, denn ein paar Minuten länger kann es immer dauern, und sooo eilig kann es doch kein Mensch haben?
Ich verteidige mich noch und sage, ich wusste ja nicht, dass es nur ein paar Minuten sind – sie schimpft weiter, sie hätte das den Sprechstundenhilfen genau so gesagt und die hätten das auch mit Sicherheit so weitergegeben.

Nanu, ich habe doch wirklich nicht am Tresen gestanden und geschimpft, dass ich jetzt SOFORT und UNVERZÜGLICH Frau Doktor sprechen will?! Eieieiei. Zum Glück ist sie sogar im Zorn ganz reizend, die Ärztin.

So viel zum (mäßig) unerfreulichen Teil.

Der erfreuliche: meine Eierstöcke brüten wie bekloppt, zumindest der eine. Darum ist übermorgen die Punktion, und stimuliert wird nicht mehr, ich muss mir nur heute um Mitternacht die Auslösespritze geben. Das heißt, nach nur fünf Tagen Stimulation geht es los. Und sie ist sich sicher, dass sie allein aus meinem fleißigen Eierstock bestimmt 20 Eizellen holen kann und dass das eine großartige Sache ist nach monatelanger Downregulation, mehreren OPs und schlimmer Endometriose.
Ich fühle mich inwändig wie eine Rumbarassel. Eieieieiei!

Montag, 28. März 2011

Fünf Tage Spritzen später...

fühlt sich der Bauch von Innen dick an. Lasst mich das erklären, wer noch nie eine IVF oder ICSI erlebt hat, der kann sich das vermutlich nicht vorstellen. Es ist nicht, dass die Hose nicht mehr passt, ich fühle mich auch nicht wie überfressen. Ich habe nur das deutliche Gefühl, da drinnen wird es eng. Davon abgesehen ist alles wie immer, genau wie immer. Keine Kopfschmerzen, keine schlechte Laune, keine Pickel, keine Zipperlein.
Morgen ist Ultraschall. Bin ich gespannt.

Freitag, 25. Februar 2011

Der Hormonzirkus ist zwar noch nicht da, aber in der Fußgängerzone hängen schon die ersten Plakate

Heute war L. zum ersten Mal mit in der neuen Klinik. Und das beim ca. sechsten Besuch! Aber wirklich neu ist das alles für ihn ja nicht, außerdem war ich bisher emotional nicht besonders aufgewühlt bei meinen Besuchen, brauchte also auch keine starke Schulter, und wirklich zu tun gab es für ihn da auch nichts. Heute fand ich aber, es ist höchste Zeit, dass er meine Ärztin mal kennenlernt und sie ihn, schon allein, um sicher zu sein, dass es ihn wirklich gibt und er nicht ein schillerndes Geschöpf meiner Phantasie ist.
Das schillernde Geschöpf meiner Phantasie und ich saßen also heute zum ersten Mal Seite an Seite vor der netten Ärztin, ich ein bisschen nervös, denn das C-Wort und die ganze traurige Geschichte, die damit zusammenhängt, haben mir heute Nacht ganz schön die Träume vergiftet. Zum Glück fegte sie das Wort, die Geschichte und meine üblen Träume einfach vom Tisch, indem sie sagte: "Das ist Blödsinn. Kompletter Blödsinn. Diese Endometrioseverwachsungen können ganz unterschiedlich aussehen, und ja, an Chlamydien darf man dabei als Operateur auch mal denken, aber bei Ihnen nicht. Sie - haben - keine - Chlamydien."

Na bitte. Damit zur Frage, wie es weitergehen soll. Sie sagte, wir dürften auch ruhig noch mal ein halbes Jahr nach Hause gehen und es alleine versuchen. Aber das wollte ich nicht. Nicht, weil ich so wahnsinnig scharf darauf bin, mein Leben sechs Wochen lang von Spritzen und Tabellen lenken zu lassen, sondern aus wohldurchdachten, erwachsenen 1a Gründen.
Nämlich:
1. Innerhalb weniger Monate ist einer meiner Eileiter wieder zugegangen. Was, wenn der andere ihm das jetzt heimlich nachmacht? Bis zur nächsten Bauchspiegelung hätten wir keine Chance, zu erfahren, was genau da unten vor sich geht, und würden es immer weiter probieren... und probieren... und probieren.
2. Die Endometriose, Myome und anderen Verwachsungen scheinen ziemlich fix zu sein in meinem Bauch, egal, wie wir dagegen anspritzen. Ich bin mir nicht sicher, ob mir ein halbes Jahr bleibt, bis alles wieder zugewachsen ist und die nächste OP anstehen würde. Und ich glaube, dank dieser Schling- und Würge-Gewächse sind meine Chancen in freier Wildbahn sowieso schon nicht besonders gut.
3. Im Zweifel kriege ich eher sechs Wochen hin, bei denen ich mich nach drei Fixpunkten - Ultraschall, Punktion und Rückübertragung, richten muss als sechs Monate, in denen wie durch Zauberhand immer entweder L. und ich zum entscheidenden Zeitpunkt an zwei verschiedenen Orten sind oder der entscheidende Zeitpunkt sich trotz perfekter Planung dauernd verschiebt.
4. Ich kenne das schon, ich hatte schon zwei IVFs, und ich fand, das lässt sich aushalten. Das jetzt noch mal zu machen und dadurch die Chance zu erhöhen, innerhalb von wenigen Zyklen schwanger zu sein, klingt wie etwas, das ich hinkriege. Und L. sagt, er kriegt das auch hin.
5. Aus irgend einem Grund traue ich meiner fabelhaften neuen Ärztin zu, dass sie das noch besser kann als meine alten Ärzte. Die soll das ruhig auch mal versuchen dürfen.

Heute habe ich also noch mal Blut dagelassen und mir ein Enantone-Rezept abgeholt. Am Montag rufe ich an, und falls der Enantone-Vorrat der letzten Monate inzwischen von meinem Stoffwechsel aufgeknuspert sein sollte, gebe ich mir Montag noch einmal eine Spritze. Die soll Synarela ersetzen. Das wird Phase 1. Und nach ca. drei Wochen fangen wir dann an, zu stimulieren. Das wird Phase zwei. Und zwischendurch soll ich einmal monatlich zur Osteopathin gehen und mich mit meinem Chinamann besprechen, ab wann er wieder ran soll.

Wieder mal habe ich eine lange, lange Wartezeit hinter mich gebracht, ohne es überhaupt zu bemerken. Die letzte Behandlung war nur eine Rückübertragung und fand vor ziemlich genau einem Jahr (glaube ich) statt. Jetzt sind es plötzlich nur noch etwas mehr als drei Wochen bis zur nächsten Gonal. Eieiei! Die letzte von denen hatte ich wohl im Juni 2009? In einem Sommer vor langer, langer Zeit... vor der Selbständigkeit, vor dem Umzug, vor Lili, vor der Fehlgeburt, vor der kirchlichen Hochzeit - Gonal war ewig nicht mehr da. Das ist ja fast so wie die Wiedereinführung von Brauner Bär!

Haltet mich für bekloppt, aber ich freue mich auf den Hormonzirkus. Ich will endlich mal wieder rauf auf dieses geistesgestörte Pony mit den rosa Federn auf dem Kopf.

Montag, 14. Februar 2011

Das fängt ja augezeichnet an.

Diese Bauchspiegelung ist schon jetzt anders als alle anderen zuvor: ich soll um zwölf im Krankenhaus sein. Um zwölf! Nicht um halb sieben, um sieben oder um sechs, sondern um zwölf. Ich bin begeistert. Die Tasche mit dem dicken glucksenden Adept-Beutel ist gepackt, ich habe etwas Weites an, in das morgen mein Adept-gefüllter und malträtierter Bauch passt, und ich bin wirklich, wirklich bester Dinge. Nicht zuletzt auch deshalb, weil diesmal das beste aller Krankenlager zuhause auf mich wartet: Lili zu Ehren, die noch keine Treppen steigen darf, haben wir unser Bett im Wohnzimmer aufgebaut. Direkt in Reichweite von Telefon, Fernseher und Kamin. Und nur ein paar Trippelschritte zur Küche.

Liebe Abkürzungsdamen, bitte Daumen drücken, dass mein Bauch sich heute von seiner allerlangweiligsten Seite zeigt!

Donnerstag, 27. Januar 2011

Kopfschüttelnd und zähneklappernd

Falls dieser Post nicht ganz so lang wird: das liegt nicht daran, dass ich keine Lust oder keine Zeit hätte, sondern daran, dass meine Finger vor Kälte beim Schreiben so dermaßen steif sind, dass sie fast genau so klappern wie die Tasten.
Und dabei gibt es wirklich viel zu erzählen.
Seit zwei Tagen hatte ich ein bisschen Angst: trotz Enantone habe ich nämlich plötzlich geblutet, und zwar in ziemlichen Mengen. Weil aber gestern Großkampftag in der Agentur war und ich heute sowieso zum Vorgespräch für die Bauchspiegelung am 14.2. musste, habe ich ausnahmsweise nicht panisch bei meiner Ärztin angerufen, sondern fein still meine Arbeit gemacht und gewartet. Das Warten hat sich gelohnt. Als ich heute morgen um elf auf dem Stuhl saß, gab es im Grunde nichts Neues: Myömchen im Werden, ein Eierstock schläft, wie er soll, während der andere überraschenderweise trotz allem Follikel produziert wie eine Popcornmaschine. Also im Grunde genommen wie eine Popcornmaschine, der man den Stecker rausgezogen hat und die trotzdem weitermacht. Die Ärztin stocherte und guckte und klickte bestimmte Bereiche auf dem Ultraschallbildschirm an, und sie sagte, Myome wären vermutlich gar nicht mal mein Hauptproblem, sondern die Endometriose. Und dann kam sie, die große Überraschung: "Haben Sie schon mal von Adept gehört?" Nein. "Adept ist eine Lösung, mit der wir Ihren Bauchraum nach der OP spülen können. Die Lösung bleibt drin, und sie verhindert, dass die Endometriose nachwächst. Es gibt aber auch einen Nachteil."

Was? Fallen mir auf einen Schlag alle Haare aus und nehmen Enantone die Arbeit ab? Ermuntert Adept die Myome zu neuen Höhenflügen? Macht es mich - HORROR! - unfruchtbar?

"Es kostet 135 Euro."

Ehrlich, Abkürzungsdamen: ist das eine Zahl, die uns um den Schlaf bringt?

Was mich aber vermutlich in der nächsten Nacht um den Schlaf bringen wird, ist das: ich habe jetzt seit drei Jahren Endometriose. Und ich hatte deshalb vier Bauchspiegelungen, in zwei Wochen die fünfte. Und erst bei der fünften kommt jemand auf die Idee, mich danach zu fragen?

Manchmal... also manchmal...

Dienstag, 14. Dezember 2010

Schon wieder vorbei, das Minihoch.

Vor vier Wochen bin ich nach langer Zeit mal wieder im Geiste pfeifend aus einer Kinderwunschklinik spaziert. Meine Gebärmutter sah "glatt" aus (was auch immer das heißen mag, der Gesichtsausdruck meiner Ärztin zu dieser Nachricht war verheißungsvoll), zumindest ein Eierstock produzierte trotz ausdrücklichem Hormonverbot, was ebenfalls ein gutes Zeichen zu sein schien, und meine Ärztin war bester Dinge. Heute zeigte sich ein funkelnagelniegelneues Myom in meiner Gebärmutterwand, das da vor vier Wochen noch nicht war, die Gebärmutter war verschoben (hätte die Osteopathin danebengestanden, hätte sie gesagt "siehste, siehste"), und die Ärztin war schon nicht mehr ganz so euphorisch, sondern erklärte mir, genau solche Späße wären der Grund, warum sie gerne im Januar noch mal eine Bauchspiegelung mit mir machen lassen würde. Ja gut. Dann gab es noch ein neues Enantone-Rezept, und ich musste schnell-schnell zurück in die Agentur, in der ich heute gebucht war, denn für die übliche Nach-Klinik-Belohnungs-Mittagspause beim kleinen Italiener war leider keine Zeit. Statt Pasta und einem Achtel Rotwein gab es ein Bounty vom Kiosk. Aber damit war der Ärger noch nicht vorbei: in der Hormone-Speziale-Apotheke war Enantone aus, und in der anderen Apotheke gegenüber der Agentur händigte man mir kurz vor Schließung ein Päckchen aus, das dem vom letzten Mal so gar nicht ähnlich sah. Diesmal gab es keine patente Einmalspritze, sondern Spritze, zwei Nadeln und ein Fläschchen mit Pulver. Ich dachte natürlich, das kriege ich hin. Letzten Endes hab ich das auch hingekriegt, eben gerade, vor einer halben Stunde. Aber ich bin heilfroh, dass das nicht meine erste selbstverpasste Spritze war, denn dann würde ich jetzt mit den Zähnen klappernd in der einen Zimmerecke kauern, während die noch unerledigte Spritze in der anderen liegen und die Nadel bösartig im Tranfunzellicht funkeln würde. Die Krux war nicht die Tatsache, dass es wieder mal darum ging, sich eine Nadel in die eigene liebe Haut zu rammen, sondern die Gebrauchsanweisung, in der mindestens die Hälfte fehlte. Es war z.B. keine Rede davon, dass man sowohl von Pulvergefäß als auch von der Spritze noch einiges zu entfernen hatte, bevor es losgehen konnte, und die Zeichnungen sahen überhaupt nicht so aus wie die Bauteile des Hormonbastelsets. Dann war da noch in gefetteter Schrift die Rede davon, man sollte die Nadel unbedingt IM Uhrzeigersinn aufschrauben. Nach ein paar vergeblichen Versuchen war klar, gemeint war gegen den Uhrzeigersinn. Nachdem ich die Flüssigkeit aus der Spritze wie angewiesen in den Pulverflakon gespritzt und das ganze gut durchgeschüttelt hatte, war der Flakon voller Schaum und entsprechend schwierig zurück in die Spritze zu saugen. Fast genau so schwierig war es dementsprechend, die Luft aus der Spritze zu drücken (wovon in der Anweisung keine Rede war, genau so wenig wie davon, die Hautstelle mit Alkohol zu desinfizieren). Und dann die Nadeln: die eine war dazu da, die Flüssigkeit in das Pulver zu drücken und das Gemisch zurück in die Spritze zu saugen, dann sollte sie weg, und die andere sollte zum Injizieren aufgesetzt werden. Meine Intuition (sprich: meine alte Feindin Spritzenangst) sagte mir, dass zum Injizieren in jedem Fall die Kleinere genommen werden sollte. Falsch: laut Anweisung und Folie auf dem Rücken der Spritzenverpackungen war es die größere, obwohl die nun deutlich größer aussah als die Nadeln, die wir Hormondamen sonst von Selbermach-Spritzen gewohnt sind.
Das war alles nicht schön. Wäre es gerade um ein IKEA-Regal gegangen, hätte ich herzlich gelacht und das ganze in meiner Anekdoten-Sammlung für wirklich, wirklich langweilige Parties abgelegt. Aber das war kein IKEA-Regal, das war das Hantieren mit Kanülen, Hormonen, Luft, Haut und Ängsten.
Na gut. Die Spritze ist jetzt eine halbe Stunde her, hat zwar dank langer, langer Nadel mehr Überwindung gekostet als sonst, aber dafür nicht mehr gepiekst, ich habe bisher keinen Schlaganfall erlitten und werde morgen bestimmt munter (und mit frischer Bauchbeule) aufwachen. Aber, liebe Hersteller der Pulvervariante von Enantone: ich kenn da eine, die schreibt ausgezeichnete Texte zum Thema Medizin und Pharmazie, und die wäre bestimmt bereit, für einen vernünftigen Preis eine neue, fabelhafte Gebrauchsanweisung für euer vernünftiges, fabelhaftes Medikament zu schreiben.

Montag, 15. November 2010

Stunden später bin ich immer noch begeistert.

Jetzt noch mal in Ruhe. Heute war der Termin, an dem Ultraschall und zweite Enantone-Spritze fällig waren. Wobei die Enantone-Spritze, wir erinnern uns, im Rahmen des langen Protokolls eigentlich alle Aktivitäten meines Unterleibs (Follikelreifung, Bilden von jeder Menge Gebärmutterschleimhaut und Endometriose, Myomproduktion im ganz großen Stil) komplett unterdrücken sollte. Durch diese Spritze hätte da unten alles ratzekahl sein sollen: weder Schleimhaut, noch Myome, noch Endometriose, noch Zysten, noch Follikel. Aber auch heute hatte meine Quatschbauch eine Überraschung für mich, diesmal allerdings eine nette. Keine Myome, keine Zysten, keine Endometriose und auch sonst kein Mist. Stattdessen eine schöne, dicke Schleimhaut und sieben mit Macht reifende Follikel in einem Eierstock. Und darüber war die Ärztin während des ganzen, 15 Minuten dauernden Termins anhaltend begeistert. Denn diese Follikel sagen uns: mein Körper wäre gerne schwanger. Er legt sich ins Zeug, und wenn auch der komplette Hormonstoffwechsel dagegen ist. Mein Körper führt sich gerade in einer Weise auf, dass ich fast doch an Tropis glauben könnte, Kinder trotz Pille. (Wenn mir jemand so etwas erzählt, dann denke ich immer: jaja, mindestens dreimal Pille vergessen oder wieder ausgespuckt und es nur nicht zugeben wollen. Aber diese Spritze habe ich mir nicht selbst gegeben, das war eine Fachkraft, und die dicke Beule an meinem Bauch war der unübersehbare Beweis, dass in dieser Spritze etwas Spannendes war und nicht irgend eine vergessene Spüllösung. Hätte ich mir die Spritze gesetzt, dann würde ich mir jetzt einbilden, ich hätte das nur geträumt oder eine geteilte Persönlichkeit entwickelt, deren eine Hälfte die Spritze kichernd ins Moor geworfen hat, während die andere Hälfte Stein und Bein schwören würde, sie sich ehrlich echt und genau wie angewiesen in den Bauch gerammt zu haben.)

Und daraus hat sie den Schluss gezogen, mit der nächsten Spritze noch zu warten, bis sie meine Blutwerte von heute gedeutet hat. Und, dass wir aller Wahrscheinlichkeit nach den nächsten Zyklus zu Fuß probieren - mit minimaler Stimulation, und jedenfalls ohne IVF. Als sie mir das gesagt hat, hatte sie selbst vor Begeisterung so kleine Kiekser in der Stimme und hüpfte im Sitzen auf ihrem Stuhl auf und ab. Und ich freue mich. L. allerdings kann ich dazu noch nicht überreden. Der wittert hinter der nächsten Ecke eine neue Falle. Damit hat er bestimmt auf seine Art irgendwie Recht. Aber ich auf meine Art auch.

Damit zur Bilanz nach einem Monat Enantone. Diesmal gab es Nebenwirkungen. Und zwar in unsortierter Reihenfolge:
1. Stimmungsschwankungen, und wie. An einem Tag bin ich morgens so zerknirscht und hoffnungslos aufgewacht, dass L. Sorge hatte, mich zur Arbeit zu lassen, aus Angst, ich würde mich vor die Ubahn werfen. Ich bin dann trotzdem gegangen und habe mich nicht geworfen, aber ich hätte volles Verständnis für jeden meiner Mitwartenden auf dem Bahnsteig gehabt, der es getan hätte. Bäh, war das fürchterlich. Und aufschlussreich: seit diesen 48 Stunden sehe ich Depressionen mit anderen Augen, und die Tom Cruise dieser Welt, die meinen, sowas müsste auch ohne Medikamente gehen unter erwachsenen und psychisch optimierten Menschen, die haben tatsächlich keine Ahnung und sollten es mal mit Enantone probieren.

2. Haarausfall. Zwar habe ich eine Menge Haare, immer noch, aber es waren mal mehr. Jetzt muss ich wirklich jeden Abend meine Haarbürste grundreinigen, und mein Pferdeschwanzgummi muss ich so oft wie nie um den Pferdeschwanz wickeln. Die Ärztin hat mir Hormonhaarwasser aus der Apotheke empfohlen, und vielleicht probiere ich das, nur, um euch berichten zu können, wie das dann wieder ist.

3. Müdigkeit. Jeden Abend um acht gehen bei mir innerlich die Lichter aus. Ab dann arbeitet mein Gehirn bei Kerzenschein, und ich halte mich mühsam noch zwei-drei Stunden wach, bis auch Leute jenseits des Kindergartenalters in ihr Pölterchen schlüpfen und ins Bett kriechen können.

4. Ansonsten bisher für alle Klischee-Wechseljahresbeschwerden, mit denen ich fest gerechnet hatte, Fehlanzeige. Ich bin nicht dicker oder dünner, als ich nach Nahrungsaufnahme und Bewegung sein sollte, ich hab keine Hitzewallungen, und ich überlege nicht, mir eine Katze zu kaufen.

5. Dafür eine schöne, dicke Schleimhaut und sieben Follikel.

Irgendwann morgen klingelt mein Handy, und die Dame aus der Praxis sagt mir, wann ich mir meine Enantone-Spritze setzen soll, die hier vor mir auf dem Tisch liegt. Ich bin ein bisschen aufgeregt: endlich wieder eine Spritze. Und so wie es aussieht, für eine Weile vermutlich die letzte.

Nächstes mal nimmt die Freakshow Eintritt

Gerade auf dem Stuhl: nach einem Monat Enantone habe ich in einem Eierstock sieben Follikel. Meine Ärzrin war ganz aufgeregt, aber
ich gucke eigentlich inzwischen kaum noch hin. Was ist es diesmal? Eine Gebärmutter in Hello Kitty-Form? Sprechende Zysten? Die mit meinen Eileitern Seil springen?

Sieben. Hihihi.

Dienstag, 19. Oktober 2010

Eindeutig Rundregulation, würde ich sagen

Es ist 5 Uhr 17, und Flora schreibt einen Post. Gestern WAR aber auch ein Tag! Nach einer Nacht, in der ich übern Daumen drei Stunden geschlafen habe - einfach so, eine flippige Laune meiner Nerven - habe ich mich morgens ächzend, fluchend und Haare raufend aus dem Bett gepellt und bin zur Arbeit gefahren. Die Arbeit hat sich in diesem Fall schon seit ein paar Tagen wieder langsam gemuckst, obwohl doch gestern eigentlich erster Arbeitstag sein sollte. Wer will es der Arbeit verdenken? Heute ist ein wichtiger Präsentationstermin, die Hälfte der Belegschaft ist entweder krank oder sitzt auf fremden Kontinenten fest, und da dachten sie, sie rufen mal an. Von Bett und Sofa aus hab ich getan, was ich konnte, aber trotzdem war gestern schon in dem Moment, in dem ich aus winzigen knallroten Augen in den Spiegel gestarrt habe und das alles nicht fassen konnte, vollkommen klar, dass dieser Arbeitstag ein knallvoller, anstrengender und langer werden würde.
Wodurch fast ein bisschen in den Hintergrund geriet, dass gestern außer einem dicken fiesen Arbeitstag auch der große Tag war. Der Tag, an dem unser Buch endlich erscheint. Eigentlich - ganz eigentlich - hätte das danach verlangt, dass ich mich in den Zug setze, meine Coautorin von ihren sicher auch unaufschiebbaren Jobs abhalte und wir den ganzen Tag lang Luftschlangen pusten und sprudelnde Getränke trinken. Auch, wenn ich leider bis jetzt noch keins der Bücher gesehen habe, der Verlag hat fest versprochen, heute ist es so weit.
Zwar hatte ich gestern also Stress und noch kein Buch, aber auch einen Arzttermin: Nachsorge und Wie-gehts-weiter in der Klinik. Um die Mittagszeit habe ich also trotz sich durchbiegendem Schreibtisch irgend etwas gemurmelt, meine Tasche geschnappt und mich auf den Weg zur S-Bahn gemacht, so schnell das mit meinen aus irgend einem Grund täglich größer und ausgelatschter werdenden Mittelpumps ging. Schlupp-Schlupp. (Ein bisschen wie Clogs mit Socken. Aber ich schweife ab.) Es stellte sich heraus, dass Frau Doktor mich weder auf dem Stuhl noch ohne Hose sehen wollte, "da gibt's jetzt nichts zu sehen, das wäre Quatsch." Stattdessen las sie mit mir zusammen noch mal den OP-Bericht, in dem nichts wirklich Neues stand: schlimme, schlimme Endometriose, große Wundfläche, lange Heilungszeit, dringend empfohlene Hormonbehandlung. Im Krankenhaus hatte der Arzt das noch als "Hormonkur, die Sie vorübergehend in die Wechseljahre versetzt" bezeichnet, das klang nicht so verlockend. Frau Doktor nahm in dem Zusammenhang gestern zum ersten Mal die Worte "langes Protokoll" in den Mund, und in dem Moment war klar: Aaaah, ist doch gar nicht so schlimm, ist doch langes Protokoll. Wie eine extended Version des kurzen Protokolls? So in etwa, und eigentlich nicht besonders kompliziert. In ungefähr zwei Monaten darf dann das Krankenhaus noch mal in meinen Bauch gucken, und danach entscheiden wir, ob wir nur stimulieren oder meine dritte IVF starten. Außerdem ist der Chinamann erst mal draußen, zu viel Hormone für seinen Geschmack, stattdessen soll ich nun zur Osteopathin. Mit Rezept wurde ich in die Apotheke geschickt, wo ich erfrischenderweise nur zehn Euro zu zahlen hatte und ein kleines Päckchen mit meiner Spritze bekam (wie die hieß, weiß ich gerade nicht mehr, und wenn ich jetzt ins Schlafzimmer und an meine Hose schleiche, um den Beipackzettel zu suchen, wacht L. auf - also morgen). Mit Spritze kam ich zurück in die Klinik, musste noch kurz warten und dann Blut lassen und mir die Spritze in den Bauch geben lassen. Wobei mir erklärt wurde: eigentlich darf ich das auch selbst, aber von diesen Spritzen brauche ich nur alle vier Wochen eine, und das Anmischen (Spritze in Ampulle stechen, Spritzeninhalt in die Ampulle drücken, alles gut schütteln, Ampulleninhalt zurück in die Spritze ziehen, alte Nadel ab, neue Nadel drauf, Luft raus und dann ca. ein Schnapsglas voll milchiger Brühe in den Bauch) ist ein bisschen komplizierter als Gonal - deshalb haben sie mir das gerne abgenommen. Während die Arzthelferin drückte, rettete ich den Beipackzettel aus dem Müll als Lektüre für die S-Bahn-Rückfahrt ins Büro. Und wieder mal machte ich die Beobachtung: egal, wie viel Kummer, Grübeleien, Wut und Verwirrung in meinem Kopf vorher geherrscht hat angesichts unklarer Aussichten, was das jetzt alles schon wieder werden soll mit noch mehr OPs und noch mehr Medikamenten, ein kurzer Besuch in der Klinik (das war bei der alten meist auch so) reicht, und plötzlich ist doch eigentlich alles gar nicht so schlimm. Wir downregulieren mich jetzt, genau! In vier Wochen bekomme ich noch eine Spritze, und auch der Rest des Plans klingt auf einmal ganz vernünftig und so, als wäre es genau das Richtige. Fein, fein.
Leider hatte ich die Zeit, die ich eigentlich beim Schnellitaliener in der Herbstsonne mit Pasta und einem Gläschen Rotwein zur Feier des Tages verbringen wollte, im Wartezimmer mit der Bunten verbummelt und musste mit meinen Schlabberschuhen zurück zur Bahn. Auf dem Weg dahin piepte mein Handy zum ersten Mal: L. hysterisch auf der Mailbox, er war gerade beim Friseur, und das Buch ist auf Seite vier der Bild. Fieberhafte SMSen mit Coautorin, Mädchen, dazwischen Telefonate mit L., für den das alles fast so toll war, als hätten wir auf Seite vier im Kicker gestanden. Dann zurück in die Firma und schon beim ersten Schritt ins Büro beinahe erschlagen von einer Arbeitslawine. Keine Zeit für aufgeregte Emails, Kontrollklicks bei amazon oder sogar Blogposts. Bis mir irgendwann in der ganzen Hektik auffiel: Diese Wölbung da unter deinem Pulli, die gehört da eigentlich nicht hin. Schnell mit Beipackzettel aufs Firmenklo: mein Bauchnabel steht jetzt, wie es in einem amerikanischen Film heißen würde, auf halb drei. Da, wo er eigentlich mal war, ist eine dicke, knallrote und ziemlich empfindliche Kugel, gefüllt, könnte ich mir denken, mit einem Schnapsglas voll milchiger Flüssigkeit.
Wieder mal zeigt sich: es ist auch nicht immer nur schlimm, so verfressen zu sein wie ich! Die Gazellen aus dem Nachbarbüro z.B. könnten nicht mit so einer Kugel rumlaufen, ohne alle zwei Minuten gefragt zu werden, was das denn bitte sein soll. Ich dagegen komme mit sowas durch (vielleicht ja auch, weil ich inzwischen auf die 40 zugehe und man dann nicht mehr ganz so nassforsch fragt, wenn sich plötzlich etwas Unschönes an der Figur tut...). Ein Blick auf den Beipackzettel zeigte, ich kann in den nächsten Tagen mit Durchfall, Verstopfung, Stimmungsschwankungen, Hautunreinheiten, Brustvergrößerungen und -Verkleinerungen und noch einigem anderen rechnen. Hormonkur! Yeiiiih!

So. 5:45. Hab ich irgend etwas vergessen? Arbeitsstress, Erscheinungstermin, Bildzeitung, Spritze, Kugelbauch. Damit zurück ins Bett.