Inzwischen habe ich einen Termin in meiner Geburtsklinik: am 13. Juni soll ich mich da vorstellen, dann werde ich untersucht. Liegt Würmchen dann immer noch falsch, wird ein zweiter Termin gemacht, vermutlich am 14. oder noch eher am 15. Juni. Dann versuchen sie, ihn von außen zu drehen. Geht das schief, machen sie dann sofort einen Kaiserschnitt. Das heißt, es kann passieren, dass ich heute in zwölf Tagen ein Baby habe.
Yay bzw. Urgs.
Neben aller Freude und Ungeduld heißt das auch, jetzt sollte hier in mancherlei Hinsicht mal Butter bei die Fische.
Ich muss den Handwerkern Tag und Nacht wie die Steuerfahndung im Genick sitzen, damit sie jetzt bloß Gas geben und wenigstens das angehende Kinderzimmer schon mal fertig gestrichen werden kann. Wenigstens das.
Ich muss zu Ikea (wobei ein Großteil der Aufgabe darin besteht, L. mitzuschnacken), ein Kinderbett aussuchen, ein paar Babyhandtücher und Babywaschlappen und solchen niedlichen Killefitt kaufen und außerdem Körbe oder andere Einsätze, die in mein Expedit-Bücherregal passen. Das soll nämlich das Babyzimmerregal werden. Dafür qualifiziert es sich durch genau diese Körbe: die passen haargenau in die Fächer wie Schubladen und sind perfekt, um Strampler, Söckchen, Windeln oder was auch immer man sonst so für Babykrams braucht, darin ordentlich und griffbereit zu verstauen.
Damit Expedit diese verantwortungsvolle Rolle übernehmen kann, müssen aber erst mal die 800 Bücher daraus verschwinden. Dafür muss ich ein Möbeltaxi organisieren, das von meinen Eltern in Süddeutschland nach Hamburg fährt und mir mein uraltes, aber wunderschönes Bücherregal bringt.
Damit ich das Bücherregal aufbauen kann, muss eigentlich auch der klägliche Rest des alten hässlichen Einbaukleiderschranks im zukünftigen Arbeits- und Gästezimmer abgebaut werden. Dann brauchen wir aber einen neuen Kleiderschrank, am besten einen für die Ewigkeit und schön genug, um in unser Schlafzimmer zu dürfen. Um diese Shopping-Dominorallye an dieser Stelle zu unterbrechen, finde ich mich damit ab, einen Großteil meiner Bücher erst mal in alten Umzugskartons im Keller zu verstauen, das Bücherregal zwar herzuschaffen, aber für spätere Verwendung in die Garage zu packen und kurz durchzuatmen. Uff.
Dann brauchen wir noch einiges an Krams, das aber mit einem koordinierten Gang durch den zehn Autominuten entfernten Babysupermarkt zu kriegen sein sollte. Eine Auflage für den Wickelservierwagen, Schlafsäcke für das Würmchen und all sowas. (Mein Gott, sind die teuer! Am Samstag in Berlin, als wir unseren Kinderwagen abgeholt haben, habe ich mal einen Blick auf Preisschilder geworfen. 86 Euro für einen zwar niedlich sternchenbedruckten, aber trotzdem winzigen Schlafsack?!? Von einer Marke, von der zumindest ich als Abkürzungsdame noch nie gehört habe? Schaudernd bin ich weitergegangen und in der Petit Bateau-Abteilung gelandet. "Jetzt mache ich mir mal einen Spaß" dachte ich und habe auch dort auf die Preisschilder für Schlafsäcke geguckt. 65 Euro? Wer hätte das gedacht, dass man bei solchen Sachen mit Petit Bateau noch billig bedient ist?)
Bevor ich wieder irgend eine Frist verbammele, muss ich heute noch mit meiner Bescheinigung über die in sieben Wochen (als ob) bevorstehende Geburt, die gestern in der Post war, zur nächsten Niederlassung der Barmer. Im Netz war ich schon, das könnte lustig werden, denn die Informationen dazu, was genau jetzt mit mir als künstlersozialkassenversicherter selbständiger Barmer-Kundin passiert, gehen extrem auseinander.
Ich muss L. mit in die Stadt schleppen und (möglichst nach Feierabend oder zur Mittagspausenzeit) meiner alten Agentur einen Besuch abstatten. Auf dem Rechner liegen immer noch Dateien, die ich brauche, im Schrank sind immer noch Hamstervorräte an Special K.s, Müesli und dergleichen, und ich würde gerne alles Wichtige in eine Kiste packen, von L. ans Auto buckeln lassen und mitnehmen. Dann kann ich auch das im Kopf mal abschließen und wirklich wissen, dass jetzt Babyzeit ist und nicht die kurze Pause zwischen zwei Jobs.
Ich muss (möglichst bei dieser Gelegenheit) zu C&A und mir wie angewiesen billige riesige fleischfarbene Miederhosen kaufen.
Ich muss zusammen mit L. eine Entscheidung treffen, ob wir das Kinderzimmer rein weiß streichen wollen oder wenigstens eine bunte Wand haben möchten. Oder Tafelfarbe? Bunte Tafelfarbe? Die entsprechende Farbe sollten wir dann möglichst selbst besorgen. Unser Stamm-Malermeister ist ein Vereinskollege von L., der ist zwar sehr nett und hat immer von jetzt auf gleich Zeit, aber er scheint leider - ungünstig in seinem Beruf - farbenblind zu sein. Unsere Haustür z.B. sollte er in einem tiefdunklen Graublau streichen, das ich mit viel Gedöns samt Pantone-Farbcode etc. festgelegt hatte. Jetzt ist sie hell-lavendelfarben. Wollen wir Würmchen nicht in einem orangefarbenen Kinderzimmer aufwachsen lassen, sollten wir ihm da zur Hand gehen.
Ich muss mich zu einem Baby-Erste-Hilfe-Kurs anmelden. Zum Glück bietet meine neue Arztpraxis so was an. Bevor Würmchen da ist (oder notfalls eben in den ersten Wochen, bevor er viel Gelegenheit hat, sich selbst in Schwierigkeiten zu bringen), will ich wissen, was ich tun kann, wenn ihn eine Biene sticht. Oder wenn er sich verbrennt. Oder wenn er blau anläuft. Oder wenn er keine Luft bekommt. Oder... was auch immer.
Ich muss meine Finanzpapiere aus dem letzten Jahr und den letzten Monaten sortieren, abheften und möglichst eigenhändig zu meiner Steuerberaterin fahren. Nicht ganz leicht, wenn das Arbeitszimmer immer noch eine staubige Hölle voller Geröll ist, aber muss ja.
Ich muss die Betten klar machen für den Einfall meiner Familie. Die halten sich bereit und wollen hier anrücken, sobald es losgeht, was ja jetzt - erwähnte ich das schon? - schneller gehen kann als gedacht.
Und das sind nur die Dinge mit direktem oder indirektem Babybezug. Soll ich anfangen von Kletterrosen, die endlich was zum Hochranken brauchen? Von meinem Auto, das immer mehr Aussetzer hat und außerdem nur zwei Türen, so dass ich eigentlich vor dem Baby noch ein neues bräuchte? Von meinem Knie, das mir seit Wochen Ärger macht und mit dem ich eigentlich mal zum Orthopäden wollte? Von Zahnreinigungen, Haus-Großputz und all den kleinen Nestbautriebbefriedigungen wie Kleiderschrank ausmisten, Blümchen auf die Tische, Kekse backen, die ich jetzt wohl nicht mehr hinkriege? Nee nee nee, davon fange ich lieber nicht an.