1. Egal, wie voll der Wäschekorb ist: niemals vor zwölf Uhr Mittags die große 60-Grad-Waschmaschine mit den Babysachen anwerfen. Wieso? Nicht fragen. Einfach machen.
2. Der bisher beste Einschlaftrick geht so: ich streiche mit dem Finger über Kalles Stirn und Nase, und wir sagen den Tieren gute Nacht. Gute Nacht, Igel. Gute Nacht, Eichhörnchen. Gute Nacht, Schnecke. Gute Nacht, Kamel. Gute Nacht, Seestern. Gute Nacht, Säbelzahntiger. Und mit jedem "Gute Nacht" gehen die Augen ein bisschen fester zu. Den Trick habe ich mir aus dem Bilderbuch "Gute Nacht, Gorilla" abgeguckt, das mir meine große Cousine und doppelte Jungsmama geschickt hat.
3. Es ist tatsächlich möglich (bisher jedenfalls), jeden Tag zu duschen. Ich muss es nur sofort tun, wenn sich eine Gelegenheit bietet. Nicht erst noch schnell die Fläschchen spülen. Nicht erst noch eine Waschmaschine anwerfen. Nicht erst noch meine Mutter zurückrufen. Jetzt! Gleich! Nein, nicht gleich, sondern jetzt!
4. Lieber zwei Fläschchen mehr kaufen und dafür einmal weniger spülen müssen. Mein Maß dafür ist die Nacht: wenn ich es schaffe, die komplette Schicht von Nachthemd an bis Nachthemd aus zu überstehen, ohne einmal in der dunklen Küche abwaschen und anschließend alles in der Mikrowelle sterilisieren zu müssen, dann ist alles gut und die Nacht fühlt sich gleich viel weniger stressig an.
5. Das mit dem Dammschnitt, den man angeblich überhaupt nicht spürt (wegen Adrenalin/zu starker anderer Schmerzen/vor Glück/was weiß ich) war schon Blödsinn. Ich muss leider berichten, dass man das spürt, wenn einem jemand mit dem Skalpell ohne Vorwarnung ein mehrere Zentimeter langes Loch in den Po schneidet. Noch größerer Blödsinn ist, dass das alles nach einer Woche völlig vergessen und überstanden ist. Ich sitze hier, bis auf einen Tag drei Wochen nach der Geburt, und trage nicht nur eine zentimeterdicke Binde in der Unterhose, sondern dusche mich immer noch nach jedem Klogang mit klarem Wasser ab und sehe mich derzeit noch Wochen entfernt vom nächsten Schwimmbadbesuch oder anderen Aktivitäten, die meinen Unterleib mit einschließen. Wie soll das auch gehen? Mit jedem Schritt, jedem Aufstehen oder Hinsetzen, jedem Husten oder Niesen tut man etwas, was dieses Loch am Zuwachsen hindert. Es dauert, es tut weh, es brennt, es juckt. (Und ja, ich habe jetzt mehrere Experten einen Blick auf die Stelle werfen lassen, es ist nicht infiziert, das ist alles so, wie es soll.)
6. Babys hassen es, wenn man ihnen etwas Enges über den Kopf zieht. Einige extrem niedliche Kleidungsstücke aus dem geerbten Berg werden darum leider nicht so häufig ausgeführt wie andere. Das Beste, das Allerbeste, sind Teile, die man auffalten kann wie ein zum Grillen vorbereitetes Huhn und dann mit Druckknöpfen einmal um das Kind herumknöpft. (Kann man sich jetzt nicht so vorstellen? Ein bisschen wie Wickelkleider.)
7. Mit der ersten Größe sind wir jetzt durch. Nach drei Wochen! Vielleicht hatte ich mal für fünf Minuten den Kinderwunsch-Blues, weil ich dachte, jetzt habe ich so lange darauf gewartet, meinem Baby was Niedliches zum Anziehen zu kaufen, und jetzt haben wir so viel einfach so bekommen, dass das einfach nur noch bescheuert wäre, und schnief, nun ist es doch wieder anderes als vorgestellt... dieser Blues ist sowas von überwunden angesichts der vermiedenen Krise, neun zauberhafte und stinketeure Petit Bateau-Teilchen aussortieren zu müssen, weil der Kleine in zehn Minuten rein- und rausgewachsen wäre.
8. Egal, wie viel Mühe ich mir gebe: es gibt an jedem Tag (und vor allem in jeder Nacht) eine Phase von ungefähr einer Stunde, in der ich mich wie die planloseste, hektischste, unfähigste, fehlbesetzteste Mutter auf dem Planeten fühle. Habe ich eine Stunde gesagt? Macht drei draus.
9. Kaum einen anderen Moment sehne ich im Moment so herbei wie den, in dem er endlich lächeln kann und es auch so meint. Dann werde ich wissen, dass es ihm gut geht und er sich wohlfühlt.
10. Man kann gleichzeitig restlos überfordert und total unterfordert sein.
11. In jeder Drogerie sind Sauger für Fläschchen zu kaufen, die vollkommen unterschiedlich aussehen und trotzdem angeblich alle an die vom Stillen gewohnte Form angelehnt sind. Ich weiß ja nicht, wie andere Frauen so gebaut sind... die Nuckel, mit denen Kalle am besten klarkommt, sehen nicht so aus, als wären sie an irgend etwas natürlichen Ursprungs angelehnt. Bisher hat er trotzdem nicht verlernt, wie Stillen geht.
12. Überhaupt, das Stillen: "die natürlichste Sache der Welt". Genau. Es klappt ja inzwischen ganz gut (wenn auch mit Fläschchenhilfe), und ich mache auch weiter, und wir haben diese harmonischen, innigen Momente, jajaja, aber ist es nicht merkwürdig, dass man für die natürlichste Sache der Welt nach Meinung mancher Experten ca. 80 Regeln beachten muss? (Keine Kuhmilch trinken. Keine Fläschchen. Kein Schnuller. Kein Zeitplan. Keine Minze. Kein... ach, was weiß ich.)
13. Seit Kalle habe ich gelernt, zu schlafen. Nach vierzig Jahren, von denen ich bestimmt sechs mit dem Starren an diverse Zimmerdecken nachts zwischen zwei und halb sieben verbracht habe, berührt mein Kopf jetzt das Kopfkissen (nach Stillen, Wickeln, Füttern und in den Schlaf Schmeicheln), und ich bin weg. Tief und fest. Schlafen war insbesondere immer dann ein Problem, wenn ich schon beim Einschlafen wusste, dass ich nicht so lange schlafen können würde, wie ich wollte, sondern dass z.B. ein besonders früher Wecker klingelt. Dann ging gleich gar nichts! Jetzt weiß ich genau, in ca. vier Stunden wird mein Baby mich wachknöttern, und es ist egal. Ich schlafe. Es ist herrlich. Ehrlich gesagt schlafe ich jetzt fast mehr als vor dem Kind. Vor allem zwischen zwei und halb sieben.