Samstag, 31. Oktober 2009

Auf dem Land fließt Blut

Ich Sitze Im Wald und blute. Wildschweine oder Jagdhunde waren nicht im Spiel. Wieder mal Stelle ich fest, wie scheisseweh so eine ganz normale Periode tun kann. Hoffentlich vergeht bis zum naechsten Mal viel Zeit. Jetzt geht auch noch L.s iPhone-Batterie zu Ende,und ich fuehle mich bei diesem fruckel-Getippe wie der Funker auf dem sinkenden Schiff. Das heißt, teilweise. Viel wichtiger als die guten alten Bauchkraempfe ist naemlich, dass heute Abend die ersten zwei Estrifam faellig sind. Werden mir drei zusaetzliche Zehen wachsen? Werde ich Visionen vom Ende der Welt haben? Wird meine Nase zu solchen imposanten Ausmaßen anschwellen, dass sie zum Mahnmal fuer die Leiden der unfrchtbaren Frau erklaert wird und Reisebusse vorfahren? Bleiben sie dran. (schreiben auf dem iPhone nervt nicht nur, weil ich staendig denke, meine Finger sind zu dick, sondern auch deshalb, weil es so lange dauert, dass ich bis zum naechsten Satz den letzten immer schon wieder vergessen habe. Fuer heute reichts.)

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Bitte halten Sie Abstand zur Unglücksquelle

Zum Glück findet der geplante Abkürzungs-Stammtisch noch nicht diese Woche statt. Ich könnte das nicht verantworten, mich mit euch zu treffen, denn es wäre zu befürchten, dass wir an dem Abend allesamt von einem Kometen ausgelöscht würden. Meine Pechsträhne hält an. Nachdem vorgestern das Internet nur noch mit Kabel funktionierte und ich mir für einen popeligen Blogeintrag und zwei Emails blaue Kniescheiben geholt habe, als ich mit dem Rechner vor der Telefonbuchse auf dem Boden gekauert habe, ging gestern und heute morgen noch nicht mal mehr das. Zwei voneinander unabhängige Elektrogeräte, nämlich Internetkiste und WLAN-Router, haben innerhalb weniger Stunden durch meine bloße Anwesenheit Selbstmord begangen. Dann schien es kurz so, als hätte ich sogar Glück: schon heute mittag ist die neue WLAN-Kiste angekommen, und offiziell funktioniert sie sogar! Alle Lämpchen blinken! Wir haben einen Herzschlag! Nur mein Computer merkt nichts davon. Genau so wenig wie L.s Computer oder L.s anderer Computer. Und außerdem zeigte sich, dass ausgerechnet diese Kiste ohne Auftragsbestätigung verschickt wurde (wundert das hier jemanden? Nein?), das heißt, ohne sämtliche Codes und Zugänge und Benutzernamen und solche Kniffe, was unser Leben auch nicht gerade vereinfacht.

Ein iphone ist eine feine Sache, und ein bisschen neidisch war ich auf L., als es letzte Woche ankam. (Ich telefoniere mit einem uralten Sony-Murksding, bei dem sich unter dem Display verschiedene Haare verklemmt haben. Bäh.) Aber um damit zu bloggen, ist es nicht ideal. Und emails beantworten geht schon gar nicht, denn es weigert sich, die Adressen der Absender in die Empfängerzeile zu übernehmen, und wer kann schon email-Adressen auswendig? Ich jedenfalls nicht.

Ok. Damit wieder zum Kinderwunsch-Ernst. Wir haben schließlich eine Mission. Vorgestern abend habe ich die letzte Pille geschluckt (wenn es nach mir geht, die letzte für die nächsten 12 Monate), und jetzt rechne ich stündlich damit, dass es blutet und ich mit den Estrifam anfange. Ich bin übrigens gar nicht böse, wenn ihr mir schreibt, dass Estrifam ja wohl das mieseste ist, wofür jemals ein Beipackzettel geschrieben wurde. Denn wenn ich auf das Schlimmste vorbereitet bin, kann mir ja wohl nichts Schlimmeres mehr passieren. Und bisher habe ich fast allen Nebenwirkungen, egal ob Spritze oder Spray, eine ziemlich lange Nase zeigen können, das wolln wir doch mal sehen.
Im Dienste der Sache tue ich übrigens gerade etwas, was mir nicht ähnlich sieht. Ich will euch auch gar nicht erschrecken. Aber Samstag Abend habe ich zuletzt Alkohol getrunken. Seitdem kein Tropfen. Samstag war aber auch wirklich zu viel. Wir saßen am Küchentisch einer Freundin und haben uns so dermaßen nett unterhalten, alle 20 Minuten unterbrochen vom leisen "Plöpp" eines Korkens. Und als ich irgendwann endlich nach Hause gegangen bin, habe ich erst unterwegs gemerkt, wie viele Plöpps das genau gewesen waren. Ist doch gut, dass in der großen, großen Stadt die Bürgersteige so schön breit sind. Zuhause im Bett bin ich vorm Einschlafen zu dem Entschluss gekommen, dass das ja wohl nicht mehr angehen kann und ich mich so kurz vorm nächsten Rennen ein bisschen zusammenreißen sollte. Im Moment herrscht hier also ein strenges Brause-Regime. Unter der Woche ist ein Glas erlaubt, am Wochenende auch mal zwei. Und weil es ja Quatsch wäre, wegen einem Glas eine Flasche aufzumachen, habe ich seit Samstag nichts mehr getrunken. Nüschte. Es war übrigens beruhigend einfach. Genauer gesagt, war es kein Ding. Es war ungefähr so, als hätte ich mir vorgenommen, nun aber erst mal keine Posaune mehr zu spielen.

Auch für den Fall, dass ihr jetzt vielleicht eine Flunsch zieht, weil ich nun doch nicht den Beweis antreten werde, dass man lustig schmöken und trinken kann und trotzdem beinahe mühelos Mutter von Zwillingen wird, habe ich vor, das noch ein bisschen durchzuhalten, und nach dem Transfer ja sowieso wieder. Und ich kann euch beruhigen, ich werde wieder einknicken. Das wissen wir doch alle. Und nun ist es auch genug auf diesem Ding hier. Was willst du mir sagen, kleine iphone-Tastatur, etwa, dass ich Wurstfinger habe? Du lügst doch, du.

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Was das mit Estrifam zu tun haben soll, weiß der Himmel

Vor langer, langer Zeit, als ich noch studiert habe, und das war in der Zeit vor Rucolasalat, also lange her - da gab es mal eine Figur, die nannte ich den Peinlichkeitsmenschen. Der Peinlichkeitsmensch war ein älterer Student, der sich aber noch in so ziemlich jeder anderen Hinsicht außer dem Alter von mir unterschied. Er schwitzte nie. Er rannte auch nie. Er trug im Hochsommer Tweedjackets, und dabei glänzte noch nicht mal seine Nase. Er verhaspelte sich nie, er wurde niemals rot, er war kein Mensch. Wir beschlossen, dass er ein Cyborg war. Der Peinlichkeitsmensch hieß nicht so, weil er peinlich war, sondern weil mir irgendwann klar wurde, dass dieses Scheusal an Korrektheit nur um die Ecke biegen musste, damit mir die peinlichsten Dinge passierten, genau vor seiner ungerührten Nase. Und er lachte noch nicht mal drüber, so unmenschlich war er.
Einmal leitete er eine Untersuchung, an der ich teilnehmen musste. Mittendrin in dem kleinen Versuchskämmerchen, in dem nur er und ich saßen, ließ ich laut einen krachen, weil ich so konzentriert bei der Sache gewesen war, dass ich es nicht kommen gemerkt hatte. Er verzog keine Miene, stand nur auf und öffnete wortlos das Fenster. Das war der Anfang. Beim nächsten Mal wollte ich gerade mit Schwung meine Jacke in einen großen Bibliotheksspind hängen, als plötzlich der Aufhänger abriss und ich mitsamt meinem Bücherstapel, einer Einkaufstüte und einem Pappbecher Kaffee unter Riesengetöse in den Schrank fiel, der nur ungefähr halb so breit wie ich war. Ich kam nicht wieder raus, überall war Mehlstaub (aus der Einkaufstüte) und Kaffee (aus dem Becher). Als ich mich endlich befreit hatte, war das erste, was ich sah, der Peinlichkeitsmensch. Wieder ein anderes Mal lief ich nichts Böses denkend in der Nähe unserer Fakultät durch die Stadt, als direkt vor mir ein Kind an seinem Eisstiel knabberte, abrutschte und mir - flatsch - das halbgeschmolzene Eis mitten ins Gesicht schnickte. Und wer ging wohl direkt hinter dem Kind?
Eine Woche später lief ich gerade in einer Seminarpause in Richtung Bäckerei, da fiel mir aus heiterem Himmel ein, dass ich mein randvolles Portemonnaie im nicht abgeschlossenen Seminarraum liegen gelassen hatte. Ich hab mich so schnell auf dem Absatz umgedreht, dass ich im hohen Bogen und ohne von außen erkennbaren Grund mitten auf die Straße gefallen bin. Auf der anderen Straßenseite stand der Peinlichkeitsmensch und hob die Augenbraue. Zu diesem Zeitpunkt dachten die meisten meiner Freunde schon, ich wäre verrückt oder müsste mir ja scheinbar solchen Quatsch ausdenken, nur um unbedingt im Mittelpunkt zu stehen. Aber ich konnte ganz ruhig bleiben, denn ich wusste: dieser Fluch ist stark genug, jeder von euch wird mindestens einmal direkt danebenstehen, wenn er zuschlägt. Und ich hatte Recht. Mein Lieblingsmitbewohner z.B. musste Babysitten, und ich besuchte die drei auf dem Spielplatz. Wir rauchten gemütlich unsere erste Vormittagszigarette zusammen. (Das waren die 90er, verrückte Zeiten - man konnte sich MITTEN AUF DEM SPIELPLATZ eine Zigarette anzünden und wurde dafür nicht mit Blicken getötet, stellt euch vor!) Mir wurde schwummerig, und BAUZ! fiel ich über den Ausläufer eines Klettergerüstes. Mein Mitbewohner war besorgt: "Oh Gott, Flora, hast du dir wehgetan?" Der Chor der Hauptschulkinder, der gerade vorbeilief, echote hämisch "Oh Gott, Floooora, hast du dir weeeeeh getaaaaan?" Und das erste, was ich sah, als sich die Sternchen vor meinen Augen verzogen, war der Peinlichkeitsmensch. "Siehst du, siehst du?" Ich musste meine Geschichten nie wieder anzweifeln lassen.

Nennt es Zufall, nennt es Peinlichkeitskarma. Das ist zum Glück Jahre her, und ich bin weit weggezogen, und ich wache nur noch selten schreiend auf, wenn mir der Pups im Versuchsraum einfällt oder die Sache mit dem Bauchplatscher vor der Bäckerei. Dafür habe ich inzwischen eine neue Sorte mieses Karma: das kleine Nerv-Karma. Im Moment passiert fast im Stundentakt irgend ein Mist. Es ist nie schlimm, und vermutlich gibt es Leute, denen es schon ihr ganzes Leben lang jeden Tag so geht. Die tun mir leid, ich weiß nicht, woher sie die Kraft nehmen, jeden Morgen wieder aufzustehen und festzustellen, dass die Zahnpasta alle ist und jemand ihre Zeitung geklaut hat. Gestern z.B. sind innerhalb weniger Stunden erst das WLAN und dann gleich das komplette Internet ausgefallen. Heute war ich vergeblich auf zwei Behörden, wo sich herausstellte, dass die letzten acht Behördenbesuche für die Katz waren, weil mir mein letzter Berater scheinbar nur Blödsinn erzählt hat. Und ich hasse Behördenbesuche so, so, so sehr, dass mir jeder einzelne dieser acht Besuche den jeweiligen Tag versaut hat und den Tag davor gleich dazu. Ich rufe meinen ehemaligen Steuerberater an und bitte ihn, meinem neuen Steuerberater irgendwelchen Kram zu schicken. Er verspricht es fröhlich, ich lege genau so fröhlich auf, und zehn Tage später stelle ich fest, dass nichts dergleichen passiert ist und die fraglichen Papiere - kein Mensch weiß, wieso - nicht mehr zu finden sind. Post verschwindet, Nachrichten werden nicht ausgerichtet, Sachbearbeiter fahren zum Sabbatical nach Asien, alles, was ich anpacke, wird zu Mist. Dazu kommt auch noch, dass ich im Moment dieses degradierte Leben einer Bargeldlosen UND Kartenlosen führe, denn meine EC-Karte ist wegen der Füchse aus Südafrika gesperrt, die neue ist noch nicht da, von der Kreditkarte weiß ich keine PIN (wie jeder normale Mensch, aber andere Leute haben immer noch die andere Karte), und so muss ich jetzt für jedes Stück Butter in den stinkfeinen Supermarkt außerhalb meines Viertels, wo man ab 1 Euro mit Kreditkarte zahlen kann, und ansonsten demütigenderweise dauernd L. um Bargeld anhauen. Das Leben macht sofort nur noch halb so viel Spaß, das kann ich euch versichern. Und drumherum summen die kleinen Missgeschicke wie Schmeißfliegen. Klopapier alle, in die Pfütze getreten, Adressbuch verloren, Passwort vergessen, "Bitte entschuldigen Sie die Unannehmlichkeiten aufgrund dieser vorübergehenden technischen Störung", Milch sauer, Spliss und Bauchweh, gerade kriegt der Lack wirklich Kratzer. Ich hatte in der letzten Woche keinen Platten am Rad, aber ich wette hier und jetzt, das wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. Und wenn es passiert, dann werde ich gerade weit, weit weg von zuhause sein und außerdem weit weg von jeder UBahn-Station, und während mir das klar wird, wird es anfangen zu schütten. Ich habe diesmal den unangenehmen Fremden noch nicht ausmachen können, der an all dem Schuld ist. Aber mir schwant, dass ich es vielleicht ja selbst bin. Ich bin mein eigener Unglücksbringer geworden. Es ist gruselig. ("Eine Frau hat schon das Ticket für den Bus in der Hand, da fährt er ihr vor der Nase weg. Später erfährt sie, dass auf der Fahrt absolut nichts vorgefallen ist, sondern alle nur pünktlich und wohlbehalten ans Ziel gekommen sind. Zufall? Oder waren höhere Mächte im Spiel? Willkommen in der Twilight-Zone." )

Ich weiß bisher noch nichts von den vielen, sicherlich spektakulären Nebenwirkungen von Estrifam, die ich ja demnächst einnehmen werde. Aber es wäre doch nett, wenn in der ganzen langen Liste auch irgendwo auftauchen würde, dass mit solchen mistigen und unnötigen Karma-Verwirbelungen dann auch gleich Schluss ist. (Guck, da schreibe ich nun ein halbes Diktatheft voll mit Gemaule über frühere und aktuelle Missgeschicke, die absolut nichts, aber auch gar nichts mit IVF, Kinderlosigkeit oder einem ähnlichen Thema zu tun haben. Aber am Ende hab ich mich doch immerhin bemüht, noch die Kurve zu kriegen. Das kann man jetzt reichlich fadenscheinig und peinlich finden. Aber versucht hab ichs! Und jetzt geh ich in die Küche, verbrenne mir die Finger und lasse ein Glas Honig fallen.)

Dienstag, 27. Oktober 2009

Würmchenbucheintrag, im Knien geschrieben

Und zwar deshalb, weil zu allem anderen Generve nun auch noch das blöde WLAN seinen Geist aufgegeben hat und ich hier zwischen L.s noch nicht gesichteten Zeitungsausschnitten, der Heizung und dem Telefonanschluss kauere.

Mit einem Würmchenbucheintrag hat vermutlich niemand mehr gerechnet, und ich ehrlich gesagt auch nicht. Denn ein bisschen ist mir die Lektüre schon auf die Pelle gegangen. Das, was mich immer davon abgehalten hat, mich zu viel in Foren rumzutreiben oder auch die medizinischen Feinheiten der Behandlung bis ins kleinste Detail mit Familie und Freunden zu erörtern - die Angst vor zu viel widersprüchlicher, nicht belegter und beunruhigender Information - hat sich bei den Büchern voll bestätigt. Natürlich habe ich mich auch drüber lustig gemacht, wenn man laut Zita West kein Leitungswasser trinken darf, aber wenn man irgendwann zum dritten Mal liest, dass Aluminiumtöpfe von nun an verboten sind, dann wird einem mulmig, und man sieht die eigenen Töpfe mit ganz anderen Augen. Sind die nun aus Aluminium? Oder nicht? Und wenn ja, wie gefährlich genau sind Alutöpfe? Und warum? Stehen sie eher in der Nachbarschaft einer Flasche Doppelkorn, oder ist alufreies Kochen eher so etwas wie ein Fruchtbarkeits-Wellness-Faktor, ähnlich wie "einfach mal einen Abend auf dem Sofa sitzen und entspannen"? Ich wollte fast, ich hätte gar nicht erst damit angefangen, aber nun hab ich eben angefangen, und wie das so ist, sitzen die Bücher nun da und starren mich an. Und dann kommt auch noch dazu, dass es nicht meine Bücher sind, sondern nur geliehene, und langsam wird es höchste Zeit, sie der Ausleiherin zurückzuschicken. Also weiter, nützt ja nichts.

In den letzten Tagen habe ich mich vor allem mit Herrn Bednarz' Erfahrungsbericht "Überleben an der Wickelfront" und mit dem Body Shop-Buch "Mamatoto" beschäftigt. Bednarz ist wirklich streckenweise lustig, aber seine IVF-Erfahrungen machen nur einen Teil der Geschichte aus - aus irgend einem Grund dachte ich, das Buch handelt von nichts anderem. Und das, was er schreibt, macht nicht gerade Mut, auch wenn er ja am Ende Glück hatte. Die Kapitel, in denen es darum geht, wie wahnsinnig komisch-stressig das Leben ist, wenn morgens um sechs die drei süßen Kleinen angekrochen kommen, und die Geschichten vom Breigekleckse und der Sehnsucht nach Kinoabenden zu zweit habe ich ziemlich flott überblättert, ich fürchte, wir Abkürzungs-Zyklus-Frauen können uns da nicht so richtig auf die Schenkel klopfen. (Nu geht das schon los: erst neide ich lieben Verwandten angeblich den Nachwuchs, und nun will ich keine Spaßgeschichten über Kleinkinder mehr lesen. Das lassen wir gar nicht erst einreißen, bitte!)

"Mamatoto" ist ein Buch, das sich dem Kinderkriegen als natürlichem, ewig-weiblichem Mysterium widmet, es gibt jede Menge Fruchtbarkeits- und Verhütungstricks von Naturvölkern, Geburtsgesänge aus Indien, aber auch Kapitel über die richtige, natürliche Körperstellung bei der Geburt, Mondphasen und Zyklus usw. Das Ganze ist bestimmt ein schönes Erbauungsbuch, wenn man mit einem gesunden Kind im sechsten Monat schwanger ist und einen verregneten Samstag auf der Couch totzuschlagen hat. Wenn man sich (noch) auf der anderen Seite des Vorhangs befindet, dann deprimiert all das Gerede über Natur hier, Natur da, und wie wunderbar das alles eingerichtet ist, ein bisschen.

So. Wieder zwei Bücher reif für die Rücksende-Kiste, und ich glaube, von den verbleibenden kann ich ein paar sofort aussortieren, weil mich schon der Titel und der Klappentext so nerven, dass es sowieso keinen Zweck hätte - ich kenn mich, wenn ich einmal dicht gemacht habe, dann bleibt die Klappe zu.

Montag, 26. Oktober 2009

Frustrierend

Und nun telefoniert L. mit seiner Mutter, die ihm erzählt, dass die Frau seines Cousins wieder schwanger ist. Ich sitze neben ihm auf dem Teppich und lese Zeitung, als er mir die Nachricht überbringt, und mir fällt erst mal nichts anderes dazu ein als "Oh". Und L. sagt zu seiner Mutter: "Ja, es freut sie natürlich, aber es frustriert sie auch."

Wenn eins daran frustrierend ist, dann ja wohl DAS. Wie verkrumpelt und missmutig muss ich denn gerade wirken, damit er auf die Idee kommt, mich würde so etwas frustrieren?

Das Würmchen ist tot, es lebe das Würmchen

Ja, ist denn schon wieder Zyklus?? Dieses Mal überrumpelt mich der nächste Versuch so ähnlich wie Spekulatius im August. Jetzt bin ich gerade mal seit zehn Tagen ohne Blutungen, und wenn alles so läuft wie geplant, dann setze ich diese Woche die Pille ab, bekomme meine Tage, starte mit Estrifam und liege so ungefähr in 14 Tagen auf dem Stuhl, um die Tiefkühlblümchen in Empfang zu nehmen. Jetzt im Ernst? Ehrlich? Wie soll DAS denn gehen? Vorhin bin ich noch mal an der gynäkologischen Klinik vorbeigelaufen, in der die Ausschabung war, und habe ein ziemlich bleiches Paar gesehen, das im Schonschritt unterwegs zur Bushaltestelle war. Die armen Hasen, am Ende auch ein Abgang? Ich hätte ihnen gerne etwas Nettes gesagt, aber wie sieht das denn aus? Vor allem, wenn man gar nicht weiß, ob die beiden nicht in Wahrheit wegen eines Trippers da gewesen waren. Und dann waren die beiden auch schon verschwunden, und die Ampel an der nächsten Straße war grün, und ich bin gerannt, weil diese Ampel so gut wie niemals grün wird, und dann waren die Klinik und der Moment auch schon wieder vorbei. Aber ich habe trotzdem noch kurz gedacht: wenn alles gut gegangen wäre beim letzten Mal, dann hätte ich jetzt schon einen richtigen Bauch. Und mit meinem dicken Bauch würde ich durchs Herbstlaub schluffen und würde vor den Schaufenstern von Babyläden stehenbleiben und langsam schon mal überlegen, wie wir das Zimmer einrichten.

(Vor ein paar Tagen habe ich fünf Minuten von irgend einem großen TV-Drama gesehen, eine Frau lag beim Gynäkologen, der einen Ultraschall von außen machte - hä? - und ihr dann mitteilte, sie wäre in der siebten Woche. Sie wollte wissen, ob Mädchen oder Junge. Und er antwortete: eins von beidem auf jeden Fall. Harr. Bei der Gelegenheit fiel mir wieder mal auf, dass Fehlgeburten in Filmen nicht vorkommen. Leute sind schwanger, und dann übernimmt die große TV-Schwangerschafts-Dramaturgie das Ruder: Pinkeltest - ogottogott - Frauenarzt, herzlichen Glückwunsch, sie guckt panisch ins Weite, wenn der Doktor wüsste, wie schwierig das alles ist - dann die Nachricht Freunden, Eltern, Mann überbringen, und das nächste, was wir sehen, ist ein dicker Bauch, und das übernächste die panische Fahrt in die Klinik. Oder könnt ihr euch an eine Fehlgeburt im Fernsehen erinnern? Außer vielleicht die eine von Charlotte?)

Spätestens in zwei Wochen ist jetzt endgültig Schluss mit Gedanken an das Würmchen, denn dann ist der Platz besetzt vom neuen Versuch. Wie das wohl wird? Und ob ich es wirklich schaffe, mir angesichts des Tiefkühlversuchs und der Myome nicht zu große Hoffnungen zu machen? Ob man irgendwann auch beim Test und bei den Terminen danach ein alter Hase wird, genau wie beim Blut abnehmen? Ob man irgendwann, wenn am Stichtag das Telefon klingelt, ganz ruhig aufsteht, ran geht, und während des Telefonats mit der Klinik kleine Männchen auf seinen Telefonblock malt, weil man so dermaßen entspannt ist?

Ich finde es raus und sag euch dann Bescheid.

Samstag, 24. Oktober 2009

Neulich, irgendwo auf der Landstraße

Ich sitze mit meinem Vater im Auto, und fabelhaft netter und uneigennütziger Mensch, der er ist, fährt er mich schnell die 30 Kilometer lange Strecke zu meinem alten Freund, damit wir nach einem kurzen Intermezzo bei meinen Eltern wandern gehen können. Ich sitze neben ihm, der Regen klatscht auf die Windschutzscheibe, und ich fühle mich wunderbar behaglich: das Schnitzel von gestern Abend hält nach unruhiger Nacht endlich den Rand, gleich fängt mein Urlaub an, das war nett bei den beiden, und bald sehen wir uns schon alle wieder, wenn meine Mutter ihren Geburtstag ganz groß feiert. Dann räuspert sich mein Vater, was immer die Ankündigung dafür ist, dass es mit der Gemütlichkeit gleich vorbei sein wird. Und da kommt es auch schon:
"Ihr werdet das aber schon weiter probieren. Oder?"
Wieso weiß ich sofort, was er meint? Nämlich die Befruchtungsversuche, und nicht etwa den perfekten Zimtstern zu backen, endlich einen Badeanzug zu finden, in dem ich aussehe wie Größe 36, oder die Suche nach dem Bernsteinzimmer?
"Ja, schon. Ich weiß natürlich nicht, wie es mir in zwei Jahren geht, aber im Moment hab ich das Gefühl, wir machen weiter, bis es endlich klappt."
"Gut. Und sonst besorgt ihr euch eben eine Leihmutter."
Äh... ja. Dann reich mir mal die gelben Seiten rüber. Das ist vielleicht nicht der richtige Moment für eine Ringvorlesung zum Thema...
"Auf jeden Fall keine Adoption."
Oder vielleicht ist das doch der richtige Moment?
"Papa, das mit den Leihmüttern ist bei uns verboten. Dazu müssten wir ins Ausland ziehen. Und auch da wäre es nicht so einfach, wie du jetzt vielleicht..."
"Adoptierte Kinder sind eben keine eigenen. Das ist nicht das Gleiche."
"Wie meinst du jetzt..."
"Kinder machen Ärger. Immer. Und wenn es die eigenen sind, dann denkst du dir: das sind eben meine Kinder, also meine Gene, da bin ich selbst mit dran Schuld. Aber wenn es nicht die eigenen sind, dann nimmst du es ihnen übel. Das ist nicht gut. Lieber eine Leihmutter."

Es sind Momente wie diese, in denen ich mich frage, ob ich nicht doch lieber die Klappe gehalten hätte. Zum Glück sind sie nicht allzu häufig, und zum Glück gehen sie schnell vorbei, und zum Glück weiß ich: das ist alles in Wirklichkeit, also in seinem Kopf, längst nicht so schlimm, wie es sich hier liest. Der Gute. Aber... ächz. Falls ihr versteht, was ich meine.

Freitag, 23. Oktober 2009

Was sonst noch geschah.

Der Hamburger Kinderwunsch-Stammtisch ist in fieberhafter Vorbereitung, wer auch noch mitmachen will, kann an Eiertaenzerin auf wunschkinder.net schreiben. Im Moment peile ich einen Termin in ca. zwei Wochen an, aber natürlich zählt in diesem Fall Euer Angepeile genau so viel wie mein Angepeile. Allerdings scheiden Termine unter der Woche vermutlich aus, wenn wir unseren Stargast aus Holland, Schoko NL, dabeihaben wollen - was wir natürlich wollen!

Mein HCG-Wert ist zwar bei Null (und ich wüsste nicht, was sich ohne medizinische Hilfe daran ändern sollte - eigentlich auch ein echter Vorteil, wenn ich bedenke, wie viel Geld ich im Lauf der Jahre für unnötige Schwangerschaftstests ausgegeben habe und wie viel ich jetzt erst dafür raushauen würde, wo ich gerne schwanger wäre - ich könnte mir vorstellen, trotz größter Selbstbeherrschung und feste zusammengebissenen Zähnen jeden Monat mindestens zwei davon zu verpulvern. Auf die Art kommt im Laufe eines Jahres auch fast eine IVF raus - oder?), und im Wanderurlaub hat der Bauch erstaunlich wenige Zicken gemacht. Zuhause lag ich Abends gerne schon mal mit Krämpfen auf der Couch, wenn ich mit dem Fahrrad kurz zu Budni gefahren bin, um neues Entschlackungszeug zu kaufen. Dagegen nach siebenstündigen Wanderungen mit unmenschlichen Steigungen - tiefer Friede. Aber kaum bin ich wieder zuhause und mache eine Fahrrad-Erledigung - Krämpfe. Hm. Vielleicht liegt es nicht an der Bewegung, sondern am Radfahren? Oder, Schock!!!! Frau Prof. Gerhard hat Recht, und es liegt am Weizen, wenn die Myome zwicken, und das Spätzlefest rächt sich jetzt mit ein paar Tagen Verzögerung? Wenn es so wäre, dann wäre es eben so. Vermutlich würde ich dann zu dem Schluss kommen, dass Weizen in Zukunft nicht mehr geht. Und gleichzeitig dazu, dass es Ausnahmen gibt: Weizen, der die Krämpfe wert ist vs. Weizen, der sie nicht wert ist. Zur ersten Gruppe gehören die Spätzle in meinem Lieblingsurlaubsgasthaus und frischer Pflaumenkuchen. Zur zweiten Gruppe zählen irgendwelche doofen Brötchen mit doofer Pute drauf oder doofe halbkalte Pizza mit Gouda und Mais.

Vom Superprojekt nichts Neues. Aber das war auch genau so angekündigt, und ich habe keinen Grund, deshalb nun hibbelig zu werden.

Dafür hat der Don geantwortet bzw. antworten lassen. Es tut ihm sehr leid, weil er "sowohl mich als auch meine Arbeit so schätzt", aber er ist im Moment in seinem Laden so dermaßen ausgezeichnet besetzt, dass da kein Platz für mich ist. Aber sobald sich daran irgend etwas ändert - und in meinem Beruf ändert sich das ganz fix - melden sie sich. Ich weiß, dass das eigentlich gute Neuigkeiten sind (schließlich hätte ja auch eine eiskalte Abfuhr, begleitet von Flüchen und Drohungen, in der Mailbox landen können), aber ich hätte auch nichts dagegen gehabt, wenn sie noch etwas besser gewesen wären. (Falls ihr euch fragt, was jammert sie denn, gerade war sie doch noch im Urlaub, so groß kann die Not doch wohl nicht sein - das war ein Hochzeitsgeschenk. Aus eigener Tasche könnte ich im Moment so ungefähr eine Tagesfahrt nach Wandsbek unternehmen. Wieder mal kann ich mich auf die Knie werfen und dankbar dafür sein, dass es L. gibt, sonst würde ich verhungern.)

Und dann haben, als ob das nicht reichen würde und Hamburg nicht angeblich vor Millionären aus allen Nähten platzt, irgendwelche Gauner ausgerechnet von meinem sowieso schon geplünderten Konto noch 500 Euro stibitzt. Bisher hat mich das immer null interessiert, wenn gewarnt wurde vor manipulierten Geldautomaten. Ich dachte immer "jaja". Bis ich letzten Freitag vor dem Rechner eines alten Freundes saß und mit Verwunderung feststellte, dass irgendjemand in Südafrika mit meiner Karte (die ganz sicher in meinem Portemonnaie verstaut ist) insgesamt dreimal Geld von meinem Konto abgebucht und auf ein anderes Konto bei der Commerzbank in Frankfurt überwiesen hat. Ja, ich kriege das Geld wieder, und ja, die Rennerei zur Polizei und das ständige Hin- und Her-Telefonieren und das Aneinander vorbei auf Mailboxen sprechen mit meiner Bank in einem waldigen Mittelgebirge, das ein einziges Funkloch ist, war extrem nervig, aber ist nun überstanden, aber ich wünsche den Jungs, die das waren, dass der Schuss gewaltig nach hinten losgeht. Klauen gilt ja gerne als eins der okayeren Vergehen. Ich habe sogar schon mit Leuten gesprochen, die fröhlich damit angeben, dass sie als Studenten ständig Fahrräder geklaut haben, wenn der Heimweg aus der Kneipe ihnen zu lang und das Bettchen zuhause zu verlockend erschien. Jaja, wilder Typ warst du wohl. Dass das Fahrrad vielleicht einem Mädchen gehörte, das auf deinen pfiffigen Einfall hin selbst fünf Kilometer durch finstere Gegenden mitten in der Nacht zu Fuß nach Hause musste, ist dabei scheinbar nicht so wichtig. Wenn es also eine Gerechtigkeit gibt, dann wünsche ich den Bastelfreunden, die an meinem Geldautomaten dranwaren, dass sie sich z.B. von dem Geld eine schöne Sushischlacht liefern, die in der Notaufnahme endet. Oder dass sie von dem Geld einen dermaßen hässlichen Anzug kaufen, dass ihre Freundin schreiend davonrennt und die Zuhälter-Karriere auch sonst im Eimer ist. Oder dass sie von dem Geld einen Flug in ein armes asiatisches Land buchen, der "Massagen" wegen, und dass ihnen dort jemand, der es wirklich nötig hat, alles klaut. Bis aufs letzte Hemd. Und euch würde ich raten, guckt von Zeit zu Zeit mal, was genau sich da so tut auf eurem Konto. Nur keine Angst vor miesen Kontoständen, es nützt ja doch nichts! Es stimmt nämlich, was die Leute sagen. Wer nicht aufpasst, wird beklaut.

Es funktioniert.

Für alle, die auch mal Ferien vom Kinderwunsch wollen: ich kann euch sagen, meine haben funktioniert. Ich bin tagelang mit dicken Stiefeln durch buntes Laub geraschelt, habe mehrere Wollpullis durchgeschwitzt bis auf die letzte Faser bei mörderischen Kraxeleien, habe mein eigenes Körpergewicht in Spätzle zu mir genommen, auf Baumstämmen gesessen und Schinkenbrötchen gemümmelt und wieder mal festgestellt, dass Wandern ein bisschen wie die Perfektion der guten alten Kindergeburtstags-Schnitzeljagd ist: man läuft den ganzen Tag durch den Wald, immer auf der Suche nach der gelben Raute/dem schwarzen Schlapphut/dem blauen Kreuz, das einem den Weg zeigt, und entdeckt dabei Pfade, die aussehen, als hätten die sieben Zwerge sie angelegt. Solche Wege kann kein Vater eines Geburtstagskinds sich jemals ausdenken oder markieren! Und wenn man dann endlich, endlich am Ziel ist, dann warten statt ein paar blöden Smarties oder Gummibärchen und handwarmem Kaba ein Rehbraten und Rotwein, und hinterher kann man stundenlang im Schlafanzug in der Hütte am Kachelofen sitzen und ratschen, bis weit unten im Tal schon wieder die Hähne krähen. Und ihr könnt mir glauben, bis auf ein-zwei kleine Mini-Gedankeleinlienchen an den Kinderwunsch habe ich die ganze Zeit an alles gedacht, nur nicht daran. Das war herrlich. Vermutlich sogar besser als der berühmte Traumstrand zu zweit oder das Romantik-Hotel, in dem dich alles anschreit "Und jetzt denk bloß nicht an Kinderwunsch! Guck mal, du hast es doch gut, nun wird das Leben gefälligst mal richtig genossen!"

Und nun bin ich wieder da, fühle mich fit wie ein Apfel, und wildfremde Menschen fragen mich, ob ich eigentlich gerne ein Buch machen würde, und das ist alles fürchterlich aufregend.

Samstag, 17. Oktober 2009

Es war schön mit Euch.

Und wird es bestimmt ab Donnerstag auch wieder werden! Bis dahin hoffe ich auf fünf Tage ohne auch nur den kleinsten Kinderwunschbezug, ohne Bauchzwicken trotz stundenlanger Wanderungen, ohne Hormonrappel und ohne Heimweh (ist doch albern. Aber ehrlich.). Und euch wünsche ich fröhliche Warteschleifen, nebenwirkungsfreie Abkürzungszyklen, positive Tests, bei denen nicht zur abgemachten Zeit plötzlich zwanzig längst abgeschriebene Freunde bei euch anrufen, so dass ihr jedes mal denkt "GAAAAH, die Klinik!" und sturzlangweilige Ultraschalls.