Montag, 7. September 2009

Eigentlich wollte ich mir die rechte Hand abhacken, wenn ich noch ein mal im Internet die Antwort auf medizinische Fragen suche.

Aber dann habe ich es doch getan, und beide Hände sind noch dran. Wäre ja auch blöd, als hätte ich keine anderen Sorgen, oder?
Jedenfalls habe ich dieses saubere Myompärchen gegoogelt und nur auf die extrem seriös klingenden Treffer geklickt, und da zeigte sich, dass man Myomen auf verschiedene Art ans Leder gehen kann, die alle nicht so klingen, als wäre danach ein Jahr Empfängnisverbot. Unter anderem kann man sie per Ultraschall bearbeiten (extrem teuer, aber wir haben's ja), man kann Hormone schlucken (auch teuer, aber siehe oben, für MEINE Myome nur das Beste! Ob Chanel ein Anti-Myom-Hormon anbietet? Ich wäre stark interessiert.), und davon abgesehen - manchmal ist die Lösung ganz simpel - scheinen sie manchmal zu schrumpfen oder sogar ganz zu verschwinden, wenn man die Pille schluckt. Was ich ja ab sofort wieder tue, um die Zysten in Schach zu halten.

Also alles halb so wild. Ich verstehe nur nicht, warum sie mir das heute nicht einfach gesagt hat. Aber sie meinte, sie wollte sich da raushalten, das wäre nun ja der Job der Klinik.

Und wieso ändert es überhaupt nichts an L.s Gesichtsausdruck, wenn ich ihm diese gute Nachricht überbringe?

Was übrigens nicht bedeutet,

dass ich nicht nach dem Termin trotzdem einen traditionellen Nach-dem-Gynäkologen-Besuch-Glücks-Cheeseburger gegessen hätte.
Es gibt gewisse Regeln, an die muss man sich halten. Wo kämen wir denn da hin?

Myom bekommt ein Brüderchen

Gerade zurück von der Frauenärztin. Ja, nun war doch heute der Termin, was mich heute morgen ziemlich in Hektik versetzt hat, als ich einen Blick in meinen Kalender geworfen habe. Auch so ein Naturgesetz: wenn du pro Tag acht Termine koordinieren musst, geht dir normalerweise keiner flöten. Aber wehe, du hast einen Monat, in dem du nur einmal zum Zahnarzt und einmal zur Gynäkologin musst. Das schaffst du nie.

Egal: als ich verspätet, aber frisch geduscht bei ihr ankam, war das gar nicht weiter schlimm, und eine halbe Stunde später lag ich auf dem Stuhl. ehrlich gesagt ziemlich nervös, denn meine Frauenarzttermine gehen aus irgend einem Grund selten glatt. Ich habe also fest damit gerechnet, dass entweder der letzte Krebsabstrich diskussionswürdig sein würde, oder dass die Gebärmutter nach der Ausschabung irgendwie blöd aussieht, oder oder oder. Und tatsächlich: zwar sind Abstrich und Ausschabung scheinbar sehr gut gelaufen, aber zu meinem einen Myom ist jetzt auch noch ein zweiter dicker, fetter Kollege gekommen. Beide sitzen genau so, dass man sie nicht oder nur unter Riesenaufwand operieren kann. Und zusammen werden sie dafür sorgen, dass sich in Zukunft mein Risiko für Fehlgeburten noch weiter erhöht. Und nein, da kann man nichts machen, und selbst wenn, dann würde das bedeuten, dass ich danach ein Jahr lang keinen neuen Versuch starten dürfte.

Krutzitürken. Ich hoffe wirklich, mein Bauch und ich werden irgendwann noch mal wieder richtig dicke Freunde.

Zum Abschied hat sie mir aber sehr fröhlich und in Schulterklopf-Tonfall nachgerufen, "Wir sehen uns dann wieder, wenn sie schwanger sind!"

Das lässt doch hoffen. Auch wenn L. schon wieder eine finstere Miene macht. Er ist es auch leid, der Ärmste, dass ich ständig mit solchen Nachrichten komme. Vor allem, weil er immer denkt, dass Ärzte das gerne ein bisschen verharmlosen und runterspielen und es in Wahrheit grundsätzlich schlimmer ist, als sie zugeben.

So. Damit ohne weitere Umschweife zur guten Nachricht: Ich habe freie Bahn, was Sport und Sex betrifft. Ich konnte es nicht fassen.
"Auch Laufen und Radfahren?"
"Ja."
"Reiten?"
"Ja."
"Fallschirmspringen, Kickboxen, Wrestling, Skispringen, Lacrosse, Rugby?"
"JAHAAA."

Gut. Also ab sofort endlich wieder alles so machen, wie das die anderen kinderlosen Menschen machen. Und wenn ich dann abends völlig kaputt von meinem irre aktiven Tag ins Bett falle, dann kann ich mir ja immer noch überlegen, meinen Myomen was vorzulesen. Irgendwas von der ganz miesen, langweiligen, vorhersehbaren und plüschigen Sorte. Sie haben es verdient. Wenn Rosamunde Pilcher sie nicht vergrault, wer dann?

Übrigens hat das Eiertanz-Nerd-Wochenende dann gestern einen ziemlich abrupten Schluss gefunden, weil ich nach dem Kino direkt spontan ins Konzert eingeladen wurde und erst zwei Stunden und drei Bierchen später wieder zuhause war.
Die Erkenntnisse des restlichen Tages gestern:

Tarantino-Filme bringen es für mich nicht. Vermutlich liegt es daran, dass ich kein Junge zwischen 12 und 16 bin.

Brad Pitt kann inzwischen aussehen wie Marlon Brando in "Der Pate". Alles, was er dazu braucht, sind zwei Stück Watte in der Backe.

Die WHO kann mir erzählen, was sie will, rauchen sieht tatsächlich sexy aus. Vor allem im Film.

Irgendwann früher mal habe ich blind diese Weisheit nachgeplappert, je höher die Absätze, desto mehr Geld müsste man in die Schuhe stecken, denn auf billigen High Heels könnte man leider nicht laufen und würde auch automatisch billiger aussehen. Das ist Bullshit. Irgendeine Frauenzeitschrift hat mal damit angefangen, und nun schreiben es alle ab, und wer das Gegenteil behauptet, setzt sich dem Verdacht aus, keinen Geschmack zu haben bzw. noch schlimmer, kein Niveau. Manche Schuhe sehen billig aus. Andere nicht. Auf manchen kann man gut laufen. Auf anderen nicht. Der Zusammenhang zwischen diesen beiden Variablen und dem Preis ist zwar zu erkennen. Aber ein eisernes Gesetzt ist er nicht. Ich spreche als eine Frau, die gestern fünf Stunden lang auf acht-Euro-High Heels unterwegs war und das sehr gut überstanden hat und die nie so grausame Qualen leidet wie in ihren 450-Euro-Stiefeln (wenn auch runtergesetzt gekauft).

Sonntag, 6. September 2009

Mit der Heulerei muss jetzt aber ein für allemal Schluss sein

Gerade habe ich mit meiner Mutter telefoniert und sie gefragt, wie es meinem Bruder auf der Hochzeit gefallen hat. So genau kann man das nicht einschätzen bei ihm, denn zwar hat er ziemlich viel Zeit damit verbracht, für sich irgendwo zu stehen und Löcher in die Luft zu gucken, aber das macht er häufig, man weiß also nicht, ob das ein mieses oder gutes Zeichen ist oder überhaupt ein Zeichen irgendeiner Art. Und sie hat gesagt, es hat ihm sehr gut gefallen, aber er ist ins Nachdenken gekommen. Denn als er gesehen hat, was ich für gute und nette Freunde habe, hat er das mit seinen Freunden verglichen, und die haben dabei nicht gut abgeschnitten, und er hat sich plötzlich sehr einsam gefühlt. Und er hat die ganze Heimfahrt über darüber nachgegrübelt und laut überlegt, dass sich jetzt etwas ändern muss und dass es schön wäre, wenn er irgendwann auch so etwas findet.

Und ich könnte schon wieder heulen. Ätzend, diese Heulerei. Um der ätzenden Heulerei aus dem Weg zu gehen, werde ich gleich Lippenstift auftragen (rot oder pink?) und ein bisschen Puder aus der Wunderpuderdose, und dann zieh ich die Schuhe an und gehe ins Kino in einen Jungsfilm, in dem es mit Sicherheit nichts zu heulen gibt. Und zwar allein. Denn wenn man weiß, dass man so fabelhafte Freunde hat (auch, wenn sie gerade leider alle in Berlin oder sonstwo festsitzen), dann kann man auch ruhig allein ins Kino gehen, ohne sich auch nur das kleinste bisschen blöde oder einsam zu fühlen.

Wie Fußpflege die Schwangerschaftsvorfreude steigert

Ich kann melden, inzwischen angezogen zu sein, gefrühstückt und Kichererbsensuppe gegessen zu haben, und sogar die Füße habe ich mir gemacht, wobei nach zehn Tagen endlosem Gelatsche durch idyllische Gässchen wieder Assoziationen an die Werkbank meines Vaters damals im Heizungskeller hochkamen, als ich so mit der Hornhautfeile ans Werk ging. Das mit den Füßen war Teil des Sturmfreie-Bude-Programms, mit dem ich mir gerne solche L.freien Wochenenden versüße. Unter anderem besteht das Programm aus solchen Dingen wie:

- beim Telefonieren ständig durch die Gegend zu laufen, was L. sonst wahnsinnig macht, weil er sich immer gerade einen ungestörten Platz gesucht hat und dann komme ich und schreie wie besengt in unser strahlungsreduziertes Telefon (in das man schreien muss, so ist das, man hat nur die Wahl zwischen bösen bösen Strahlen und bösem bösem Nervenzusammenbruch)

- alle zehn Lieblingskochbücher mit ins Bett zu nehmen und mir auszumalen, was ich in den nächsten zehn Tagen kochen will (macht L. zwar nicht wahnsinnig, aber unruhig, weil er doch seit Monaten versucht, weniger zu essen)

- den ganzen, langen, endlos langen Tag im Schlafanzug zu verschlumpfen und nur Abends, bevor L. nach Hause kommt, schnell einen anderen anzuziehen, um die Illusion zu erzeugen, ich hätte zwischendurch etwas richtiges angehabt und nur jetzt eben gerade schon wieder ausgezogen

- Sachen direkt aus dem Kühlschrank essen

- In jedem Raum der Wohnung Licht brennen lassen und außerdem gleichzeitig die Anlage, die wii, den Fernseher und den Computer laufen lassen (und kommt mir nicht mit Stromverschwendung, ich bin die, die eigentlich immer zu Fuß geht oder Fahrrad fährt)

- doch noch mal ganz heimlich die Babybücher rausholen (auch wenn ich das im Moment noch lieber lasse, aber das wird wieder passieren, ich weiß es genau)

- wenn ich mich im Bett zu sumpfig fühle, das ganze Bettzeug ins Wohnzimmer schleppen und hirnlose Fernsehsendungen glotzen oder DVDs, die ich schon achtmal gesehen habe

So weit der Plan. Und als ich gestern Morgen, nachdem die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen war, anfing, mir das Wochenende genüsslich auszumalen, habe ich einen großen Teil dieser Sachen auf heute geschoben. Aber jetzt kommts: heute ist er gar nicht unterwegs! Ich hatte alles falsch verstanden! Blieb also nur, entweder noch eine Weile mit den italienischen Globetrotter-Füßen rumzulaufen, oder sie trotzdem zu machen, und zwar an dem Punkt der Wohnung, der am weitesten von L. entfernt ist. (Der Balkon. Hat funktioniert. Er hat mich da erst entdeckt, als das Gröbste schon vorbei war und ich gerade bei der zweiten Schicht Nagellack war.)

Z.B. bei Bloggerin dooce kann man nachlesen, was passiert, wenn man kleine Kinder hat. Es kann passieren, dass man drei Tage lang nicht duschen kann und sich nur schnell die vorderen Haare wäscht, bevor man Besuch bekommt, damit wenigstens die vorderen Haare frisch gewaschen sind. Zu den mittleren und hinteren Haaren kommt man nicht. Ich kann und will mir gar nicht vorstellen, wie sich das anfühlt, seit drei Tagen nicht geduscht zu haben und wie groß der Stress genau sein muss, damit man es nicht schafft, seinen kompletten Kopf zu waschen, sondern nur drei Strähnen. (Der Zeitunterschied kann doch höchstens 30 Sekunden betragen? Nein?).
Aber eines Tages werde ich es mir vorstellen können. Denn ich habe ja beschlossen, dass das bei uns irgendwann klappt mit den Kindern. Und da sollte ich L. vielleicht heute schon langsam dran gewöhnen, dass auch wir Frauen nicht von alleine hornhautfrei, schweißfrei, an den richtigen Stellen haarfrei und ohrenschmalzfrei durchs Leben gehen, damit nachher der Schock nicht zu groß wird.
Insofern kann ich sagen, was den Aufbruch in das neue Abenteuer namens Dritter Versuch betrifft, kann ich nach der neuen Folsäure einen weiteren Punkt abhaken.

In L.s Gegenwart (jedenfalls theoretisch, er hätte jederzeit dazukommen können) eine nicht sehr hübsche und sogar unappetitliche Körperpflegeprozedur durchgeführt und ihm so einen Einblick in die Welt weiblicher Instandhaltung gegeben, die eigentlich Jungs für immer verschlossen bleiben sollte: Haken dran.

Plappermäulchens Sonntagmorgen

Letzte Nacht habe ich 12 Stunden geschlafen. 12. Jetzt liege ich mit einer Tasse Tee im Bett, draußen pfeift der schöne Hamburger Nordseewind ums Haus, die neu gekauften (weil im Urlaub gestorbenen) Balkonkräuter wackeln mit den Blättern, und ich überlege, was jetzt? 12 Stunden Schlaf können einen völlig fertig machen oder einen diffusen Tatendrang erzeugen, der kanalisiert werden muss.

Plan 1: das verbotene Zimmer soll wieder für Menschen betretbar werden. Problem: so verboten wie jetzt war es noch nie, denn L. hatte vor einer Weile die Faxen mit den alten hässlichen Billi-Regalen sowas von dicke und hat einfach alles, was darin war, auf dem Boden gestapelt. Dann ist er bei eBay auf die Suche gegangen und hat nach und nach ein paar alte Weichholz-Regale gekauft. Vielmehr hat er es versucht. Im Moment haben wir zwei, von denen eins erst morgen geliefert wird. Billi war aber zu siebt. Wie kriegt man den Inhalt von sieben Billys in zwei Weichholz-Schönheiten? Hm. Bei näherer Überlegung zeigt sich: An diesem Plan kann ich wohl nicht viel tun, bis eBay uns noch mehr Regale vor die Flinte treibt. (Übrigens mache ich mir Sorgen. Nicht nur, dass die meterhohen Stapel von Platten und Büchern über jemandem zusammenbrechen könnten, sondern im Moment bekommen wir auch fast täglich eine neue Tüte mit unserem Hochzeitsgeschirr, das da auch irgendwo unterkommen sollte und mehr wert ist als der ganze Rest der Wohnung zusammen, vermutlich uns eingeschlossen. Und die Schätze sind da auch irgendwo dazwischen.)

Also gut. Auf zu:
Plan 2: Jobsuche. Haltet mich nicht für ein kaltschnäuziges Biest. Aber einer der ersten Gedanken (na gut, der ersten 100 Gedanken) nach der schlechten Nachricht und der Fehlgeburt war, jetzt suche ich mir wieder einen Job, und zwar schnell. Denn die Wahrheit ist, auch nach der Hochzeitsreise haben sich die Jobanfragen nicht in meiner Mailbox gestapelt. Und so geht es nicht weiter. Der Selbständigkeitsplan klang sehr gut, klingt er immer noch (jeden Monat zwei Wochen arbeiten, jede Menge interessanter neuer Eindrücke sammeln, es wird nie langweilig, du schwimmst im Geld und kannst dir in den verbliebenen zwei Wochen entweder die gebratenen Tauben in den Mund fliegen lassen oder an einer zweiten, noch schöneren Berufsperspektive arbeiten... hach. Ich kriege feuchte Augen, wenn ich nur dran denke, wie herrlich das gewesen wäre.), aber ist leider mit Karacho schief gegangen, und nun, wo ich nicht mehr schwanger bin, könnte ich die Lücke bis zum nächsten Versuch nutzen, irgendwo unterzuschlüpfen. Gut. Heute ist Sonntag. Ich kann schon mal meinen Kram sichten und gucken, was davon ich dem nächsten Personalchef präsentieren will und wie. Mehr ist heute nicht zu machen.

Inzwischen: Plan 3. Verschiedene Quatschprojekte.
Unter anderem platzt das Kinoprogramm gerade aus allen Nähten vor Filmen, die ich sehen will, und so weit ich sehe, hat keiner davon mit Kindern, Schwangerschaften oder Fehlgeburten zu tun, ist es zu fassen? Unter anderem stehen auf der Liste: Chéri(endlich mal wieder Michelle Pfeiffer im Kino, ich dachte schon, ich erlebe es nicht mehr), Julie & Julia (mein Thema, seit fünf Jahren wird mein Leben in der Küche von Nigella Lawson mit sanfter Hand regiert, und ich bin glücklich, zu gehorchen), Whisky mit Wodka (Schauspieler ist Alkoholiker), LOL (zuverlässige Freundin behauptet, der wäre lustig), Inglorious Bastards (ist mir doch egal, wie der geschrieben wird), Zerrissene Umarmungen und dieser Film mit dem französischen Landhaus, in dem dauernd gegessen wird. Leider gibt es im Moment keinen Film, der im Weltall spielt, solche Filme gucke ich mir grundsätzlich an. Andererseits ist die Agenda auch so scheinbar ziemlich voll.
Dann muss ich noch Fotos runterladen, zuschneiden und ordnen. Ich will hier keinen lieben alten eckigen ehemals weißen Freund kränken, aber mit dem derzeitigen Mac ist das kein Spaß. Im Gegenteil, ein Foto mit dem Mac zuzuschneiden, ist ungefähr so einfach und mühelos, wie es mit der alten rostigen Laubsäge meines Vaters im spinnenverseuchten Heizungskeller zuzuschneiden. Aber es hilft ja nichts. (Den Satz hab ich in letzter Zeit doch schon mal gehört, wo war das noch?)

Dann muss ich mir noch etwas einfallen lassen, wie wir die große Hochzeitshysterie in ein großes, unfassbar harmonisches Wochenende münden lassen können, wo wir uns fast alle noch mal sehen, die mühsam ausgesägten Fotos angucken, den übrig gebliebenen Alkohol trinken, tanzen und es rundum gut haben. Die Mädchen haben es verdient, wir auch, die Jungs bestimmt irgendwie auch. Partyplanung, yeiih! Wo ist mein Notizblock mit den Glitzereinhörnern und der Swarovski-Stift? Ach so, hab ich ja beides nicht.

Und dann steht noch der große Metaplan an:

Bis zum nächsten Versuch sind es zwei Monate. Eher drei. Hat jedenfalls die Ärztin gesagt. Für diese Zeit brauche ich einen Plan. Drei Monate erzeugen nicht die gleiche Torschlusspanik wie vier Wochen (um die es beim letzten Mal erst zu gehen schien, woraus dann aber auch zwei Monate wurden), aber ich will auch nicht in drei Monaten auf dem Stuhl liegen, die neuen Prilblümchen auf dem Schirm sehen, dann kommt die Pipette näher und näher, und mir denken: Verflixt, da war doch noch was.

Aber der Metaplan verdient einen eigenen Eintrag.

Samstag, 5. September 2009

"Und wie war das in Italien, habt ihr viel an das Baby denken müssen?"

Nein, an das Baby wenig. Ich habe viel an meinen blöden Bauch gedacht, der sich immer wieder mit komischem Zwicken und auch ein bisschen Blut in den Vordergrund gedrängelt hat. Ich weiß auch nicht, wieso, aber ich vergesse zwischen zwei Operationen immer wieder, wie lange das bei mir dauert, bis wirklich alles verheilt ist. Unmittelbar davor denke ich dann, ich bin ein Stehaufmännchen und mich haut nichts um, und dann gerate ich langsam in Panik, wenn eine Woche nach der OP (oder zwei oder drei) immer noch nicht alles wieder gut ist. Dienstag habe ich endlich meine Kontrolle und hoffe inständig, dass die Ärztin nichts zu meckern hat und mir freie Bahn gibt für Sex und Sport. Jedenfalls, das Baby war zwar nicht durchgängig dabei, aber der Bauch schon. Der Bauch ist mit mir auf wackligen Knien durch Rom gelaufen, hatte sich in Perugia schon wieder ein bisschen gefangen, hatte in Siena einen kleinen Rückfall und war in Venedig schon kaum noch ein Thema. Außer, wenn er doch ein Thema war. Grrrrrr.

Das Baby – was soll ich sagen? Ich habe einsehen müssen, dass ich manche Dinge unter Kontrolle habe und andere nicht. Ich konnte nicht viel dagegen tun, dass ich in den letzten zwei Wochen ein bisschen passiver und dünnhäutiger war als sonst. Das war eben so, und auch L. musste das erst verstehen. Plötzlich nehme ich Sachen krumm, über die ich sonst gelacht hätte, und statt fleißig mitzuplanen, was wir unternehmen, gucke ich Löcher in die Luft und laufe L. hinterher, wird schon gut sein. So kenne ich mich sonst nicht, aber so bleibe ich ja auch hoffentlich nicht. Davon abgesehen war Italien zu schön, um zu traurig zu sein. Ich glaube nicht, dass damit die traurige Geschichte um das Würmchen schon ratzeputz ausgestanden und verdaut ist. Aber es ging besser, als ich dachte, und wir haben den Teufel getan und uns in den schönen Momenten gegenseitig daran erinnert, was für arme Söcke wir sind. Ich habe übrigens weiter das Glück, von blöden „Warum ich?“-Gedanken verschont zu bleiben, Kinder haben mir nichts ausgemacht, und Schwangere auch nicht. Es gab ein paar Tiefpunkte, aber die waren nur das, Punkte. Wie eine kalte Stelle im warmen Mittelmeer. Und ich glaube immer noch ganz fest, dass wir das schaffen, so lange wir nicht aufgeben. Das war erst der zweite Versuch. Dass ich überhaupt beim zweiten Versuch schwanger geworden bin, hätte ich nie erwartet, und ich bin mir sicher, dass es ein gutes Zeichen war. Jetzt kommen der dritte, vierte und fünfte Versuch.

Und dann ist da noch der kleine Trost, dass das Würmchen noch nicht mehr war als eine Phantasie. Natürlich haben wir einen Herzschlag gesehen, aber das war immer noch nicht richtig wahr. Und damit hatten wir noch gar kein richtiges Kind zu betrauern, sondern eine Schwangerschaft. Manchmal, an den kalten Stellen, habe ich nicht daran gedacht, wie fabelhaft L. sich mit so einem Babytragedings machen würde, sondern ich hab daran gedacht, wie schön es gewesen wäre, unser erstes geplantes Weihnachten zu zweit mit einer Babykugel zu erleben. Draußen Schnee, drinnen der Weihnachtsbaumgeruch, und Flora kriegt die Strickjacke nicht mehr zu und sieht aus wie der Nikolaus. Oder ich habe daran gedacht, wie es mitten in der Nacht losgeht und wir in die Klinik rasen. Oder daran, wie der Ultraschall immer mehr aussieht wie ein Mensch und immer weniger wie ein Würmchen. Aber danach ist noch alles vor meinem Auge verschwommen und war noch nicht richtig greifbar.

Jetzt also der nächste Versuch. Und neben der großen Hoffnung, dass wir diesmal die drei-Monats-Grenze mit einem Lächeln passieren, habe ich die zweite große Hoffnung, dass mir diese Fehlgeburt nicht das Vertrauen genommen hat, dass es klappt. Dass ich keine Klatsche mitbekommen habe und auch in Zukunft noch nicht bei jedem Luftbläschen oder Zwicken denke, das wars. Dass ich mich entspannen kann und es genieße und mir nicht jedes Fünkchen Vorfreude verbiete aus Sorge, es könnte wieder für die Katz gewesen sein.

Folsäuredose vs. Puderdose: 0:1

Es gibt Dinge, die kann ich einfach nicht zu Ende benutzen. Vorher verliere ich sie, oder sie gehen kaputt, oder ich mag sie nicht mehr. Ich habe es noch nie geschafft, einen Radiergummi bis zum letzten Krümel aufzubrauchen. Shampoo ist auch so etwas. Bis auf mein Lieblingsshampoo kaufe ich immer wieder andere Sorten, weil sie so lecker nach Rosmarin oder sonstwas riechen, und wasche mir damit die Haare, und dann sehen meine Haare doof aus oder werden nicht richtig quietschsauber, und dann steht dieses Shampoo da auf dem Badewannenrand herum und nimmt Platz weg und macht mir Vorwürfe, wenn ich an ihm vorbeigreife und mein Lieblingsshampoo benutze. Schon wieder sitzengelassen. Armes Mauerblümchenshampoo, aber warum kannst du auch meine Haare nicht schöner waschen?
Kompaktpuder ist auch so ein Ding. Ich will es nicht beschwören, aber im Moment bin ich zum ersten Mal in 20 Jahren Pudergeschichte so weit, dass auf dem Boden meines Puders eine große Fläche freigelegt ist. Der Puder bildet nur noch einen Ring um diese Fläche. Das gab es noch nie. Bisher ist immer eins von zwei Dingen passiert: entweder, die Dose fällt mir vor dem Spiegel runter (am liebsten in einem wirklich ekligen Waschraum, z.B. auf einer Zugtoilette oder morgens um vier in einem völlig verwanzten Club) und der Puder zerbricht in tausend Stücke, die sich über den ganzen vollgepinkelten Boden verteilen und nicht mehr zu gebrauchen sind. Oder, ich öffne meine Handtasche, und die Dose ist unbemerkt aufgegangen, und nun hat sich der komplette Puder gleichmäßig über meine Schlüssel, mein Portemonnaie und bis in die kleinsten Ritzen meines Handys verteilt, und die Dose ist leer. In so einem Fall könnte ich natürlich noch mit dem Handy über meine Nase fahren, aber auf die Dauer... nein.
Ich kann mir noch gar nicht vorstellen, wie befriedigend das sein wird, den wirklich letzten Rest des Puders aus der Dose zu kratzen und die Dose wegzuwerfen, endlich mal auf dem ganz normalen, friedlichen Weg leer geworden. Vielleicht werfe ich sie auch gar nicht weg, sondern hebe sie auf, es ist schließlich nicht zu erwarten, dass ich das ein zweites Mal in diesem Leben schaffe. „Großmama, Großmama, dürfen wir die leere Puderdose sehen?“
„Aber ja, ihr Lieben, ich muss nur erst den Schlüssel für die Vitrine finden.“

Inzwischen hat sich herausgestellt, dass Folsäure zur ernsten Konkurrenz für Puder wird. Seitdem ich letzten Sommer meine erste Dose Folio gekauft habe, damals noch im vollen Gefühl, nun bestimmt einfach schwanger zu werden, habe ich keine einzige Dose bis zum Ende aufbrauchen können. Vielleicht sind meine Hände unruhiger. Vielleicht verreisen ich und meine Folsäuredose auch häufiger als andere Leute. Oder die Folsäuremänner haben die Dose am Tag nach der Betriebsweihnachtsfeier entworfen. Ich weiß es nicht. Aber jedes Mal kommt der Moment, wo ich meinen Waschbeutel öffne und dort die leere Dose ohne Boden finde, und drumherum liegen all die kleinen zartorangefarbenen Pillchen, gleichmäßig überzogen mit dem gleichzeitig ausgelaufenen Locken-Conditioner. So auch diesmal, gestern Nachmittag nach dem Rückflug aus Venedig. In der Büchse waren nur noch 50 Pillchen, so weit war ich noch nie gekommen. Wir nähern uns. Vielleicht wird ja die Dose, die ich heute gekauft habe, die erste, die ich ratzeputz aufbrauchen kann und die sich einen Platz in der Leere-Puderdosen-Vitrine verdient.
Auf jeden Fall war der Moment, in dem ich heute diese Dose folio forte gekauft habe, der erste Moment seit dem Montag vor zweieinhalb Wochen, den ich nicht mehr als einen Moment nach der Fehlgeburt, sondern als einen Moment vor dem nächsten Versuch empfunden habe. Und das war schön. Die alte Dose habe ich kurz nach dem Schwangerschaftstest gekauft, und damals dachte ich noch, Mensch blöd, da sind ja so viele Tabletten drin, und ab dem vierten Monat muss ich doch auf normale Folsäure umsteigen, wohin dann mit dem Rest? Die kleine Büchse hätte eigentlich mit den Schwangerschaftsbüchern und dem anderen Kram in eine Kiste wandern sollen, aber das wäre mir übertrieben vorgekommen, und deshalb habe ich jedes Mal, wenn ich morgens mein Pillchen da rausgedrückt habe, ein bisschen daran gedacht. Wieder ein Problem, das sich von alleine gelöst hat.
Erster Schritt, wenn man in ein Abenteuer startet: die Ausrüstung auf Vordermann bringen.
Nagelneue Folsäure: Haken dran.

Ein paar nicht miteinander zusammenhängende Gedanken zur Eröffnung des großen Eiertanz-Nerd-Wochenendes

Wie fast jeder Mensch, der ein Mobiltelefon besitzt und/oder im Internet aktiv ist, habe ich mir schon oft gewünscht, es gäbe eine Funktion, mit der die Geräte einen davon abhalten können, unter Alkoholeinfluss mit ihnen zu arbeiten. Das mit dem Handy ist bei mir nicht so schlimm, da haben andere schon mehr gelitten am Morgen danach. Ich habe keinem meiner Exfreunde irgendwas zu sagen und bin auch nicht unglücklich verliebt, daran liegt es vermutlich. Aber gebt mir nur ein Glas Rotwein oder zwei und einen Computer, der online ist, und plötzlich erkenne ich mich selbst nicht wieder. Ich werde furchtbar laut und krawallig und wirr. Gestern ging es noch, da waren es wirklich nur zwei Gläser zur Feier meiner Heimkehr (und um den Italien-Entzug ein bisschen abzumildern), und schon schreibe ich Kommentare mit Unfruchtbarkeits-Scherzen, die die meisten von euch vermutlich nicht so witzig finden und die ich am nächsten Tag dann sehr kleinlaut lösche, weil das bei Lichte betrachtet dann doch keine so gute Idee war. Gestern Abend aber, etwa bei der Hälfte von Glas Nr.2, dachte ich noch: „ich bin selbst unfruchtbar und darf das. Sowieso darf ich so ziemlich alles.“ Eieieiei, böser Fehler. Hier also ein Vorschlag, den die Industrie ruhig kostenfrei aufgreifen und sich daran dumm und dusselig verdienen darf: wie wäre es mit einem Handy, bei dem man z.B. nach 22 Uhr erst über die Tasten ein-zwei Geschicklichkeitsaufgaben lösen muss, die unter Alkohol (so ab dem zweiten Glas) nicht mehr funktionieren? Und wenn man es nicht schafft, dann darf man nur noch Notrufe absetzen und sich ein Taxi rufen? Es könnte auch eine abgemilderte Variante geben, bei der man vorher selbst bestimmt, welche Nummern gefährlich sind, und diese Nummern werden dann automatisch gesperrt, wenn man nicht mehr Herr der Lage ist. Am Rechner könnte man einfach den Netzzugang abdrehen, sobald man sich z.B. mehr als achtmal pro Minute vertippt – oder eben irgend etwas anderes, das ungefähr so aussagekräftig ist wie auf einem Strich entlanglaufen oder die eigene Nase anfassen.
Nur so eine Idee!

Dann wollte ich noch davon berichten, dass es in italienischen Kirchen inzwischen elektrische Kerzen gibt. Man wirft eine Spende in eine Box und darf dafür einen Schalter umlegen. Ich dachte schon, das ist aber blöd, bis L. eine Kerze an- und sofort wieder ausknipste, um die Wunscherfüllung nicht durch Stromverschwendung zu gefährden. Der Süße! Eigentlich hat man jetzt also die Möglichkeit, nicht nur durch Geld, sondern auch noch durch Umsicht das Schicksal zu ZWINGEN, einem Wünsche zu erfüllen. Eine feine Sache! (Ich werde selbstverständlich nicht verraten, was ich mir gewünscht habe, das bringt ja bekanntermaßen Unglück, und nach Unglück ist mir gerade nicht so, weiß auch nicht warum.) Und die schöne Kirche wird auch nicht so vollgerußt durch die vielen Kerzen.
Eine andere Wunscherfüllungseinrichtung steht bei Peggy Guggenheim in Venedig. Dort hat ihr Yoko Ono einen Baum hingestellt, in dessen Zweige man Papierchen mit Wünschen hängen kann. Da haben wir es mit dem gleichen Trick versucht: sich etwas zu wünschen, aber für gutes Karma zu sorgen, indem man nicht eine der wenigen Wunsch-Dranhäng-Klammern belegt, sondern anderen den Platz überlässt und sich denkt, das wird schon klappen, auch ohne Papierchen, vielleicht sogar um so besser. Denn Papierchen können die Tauben fressen, oder es regnet und die Schrift zerläuft, aber einen papierlosen Wunsch haut so schnell nichts aus der Bahn.

Und dann wollte ich schon mal ankündigen, dass dies nach langer Zeit mal wieder ein Wortschwall-Wochenende wird. Denn L. ist mit seiner Mannschaft unterwegs, und die Mädchen sind verplant, und auf dem Speiseplan steht eine gesunde italienische Kichererbsensuppe, deren Zubereitung mich ungefähr zwei Minuten in der Küche beschäftigen wird und die mich bis Sonntag Abend satt und glücklich macht, so dass alle Zeit der Welt ist, hier all das zu posten, was ich schon seit Wochen mal dringend loswerden wollte. Ich werde das übrigens weitgehend auf dem Boden hockend und in Schlafanzügen tun. Und nachdem L. das nicht sieht, werde ich vermutlich sogar im Schlafanzug zwischendurch in den Keller flitzen und Wäsche aufhängen, auch auf die Gefahr hin, dass die Nachbarn SCHOCK! meinen Schlafanzug sehen.

Und damit erhebe ich meine Ovomaltine-Tasse und erkläre das große Nerd-Wochenende für eröffnet.

Freitag, 4. September 2009

Denkt euch einfach "Azzurro" dazu

Mann, hab ich was zu erzählen. Zum Beispiel, dass man als Schwangere nicht denken soll: ach, das klappt gerade so prima ohne Alkohol, wie wäre es, einfach mal eine Weile nichts mehr zu trinken, selbst wenn die Baby-Pläne sich erledigt haben? Dann kommt es blöd, und dann kommt dieser Augenblick, da denkst du: Moment, kurz überlegen... nein.
Oder, dass Italien das einzige Land ist, das mich dazu kriegt, mich in einer Minute maßlos über dämliche, verblasene und völlig zu Unrecht auf ihr blödes Etablissement stolze Kellner zu ärgern und keine 40 Sekunden später in Tränen auszubrechen, weil das hier so schön ist. Ich meine wirklich in Tränen ausbrechen. Und ich heule nie! Nicht im Kino, nicht in der Oper (das tun Leute sowieso nur im Kino) und auch nicht beim Fußball. Nach dem schlimmen letzten Ultraschall habe ich ca. zwei Minuten geheult, als ich im Bus nach Hause saß und L. da so tapfer an der Bushaltestelle stand und auf mich gewartet hat. Ich habe auf meiner eigenen Hochzeit nicht geheult! Und dann kommt da so ein oller renovierungsbedürftiger Palazzo und dazu schlecht geübte Klaviermusik aus einem Fenster und ein bisschen Lagune, und ich flenne. Der arme L., was soll der denn denken, wen er da abgekriegt hat?
Oder, wo wir gerade dabei sind: wenn ihr mal in Venedig seid und eines Abends so gegen Mitternacht über einen Campo in der Nähe der Anlegestelle der letzten Vaporettos lauft, und da ist so ein abgeschiedenes Restaurant, in dem viele Menschen sitzen, die größtenteils italienisch sprechen, Wein aus Muranogläsern trinken und einen fabelhaften Abend zu haben scheinen, und ihr überlegt euch „das sieht nett aus, da gehen wir morgen hin“ und seid schon jetzt ein bisschen stolz darauf, es tatsächlich gefunden zu haben: das Lokal, in das die ECHTEN Venezianer gehen und wo es nun wirklich authentisch, untouristisch und insgesamt unvergesslich wird, dann rate ich euch: legt einen Zahn zu und vergesst das Ganze. Heute hat L. herausgefunden, dass genau an diesem Campo eine Wohnung zu vermieten ist, und ich habe so einen Brass auf den Laden, dass ich mir überlegt habe, die Wohnung zu mieten, den ganzen Tag aus dem Fenster zu hängen und den Leuten, die überlegen, hier essen zu gehen, Zeichen zu geben und sie zu verjagen. Ich würde ein paar Kellner und einen Koch um ihren Job bringen, aber ich würde Tausenden von Menschen eine wirklich schlimme, manche würden sogar sagen (manche, die viel weinen, anders als ich) TRAUMATISIERENDE Erfahrung ersparen. Mir kommt es jetzt noch hoch, wenn ich daran denke, wie... aber lassen wir das.
Weiterführende Restauranttipps und -verdammungen folgen, sobald ich die acht Kilo Wäsche bewältigt habe.
Ich kann euch erzählen, dass ich einen Mückenstich im äußeren Augenwinkel habe und damit glimpflich davongekommen bin, was allein L.s Verdienst ist, denn er ist der niedlichere von uns beiden, und wie es sich gehört, wird er deshalb viel mehr gestochen als ich. Welche Mücke würde mich auch nur mit ihren Facettenaugen angucken, wenn er im Raum ist?
Oder, dass der Sexbann entgegen all meiner sehnlichsten Hoffnungen weiter anhält. Denn ich blute immer noch, zwar nicht viel, aber auch nicht nicht. Deshalb habe ich heimlich und hinter L.s Rücken auch im Urlaub zweimal mit meiner OP-Klinik telefoniert, wo sie es zwar geschafft haben, mich weder panischer zu machen noch auszulachen, aber wo sie mir gesagt haben, so lange ich blute, lassen wir das lieber.
Trotzdem kann ich versichern, dass das sehr sexy sexfreie Flitterwochen waren. Angeblich ist Zurückhaltung und sich-Dinge-verkneifen ja sowieso eine gute Idee, wenn es knistern usw. soll, aber wer bin ich denn? Eine Eheberaterin? Wohl kaum! Deshalb nun schnell wieder Themawechsel. (Das hier riecht sowieso eher nach Selbsthypnose als nach Eheberatung.)

Und mein Unterleib kann mich langsam mal.

Ich kann euch übrigens versprechen, WÄRE ich eine große Heulerin, dann würde ich heulen, was hier schon wieder los ist. 12 Kommentare, ihr seid ja verrückt! Andererseits muss ich wohl auch schimpfen. Was soll das denn, ich hatte euch doch gesagt, ihr sollt Blödsinn machen, und nun muckelt ihr hier rum? Damit mich das nicht zu nervös macht, rede ich mir nun einfach ein, dass das einfach eure Art ist, nett zu sein, dass ihr in Wahrheit natürlich rund um die Uhr Blödsinn macht und dabei charmanterweise so tut, als würdet ihr vor dem Rechner lauern.
Und dann fällt mir noch ein, dass ich euch vermisst habe und meinen schrabbeligen ehemals weißen Mac, der für alles ewig braucht. Und ich hab es vermisst, mich gerne mit etwas zuzudecken, und Jacken habe ich vermisst. Und das Fenster aufzumachen und tatsächlich das Gefühl zu haben, dass es dadurch besser im Zimmer wird. Und mich nach dem Duschen nicht sofort wieder mit klebriger Sonnencreme einzuschmieren, so dass ich fünf Minuten nach der Dusche nichts lieber möchte als Duschen. Und die Mädchen habe ich vermisst wie verrückt. Es ist hart, so kurz nach seiner Hochzeit von allen abgeschnitten zu sein, mit denen man gerade noch so eng zusammen war.
Und trotzdem denke ich, vor 48 Stunden habe ich am Lido gesessen und pinkfarbenen Prosecco getrunken, den man sich aus einem Hahn zapfen konnte wie anderswo Bier, und der großartig geschmeckt hat.

"Flora schreibt einen Blog über Unfruchtbarkeit und lebt in Hamburg, New York und Venedig". Wie klingt das?

Die Mädchen können übrigens bestätigen, dass ich in Momenten großer emotionaler Bewegung gerne sehr laut "Azzurro" singe. Dies ist ein Blog ohne Ton. Aber wenn, dann würde ich.