Dienstag, 6. Oktober 2009

Größenwahn durch IVF-Hormone

Nicht nur, dass ich gerade das geheime Projekt habe, das mich Tag und Nacht kirre macht und das sich eigentlich anfühlt wie drei Nummern zu groß für mich und trotzdem rundum fabelhaft, nein, gerade, in dieser Minute, habe ich eine Email an den Don, die graue Eminenz, das Alpha-Tier in meiner Branche (persönlich. Nicht an seine Assistenz oder irgendwen.) geschrieben und ihm gesagt, es tut mir leid, dass ich damals sein Jobangebot nicht angenommen habe, jetzt, Jahre später, wäre ich jedenfalls so weit. Oh Gott. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie aufgeregt ich bin.

Und dann muss ich noch sagen, dass mir für heute Nacht Übles schwant. Denn diese ganzen Bücher über Entgiftung, den Teufel Koffein und all das haben mich dazu getrieben, heute bei Budni Sauerkrautsaft, die Weleda Birken-Entschlackungskur und einen Entschlackungstee zu kaufen und ALLES AUF EINMAL anzuwenden. Schließlich sollen die nächsten Prilblümchen doch nicht in der zugemüllten Bude aufwachsen, sondern es schön sauber und ordentlich haben. (Außerdem hoffe ich, mit dieser Radikalkur sind ein paar mehr Gläser Prosecco drin. Ein paar mehr als gar keine, meine ich. Schon wieder nicht ganzheitlich genug? Wartet nur, zum Thema Ganzheitlichkeit habe ich eine Geschichte zu erzählen.) Bin ICH gespannt, was jetzt passiert. Unser WLAN funktioniert hoffentlich auch auf dem Klo. Vielleicht blüht euch Return of the Pupskatastropheneintrag.

Jedenfalls kommt hier die Geschichte: ich habe ja seit neuestem dieses Laufrhythmus-Dings für die DS. Hatte ich erwähnt, was für ein Nerd ich bin? Jedenfalls blute ich nach dem Joggen immer noch, deshalb eben so. Ich stecke dieses kleine Ding in meine Hosentasche und laufe durch die Gegend, und Abends sagt mir die DS, ob ich fleißig war. Ich schraube ständig mein Tagesziel nach oben, im Moment bin ich bei 8000 Schritten am Tag. Und so kommt das, dass ich Abends gerne noch mal raus muss und einen Spaziergang machen. Gerade laufe ich so die Straße entlang, und vor mir läuft eine Frau, die Selbstgespräche führt. Erst dachte ich, ach was, die telefoniert bestimmt, aber die hat nicht telefoniert. Zwischendrin schüttelte sie ihre Faust gegen irgendwelche vorbeifahrenden Autos und fluchte. Ihr könnt mir glauben, die sprach mit sich selbst. Und als ich näher kam, habe ich auch gehört, was die gesagt hat: "Ganzheitlich. Ihr müsst das GANZ! HEIT! LICH! sehen!" Mit diesen Worten ging sie so dicht an die vierspurige Straße, dass sie gut hätte unter die Räder des Kombi kommen können, dem sie das zugebrüllt hat.
Oje. Bei solchen Leuten frage ich mich ja gerne, wie das wohl angefangen hat. Welche Abzweigung war die erste, die diese Frau falsch genommen hat?

Ich beäuge meinen Bücherstapel misstrauisch aus dem Augenwinkel. Scheinbar harmlos und still liegt er da. Aber war der vorher nicht noch ein bisschen weiter weg?

Montag, 5. Oktober 2009

IVF-Stammtisch in Hamburg

Wer wäre dabei? Außer mir, meine ich? All die anderen Abkürzungen sind natürlich auch herzlich willkommen. Genau so wie Vorschläge, wo und wie.

Und bevor ich das vergesse:

1000000000 Dank an alle, die meinem Aufruf zur Würmchenbuchkritik gefolgt sind. Ich verspreche, ich antworte noch auf alles, aber erst, wenn das Projekt zu Ende ist.

Neulich habe ich in einem anderen Blog gelesen, ich wäre ab und zu mal einen drüber (ein sehr schöner Blog, demnächst in meiner Blogroll, sobald ich den Link rausgesucht habe), und damit hat die Autorin sicher Recht, Recht, Recht. Ich bin in der Tat öfter mal einen drüber, manchmal sogar drei oder vier.
Trotzdem: ich bin sehr glücklich, dass ihr alle hier seid, und das schreibe ich viel zu selten, drüber oder nicht.

Der Feind: Möbel, Wein und Discojeans

Oh Mann. Bitte widersprecht mir, aber ich hatte bis jetzt das Gefühl, ich hätte nicht übertrieben viel gequengelt, wie WAHNsinnig ungerecht das alles ist, auch die "Wieso ich"-Frage und die "Wieso nicht die"-Frage haben hier bisher keine große Rolle gespielt. Aber wenn es eins gibt, das einen davon kurieren und voll in die matschige Pfütze des Selbstmitleids stoßen kann, dann ist es, über die Ratschläge in Fruchtbarkeitsbüchern zu lange nachzudenken.

Gesundes Wohnen. Alkohol vermeiden. Kein Fleisch. Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus. Was denn noch?

Ich weiß nicht, wie ihr darüber denkt, aber mir geht es einfach entschieden besser damit, wenn ich denke, dass ich ein medizinisches Problem habe, für das es eine medizinische Lösung gibt. Ich will nicht denken, dass die Überwindung meiner verklebten Eierstöcke, der Kampf gegen die Myome und die blöde Endometriose nun vor allem mein Job sind, denn wenn das so wäre, was wäre dann die Nummer mit den Spritzen? Angsttherapie? Ich kann natürlich einsehen, dass ein gesunder Lebenswandel erst mal irgendwie dufte und gut für alles mögliche ist (vor allem für die Selbstzufriedenheit - aber das steht auf einem anderen Blatt), und wer weiß, vielleicht hilft er ja auch hier. Ich kann auch gut einsehen, dass trotz allem immer noch unendlich viel Glück dazu gehört, damit es klappt. Glück, dem man, wer weiß, vielleicht ja auf die Sprünge helfen kann, indem man noch mehr auf sich achtet und wirklich alles, alles tut, was man kann.

Aber dann denke ich wieder: wie kann das sein? Nicht nur, dass andere Leute schwanger werden und Kinder bekommen, nein, sie werden auch niemals dazu genötigt, sich mit der Position und Beschaffenheit ihrer Möbel auseinanderzusetzen, sie sollen auch nichts loslassen oder annehmen, sie essen, was sie wollen, und sie trinken erst Recht, was sie wollen, sie gehen schlafen, wann sie wollen, und bei Yoga denken sie nicht an Kindlein, sondern an Madonna und die verlockende Möglichkeit, auch mit 50 noch einen heißen Po zu haben.

Ich geb mir ja Mühe. Aber heute Abend bin ich deprimiert. Sag mir doch mal eine von Euch, wieso mich das alles so nervt. Ich könnte doch auch das Gute darin sehen, die Verbesserung der Stelle hinterm Komma an der Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden. Oder sogar die Verbesserung der Stelle vor dem Komma. Positives Denken, was auch immer. Aber es nervt mich einfach nur und deprimiert mich. Sagt mir doch bitte mal, wieso, ja?

Und dann möchte ich noch, dass ihr alle kräftig die Daumen drückt für eine, die heute ihren Prilblümchen-Termin hatte. Ich weiß nicht, wie ihre Möbel stehen, aber ich hoffe, ihre Chancen stehen gut.

Hurraaaa, Ferien!

War wohl nichts, der Job in Aussicht hat sich erst mal auf unbestimmte Zeit vertagt. (Und das ist leider die Normalität. Ich kenne den ganzen Affentanz ja noch aus meiner Zeit in Festanstellung, wir hatten auch dauernd selbständige Freelancer angefragt und ihnen dann abgesagt, weil plötzlich alles ganz anders war. Also, andere haben das getan. Nicht ich! Sonst würde ich mich jetzt ein bisschen zu Recht gestraft fühlen.) Das heißt, die Würmchenbücher haben unverhofft mehr Zeit bekommen als sonst, denn hier sind die ganz, ganz großen Ferien in die nächste Runde gegangen. Heute kommt Zita West mit "Kinderwunsch" zum Zug. Bleibt dran, wenn das große Würmchenbuchwochenende sich, wer weiß, bis weit in den Spätherbst verlängert?

Sonntag, 4. Oktober 2009

Würmchenbücherwochenende, dritter Streckenposten

17 Bücher an einem Wochenende - das war vielleicht ein bisschen übermütig. Hätte ich das wirklich ganz hart durchgezogen, hätte die Gefahr bestanden, dass ich in den nächsten Wochen L. nachts um drei aus dem Schlaf reiße, weil ich im Traum ständig "Loslassen! Loslassen!" schreie. Das kann's ja auch nicht sein!

Also habe ich erst mal die Bücher an die Seite gelegt, die sich nur mit Schwangerschaft beschäftigen und nicht mit dem Weg dahin. Und dann habe ich mir nach dem ersten Buch drei Bücher aus dem GU-Verlag vorgeknöpft.

Das erste Buch - die positive Alternativ-Medizin-Überraschung - war "Das Kinderwunsch-Buch" aus dem KVC-Verlag. Ja, aus mir wird nie ein Öko, aber ich finde es schön, wenn jemand Dinge nicht einfach nur so behauptet, sondern mit Studien belegen kann und mir genug Verstand und Neugier zutraut, um mir nicht nur Anweisungen zu geben, sondern die Erklärung, wieso ich das so machen soll und nicht anders, in den meisten Fällen mitliefert.

Da ging es mir ganz anders mit "Kinderwunsch: Natürliche Wege zum Baby" von Prof.Dr.med. Ingrid Gerhard.
Kurzer Exkurs: Natürlich habe ich in zwei Tagen nicht vier Bücher von vorne bis hinten durchgelesen. Wobei ich beim ersten Buch auf der Liste nah dran war. In den meisten Fällen habe ich die Bücher so gelesen, wie ich sie auch gelesen hätte, wenn ich mir dieses Buch und nur dieses Buch gekauft hätte, und zwar nicht, um einen Überblick zu bekommen über die Welt der Kinderwunschbücher, sondern aus meiner persönlichen Klemme. Ich habe also vor allem die Kapitel über IVF, Endometriose, verschlossene Eileiter, Myome und die Dinge gelesen, die man parallel zu einer IVF tun kann, um die Chance auf eine Schwangerschaft zu erhöhen. Links und rechts davon habe ich immer mal wieder ein paar Seiten gelesen, aber sonst ziemlich flott weitergeblättert. Vielleicht bin ich deshalb ja dem Buch von Ingrid Gerhard nicht so richtig gerecht geworden.
Eine Sache, die mich gestört hat, war, dass sie in so ein kurzes Buch (gerade mal 90 Seiten lang und kleinformatig) eine unfassbare Menge an Themen gepackt hat. Sie findet Platz für gesundes Wohnen, Moorbäder, Fußgymnastik, hormonelle Störungen, anatomische Probleme, einen Grundkurs zur menschlichen Biologie der Fortpflanzung, Kneipp-Kuren, Ölgurgeln, Phytotherapie und und und. Das muss ja ein ziemlicher Schweinsgalopp werden, und für viele Erklärungen ist da kein Platz mehr. Und dann sitze ich da und lese in einem Nebensatz, dass ich wegen meiner Erkrankungen in Zukunft keine Zitrusfrüchte, keinen Weizen und kein Fleisch mehr zu mir nehmen sollte, dafür aber nur noch ein Ei und einmal Fisch pro Monat. Aha. "Echt jetzt? Wer sagt das, und wieso, und wo ist das belegt?" "Keine Zeit, keine Zeit." Ja, nun. Dass die Spritzenfraktion nicht vorkommt, verrät ja schon der Titel, das kann ich ihr also nicht vorwerfen. Aber einer Frau, die im gleichen Boot sitzt wie ich und ihre verklebten Eileiter mit Bachblüten und Vitaminen steinigen kann, ohne dass das was hilft, würde ich das Buch nicht empfehlen. Ist aber auch schon ein bisschen älter.

Die nächsten Bücher auf der Liste: "Kinderwunsch. Natürliche Wege zum Wunschkind." von Christian Gnoth und Andreas A. Noll und "Kinderwunsch: Neue Wege zum Wunschkind" von Günter Freundl, Christian Gnoth und Petra Frank-Herrmann. Das erste dünn und klein, das zweite massiver und größer. Aufgebaut sind beide ähnlich; zuerst wird erklärt, wie unter normalen Umständen eine Schwangerschaft zustande kommt, wie der weibliche Zyklus funktioniert usw. Danach geht es zunächst um "sanfte" Methoden, der Fruchtbarkeit auf die Sprünge zu helfen, und schließlich um mögliche Ursachen, warum auch das manchmal nichts hilft sowie die medizinischen Möglichkeiten. Der Schwerpunkt ist allerdings unterschiedlich gesetzt: Gnoth und Noll legen ihn mehr auf die Alternativen zur Reproduktionsmedizin, hier geht es gerade mal zehn Seiten lang um IVF, IUI usw.. Bei Freundl, Gnoth und Frank-Herrmann dagegen ist ab Seite 65 Schluss mit Homöopathie und gesunder Ernährung.
Bei beiden Büchern merkt man, dass sich in den letzten zehn Jahren bei Sachbüchern eine Menge getan hat: inzwischen hat sich rumgesprochen, dass man mit "Hohe Schule der Wissenschaft, für euch arme Schätzchen erklärt, Ach Gott, am Ende habt ihr noch nicht mal alle Abitur?" nicht mehr automatisch punktet, sondern dass man schreiben können sollte und dem Buch am besten noch einen praktischen Zusatznutzen mitgibt. Das merkt man beiden Büchern an. Hier gibt es Zyklustabellen, Fotos vom Zervixschleim (und ich esse gerade meine Pasta - mit Weizen, wenn das Frau Professor wüsste! und blättere nichtsahnend um...), jede Menge Fragebögen und Checklisten, Tipps zum Umgang mit Krankenkassen, Kollegen usw. Außerdem bietet das Autorenteam eine Internetsprechstunde an für alle, die sich zusätzlich informieren wollen. Das ist doch schön, und die Bücher sind bestimmt eine runde Sache. Aber so richtig, richtig zufrieden bin ich noch nicht. Der Bücherstapel ist aber zum Glück ja auch noch nicht durchgeknuspert.

So. Und weil der Kölner Tatort mit dieser ewigen Currywurstromantik nicht so meins ist, läute ich jetzt den erholsamen Teil des Tages mit Herrn Bednarz und seinem Tatsachenbericht über IVF aus Männersicht ein.

Ab morgen könnte es übrigens sein, dass ich für zehn Tage einen Job habe. Das wäre schön. Weniger schön ist dagegen, dass ich erst morgen früh erfahre, ob die mich buchen oder meine sicher vollkommen unfähige, faule, aus dem Mund riechende und lahmarschige Konkurrenz. Falls der nächste Post also bis morgen Abend auf sich warten lässt, dann dürft ihr mir gratulieren: Endlich bringt die ansonsten nutzlose Flora auch mal wieder ein bisschen was in die Haushaltskasse ein.

Würmchenbücherwochenende, zweiter Streckenposten

Ich weiß nicht, wie das passieren konnte, aber gestern war mein großer Heul-Tag. Ich saß da mit meinem Stapel Kinderwunschbücher, und jedes Mal, wenn ich den Erfahrungsbericht irgend eines Paares gelesen habe - einfach nicht schwanger werden, dann der Gang zum Arzt, Kinderwunschbehandlung, Schwangerschaft, Fehlgeburt, dann wieder Schwangerschaft und diesmal ein Kind - dann hatte ich wirklich Pischi in den Augen. Und dann hat auch noch eine Freundin angerufen, mit der ich ewig nicht mehr los war, und wir sind zusammen in den Waris Dirie-Film gegangen. Noch mehr Pischi, na toll.

Nun reiße ich mich aber auch wieder zusammen und mache mich an meine diversen Pflichten für heute: Dankeschönkarten für Hochzeitsgäste schreiben, Mutter anrufen und weiterlesen. Und wenn ich am Ende eine ganze Kleenex-Box verbraucht habe.

Allerdings gibt es bisher nicht nur Anlass zu gerührten Tränen. Auch wütend war ich schon ein paar mal. Es ist ja ganz schön mit diesen ganzheitlichen Betrachtungen, aber ich will ganz ehrlich sein: in dem Moment, in dem ich die mit dem Problem bin und nicht irgend ein Schlaukopf, der sich darüber verbreitet, höre ich nur sehr ungern, ich müsste mich innerlich für irgendwas öffnen, loslassen, ankommen, mich von etwas befreien oder etwas akzeptieren, um auch nur die kleinste Chance auf einen guten Ausgang zu haben. Über Krankheiten anderer Leute hören wir das immer wieder gerne, das geht so locker durch in irgendwelchen Zeitungsartikeln. Aber wenn es mich selbst betrifft, nervt es. Wieder mal wird die Assoziation zu Germany's Next Topmodel wach, wenn so ein Mädchen da steht und sich anhören muss, sie wollte das alles einfach nicht genug. Grrrrrrr. Nennt mich einen sturen Bock, aber ich habe das dumpfe Gefühl, mit diesem Einstellungsgewaber weisen Ärzte auch ganz gerne mal die Verantwortung von sich.

Vielleicht hat mein Zorn ja auch ganz oberflächliche Gründe. Das erste Buch, von dem ich Euch vorgestern erzählt habe, hat in mir eher wenig Widerstand geweckt für andere Angänge. Vielleicht ja deshalb, weil es den klassisch-medizinischen Ansätzen genau so ihren Raum gelassen hat und immer auf dem Teppich geblieben ist mit den Möglichkeiten und Grenzen alternativer Methoden. Dieses Buch hat mich sogar so weit gebracht, dass ich jetzt kurz davor bin, mir demnächst einen TCM-Arzt zu suchen, um zu sehen, ob der mir parallel zu den nächsten Versuchen mit meinen Myomen helfen kann und mal gucken will, ob es in meiner Nähe irgendwo Fruchtbarkeits-Yoga gibt. Und auch, dass der Wir-lassen-uns-von-einer-Fehlgeburt-nicht-unterkriegen-Prosecco-Marathon jetzt besser mal beendet wäre und ich wieder ein bisschen mehr Gemüse essen sollte, habe ich sofort geschluckt. Ich glaube, das liegt bei mir immer auch am Tonfall, ob ich mich in solche Richtungen schieben lasse oder nicht. Und wo ich gerade beim schieben bin, ganz so gerne werde ich eigentlich nicht geschoben. Und gerade die Verfechter alternativer Methoden können unfassbar manipulativ werden.

Gut, später mehr.

Freitag, 2. Oktober 2009

Würmchenbücherwochenende, erster Streckenposten

Noch ist der erste (leider nur halbe, hatte doch noch mehr zu tun als gedacht) Tag des Wochenendes nicht vorbei, und schon bin ich angenehm überrascht von einem Buch mit alternativmedizinischem Schwerpunkt. Niemand wird in die Enge getrieben, nichts wird einfach mal so behauptet, niemand tut so, als wären pflanzliche Substanzen erst mal per se lieb und Freunde des Menschen, und das Buch sieht auch noch ein, wo die Grenzen der Kügelchen und Nädelchen liegen. Das kenne ich sonst anders. Aber ganz anders.

Wieso da allerdings zwischen den Kapiteln immer Fotos von Bäumen und Äckern und Bächen und Auen sein müssen, das wissen die Götter.

Womit nicht gesagt ist, dass es nicht immer noch genug gibt, was mich nervt. Aber dazu morgen. Für heute mache ich die Quatschbude zu.

Gute Nacht, ihr alle, und habt ein herrliches Wochenende. Noch habt ihr keine Kinder, genießt es! Schlaft aus! Kippt euch einen an! Hört peinliche Musik auf voller Lautstärke, kocht Essen mit Sardellen drin, lagert kostbares Porzellan und chemische Kampfstoffe auf den unteren 60 cm Eurer Regale. Und dann findet zwischendrin trotzdem mal fünf Minuten und schreibt mir über Eure Würmchenbucherfahrungen.

Würmchenbücher

Jetzt kommt eine ziemlich lange Einleitung, wer sich gerade Enthaarungscreme irgendwohin geschmiert hat, Eier kocht oder eigentlich ein Soufflé hüten muss, kann den Post ja später lesen. Also, folgendes. Normalerweise liebe ich es, in Buchhandlungen rumzuwühlen. Es gab Zeiten, da habe ich jede zweite Mittagspause bei Thalia verbracht (auch aus Selbstschutz, um sie nicht beim Italiener zu verbringen) und dachte schon, die beobachten mich inzwischen und halten mich für besessen. Dabei wühle ich am liebsten in den Sachbüchern: Kochbücher, Reisebücher, Kunstbände, Ratgeber. (Belletristik steht hier genug rum. Gerade haben L. und ich wieder zehn Bände fürs Altpapier aussortiert. Die Regalböden biegen sich, und wenn ich irgendwann demnächst umziehen muss, dann fang ich an zu weinen.) Wenn mir z.B. jemand einen Wok schenkt, klatsche ich in die Hände bei dem Gedanken, dass ich demnächst eine Stunde lang bei Thalia auf der Couch sitzen und chinesische Kochbücher sichten kann. (Nicht, dass ihr hier den falschen Eindruck bekommt, manchmal kaufe ich auch was.) Ich breche in keinen Urlaub auf ohne drei Reisebücher, und wenn ich vorhabe, in Zukunft mehr Sport zu treiben, dann beginnt das Trainingslager damit, mir erst mal den Hintern noch ein bisschen breiter zu sitzen und Lauf- und Yogabücher zu scannen.

Um so erstaunlicher ist es, dass mir das mit dem Kinderwunsch-Thema bisher nicht so ging. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt den Impuls, den Mantelkragen hochzuklappen, meine Puck-die-Fliege-Sonnenbrille aufzusetzen, mir ein Kopftuch umzubinden und mich in der Kinderwunsch-Abteilung rumzudrücken. Bei medizinischen Zusammenhängen scheue ich immer ein bisschen zurück vor zu viel Information. Der Grund dafür ist vielleicht, dass ich meinem Arzt gerne vertraue. Das kann ich aber nur, wenn ich ihm zuerst den kleinen Vertrauensvorschuss erteile, dass er hier die Autorität ist und sagt, wo es lang geht. Zumindest so lange, bis ich mich nicht mehr gegen den Eindruck verschließen kann, hier läuft gerade etwas falsch. In medizinischen Ratgeberbüchern werden aber immer extrem unterschiedliche Meinungen vertreten. Und wenn ich dann etwas gelesen habe und mein Arzt erzählt mir etwas anderes, dann macht mich das unruhig, schlaflos und hibbelig. Und weil ich nicht unruhig, schlaflos und hibbelig sein will, lasse ich es lieber gleich. Zumindest erst mal, bis ich mir selbst eine Meinung von dem bilden konnte, was da gerade mit mir passiert.

Nun sind aber inzwischen zig Monate ins Land gegangen. Ich hab mich für den Bruchteil einer Sekunde mit den Alternativen zu IVF auseinandergesetzt, wenn dieser kurze Versuch auch katastrophal vor die Wand gefahren ist und abgebrochen werden musste, ich habe inzwischen zwei IVF-Zyklen hinter mir und habe festgestellt, dass ich das (jedenfalls bisher) ganz gut wegstecke und die Nebenwirkungen sich in Grenzen halten, und ich glaube, ich hab inzwischen nicht mehr besonders viel Angst vor diesem ganzen Unfruchtbarkeitsklops. Vielleicht ist also jetzt der perfekte Zeitpunkt, sich doch mal außerhalb der Sprechstunden in der Fruchtbarkeitsklinik intensiver mit dem Thema zu beschäftigen. Genauer gesagt, mit Ratgeberbüchern.

Liebe Lesehasen, vor mir steht ein Stapel mit 17 Büchern zum Thema Kinderwunsch, Unfruchtbarkeit, Schwangerschaft usw.
Er reicht mir bis knapp über die Knie, und ich habe vor, ihn mir dieses Wochenende vorzuknöpfen. Die Rahmenbedingungen sind ideal, denn draußen ist Herbst, L. ist das ganze Wochenende unterwegs, und außer einem Geburtstag am Samstag Abend hab ich nichts vor. Die nächsten Einträge werden also vermutlich im Zeichen dieser Bücher stehen. Bleibt dran und erfahrt, wie es einem geht, wenn man anfängt, seine Informations-Unschuld zu verlieren.

Und dann hab ich noch eine Bitte an euch: natürlich weiß ich, dass ich beim Lesen von Büchern nicht sehr objektiv bin. Manchmal reicht eine verhasste Formulierung, und ich bin bereit, ein 150-Seiten-Buch, in das ein echter Fachmann zwei Jahre seines Lebens gesteckt hat, einfach in die Ecke zu knallen. Manchmal schließe ich jemanden auch für eine Überschrift oder die geschmackvolle Wahl der Typographie ins Herz, und egal, wie viel Quatsch er verzapft, er landet auf der Lieblingsliste und bleibt da auch. Und dann muss man auch noch bedenken, dass ich in medizinischen Dingen sehr unbeleckt bin. Deshalb kann ich nicht so recht beurteilen, welcher der Autoren wirklich Ahnung hat, wovon er da schreibt. UND dann kommt auch noch dazu, dass ich ein bisschen voreingenommen bin zu Ungunsten von alternativer Medizin. Deshalb fände ich es toll, zu erfahren, was Ihr so gelesen habt und wie es Euch damit ergangen ist. Also raus mit der Sprache, ich will mit Kommentaren zugeballert werden!

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Floras fünf Stufen der Offenheit (oder wahlweise Peinlichkeit)

Wo wir schon beim Thema Peinlichkeit sind: gerade steht ein Ereignis ins Haus (nein, zum Kuckuck, ich bin immer noch nicht schwanger), das es vielleicht erfordern könnte, meinen Eltern von meinem Blog zu erzählen. Und das wäre wirklich hart. (Denke ich jetzt. Aber vermutlich würden sie mich wieder mal damit verblüffen, dass sie viel entspannter sind als gedacht.) Ich stelle wieder mal fest, dass dieser ganze Batzen an Geheimnissen, Diskretion und Peinlichkeit, den wir da mit uns rumschleppen, sich leichter bearbeiten lässt, wenn man die Peinlichkeit (oder Offenheit) in mehrere Stufen einteilt. Also: nur wenige dürfen alles wissen, aber viele dürfen einiges wissen. Das fällt mir leichter, als vollkommen die Klappe zu halten (und ihr könnt bestätigen, dass das nicht meine Stärke ist) oder wahlweise gleich BLAMM! den ganzen Hormonklops auf den Tisch zu packen.

Bei mir wissen z.B. Kollegen (Ex-Kollegen inzwischen), mit denen ich ein gutes Verhältnis hatte, darüber Bescheid, dass ich "normalerweise" keine Kinder bekommen kann. Damit habe ich irgendwann versucht, mich vor dauernden Fragen zu schützen und davor, mir den halben Tag die Kindergartenprobleme von Klein-Lieschen anzuhören. Alles andere wissen sie nicht.

Meine Freunde (und die von L.) wissen so gut wie alle, dass ich schwanger war, dass das nicht leicht war und dass ich eine Fehlgeburt hatte.

Meine richtig engen Freunde wissen, dass ich eine Kinderwunschbehandlung mache. Das wissen auch meine Eltern und der Rest der Familie samt 84jähriger Oma. Kann sein, dass sie das komisch oder seltsam findet, aber wir warten mal ab, ob sie auch meckert, wenn sie eines Tages ein Urenkelchen auf dem Arm hält.

Aber auf dringenden Wunsch von L., der sich Sorgen um meine seelische Gesundheit macht, werde ich vor dem nächsten Versuch nur den allerengsten Mädchenkreis davon informieren, dass "die Dinger" jetzt drin sind, Projekt X läuft und wir gespannt auf den Test warten. Denen muss ich es erstens sagen, weil darum, und zweitens würden sie es sowieso merken, wenn ich bei Zigaretten und Alkohol dankend abwinke. L. meint, dass es auch den stärksten Ochsen umhaut, wenn irgendwann täglich sechs Leute am Telefon fragen, wann wir denn nun endlich auf die Schwangerschaft anstoßen können und mir versichern, dass sie "ein GANZ GUTES GEFÜHL" haben diesmal. Da hat er vielleicht ja Recht.

Und was genau die Begleiterscheinungen dieser ganzen Sache hier sind - die, die man sehen kann, und die, die man nicht so sieht - das wissen ebenfalls wirklich nur L., die engsten Mädchen und ihr.

Ich weiß, das ist jetzt kein System, für das sich McKinsey auf die Schulter klopfen würde. Aber es funktioniert bisher.