Mittwoch, 18. November 2009

Heute basteln wir uns ein Warteschleifchen

Das Bemerkenswerte ist übrigens nicht, dass da acht Kinderwagen waren. Sondern das Bemerkenswerte ist, dass ich, falls es nur zwei gewesen wären, das sofort wieder vergessen hätte und mir ein neues Zeichen ausgedacht hätte.

Heute schleppe ich mich schon den ganzen Tag mit Schmerzen im unteren Rücken herum. Die fingen gestern Nachmittag langsam an und waren heute morgen doppelt so schlimm. Und in diesem ganzen irre vagen und von Mythen und Blödsinn regierten Schwangerschaftskosmos spielen Rückenschmerzen doch bestimmt eine Rolle, oder? Die könnten doch am Ende eine dieser Sachen sein, wegen derer man zum Arzt geht und sich schon sonstwas ausmalt, und dann kommt der Arzt zurück in den Raum, sieht einen väterlich an und sagt "Herzlichen Glückwunsch, sie sind schwanger". Zwar habe ich eisern beschlossen, an so einen Quatsch nicht zu glauben, aber jeder hat lieber ein Horoskop, in dem steht "heute gehört ihnen die Welt" als eins, in dem es heißt "Vermeiden sie heute übereilte Entscheidungen", selbst wenn er so ein Horoskophasser ist wie ich.

So bin ich eben mit Rückenschmerzen herumgeschlufft und habe mir ein bisschen, ein ganz kleines bisschen ins Fäustchen gelacht.

Bis mir einfiel, woher die Rückenschmerzen kommen. Woher denn?
Reichlich blöde Frage von einer, die einen ganzen Tag lang mit zwei halbmeterdicken Kissen unterm Po im Bett lag.

Falls es geklappt hat, müssten sich heute die Blümchen einnisten.
Falls nicht, bekomme ich vermutlich nächsten Donnerstag Regelschmerzen und Freitag meine Tage.
Und egal, ob es geklappt hat oder nicht, in zweieinhalb Stunden gibt es Lammschulter mit Knoblauch und Rosmarin. Immerhin ist darauf Verlass.

Dienstag, 17. November 2009

Geht mir weg mit Statistik, ich hab das Kinderwagenorakel

Vor ein paar Jahren war ich mit O. zusammen. (Jedenfalls habe ich ihn vor ein paar Monaten mal so abgekürzt und muss jetzt wohl dabei bleiben. Ich musste allerdings gerade meinen halben Blog nach der korrekten Abkürzung durchforsten. Denn nach alter Internet-Etikette ist es ja verboten, seine Exfreunde mit rekonstruierbarem Namen in seinem Blog zu verbraten. Gott, wie viel anstrengender das Leben ist, wenn man es sich mit niemandem verscheißen will, selbst mit denen nicht, die es sich längst mit mir verschissen haben. Also, O.) Irgendwann hat er dann Schluss gemacht, was sicherlich zu unserer beider Vorteil war. Wenn ich ganz ehrlich bin, dann hatte ich in den Wochen vor dem Ende selbst schon das eine oder andere Mal gedacht, ob es das jetzt sein kann, diese Riesensache, von der alle angeblich träumen? Trotzdem war es hart, als es vorbei war, und zwar wohl auch deshalb, weil dieses Ende unter so dermaßen katastrophalen, demütigenden, bizarren und lächerlichen Umständen kam. Ich hatte ziemlich lange zu knabbern. Und eine nicht unerhebliche Zeit lang hatte ich einen kleinen Tick, von dem damals noch nicht mal meine Freundinnen wussten: wenn ich zur Arbeit gefahren bin, dann habe ich unterwegs gezählt, wie viele Autokennzeichen aus seiner Heimatstadt ich gesehen habe. Waren es mehr als zehn, dann dachte ich: alles wird wieder gut, ihm fällt ein, wie gewaltig seine Neue gegen mich abstinkt und was für einen schrecklichen Fehler er gemacht hat, und wir kommen wieder zusammen. (Ich wusste damals eben noch nicht, dass "alles wird gut" und "wir kommen wieder zusammen" einander ausschließen und nichts im gleichen Satz zu suchen haben.) Waren es weniger als zehn, dann habe ich das beiseite gefegt und mich auf das nächste Autokennzeichenorakel konzentriert.

Vorhin habe ich wieder mal eine meiner Google-Ausnahmen gemacht und nachgelesen, welche Erfolgschancen grob übern Daumen so ein Auftauzyklus hat. Die einzige Studie, die auch wirklich eine Studie war und nicht irgendwelcher Forenquatsch und die unter den ersten zehn Treffern war, kam auf entmutigende 14 erfolgreiche Geburten bei 140 untersuchten Fällen. Zehn Prozent, das ist nicht viel. Vielleicht gibt es ja bessere Zahlen, aber eigentlich bin ich ganz froh, wieder ein bisschen mehr Bodenhaftung zu haben mit meiner Vibrations-Hysterie, die besseren Zahlen will ich also gar nicht wissen, macht euch nicht die Mühe, mir irgendwelche Links zu schicken, das ist alles ganz gut so. Trotzdem hatte ich gerade einen Rückfall. Als ich von meinem Mini-Raubzug in den Supermarkt kam (wer darf ab sofort die Lücke des abendlichen Weinchens einnehmen? Bist du es, Bio-Möhrensaft? Oder du, Nacho-Cheese-Chip mit Chilidip? Wir werden sehen, wer das Rennen macht.), habe ich gedacht: wenn ich jetzt auf dem kurzen Heimweg (und Umwege gilden nicht) mehr als drei kleine Kinder sehe, dann klappt es. Und wisst ihr, wie viele Kinder ich gesehen habe? Auf einer Strecke von ca. 600 Metern? Acht.
Kinderwagenorakel, was wirst du mir morgen verkünden?

Radaubrüder

Der Tag im Bett war gestern, heute hat er damit angefangen, als erstes die Küche aufzuräumen, mir einen Tee zu kochen (nicht schwarz und noch nicht mal grün), während das Wasser warm wurde, mir mein Crinone-Röhrchen reinzudrücken, und erst mal zu gucken, was in meinen Mailboxen so los war. Bevor ihr fragt: nichts mit Jobbezug. Ich werde langsam, aber sicher wahnsinnig. Zumal der Plan ja eigentlich mal war, wieder unter Dach und Fach zu sein, bevor ich ein zweites Mal schwanger bin und es mir mit meinem Arbeitgeber und dank seiner Geschwätzigkeit mit noch sämtlichen anderen verscherze. Meine Oma sagte Samstags am Kaffeetisch zu mir: "einen Job suchst du dir aber erst mal nicht. Du musst jetzt erst mal ein Kind kriegen." Ach, Oma. Wenn es ganz blöd läuft, komme ich auf die Art in dein Alter, bis ich das nächste Mal wieder ran darf.
Es liegt auch nicht an mir. Es liegt an den Zeiten. Das ist zwar nur ein schwacher Trost, aber immerhin ein Trost. Im Moment stellt in meinem Beruf niemand irgendwen an.

Nun habe ich für heute wieder genug gequengelt. Damit zu einem Thema, über das andere im Netz gerne quengeln: Crinone scheint mir ziemlich unbeliebt zu sein! Manche fluchen über den Preis. Dazu kann ich nichts sagen, billig ist es nicht, aber ich weiß nicht, wie dieser Preis zustande kommt und bin deshalb dazu lieber fein still. Eine ganze Menge fluchen aber auch darüber, dass es schwierig anzuwenden wäre. Vor ein paar Tagen habe ich gelesen, dass eine Frau sich beschwert hat, nachdem sie das Gel wie befohlen bergab geschüttelt hat und die Kappe abdreht, würde das Gel wild herausspritzen, und sie hätte keine Ahnung, ob der klägliche Rest noch als Dosis reicht. Das ist mir noch nie passiert, und ich schüttele kräftig. Was mir schon mal passiert ist, war ein winziges, zwei Milimeter langes Gelwürstchen, das nach dem Öffnen aus der Öffnung hervorlugt. In den meisten Fällen konnte ich das immer noch an Ort und Stelle bugsieren. Einmal nicht, und da - muss man erst mal drauf kommen! - habe ich, nachdem ich das Luftkissen leergedrückt hatte, mit dem man die Dosis sonst rausschiebt, noch ein bisschen auf dem Stift herumgedrückt, um noch den ein oder anderen Rest rauszuholen. Nebenwirkungen: bei mir null. Und ich weiß, dass ich nicht die einzige bin, gestern habe ich mir einen Ruheraum nach der Rückübertragung mit einer Frau geteilt, die sagte, die einzige Nebenwirkung bei ihrer IVF wäre die Übelkeit vom Doxyzyklin gewesen, während die Hormone ihr alle gar nichts getan hätten.

Ansonsten stehe ich vor einem kleinen Problem. L. hat mich nach der Fehlgeburt auf Knien darum gebeten, diesmal keinen Wind zu machen, bevor wir nicht wirklich in der sicheren Zone sind. Ich kann ihn verstehen, auch wenn ich finde, SO einen Wind habe ich eigentlich nicht gemacht. Weder habe ich die Kinderzimmereinrichtung geplant, noch habe ich mit Tränen in den Augen in Geschäften kleine Strampler an mich gepresst. Außerdem sorgt ein ganzes buntes Rudel kinderloser Freundinnen dafür, dass das Thema Kinder nicht überhand nimmt. Trotzdem, ich kann ihn verstehen, und er will mir ja auch nur Kummer ersparen.

Aber.

Bei allem Bemühen, auf dem Teppich zu bleiben, und bei allem guten Vorsatz, schön den 27. und den Test abzuwarten, diesmal hab ich ein merkwürdiges Gefühl. Schon als ich gestern die Klinik verlassen habe, war was anders. Und gegen Abend fing der Radau in meinem Bauch an. Nichts war unangenehm, aber ich hatte wirklich über Nacht ein paar mal das Gefühl, ich hätte mir ein Telefon mit Vibrationsalarm in den Bauch pflanzen lassen. Ich weiß schon, dass das keine wie auch immer geartete Aktivität der Zellblümchen auslösen könnte, auch wenn das noch so dicke Zwölfzeller waren. Und wenn doch, dann habe ich jetzt schon Angst, was für einen Alarm die Biester in der Pubertät machen. Aber irgendwas war da. Vielleicht hat mein Arzt ja auch nur mit der Kanüle eins der Myome angestupst. Was weiß ich. Lasst mir den Spaß, ausnahmsweise mal esoterisch zu schwafeln. Ich hab da so ein Gefühl! Und in zehn Tagen nach dem negativen Test lachen wir dann wieder zusammen herzlich drüber, was für ein Unfug das mit diesen blöden Gefühlen ist.

Montag, 16. November 2009

Die Hühnersuppe danach

Falls es klappen sollte - FALLS - und die kleine Wurst fragt mich eines Tages mal, wenn sie schon nicht mehr klein ist, sondern wenn sie mit ihrer Mutter in einer Bar sitzt und ein Glas Wein trinkt (das kann doch nur schief gehen. Ich weiß noch nicht mal, ob ich schwanger bin, und schon plane ich, dass ich eine Tochter bekomme, die eines Tages, wenn sie längst volljährig ist und sie niemand mehr dazu zwingen kann, sich mit mir abzugeben, mit mir auf Muscheln und Wein ausgeht.), wie das eigentlich war, als sie entstanden ist. Was war das für ein Tag?
Und dann müsste ich sagen: der Tag, an dem du in meinem Bauch gelandet bist, war ein Tag Mitte November, an dem es geschüttet hat, und Mutti lag zwar im Bett, aber nicht in scharfer Unterwäsche, sondern sie hatte Socken und einen Schlafanzug an, außerdem zwei dicke Kissen unterm Po, und hat dort die halbe BBC-Pride and Prejudice-Verfilmung gesehen, dann zum Xten Mal den Sex and the City-Film, sie musste fast heulen, als Charlotte mit Bauch joggen geht, aber nicht bei den ganzen Versöhnungen, und sie hat literweise Hühnersuppe und Schokoladeneis zu sich genommen, immer abwechselnd. Das klingt nicht besonders heiß.

Der Test ist am 27. November morgens um neun. An diesem Tag brechen wir mit Freunden in die Heide auf, weil dort im Weinkeller immer noch tonnenweise Cremant rosé, Rotwein und Weißwein von der Hochzeit liegen. Ich koche, L. zündet ein Feuerchen an, und dann wickeln wir uns in Wolldecken. Ist das nicht großartig? Entweder, ich weiß dann, dass ich schwanger bin, und werde alle Pflanzen umbringen, weil ich ständig heimlich meinen Rotwein in die Töpfe kippe. (Ein Teil der Freunde darf es wissen, ein anderer Teil lieber nicht, weil L. ein bisschen abergläubisch geworden ist und "keinen Wind machen will", indem er alle Freunde in Hysterie versetzt.) Oder ich weiß, dass ich nicht schwanger bin, und dann wird es einfach ein nettes, rotweiniges Winterwochenende mit viel flüssigem Trost, an dem ich nicht allein bin, sondern von Mädchen mit Korkenziehern, Playlisten und Zigarettenschachteln umgeben.
Ich bin ein Glückskind. Und jetzt hole ich mir noch mehr Schokoladeneis.

Drin

Zwei dicke fette Prilblümchen, veritable Zwölfender, sitzen jetzt in meinem Bauch und teilen sich den Platz mit einem Glückscheeseburger und sechs Glücks-Chicken-McNuggets mit Senfsauce.

Ich kann mir nicht helfen, aber ich hab so ein Gefühl... nur so ein Gefühl.

So. Und auf eindringlichen Ratschlag hin (nicht vom Arzt, sondern von euch) bleibe ich heute im Bett. Es ist ja nicht so, dass ich nie auf Ratschläge höre. So lange der Ratschlag einschließt, den ganzen Tag im Bett zu lungern, DVDs zu glotzen, zu lesen und mir ein Lieblingsgericht nach dem anderen servieren zu lassen, bin ich da ziemlich offen und einsichtig.

Nur lachen darf ich nicht so viel, darum ist meine Filmauswahl etwas eingeschränkt. Der Pate, Teil 1 bis 3? Kostümschinken?

Wäre dieser Post von Roland Emmerich, würde er "Showtime" heißen oder ähnlich dämlich

Ich habe ein Wochenende mit wenig Internet und vielen Kindern hinter mir. Das heißt, inzwischen ist sogar das geschehen, was niemand mehr für möglich gehalten hätte: meine Eltern haben einen Computer, der mit einem Klick im Internet ist. Nicht besonders schnell, aber man muss nun keinen 12stelligen Code mehr eingeben und auch an keinem Kabel mehr rütteln. Dieser Quantensprung ist allerdings für meinen Vater so aufregend, dass er jedes Mal, wenn er das Rechner-Anmach-Geräusch hört, sofort angelaufen kommt und sich in der Nähe herumdrückt, weil es doch so viele hochinteressante Dinge in diesem sagenhaften Internet gibt, die er mir unbedingt zeigen muss. Und meine Familie weiß nichts von diesem Blog, und das soll auch so bleiben, also konnte ich es mir schlecht mit einem Glas Wein am Schreibtisch gemütlich machen, weil ich zuhause so argwöhnisch und schreckhaft beim Schreiben bin, dass mein Kiefer knackt.
Aber wenn ich ehrlich bin, hatte ich auch keine Lust - meine größere Familie samt Onkel, Tante, Cousinen und ihren Kindern sehe ich so selten, da will ich nicht den Internet-Schrat spielen. Das Wochenende war auch so bunt genug. Meine Mutter mochte ihre Geschenke nicht nur aus Höflichkeit, mein Vater hat auf ihrer neuen Kaffeemaschine achtfachen Espresso produziert und dabei so getan, als müsste das so, ich habe noch mal alles gegessen, was ab heute nicht mehr geht, die Kinder waren sagenhaft niedlich und haben hoffentlich Glück gebracht, und einer der kleinen Jungs ist jetzt mein größter Fan und geht überall hin, wo ich hingehe. Irgendwann vor Monaten hatte ich mal ein blödes Gefühl, weil ein Kind nicht auf meinem Arm bleiben wollte. Ich dachte, vielleicht riechen die Kinder das Fruchtbarkeitspech wie Tiere das Erdbeben und wollen einfach nur weg von einem. Wenn das so ist, muss ich mir keine Gedanken machen, ob das heute alles klappt, denn die kleine Wurst war nur unter Tränen und tiefer Depression von mir loszueisen. Dafür saßen wir während der fast fünstündigen Bahnfahrt im ICE direkt neben einem entsetzlichen Kind, das mit seinem Onkel unterwegs war. Der Onkel hatte es wohl schon seit ein paar Tagen an der Backe, ich weiß nicht, ob er wirklich so ein Stoiker war, oder ob er einfach keine Kraft mehr hatte. Aus diesem Kind kamen pausenlos Geräusche. In fünf Stunden war es vielleicht fünf Minuten still. Dabei redete es nur Blödsinn in irrer Lautstärke, und wenn ihm wirklich nichts Blödes mehr einfiel, dann schnalzte und quiekte es und pupste mit den Backen. Zwischendurch sah es sich im Großraumabteil um mit der selbstsicheren und gönnerhaften Miene eines Stars, der weiß, dass er sein Publikum voll im Griff hat. Alter! (Falls meine Klinik inzwischen diesen Blog entdeckt haben sollte - was ich mir nicht vorstellen kann, ich gehe ja auch nicht nach einem harten Arbeitstag nach Hause und googele als Erstes, ob nicht irgendwer über meine Firma schreibt - dann habe ich kurz vor knapp noch eine Bitte: So soll das bitte nicht.)

So. Das weitere Vorgehen heute: Crinone ist drin, Schilddrüsentablette auch, gleich folgen noch Estrifam und Folsäure. Dann duschen (immer so spät wie möglich), weiße Socken, Bademantel und Wasserflasche einpacken, Therapieplan auch, und dann setze ich mich in den Bus und fahre zur Klinik. Um Viertel nach elf soll ich da sein, und um zwölf wird übertragen. Von meinen fünf Zellen wurden drei aufgetaut, zwei haben sich fabelhaft entwickelt, und die beiden treffe ich nachher. Zu dritt kommen wir dann wieder nach Hause, und den Rest des Tages werde ich, auch wenn ich das nicht muss, im Bett verbringen mit einem Kissen unterm Po. Obwohl das alles so klingt, als würde ich nachher meine frisch besohlten Schuhe abholen, kann ich euch versichern: inzwischen bin ich aufgeregt, und wie. Das ganze Wochenende seit dem Anruf am Samstag Mittag kann ich nicht aufhören, an diese kleinen Zellen im Brutschrank zu denken und daran, wie es uns wohl zusammen ergehen wird.

So. Ab jetzt muss ich mich entscheiden, ob ich mir lieber noch mal die Beine epiliere oder weiter poste, und ihr werdet verstehen, dass ich lieber später noch ein bisschen schnattere. Dann habe ich ja auch wieder was Neues zu erzählen. Wünscht uns Glück! Tut ihr ja schon, vielen Dank dafür, aber tut es weiter!

Donnerstag, 12. November 2009

Es lässt mir ja doch keine Ruhe

Hach, und nun tut es mir auch schon wieder leid. Ich fühle mich, als hätte eine liebe Oma ein ganzes Blech Pflaumenkuchen für mich gebacken, und ich ranze sie an, dass ich keinen Hunger habe. Ich weiß ja, wie gut ihr das alles meint. Ihr seid auch bestimmt im Recht, und ich bin die, die hier komisch ist. Es ist nur so, dass ich ein sehr nervöses Viech bin, bei dem es leicht um die Seelenruhe und den Schlaf geschehen ist bei Irritationen. Und das Leben ist auch so schon nicht gerade arm an Irritationen. Wenn dann auch noch die Befürchtung dazu kommt, ich wäre in dieser ganzen Angelegenheit etwa schlecht oder unvollständig beraten, dann bricht bei mir das Chaos aus. Und deshalb bin ich zu folgendem Schluss gekommen: ich hab mich entschieden dafür, den Weg der bösen, teuren Medikamente und Operationen zu gehen. In dieser Klinik und bei diesem Arzt. Und deshalb mache ich es jetzt genau so, wie er es für richtig hält, und nicht anders. Und Pflaumenkuchen, so leid es mir tut, steht nicht auf der Liste.

Jetzt kommt schon. Nicht böse sein.

Noch vier Tage bis Würmchen

Kaum geht es wieder ernsthaft los, schon hagelt es gut gemeinte Ratschläge. Und ich will auf keinen Fall, dass das irgend jemand falsch versteht! Aber im Moment bin ich ehrlich gesagt besser ohne dran. Denn jeder Ratschlag wirft gleichzeitig Fragen auf wie "Warum hat mein Arzt mir das nicht gesagt?", "Wieso ist das bei mir so, wenn es bei anderen anders ist?" oder auch "hä?!?" und das macht mich vollkommen wahnsinnig. Hat es zumindest früher. Denn inzwischen denke ich mir: mein Arzt kennt meine komplette Vorgeschichte samt verschiedensten Allergien, früheren Krankheiten oder welchen, die jetzt noch bestehen. Der hat meinen Ultraschall und meine Blutwerte gesehen, bevor er mir ein Rezept schreibt oder mir sagt, was ich zu tun und zu lassen habe. Und deshalb macht der das eben so und nicht anders.

Ihr Lieben, ich weiß, dass ihr das alles mit den besten, den allerbesten Absichten sagt. Aber erstens geht es nun ernsthaft auf den Termin zu, mein Rezept ist eingelöst, und für Planänderungen ist es jetzt ein bisschen zu spät. Und zweitens habt ihr es hier mit einer zu tun, die schon ihr ganzes Leben lang sehr, sehr resistent gegen gute Ratschläge war. Vielen Dank trotzdem fürs Daumendrücken und Mitfiebern!

Mittwoch, 11. November 2009

Noch fünf Tage bis Würmchen.

Bzw. Blümchen bzw. langsam nerve ich mich selbst mit diesen ewigen Verniedlichungen.

Jedenfalls komme ich gerade aus der Klinik, wo mir zu meiner "sehr schönen Schleimhaut" gratuliert wurde (hab ich schon mal erwähnt, dass ich in meinem Leben noch nie so viele merkwürdige Komplimente bekommen habe wie seit der Kinderwunschbehandlung? Dort weiß man körperliche Merkmale zu schätzen, die sonst der Aufmerksamkeit anderer eher entgehen. Solche Sachen wie gute Muttermünder, richtig dicke Schleimhäute oder kräftige Eibläschen. Andererseits wurde mir heute der Vorwurf gemacht, meine Vene sei so oberflächlich. Das höre ich natürlich nicht so gern!), und genau weiß ich es erst am Samstag, aber so wie es aussieht, werden mir Montag in fünf Tagen zwei aufgetaute Zellhäufchen eingesetzt. Das ist alles sehr aufregend, und bis dahin vergeht nun kaum ein Tag ohne eine besondere Note in Sachen Befruchtung. Heute Nachmittag muss ich noch mal anrufen wegen meiner Hormonwerte anrufen, morgen gehe ich in die Apotheke und besorge mir Crinone und einen Nachschub an Estrifam, Freitag führe ich mir das erste Röhrchen Crinone ein, Samstag kommt ein Anruf, wann genau wir Montag dran sind, Sonntag durchatmen und Montag geht's zur Sache.

Und was tut die angehende Mutti? Die angehende Mutti setzt sich nach wochenlanger quasi-Abstinenz mit einer bis dahin wildfremden Person in eine Kneipe und quarzt und schüttet sich voll. Mein hart erarbeitetes Empfängniskarma dürfte sowas von im Arsch sein. Aber ich wollte es nicht anders! Gestern hatten wir die erste und noch ziemlich informelle Sitzung des Hamburger Abkürzungs-Stammtisches, Ev und ich. (Ev findet ihr in den Kommentaren.) Und das war sehr nett und sehr rotweinig, und nun freue ich mich schon sehr auf die größere Runde am 11.Dezember. Übrigens hat sie mir bei der Gelegenheit erzählt, dass es schon mal einen Hamburger IVF-Stammtisch gab, der sich aus unerfindlichen Gründen im Va Piano an der Rothenbaumchaussee getroffen hat. Das nenne ich: zielsicher den Laden mit dem fürchterlichsten Publikum der Stadt ausgeguckt. Ich bin gespannt, worauf wir uns für den 11. einigen, aber ich kann jetzt schon versprechen, wenn jemand versucht, mich ins Va Piano zu kriegen, dann klammere ich mich an einer Straßenlaterne fest, stemme die Absätze in den Boden und rufe laut um Hilfe.

Montag, 9. November 2009

Heimliche Hauptdarsteller: meine IVF-Medikamente

Ich hatte ja schon eine ganze Menge dazu geschrieben, auch wenn das schon ziemlich lang her ist. Darüber, dass Gonal einem die Angst vor Spritzen wirklich abgewöhnen kann, so harmlos ist das. Darüber, dass es zwar sein kann, dass manchen Frauen von ihren Hormonen tage- und wochenlang blümerant wird, aber dass das noch lange nicht heißt, dass es bei euch auch so sein muss. Überhaupt ist eigentlich alles gesagt. Aber noch nicht alles gezeigt: heute habe ich hier in meinem Arbeitszimmer ein kleines Fotoshooting anberaumt. Denn aus den Kommentaren in letzter Zeit habe ich rausgelesen, dass unter euch eine Menge Frauen sind, die zwar ganz sicher eine IVF in naher Zukunft vorhaben, aber die eben noch keine erlebt haben. Damit ihr euch das alles ein bisschen besser vorstellen könnt - und ich bin ja immer sehr fürs Konkrete und Bildhafte, wir kaufen ja schließlich auch lieber Kochbücher mit Bildern - gibt es heute mal die Fotos meiner heimlichen Hauptdarsteller. Ohne euch, liebe Medikamente, wäre das alles gar nicht erst möglich gewesen usw., im Grunde habe ich euch alles zu verdanken!

Hier sind sie also.

Alles fängt an mit Synarela. So sieht Synarela aus:


Synarela unterscheidet sich, wie man unschwer erkennen kann, im Aussehen nicht von einem hundsgewöhnlichen Schnupfenspray. Aber es kann so viel mehr! Lasst euch übrigens von seinen Kräften nicht einschüchtern, beim ersten Mal sprayen dachte ich auch noch, hoppla, was passiert denn jetzt? Eine Marienvision? Aber bei der zweiten IVF-Runde war davon nichts mehr zu merken, ich gehe also davon aus, dass ich mir den Radau im Kopf nur eingebildet hatte.

Nach einer Weile mit Synarela geht es los mit Gonal. Gonal gibt es in rot und blau, je nachdem, wie viel Inhalt die Spritze hat.



Weil diese Spritze aussieht wie ein hässlicher Kuli, nennt man sie auch Pen. Wenn ihr die Kappe vom Pen abgezogen habt, seht ihr, dass der Kuli vorne keine Spitze hat, sondern nur ein komisches graues Mini-Polster. Ich hab vergessen, das zu fotografieren, tut mir sehr leid. Auf dieses Polster schraubt ihr eine kleine Plastikkappe auf, die ihr zu eurem Pen dazubekommt. Das sieht dann so aus:



Hinter dieser Kappe versteckt sich die Nadel. Die Kappe nehmt ihr in zwei Stufen ab. Wenn ihr die äußere Kappe abgenommen habt, kommt eine weitere Schutzkappe zum Vorschein.



Und darunter - Schockschwerenot! - Die Nadel.



"Das geht nicht", denkt ihr jetzt vielleicht. "Das schaffe ich nie. Lieber klaue ich mir ein Kind im Ikea-Kindergarten. Oder lege mir acht Katzen zu." Aber das müsst ihr nicht! Denn dieser aufwändige optische Supertrick zeigt euch, wie winzig diese Nadel eigentlich ist:



"Jajaja" denkt ihr. "Das ist doch so ein Riesenstreichholz, mit dem man den Kamin oder den Weihnachtsbaum anzündet. Und die Nadel hat Dimensionen wie so ein Bolzenschussgerät, um Ochsen zu schlachten." Nein nein nein!! Vertraut mir einfach und kommt wieder runter von diesem Stuhl.

Und Ovitrelle geht genau so. Das ist die Spritze, die ihr zum Auslösen des Eisprungs bekommt. Nur, dass Ovitrelle mehr wie eine Spritze aussieht als wie ein hässlicher Kuli. Aber die Nadel ist genau so klein, und es gibt genau so wenig Grund, sich zu fürchten. Ovitrelle habe ich leider schon weggeschmissen, die kann ich also nicht mehr fotografieren.

Dafür gibt es hier ein Foto von Utrogest, einer Tablette, die man entweder schlucken oder sich vaginal einführen kann. Alle, von denen ich bisher gehört habe, mussten sie sich einführen, trotzdem beharrt der Beipackzettel darauf, dass sie zu schlucken ist. Lasst euch nicht kirre machen, wenn der Arzt gesagt hat, einführen, dann einführen.



Und schließlich noch Estrifam. Die muss ich im Moment nehmen, um mich auf die Rückübertragung der Tiefkühlblümchen vorzubereiten. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann dienen sie dazu, dass die Gebärmutterschleimhaut auch schön weich und fluffig wächst und damit alles bereit ist. Ungefähr so wie diese Packungen sah die Pille aus, wenn sie in den sozialkritischen Kinderfilmen vorkam, die ich als Kind gesehen habe.



So. Wollen wir doch mal sehen, ob ich das hinkriege mit den Fotos im Blog. Die ersten!