Sonntag, 24. Januar 2010

Mein Lieblingsfelldings auf diesem Planeten

Der Hund ist so niedlich,dass ich kaum noch weiß, wie ich heiße. Jetzt liegt sie in ihrem Körbchen und schläft, und das würde ich auch gerne tun, denn letzte Nacht haben wir insgesamt fünf Kilometer im Schnee (und im Schlafanzug) zurückgelegt, um ca 50 ml Welpenpipi in den Garten zu kriegen. Gestern wusste sie noch nicht, wer wir sind, und heute hört sie schon auf ihren neuen Namen, kommt, wenn ich sie rufe, und scheint auch sonst so ziemlich alles zu können, was nötig ist, um mir das Herz zu brechen. Ich bin sehr glücklich.

Freitag, 22. Januar 2010

Alufolie war erst der Anfang

Vor ein paar Wochen, kurz nachdem wir uns das Tier zum ersten Mal angesehen hatten und ich tagelang nichts anderes mehr denken konnte als "niiiiiiiedlich", habe ich mir ein Buch über Welpen gekauft. Ein ganz normales Buch aus einem ganz normalen Ratgeberverlag, keine Doktorarbeit. In diesem Buch stand, das einzig wahre Futter für Welpen wäre eine Mischung aus rohem Rindfleisch (nicht irgendein Rindfleisch, sondern nur bestimmte Körperteile müssen reihum verwendet werden, Kopffleisch, frisch durch den Wolf gedreht, ist z.B. eine feine Sache), blanchiertem und gehacktem Gemüse (am liebsten frische Brennesselblättchen), frisch pürierten Kalbsknochen, Blütenpollen, Distelöl, im Winter auch gerne Lebertran und noch ein paar Zutaten wäre das beste. Andererseits stand da auch, man sollte das weiterfüttern, was der Züchter gegeben hat, und das war bei uns Rindfleisch und HAferflocken. Oha! Haferflocken fand mein Ratgeber gar nicht gut. Ich sah mich schon täglich eine Stunde mit der Zubereitung der Hundemalzeiten zubringen. Und ich hatte gedacht, das Thema geht mich ja demnächst was an, da kaufe ich so ein Buch, danach fühle ich mich sicherer und weiß besser, was ich tue. (Dass ich selbst schon mal einen Hund hatte und L. sogar zwei, war mir in dem Moment egal, hab ich schon mal erwähnt, dass ich grundsätzlich nichts im Leben anfangen kann, ohne dass ich mir einen passenden RAtgeber kaufen und mich dann über ihn aufregen muss? Andere Leute müssen sich immer als Erstes das passende Outfit kaufen, ich das passende Buch.) Aber nachdem ich durch war mit dem Buch, war ich nur noch besorgt und hatte das flaue Gefühl im Magen, dass ich ja wohl die letzte bin, der man einen kleinen Hund anvertrauen kann. Das wurde auch nicht besser, als noch drei andere Ratgeber dazu kamen. Unser erstes Problem wird sein, das Tierchen stubenrein zu kriegen. Seit ich die vier Kapitel in den vier Büchern miteinander verglichen habe, kann ich mich eigentlich nur noch wundern, dass in der Geschichte der hundehaltenden Menschheit überhaupt IRGENDEIN Hund jemals stubenrein geworden ist. Alles, was man tun kann, wird von einem Experten als schlimmstmöglicher Fehler betrachtet, während es für jemand anderen die einzige vernünftige Lösung ist.

An irgendwas erinnert mich das alles. An was nur? Ich komm nicht drauf, aber gleich hab ichs.

Morgen holen wir den Hund. Dann wird er uns schutzlos ausgeliefert sein! Falls er morgen Abend noch lebt, werde ich berichten. Wünscht uns viel Glück, aber dem Hund noch mehr. Er kann es brauchen.

Mittwoch, 20. Januar 2010

Auf Struppi kommt einiges zu

Inzwischen wieder auf Pille stellen sich erstaunlicherweise folgende Nebenwirkungen ein: Übelkeit, merkwürdige Geräusche aus meinem Bauch (ziemlich peinlich sind sie außerdem), angeklatschte Mützenfrisur, Pickel an Stellen, an denen man keine Pickel haben sollte (gibt es Stellen, an denen man welche haben sollte?).
Erstaunlicherweise deshalb, weil ich mit kurzen Unterbrechungen die Pille nehme, seit ich 17 bin, und damit nie auch nur ein Fünkchen Ärger hatte. Andererseits verdanke ich meine Entstehung der Tatsache, dass meine Mutter damals die Pille nicht vertrug und die Übelkeit irgendwann nicht mehr ausgehalten hat. Später Einsatz von Familienbanden?
Aber was tut man nicht alles für zukünftige Würmchen, und bei den anderen Medikamenten bin ich ja bisher sehr glimpflich davongekommen. Außerdem gibt mir die Mützenfrisur die Gelegenheit, mir jetzt täglich die Haare zu waschen, an manchen Tagen sogar zweimal, und dadurch kann ich meine neue Shampoo-Entdeckung öfter verwenden: das Roche Posay-Shampoo für empfindliche Kopfhaut in der hellblauen Flasche. Dieses Shampoo riecht wie kein anderes, ein bisschen nach Hafen, ein bisschen nach Schwimmbad, ein bisschen nach Gewitter und ein bisschen nach dem Eis, das nach dem Markt da im Gulli liegt, wo ein Fischstand war. Wer das nicht verlockend findet, sollte es mal ausprobieren, erst wundert man sich und dann hängt man am Haken. (Früher musste ich mir nur so ungefähr alle drei Tage die Haare waschen, und ich weiß, einige werden mich jetzt ein bisschen eklig finden. Ich schwöre aber, öfter war nicht nötig! Erster Tag: Country-Sängerinnen-Look, nach allen Seiten abstehender Haarbusch. Zweiter Tag: vernünftige Haare. Dritter Tag: vernünftig aussehender Pferdeschwanz.)

Ich bin also auf Pille. Und die nächsten Crinone-Röhrchen sind noch vom letzten kläglichen Versuch übrig. Und an all das würde ich ab übermorgen wieder mit voller Kraft denken können und mir auch nachts den Kopf zerbrechen, wie das alles werden soll und was wird, wenn es nichts wird, denn dann endet meine Buchung. Allerdings steht dann ein neues, Aufmerksamkeit in riesigen Batzen verschlingendes Ereignis ins Haus: das Tier kommt.

Ich habe übrigens nicht vor, ihm rosa Babysachen anzuziehen und es in Kinderwagen durch die Gegend zu schieben, dazu wird es auch ziemlich schnell zu groß sein. Dieses Tier wird nicht der entwürdigte Augenstern einer unfruchtbaren Schachtel, sondern ein feiner, gut erzogener Hund. Ich habe vor, ihm kleine Tricks beizubringen, damit er sich im Haushalt ein bisschen nützlich machen kann. Proseccoflaschen mit den Zähnchen öffnen (für Gäste natürlich! Der Plan ist immer noch im grünen Bereich, jedenfalls nicht völlig aus dem Ruder gelaufen.)...

An dieser Stelle folgt auf Wunsch von L. ein Exkurs: Er bittet mich, in meinen Blog zu schreiben, dass ich mich gerade geirrt habe, als ich dachte, die "is wien warmer Sommerregen" Nivea-Soft-Creme, die er sich ins Gesicht schmiert, wäre eigentlich nicht fürs Gesicht gemacht. Das ist sie nämlich doch, ich hatte Unrecht und er Recht. Ende des Exkurses.

...Aschenbecher leeren, kleine Besorgungen machen (Einkaufszettel und kleinen Schein ins Täschchen am Halsband, zum Supermarkt laufen und niedlich gucken, bis jemand sich erbarmt und die Satteltaschen vollpackt, dann schnell nach Hause), und natürlich Frauchen morgens und Abends beim Verabreichen IVF-relevanter Medikamente assistieren. (Igitt, denkt ihr vielleicht, wie soll das denn bei Crinone... neinnein, aber bei den anderen vielleicht ja doch?), und natürlich mich später zum Frauenarzt begleiten und mir moralisch beistehen, während ich auf Ultraschalls warte. Später wird das Tier dann der unzertrennliche, treue Freund der Würmchen, bringt sie zur Kita, trägt ihnen die Bütterchen hinterher, räumt ihr Zimmer auf, rettet sie aus eingestürzten Goldminen... so in etwa!

Ich spinne. Das muss die Pille sein.

Samstag, 16. Januar 2010

Ist das eine Kerze in ihrem Nasenloch, Herr L.?

Eigentlich sollte doch auch hier inzwischen langsam wieder irgend etwas laufen mit Crinone oder so, ich sollte mich auf einen Rückübertragungstermin zubewegen, und wenn ich mich lassen würde, würde ich auch schon wieder versuchen auszurechnen, in welchem Monat dann zukünftige Kindergeburtstage gefeiert werden würden. Hm.

Ich bin mir noch nicht sicher, wie ich die Sache sehe, aber mein Unterleib scheint dagegen zu sein. Am 24. Dezember, morgens im Londoner Hotelzimmer, hab ich meine Tage bekommen. Danach habe ich aus Gründen, die ich jetzt nicht mehr nachvollziehen kann, beschlossen, dass ich es diesmal ohne die Pille versuche. Ich weiß genau, dass ich ein großes Risiko eingehe, dass mir Zysten wachsen, wenn ich weder schwanger noch auf Pille bin. Aber ich hatte die durch nichts belegte eigene Theorie entwickelt (genau genommen ist "Theorie" und "entwickelt" schon eine Nummer zu dicke, stellt es euch eher als eine Art quersitzenden Hirnfurz vor), dass ja auch andere Frauen erst mal ein paar Monate brauchen, um schwanger zu werden, wenn sie die Pille absetzen. Dass das bei den meisten vermutlich daran liegt, dass sie erst mal keinen Eisprung haben, was ja für unsereins kein Problem ist, das war dem Hirnfurz egal. Also: ohne Pille. Bisher ist mir zwar nichts geplatzt im Bauch. Aber letzten Sonntag, am 10.Januar, habe ich schon wieder meine Tage bekommen. Irgendwas ist offensichtlich gewaltig durcheinandergeraten. Und das soll sich nun erst mal wieder einkriegen, bevor wir weitermachen. Es geht zwar "nur" um zwei weitere Tiefkühleierchen, aber auch die hab ich mit viel Liebe ausgebrütet und will sie nicht als Kanonenfutter verschleudern. Vielleicht also Februar. Oder März. Und bevor hier die Kommentare einschlagen, ja, inzwischen bin ich wieder auf Pille.

So. Und wieso gab es in letzter Zeit so wenig Posts, gearbeitet hab ich doch auch früher schon, und es hat mich nicht abgehalten? Das, liebe Freunde, ist die Freiberuflichkeit. In meiner alten Firma war mir irgendwann alles so dermaßen egal, dass ich mich auch mal in der Mittagspause oder, was solls, irgendwann am Nachmittag an den Blog gesetzt habe. Wenn das irgendwem in der inzwischen schon stark dezimierten IT aufgefallen wäre und es daraufhin nicht nur Getuschel über meine Hormonabenteuer gegeben hätte, sondern einen Rauswurf, dann hätte ich zwar dumm geguckt, aber wäre nach spätestens zwei nervösen Tagen drauf gekommen, dass das vermutlich besser so ist. Aber jetzt ist alles anders, ich werde in ziemlich fetten Tagessätzen bezahlt, und ich wäre bescheuert, an der Berechtigung dieser Tagessätze irgend einen Zweifel aufkommen zu lassen, indem ich in der Mittagspause Wein trinke (verträgt sich sowieso nicht mit 100/10), einfach mal zwei Stunden shoppen gehe oder meinen privaten Muckelblog schreibe, auch wenn es nur für fünf Minuten ist. Vielleicht werde ich ja mit der Zeit noch lässiger. In meinem Job gibt es haufenweise Leute, die stundenlang aus dem Fenster starren, jeden Tag zwanzig neue Internetseiten entdecken oder mehr Zeit an der Kaffeemasschine als am Schreibtisch verbringen und sich trotzdem als hart arbeitende Menschen betrachten, und je nachdem, welche Aufgabe sie gerade haben, haben sie damit noch nicht mal so Unrecht. Deswegen kann es sein, dass ich irgendwann auch zu der Überzeugung komme: zehn Minütchen für ein Pöstchen müssen ok sein, und wer das anders sieht, der kann mich mal. Aber noch ist es lange nicht so weit.

Dann kam noch der neu-im-Kindergarten-Effekt dazu. Nachdem ich so viel Zeit fast nur zuhause oder allein auf Spaziergängen verbracht habe, war mein Immunsystem scheinbar nichts mehr gewöhnt. Wie ein neues Kind im Kindergarten hatte ich plötzlich alles, was die anderen Kinder auch haben. Und weil zuhause bleiben bedeutet, kein Geld zu verdienen, bin ich eben trotzdem hingegangen. Glaubt mir, mit Durchfall und Kotzerei reicht schon ein zehnstündiger Arbeitstag, und wenn euch jemand abends den Rechner auf einem Tablett mit brennenden Kerzen und Blumensträußen ans Bett stellen würde, dann würdet ihr ihm die Kerzen sonstwohin rammen. Die Blumen je nach Sorte auch, wenn es z.B. Calla-Lilien wären... aber egal.

(Wieso denke ich eigentlich, ich muss das erklären? Demnächst lasse ich mir eine Entschuldigung schreiben, wenn ich nicht dazu komme, zu bloggen. Was ist das hier, Hausaufgaben?)

Freitag, 15. Januar 2010

Welcher Tag ist heute nochmal, irgendwas mit F?

Ich sitze auf dem ollen grünen Sessel in der Küche, der riecht wie ein alter Hund, auf dem Herd blubbert das Gulasch, das ich gerade angesetzt habe, und nu ist auch mal gut, denn nu ist Wochenende, was nach zwölf Arbeitstagen auch wirklich mal Zeit wurde. Auf dem Heimweg bin ich an lauter Bars vorbeigelaufen, in denen Leute sitzen, die fröhlich ihre vor-dem-Kino-Getränke in sich reingekippt haben und das Ganze heute Abend bestimmt noch ca. achtzigmal wiederholen. Da wäre ich gerne auch dabeigewesen, aber ich bin kaputt. Gestern war ich, obwohl am Abend vorher stocknüchtern (fragt mich nach dem Plan. Los, fragt mich.), ein Wrack. Während eines langen, anstrengenden Arbeitstages, an dem ich nicht nur jede Menge Kram aufschreiben musste, sondern mich dafür auch noch durch einen Riesenberg technischer Artikel wühlen, musste ich nicht weniger als viermal spucken. Alles auf dem Firmenklo, und das Firmenklo, es wird auch nicht besser, lag direkt neben dem Chefbüro. So ist das Leben als Freiberufler nunmal, noch vor einem Jahr wäre ich sofort nach Hause gegangen und hätte mich ins Bett gelegt.

LANGWEILIG! Immer dieses Gerede über Job und Stress und Wehwehchen und Müdigkeit. Wie alt sind wir denn, Madame, etwa 36? Genau das sind wir.

Aber nu ist, wie gesagt, gut, denn nu ist Wochenende. Und ich hab vor, es auszunutzen. Ich werde in einer Mädchenküche sitzen und ein-zwei blubbernde Getränke trinken, bloggen, viel kochen und noch mehr essen, mit der Zeitung rascheln und das letzte Wochenende ohne das Tier genießen. Vielleicht lasse ich ja auch absichtlich alles auf dem Boden liegen, ohne Angst, dass es jemand frisst oder vollpinkelt. Das Tier wiegt inzwischen übrigens fünfeinhalb Kilo, und sein noch sehr zarter Knochenbau erfordert es, dass ich es jedes Mal, wenn es raus oder rein muss, die Treppe runter- und rauftrage. Und es wird oft rausmüssen.

Heute war nicht nur der letzte Tag vor dem Wochenende. Heute war auch der Tag, an dem ich vor Schlemmermeyer in eine Straßensperre aus Kinderwagen geraten bin, aus der es kein Entkommen gab. Ich hätte drüberspringen müssen, aber diese Wagen waren so gewaltig, dass ich dabei sofort an diese Stunts denken musste, bei denen Evil Knievel auf dem Moped über acht LKWs springt. Ich stand da also und sagt zweimal freundlich "Entschuldigung" oder sowas, aber es tat sich nichts, die Damen hatten anderes zu tun, und dann kam der Moment, in dem ich sie laut und giftig angeflucht hab "Ich muss hier durch, verdammich!" und das ohne das leiseste Zwicken im Kopf von wegen "jetzt ist es so weit, ich bin die verbitterte Kuh ohne Kinder" oder "also, wenn DAS meine Art ist, damit umzugehen..."
Das macht das Arbeiten. Plötzlich wird Unfruchtbarkeit wieder zum Nebenjob. Kann ich nur empfehlen.
Die HABEN sich aber auch breitgemacht, die Weiber.

Freitag, 8. Januar 2010

Horror, Schock, Keuch

Ich hatte mich an den Gedanken gewöhnt, dass ich mich demnächst von meinem lieben alten angegilbten Mac verabschieden muss. Ich habe sogar schon ab und zu heimlich (und natürlich nicht mit seiner Hilfe) geguckt, welchen ich mir nach seinem Tod zulegen soll. Ich wollte das Ende so sanft wie möglich. Bis mir das alte Mistvieh in den letzten Tagen einen Schrecken nach dem anderen eingejagt hat. Zuletzt der dickste Klops: angeblich war mein Blog nicht mehr mein Blog, sprich, ich konnte mich nicht mehr einloggen. Ich war fertig mit der Welt. Mein erster Ausruf war sogar ironischerweise "Mein BAAABYYYY!"

Nun ist alles wieder gut. Von L.s Rechner aus geht es, ich habe ein paar mal ein- und ausgeatmet, und wir müssen uns keine Sorgen mehr machen. Uffuffuff. Trotzdem kann ich heute nicht mehr schreiben als das hier, denn es wartet Arbeitarbeitarbeit. Und zwar das ganze Wochenende lang. Ich hoffe, ich schaffe trotzdem wenigstens einen Eintrag in den nächsten zwei Tagen.

Hier der Schnelldurchlauf:
1. Das Tier wird den Fotos im Netz zufolge von Tag zu Tag niedlicher, ich kann den 23. kaum noch abwarten, ab dann dürfen wir ihn holen.
2. Gleichzeitig bin ich ein bisschen aufgeregt, denn je mehr ich über Welpenpflege erfahre, desto mehr kann ich scheinbar falsch machen. Ihr glaubt mir das jetzt vielleicht nicht, aber IVF ist ein Scheiß dagegen!
3. Liebe neue Stammtischinteressentin aus Hamburg, ich hatte die letzten Tage auch mit meinen Mailprogrammen ziemliche Probleme, an denen mein Rechner Schuld war. Ich hab Dich aber nicht vergessen und verspreche, beim nächsten Stammtisch Bescheid zu sagen - ich freu mich sehr, wenn Du kommst! Wann es so weit sein wird, kann ich gerade noch nicht so sagen, aber wir kriegen auf jeden Fall noch mindestens ein Treffen vor Ende Februar hin (oder lüge ich? Ev?). Man munkelt aber, dass es in Hamburg noch einen anderen IVF-Stammtisch gibt, der sich auch häufiger trifft. Ich habe ihn zwar noch nie gegooggelt oder so, aber bin sicher, dass der irgendwie online aufzustöbern ist.

Was hab ich gesagt vom Gras auf der anderen Seite? Ihr werdet lachen, soooo grün ist es nun auch wieder nicht. Uff. Bin kaputt und sitze hier mit der Aussicht auf weitere 14 Arbeitstage bis zum nächsten freien Tag.

Montag, 4. Januar 2010

Ein ernüchternder Abend

Manche Menschen zucken innerlich zusammen, wenn sie von jemandem lesen, der für sie immer ein Vorbild war, und erfahren, dass er seinen ersten Film, seine erste Platte oder seinen Debutroman zustandegebracht hat, als er zehn Jahre jünger war als sie. Sie freuen sich natürlich auch, wenn ihnen jemand über den Weg läuft, der viel älter ist als sie und groß rausgekommen ist. Seht euch XY an, da war sie nun achthundert Jahre lang Hausfrau und hat nichts anderes getan als Kinder großzuziehen, der Depp vom Dienst für ihre ganze versoffene und stinkende Familie, dann lässt ihr Mann sie sitzen, und zehn Jahre später... seht sie euch an!

Bei mir hat dieses Gefühl nicht so sehr mit dem Alter zu tun, sondern mit der fixen Idee, dass das hier für mich weniger schlimm wäre, wenn ich von genug Frauen höre, die wirklich klug, lustig und rundum gut sind und die keine Kinder haben und scheinbar auch nicht besonders darunter leiden. Und weil diese fixe Idee Mutter des Gedankens zu sein scheint, habe ich in letzter Zeit scheinbar öfter wie selbstverständlich angenommen, dass solche Frauen (also die klugen, lustigen und rundum guten) im Zweifel keine Kinder haben.

Gerade komme ich von meinem ersten Arbeitstag in diesem Jahr nach Hause, und L. sitzt vor dem Fernseher und sieht sich im Zuge seines großen Frühjahrsausmistens eine alte Ladykracher-DVD im Schnelldurchlauf an, um zu entscheiden, ob sie rausfliegt oder bleibt. Und ich frage mich laut, ob Anke Engelke eigentlich einen Freund hat, und L., der feine Herr, der zwar immer nur FAZ und Handelsblatt liest, aber sich trotzdem viel besser im Leben von Prominenten auskennt, weiß natürlich Bescheid und sagt, ja klar, mit dem hat sie doch die Kinder.
Wieder eine weg.

Muss ich davon ausgehen, dass ich eine missgünstige und sehr grobschlächtig denkende Person bin, wenn ich scheinbar unbewusst meine Welt mittlerweile in blöde Muttis und tolle Nicht-Muttis einteile? Geht das wieder weg, wenn ich mich konzentriere und dagegen angehe? Was fällt mir eigentlich ein?
Ach, man kann scheinbar doch machen, was man will, irgendwann kriegt es einen klein. Was aber nicht heißen muss, dass ich aufhöre zu zappeln.

Wie fusselhirnig kann man sein, und das ohne einen Tropfen Alkohol?

Sonntag, 3. Januar 2010

Guckt es euch an und gebt quietschende Laute von euch. Los doch!

Darf ich vorstellen: das Tier.





So sieht es im Moment aus. Irgendwann ab dem 23. können wir es abholen, dann wohnt es bei uns, und wenn ich es schaffe, es nicht aufzufressen, dann wird es eines Tages in etwa so aussehen:



In dieser Wohnung wird es bald ein Körbchen geben, eine dicke schwarze Nase, eine zernagte Leine und irgendwas aus Gummi, das quietscht, wenn man drauftritt. Es wird jemanden geben, der mich morgens mit der Zunge aufweckt und der sich auf dem Sofa breitmacht. Und falls ihr das dachtet, hier ist nicht von L. die Rede. Ich freu mich mehr auf das Tier, als ich sagen kann. Bis dahin braucht es noch einen besseren Namen als den, den es schon hat (neun Hunde, die alle einen Namen mit A brauchten. Ihr könnt es euch vorstellen.), ich muss zum ersten Mal seit fast 10 Jahren in eine Zoohandlung, und dann leiht mit L.s Mutter noch ihre Hundbücher. Außerdem müssen wir eine vernünftige Hundeschule auftreiben. Und irgendwann mittendrin steht mir vermutlich der nächste Tiefkühlversuch bevor.
Also, dass der jetzt erst ganz am Ende dieses Posts Erwähnung findet, das halte ich für ein gutes Zeichen.

Samstag, 2. Januar 2010

Fröhlich sein ohne Alkohol

Liebe Abkürzungsbande! Nach einem Tag, der ohne Alkohol oder Zigaretten vollkommen problemlos über die Bühne ging (gut, die arme Wurst möchte ich sehen, die den ersten Januar nicht ohne hartes Getränk übersteht) und einem sehr selbstzufriedenen Blick auf den immer noch weißen, weil strichlosen Rahmen auf meinem Nachttisch beim Aufwachen, möchte ich das noch mal kurz erläutern, was das alles überhaupt soll.

Ich habe immer feste dran geglaubt, dass Normalität besonders für uns wichtig ist - für Leute, in deren Leben gerade scheinbar so wenig so läuft wie bei "allen anderen". Dass "alle anderen" längst nicht "alle anderen" sind, dass die Frage noch zu klären wäre, welche Lebensform eigentlich normal ist, und dass das alles halb so wild ist, wenn man versucht, nicht schon beim Betreten der Kinderwunschklinik in Schnappatmung zu verfallen - das wissen wir alle, und das muss ich vermutlich gar nicht erst hinschreiben. Trotzdem lässt sich das nicht wegentspannen und wegalbern, dass wir jetzt ein Leben führen, bei dem wir uns Spritzen in den Bauch jagen und uns von allen Seiten die bescheuertsten Ratschläge anhören müssen, und das Schlimmste ist, mitten in der Nacht kommen wir sogar allen Ernstes ins Grübeln, ob nicht doch was dran ist an dieser Sache mit dem Leitungswasser. (Wieso eigentlich "wir"? Zuerst mal ich. Vielleicht seid ihr ja auch alle viel gefestigter und vernünftiger als ich.)

Jedenfalls, Normalität. Und zur Normalität hat für mich immer auch gehört, mein Leben, so wie ich es kenne und wie es mir Spaß macht, zu verteidigen. Und zu meinem Leben hat es immer auch gehört, bei Bedarf zu rauchen, zu trinken und zu essen, was immer mir einfällt, und wenn es ein Kilo fettige, gegrillte Spareribs sind, dann sind es ein Kilo fettige, gegrillte Spareribs.

Und jetzt das. 100 Getränke, das ist ziemlich wenig. Das ist sogar noch weniger, als die WHO Frauen in meinem Alter erlaubt, und die WHO, das wissen wir, ist nicht berühmt für ihren Rock'n'Roll-Lebensstil.

Bevor jetzt eine denkt, ich wäre in das andere Lager übergelaufen, das Lager, in dem Leitungswasser und Kupfertöpfe verboten sind und Beziehungen vor allem aus liebevollen Nackenmassagen und gemeinsamen Spaziergängen in Funktionskleidung bestehen, muss ich euch sagen: ich tue das nicht (oder längst nicht nur), weil ich glaube, das verbessert meine Chancen, doch noch schwanger zu werden. Ich habe nur in der Weihnachtszeit mal grob überschlagen, wie viel ich wohl im letzten Jahr getrunken habe. Und dabei entstand in meinem Kopf ein Bild, wie man sie von früher aus dem Biobuch kennt: die deutsche Familie vor einem Tisch, auf dem alle Lebensmittel aufgebaut sind, die sie innerhalb eines Jahres verzehrt hat. Der Tisch in meinem Kopf bog sich unter den Cremant- und Rotweinflaschen, im Bildhintergrund stapelten sich Paletten mit Bierkisten, und ich stand bis an die Knie in Kronkorken. Egal, ob Kinderwunsch oder nicht, letztes Jahr war es zu viel. Das will ich nicht mehr. Ich sehe das 100-Getränke-Jahr vor allem als sportliche Herausforderung. Denkt nicht an schwäbelnde Protestanten, die alle bitten, ihren Rauch in eine andere Richtung zu blasen, denkt an Straight Edge-Punks oder zum Beispiel an Farin Urlaub, der ja angeblich auch seit 20 Jahren keinen Alkohol trinkt! Gar keinen! Nicht mal am Geburtstag, nicht mal bei Liebeskummer, nicht mal, wenn jemand französische Musik auflegt!
Noch 364 Tage. Und noch 100 Getränke.

Freitag, 1. Januar 2010

Hundert, zehn und 2010

Ich bin nicht besonders anfällig für Neujahrsvorsätze, aber für Katervorsätze. Andere klagen über Kopfweh am Tag danach, mich packt immer der große Katzenjammer. Was hab ich nur getan? Hab ich was getan? Ein diffuses Gefühl großer Schande macht sich kurz nach dem Aufwachen in mir breit und verfliegt erst gegen Abend wieder. Und zwar unabhängig davon, ob ich mich ein bisschen danebenbenommen habe oder nicht. Ich fühle mich unwürdig, blöd, peinlich und im Ganzen hundeelend.

Diesmal fällt mein Katervorsatz aber mit dem neuen Jahr zusammen, deshalb braucht er wohl ein bisschen mehr Bombast als sonst. Und ich bin auf folgende Idee gekommen, wie im nächsten Jahr mein Alkoholkonsum geregelt sein wird:
Bis zum nächsten Silvester darf ich insgesamt hundert alkoholische Getränke zu mir nehmen. Egal, ob das nun hundert Doppelkorn, hundert Gläser Wein oder hundert Biere sind. Und egal, ob ich diese hundert Getränke sauber auf das Jahr verteile oder mich einmal im Monat nach Gutsherrenart dichtziehe. Die Vorteile liegen auf der Hand: ich trinke weniger und muss mich dabei konzentrieren, aber ich muss mir auch keine Vorwürfe machen, wenn wieder mal so ein Plöpp-Plöpp-Plöpp-Abend hinter mir liegt. Dann werden es eben nur ein paar Striche mehr auf der Liste und bedeutend weniger prickelnde Getränke in den nächsten Wochen. Das ist gut für die Figur, den Teint, die Fruchtbarkeit, die Laune, den Kopf und überhaupt.

Dieses Jahr wird nicht nur das Jahr der hundert Getränke, sondern auch das Jahr der zehn Zigaretten. Diese zehn Zigaretten muss ich mir schon besser einteilen. Ich könnte z.B. fünf an meinem Geburtstag rauchen und fünf an Silvester. Auf diese Art weiß ich, dass im Notfall, im alleräußersten Notfall die Aussicht auf ein Flüppchen besteht. Aber eben nur im Notfall. Bus verpasst oder Regenwetter zählen nicht als Notfall. Und wenn doch, dann ist eben im echten Notfall keine Fluppe mehr übrig. Meine Mädchen werden das hier lesen und die Augen rollen. Nicht schon wieder, und dann geht das Gequengel los! Liebe Mädchen, ich verstehe gut, dass ihr die Augen rollt, aber wir wollen mal sehen, wie weit ich diesmal komme. Und L. und seine Nerven wollen wir mit all dem gar nicht erst belasten. Wenn er mich fragt, was denn der kleine Bilderrahmen mit der Strichliste neben meinem Bett macht, dann werde ich rätselhaft lächeln und schweigen.

Es wird euch freuen zu hören, dass ich heute bisher null Getränke und null Zigaretten zu mir genommen habe.