Freitag, 30. April 2010

Eure ausgezeichneter Geschmack ist gefragt.

Ihr lieben Abkürzungsdamen,

hatte ich euch von dem Buch erzählt? Ich hatte. Jetzt steht die erste große, wichtige Entscheidung an: wir müssen uns ein gutes Cover überlegen.

Ich würde ja gerne was mit Eiern machen. Denn Eier haben eine hübsche Form, sind leicht wiedererkennbar und lassen sich auf hundert Arten zu Mustern usw. verarbeiten.

Die Lektorin hat mich jetzt auf die Idee gebracht, euch doch mal zu fragen, was ihr so von den verschiedenen Ideen haltet.

Zu manchen davon hab ich schon ein Bild, zu den meisten aber noch nicht.

Ich bitte um ehrliches und vor allem schnelles Feedback...

Also, hier kommen die Ideen:

1. Ein sorgfältig ausbalancierter Stapel aus Eiern.
Das könnte so aussehen oder auch anders, auf jeden Fall ziemlich puristisch.



2. Ein graphisches Muster aus Eiern. Das könnte z.B. so aussehen - nur dass die Punkte dann eben Eiförmig wären:





3. Oder eine etwas realere Zeichnung von Eiern. Das könnte z.B. so aussehen (abgesehen davon, dass ich die Farben im Moment noch gar nicht mag):



So. Ab jetzt kommen einige Ideen, für die ich Euch leider bitten muss, Eure blühende Phantasie etwas zu strapazieren. Denn dazu habe ich noch keine Bilder außer denen in meinem Kopf.

4. Ein Foto von einem Osterei, bemalt mit einem niedlichen, bunten Muster aus kleinen Spritzen, Pillchen, Herzchen, Tränchen und Teddys. Oder so.

5. Überhaupt kein Bild irgendwelcher Art, sondern wir hätten ein weißes Cover, das ein bisschen grobkörnig und kalkig aussieht (wie eine Eierschale), und darauf wäre in bunter Schrift die Autorinnennamen und der Titel geschrieben.

6. Ein großes Ei, auf das Titel, Namen und Verlag geschrieben sind.

7. hübsche, leere Eierbecher.

Abkürzungsdamen, jetzt seid Ihr gefordert!

1000 Dank!

Dienstag, 27. April 2010

Kinder vs. Karriere: 0:1

Ich sitze am Flughafen einer großen Stadt, die nicht Hamburg ist, quatsche wildfremde Menschen an und versuche, sie dazu zu überreden, bei meinem Projekt mitzumachen. Die meisten sind zauberhaft und sagen Ja. Morgen tue ich das gleiche nochmal. Und das heißt, dass ich meinen lange erwartetetn Termin bei meiner Frauenärztin morgen um elf absagen musste.

Irgendwann werde ich mich bestimmt nicht mehr darüber wundern, dass das immer so ist: wochenlang sitze ich mir den Hintern platt, und sobald ich einen Termin habe, kommt der zweite und dritte Termin angerannt und krakeelt, dass das aber sein Platz war und er genau da auch hinwill. Ich sollte was draus lernen. Wenn die nächste Jobflaute zu bedrückend wird, hadere ich nicht, sondern mache schnell einen Kinderwunschtermin. Das funktioniert fast immer.

Montag, 26. April 2010

Pyjama als Arbeitskleidung

Es ist 9 Uhr 12. Der Rest der arbeitenden Bevölkerung ist seit mindestens einer Viertelstunde am Schreibtisch, das pompöse "Bonnnnnggggg" des Apple-Startgeräusches hallt durch die Büros. Und ich sitze hier zuhause und bin noch im Nachthemd. Das heißt nicht, dass ich nichts zu tun hätte, im Gegenteil! Heute ist ein ziemlich knüppeldick gefüllter Arbeitstag für das Projekt, auf dem ich gerade gebucht bin. Und dann ist da noch das Baby, das heute dringend meine Aufmerksamkeit braucht. Und der Hund. Aber für den Moment tue ich so, als müsste ich nicht gleich duschen und dann mit Lili raus, sondern als wäre ein alter Traum wahr geworden: der Traum, im Schlafanzug zu arbeiten. Versteht mich nicht falsch, ich bin eigentlich kein Faultierchen. Im Gegenteil, ich kann einen ziemlichen Bienenfleiß entwickeln. Aber ich tue das gerne mit allen Anzeichen äußerlicher Faulheit. Als ich noch genau wie die anderen Hasen jeden Tag, oft auch am Wochenende, ins Büro schleppen musste, habe ich mir oft ausgemalt, wie herrlich das alles sein könnte. Wahnsinnig produktive Tage im Bett und auf dem Sofa. Ich wollte mit einer Kladde und einem Stift in der Sauna liegen und tiefenentspannt brüten. Oder im Park liegen, ein Stück Quiche mümmeln und dazu das Pensum von drei Tagen schaffen. Ich wollte Mittagspause machen, wann ich das für richtig halte, und Kontakt mit Kunden, die aus schlechter Laune eine Verhandlungsstrategie gemacht haben, möglichst komplett vermeiden. Ich wollte Pasta essen beim Italiener um die Ecke, der so nett aussieht und immer schon um 19 Uhr schließt. Gibt es irgendwen, der nicht manchmal von sowas träumt?

Es ist 9 Uhr 20. Ich frage mich, was die Hasen alle gerade machen. Ich frage mich das sogar ziemlich häufig. Drängeln sie sich gerade um die Kaffeemaschine? Erzählen sie sich ihr Wochenende? Gehen sie "erst mal" eine rauchen? Verflixt.

Gut, damit zum nächsten Traum. Es gibt doch Bürogemeinschaften, wo sich junge, kommunikative Freiberufler in Großstädten zusammenrotten, sich die Miete und den Drucker teilen und sich gegenseitig in ihrer Arbeit beflügeln und befruchten. Wie wäre eine Bürogemeinschaft mit Sofas und Schlafanzügen? Eine Art bezahlte Pyjama Party?

Samstag, 24. April 2010

Also doch: Wir kriegen ein Baby.

Als ich angefangen habe, diesen Blog zu schreiben, hab ich das... jaja, jetzt kommt das, was alle Blogger sagen: ich hab's für mich getan. Und das stimmt auch. Denn erstens schreibe ich gerne, zweitens habe ich ein ziemliches Mitteilungsbedürfnis in den meisten Lebensbereichen, das auch vor dem Kinderwunsch nicht halt macht, aber drittens - und das ist fast das Wichtigste - merkt man während einer Kinderwunschbehandlung schnell, wie frustrierend es ist, dass man im Grunde so wenig tun kann. Man kann brav die Medikamente genau wie angeordnet nehmen, man kann auf seine Ernährung achten (ähämm), man kann sich entspannen, man kann sich nicht zu viele Hoffnungen machen, aber ehrlich, die Wartezeiten sind so lang, und sie kommen, wie sich zeigt, immer wieder, und ich hatte von Anfang an das Gefühl, der Blog war das bisschen mehr, das ich getan habe. Er hat bestimmt nichts dazu beigetragen, die Erfolgswahrscheinlichkeit hochzuschrauben (da hat er vielleicht mehr gemein mit "wenig Kaffee trinken" und "hochwertige Proteine", als uns allen lieb ist), und manchmal hatte ich auch über Sachen zu schreiben, bei denen das Schreiben mir nicht ganz so viel Spaß gemacht hat. Aber der Blog hat mir trotzdem geholfen, diese lange, lange Zeit zu strukturieren und Bodenkontakt zu halten. L. war sich da manchmal nicht ganz so sicher, aber ich mir schon: der Blog war gut für mich und ist es immer noch. Aber erst, als es passiert ist, wurde mir klar, dass ich wohl doch ein bisschen gehofft habe, dass eines Tages mehr daraus wird. Letzten Sommer hatte ich irgendwann Post von einer anderen Abkürzungsfrau, diesmal einer vom Fach: eine IUIende Medizinerin hat mir geschrieben, dass sie gerne ein Buch mit mir zusammen machen würde. Mein Blog und ihr Fachwissen zusammen, eine Mischung aus Erfahrungsbericht, Spaß (ja, den kann man während all des zähen Spritzens, Testens und Wartens nämlich auch haben) und einer dicken Portion Informationen, die wirklich weiterhelfen und nicht nur kirre und unbehaglich machen. Ich hatte schon nach den ersten vorsichtigen Kontakten den leisen Verdacht, ich hätte klammheimlich eine gespaltene Persönlichkeit entwickelt, deren eine Hälfte so tut, als würde sie in Düsseldorf leben, so gern hatten wir uns auf Anhieb und so viel hatten wir gemeinsam. Wir haben stundenlang telefoniert und gemailt, und dann haben wir zusammen ein Buchkonzept geschrieben und sind im Herbst auf die Buchmesse nach Frankfurt gefahren, um unseren Buchembryo an den Mann zu bringen. Das war schwerer und frustrierender als gedacht, und ihr wisst ja, mit wie viel Frust wir alle jederzeit rechnen. Wir haben uns eine Menge Abfuhren und Wurschtigkeit und unverbindliches Gelaber angehört. Trotzdem hatten wir am Ende zwei Eisen im Feuer, aber aus beiden wollte nicht so richtig was werden. Bei einem Eisen im Feuer kam die endgültige Absage erst im Januar, die zauberhaft nette Lektorin musste uns schreiben, dass ihr Verlagschef mit der Begründung dagegen war, bei anderen Babybüchern käme immerhin am Ende ein Baby raus, während bei uns... der Verlag würde doch Wert darauf legen, grundsätzlich positiv zu bleiben. Da habe ich mir fest vorgenommen, dass mein Kind eines Tages mal ohne die fröhlichen pinken Glitzerpublikationen dieses Verlags aufwachsen wird. Und dann hatte ich irgendwann wieder Post, diesmal von einer Lektorin, deren Verlagschef schon mal davon gehört hat, dass das Leben nicht immer nur pink und glitzernd ist, und jetzt wird es tatsächlich passieren: wir machen ein Buch aus diesem Dings hier. Nach fast einem Jahr weiß ich zwar immer noch nicht, ob es "das Blog" oder "der Blog" heißt, aber ich weiß, dass man es/ihn demnächst kaufen kann und dann auch am Strand, in der Badewanne, im Swinger-Club oder im ICE-Bordrestaurant lesen kann. Diesen Herbst ist es so weit.

Die Kehrseite dieser funkelnden Medaille ist, dass demnächst mein kuscheliges Inkognito flöten geht. Aber dafür war es wohl sowieso irgendwann mal Zeit. Ich bereite also gerade mich, meine Eltern und meine Ex-oder-vielleicht-demnächst-Kollegen vorsichtig auf mein Coming-Out vor.

Vor ein paar Tagen haben wir den Vertrag unterschrieben. Wenn das kein Happy End ist? Ich wollte ein Baby, und jetzt bekomme ich eins. Viel pinker und glitzernder kann es doch kaum werden. Im Moment scheißt das Baby täglich die Windeln voll und bringt mich um den Schlaf, denn die Deadline rückt näher und näher. Aber Babys machen trotzdem so viel Freude! Und ich bin ziemlich glücklich.

Donnerstag, 22. April 2010

Hellgelber Donnerstag

Aus zuverlässiger Quelle erfahre ich, dass es sich auch heute nicht lohnt, auf Nachricht vom Geheimprojekt zu warten. Ich fühle mich langsam vor euch wie so eine arme Seele, die seit 40 Jahren jeden Tag mit Blumen im Haar zum Hafen geht, um ihren Geliebten dort zu empfangen, der nur ne Runde durch die Nordsee drehen wollte. Eieieiei! Aber glaubt mir, das hier ist anders, ich hab WIRKLICH was Tolles zu berichten, ihr müsst nicht mitleidig die Augen rollen, bald, ganz bald kann ich endlich rausplatzen damit!

Bei L. und mir wird es nun langsam Ernst mit dem Umzug. Das heißt, nicht mit dem Umzug selbst, aber wir haben inzwischen damit aufgehört, vor Freude auf und ab zu hüpfen, und müssen nun wirklich arbeiten und Sachen organisieren, damit das alles klappt. Unter anderem haben wir letzte Woche erfahren, dass es zwar keine große Sache ist, das Wasser in Bad und Küche an die Heizung anzuschließen, so dass die miesen Boiler verschwinden können. Das ist schön. Weniger schön ist, dass wir auch erfahren haben, dass wir in der ganzen Hütte die Elektrik komplett austauschen müssen. Jede Steckdose, jeder Schalter und vor allem jede Leitung muss raus. Und die komische beigefarbene Pappe, die in meinem zukünftigen Arbeitszimmer zwischen dem miesen Linoleum und den hübschen Dielen liegt, ist Asbest. Wir gruseln uns ein bisschen. Aber selbst mit diesem Berg an Arbeit und Rechnungen vor der Nase fällt uns inzwischen auf, dass wir nicht mehr lange mitten in einem Viertel wohnen werden, das aus allen Nähten platzt vor Cafés, Bars, Kinos, kleinen niedlichen Läden und Restaurants. Das müssen wir ausnutzen, so lange wir noch hier sind. Darum waren wir gestern nach dem Spiel noch auf einen Zwutsch. Und wieder mal dachte ich: ächz, Studenten können eine Pest sein. (Nicht ohne Grund hatte ich in meiner Unistadt die Bar als Stammbar ausgesucht, in der niemals Studenten waren, und wenn doch, welche, denen man es nicht angemerkt hat.) Und ich dachte außerdem, es ist eine ziemliche Ungerechtigkeit, dass hübsche Mädchen mit so ziemlich jedem Mist durchkommen. Am Nachbartisch saß ein erstes Date, und aus ihrem niedlichen Gesicht kam so ein Unfug gequollen, es war im Kopp nicht auszuhalten! Irgendwas darüber, dass "die Evolutionstheorie ja wohl schon deshalb Unrecht hätte, weil wir ja nicht alle ständig nur an Sex denken würden, also ich meine, ich zum Beispiel hab echt eine andere Agenda, z.B. sind mir Familienwerte echt wichtig, also klar, Sex auch, aber eben auch noch Freunde und mal nen guten Film und so, und also weißt du, schon allein deshalb hab ich mir gesagt: die Evolutionstheorie, ey, eher nee." Und so ging das endlos weiter, und mit der Zeit (und dem Pegel in ihrem Cocktailglas) fiel das Wort "Sex" plötzlich immer häufiger, natürlich immer in irgend einem Referatsgeplapper-Zusammenhang, und er sagte irgendwann gar nichts mehr, und da dachte ich: das war früher auch schon so, dass Studentinnen, wenn sie die Jungs rumkriegen wollten, ihnen eine Frikadelle über irgendwelche Sextheorien ans Ohr gequatscht haben. Hat das früher funktioniert? Wenn die Mädchen hübsch waren, ja. Aber in diesem Fall hätten sie sich auch über Schweinebraten oder Bud Spencer ausbreiten können.

So war das, als L. und ich gestern noch auf einen Zwutsch waren. Das wollen wir jetzt wieder öfter machen. Und wir können jetzt schon fest versprechen: wenn in unserem gottverlassenen Demnächst-Viertel irgendwann mal eine Bar eröffnen sollte, stehen wir als erste auf der Matte.

Die Post-Überschrift übrigens deshalb, weil heute Abend die Mädchen rumkommen, und Mädchen bedeuten jedenfalls nicht Kamillentee. Die weiße Woche macht also heute Pause.

Mittwoch, 21. April 2010

Keine Post.

Also auch keine Geheimpost. Vervollständigen Sie bitte den folgenden Satz: "Seit Stunden lief die junge Frau in ihrer Wohnung auf und ab wie ein Tiger im Käfig. Die Nerven waren zum Zerreißen ..... ".

Es ist ja nicht so, dass für uns Abkürzungsdamen Warten etwas völlig Neues wäre, etwas, womit man so gar nicht umgehen kann. Aber um zu erfahren, ob das mit dem Würmchen diesmal klappt oder nicht, muss ich wenigstens nicht fünfmal an jedem Vormittag die Treppen zum Briefkasten runterflitzen (und wieder hoch.)

Wie lange noch wie lange noch wie lange noch wie lange noch wie lange noch?

Weißer Mittwoch

Es gibt Zeiten, da habe ich fürchterliche Sehnsucht nach Ordnung und Sauberkeit. Nicht Sauberkeit im Sinne von "dieser superaggressive Reinigungsschaum PACKT den Schmutz RESTLOS, und wir scheißen drauf, dass er die Umwelt zerstört", auch nicht Sauberkeit im Sinne von "Einfach mal stundenlang mit Gummihandschuhen die Küchenschränke schrubben, herrlich". Leider. Meine Sehnsucht bezieht sich auf die Zeit danach, wenn alles schon sauber ist und ich mit einer Tasse organischem grünen Tee in der Hand auf weißen Baumwollsocken (wenn ich welche hätte, siehe diverse Rückübertragungsberichte) über den glatten, nach Bienenwachs duftenden Boden laufen kann. Und dann soll alles so bleiben. Ich würde mir fest vornehmen, in Zukunft Geschirr sofort abzuwaschen, einmal täglich zu saugen und meine Freizeit damit zu verbringen, nicht mit einem Glas Wein auf dem Sofa zu liegen oder zu posten oder irgendwelche blöden Magazine zu lesen, sondern die Fenster zu putzen oder mit einem Bündel Ohrenstäbchen an die Reinigung der Lichtschalter zu gehen.

In diesem Leben hätte ich selbstverständlich immer genug Klopapier im Haus. Mein Kühlschrank wäre nie leer und würde nie überquellen, sondern ich hätte eine Routine entwickelt, in der ich aus vielleicht fünfzehn Zutaten so ziemlich alles kochen könnte, was ich wollte. Eier, Mehl, Butter, Zwiebeln, Tomaten, Erbsen, Speck, solche Zutaten. Ich würde keinen zwei Monate alten Parmesanrest und keine braunen Bananen in meiner Küche finden, und wenn doch, dann würde ich den alten Parmesan wie eine italienische Mama einfrieren, um ihn in die nächste Minestrone zu werfen, und aus den Bananen würde ich ruckzuck Muffins backen. Wenn Gäste kämen, müsste ich vorher nicht einen Tag lang schweißgebadet das Haus auf Hochglanz oder wenigstens den Anschein von Hochglanz bringen. Stattdessen würde ich an die Kommode mit der säuberlich gefalteten Gästebettwäsche gehen, das Bett beziehen, im Gästebad (HA!) nachsehen, ob denn noch alle Gästepflegeprodukte in ausreichender Menge da sind, und dann vielleicht noch ein pfeifendes Ründchen durch den Garten drehen, auf der Suche nach einem hübschen Zweig oder Blümchen, den ich ihnen auf den Nachttisch stellen kann. Ich würde nicht jede neue Sorte organischen Wein bei Budni einmal kaufen, um dann wieder festzustellen, dass er fürchterlich schmeckt, sondern wir hätten einen Alltagsrot- und einen Alltagsweißwein, der im Keller in einem ordentlichen Weinregal liegen würde, und außerdem zwei Sorten für Gut. Na gut, vielleicht für Flörchens Frühlingsstimmung noch einen Rosé. Und diese gut ausgewählten Vorräte würden nicht innerhalb von drei Wochen durch unsere Köppe und ins Altglas wandern, sondern würden da liegen und liegen und wären einfach erst mal da. Ordnung und Konzentration. Das wären die Zauberworte. Ich hätte auch keine Kleidungs-Altlasten mehr, die mir die Schränke verstopfen würden. Hätte ich ein Teil ein Jahr lang nicht mehr getragen, dann weg damit! Egal, ob es mein Hochzeitskleid von der Standesamtlichen wäre oder dieses geile Kunstleder-Brokat-Glitzerdings von dem totgeborenen Designerlabel. Ich hätte Schubladen und Kisten, in denen alles seinen Platz hat, und wenn doch mal was rumliegen würde (Gott behüte), dann könnte ich wie im Schlaf alles an genau den richtigen Platz räumen, einen Platz, wo sich keine Kabel ineinander verheddern, nichts verloren geht und hüllenlose CDs ein Skandal sind.

Und dann, erst wenn das alles genau so wäre, dann würde ich mich aufs Sofa hauen mit einem Glas Wein.

(Nein, hier spricht nicht die Verzweiflung aus mir. Ich habe mich tatsächlich dran gehalten: seit Samstag Nacht kein Alkohol und jeden Tag stundenlange, konzentrierte Schufterei. Ich bin ein bisschen stolz. Und da geht gerne mal was mit mir durch.)

Dienstag, 20. April 2010

Späte Rache

Als ich klein war, habe ich manchmal in den Ferien eine Woche bei meiner Lieblingscousine verbracht. Die war meine beste Freundin, und dort war alles toll. Alles! Wie gemütlich sie eingerichtet waren, wie viele nette kleine Rituale es bei ihnen gab, das Essen schmeckte besser, in der Stadt war es viel schöner als bei uns (bei mir hat die Landflucht schon ziemlich früh eingesetzt), überhaupt, so musste das Leben sein. Wenn ich dann wieder nach Hause kam, war ich mucksch und meine Mutter sauer. Ein bisschen zu Recht, denn ich war ziemlich ungerecht. Zum Beispiel verschwendete ich keinen Gedanken daran, dass es bei uns zuhause vielleicht auch deshalb nicht ganz so adrett und niedlich war, weil ich das unordentlichste Kind der Welt war. Oder daran, dass meinen Cousinen angesichts von mehreren Quadratmeter großen Playmobilanlagen im Wohnzimmer ein anderer Wind ins Gesicht wehte. Das war mir alles egal, ich verrammelte mich in meinem Zimmer und schmollte, und meine Mutter schwankte zwischen Zorn und Traurigkeit.

Der Hund war drei Tage lang im Hundelandschulheim bei meiner Schwiegermutter, und jetzt haben wir den Salat. Sie schmollt. Sie HASST es hier. Sie hasst, dass wir in einer Etagenwohnung leben ("aber doch nicht mehr für lange, Schatz!" höre ich mich flehen.), sie ist enttäuscht, wenn sie morgens aufwacht und nur unsere Gesichter sieht statt das ihrer lieben Oma, sie findet ihre Hundewiese doof und will lieber wieder den Karnickelwald in der Heide. Und wir leiden.

Außerdem war der Briefträger schon da. Wieder keine Geheimpost. Nicht nur, dass ich vor Mitteilungsbedürfnis nur so platze, sondern das ganze Projekt ist auch mit einigem Stress verbunden, und je mehr Zeit vergeht bis es endlich richtig losgeht, desto doller der Stress. Ein knappes Höschen wird gerade noch ein bisschen knapper.

Montag, 19. April 2010

Weißer Montag

Wenn diese Woche eine Farbe hätte, wäre sie weiß. Ich werde diese Woche alles richtig machen, sie wird frisch und sauber werden wie ein mit geerbtem Leinen bezogenes Bett. Kein Alkohol für Flora diese Woche! Und wenn doch, dann nur ein Gläschen gesitteter Wein! Gesundes, gutes Essen, Ordnung, Konzentration. Konzentration ist gut, denn ich werde ordentlich zu tun haben. Der Auftrag kommt jetzt endlich richtig in Gang, nachdem der Auftraggeber das gut so findet, was ich gemacht habe. Das heißt, ich habe jetzt noch insgesamt acht Arbeitstage plus Wochenende Zeit, alles hinzukriegen, womit ich in den letzten zweieinhalb Wochen noch nicht so richtig loslegen konnte. Und das werde ich tun, von morgens bis abends, unterbrochen nur von einem kleinen Schlenker durchs Viertel, um was zu Essen zu organisieren. Ich werde meinen Rechner nur verlassen, um die Post aus dem Kasten und die Wäsche von der Leine zu nehmen, ab und zu den niedlichen neuen Glaskrug mit Zitronenscheiben und Wasser zu füllen, und um mir hin und wieder ein Möhrchen zu schälen. (Hat hier eine Erfahrung damit, ob geschälte Möhrchen an den Händen dazu führen, dass die hübsche weiße Mac-Tastatur sich orange verfärbt?) Und Abends gehe ich dann zum Sport. Ihr seht, mein Leben in den nächsten Tagen wird so verrucht laufen, als wäre ich amerikanische Senatorengattin kurz vor der Wahl.

Ganz anders dagegen gestaltete sich das Wochenende mit dem Mädchen aus Berlin und Hamburg. Auch, wenn leider ein Mädchen fehlte, war das rundum fein und großartig, und wir haben uns alle so verausgabt, so wenig geschlafen und so viel fettigen Kram in uns reingestopft, dass ich gestern ab und zu das Gefühl hatte, gleich kriege ich einen Schlaganfall. Wir waren tanzen (mit einer unheimlichen Begegnung aus meiner Vergangenheit, zum Glück nicht aus meinem Liebesleben vor L., drei Kreuze) bis die Füße glühten, wir haben Geburtstag gefeiert, wir waren bummeln, die Mädchen haben endlich das Haus zu sehen gekriegt und sind begeistert. Sie finden, wir beide passen perfekt da rein, sie belegen jetzt schon den Dachboden als Gästezimmer mit Beschlag und sie können es kaum abwarten, bis wir endlich da wohnen und sie alle zu Besuch kommen. Und erst, als sie das gesagt haben, habe ich gemerkt, wie wichtig mir das war, dass es ihnen auch gefällt. Jetzt sind sie wieder weg, jedenfalls die Berlinerinnen, aber sie kommen wieder, irgendwann vielleicht sogar wieder richtig und ganz und für immer. Das wäre schön.

(Und fragt mich bloß nicht nach dem Geheimprojekt. Ich gehe täglich zum Briefkasten, und je nachdem, wann ich eine bestimmte Sache darin finde, kann ich euch auch mehr erzählen. Aber bis dahin eben noch nicht. So. Die Post kommt um zwei.)

Samstag, 17. April 2010

Das beste neue Mäppchen, das ich jemals hatte

Als kleines Mädchen gab es für mich kaum etwas Besseres als einen neuen Stift. Schultage, an denen ich einen neuen Tintenkiller im Mäppchen hatte, einen, bei dem die Löschseite noch ganz weiß war, hatten ein besonderes Aroma. Irgendwie fühlte ich mich größer und gleichzeitig leichter, wenn ich an so einem Tag mit meinem tonnenschweren Scout loswackelte. Das Hochgefühl, gleich ein ganz neues Mäppchen zu haben, durfte ich in der Grundschulzeit zwei mal erleben. Großartig, wenn der Radiergummi noch ganz scharfe Kanten hatte und im Spitzer noch keine Buntstiftmiene klemmte! Einen NEUEN FÜLLER gab es leider erst in der sechsten Klasse. Da habe ich die Schule schon so gehasst, dass mich auf dem Schulweg wenig aufheitern konnte. Aber ein neuer Füller war eine Ausnahme. Mit dem machten sogar Englischarbeiten eine Weile lang Spaß.

Diesen Post schreibe ich zum ersten Mal von meinem eigenen, neuen und noch schneeweißen iPhone. Hier liegt eine im Mädchencamp, hat gerade gelernt, wie man den Tastenklang ausschaltet, damit das andere Mädchen neben ihr nicht aufwacht, und ist sehr glücklich.