Als ich angefangen habe, diesen Blog zu schreiben, hab ich das... jaja, jetzt kommt das, was alle Blogger sagen: ich hab's für mich getan. Und das stimmt auch. Denn erstens schreibe ich gerne, zweitens habe ich ein ziemliches Mitteilungsbedürfnis in den meisten Lebensbereichen, das auch vor dem Kinderwunsch nicht halt macht, aber drittens - und das ist fast das Wichtigste - merkt man während einer Kinderwunschbehandlung schnell, wie frustrierend es ist, dass man im Grunde so wenig tun kann. Man kann brav die Medikamente genau wie angeordnet nehmen, man kann auf seine Ernährung achten (ähämm), man kann sich entspannen, man kann sich nicht zu viele Hoffnungen machen, aber ehrlich, die Wartezeiten sind so lang, und sie kommen, wie sich zeigt, immer wieder, und ich hatte von Anfang an das Gefühl, der Blog war das bisschen mehr, das ich getan habe. Er hat bestimmt nichts dazu beigetragen, die Erfolgswahrscheinlichkeit hochzuschrauben (da hat er vielleicht mehr gemein mit "wenig Kaffee trinken" und "hochwertige Proteine", als uns allen lieb ist), und manchmal hatte ich auch über Sachen zu schreiben, bei denen das Schreiben mir nicht ganz so viel Spaß gemacht hat. Aber der Blog hat mir trotzdem geholfen, diese lange, lange Zeit zu strukturieren und Bodenkontakt zu halten. L. war sich da manchmal nicht ganz so sicher, aber ich mir schon: der Blog war gut für mich und ist es immer noch. Aber erst, als es passiert ist, wurde mir klar, dass ich wohl doch ein bisschen gehofft habe, dass eines Tages mehr daraus wird. Letzten Sommer hatte ich irgendwann Post von einer anderen Abkürzungsfrau, diesmal einer vom Fach: eine IUIende Medizinerin hat mir geschrieben, dass sie gerne ein Buch mit mir zusammen machen würde. Mein Blog und ihr Fachwissen zusammen, eine Mischung aus Erfahrungsbericht, Spaß (ja, den kann man während all des zähen Spritzens, Testens und Wartens nämlich auch haben) und einer dicken Portion Informationen, die wirklich weiterhelfen und nicht nur kirre und unbehaglich machen. Ich hatte schon nach den ersten vorsichtigen Kontakten den leisen Verdacht, ich hätte klammheimlich eine gespaltene Persönlichkeit entwickelt, deren eine Hälfte so tut, als würde sie in Düsseldorf leben, so gern hatten wir uns auf Anhieb und so viel hatten wir gemeinsam. Wir haben stundenlang telefoniert und gemailt, und dann haben wir zusammen ein Buchkonzept geschrieben und sind im Herbst auf die Buchmesse nach Frankfurt gefahren, um unseren Buchembryo an den Mann zu bringen. Das war schwerer und frustrierender als gedacht, und ihr wisst ja, mit wie viel Frust wir alle jederzeit rechnen. Wir haben uns eine Menge Abfuhren und Wurschtigkeit und unverbindliches Gelaber angehört. Trotzdem hatten wir am Ende zwei Eisen im Feuer, aber aus beiden wollte nicht so richtig was werden. Bei einem Eisen im Feuer kam die endgültige Absage erst im Januar, die zauberhaft nette Lektorin musste uns schreiben, dass ihr Verlagschef mit der Begründung dagegen war, bei anderen Babybüchern käme immerhin am Ende ein Baby raus, während bei uns... der Verlag würde doch Wert darauf legen, grundsätzlich positiv zu bleiben. Da habe ich mir fest vorgenommen, dass mein Kind eines Tages mal ohne die fröhlichen pinken Glitzerpublikationen dieses Verlags aufwachsen wird. Und dann hatte ich irgendwann wieder Post, diesmal von einer Lektorin, deren Verlagschef schon mal davon gehört hat, dass das Leben nicht immer nur pink und glitzernd ist, und jetzt wird es tatsächlich passieren: wir machen ein Buch aus diesem Dings hier. Nach fast einem Jahr weiß ich zwar immer noch nicht, ob es "das Blog" oder "der Blog" heißt, aber ich weiß, dass man es/ihn demnächst kaufen kann und dann auch am Strand, in der Badewanne, im Swinger-Club oder im ICE-Bordrestaurant lesen kann. Diesen Herbst ist es so weit.
Die Kehrseite dieser funkelnden Medaille ist, dass demnächst mein kuscheliges Inkognito flöten geht. Aber dafür war es wohl sowieso irgendwann mal Zeit. Ich bereite also gerade mich, meine Eltern und meine Ex-oder-vielleicht-demnächst-Kollegen vorsichtig auf mein Coming-Out vor.
Vor ein paar Tagen haben wir den Vertrag unterschrieben. Wenn das kein Happy End ist? Ich wollte ein Baby, und jetzt bekomme ich eins. Viel pinker und glitzernder kann es doch kaum werden. Im Moment scheißt das Baby täglich die Windeln voll und bringt mich um den Schlaf, denn die Deadline rückt näher und näher. Aber Babys machen trotzdem so viel Freude! Und ich bin ziemlich glücklich.