Donnerstag, 31. März 2011

Vielleicht ja irgendwann mal bei der achten IVF.

Einige Aufregungen legen sich ziemlich schnell. Die Spritzen z.B. waren nur bei der ersten IVF wirklich gruselig. Bei der ersten Spritze der IVFs danach ist noch so ein kleines bisschen Pischi im Blut, aber das war es dann auch. Nicht, dass es hier darum ginge, irgend etwas zu beweisen! Sieht ja niemand, ob ich in meinem Badezimmer die Wände hochgehe oder pfeifend tue, was zu tun ist. Es ist nur einfach nicht mehr so spannend alles mit den Nadeln, den Ampullen und den Einheiten.
Um das Geld heule ich auch nicht mehr. Ich weiß, was auf mich zukommt, und rechne das kaum noch in Urlaube, Schuhe oder lustige Abende in Lieblingsrestaurants um. Kinder sind teuer, und meine fangen eben schon ein bisschen früher damit an, Geld zu kosten.
Aber der Bammel vor der Punktion und vor der Rückübertragung, der hört vermutlich so schnell noch nicht auf. Ich war extrem nervös, und die Menogon-Schlaflosigkeit, die seit letztem Donnerstag dazukam, machte es auch nicht leichter, trotzdem auf meine vier-fünf Stunden Schlaf zu kommen. Habe ich mir die Auslösespritze wirklich um die richtige Zeit gegeben? Was, wenn ich mich verguckt hatte mit der Dusselszeitumstellung? Können die denn überhaupt schon was sein, die Biester, nach fünf Tagen Stimulation? Was, wenn die zwar viele sind, aber zum Babysmachen ungefähr so nützlich wie die gleiche Menge Styroporkügelchen? Was, wenn es blutet und nicht mehr aufhört? Was, wenn ich zwar am Punktionstag mit einer Riesenernte vom Stuhl steige, aber ein paar Tage später klar war, das war alles gar nichts? Was, wenn ich das alles nur geträumt habe? Was, wenn bei L. inzwischen was schiefgegangen ist?
(Und falls hier eine sitzt und das liest, die das zum ersten Mal macht: Nein, "ruhig, ruhig, wird schon, wird schon" zu sich selbst zu sagen hat keinen Zweck. Aber auch gar keinen. Was einen Zweck hat, ist, sich in eine Fülle Nicht-IVF-bezogener Aktivitäten zu stürzen. Das hilft. Alles andere nicht.)
Einige der Sorgen sind jetzt erst mal ausgestanden. Wir haben den Eisprung genau so erwischt, wie es sein sollte. 17 Zellen sind dabei rausgekommen, und bei L. war alles sowas von in Ordnung. Wie viele davon die erste Nacht außer Haus überstehen, erfahre ich morgen um viertel nach neun. Ich bin jetzt schon unendlich dankbar, dass ich ein paar Klippen umschifft habe, dass ich zwar wieder unter Narkose geredet habe, aber nichts, was allzu peinlich ist (lustig an einem Klinikwechsel ist, dass man mal wieder einem neuen Anästhesisten einen Schrecken einjagen kann, meine alten kennen das alle schon) und dass wir wieder einen Schritt weiter sind. Und noch dankbarer bin ich, wenn Montag noch die eine oder andere Maus übrig ist.

17 Eizellen.

jetzt schlaaaafen...

Mittwoch, 30. März 2011

Der Blog vom Blob

Gestern zur Geisterstunde gab es wie befohlen eine Brevactid in den Bauch. (Langweile ich euch eigentlich, wenn ich nun schon wieder erzähle, dass das nicht schlimm war? Pulverspritzen anmischen kann ich ja inzwischen, die Spritze hat weder gebrannt noch wurde die Stelle dick und rot, wie das Internet vorher gemunkelt hat.) Jetzt spukt der kommende Eisprung durch meinen Blubberbauch. Es ist wie Fasten, nur rückwärts: jede Stunde wächst mein Umfang weiter an. Ich bin der Blob, dieses eklige, immer mehr aufquellende, alles verschlingende Monster, das sich durch die Stadt wälzt, während kreischende Menschen das Weite suchen und der Polizeichef seinen Männern Mut zuspricht! Um Schlimmeres zu verhindern, hat der Blob sich ein Haargummi um den Jeansknopf gewickelt und so für ein bisschen Spiel im Bund gesorgt. Damit müsste ich über die nächsten zwei-drei Stunden kommen. Was danach passiert, keine Ahnung. Mit offener Hose arbeiten? Vermutlich. Zum Glück ist heute wenigstens kein Gehaltsgespräch angesetzt.
Merkt das eigentlich keiner hier, dass mein Bauch sich langsam über die Tischkante schiebt und die Sonne verdunkelt?
Nö. Und wenn, dann halten sie alle schön den Rand.

Dienstag, 29. März 2011

Wir sitzen im Space Shuttle, sind angeschnallt, der Countdown läuft, und Flora fragt sich, ob sie das Bügeleisen ausgemacht hat

Übermorgen werden die Eier aus mir befreit und am Montag befruchtet zurückgesetzt, ab dann ist das Ganze mir aus den Händen genommen - bis auf die ganz offensichtlichen Grundregeln wie kein Alkohol, kein rohes Fleisch und kein roher Fisch usw., das ganze langweilige Zeug, kann ich dann nicht mehr viel tun, damit es klappt oder nicht klappt. Genau genommen kann ich schon ab heute Nacht nicht mehr viel tun. Um Mitternacht setze ich mir die Eisprungspritze, stimuliert, geschnupft oder geschmiert wird nicht mehr, von hier ab im Blindflug. Und ich frage mich gerade, wie viel von allem bis hierher wohl auch schon Blindflug war?

Nehmt z.B. den Chinamann. Ich mag den Chinamann, außerdem sind Besuche bei ihm immer ein willkommener Vorwand, ein-zwei Stündchen in meinem alten und immer noch heißgeliebten Viertel zu verbummeln. Er kostet zwar Geld, aber nicht so viel, wie ich mal irgendwann befürchtet hatte, und schaden wird er mir vermutlich auch nicht mit seinen Nadeln und Kugeln. Vielleicht ja aber doch? Zwar nicht meiner sowieso schon nicht allzu sensationellen Gesundheit oder meinen auch nicht allzu sensationellen Erfolgschancen, aber meiner Moral? Immerhin war ich mal der festen Meinung, dass das alles esoterisches Gewäsch ist, auf das vor allem Frauen gerne mal reinfallen, wenn sie ansonsten den Mut warum auch immer verloren haben. Und jetzt sabotiere ich mich selbst, indem ich zu dem Onkel marschiere, der mit seiner Behandlung laut Pathologie-Brief nicht verhindern konnte, dass die Endometriose und die Myome fröhlich weitermachen mit dem Quatsch. Wenn ich ehrlich bin, gehe ich zum Teil aus Gutmütigkeit hin, zum Teil, weil ich so gerne alles machen will, was Frau Doktor sagt, und zu einem kleinen Teil aus Neugier - vielleicht ist sogar noch ein Teilchen dabei, das Spaß daran hat, mal etwas anders zu machen als höchstselbst beschlossen und mir und meinen Weisheiten eins auszuwischen. Nichts davon, außer vielleicht die Sache mit Frau Doktor, hat irgend etwas mit Gesundheit zu tun, das sind doch alles Schrullen!

Oder die Klinik. Ich war begeistert, aber die letzten Tage haben mich ein bisschen verunsichert: warum kein Ultraschall nach OP und vor erster Spritze? In den letzten Jahren haben sich meine Myome, Zysten und Endometriose vermehrt wie die Meerschweinchen, wer sagt, dass da nicht wieder irgendwas unterwegs war? Und heute der Anpfiff wegen etwas, wofür ich nichts konnte - ich gehöre zu den Leuten, die sich grundsätzlich erst mal schuldig fühlen, wenn sie jemand anpfeift, aber heute konnte ich mir ganz sicher sein, nichts blödes oder raffgieriges getan zu haben. Oder die Sache mit den Terminverschiebungen nach vorne und hinten und hin und her - eigentlich nichts Neues, und zum Teil bin ich mit meiner Dusselsfasterei selbst dran Schuld. Aber ich hätte die fünf Tage auch einfach abgeschrieben, wenn die Klinik die IVF für vorrangig erklärt hätte. Ich bin immer noch mit großer Entschlusskraft begeistert, aber trotzdem: das ist der dritte Versuch, die Krankenkasse* hat nur noch diesen einen genehmigt, und klar würde ich weitere bezahlen, aber L. muss auch erst mal überzeugt werden, und ich habe das dumpfe Gefühl, sein Feuer in dieser Sache verglimmt allmählich ein bisschen. Das hier sollte besser klappen. Vielleicht ja deshalb Chinamann, Osteopathin und sogar Verzicht auf Kaffee und Tee seit der Fastenwoche. Ich wollte nie eine von denen sein, von den perfekten, die Bücher aus dem GU-Verlag verschlingen und sogar beherzigen und in einer Wolke aus Tugend und Richtigmachen durch ihre fade Welt schweben. Schadet mir "eine von denen sein" am Ende mehr, als noch ein Jahr länger auf ein Baby zu warten?

Ach je. Ich würde so gerne alles richtig machen, und gleichzeitig weiß ich genau, dass der Zwang, alles richtig zu machen, jetzt nicht gut für mich ist und ich mich nach Kräften dagegen wehren sollte. Verflixt und zugespritzt.

Kleine Maus, deine Mutter ist eine nervöse Person, das kann ich dir heute schon sagen. Und deine Mutter hat in letzter Zeit immer wieder einen Traum: die Familie von Josephine Baker. Arme Kinder aus allen Ländern der Welt. Und Mutti tanzt im Bananenröckchen, obwohl ihr Gelb laut entsprechendem GU-Ratgeber nicht steht.

* eigentlich hatte ich schon ein paarmal gehört, dass die Krankenkasse einen Versuch mit Herzschlag auf dem Ultraschall nicht "wertet" - das heißt, ich müsste noch einen Versuch nach diesem frei haben nach meiner Fehlgeburt in der zwölften Woche. Aber wer weiß das schon? Ich jedenfalls nicht. Es ist zum Durchdrehen: wenn ich mich informiere, macht mich das wahnsinnig nervös, und ich habe sofort das Gefühl, unter Leute geraten zu sein, die mir immer nur die Hälfte sagen, und das will ich nicht, weil ich weiß, dass das nicht stimmt. Und wenn ich mich nicht informiere, ist das nur so lange wunderbar, wie alles auch ohne meine geistige Beteiligung klappt. Harrrrgh.

Keine Rose ohne Marienkäfer

Zurück von der Ärztin.
Der unerfreuliche Teil: ich stehe in meiner Mittagspause vor dem Tresen der Klinik, und die Sprechstundenhilfe teilt mir mit, dass es evtl. noch etwas dauern könnte.
Ich: aha. Wie lange denn so in etwa? Eine Viertelstunde? Eine halbe?
Hilfe: das kann ich nicht sagen, sie ist außer Haus. Sonst können Sie Ihren Ultraschall auch gerne bei einem der Kollegen machen lassen?
Ich: das wäre dann vielleicht besser, ich muss zurück an die Arbeit.

Kaum habe ich mit dem Hintern die Wartezimmersitzfläche berührt und die Klatschzeitschrift entfaltet, kommt Frau Doktor im Eilschritt um die Ecke und nimmt mich mit ins Zimmer. Ich bin begeistert, sie ist hektisch und fängt sogar an, ein bisschen zu schimpfen: ich sollte meine Termine in Zukunft doch bitte nicht ganz so knapp planen, denn ein paar Minuten länger kann es immer dauern, und sooo eilig kann es doch kein Mensch haben?
Ich verteidige mich noch und sage, ich wusste ja nicht, dass es nur ein paar Minuten sind – sie schimpft weiter, sie hätte das den Sprechstundenhilfen genau so gesagt und die hätten das auch mit Sicherheit so weitergegeben.

Nanu, ich habe doch wirklich nicht am Tresen gestanden und geschimpft, dass ich jetzt SOFORT und UNVERZÜGLICH Frau Doktor sprechen will?! Eieieiei. Zum Glück ist sie sogar im Zorn ganz reizend, die Ärztin.

So viel zum (mäßig) unerfreulichen Teil.

Der erfreuliche: meine Eierstöcke brüten wie bekloppt, zumindest der eine. Darum ist übermorgen die Punktion, und stimuliert wird nicht mehr, ich muss mir nur heute um Mitternacht die Auslösespritze geben. Das heißt, nach nur fünf Tagen Stimulation geht es los. Und sie ist sich sicher, dass sie allein aus meinem fleißigen Eierstock bestimmt 20 Eizellen holen kann und dass das eine großartige Sache ist nach monatelanger Downregulation, mehreren OPs und schlimmer Endometriose.
Ich fühle mich inwändig wie eine Rumbarassel. Eieieieiei!

Montag, 28. März 2011

Schöne Aussichten

Eins der besten Dinge an meinem neuen Agenturarrangement ist, dass für mich jetzt jede Woche Pfingsten sein kann. Ich gehe von Montag bis Mittwoch in die Agentur, Dienstag mittag ist also eigentlich schon Halbzeit, und wenn bei meinen anderen Aufträgen Ruhe im Karton ist, dann könnte ich mich Mittwoch Abend in die Bahn oder in ein Flugzeug setzen und zusammen mit L. zum Beispiel in ein Glückswochenende in Paris aufbrechen. Oder den Hund an die Leine nehmen und vier Tage durch die Heide wandern. Ich könnte! Meistens mache ich es aber nicht. Zum Beispiel, weil L. im Moment noch fast jedes Wochenende auf irgend einem Turnier spielt. Oder weil das Wetter die letzten Monate so war, dass der schönste Platz der Welt zuhause am Herd war, mit einem Kochlöffel in der Hand und einem Topf Gulasch vor mir. Oder vielleicht habe ich mich auch noch nicht so richtig an meine neue Freiheit gewöhnt. Aber in den letzten Wochen hat sich was geändert. Anfang Februar waren L. und ich für vier Tage in Berlin, Anfang März im Schweinebratenparadies Bamberg, dieses Wochenende waren die Mädchen zu Besuch und nächstes Wochenende wandere ich mit Geschwistern und Cousinchen durch das Sauerland.
Und es war herrlich mit den Mädchen. Ich hatte die Bude tippitoppi aufgeräumt und geputzt, mich in mein glänziges Kleid und die Neonstrumpfhose geschossen und hatte Lieblingsbesuch. Wer weiß, vielleicht war das jetzt für fast ein ganzes Jahr die letzte Chance auf einen bunten Abend mit bunten Getränken, und die haben wir ausgenutzt. Und jetzt, wo sie wieder weg sind, liege ich hier auf dem Sofa, fühle mich innerlich dicker werden vor lauter Eierbrüterei und denke plötzlich ganz gelassen: klar werde ich schwanger. Diesmal schon, oder? Und diesmal bleibe ich es auch. Und wenn wir im Sommer alle zusammen in unserer gemieteten Prachtfinca sitzen und die Füße in den Pool hängen, dann bin ich es immer noch. Das wird schön. Mit diesen Mädchen wird es auch schön bei Apfelschorle, so viel steht fest.

Fünf Tage Spritzen später...

fühlt sich der Bauch von Innen dick an. Lasst mich das erklären, wer noch nie eine IVF oder ICSI erlebt hat, der kann sich das vermutlich nicht vorstellen. Es ist nicht, dass die Hose nicht mehr passt, ich fühle mich auch nicht wie überfressen. Ich habe nur das deutliche Gefühl, da drinnen wird es eng. Davon abgesehen ist alles wie immer, genau wie immer. Keine Kopfschmerzen, keine schlechte Laune, keine Pickel, keine Zipperlein.
Morgen ist Ultraschall. Bin ich gespannt.

Freitag, 25. März 2011

IVF für Bastelfreunde

Diese IVF wird anders. Meine erste ohne dickes rundes Myom im Brennpunkt des Geschehens, meine erste in der neuen Klinik und meine erste, bei der richtig gebastelt werden muss. Synarela, Gonal, Ovitrelle und Crinone kannte ich. Enantone, Gonal und Menogon sind eine neue Mischung. Und hab ich mich vielleicht blamiert! Nachdem ich vorgestern den genehmigten Behandlungsplan von der Krankenkasse vergessen hatte, musste ich gestern extra in die Stadt fahren, um mir mein Rezept zu holen. (War nicht weiter schlimm, die Sonne schien, und ich fand die Aussicht gar nicht so schlecht, meine Hormontüte aus der Apotheke ein bisschen durch die Gegend zu schwingen, mir was Hübsches für meinen noch-Fastenkörper zu kaufen, das mir in zwei Wochen nicht mehr passt, und irgendwo noch etwas zu essen, damit das vielleicht sogar noch schneller geht.) Irgendwann um die Mittagszeit stand ich dann also vorm Tresen meiner Klinik, nahm Rezept und Spritzplan in Empfang und winkte souverän ab, als die Sprechstundenhilfe mir das noch schnell erklären wollte. "Kein Probleeeeeem, ist meine dritte IVF! Dieses Menogon ist dann so wie Ovitrelle, oder?" Beeindruckt nickte die Sprechstundenhilfe. Vor Lässigkeit zehn Zentimeter größer rauschte ich aus der Praxis in die Apotheke nebenan. Die Apothekerin brachte drei Pappschachteln: einmal Gonal, zweimal Menogon. "Wie viele Ampullen täglich müssen Sie sich spritzen?" Äh... Ampullen spritzen? "Lassen Sie doch mal den Plan sehen. Aha. Drei täglich." "Wieso täglich, ich dachte, das ist für den Eisprung? Am Ende?" "Nein, weiß jetzt auch nicht, hier steht: drei täglich."

Zwei Minuten nach meinem Abgang stand ich also wieder vor den Sprechstundenhilfen und musste kleinlaut zugeben, dass ich keine Ahnung habe, was ich machen soll mit meinen neuen Hormonschätzchen.
Die Lösung lautet: täglich 75 Einheiten Gonal (weniger als beim letzten Mal, scheinbar ist Frau Doktor nachhaltig beeindruckt von der dicken Eierproduktion selbst unter Enantone) und dazu Menogon.

Menogon geht so: man bekommt in der Pappschachtel Glasampullen und kleine Glasgefäße mit einem weißen Pulver drin. In den Ampullen ist ein Lösungsmittel. Die Hormonbasteltante muss beim Einlösen des Rezeptes unbedingt daran denken, sich Spritzen und zweierlei Nadeln mitgeben zu lassen: feine Nadeln für den Bauch und große Nadeln zum Basteln. Alkoholtupfer gibt es auch dazu.
Zuhause angekommen, legt die Basteltante erst mal den Nebenwirkungszettel beiseite, besieht sich ihren Einkauf noch mal genau und schüttelt den Kopf. Dann nimmt sie eine Einwegspritze aus ihrer Hülle und setzt eine der großen Bastelnadeln auf. Sie nimmt eine Glasampulle, wickelt den dünnen Hals der Ampulle in ein Stück Klopapier oder ähnliches und bricht ihn ab. (Das Papier verhindert, dass wir uns schneiden oder kleine Splitterchen auf dem Badezimmerfußboden landen und später in unseren zarten Fußsohlen stecken, als hätten wir nicht schon genug Ärger am Hals.) Sie steckt die Nadel in die Ampulle, saugt die Flüssigkeit möglichst komplett in die Spritze und nimmt die befohlene Anzahl kleiner Glasgefäße mit weißem Pulver zur Hand. Die haben oben so ein kleines blaues Deckelchen, das muss ab. Darunter kommt eine weiche Gummihaut zum Vorschein. Durch Gummihaut Nr. 1 stecken wir jetzt die Bastelnadel und spritzen die Flüssigkeit in die Flasche. Mit Nadel in der Flasche, schütteln wir das ganze ein paar mal hin und her, und schon hat sich das Pulver in der Flüssigkeit aufgelöst. Die Flüssigkeit saugen wir zurück in die Spritze, was nicht einfach, aber zu schaffen ist, wenn man ein bisschen trickst und ruckelt und zwischendurch mal das Ganze umdreht, so dass man die Chance hat, die Luft aus der Spritze zu drücken. Jetzt ist also eins der Glasgefäße leer und sein Inhalt in der Spritze. Jetzt spritzen wir den Spritzeninhalt in das zweite Glasgefäß, schütteln, saugen zurück und drücken das alles in das dritte Glasgefäß. Und wenige Augenblicke später ist die Spritze gefüllt mit 1 x Lösungsmittel und 3 x Pulver. Wir setzen die Schutzhülle wieder auf die große böse Nadel, nehmen sie ab und setzen stattdessen die kleine, zarte, liebe Bauchnadel auf. Menogon ist einsatzbereit, und wir sitzen in einem kleinen Haufen Medizinmüll.

Wie Gonal geht und warum die Spritzen gar nicht schlimm sind, das könnt ihr hier und hier lesen.

Ansonsten muss jetzt noch der Gonal-Pen startklar gemacht werden: das heißt, Nadel draufschrauben, auf der 37,5-Markierung einmal ziehen und drücken, bis ein Tröpfchen aus der Nadel quillt, und ihn dann auf 75 stellen und hinten ziehen.

Ich genieße kurz einen Moment der Ruhe, während ich auf meiner Badezimmermatte hocke. Vor mir liegt mein kleines Babybastelset: Menogon und Gonal. Gleich geht es los, und wer weiß? Vielleicht sind das für eine ganze Weile die letzten vierzehn Tage, in denen ich Sushi essen, Alkohol trinken, Radfahren und was weiß ich was noch alles darf. Jenseits dieser zwei Spritzen warten Gebrüll, aufgeschlagene Knie, nie wieder ausschlafen und Kopfläuse. Ich wäre so weit.

Ich nehme einen Alkoholtupfer, wische damit einmal links und rechts von meinem Bauchnabel entlang und warte, bis der Alkohol verdampft ist und der Bauch wieder trocken. Erfahrung zeigt, dann piekst es weniger. Dann drücke ich die Gegend links von meinem Bauchnabel zu einer kleinen Wurst, nehme die Schutzkappe von der Menogon-Spritze und setze an. Ein paar Sekunden dauert es, bis ich das bisschen durchsichtige Flüssigkeit in meinem Bauch versenkt habe. Dann ziehe ich die Spritze wieder raus, setze das Käppchen auf die Nadel und lege diese Spritze zu dem restlichen Medizinmüll, die brauche ich nicht mehr. Gonal bekommt heute die andere Seite (keine Ahnung, ob das richtig so ist, aber ich mache das so): 75 Einheiten aus dem Pen in den Bauch, Pen wieder raus, zwei Käppchen auf die Nadel, Nadel ab, Deckel auf den Pen. Dann räume ich den Müll beiseite, lege den Pen in den Kühlschrank und trinke einen Schluck Geburtstagsbrause.

Was lernen wir daraus?
Im Zweifel lieber fragen als zu schlau sein wollen. An die Spritzen denken, falls der Apotheker es nicht tut. Und sich auch vor fremden Spritzen nicht fürchten.

Ein bisschen war das wie Starkbieranstich, nur dann wieder ganz anders, und die CSU war auch nicht anwesend. Hiermit erkläre ich diese IVF für offiziell eröffnet!

Mittwoch, 23. März 2011

Lieber 100.000ster Besucher,

natürlich habe ich keine Ahnung, was genau dich hierher verschlägt. Vielleicht hast du nur die Worte „Furzkissen“, „Puffbrause“ oder auch „gynäkologischer Stuhl nackt“ gegoogelt. Vielleicht warst du auch vor ein paar Tagen beim Arzt und hast dort erfahren, dass du überraschend Mitglied in einem Club geworden bist, zu dem du eigentlich nie gehören wolltest. Oder du bist ein lieber Stammgast und nicht nur der 100.000ste, sondern auch der achte, neunundsiebzigste und 27.523ste Besucher. Warum auch immer du hier bist, ich bin froh, dass du da bist! Ich wünsche dir eine fröhliche Großfamilie aus eigener Produktion, gute Nerven und noch bessere Freunde für alles, was an Hormonzirkus noch vor dir liegt, und falls es tatsächlich die Suche nach dem Furzkissen sein sollte, die dich hierher führt: Fahnen Fleck in Hamburg kann ich wärmstens empfehlen.

Wie Hefte und Radiergummi kaufen vor dem ersten Schultag.

Heute in der Mittagspause steige ich in die S-Bahn und fahre in die Klinik, wo ein Rezept auf mich wartet. Ein langes, langes und hochrespektables Rezept. Damit gehe ich dann in die Apotheke, komme ein paar Minuten später von den besten Wünschen und dem Lobgesang der Angestellten begleitet um einige hundert Euro ärmer und mit einer Tüte am Arm, die eher nach Edeka als nach Apotheke aussieht, wieder raus. Und morgen geht es los. Ich bin fürchterlich aufgeregt, auch beim dritten Mal. Und das, obwohl gerade so viel aufregend ist. Ich habe gerade einen korrigierten Text an die Cosmopolitan (DIE Cosmopolitan!!!) geschickt, den ich für die über IVF schreiben durfte, ich hab morgen Geburtstag, es kommt Besuch, die Fasterei war auch ganz spannend, in der Agentur brummt es wie in einem Wespennest und dieses Blogbaby steuert ebenfalls auf einen Geburtstag zu: wir erwarten in Kürze den 100.000 Besucher! Ich sehe schon, eigentlich muss ich nicht nur in die Klinik und die Apotheke, sondern auch zu Fahnen-Fleck Luftschlangen, Wunderkerzen und Partyhütchen besorgen. Und Furzkissen, schließlich beginnen ab morgen die lustigsten zwei Wochen des Jahres: Hormonfasching!