Mittwoch, 6. April 2016

Babyschritte

Mein Beckenbodentrainingsdings heißt, falls ihr euch erinnert, femifree. Bei femifree sitzt eine Dame, die ich damals angeschrieben habe, als ich ein Probegerät haben wollte, und sie fragt immer mal wieder, wie es so läuft. Und in den letzten Monaten hatte ich selten gute Nachrichten. Ich war dabei! Ich hab traininert! Aber dann war ich krank. Dann war ich wieder krank. Dann war der Rücken im Eimer. Dann war ich zur Abwechslung krank. Und zum Schluss hatte ich einen Husten, der gefühlt alle Trainingsbemühungen der letzten Monate, Quatsch, Jahre, innerhalb weniger Tage zunichte gemacht hat. Ich hustete wie ein ganzes Hollywoodlazarett, verbrauchte jeden Tag eine komplette Apothekenpackung Tena in der Stärke “Dicker Strahl”, und zu der Husterei kam dann auch noch ein dauerverquollenes Gesicht, weil ich jeden Tag dreimal vor Wut und Frust in Tränen ausbrach. Ehrlich, das sollte es jetzt sein? Da trainiere ich jeden Tag wie ein Uhrwerk, führe sogar ein Trainingstagebuch, und am Ende reicht eine Erkältung, und man ist wieder Pflegestufe drei? Wo ich doch eigentlich längst wieder mit iphone im Ohr um den Park rennen wollte? Ach was, bleiben wir bescheiden, wo ich doch eigentlich gehofft hatte, auch weiterhin nicht bei jedem Schritt aus der Hose zu knistern? Bleibt das jetzt so? Für immer?

Dann hat meine Ärztin mir Codein-Tropfen und ein fieses Spray gegen den Husten verschrieben, mir außerdem erklärt, dass ich für’s Immunsystem statt Vitamin C lieber Zink schlucken soll, und mich auch sonst ein bisschen aufgebaut, und nach drei Tagen war der Husten weg.

Und ich dachte, also schön, raffe ich mich eben wieder auf, noch sind genug Barnaby-Folgen auf dem Festplattendings für die ersten Trainingseinheiten. Jeden Tag habe ich mir die Manschetten umgeschnallt, das frisch geladene Therapiegerät um den Hals gehängt, die Kabel in die dafür vorgesehenen Nupsis gesteckt und mich sanftem Elektrogebrizzel ausgesetzt, während vor meinen Augen grausige Morde in idyllischer Landschaft aufgeklärt wurden.

Das tue ich jetzt seit ca. fünf Tagen. Und gestern - fragt mich nicht, wieso - war es mal wieder so weit. Meine Laufschuhe haben mich aus dem Schuhregal auf diese gewisse Art angeplinkert, und ich bin ein bisschen rot geworden und konnte nicht wegsehen. Seit Kalles Geburt habe ich das bisher vier mal versucht. Jedes Mal war ich voller Motivation und kaum zu bändigender Energie, und jedes Mal kam ich nach fünf Minuten nassgepiescht und nassgeheult mit eingeklemmtem Schwanz nach Hause geschlichen. Und gestern -

gestern ging es. Es war nur ein ganz kleines Anfängerprogramm! Fünfzehn Minuten im Ganzen, davon nur ein paar Ein-Minuten-Abschnitte Laufen, der Rest gehen! (Aber das war es die letzten Male auch.) Ich bin auch nur ganz locker getrabt! (Bin ich die letzten Male auch.) Und ich wollte es nicht übers Knie brechen, sondern einfach nur mal versuchen! (Genau wie die letzten Male.)

Und geheult habe ich auch, aber zur Abwechslung mal nicht vor Wut.

Ich weiß, dass das noch nicht das Ende meiner Beckenbodenprobleme sein muss. Kann gut sein, dass das nächste Mal wieder die Hose nass wird und das dann um so mehr weh tut. Flieg nicht zu hoch, mein kleiner Freund! Kann sein, dass ich die Playlist, die ich jetzt schon wieder für zukünftige Läufe zusammenstelle, vor allem im Sitzen hören werde. Kann alles sein. Aber auch, wenn das nicht das Ende meiner Beckenbodenprobleme ist, ist es doch der Anfang vom Ende.

Hier sitzt eine, die ist sehr, sehr einverstanden mit dem, was ihr komischer endometriosevergrützter Körper ihr in letzter Zeit so anbietet. (Über die schlimmen Haare und diese Dauererkältung reden wir ein andermal. Wer könnte da noch böse sein!)

Und darüber hinaus habe ich letzte Woche gelesen, dass Kate Winslet nun in der Öffentlichkeit über ihre Beckenbodenprobleme spricht. Kate Winslet! Die mochte ich schon immer.

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