Montag, 27. Januar 2014

Von hinten, von hinten, von hinten Ruine, von vorne, von vorne, von vorne Blondine.

Ach, Deadlines! Seit Wochen, wenn nicht Monaten schleiche ich mich von hinten an diesen miesen Rochen an. Wenn es klappt, dann, das habe ich meinen Mädchen schon angekündigt, bin ich ein ganzes Wochenende lang manisch, und alle müssen mitmachen. Wenn nicht, dann nicht, und auch, wenn ich jetzt so tue, als wäre das dann kein Weltuntergang, ist es natürlich doch einer. Jetzt war Abgabe, ich habe das Paket mit meinen Unterlagen fristgerecht und vollständig und ausreichend frankiert zur Post gebracht, und ich gucke mich noch mal um und denke mir, das ist doch wirklich ein Schnucki, diese Deadline. Nichts zum Fürchten! Überhaupt nichts!

Gleich kommt L. irgendwann von seinem Nerdsport, dann gibt es, obwohl ich grauenvoll und mörderisch erkältet bin, zur Feier des Tages einen Rotwein. Oder zwei. Und ein Feuer. Und zum ersten Mal seit ungefähr vier Monaten werde ich auf dem Sofa sitzen und dabei nicht denken, eigentlich müsste ich jetzt was tun, weil: die Deadline, die Deadline. Wenn das die Deadline erfährt. Von hinten sah sie wirklich wesentlich schlimmer aus als von vorne.

Samstag, 25. Januar 2014

Und was ist mit Hormone?

Ach ja, die nächste IVF. Ich hatte ja schon berichtet, dass mein Fusselbauch ganz nach alter Gewohnheit wieder mal alles genau falsch gemacht hat: nach der Geburt hat er mich monatelang auf den nächsten Zyklus warten lassen, um dann genau in dem Moment loszulegen, in dem eine mögliche Punktion und Rückübertragung in die Weihnachtsferien meiner Klinik fällt. Der erste Zyklus war also Essig.
Vier Wochen habe ich auf den nächsten Zyklus gewartet, dann brav in der Klinik angerufen, nur um bei dieser Gelegenheit zur Antwort zu bekommen, jetzt wäre es aber leider auch nicht möglich, denn "wir hätten noch so viel zu klären, da wir jetzt Selbstzahler wären", und wir müssten darum noch einen Zyklus abwarten.

Und solche Dinge bringen selbst eine stramm die Fahne meiner Ärzte hochhaltende alte Hormonsoldatin wie mich ein bisschen aus dem Konzept. Ich meine, Hääh? Was genau soll denn da zu klären sein? Wir zahlen selbst, unkomplizierter geht es doch nicht? Und wie viele Wochen genau soll diese Klärung denn dauern? Und warum jetzt noch einen Zyklus verschleudern, nachdem sie mir erst erklärt hatten, es wäre aber besonders wichtig, schnell nach der Geburt weiterzumachen, bevor die Endometriose wieder die Oberhand gewinnt? Und ich sollte doch bitte versuchen, nicht per Kaiserschnitt zu entbinden, denn dann müssten wir länger als sechs Monate warten? Die es jetzt mit zwei verschleuderten Zyklen dann auch locker werden? Mag sein, dass die gerade Urlaubs-, Krankheits- oder Schusseleibedingt überlastet sind, aber das könnte man mir auch so sagen - nicht, dass mich das dann nicht aufregen würde, aber wenigstens aus nachvollziehbarem Grund. Hääh?

Also nein, ich mache nicht schon wieder eine heimliche IVF, die Adoptionsbehörde hat das ja nun auch alles nicht mehr zu interessieren, es geht nur leider, leider immer noch nicht los. Aber nächsten Zyklus! Nächsten Zyklus ganz bestimmt. Endo, Myome und ich sind schon sehr aufgeregt.

Und falls sich das eine fragt: nein, wenn ich demnächst mit einer befruchteten Eizelle im Bauch herumlaufe, dann setze ich so lange natürlich aus mit dem 5:2-Minifasten-Projekt.

Donnerstag, 23. Januar 2014

Endlich demnächst schlank.

Ach herrlich. Ich fühle mich immer sofort schlanker mit neuer Diät! So selbstgenügsam, als könnte ich mit einem Apfel einen ganzen Tag lang rattern und knattern wie ein Duracell-Häschen. Der Bauch ist viel flacher, ich muss nicht mehr so viel über Essen nachdenken, es ist großartig. Montag fange ich an, wie gesagt.

Heute war einwiegen, und das Ziel besteht darin, dass ich bis zum 23. April drei Kilo abgenommen habe. Schafft L. in der gleichen Zeit vier Kilo, haben wir beide gewonnen. Hat es nur einer von uns geschafft, hat der gewonnen. Worum wetten wir eigentlich noch mal? Ich könnte mir vorstellen, ein Essen.

Inzwischen habe ich zwei Bücher zum Thema auf meinem Kindle durchgeknuspert, und ich glaube wirklich, wirklich, wirklich, diesmal könnte es klappen. Eigentlich würde ich sogar heute schon gerne anfangen, aber ich habe mir von Huckleberry eine Erkältung eingefangen, und erkältet und mit Deadline im Genick diätet es sich nicht so gut. Aber Montag! Montag. Inzwischen habe ich auch schon so ziemlich jedem in meiner unmittelbaren Umgebung davon erzählt, einschließlich der Bürohasen, und komme aus der Nummer nicht mehr raus, ohne dass es peinlich wird. (Hat mich das früher abgehalten? Naja...)

Weil Diäten, deren Beginn in der Zukunft liegt, ein ziemlich lahmes Thema sind, hier noch zwei Empfehlungen für technische Geräte.

1. Der Angel-Vac Nasensauger.
Vor ca. zehn Jahren saß ich mit einer jungen Mutter in einem Büro. Die kam morgens mit Augenringen bis Meppen an den Rechner und erzählte mir von ihrem erkälteten Baby. Schlaflose Nacht, alles ein schreckliches Elend, schon klar, aber das schlimmste - und das verfolgt mich bis heute manchmal - war, dass sie in ihrer Not dem Baby MIT DEM MUND den Rotz aus der Nase gesaugt hat. Nase putzen können sie ja noch nicht, die Ärmsten. Vorgestern war es auch hier so weit. Es war schrecklich. Auch Mutterliebe kann zur Dschungelprüfung werden. Der niedliche kleine Pinguin-förmige Nasensauger aus der Drogerie war zu gar nichts, aber auch gar nichts nütze. Darum habe ich gestern den Angel-Vac in der Apotheke besorgt. Er besteht aus ein paar durchsichtigen Plastikteilen und wird an den Staubsauger angeschlossen. Irgendwie mindert er die Saugkraft auf säuglingsverträgliches Niveau (ich hab's ausprobiert), dann macht es schlupp, und der ganze Rotz ist draußen. In weniger als einer Minute ist das Ding dann problemlos gereinigt und wieder einsatzbereit. Huckleberry steht nicht besonders drauf, wird aber in diesem Fall nicht gefragt. Heute nacht habe ich zweimal durchgesaugt, und wir haben ansonsten alle tief und fest geschlafen. Es geht ihm schon viel besser, glaube ich. Inzwischen habe ich gelesen, dass der Rotz, wenn man ihn da lässt, wo er ist, wohl auch dafür verantwortlich gemacht wird, dass Säuglinge ständig erkältet sind und noch oft genug eine Mittelohrenentzündung dazu kommt. Huckleberry hat gerade die erste Erkältung seines kleinen Lebens, und die zweite sollte bitte noch ein bisschen auf sich warten lassen. Yippiyeah für den Angel Vac!

2. Der Kindle.
Ich weiß: wie lahm ist das denn? Das ist ja ungefähr so, als würde ich euch jetzt das iphone ans Herz legen. Aber ich habe mich lange dagegen gewehrt. Buchhändlersterben, nur so ein schnödes Plastikding statt der schönen dicken Bücher, was tu ich dann in mein Bücherregal... jetzt gab es den einfachen Kindle für 49 Euro, und ich bin mal in mich gegangen und habe festgestellt, dass ich sowieso zu 90% englische Bücher lese, die bestelle ich alle bei amazon. Die paar Bücher, die ich bisher in der Buchhandlung gekauft habe, werde ich da auch weiter kaufen. Aber ein englisches Buch extra per Fracht und DSL hierher zu schaffen, damit ich es an einem faulen Samstagabend durchlese, ist eine ganz schöne Umweltsauerei. Jetzt ist der Kindle da, und ich hätte das schon viel früher machen sollen. Der Akku hält ewig (mit ausgeschaltetem WLAN noch viel länger), es liest sich sehr angenehm, technisch funktioniert alles wie geschmiert, er passt in die Tasche meiner Winterjacke für die Mittagspause und Ubahn-Fahrten, Bücher im Kindle-Format kosten vor allem in England und den USA viel weniger als die Papierversion, und das einzige Problem ist, dass Impulskäufe bei Büchern, für die ich schon immer sehr anfällig war, jetzt noch leichter gehen. Aber der nette DHL-Bote in unserem Viertel kann endlich mal durchatmen. Auch für den Kindle Yippieyeah!

Dienstag, 21. Januar 2014

Das F-Wort

Ach, das war schön. Bald wieder bitte! Wenigstens balder als letztes Mal.
Am Ende dieses Stammtischs hatte ich einen Zettel in der Tasche mit den Kontaktdaten aller Damen am Tisch. Die Idee dahinter war nicht, das für ein Linsengericht an irgend einen Adresshändler zu verkaufen, sondern dass die Damen auch ohne den Blog untereinander Kontakt miteinander aufnehmen können und so imstande sind, sich auch ohne die extrem verplante und fusselhirnige Blogmutti zu treffen. Ich finde das ausgezeichnet (und finde außerdem, es ist vollkommen schnurz, wie ich das finde), aber vielleicht hat ja eine der Damen Lust, per Kommentar mal piep zu machen, wenn es so weit ist? So dass vielleicht noch andere, neue Damen dazustoßen könnten?

Und schon fange ich wieder an, alles kompliziert und schusselanfällig zu machen.

Am Tag nach dem Stammtisch war ich im Kino. Hat noch jemand hier den zweiten Teil der Hobbit-Trilogie gesehen und irgendwann im Verlauf dieser endlos scheinenden zweizweidrittel Stunden angefangen, sich ein bisschen zu langweilen? Kinomomente sind für frischgebackene Mütter extrem selten und damit kostbar, normalerweise kostet man jede Sekunde aus. Aber das... naja... vielleicht bin ich aus dem Alter raus, wo man mir hudelige Actionszenen, die zu schnell für mein alterndes Hirn gedreht sind, als Handlung verkaufen kann. Und es ist doch so ein hübsch schmales Buch, muss man das wirklich mit der Dampfwalze auf insgesamt acht Stunden Film auswalzen? War allerdings halb so schlimm dadurch, dass ich im Kino zwischen all den Phantasy-Nerds saß mit einem großen Eimer salzigem Popcorn. Und einem ziemlich großen Plastikdings mit Nachos. Und Chilisauce. Und Käsesauce.
Und als Alibi dazu ein keusches stilles Wasser, als wäre es darauf noch angekommen.

Was diese Fresserei angeht, kommt mir das gerade sehr bekannt vor. Mit Anfang 20 habe ich nach einer ziemlich fiebrigen, anstrengenden und langwierigen Krankheit nur noch 43 Kilo gewogen. Mein Arzt sagte, nun müsste ich aber dringend zulegen. Das nahm ich mir zu Herzen, und noch Jahre später lebte ich in dem Gefühl, mir wenigstens ein bisschen Polster für schlechte Zeiten anfuttern zu müssen. Gab es in der Mensa Kroketten als Beilage, nahm ich statt einem Schälchen drei. Für die Gesundheit! Ein kleines Nudelsößchen löschte ich gerne mit einem Becher Sahne ab. Ich stellte mich an Eisdielen und verlangte "alles außer Malaga, Erdbeer, Schlumpf und weiße Schokolade bitte". Kam das Gespräch auf Ernährung und Gewicht, erzählte ich von den 43 Kilo und davon, dass ich dringend, aber dringend zunehmen müsste. Ich war nicht dick, bestimmt nicht, auch nicht rund oder "voll" oder wie auch immer man das nennt, aber irgendwann müssen meine Gesprächspartner auch gedacht haben, die hat sie wohl nicht alle oder zumindest keine Waage zuhause. Hatte ich auch nicht. Und so musste ich über Größe 32, 34, 36 und 38 an den Punkt kommen, an dem manche meiner Kleidungsstücke in 40 oder 42 passten, bis bei mir ankam, dass ich soooo erschreckend mager und knochig jetzt auch nicht mehr bin. Die Essgewohnheiten habe ich leider zum Teil beibehalten.
Vor sechs Monaten habe ich ein Kind bekommen, und ein Großteil des Gewichts war ruckzuck runter mit dem Stillstress und dem anderen Stress der ersten Wochen. Irgendwann dachte ich, jetzt bleibt es dabei, und hatte drei Kilo weniger als vor der Geburt. Von diesen drei Kilo habe ich inzwischen ungefähr so oft erzählt wie damals von den 42. (Das überhaupt noch jemand mit mir spricht, erscheint manchen jetzt vielleicht als verwunderlich.) Und genau wie damals verändert sich der Blick der Leute, denen ich das erzähle, so langsam. Jetzt sind es noch anderthalb. Irgendwann demnächst werden es null sein, dann in ein paar Monaten zwei mehr. Immer noch ok! Aber ich finde trotzdem, ich sollte was tun. Und meine Vor-Schwangerschafts-Methode, zu essen wie immer und einfach zu laufen wird durch das immer noch bestehende, wenn auch nicht mehr ganz so schlimme Pipiproblem zumindest momentan noch vereitelt. Ich hätte nicht gedacht, dass das noch mal passiert, aber ich probiere es noch mal mit einer Diät. (Ihr schon, oder? Dachte ich mir.)

Und zwar der 5:2-Diät. Die ist schnell erklärt: an zwei Tagen in der Woche, die ich frei verteilen kann, faste ich gemäßigt: das heißt, ich lebe ich von je 500 Kalorien. Das kann z.B. so aussehen, dass ich Montag morgen zwei gekochte Eier frühstücke, dazu gedämpften grünen Spargel. Oder eine halbe Schale Hüttenkäse, eine Birne und eine frische Feige. Und abends gibt es Sashimi mit Sojasauce, Wasabi und Ingwer. Zwischendurch all diese irgendwie heiligen Getränke wie Wasser mit Gurkenstückchen oder Kräutertee aus Zen-mäßigen Tassen, die man mit beiden Händen hält. Und das Tolle ist, schon Dienstag bzw. an den anderen fünf Tagen kann ich essen und trinken, wie ich will. Ehrlich! Wie ich will! Keinen Gedanken an Kalorien verschleudern. Auf diese Weise nimmt man angeblich ca. ein Kilo pro Monat ab und tut außerdem viel für seine Blutwerte, seine Haut, seine Laune und sein Wohlbefinden. Ich glaube, das könnte ich schaffen. (Schrieb sie und ignorierte das hämische Kichern der Abkürzungsdamen, die sich jetzt schon die Hände rieben in Vorfreude auf die Schlappe, die unweigerlich folgen musste.) Kichert ihr nur! L. hat auch gekichert, und wir haben gewettet: er muss ich drei Monaten vier Kilo abnehmen, ich in drei Monaten drei Kilo. Ab... Moment... morgen früh nach dem Aufstehen. Zwei mal 24 Stunden pro Woche sollte ich doch durchhalten können? Und wenn ich bei meinem Traumgewicht angekommen bin, ein mal 24 Stunden, um es zu halten?

Montag fange ich an.

Donnerstag, 16. Januar 2014

Stammtisch MORGEN!!!

Liebe Damen, schnell-schnell noch das letzte Update zum Stammtisch morgen Abend. Nach letzter Zählung sind wir mit mir zu sechzehnt. Das war noch nie und lässt sich im Gloria leider nicht machen, so dass wir diesmal ausnahmsweise anderswo tagen müssen. Nach langer Telefoniererei hat sich nun eine gute Seele gefunden, die so einen Riesentisch für Freitagabend freihält: ich freue mich auf euch um 20:00 im Abaton Bistro. Das liegt direkt am Abaton Kino und ist mit U1 (Hallerstraße), U2 (Messehallen) oder dem 5er und 4er Bus astrein zu erreichen (Grindelhof).

Also: morgen abend Stammtisch! Um acht! Nicht Gloria, sondern Abaton!

Wenn das mal gut geht.

Sonntag, 12. Januar 2014

Stammtisch Zack-Zack

Abkürzungsdamen! Ex-Abkürzungsdamen! Angehende Abkürzungsdamen! Leider muss es gerade fix gehen, weil ich auf eine gewaltige Deadline zuschlingere. Aber ich wollte noch mal kurz bestätigen: der Stammtisch (der jenseits der Deadline liegt, zum Glück) findet statt wie geplant. Freitag Abend, ich würde sagen um acht, treffen wir uns im Gloria. Weil es da immer proppenvoll ist und ich gerne rechtzeitig reservieren würde, sagt mir doch bitte bis Mittwoch Nachmittag per Kommentar unter diesen Post Bescheid, wer kommen will. Alle, die möchten, sind herzlich willkommen!

Dienstag, 7. Januar 2014

Ich habe einen Traum.

Meine Freundin hat gesagt, "Ruf ruhig an, wenn ihr mal wieder einen Abend nur für euch haben wollt. Ich nehme ihn gerne so lange!" Meine Mutter hat gesagt: "Wenn du die Deadline nicht schaffst, sag Bescheid. Kein Problem, ich steige in den Zug und komme zu euch und bleibe, bis die Arbeit getan ist." Meine Nachbarin hat gesagt, "ich bin die beste Babysitterin der Welt. Wenn du endlich mal wieder mit den Mädchen auf den Kiez willst, liefer ihn hier ab, alles gut!"

Das ist toll. Es überschwemmt mich jedes Mal mit einer Woge aus Dankbarkeit, wenn jemand so etwas sagt. Ich weiß auch, es ist genau so gemeint.

Trotzdem... trotzdem. Im Moment träume ich von etwas anderem. Nicht von Kiezen, geschafften Deadlines oder romantischen Abenden in Lieblingsrestaurants. Nicht von Kinofilmen, Theatern, schicken Schuhen oder Spaghetti Vongole (und das will was heißen).

Im Moment habe ich folgenden Traum: Ich liege im Bett. Ende erst mal nicht vorgesehen. Die ersten Tage würde ich mir gerne Serien auf dem Laptop ansehen. Bin ich das leid, wann auch immer das sein wird, dann würde ich gerne einen Stapel Bücher lesen, einen beeindruckend hohen Stapel Bücher. Es ist nicht so, dass ich sonst nichts tun würde! Ich würde mir von Zeit zu Zeit die Hände mit Cold Cream eincremen. Ich würde jeden Mittag aufstehen, duschen und einen frischen Schlafanzug anziehen. Ich würde mittags in die Küche gehen, mir eine Dosensuppe oder eine Packung Miracoli zubereiten und mit meiner Beute zurück ins Bett verschwinden. Ich würde (Miracolispritzer usw.) mindestens einmal pro Woche, wenn nicht alle drei Tage, das Bett frisch beziehen. Allerdings würde ich das nur tun, wenn niemand sonst im Haus wäre, damit nicht der falsche Eindruck besteht, jetzt wäre ich bereit, das Bett schon wieder zu verlassen. Auf meinem Nachttisch wären außer der Cold Cream ein Fläschchen erstklassiges Lavendelöl zum Unters-Kopfkissen-Tropfen, etwas für die Lippen, Ohrenstöpsel, mein Kindle, eine Packung Thermacare-Pflaster für durch leider ungewohnte Belastung hervorgerufene Leseverspannung, ein Töpfchen brauner Tigerbalm und eine Flasche Mineralwasser. Auch da würde ich mich nicht vor die Hunde gehen lassen, ich würde höchstens jede zweite Flasche aus dem Wasserhahn auffüllen und ansonsten in den Keller gehen und frisches Wasser holen. Das Suppengeschirr würde ich in die Spülmaschine räumen und sie alle drei Tage in Gang setzen. Noch praktischer wäre es natürlich, es einfach vor die Tür zu stellen und wegräumen zu lassen, aber bitte ohne vorwurfsvolles Schnauben und Klirren. Ich habe im Leben so viel Geschirr anderer Leute weggeräumt, da sollte das wohl drin sein für ein paar Wochen. Kühle, frische Bettwäsche. Bäume vor dem Fenster. Unendlich viel Zeit. Bücher, Filme. Wasser. Lavendel. Ruhe. Socken. Pyjamas. Selbst eine Maske wäre schon fast zu viel Arbeit.

Blöd nur, dass man für so etwas nie im Leben einen Babysitter bekommt.

Freitag, 3. Januar 2014

Ich freu mich ja. Ich blöde Kuh.

Ich gurke herum. Merkt ihr, wie ich gurke? Schon, oder? Früher war vieles einfacher. Ich habe so vor mich hingelebt, mir dann und wann ein paar Hamsterhormone gespritzt und dann darüber geschrieben, wie das alles so ist. Jetzt habe ich ein Baby, und ich kann berichten, dass es viel schwieriger ist, über ein Baby zu schreiben als über eine Spritze, zumal dann, wenn ich eigentlich nicht zu viel über mein Baby berichten will. Ich finde, er soll eines Tages mal selbst entscheiden können, wem er seine niedlichen Babyfotos zeigt und wem nicht. Nachdem ich selbst mal einen Stalker hatte (und manchmal das dumpfe Gefühl habe, jetzt gerade läuft sich wieder einer warm), möchte ich ihm ersparen, dass jeder Zugang zu intimsten Details seines Lebens hat, auch wenn es sein Leben als kleiner Pöks ist - irgendwann, wenn er das selbst entscheiden kann, kann er es gerne machen wie Mama und es einfach alles jedem erzählen, aber so weit sind wir noch nicht.
Und jetzt gurke ich manchmal ein bisschen. Ich fasele und schwadroniere und habe dabei immer das Gefühl, um den heißen Brei zu reden. Ich kann euch sagen, wenn man sich einmal mit Gewalt verkniffen hat, einfach wie früher alles rauslaufen zu lassen, dann greift das um sich, und man kommt ins Gurken.

Also gut. Heute würde ich gerne mal nicht so sehr gurken und ein Thema besprechen, das mich tatsächlich seit vielen Monaten beschäftigt: Dankbarkeit. Ich hab dazu früher auch schon mal geschrieben, z.B. hier. Viele, viele Jahre habe ich mir ein Baby gewünscht und nicht nur gewünscht, sondern auch einiges getan, damit der Traum wahr wird. Und jetzt ist es da, wäre das ein Film aus den 50ern, wäre längst der "The End"-Bildschirm durch, und man könnte sich ausrechnen, wie das Leben ab jetzt läuft: Glücklich bis ans Ende meiner Tage. Die Wahrheit - das hier wird keine Leserin überraschen, die über acht Jahre alt ist - sieht anders aus. Genau so wenig wie die Kinderwunschzeit ausschließlich aus Verzweiflung, Enttäuschung, Hoffen und Bangen und einer großen Leere im Leben bestand. Jeder Tag, oder fast jeder Tag, hat diese Momente, in denen alles kurz stillhält, mein Fusselhirn und dieser chaotische Haushalt und die Hunde und die Zeit, und dann bin ich wirklich, wirklich dankbar und glücklich. Dann ist der Moment vorbei, und ich fühle mich wieder so, wie sich Mütter von Babys - egal ob per Abkürzung oder einfach so entstanden - die meiste Zeit fühlen: durch den Wolf gedreht, vollkommen fertig, zu kurz gekommen, irgendwie unzulänglich und als Mutter höchstens Note drei minus. Manchmal denke ich, ich schulde dem Blog mehr Dankbarkeit und mehr Glück (mehr Babyfotos natürlich auch, aber... siehe oben.) Manchmal denke ich, das schulde ich vor allem mir selbst. Das Verhältnis dieser Momente mit Goldrand zu dem milchspuckebekleckerten, fürchterlich anstrengenden Alltag ist ungefähr 1 : 20.436. Müsste da nicht mehr sein? Wenn nicht, ist das mein Fehler? Fällt das schon unter Wochenbettdepression, oder ist das normal blöd? Ist das immer so? Bin ich undankbar? Hab ich am Ende dieses Baby gar nicht verdient? Dieses gesunde, zuckersüße, durchschlafende, glatzköpfige Wunderding? Sollten Babys nicht bei Frauen landen, die das tatsächlich alles so machen, wie sie es sich in den allerkinderlosesten Momenten ausgemalt haben? Die täglich in ein Tagebuch schreiben, wie wunderbar heute wieder alles war und was für ein Geschenk ihnen der Himmel da beschert hat? Die es bis zur Volljährigkeit schaffen ohne ein böses Wort, ohne einen einzigen Wutanfall, ohne Fertigpizza und ohne einmal gerade keinen Nerv oder keine Zeit zu haben? L. erzählt immer wieder voller Begeisterung von dem Moment im Sportfernsehen, ich weiß noch nicht mal mehr, welcher Sport oder welche Sportlerin, als der Reporter einer für seinen Geschmack allzu gefassten Siegerin von irgendwas zurief "Jetzt freu dich doch endlich, blöde Kuh!"
Danke zu sagen, war noch nie meine Spezialität. Aber Danke auch zu fühlen, noch viel weniger.

Liebe Abkürzungsdamen da draußen, die sich auch manchmal denken, die blöde Kuh sollte sich mehr freuen: dass das mit den Kindern nichts mit verdient oder unverdient zu tun hat, haben wir alle auf die harte Tour erfahren. Ich hoffe, ihr könnt mir verzeihen, dass hier nach dem "The End"-Bildschirm ein ganz neues Drama mit neuen Problemen, neuen Sehnsüchten und neuen unerfüllten Wünschen beginnt. Und ich wünsche euch, so fest ich kann, dass das bei euch irgendwann alles genau so wird: Müdigkeit, Verzweiflung, Dankbarkeit, Schnauze voll, Überforderung mit gleichzeitiger Unterforderung obendrauf, Müdigkeit, totale geistige Erschöpfung, Dankbarkeit, Angst, noch mehr Angst, immer noch mehr Angst, totale Planlosigkeit, Muskelkater, Pipiprobleme und Scham über Pipiprobleme, Dankbarkeit, Entnervtheit, Enttäuschung, Dankbarkeit. Und wieder von vorne.

Mittwoch, 1. Januar 2014

Vorsätze 2013: die schonungslose Abrechnung.

1. Ich bin die Posts der letzten Neujahre noch mal durchgegangen und habe festgestellt, dass ich vor einem Jahr beschlossen hatte, mir für dieses Jahr gar nichts vorzunehmen. Das Erstaunliche ist: dieses Jahr ist trotzdem mehr mit Vorsatzqualität passiert als in den Vorjahren. Vor ein paar Jahren hatte ich z.B. mal an Silvester den Plan gefasst, das kommende Jahr mit 100 Drinks und 10 Zigaretten zu bestreiten. Harrr! Dieses Jahr hatte ich nichts entsprechendes vor und habe seit dem 22. September (Stammtisch, wir erinnern uns, bzw. ihr erinnert euch hoffentlich, ich mich nämlich nur lückenhaft) nichts mehr getrunken. Dazu brauchte es keinen weiteren Anreiz als katerfrei aufzuwachen und täglich einen kleinen bunten Klebepunkt für jeden alkoholfreien Tag in meinen Kalender zu kleben. Welcher Vorsatz folgt daraus? Der, dieses Jahr weniger Energie in Fünfjahrespläne zu stecken und mehr zu machen. Und nach dem gestrigen Abend kann ich euch sagen: Söhnlein Brillant alkoholfrei ist zwar im Vergleich zu live light geschmacklich ein Schritt nach vorne, aber dann. Oh oh, aber dann. Und dabei wollten wir doch dieses Jahr gar nicht ballern, bruharrharr.

Gut. In diesem Bandwurmstichpunkt einen Vorsatz zu erkennen, war nicht ganz leicht. Aber weniger Fünfjahrespläne: Haken dran. Für Fünfjahrespläne fehlt mir im Moment die Energie, ich komme höchstens auf Fünfstundenpläne. Mehr machen: Hm... zählt Kind gekriegt als machen?

2. Was Sport betrifft, bin ich momentan etwas eingeschränkt. Trotzdem will ich immer, wenn ich mich danach fühle und sonst nichts dagegen spricht, meine große bunte Jungs-Sporttasche packen und ins Studio fahren, wo ein gut beheiztes Schwimmbad mit Poolnudeln und Schaumhanteln und Aquajogginggürteln auf mich wartet. In 2013 wird Wasser mein Freund.

Auf ganzer Linie versagt, würde ich sagen. Ich war beim Cantienica und habe einmal mit desaströsem Ergebnis versucht zu joggen. Aber auch das kann ich auf das Baby schieben, wozu hat man sie denn? Ab heute ist allerdings meine Mutterschaftspause im Fitness-Studio vorbei. Mal sehen, vielleicht kann L. nachher kurz einspringen, und ich fahre tatsächlich zum Aqua-Fitness oder so.

3. Abnehmen ist, fürchte ich, dieses Jahr nicht. Und joggen auch nicht, jedenfalls erstmal. Keine gute Kombination. Aber als ich gerade den gestern gekauften Neujahrsberliner nach drei Bissen weggeworfen habe, habe ich mich an einen alten Plan erinnert und beschlossen, an den kann ich mich halten: extrem fettige Lebensmittel sind vollkommen ok, so lange sie wirklich fabelhaft schmecken. Phantastische Fritten: her damit. Mittelmäßige, kalte Fritten aus charakterlosen Kartoffeln mit Salatmayonnaise: stehenlassen.

Wieder Erwarten habe ich tatsächlich abgenommen: drei Kilo weniger als vor der Schwangerschaft. Das war allerdings nicht der Vorsatz, der Vorsatz war, weniger miesen Müll zu essen. Und ich glaube, das lief gar nicht so schlecht. Schuld ist allerdings nicht meine eiserne Willensstärke, sondern schwangerschaftsbedingt weniger Barbummel mit anschließendem 24-Stunden-Fressflash, die immer längeren Schlangen in meinem Mittagspausenburgerladen und L.s immer dringlicher vorgetragener Wunsch, zuhause gesünder zu essen.

4. Im Blog ist Fluchen und Austeilen weiterhin erlaubt, im Alltag will ich mir vornehmen, ein bisschen nachsichtiger und großzügiger mit Leuten zu sein, die irgendwie unbeabsichtigt auf meine zarten, hormonverschlackten Füße treten.

Nö. Klappt nicht. Ich rege mich einfach zu gern auf. Es ist ein so dankbares Hobby! Und man kann es überall betreiben: in der Bahn, auf der Arbeit, im Supermarkt... mit Yoga geht das nicht!

5. Um noch mal auf 3. zurückzukommen: Irgendwo tief drinnen habe auch ich dieses Stimmchen, das "tsk, tsk" macht, wenn ich Essen wegwerfe, nur weil es meine Augen nicht zum Leuchten bringt. Natürlich ist niemandem in der Sahelzone mit meinem angebissenen Berliner geholfen, deshalb will ich dieses Jahr mehr an gute Hilfsprojekte spenden. Zum Beispiel das Geld, das ich an der Supermarktkasse für Billigchips oder chemischen Sahnejoghurt spare.

Es ist mir sehr peinlich, aber abgesehen von ein paar gekauften Obdachlosenzeitschriften war es damit nichts. Ich und meine Riesenklappe.

6. Ich will endlich die verdammten Bilder an die verdammten Wände hängen.

Nein. Neue Bilder sind reichlich dazugekommen. Sie stehen gerahmt oder kaschiert an den Fußleisten entlang oder liegen staubig und zusammengerollt auf Schränken.

7. Ich will jede Woche mindestens drei Stunden damit zubringen, meinen Absprung aus der Werbung nicht nur in bunten Farben zusammenzuphantasieren, sondern voranzubringen.

Ohje, Ohje... das Thema verdient einen eigenen Post in naher Zukunft.

8. Ich will wenigstens jeden zweiten Sonntag meine Mutter anrufen.

Ja! Tatsächlich! Hab ich gemacht. In echt!

9. Meine Schwester und meinen ältesten Freund ebenfalls.

Nein. Und nein. Ich bitte um Entschuldigung und verspreche, wenigstens ernsthaft zu versuchen, mich zu bessern.

10. Mein Lieblingsvorsatz von allen auf dieser Liste: ich will in diesem Jahr 100 neue Rezepte ausprobieren.

Ich hab irgendwann nicht mehr gezählt, aber ich glaube, es waren irgendwas zwischen 50 und 60. Diesen Vorsatz würde ich allerdings gerne nach 2014 mitnehmen, der hat Spaß gemacht.

11. Ich will es schaffen, die vollkommen aus dem Ruder gelaufenen Vorräte in meiner Vorratskammer in den Griff zu kriegen. Hamsterinstinkte in allen Ehren, aber ich brauche nicht acht Sorten Hülsenfrüchte in Mengen von jeweils über 1 Kilo, sieben koreanische Konserven, deren Inhalt ich leider nicht kenne, weil ich kein Koreanisch kann, und vier angebrochene Tüten Buchweizenmehl. Das Zeug wird aufgebraucht oder kommt weg.

Ha! Zwar war es am Ende L., dem die Schnur gerissen ist, aber mein Vorratsschrank ist tippitoppi und jederzeit präsentabel, sollte die Schöner Wohnen vorbeikommen und ihn fotografieren wollen.

12. L., mein Liebster, soll wieder merken, dass ich seine Liebste bin und nicht seine Mutti. Vielleicht bekommt er dieses Jahr ein bisschen weniger Kaffee von mir gekocht und Essen vor die Nase gesetzt. Aber dafür werfe ich mich für ihn auch wieder etwas mehr in Schale, hebe mir meine fünfstündigen Ölkuren für die Frisur für Tage auf, an denen er außer Haus ist, und lackiere meine Nägel frisch, wenn die abgesplitterte Fläche größer ist als die lackierte.

Das Tolle an Ndogo ist, dass mir meist keine Zeit bleibt für fünfstündige Ölkuren, ob mit oder ohne L. in der Nähe. Und auch Nägel lackieren fällt meistens weg, so dass ich keinerlei Probleme mit abgesplittertem Lack gehabt hätte. 2013 war ein nahezu splitterfreies Jahr! Abgesehen von den Blätterteignägeln während der Schwangerschaft. Leider war es mit dem Rest des Plans auch nicht weit her. Heute morgen habe ich nach dem Hundegang meine völlig ausgelatschten, verdreckten Hundespaziergangsstiefel in den Müll geworfen, das kann man fast schon als Durchbruch werten. Ansonsten laufe ich leider weiterhin viel zu oft herum wie Karl Arsch, und gebe ich mir ausnahmsweise mal wirklich Mühe, dann besorgt Ndogo den Rest. Der Kampf um ein ladylikeres Äußeres wird vermutlich ein lebenslanges Projekt bleiben, genau wie die Suche nach der perfekten Tasche.

13. Ich kaufe mir eine Hundehose, so ein knisterndes Plastikding, das ich über meine andere Hose ziehe, bevor ich mit den Hunden aufbreche. Ihr ahnt nicht, wie viele Nerven, Waschmittel, Strom und Wasser, Outfitwechsel in letzter Sekunde, Flüche und unwiderbringlich versaute Kleidungsstücke mich meine und fremde Hunde im letzten Jahr gekostet haben. Wenn meine Garderobe zu retten bedeutet, dieses Jahr in Croqs und Plaste durch die Gegend zu stapfen, um es sonst in Samt und Seide tun zu können, dann mache ich das eben.

Ich habe immer noch keine Hundehose, und nach wie vor sieht man das meiner Garderobe an. Was soll das? So ein Ding kann nicht mehr als 30 Euro bei Amazon kosten. Zwar ist heute schon der 1.Januar, aber diesen Vorsatz werde ich heute noch umsetzen.

14. Ich will mindestens einmal im Monat ins Kino gehen und mindestens einmal im Monat meine Mittagspause in einem Restaurant verbringen, das keinen Take-Out-Service anbietet.

Im Kino war ich fünf Mal, in einem richtigen Restaurant zur Mittagspause null mal. Das mit dem Kino tut mir mehr leid, das mit dem Restaurant war mir plötzlich einfach nicht mehr so wichtig.

Und jetzt? Vielleicht doch Vorsätze für 2014? Ich hab einen anderen Plan. Den wälze ich aber noch ein paar Stunden.

Ich wünsche allen Abkürzungsdamen da draußen, dass sie in 2014 ihrem großen Traum ein gutes Stück näher kommen! Und allen Ex-Abkürzungsdamen wünsche ich mehr Nagellack, mehr Kino und mehr von den guten Fritten. Abgesehen von Liebesglück, Gesundheit und all dem anderen, das euch vermutlich schon von anderer Seite mehrfach gewünscht wurde.