Mittwoch, 1. Januar 2014

Vorsätze 2013: die schonungslose Abrechnung.

1. Ich bin die Posts der letzten Neujahre noch mal durchgegangen und habe festgestellt, dass ich vor einem Jahr beschlossen hatte, mir für dieses Jahr gar nichts vorzunehmen. Das Erstaunliche ist: dieses Jahr ist trotzdem mehr mit Vorsatzqualität passiert als in den Vorjahren. Vor ein paar Jahren hatte ich z.B. mal an Silvester den Plan gefasst, das kommende Jahr mit 100 Drinks und 10 Zigaretten zu bestreiten. Harrr! Dieses Jahr hatte ich nichts entsprechendes vor und habe seit dem 22. September (Stammtisch, wir erinnern uns, bzw. ihr erinnert euch hoffentlich, ich mich nämlich nur lückenhaft) nichts mehr getrunken. Dazu brauchte es keinen weiteren Anreiz als katerfrei aufzuwachen und täglich einen kleinen bunten Klebepunkt für jeden alkoholfreien Tag in meinen Kalender zu kleben. Welcher Vorsatz folgt daraus? Der, dieses Jahr weniger Energie in Fünfjahrespläne zu stecken und mehr zu machen. Und nach dem gestrigen Abend kann ich euch sagen: Söhnlein Brillant alkoholfrei ist zwar im Vergleich zu live light geschmacklich ein Schritt nach vorne, aber dann. Oh oh, aber dann. Und dabei wollten wir doch dieses Jahr gar nicht ballern, bruharrharr.

Gut. In diesem Bandwurmstichpunkt einen Vorsatz zu erkennen, war nicht ganz leicht. Aber weniger Fünfjahrespläne: Haken dran. Für Fünfjahrespläne fehlt mir im Moment die Energie, ich komme höchstens auf Fünfstundenpläne. Mehr machen: Hm... zählt Kind gekriegt als machen?

2. Was Sport betrifft, bin ich momentan etwas eingeschränkt. Trotzdem will ich immer, wenn ich mich danach fühle und sonst nichts dagegen spricht, meine große bunte Jungs-Sporttasche packen und ins Studio fahren, wo ein gut beheiztes Schwimmbad mit Poolnudeln und Schaumhanteln und Aquajogginggürteln auf mich wartet. In 2013 wird Wasser mein Freund.

Auf ganzer Linie versagt, würde ich sagen. Ich war beim Cantienica und habe einmal mit desaströsem Ergebnis versucht zu joggen. Aber auch das kann ich auf das Baby schieben, wozu hat man sie denn? Ab heute ist allerdings meine Mutterschaftspause im Fitness-Studio vorbei. Mal sehen, vielleicht kann L. nachher kurz einspringen, und ich fahre tatsächlich zum Aqua-Fitness oder so.

3. Abnehmen ist, fürchte ich, dieses Jahr nicht. Und joggen auch nicht, jedenfalls erstmal. Keine gute Kombination. Aber als ich gerade den gestern gekauften Neujahrsberliner nach drei Bissen weggeworfen habe, habe ich mich an einen alten Plan erinnert und beschlossen, an den kann ich mich halten: extrem fettige Lebensmittel sind vollkommen ok, so lange sie wirklich fabelhaft schmecken. Phantastische Fritten: her damit. Mittelmäßige, kalte Fritten aus charakterlosen Kartoffeln mit Salatmayonnaise: stehenlassen.

Wieder Erwarten habe ich tatsächlich abgenommen: drei Kilo weniger als vor der Schwangerschaft. Das war allerdings nicht der Vorsatz, der Vorsatz war, weniger miesen Müll zu essen. Und ich glaube, das lief gar nicht so schlecht. Schuld ist allerdings nicht meine eiserne Willensstärke, sondern schwangerschaftsbedingt weniger Barbummel mit anschließendem 24-Stunden-Fressflash, die immer längeren Schlangen in meinem Mittagspausenburgerladen und L.s immer dringlicher vorgetragener Wunsch, zuhause gesünder zu essen.

4. Im Blog ist Fluchen und Austeilen weiterhin erlaubt, im Alltag will ich mir vornehmen, ein bisschen nachsichtiger und großzügiger mit Leuten zu sein, die irgendwie unbeabsichtigt auf meine zarten, hormonverschlackten Füße treten.

Nö. Klappt nicht. Ich rege mich einfach zu gern auf. Es ist ein so dankbares Hobby! Und man kann es überall betreiben: in der Bahn, auf der Arbeit, im Supermarkt... mit Yoga geht das nicht!

5. Um noch mal auf 3. zurückzukommen: Irgendwo tief drinnen habe auch ich dieses Stimmchen, das "tsk, tsk" macht, wenn ich Essen wegwerfe, nur weil es meine Augen nicht zum Leuchten bringt. Natürlich ist niemandem in der Sahelzone mit meinem angebissenen Berliner geholfen, deshalb will ich dieses Jahr mehr an gute Hilfsprojekte spenden. Zum Beispiel das Geld, das ich an der Supermarktkasse für Billigchips oder chemischen Sahnejoghurt spare.

Es ist mir sehr peinlich, aber abgesehen von ein paar gekauften Obdachlosenzeitschriften war es damit nichts. Ich und meine Riesenklappe.

6. Ich will endlich die verdammten Bilder an die verdammten Wände hängen.

Nein. Neue Bilder sind reichlich dazugekommen. Sie stehen gerahmt oder kaschiert an den Fußleisten entlang oder liegen staubig und zusammengerollt auf Schränken.

7. Ich will jede Woche mindestens drei Stunden damit zubringen, meinen Absprung aus der Werbung nicht nur in bunten Farben zusammenzuphantasieren, sondern voranzubringen.

Ohje, Ohje... das Thema verdient einen eigenen Post in naher Zukunft.

8. Ich will wenigstens jeden zweiten Sonntag meine Mutter anrufen.

Ja! Tatsächlich! Hab ich gemacht. In echt!

9. Meine Schwester und meinen ältesten Freund ebenfalls.

Nein. Und nein. Ich bitte um Entschuldigung und verspreche, wenigstens ernsthaft zu versuchen, mich zu bessern.

10. Mein Lieblingsvorsatz von allen auf dieser Liste: ich will in diesem Jahr 100 neue Rezepte ausprobieren.

Ich hab irgendwann nicht mehr gezählt, aber ich glaube, es waren irgendwas zwischen 50 und 60. Diesen Vorsatz würde ich allerdings gerne nach 2014 mitnehmen, der hat Spaß gemacht.

11. Ich will es schaffen, die vollkommen aus dem Ruder gelaufenen Vorräte in meiner Vorratskammer in den Griff zu kriegen. Hamsterinstinkte in allen Ehren, aber ich brauche nicht acht Sorten Hülsenfrüchte in Mengen von jeweils über 1 Kilo, sieben koreanische Konserven, deren Inhalt ich leider nicht kenne, weil ich kein Koreanisch kann, und vier angebrochene Tüten Buchweizenmehl. Das Zeug wird aufgebraucht oder kommt weg.

Ha! Zwar war es am Ende L., dem die Schnur gerissen ist, aber mein Vorratsschrank ist tippitoppi und jederzeit präsentabel, sollte die Schöner Wohnen vorbeikommen und ihn fotografieren wollen.

12. L., mein Liebster, soll wieder merken, dass ich seine Liebste bin und nicht seine Mutti. Vielleicht bekommt er dieses Jahr ein bisschen weniger Kaffee von mir gekocht und Essen vor die Nase gesetzt. Aber dafür werfe ich mich für ihn auch wieder etwas mehr in Schale, hebe mir meine fünfstündigen Ölkuren für die Frisur für Tage auf, an denen er außer Haus ist, und lackiere meine Nägel frisch, wenn die abgesplitterte Fläche größer ist als die lackierte.

Das Tolle an Ndogo ist, dass mir meist keine Zeit bleibt für fünfstündige Ölkuren, ob mit oder ohne L. in der Nähe. Und auch Nägel lackieren fällt meistens weg, so dass ich keinerlei Probleme mit abgesplittertem Lack gehabt hätte. 2013 war ein nahezu splitterfreies Jahr! Abgesehen von den Blätterteignägeln während der Schwangerschaft. Leider war es mit dem Rest des Plans auch nicht weit her. Heute morgen habe ich nach dem Hundegang meine völlig ausgelatschten, verdreckten Hundespaziergangsstiefel in den Müll geworfen, das kann man fast schon als Durchbruch werten. Ansonsten laufe ich leider weiterhin viel zu oft herum wie Karl Arsch, und gebe ich mir ausnahmsweise mal wirklich Mühe, dann besorgt Ndogo den Rest. Der Kampf um ein ladylikeres Äußeres wird vermutlich ein lebenslanges Projekt bleiben, genau wie die Suche nach der perfekten Tasche.

13. Ich kaufe mir eine Hundehose, so ein knisterndes Plastikding, das ich über meine andere Hose ziehe, bevor ich mit den Hunden aufbreche. Ihr ahnt nicht, wie viele Nerven, Waschmittel, Strom und Wasser, Outfitwechsel in letzter Sekunde, Flüche und unwiderbringlich versaute Kleidungsstücke mich meine und fremde Hunde im letzten Jahr gekostet haben. Wenn meine Garderobe zu retten bedeutet, dieses Jahr in Croqs und Plaste durch die Gegend zu stapfen, um es sonst in Samt und Seide tun zu können, dann mache ich das eben.

Ich habe immer noch keine Hundehose, und nach wie vor sieht man das meiner Garderobe an. Was soll das? So ein Ding kann nicht mehr als 30 Euro bei Amazon kosten. Zwar ist heute schon der 1.Januar, aber diesen Vorsatz werde ich heute noch umsetzen.

14. Ich will mindestens einmal im Monat ins Kino gehen und mindestens einmal im Monat meine Mittagspause in einem Restaurant verbringen, das keinen Take-Out-Service anbietet.

Im Kino war ich fünf Mal, in einem richtigen Restaurant zur Mittagspause null mal. Das mit dem Kino tut mir mehr leid, das mit dem Restaurant war mir plötzlich einfach nicht mehr so wichtig.

Und jetzt? Vielleicht doch Vorsätze für 2014? Ich hab einen anderen Plan. Den wälze ich aber noch ein paar Stunden.

Ich wünsche allen Abkürzungsdamen da draußen, dass sie in 2014 ihrem großen Traum ein gutes Stück näher kommen! Und allen Ex-Abkürzungsdamen wünsche ich mehr Nagellack, mehr Kino und mehr von den guten Fritten. Abgesehen von Liebesglück, Gesundheit und all dem anderen, das euch vermutlich schon von anderer Seite mehrfach gewünscht wurde.

Kommentare:

  1. Danke Flora, für Deine guten Wünsche!
    Euch ebenfalls ein tolles Jahr 2014!

    Eine leider-immernoch-Abkürzungsdame, V.

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Flora,

    dir auch ein tolles 2014!!!!

    Eine Ex-Abkürzungsdame (13. Woche)

    AntwortenLöschen