Samstag, 30. März 2013

Um nicht zu sagen, vom Leben durchweg enttäuscht

Gestern schrieb eine mir bisher fremde Dame, ich wäre neurotisch und verbittert. Neurotisch kann ich selbst nicht beurteilen, aber verbittert? Gerade bin ich so fröhlich, wie man nur sein kann. Ich bin so fröhlich, dass ich sogar dem Schnee vor dem Fenster liebevolle Blicke zuwerfe. Ich sitze nämlich in der Heide auf dem Sofa mit der zweiten Tasse Tee des Tages und male mir schön bunt aus, wie herrlich das alles wird, wenn wir erst mit Würmchen herkommen. Um meiner Phantasie auf die Sprünge zu helfen, gibt es hier Stapel alter Fotoalben, in denen L. dabei zu sehen ist, wie er schwimmt, spielt, Kindergeburtstage feiert, Ostereier sucht oder skeptisch seine Weihnachtsgeschenke betrachtet. Unter einer dicken Schneehaube ruht im Moment noch das Schwimmbad, in dem Würmchen irgendwann mal unter Lilis strengen Blicken und meiner Anleitung Schwimmen lernen wird. Die bemoosten Kiefern neben der Auffahrt geben irgendwann mal die perfekte Kulisse für Würmchens Playmobil-Indianerspiele ab. Und von den Kühen, die am Fuß der Wiese über den Zaun lugen, wird er mal lernen, was Geduld und Sanftmut sind.

Guckt nur auch mal hin, Hunde! Da könnt ihr euch was abgucken. Meine Schwiegermutter hat der Hütte jetzt so lange keinen Besuch mehr abgestattet, dass das Wild hier das Ruder übernommen hat. Überall im Schnee ziehen sich kreuz und quer die Spuren von Rehen, Dachsen, Wildschweinen und Hasen, und wenn ich den Hundegang durch den Wald nicht auf dem Bauch zurücklegen will, dann muss ich brüllen und die beiden Zugmaschinchen tüchtig in den Nacken kneifen. Ihr altes Frauchen war sehr skeptisch wegen Momos neuem Epilepsie-Medikament, aber wenn sie das sehen würde, wäre sie beruhigt: keine Spur von Tran oder Müdigkeit.

Was war noch? Ich bin inzwischen bei Rezept Nr.14 und denke langsam, ich sollte einfach reumütig zu Nigella zurückkehren. Das Geheimnis zwischen uns ist nicht nur, dass ich ihre Kochbücher von allen am liebsten lese, sondern ich kann auch blind darauf vertrauen, dass ihr schmeckt, was mir schmeckt. Rezept Nr. 14 war ein Schokoladenkuchen aus dem New York Times-Kochbuch. Das ist das mit Abstand dickste und vollste Kochbuch in meiner Sammlung, und darum fällt es mir vielleicht manchmal etwas schwer, es anzugehen. Aber wednesday chef Luisa hat so geschwärmt von Evelyn Sharpe's French Chocolate Cake! Dazu besteht er auch noch aus gerade mal sieben Zutaten (Eier, Butter, bittere Schokolade, Zucker, eine Prise Salz, ein Esslöffel Mehl und Schlagsahne als Garnitur), und Luisa hatte nicht nur selbst gesagt, sondern auch noch mehrere Zeuginnen angeführt, die alle einhellig der Meinung waren, dies wäre der leckerste Schokoladenkuchen ihres Lebens. Und das Rezept hatte eins dieser Zaubertrick-Elemente, die mich immer dazu kriegen, es auszuprobieren: Nach 15 Minuten backen sollte man den Ofen ausmachen, einen Löffelstiel in die Ofentür klemmen und den Kuchen so zu Ende garen lassen. So etwas liebe ich. Wir waren bei Nachbarinnen eingeladen, ich hatte noch Heidelbeeren und Himbeeren zum Garnieren, alle anderen Zutaten auch, und tadaaa:



fertig war der ca. siebenundzwanzigbeste Schokoladenkuchen meines Lebens. Ziemlich trocken, ziemlich bitter und ziemlich... da kann man auch mal verbittert sein, oder? Ach Nigella, und dabei sind in deinen Kochbüchern noch mindestens zwölf Schokokuchenrezepte versteckt, die ich noch nicht angerührt habe! Wird Nr.15 eins davon?

Donnerstag, 28. März 2013

A propos schwanger: hab ich dir eigentlich schon erzählt...

Gestern, ich habe meine Kontrolluntersuchung hinter mir, zwar keinen Ultraschall bekommen, aber es ist alles in schönster Ordnung, strahlender Sonnenschein, die Mittagspause ist fast zu Ende, als sich auf einmal eine Volksversammlung auf dem Flur bildet - das kann nur eins bedeuten: im Zentrum dieser Menschenmenge ist ein Kinderwagen mit einem Baby drin. Einer unserer Kollegen ist mit Freundin und frisch geschlüpftem Sohn vorbeigekommen. Da muss ich auch gucken gehen. Wir bestaunen die kleine Wurst (ohne Anfassen, zwar bin ich noch ziemlich frisch in diesem Babygeschäft, aber soooo frisch jetzt auch wieder nicht), gratulieren, ich plausche mit der reizenden Mutti gerade so nett über Krankenhäuser und Kinderwagen, da kommt sie aus der Runde: die Horrorgeschichte. Ohne geht es scheinbar nicht. Ich will sie jetzt auch gar nicht weitererzählen, und die, die danach kam, auch nicht, und die danach, ich weiß nämlich (auch wenn einige das bezweifeln mögen) was sich gehört und dass man vor den zarten Ohren Schwangerer, die in direkter Verbindung stehen zu ihren zarten Gehirnen und ihren noch zarteren Gemütern, keine Geschichten von toten Babys erzählt. Jedenfalls: von Strahlen und Freuen und Glück zu Panik, blödem Gefühl im Magen, den ganzen Nachmittag dagegen ankämpfen zu googeln und verlieren, einer schlaflosen Nacht und am nächsten Morgen aufwachen und immer noch nicht wieder lachen können braucht es genau eine Scheißgeschichte.

Ist das in anderen Lebenslagen auch so? Müssen sich Leute, die sich einen Leberfleck entfernen lassen, ständig Hautkrebsgeschichten anhören? Kommen Leute vom Japaner und erfahren, dass genau in diesem Laden die komplette Familie der Nachbarin einer Cousine tödlich vergiftet wurde? Gehen Menschen auf weichen Knien ins Hallenbad, die brandheiße Geschichte über fleischfressende Bakterien im Whirlpool noch im Ohr? Vielleicht, aber ich habe den Eindruck, bei Schwangeren ist es am schlimmsten. Denn einen Hallenbadbesuch kann ich immer noch absagen. Bis ich weiß, dass ich wider Erwarten mein Sushi nicht mit dem Leben bezahlen muss, vergehen wenn es hoch kommt 48 Stunden. Aber eine Schwangerschaft ist erst mal da und bleibt auch hoffentlich, die Geburt steht uns allen bevor, und die meisten dieser Märchentanten besitzen ja auch noch die teuflische Raffinesse, ihre Geschichte damit zu würzen, dass "man das bei der Voruntersuchung nicht erkennen konnte, keine Chance, ist klar". Aha. Und jetzt?

Diesmal kam die Geschichte aus dem Mund genau der Tante, die mich im November schon mal indiskreterweise gefragt hat, ob ich wohl schwanger wäre, was ich damals verneint habe (1. geht dich das einen feuchten Dreck an, 2. habe ich es hier niemandem erzählt, 3. wärst du niemals und unter keinen Umständen eine der ersten, zweiten oder dritten, die es erfahren) und die dann, als ich es erzählt habe, ernsthaft beleidigt war, dass ich sie damals "so angelogen" hatte. Damit habe ich mich schätzungsweise um noch acht andere Geschichten dieser Sorte gebracht, ganz zu schweigen von Dutzenden blöder Ratschläge und Fragen, und darum ist das einer der wenigen Fälle, in denen ich mal rundum zufrieden mit meinem Verhalten bin.

Bitte, bitte, lieber Rest der Welt: lasst uns doch mit so was zufrieden. Lasst eure Knüllergeschichten über Gendefekte, Fehlgeburten, grässliche Unfälle, Ärztepfusch im Kreißsaal und Todesviren doch einfach noch ein paar Monate schmoren, bis wir unser hoffentlich gesundes Kind ganz langweilig und horrorfrei zur Welt gebracht haben. Dann meinetwegen wieder.

Dienstag, 26. März 2013

Und für euch bleiben wieder mal nichts als Updates.

Ich zähle die Tage, die ich noch arbeiten muss bis zum Mutterschutz, bin allerdings zu abergläubisch, die Zahl hier zu nennen. Nur so viel: es ist eine kleine Zahl, vorausgesetzt, ich bekomme keine zusätzlichen Jobanfragen. Die ich, so schizophren das klingt, annehmen würde. Müsste. Denn in den Wochen bis zum Mutterschutz haben wir noch eine Menge vor, und einiges davon an Tagen, an denen ich normalerweise arbeiten würde. Als ich mich auf mein jetziges Job-Arrangement eingelassen habe (drei Tage die Woche fest-frei, dafür zu einem sehr, sehr, fast beschämend sehr geringen Tagessatz, aber dafür mit der Sicherheit und Bequemlichkeit, die es mit sich bringt, wenn man weiß, woher das nächste Geld kommt) dachte ich: damit bleiben vier freie Tage pro Woche, perfekt für magische kleine Kurzurlaube. Wir könnten Mittwoch direkt nach meinem eigentlich immer pünktlichen Feierabend in einen Zug oder ein Flugzeug springen, wären zum Abendessen in Kopenhagen/Wien/Paris/sonstwo, kämen am Sonntag zurück, und ich hätte keinen meiner (unbezahlten) Urlaubstage verbraucht! Die Realität sieht so aus, dass L. am Wochenende fast immer mindestens eine Verpflichtung im Zusammenhang mit seinem komischen Nerd-Sport hat und dass so gut wie jeder Urlaub dann doch einen Montag, Dienstag oder Mittwoch oder gleich alle drei umfasst. Was bedeutet, dass jeder noch so raffiniert gebuchte Urlaub mich schon vor Antritt eine ziemlich dicke Summe pro Tag kostet, das Geld nämlich, das ich an diesem Tag nicht verdiene. Und ist das zu fassen, auch diesmal ist das wieder so! Wir fahren an einem Mo/Di/Mi nach Berlin zum Theatertreffen und an einem Mo/Di/Mi nach Wien. Und das Geld muss ich irgendwie wieder reinholen. Weswegen ich mich bei so gut wie jeder Anfrage in den nächsten Wochen zwingen werde, mit Roboterstimme zu sagen "ABER-GERNE-DAS-KLINGT-MEGA-INTERESSANT-DA-BIN-ICH-DABEI-SUPI-DASS-IHR-AN-MICH-GEDACHT-HABT" und keine weitere Diskussion.
Jedenfalls: das wäre alles gar kein Thema für einen Kinderwunschblog, aber ich muss zugeben, dass inzwischen (108 Tage bis zur Geburt laut App) vor allem mein Hintern einen kompletten Arbeitstag nur noch schwer verkraftet. Die unteren Regionen Richtung Steiß quietschen und knacken und wollen einfach nicht mehr, anfangs wollten sie nicht mehr auf Meetingstühlen, jetzt auf überhaupt keinen Stühlen mehr. Stehe ich dann doch mal auf, dann ächze ich wie ein altes Weib. Und ich stehe und ächze viel, soll man ja. Am Abend von so einem Tag bin ich jedenfalls völlig im Eimer und kriege keinen vernünftigen, durchkonzipierten Post mehr zustande. Alles, was noch geht, sind kurze Updates.

1. Momo.
Momo hatte inzwischen, wenn ich richtig mitgezählt habe, acht epileptische Anfälle. Sie hatte Anfälle mit Blutverdünner und ohne, lange und kurze, nächtliche und welche am hellen Tag, Anfälle in Reihe und Anfälle für sich. Sie hat außerdem inzwischen sieben Tierarztbesuche deshalb hinter sich, ihr Blut ist gründlich untersucht, und seit heute Abend bekommt sie zweimal täglich eine halbe Luminal-Tablette. Das ist das Zeug, aus dem die Hollywood-Selbstmord-Stories sind, und ich darf sie wegen Würmchen nur mit Gummihandschuhen anfassen. Wir hoffen und beten inständig, dass die Nebenwirkungen sich in Grenzen halten und schnell wieder verziehen, dass sie nicht zum Hundezombie wird und dass sie keine weiteren Anfälle mehr hat. Sie hat wirklich genug mitgemacht in den letzten Wochen, die arme Fussel.

2. Würmchen.
Würmchen zappelt, heute und gestern auch ohne Ermunterung von außen, und ich hoffe, morgen beim Ultraschall gibt es keinerlei blöde Überraschung, die dieses Schönwettersegeln stören würde. Wir zwei sind jetzt drin. Ich muss nicht mehr über Nahrungsmittel nachdenken, ich schlafe auf links, ich ziehe den Reißverschluss meiner Winterjacke mit Todesverachtung und viel Schwung über meinen Bauch weg und hab mich ewig nicht mehr geklemmt, ich kenne die glatten vereisten Stellen auf meinen Hundewegen im Schlaf, und in mein Schwangerschaftsbuch gucke ich so gut wie gar nicht mehr, weiß ich ja alles schon. Und wenn nicht, dann wird das auch ok sein.

3. Die Hebamme.
War nicht da, sondern erst krank und dann dank Terminstau überlastet. Jetzt kommt sie nächste Woche Donnerstag, und wir sind sehr gespannt. Auf dem Foto sieht sie etwas ökig und esoterisch aus, aber so ist das nun mal. Ich sehe auch auf Fotos ökig aus und fresse Esoteriker zum Frühstück. (scheinbar so ökig, dass meine kleine Kollegin gestern in der Ubahn ganz vorsichtig fragte, ich wollte doch sicher unbedingt eine, ähäm, natürliche Geburt?) Ich gucke sie mir erst mal an, dazu kommt sie ja, und ich freu mich drauf.

4. Die Osterpläne.
Freitag in die Heide fahren, kochen, lesen und schreiben. Sonntags ein paar Süßigkeiten für L. in den Schneewehen verstecken, Samstags Abends schick essen gehen, und zwischendurch vielleicht eine alte Bekannte mit ganz eigener Kinderwunschgeschichte treffen und ihr inzwischen vermutlich fast schon erwachsenes Mädchen bestaunen.

5. Die Mia.
Nichts Neues: ich fühle mich wohl in meiner Haut, meine Haut fühlt sich wohl auf mir, der Akku hält, was er verspricht, und ich glaube immer noch, das war eine gute Idee. Auch wenn ich fast nie solche Hautprobleme hatte, dass jetzt irgendwelche hochdramatischen Verbesserungen zu beobachten wären, hab ich doch das Gefühl, es tut sich was, und zwar zum Guten.

Uff. Kann nicht mehr. Gute Nacht, liebe Abkürzungsdamen.

Montag, 25. März 2013

Auch nicht schlecht: Katerfrei am Tag danach

Es zeigt sich, dass ein Geburtstag minus Alkohol, Fluppen, Crack, Sushi, Alufolie, Rodeo, Fallschirmsprünge, Heliskiing, Haare färben und Aioli immer noch ziemlich nett sein kann. Wir lagen im Pasta- und Kuchenkoma vorm Feuerchen auf Sofas herum, wobei Hunde immer eine große Hilfe sind, ich habe ganz reizende Geschenke bekommen, und warum 40 jetzt eine große Sache sein soll, weiß ich auch nicht - aber ich hab auch gut lachen, mit L., einem Kind im Bauch und meinen Mädchen um mich herum, zwei niedlichen Tieren, die mir alles Böse vom Hals halten und dann auch noch Sonne vorm Fenster und vielleicht demnächst sogar Frühling statt doch wieder nur Winter Teil III hat Melancholie kaum eine Chance. Und sollte ich irgendwann denken, so ganz ohne Alufolie ist es aber doch nicht richtig, dann kann ich im Herbst immer noch nachfeiern.
Heute plätte ich den Rest der Agentur mit meinen Kuchenresten (ein Stück Donauwelle, und der Tag ist vollkommen im Eimer) und wurde schon dreimal gefragt, wie "man sich mit 40 fühlt". Ja nun. Da könnte ich einiges von meinem Bauch erzählen, der Bauch drängt sich gerade ziemlich in den Vordergrund, da müssen die anderen Körperteile einfach mal die Klappe halten. Heute morgen beim Montagswiegen haben wir die sieben-Kilo-Marke gesprengt, was kein Wunder für alle ist, die mich gestern beim Essen beobachtet haben. Ich könnte mir vorstellen, in den nächsten Tagen wird das wieder weniger. Wenn ich von Stühlen oder, noch schlimmer, von Sofas aufstehe, mich nach den vielen Dingen bücke, die mir täglich runterfallen, Treppen steige oder mich im Bett von links nach rechts und zurück wälze, ertönen seltsame Geräusche. War ich das? Muss ich wohl, auch wenn ich mich nicht erinnern kann, früher solche Töne von mir gegeben zu haben. Ich habe mir am Freitag auch zum ersten Mal den Bauch am Bügeleisen verbrannt, was sich genau so anfühlt, wie ihr euch das jetzt vorstellt. Der Bauch verdeckt seit zwei-drei Tagen meine Füße, so dass ich beim Laufen wirklich hingucken muss und mich nicht darauf verlassen kann, ich würde schon auch unbewusst und in voller Fahrt mitkriegen, wann ein Bordstein oder eine Treppenstufe kommt. Eine Weile lang konnte ich den Bauch gut in Hängerchen im Empire-Schnitt von vor der Schwangerschaft stecken. Da passt er immer noch rein, aber er sieht einfach nicht gut aus. Nur in Schwangerschaftsklamotten ist er wirklich basketballhaft kugelig, in allen anderen Sachen habe ich einfach zehn Kilo zu viel. Im Bauch zappelt es mal mehr, mal weniger und mal auch gar nicht, und das macht mich dann nervös. Ungefähr einmal am Tag kommt es vor, dass ich das Würmchen von außen ärgere und pieke, damit es sich muckst und meinen Sorgen ein Ende macht. Schon jetzt zeigt sich, genau wie einige hier es sich sicher schon lange gedacht haben, was für eine Rabenmutter ich mal werde! Das äußert sich übrigens auch darin, dass ich mir zum Geburtstag mein erstes petit bateau-Teil gewünscht habe, und es war nicht für's Baby, sondern für mich, mich, mich.

Freitag, 22. März 2013

Liebes Würmchen,

Dein Vater steht am Fenster und schnauzt die Schneeflocken an: "ihr Spastis". Es ist nicht zu fassen, dass wir zwei nach deutscher Zählung heute in der 25. Woche und damit im siebten Monat sind - und daran ist der Schnee wohl mit Schuld, ich könnte das leichter glauben, wenn draußen schon Eis essende Menschen in Flipflops vorbeiflanieren würden. Du kommst im Hochsommer, und jetzt ist tiefster Winter, wie kann ich da im siebten Monat sein? Ich bleibe wohl im Kopf bei der amerikanischen Rechnung. Oder höre ganz auf, in Monaten zu rechnen: bleibst Du auch nur eine Woche länger im Bauch als vorgesehen, bin ich irgendwann im elften - das wird zu bescheuert.
Jeden Hundespaziergang lege ich wie auf rohen Eiern zurück, um bloß nicht auszurutschen und meine kostbare Fracht zu zerditschen, und einen richtig erbärmlichen Anblick biete ich, wenn ich auf dem großen Mittagsspaziergang die kleine vereiste Brücke überquere, beide Fäustlinge fest um das Geländer gekrallt. Wird das noch schlimmer, muss ich auf allen Vieren kriechen. Auf den Gängen bist Du dagegen ganz ruhig und entspannt, erst hinterher fängst Du an zu zappeln. Bisher tut das überhaupt nicht weh, es ist eher ulkig und manchmal ein bisschen gruselig. Ich hoffe sehr, dass Du nie erlebst wie sich das anfühlt, wenn eine Bauch-Drainage nach einer OP gezogen wird - aber falls doch, denk Dir das Ziepen der Naht weg und Du hast in etwa das, was Abends auf dem Sofa in meinem Bauch vor sich geht. Je tiefenentspannter ich dann bin, desto mehr tobst Du. Für jemanden, der so egozentrisch ist wie ich, ist es schon komisch zu erleben, wie sich jemand anderes so immer weiter nach vorne schiebt in meiner Aufmerksamkeit: ich habe Kopfschmerzen und denke nicht mehr als erstes "ich Ärmste, und dann mit Tablettenverbot", sondern "Ogottogott, hoffentlich nichts, was Würmchen schadet." Heute Nacht musste dein Vater um drei Uhr die Symptome einer Listeriose googeln, weil ich seit zwei Tagen Druck auf dem Kopf habe, wenn ich nach unten gucke, und erst als klar war, dass es das wohl nicht sein wird, war wieder an Schlaf zu denken. (Ich bitte an dieser Stelle alle mitlesenden Damen, von Kommentaren abzusehen, in denen steht, vielleicht wäre es aber doch Listeriose oder Schlimmeres und ich sollte doch bitte jetzt ins nächste Krankenhaus fahren.) Jetzt habe ich mir eine Nasenspülung mit Salzwasser gemacht, was zwar an den Kopfschmerzen nichts geändert hat, aber dafür sorgt, dass ich mich den ganzen Tag lang fühle, als wäre ich schon vor dem Frühstück im Meer geschwommen. (Es führt auch dazu, dass immer noch einmal pro Stunde plötzlich ein bisschen Salzwasser aus meiner Nase läuft. Du hattest Dir Deine Mutter etwas makelloser und eleganter vorgestellt? Pech gehabt, Würmchen.) Ich kann es kaum noch abwarten, bis Du da bist. L. kann es kaum noch abwarten. Die Hunde können es kaum noch abwarten. Und wenn ich ehrlich bin, freue ich mich fast noch mehr als auf Dich als Säugling auf das, was danach kommt: z.B. auf uns zusammen am Meer, Dich in kleinen Gummistiefeln und Badehose. Wir sammeln Krebse und bauen ihnen ein Gehege im nassen Sand, was hältst Du davon? Irgendwann heute so in drei Jahren und ein paar Wochen. Ich wäre jetzt schon so weit.

Ein dickes, salziges Küsschen von Deiner Mutter.

Mittwoch, 20. März 2013

Telegrammstil geht anders.

Ich sitze an meinem Schreibtisch und höre meine Weihnachtsplaylist. Was soll man machen? Lebkuchen sind ja keine mehr zu kriegen. Im Park gegenüber von unserem Haus liegt der Schnee bis an die Oberkante meiner Plastestiefel, leider teilweise auch etwas höher, L. hat dem Hund schon einen Teil-Haarschnitt verpasst (alles, wo dicke Schneeklumpen drin hängenbleiben, musste ab, das arme Tier), und ich hab endlich eingesehen, dass es diesem Winter piepegal ist, ob ich täglich eine Flappe ziehe, wenn ich nach dem Aufstehen aus dem Fenster gucke. Irgendwo da draußen wartet ein alkoholfreies Hefeweizen darauf, von mir unter warmer Frühlingssonne getrunken zu werden, im Freien irgendwo und als Begleitung zu kleinen gebackenen Fischen oder Rippchen. Außerdem reift der Plan, meine blöden Winterklamotten feierlich zu verbrennen, sobald ich sie sicher nicht mehr brauche. Das kann mir keiner wegnehmen! Auch nicht die vermutlich acht Zentimeter Neuschnee, mit denen für heute zu rechnen ist. Ein Seiteneffekt des Schnees ist aber, dass ich irgendwie mein Zeitgefühl verliere, so wie man im Nebel angeblich schlechter hört. Mir kommt es jedenfalls vor, als wäre der letzte Post zwei Wochen her, auch wenn es nachweislich erst drei Tage sind, und mir bleibt nichts anderes übrig als ein großer Rundumschlag.

1. Die Mia.
Die Mia (genauer gesagt die Mia 2 in pink, in dieser Farbe ist sie genau so teuer wie im langweiligen weiß, aber ein Teil des Kaufpreises geht an die Brustkrebs-Forschung wie fast immer, wenn man in GB etwas Rosafarbenes kauft) hatte ihre Woche, und die hat sie sehr, sehr gut überstanden. Im Netz stand, ich müsste zu Anfang mit einem Ausbruch von Pickeln und anderem Ärger rechnen, bevor es dann besser wird. Ich war auf alles vorbereitet, nachdem ich irgendwann vor fünf Jahren mal auf Dr. Hauschka umstellen wollte und innerhalb von drei Tagen alle Pickel meines Lebens geballt auf drei Quadratzentimetern an meinem Kinn ein Comeback feierten und absolut nicht wieder verschwinden wollten, bis ich entnervt aufgegeben und den ganzen schönen Ökokram verschenkt habe. Aber bisher gab es nur zwei winzige Dingerchen, die eigentlich nur im beleuchteten Kosmetikspiegel erkennbar und unter meiner feinen BB-Cream völlig unsichtbar waren. Und das, obwohl ich mir täglich ca. dreihundert mal ins Gesicht packe, um den glatten Effekt zu bewundern, da müsste ich eigentlich gerade eine kleine Pickelfarm entwickeln. Auch die kleinen roten Stellen auf der Nase und den Wangen sind jedenfalls nicht schlimmer geworden, eher besser. Der Winter ist nicht nett zu meiner Haut, genau so wenig wie der Hochsommer, aber im Moment ist sie ganz gut in Schuss, und ich glaube, daran ist auch Mia Schuld. Ich benutze sie jeden Abend, und zwar auf der niedrigeren Stufe - zweimal täglich geht auch, und angeblich kann man selbst mit empfindlicher Haut die höhere Stufe benutzen, aber weil mein Anti-Rötungs-Waschgel sich nicht mit ihr verträgt und ich das auch einmal am Tag benutzen will, beschränke ich mich auf abends, dann putzt sie auch gleich noch jedes Restchen Farbe ratzeputz weg. Einmal reinigen dauert eine Minute, und weil das Ding wasserdicht ist, kann ich das auch unter der Dusche machen. Die Minute geht aber viel schneller vorbei als gedacht. Ich habe mir zur Feier des Tages eine richtige Nachtcreme von Avene angeschafft, denn die Anti-Rötungs-Maske, die ich bisher als Nachtcreme benutzt habe, war nach dem Bürsten nicht fettig genug. Die Creme verschwindet fast mit hörbarem Schlürfen im Gesicht, so gut ist noch nie irgendwas eingezogen. Eigentlich soll man alle drei Monate eine neue Bürste anschaffen, die leider nicht billig ist, aber ich denke mal, wenn ich sie nur einmal täglich nehme statt zweimal, reicht es auch alle sechs Monate. Ich bürste jedenfalls weiter und berichte nach einem Monat wieder.

2. Die Plauze: Dienstagmorgen war ich bei 74,5 kg. Selten lief irgendwas bei mir so planmäßig, was mit Gewicht zu tun hatte. Inzwischen habe ich mir angewöhnt, auf Informationen aus dem Internet zu hören, wenn ich Lust drauf habe, und ansonsten einfach zu schäumen, dass die ja alle doof sind. Und das Internet hat ausgerechnet, dass ich im Lauf dieser Schwangerschaft ausgehend von meinem Start-BMI und meinem Alter idealerweise 14 Kilo zunehmen sollte. Da ist noch reichlich Luft nach oben. Sollte es weniger sein, bin ich auch nicht böse, aber es besteht kein Grund, ab sofort auf die Pizza zum Mädchenabend zu verzichten. Soviel zum Äußeren der (immer noch ungestreiften) Plauze: im Inneren ist aber auch Einiges los, das Würmchen strampelt und haut um sich, dass es eine Freude ist. Beim letzten Superultraschall lag es mit dem Kopf nach unten. Inzwischen glaube ich, es liegt quer, aber dreht sich bestimmt noch zwanzigmal. Morgen früh kommt mich die Nachsorge-Hebamme zuhause besuchen, damit wir uns kennenlernen können; vielleicht will sie ja auch mal gucken und kann mir dann mehr dazu sagen. Bisher war die ganze Geburt für mich noch so unwahrscheinlich und weit weg und als Abkürzungsdame nicht mein Thema, aber mittlerweile hoffe ich inständig, dass es kein Kaiserschnitt wird - nicht, weil ich so wahnsinnig scharf auf Blut, Tränen und Gebrüll wäre, aber ein Kaiserschnitt würde bedeuten, dass ich danach erst mal eine Zwangspause einlegen muss. Und je länger ich drüber nachdenke, desto sicherer bin ich mir, dass wir es am besten so schnell wie möglich noch mal probieren, so lange die Myome und die Endometriose noch in Schockstarre liegen. Und damit beschäftigt mich zum ersten Mal im Leben das Thema, in welcher räumlichen Lage sich mein Sohn gerade befindet. Schrill, schrill. Wer hätte das gedacht? Ich jedenfalls nicht.

3. Muc habe ich damit schon behelligt, aber jetzt auch noch mal in die große Runde: gibt es hier jemanden, der in München lebt oder jemanden kennt, der dort lebt, und der von einer Drei-Zimmer-Wohnung bis 1600 Euro weiß, am besten im Altbau mit Balkon und Holzböden, die bald frei wird? Meine Schwester zieht nach vielen, vielen Jahren Fernbeziehung endlich mit ihrem Freund (mit dem sie schon länger zusammen ist als ich mit L., muss man sich mal vorstellen) zusammen, und zwar nach München, Hauptstadt der fluchenden Wohnungssuchenden. Ich wäre ewig dankbar für zielführende Tipps.

4. Der Kinderwagen usw.: wir sind noch keinen Schritt weiter, und ich glaube, bevor L. in Wien den icandy mit eigenen Augen gesehen hat, wird hier gar nichts entschieden. (Meine heimliche Meinung ist ja, dass der genau so aussieht wie der Bugaboo und eigentlich auch genau so teuer ist, und den kriegen wir um die Ecke, und zwar in viel schöneren Farben... Erfahrung zeigt aber, dass ich dieses Ziel über Umwege ansteuern muss.) Dafür ist die alte Wiege aus Kirschbaumholz aus dem Sauerland angekommen, ich habe sie aber noch nicht ausgepackt und aufgebaut, denn dann würde sie im Wohnzimmer herumstehen und uns anstarren, während wir versuchen, mit unserem Pärchen-Feierabend durchzukommen. Ein hübsches gebrauchtes Kinderbett auf ebay habe ich dafür nicht bekommen, irgendjemand war offensichtlich bereit, seine Großmutter dafür zu verkaufen, also bitteschön, viel Spaß damit. L. und ich waren letzte Woche auf einem Kinderflohmarkt, und ich fürchte, zu oft darf ich das nicht machen, ich werde da wahnsinnig aggressiv. Aus kleinstem Anlass! Es reicht schon, wenn mir zum fünften Mal in drei Minuten jemand seinen Ellenbogen in den Bauch rammt, um schneller einen Stapel angegraute Strampler durchwühlen zu können, und schon fange ich an zu brüllen. Mit einer Beute von sieben kleinen, größtenteils blaugestreiften Kleidungsstücken sind wir abgezogen. Dafür setze ich mich dem nicht mehr aus, auf normalen Flohmärkten gibt es auch Kindersachen, dafür aber keine Kloppe.

Sonntag, 17. März 2013

Wir sind noch nicht mal mehr fünf Adventskalender von Würmchen entfernt

Normalerweise gebe ich fast täglich Sachen von mir, zu denen L. dann sagt "Deine Sorgen möchte ich haben": ich rege mich gerne über Dinge auf, die dem Rest der Welt egal sind. Aber ab und zu ist es auch mal umgekehrt. Als vor ein paar Jahren die ersten 48 Stunden-Deos aufkamen, fanden viele das lächerlich und Igitt, Comedians rissen lahme Scherze darüber. Ich bin immer noch begeistert. Vor dem 48 Stunden-Deo kam es vor, dass ich mich morgens nach dem Duschen anzog, dann auf dem Fahrrad zur Arbeit und zurück fuhr und dann sofort wieder duschen und mich umziehen musste, und das im April und obwohl meine Haut eigentlich zwei Duschen am Tag nicht gut verträgt. Meine Lieblingstops wurden selten alt, denn früher oder später fingen sie an zu muffen, egal bei wie viel Grad und womit ich sie gewaschen habe. Die Wahrheit war, dass 24-Stunden-Deos bei mir ca. 15 Stunden durchhielten, eher kürzer. So ein Morgen wie heute hätte so nicht funktioniert: gestern war ich gegen halb acht unter der Dusche, heute war ich schon mit dem Hund unterwegs und liege jetzt wieder im Schlafanzug und immer noch ungeduscht mit Tee und Rechner im Bett. Früher hätte ich duschen müssen, und dann den Schlafanzug noch mal anzuziehen... ich weiß nicht. Ganz zu schweigen von Freitagen, an denen ich um halb acht geduscht habe, dann arbeiten gefahren bin und dann direkt von der Arbeit auf die Schanze oder an den Elbstrand, um irgendwann nachts um drei nach Hause zu kommen. Ich hatte in der Agentur ein Deo in der Schublade und habe mich an solchen Tagen nach der Arbeit mit kaltem Wasser auf dem Firmenklo gewaschen, fast immer kam jemand rein, und oft habe ich mir noch bei H&M irgend ein billiges T-Shirt zum Umziehen gekauft, das ich danach nie wieder angezogen habe. (Sich auf der Arbeit "Frischmachen" - das machen sonst eigentlich nur Ermittler in Serienmordfällen im Fernsehen, so viel ich weiß.) Jetzt ist eine ungeduschte Strecke von acht bis halb eins am nächsten Tag kein Problem, und es ist ewig her, dass ich ein Kleidungsstück weggetan habe, weil es unter den Armen in der Wäsche nicht mehr so richtig aprilfrisch wurde. Ich würde seine Kräfte aber nicht missbrauchen, indem ich es ernsthaft darauf anlege, einen Tag ganz ohne Dusche auszukommen. Ein Hoch auf das 48-Stunden-Deo! Noch 117 Tage bis zur Geburt. Dann kann es vermutlich ernsthaft zeigen, was es draufhat.

Freitag, 15. März 2013

24

Heute beginnt die 24. Woche. Wikipedia und mein Schwangerschaftsbuch sind sich nicht ganz einig, was Würmchens Überlebenschancen betrifft, käme er jetzt schon: laut Wikipedia sind sie "winzig", laut Schwangerschaftsbuch liegen sie bei 79%. Das kommt mir viel zu optimistisch vor, und ich fände es gut, wenn er sich noch eine ganze Weile Zeit lässt. Noch haben wir es ja auch ganz gemütlich zusammen: hier ein Tritt und da ein Knuff, aber nichts, was mich aus der Bahn werfen würde, und auch mit dem Umfang werde ich noch einigermaßen fertig. Gestern Abend habe ich mir z.B. ohne weitere Dramen und Probleme die Füße hübsch gemacht samt Pediküre, was laut Schwangerschaftsapp eigentlich schon nicht mehr möglich sein sollte. Das Stillkissen liegt jetzt jede Nacht zwischen meinen Knien, aber das habe ich auch ohne Kind im Bauch manchmal schon so gemacht mit einem ganz normalen Sofakissen und kann es nur empfehlen für Damen mit ähnlich spitzen Knien wie ich. Schwangerschaftsstreifen habe ich auch noch nicht. Am meisten leiden bisher die Nägel: meine Fingernägel splittern an der vorderen Kante auseinander wie Blätterteig, und dabei sind sie schon ganz kurz. Auch der extra angeschaffte Lack gegen Brüchigkeit hilft nicht wie erhofft. Fies sieht das aus, aber momentan gucken eh alle nur auf meinen Bauch, da flutscht das so durch. In der Kinderwagenmission ist ein neuer Kandidat aufgetaucht. L.s Cousine, die gerade in London ihr Kind bekommen hat, schwärmt vom icandy, und L. ist fast schon überzeugt. Demnächst fliegt der Bauch auf Abschiedstournee nach Wien, da gibt es einen Laden, und bis dahin warten wir noch ab. Manchmal wundere ich mich ein bisschen: eigentlich hatte ich befürchtet, vier Jahre sorgsam geschürte Vorfreude aufs Kind entladen sich jetzt in einem hemmungslosen Kauf- und Ausstattungsrausch, aber noch kann ich mich ganz gut am Riemen reißen. Vielleicht ja auch deshalb, weil da ein Haufen Arbeit auf uns zukommt: das Gästezimmer muss ausgeräumt werden, die Wände neu gestrichen oder tapeziert, all der Kram, der jetzt noch darin ist, braucht einen neuen Platz, gleichzeitig muss der Dachboden gästetauglich gemacht werden, und dann können wir anfangen, kleine niedliche Möbel aufzustellen und Bilder aufzuhängen und Strampler in Regale zu falten, die wir noch nicht haben für ein Kind, das wir auch noch nicht haben. Noch sechzehn Wochen.

Mittwoch, 13. März 2013

Neues vom Blob

Letzte Woche haben die Mädchen mir noch Komplimente gemacht, wie hübsch schwanger ich wäre, dass man bei mir ja wirklich nur den Bauch sehen würde und ansonsten alles genau so wie immer wäre - tja. Das war letzte Woche. Heute wache ich auf - übrigens nach der ersten Nacht mit dem empfohlenen Doomoo Stillkissen um mich herumgewickelt und nach neun Stunden Schlaf - und fühle mich wie ein Klops. Wie ein Klops, der sich kaum aus dem Bett wuchten kann, geschweige denn an den Schreibtisch. Ich bin ein unförmiger Haufen Matsch. Und dabei habe ich nichts schlechter gemacht als in den Wochen davor, eher im Gegenteil: Mein einmal wöchentlich erlaubter Mittagspausen-Burger mit Fritten ist vom Speiseplan verschwunden, seit ich die nette Salatbar um die Ecke entdeckt habe. Sogar das Brot zum Salat lasse ich weg, das sieht mir gar nicht ähnlich! Damit wäre ich bei folgendem Speiseplan: Morgens: Mo, Di und Mi eine Schüssel Special K's mit fettarmer Milch (nicht freiwillig, das ist die einzige, die wir in der Agentur haben). Mittags ein Salat mit Balsamico-Dressing. Nachmittags mal ein Äpfelchen und Dickmilch, mal eine Scheibe Vollkornknäcke mit Käse. Laaaaangweilig! Und Abends gibt es aufgewärmte Reste vom Wochenende. An den anderen vier Wochentagen frühstücke ich meistens eine Scheibe dunklen Toast mit einem Ei, dazu Joghurt mit Obst. Mittags gibt es meist nüschte, dafür koche ich mir so gegen halb sechs Pasta oder Kartoffeln mit Quark oder so. Es gibt auch Exzesse, vor ein paar Tagen musste ich mir mit L. eine große Pizza und einen Becher Ben&Jerry's teilen, aber das war schon immer so, schwanger oder nicht. Ich kann nur hoffen, dass das nur eine Phase ist. Es ist nicht zu fassen, wie ich schnaufe, wenn ich auch nur von der Haustür bis ins Schlafzimmer geklettert bin, und das sind gerade mal 25 Treppenstufen. Steige ich aus der Ubahn an die Luft, dann muss ich mich dabei am Geländer festhalten, und zwar nicht aus Angst zu fallen. Plötzlich habe ich ein ziemlich gutes Bild davon, warum Schwangerschaften eine Beziehung belasten, inzwischen schaffe ich es noch nicht mal mehr, einen normalen 20:15-Film mit L. zusammen bis zum Ende zu sehen. Wenn ich morgens aufstehe, liegt er noch im Bett, ich gehe mit den Hunden und zur Arbeit, und wenn ich wiederkomme, will ich eigentlich nur noch in mich zusammenfallen. Das ist doch kein Liebesleben! Vor ein paar Tagen hätte ich heulen können, weil ich mich innerlich darauf eingestellt hatte, dass L. um kurz nach sieben zum Training geht - seit Mittags habe ich auf den Moment hingefiebert, wenn ich zuhause bin, noch kurz mit den Hunden um den Block war und dann sofort meinen wärmsten Schlafanzug anziehe. Ich wollte noch ein-zwei Stündchen auf dem Sofa liegen, vielleicht auf meiner DS rumdaddeln, dazu irgend etwas Schlonziges essen, das ich in einer Schüssel auf der Sofalehne balanciere, und dann komme ich nach Hause, und L. hat "keine Lust" und bleibt zuhause. Wie, keine Lust? Und dann war es das mit Schlafanzug und DS, und ich hielt mich noch anderthalb Stunden mühsam wach, um Fragen zu beantworten und über anstehende Entscheidungen zu diskutieren, und ich war so vollkommen fertig und enttäuscht und am Ende und fand mich dabei so lächerlich - wie lächerlich ist das, wenn sich eine erwachsene Person nach der Arbeit nicht mal mehr ein, zwei Stunden aufrecht mit ihrem Mann unterhalten kann? Ich hätte das nie geglaubt, aber genau so ist es jetzt, und zwar jeden Tag.

Gut. Weg von diesem deprimierenden Thema. Mein Sohn zappelt täglich, mal mehr, mal weniger, aber er zappelt und hört hoffentlich auch nicht wieder auf damit. Gestern hatte ich kurz den Eindruck, einer der Hunde hätte etwas bemerkt: mein Bauch zuckte so merkwürdig, und Lili erstarrte mitten in der Bewegung und glotzte dann eine Minute lang auf die Stelle, die sich da so merkwürdig ausgebeult hatte. Eigentlich dürfte die Hunde das alles nicht mehr überraschen, ich habe es jetzt in den letzten Wochen ausführlich mit ihnen besprochen, was da auf uns zukommt: dass ich von ihnen erwarte, sich ab Juli stärker im Haushalt nützlich zu machen und mir überhaupt viel zur Hand zur gehen. In all meinen Hundebüchern steht, Airedales wären perfekte Familienhunde, also bitte.

Dann habe ich auf ebay eine Wiege aus dem Sauerland von 1840 aus Kirschholz bestellt, die demnächst ankommen müsste, ein sehr hübsches Ding mit geschnitzten Sternchen und Blümchen, die später als Bettchen Nr.2 vermutlich im Wohnzimmer stehen wird. Zusammen mit dem Stillkissen und der Spieluhr, die ich immer noch nicht umgetauscht habe, sind das jetzt schon drei Anschaffungen für das Kind, und am Wochenende ist ein großer Kinderflohmarkt, zu dem ich L. hoffentlich schleifen kann. Mit dem Kinderwagen sind wir immer noch nicht weiter, neulich dachte ich kurz, wir würden einen von Hesba nehmen, die sehen ungefähr so aus wie 1970 - aber dann war das Internet plötzlich voll mit Berichten über rostende Schrauben, abbrechende Griffe etc., also wieder nichts. Schwangerschaftsstreifen habe ich noch keine, aber ich bin fast sicher, das kommt noch, Nuxe hin oder her. Wenn dieser Bauch noch vier Monate so weiterwächst, kann das gar nicht anders sein. Und: meine Mia ist da! Noch hängt sie wie angewiesen an der Strippe, um 24 Stunden durchzuladen vor dem ersten Einsatz, aber heute Abend werde ich mein müdes Gesicht für eine Minute an das Bürstchen schmiegen. Schonungslose Tageslicht-Fotos von allen problematischen Bereichen meines Gesichts habe ich gestern schon gemacht, so dass die Poren auf der Nase, die Rötungen am Kinn und in den Ecken und die zwei-drei Pickelfarmen dokumentiert sind und ich später einen objektiven Vorher-Nachher-Vergleich machen kann. Ich hab mich selten so auf ein Kosmetik-Produkt gefreut, dem kann Mia kaum gerecht werden, es sei denn, ab Tag 1 drehen sich Passanten auf der Straße nach mir um und wollen Autogramme. Egal, wie es läuft, eins steht fest: ich werde berichten.

Montag, 11. März 2013

Die Wahrheit über die Jahre 86 und 87

Ich war strohdoof, verklemmt, unglücklich, allein (und zwar nicht ganz zu Unrecht, wenn man das alles liest), feige, verwirrt und hatte einen grauenvollen Musikgeschmack, wie man an den Kommentaren zu den Top 10 ablesen kann, die ich fast jede Woche akribisch notiert habe (in Ermangelung anderer Ereignisse). Alle waren doof zu mir, und mein einziger Weg, damit umzugehen, war, schmollend in mein Mädchenzimmer zu verschwinden und mein Tagebuch vollzuquengeln, vorzugsweise in Türkis oder Orange. Ca. zwölfmal musste ich da gestern lesen, jetzt wäre ich aber endgültig nicht mehr in zwei zwar verschiedene, aber beliebig auswechselbare Jungs mit C verknallt. Als ob das irgend einen Unterschied gemacht hätte: die Ärmsten hätten sowieso nie etwas davon erfahren, und ich hatte eine Sportbrille. Eine Sportbrille! So eine silberne mit einem geraden Zusatzverstärkungsbalken über der Nase und Bügeln, die sich einmal um die Ohren herumwickelten. Einmal hatte C.II mich auf einer Busfahrt die ganze Zeit angeguckt - Hysterie, auch wenn ich fairnesshalber einräumen musste, dass das auch daran gelegen haben konnte, dass sein Sitz meinem gegenüber lag. Das Mittagessen fiel meist nicht zu meiner Zufriedenheit aus. Highlights waren Ferien mit meiner Cousine und Pläne, was ich alles mit meinem inzwischen schon auf 35 DM angewachsenen Taschengeldhort machen würde. Einmal waren wir in der alten Oper und hörten Mozarts Haffner-Sinfonie, die war "so mittel". Nachmittags ging ich in die Bücherei und lieh mir stapelweise Bücher aus, um sie dann zu verschlampen. Reiten war ich auch und segeln, wobei segeln meist darin bestand, Dienstag Nachmittags zur festgelegten Zeit am Bootssteg zu sein, und niemand kam, so dass ich nach zwanzig Minuten wieder nach Hause ging. Mit 14 durfte ich zum ersten Mal einen James Bond-Film im Kino sehen. Danach überlegte ich, dass Geheimagentin ja auch ein Beruf für mich sein könnte. Ein paar Mal habe ich laut geschrien auf dem Sofa gestern und hoffentlich die Wurst nicht zu sehr erschreckt. Nachdem wir in der Gruppe für werdende Adoptiveltern ja erfahren haben, was ein ab und zu angespannter Bauch schon an Schaden anrichten kann, kann man nicht vorsichtig genug sein. Trotzdem mache ich weiter. Heute liegt die abgekühlte Asche von Band 1 (Chinakladde in hellgrün und türkis, die mit dem Segelschiff unten in der Ecke, bei dem man nie weiß, ob man drüber oder drumherumschreiben soll) auf dem Kompost unter einer wattigen Schneeschicht und düngt vermutlich im Sommer die Tomaten. Gut so.

Sonntag, 10. März 2013

Vergangenheitsbewältigung im Zeitalter der Mülltrennung

Als wir vor ein paar Wochen bei meinen Eltern waren und schon beim Aufbruch, kam mein Vater aus dem Keller angelaufen mit einer kleinen Pappkiste, in der früher mal irgend etwas Russisches verpackt gewesen war. Jetzt waren darin alte Fotos von mir, und obendrauf klebte ein Zettel mit der Aufschrift "Flora prüft". Die Kiste hat er mir mitgegeben. Gestern habe ich sie aufgemacht und durchgeguckt. Die meisten Fotos sind aus den ein-zwei Jahren nach dem Abi, und mit niemandem, der darauf zu sehen ist, habe ich noch irgend etwas zu tun. Zusammen waren wir Boot fahren mit riesigen ausgemusterten Bundeswehr-Schlauchbooten, die wir von den Pfadfindern geliehen hatten. Es gab Bilder von einer Tour über Ostern auf der Donau, wir stehen im Schneegestöber um einen Campingkocher herum und warten auf unseren lauwarmen Instantkaffee. Es gibt auch Bilder, auf denen meine damals beste Freundin Astrid mit ihrem Freund Andreas zu sehen ist. Er war in meiner Klasse und irgendwann auch mal in mich verschossen gewesen, aber ich konnte mich nie so richtig für ihn erwärmen. Irgendwann war sie dann die Freundin seines besten Freundes Jan, und an einem Wochenende im Ferienhaus seiner Eltern in der Pfalz, als Jan erst einen Tag später dazukommen konnte, sind die zwei Abends nach viel Getrinke und Gerede in einem der ausgemusterten Furnier-Jugendzimmer-Betten im Keller gelandet. Es hat noch zwei Monate gedauert, bis Jan das erfahren hat, und da war sie eigentlich schon mit Andreas zusammen. Auch von diesem Wochenende gibt es Fotos. Ich habe sie beim Durchsehen sortiert in "Behalten" und "Wegwerfen", und nach kurzer Zeit war klar, dass der "Wegwerfen"-Stapel viel größer wird. Seitdem frage ich mich: wieso ist mir das alles so wenig wert? So gut wie alle Erinnerungen, die beim Durchgucken kamen, waren nicht besonders schön. Sehe ich Bilder von Astrid, dann denke ich vor allem an ihre Macken - daran, dass sie immer nur aufblühte, wenn sich irgend ein Typ für sie interessierte - noch viel schlimmer, dass sie es nicht ertragen konnte, wenn er sich für eine andere mehr interessierte, und dabei spielte es überhaupt keine Rolle, ob dieser völlig beliebige Tropf ihr eigentlich egal war oder nicht, es ging nur um die wärmenden Sonnenstrahlen männlicher Aufmerksamkeit. Über ein Jahr lang ließ sie unseren spitzbärtigen, fipsigen und sturzlangweiligen Mathelehrer hinter ihr herstelzen und lästerte über ihn, ohne jemals auch nur das kleinste Bisschen zu tun, um ihn abzuweisen. Einmal hockten wir einen Abend lang zusammen, und hinterher auf dem Heimweg vertraute sie mir mit großer dramatischer Geste an, dass mein Schwarm ständig versucht hatte, den Arm um sie zu legen. Erst am nächsten Morgen wurde mir klar, dass er den ganzen Abend am anderen Ende des Zimmers verbracht hatte und dafür drei Meter lange Arme gebraucht hätte. Warum? Keine Ahnung, und irgendwann beschloss ich, dass der Grund mir egal war und ich mit diesem Unfug nichts mehr zu tun haben wollte. Weg mit den Astrid-Fotos also. Und bei der Gelgenheit auch gleich weg mit den Fotos von Andreas, der so dackeläugig gucken konnte und eine ganz treue Seele war, bis er auch nur die kleinste Menge Alkohol intus hatte - dann wurde er gerade zu seinen engsten Freunden unverzeihlich widerlich. Die ersten paar Semester Studium, langweilig und sinnlos - weg mit den Fotos. Von der großen Tour durch Finnland mit meinem ersten Freund habe ich ein paar Bilder aufgehoben, eins von meiner Schwester als kleines Mädchen in der Badewanne, ein paar von einem Wanderurlaub im Schwarzwald mit der Familie, zwei von unserem Hund am bretonischen Strand und ein paar, auf denen mein Zimmer von damals im Hintergrund zu sehen ist und an den Wänden aufgehängter Kram, den ich schon längst wieder vergessen hatte, und den Rest - den Rest brauche ich nicht mehr, der liegt jetzt in einem Papierkorb unter meinem Schreibtisch. Und immer noch frage ich mich, stimmt was nicht mit mir? Fotos nehmen doch nicht viel Platz weg und fangen auch bei langer Lagerung nicht an zu stinken, ich höre immer, wenn man eine Sache aufheben soll, dann doch wohl Fotos? Wieso regt sich da bei mir gar nichts? Warum habe ich damals so viel Zeit mit Leuten verbracht, die mir heute absolut unwichtig bis unsympathisch sind? War das alles gelogen? Habe ich mich so verändert? Ist das nicht traurig, wenn man überhaupt niemanden mehr kennt aus dieser Zeit? Oder kennen will? Gestern sagte L. über jemanden aus seinem Jahrgang, spätestens 2015 würde er ihn wohl sehen, dann hätten sie 25jähriges Abitreffen. Und ich dachte, zu meinem 25jährigen werde ich vermutlich nicht hingehen, und das nicht nur, weil es 600 Kilometer von hier entfernt stattfinden wird. Waren die wirklich alle so doof, und ich hatte das seltene Pech, im Idiotenreservat aufzuwachsen? Das kann doch nicht sein! Warum gab es über so viele dieser blöden Erinnerungen niemals einen Streit, sondern ich bin einfach weitergezogen und sitze jetzt, 20 Jahre später, hier und ärgere mich immer noch beim Anblick dieser Leute in ihren hässlichen 90er-Jahre-Klamotten? (Die blöden Fotos aufzuheben, wäre jedenfalls einfacher gewesen. Dann würde ich jetzt nicht hier sitzen und mir den Kopf darüber zerbrechen, was ich denn für eine bin.) Ich sehe Bilder von meinem ersten Freund, mit dem ich sieben Jahre zusammen war, und weiß sofort wieder, wie genervt ich war, als er sich diesen dämlichen Ohrring hat stechen lassen. Ich hasste auch damals schon Schmuck, und er wusste das und hat das einfach machen lassen, als "Überraschung", und war dann beleidigt, als ich das einfach nur grauenvoll fand. Wieso gerate ich bei den Bildern nicht ins Träumen und denke mir, ach, ein feiner Kerl war das? L. spricht nur gut über seine Exfreundinnen und hat ein 1a Verhältnis zu den meisten aus seinem Abijahrgang, wieso ist das bei mir so anders? Warum denke ich gerade darüber nach, den Nachmittag darauf zu verwenden, gemütlich ein paar Jahrgänge Tagebuch durchzulesen und dann feierlich im Ofen zu verbrennen? Ist das meine Art von Schwangeren-Nestbautrieb, weg mit dem ollen Schlonz, jetzt fängt etwas Neues an?

Ich glaube fast, ich mache das. Ich verbrenne ein paar Jahre Langeweile, Dauergenervtheit, runtergeschluckte Kränkungen, doofe Kompromissbekanntschaften und Wurstprobleme, die kein Mensch mehr braucht. Sehen wir's als vorgezogenen Frühjahrsputz. Ich bin gespannt, wie das wird. Und jetzt gehe ich erstmal mit den Hunden eine Stunde durch den Schnee.

So war das nämlich

Falls die Gastgeberin des gestrigen Abends meinen Blog liest und zufällig auf den letzten Eintrag stößt, dann hoffe ich, sie denkt nicht von mir, ich wäre so dämlich, erst von meiner neuen Party-Trägheit zu schreiben und dann blau zu machen, um mich gemütlich einen weiteren Abend zuhause aufs Sofa zu hauen. Dort lag ich zwar gestern, statt auf der Party zu stehen, aber gemütlich ist was anderes. Gegen sechs bin ich einfach umgekippt wie ein gefällter Urwaldriese, mein Bauch tat so scheußlich weh, als hätte jemand in meinem Inneren hundert Pflaster angebracht und würde sie jetzt gaaaanz, gaaaanz langsam abziehen. Zum Glück hat Würmchen weiter gestrampelt und tut es noch, deshalb bin ich auch nicht zum nächsten ärztlichen Notdienst gefahren, sondern habe das unter alte Endometrioseherde plus Dehnungs-Schmerzen abgehakt, und heute ist es auch wieder gut, aber gestern hatten Würmchen und ich tatsächlich das erste Mal so was wie Streit. Das war ganz schön fies. Und todmüde wie nach drei Tagen ohne Schlaf war ich außerdem. Es zeigt sich, dass ich mich inzwischen entscheiden muss: will ich tagsüber fürchterlich aktiv sein (7:30 aufgestanden, eine Stunde Hundespaziergang, dann Frühstück gemacht, Wäsche gewaschen, gebügelt, noch eine Stunde Hundespaziergang, Ikea, eingekauft, Kuchen gebacken, uff) oder abends? Nur eins davon wird in den nächsten Monaten gehen.

Während wir bei Ikea waren, ist der Winter zurückgekommen. Wir haben uns nicht länger als eine Stunde da drin aufgehalten, und als wir rauskamen, war plötzlich wieder Januar und Schnee. Inzwischen ist es sogar ganz hübsch, über Nacht war es richtig kalt, und auf jedem Zweig liegt ein dicker weißer Haufen. Die Hunde sind begeistert und hinterlassen jetzt noch überall kleine Pfützen auf dem Holzboden von den Schneeklumpen, die ihnen erst langsam wieder aus dem Fell tauen. L. ist zum Tischtennis-Turnier abgerückt, seinen Kuchen unterm Arm, und ich kann gemütlich Würmchens Schweinehund pflegen. Schnee draußen, Sauerbraten mit Knödeln und Erbsen drinnen - dieser Tag gehört Würmchen und mir.

Samstag, 9. März 2013

Liebes Würmchen,

Ziemlich genau heute ist er da: der Tag, an dem Du genau so viel Zeit in meinem Bauch verbracht hast wie in einer Tiefkühltruhe. Das feiern wir, indem wir nachher erst schick zu Lys Vintage gehen und dann zu Ikea. Das hatte ich jetzt schon dreimal vor und habe es nicht geschafft, heute habe ich deine zukünftigen Tanten dabei und werde ein paar schöne Minuten damit zubringen, dein zukünftiges Bettchen und deine zukünftige Wickelkommode zu streicheln und mir das alles auszumalen, wie das wird mit dir und mir. Dann backt Mama noch einen Kuchen für... warte, jetzt hätte ich fast "Papa" geschrieben, aber hier wird es ganz, ganz merkwürdig, denn Papa ist immer noch mein Vater, dein Opa. Das dauert vermutlich noch eine Weile, bis wir uns in Mama und Papa verwandeln, vielleicht passiert es auch nie, und ich hoffe schwer, dass wir uns gegenseitig auf gar keinen Fall jemals so nennen. (Da fällt mir mein Opa ein, der meiner protestierenden Oma immer noch eine Extraportion auf den Teller packte mit den Worten "Da, Muddi".) Und dann, wenn der Kuchen gebacken ist, dann fahren wir auf eine Party. Ich weiß nicht genau, wie Du mich später mal antreffen wirst. Wenn alles so läuft, wie ich mir das vorstelle, dann wird es schon bestimmt einmal pro Woche vorkommen, dass du deinen Abend mit einem reizenden Babysitter verbringst und ich es anderswo lustig habe. Das ist jetzt schon so lange so, ich konnte mir nie vorstellen, dass sich das mal ändert. Aber gerade bist du der Klebstoff, der mich zuhause am Sofa festpappt. Eigentlich freue ich mich seit Tagen auf diese Geburtstagsfeier, aber ich weiß jetzt schon, dass gegen 18 Uhr die Aussicht auf mehrere Stunden im Stehen mit einem alkoholfreien Bier in der einen Hand und nichts in der anderen alles andere als verlockend sein wird. Ich gehe trotzdem, keine Frage, und dann wird es mit Sicherheit auch schön, aber mit dir als Passagier ist der ideale Tagesausklang im Moment trotzdem eher Schwimmen und Biosauna so gegen halb fünf, dann noch im Bademantel und dick eingemummelt eine Weile auf der Terrasse liegen mit einem Buch und einer Klatschzeitschrift, dann nach Hause und vor die Glotze und das Feuerchen mit einem Teller Suppe. So kenne ich mich nicht, was hast du sonst noch alles vor mit mir?

Wenn ein Schwangerschaftsinspektor durch unser Haus gehen und nachsehen würde, welche Babyvorbereitungen wir bisher getroffen haben, würde es wenig abzuhaken geben. Wir haben noch keinen Kinderwagen. Kinderzimmer, Kindermöbel, Kinderspielzeug: Fehlanzeige. Ich habe einen kleinen Spieluhr-Hund gekauft, aber zuhause festgestellt, dass er nur die ersten Takte von "Guten Abend, Gute Nacht" in Endlosschleife spielt, schwierig anzuhören für musikalische Menschen, darum wird auch der wieder zurück gebracht. Irgendwo hier im Haus gibt es einen kleinen Strampler, bedruckt mit einem Nilpferd, den ich vor zwei Jahren von der Designerin auf einem Flohmarkt in Brooklyn gekauft hatte für das Kind eines Kollegen. Dann hat L. ihn aber "aufgeräumt" und jetzt ist er weg. Vielleicht taucht er irgendwann wieder auf, hoffentlich rechtzeitig? Er war sehr niedlich. Man kann also nicht sagen, wir hätten noch keine Babykleidung, aber sie entzieht sich unserem Zugriff. Dann liegen da noch irgendwo die zwei HSV-Schnuller, die ich vor 300 Jahren mal gekauft hatte, um L. die Nachricht von meiner ersten Schwangerschaft im Juni 2009 stilecht überbringen zu können. Und bei meinen Eltern steht noch eine Kiste Babykram. Aber hier im Haus, offen sichtbar? Nichts. Das einzige, was von deiner Existenz zeugt, ist mein Bauch, die Tritte und Knüffe darin, der Mutterpass in meiner Handtasche und das Öl auf dem Badezimmerregal, das aber angeblich auch für Gesicht und Haare wahre Wunder bewirken soll und somit nichts mit Schwangerschaft zu tun hat. Dann sind da noch die femibion 2 Tabletten, die Gummihandschuhe in der Küche (die ich aber auch vorher schon hatte, wer Kontaktlinsen und gleichzeitig eine Vorliebe für frische Chilis hat, weiß, warum) und eine einzige kümmerliche Schwangerschaftsjeans. Und hier soll demnächst ein Baby einziehen?

Aber trotzdem: ich weiß, dass du da bist. Jedenfalls weiß ich das jetzt besser als noch vor einem Monat oder vor zweien. Und langsam kommt ein neues Gefühl dazu abseits von "Hoffentlich hoffentlich hoffentlich geht alles gut": ich kann es wirklich kaum noch abwarten, bis du endlich da bist.

Freitag, 8. März 2013

Mia, meine Mia

Normalerweise gehe ich bei Mode, Dekokram und Kosmetik so mit Habenwollen um: ich schleiche einen Tag lang um das Objekt der Begierde herum, dann reiße ich mich mit Gewalt los, gehe nach Hause und schlafe erst mal drüber, vorzugsweise auch noch über das Wochenende. Will ich es dann immer noch haben, dann kaufe ich es. Ist es weg, habe ich Pech gehabt, schmolle für fünf Minuten und dann gut. Denke ich nicht mehr dran, dann denke ich nicht mehr dran. Je größer die Ausgabe und je zweifelhafter der Sinn, desto beharrlicher muss ich mir etwas wünschen. Grundsätzlich ist aber mein Ideal, Dinge eher nicht zu kaufen als zu kaufen. Darauf arbeite ich hin. (Sonst bin ich nicht so geizig, für Essen z.B. haue ich Unsummen raus, den Mädchen würde schwindelig werden, wenn sie wüssten wie viel.) Dabei hilft mir seit einem Monat auch noch meine Haushaltsbuch-App, die so nervig und langweilig zu bedienen ist, dass ich mir schon angesichts des anstehenden Eintrags dreimal überlege, ob ich jetzt wirklich noch einen Nagellack brauche. Diesmal hat es etwas über die Ziellinie geschafft, um das ich jetzt seit zwei Monaten herumschleiche und herumgoogele: eine Clarisonic Mia 2 Ultraschallgesichtsbürste in pink. (Die viel besseren Farben coral und peony waren leider hier nicht zu kriegen.) Sie hat bei amazon.co.uk 120 Pfund gekostet und ist hoffentlich Montag hier. Sie ist wasserfest, man kann sie unter der Dusche benutzen und sich ein-zweimal täglich damit das Gesicht bürsten. Angeblich verfeinert sie die Poren, reduziert Fältchen, verhindert Pickel, lässt Rötungen verschwinden, entfernt Make-Up wie keine Zweite und strafft die Haut. In noch nicht mal mehr drei Wochen werde ich 40, ich fand, das kann ich mal machen. Außerdem bringt die Schwangerschaft ein paar Pickel mehr mit sich, und in den ersten Monaten kann ich vermutlich jede Unterstützung brauchen, die ich bei der Hautpflege kriegen kann. In den USA und England überschlagen sich die Damen mit begeisterten Reviews im Netz, bis auf ein paar party pooper, denen das Ding z.B. dreimal runtergefallen ist und dann kaputt war oder denen das Reise-Köfferchen zu schäbig war, hu! Ich reibe mir schon die Hände, euch zu berichten, ob es funktioniert.
Gestern war wohl einfach der Damm gebrochen. Neben der Mia habe ich außerdem einen Jeansrock und ein Jeanskleid im online-Sale bei bellybutton geordert, und hätte nicht das Bestellprogramm versagt, wäre noch eine Großbestellung bei Vertbaudet dazu gekommen. Vom Umstandsmodenhersteller Paulina hatte ich schon eine Menge gehört, größtenteils in sehr ehrfürchtigem Ton, aber als ich mir das angesehen habe, war ich entsetzt: das sieht ungefähr so aus wie die Sachen, die Sonja Zietlow zur Moderation des Dschungelcamps trägt, nur mit eingeplantem Bauch.

Ich shoppe mich in den sechsten Monat. Auch in den USA würde der heute laut "What to expect" beginnen. Falls es irgendwo auf der Welt ein Land gibt, in dem ich noch im fünften bin, habe ich noch nicht davon gehört. Inzwischen stellen sich einige der Dinge tatsächlich ein, die meine Apps mir schon im dritten Monat andichten wollten. Seit zwei Nächten ist es tatsächlich blöd, auf dem Rücken zu schlafen. Leider kümmere ich mich im Schlaf nicht darum, wache dann auf dem Rücken auf, falle auf dem Weg ins Bad fast um und habe noch eine Stunde mit Schwindel zu kämpfen, weil die Gurke mir die halbe Nacht auf die Blutversorgung gedrückt hat. Gestern hatte ich außerdem meinen ersten Anfall des Rapunzel-Phänomens und musste unbedingt jetzt und auf der Stelle Toast Hawaii essen, der sonst eher ganz unten auf meiner Liste steht, während der feine Dukan-L. ein wenig gedünsteten Seelachs mit Kräutern zu sich genommen hat, wäwäwäwäwä. Ich habe im Job zum ersten Mal die Schwangerschaftskarte gezogen, als sie wollten, dass ich auch diese Woche wieder Donnerstag und Freitag für sie arbeite. Ein normaler neun-Stunden-Arbeitstag wird gerade tatsächlich anstrengend, vor allem, weil ich nicht mehr gut mehrere Stunden auf einem der hübschen, aber harten Meeting-Stühle sitzen kann, ohne dass ich das Gefühl habe, mein Steißbein bohrt sich in meinen Nacken. Und es vergeht kein Tag mehr, an dem ich das Würmchen nicht strampeln spüre. Ich habe jetzt schon ein bisschen Angst vor den letzten Wochen, wenn das aus Platzmangel wieder aufhört, es wird mir fehlen. Gaaaaaaa, da war es wieder!

Dienstag, 5. März 2013

Einige vollkommen ungeordnete und rein subjektive Erfahrungen einer Abkürzungsdame im sechsten Monat.

1. Das mit den Lebensmitteln und den Keimen ist halb so wild. Allerdings sollte man, wenn man sich nicht während der Zubereitung eines Hühnchens zwölf mal die Hände waschen will (Rohes Huhn angefasst. Hände waschen. Salzmühle und Pfeffermühle benutzt. Huhn gewendet. Hände waschen. Salzmühle und Pfeffermühle wieder benutzt. Huhn mit Thymian und Knoblauch gestopft. Hände waschen usw.), in eine Packung CSI-Einweg-Handschuhe investieren.

2. Entweder die Schwerkraft hat zugenommen und das Ende der Welt ist nah, oder ich bin einfach seit Neuestem zu doof, einen Tag zu überstehen ohne etwas fallen zu lassen.

3. Die Schwangerschaft und ich, wir leben während großer Teile des Tages friedlich nebeneinander her. Bis sie mich dann plötzlich erwischt, wenn ich am wenigsten damit rechne. Gestern saß ich in meinem komplett verglasten Büro und bin in Tränen ausgebrochen, weil die auf der Homepage des Montessori-Kindergartens um die Ecke so nett über die Individualität des Kindes geschrieben haben.

4. In Schwangerschaftsbüchern, Schwangerschaftsartikeln und Schwangerschaftsapps steht ständig, dass Männer schwangere Frauen zum Durchdrehen heiß finden. Abseits davon ist dieses Phänomen scheinbar unbekannt.

5. Auf alle, die gegen Esoterik genau so allergisch sind wie ich, kommt eine Desensibilisierungsphase zu. Ich bin ein harter Hund, versteht ihr das nicht? Schwanger oder nicht, würde jemand Clint Eastwood mit Walgesängen im Kreißsaal, Kügelchen oder Übungen kommen, bei denen seine Lunge seinem Kind zulächelt? Ibäh.

6. Ich dachte immer, ein Kind zu bekommen ist der letzte Schritt, um vom Rest der Welt als vollwertige Erwachsene betrachtet zu werden. Aber noch nie haben so viele Leute versucht, mir reinzuquatschen, mich zu bevormunden oder mich umzuerziehen. Meine Reaktion darauf schwankt zwischen auf Durchzug stellen (meist vergeblich) und Hasspickeln (unansehnlich). Der Tag wird kommen, da brülle ich los und werfe mit Sachen. Und mit diesem Kugelbauch werde ich mich mit Sicherheit nicht bücken, um sie hinterher wieder aufzuheben.

7. Ich kann mich auch irren, aber ich habe den Eindruck, ungerechterweise wird das Ultraschallgel für den Bauch mollig vorgewärmt, während die Abkürzungsdamen sich mit dem auf 7° runtergekühlten Zauberstab abfinden müssen.

8. Das Bauchthema hat mich bisher verschont. Während dieser Schwangerschaft hat zum Glück noch niemand versucht, meinen Bauch anzufassen. Sehr gut, Rest der Welt, weiter so!

9. An mir ist fast der komplette bunte Blumenstrauß an frühen und mittleren Schwangerschafts-Symptomen vorbeigegangen. Anfangs hat mir das oft Sorgen gemacht. Den größten Teil davon hätte ich mir sparen können, wenn ich einfach von Anfang an überhaupt keine Sekunde in Foren zugebracht hätte. Eine Woche hat gereicht, um mich an den Rand der Paranoia zu treiben. Wer ähnlich veranlagt ist: lieber wegbleiben.

10. Das mit den Fristen ist kompliziert. Was muss bis wann passiert sein? Letzte Woche bin ich z.B. fast ausgelacht worden, als ich mich in meinem Wunschkrankenhaus zur Geburt anmelden wollte. "Da haben sie ja noch Zeeeeeeeit!". Mein Anmeldungstermin ist jetzt im Mai, lässig ist das. Die Hebammen dagegen haben mich ausgelacht, sofern sie zurückgerufen haben. Für die Vorsorge hätte ich mir in Hamburg scheinbar unmittelbar nach dem positiven Test eine suchen müssen. Jetzt habe ich aber eine, die zurückgerufen und mir gesagt hat, klar wäre das überhaupt kein Problem, die Nachsorge zu übernehmen - da wäre ja noch reichlich Zeit. In den nächsten Wochen mache ich mich daran, Elterngeld zu beantragen. Ob ich damit viel zu früh, viel zu spät oder genau richtig dran bin, keine Ahnung. Eine Bekannte hat sich schon vor Wochen an den Kopf gefasst, dass ich noch kein Bett und keinen Kinderwagen geordert habe - unfassbar, habe ich noch nie was von Lieferfristen gehört? Im Laden haben sie uns gesagt, sechs Wochen vorher reicht dicke, und auch die brauchen wir nicht, wenn wir nicht zu konkrete Vorstellungen haben, was die Farbe von Ziernähten etc. betrifft. Kitas, hört man immer, muss man eigentlich am Morgen nach der Zeugung anfunken. Die, für die wir uns interessieren, möchte gerne wissen, wann unser Kind Geburtstag hat und ob es schon getauft ist. Bis ich durch dieses System durchgestiegen bin, ist das Würmchen vermutlich eingeschult (vermutlich auch entweder zu früh oder zu spät). So ist das wohl.

11. Die Abkürzungszeit ist immer noch da, sie steckt mir in jedem Knochen. Aber auch, wenn ich schon nicht mehr daran geglaubt habe - irgendwann kommt sie: die Zeit, in der ich einfach schwanger bin. Nicht schwanger gegen jede Wahrscheinlichkeit, wie durch ein Wunder schwanger, schwanger trotz Endo, Myomen, Zysten und einem insgesamt feindseligen Uterus, sondern schwanger.

12. Sollte unter meinen Leserinnen eine sein, die so dermaßen vom Abkürzungsschicksal unbeleckt ist, dass sie sich einfach aussuchen kann, zu welcher Jahreszeit sie wie schwanger sein will: bisher bin ich rundum begeistert von meiner Zeitplanung. Versuch im Herbst, schwanger Anfang November, dann über den Winter viel Zeit zum Herumlungern und früh Schlafengehen, und in dem Moment, in dem der Bauch droht, den Reißverschluss meiner Winterjacke zu sprengen, ist der Winter vorbei. Im Frühjahr noch mal letzte Gelegenheit zu ein paar netten Kurzurlauben zu zweit, und wenn die Affenhitze beginnt, sitze ich sowieso zuhause und brüte auf meinem Klinikkoffer. Ich find's gut so und kann das nur empfehlen.

13. Das Öl, das Penaten zum Baucheinschmieren herstellt, ist ein großer Mist. Erst machte es den Bauch schmierig, dann hat es ihn ausgetrocknet, und als Nebenwirkung gab es den miesesten Juckreiz seit meinem letzten Allergieschub wegen einer irrtümlich geschluckten Aspirin. Zum Glück war die bisher schlechteste Investition dieser Schwangerschaft auch eine der kleinsten.

14. Einige sagen, meine Kinderwunschärztin hat schon ein dickes Dankeschön von mir bekommen, und zwar in Form eines mächtigen Stapels pünktlich bezahlter Rechnungen. Ich sehe das anders. Wenn er gesund auf der Welt ist, bekommt sie von mir ein neues Paar Berkemänner und eine Flasche von meinem Lieblingschampagner. Es wird mir eine große Freude sein.


Samstag, 2. März 2013

Kontrolle durch die Vorsatzpolizei

Zwei Monate sind um, zweimal war ich im Kino. Nullmal habe ich Mittag in einem Lokal ohne Take-Out gemacht. Ich muss an mir arbeiten! Auch die hundert neuen Rezepte kommen eher schleppend voran. Bisher habe ich auf der Liste:

1. Eis aus Bitterorangen
2. selbstgemachter Rahmspinat zum Steak
3. Adzika, eine georgische Chilisauce
4. Khachapuri, ein georgisches Brot gefüllt mit Käse
5. Mandel-Zitronen-Kuchen
6. Pilze Stroganoff
7. Haferflockenkekse
8. Chirashi Sushi (minus Fisch, plus Avocado und Gurke)
9. Käsefondue mit Gemüseplatte

Nicht doll, dieser Schnitt. Wie soll das erst werden, wenn ich ab Sommer Würmchen im Arm habe und den Kochlöffel mit den Zähnen festhalten muss? Heute wollte ich deshalb mit Ossobucco nachlegen. Ich stehe immer an der Fleischtheke, und es zieht mich mit Macht zu den Stücken abseits von Schnitzel und Steak. Die Beinscheiben haben mich schon öfter angelacht, und weil L., der Gute, wieder mal auf dem Ducan-Trip ist (was den Bauch betrifft, nehmen wir uns gerade nicht viel), war es diesen Donnerstag beim Einkaufen so weit: ich habe spontan beschlossen, dass ich uns das Wochenende mit Ossobucco versüße. Es zeigt sich, spontan kann ein Fehler sein, und wenn man dieser Küchenromantik entsprechen will, mit dem Körbchen in der Armbeuge durch die Welt zu wandern und sich von Gemüseständen und dem, was der Fischmann gerade hat, inspirieren zu lassen, dann sollte man ein bisschen mehr Küchen-ABC draufhaben als ich. Ossobucco macht man nicht aus Rind, sondern aus Kalb. Jetzt steht ich da mit ca. anderthalb Kilo dicken, roten Beinscheiben. Die werde ich jetzt wohl anbraten und dann mit Rotwein, Tomatenmark, Fond, vielleicht ein paar Oliven, Zwiebeln, Knoblauch und Sellerie schmoren und gucken, was passiert, schlimm kann es eigentlich nicht werden. Dazu Risotto für mich und Luft für Herrn Ducan?
Würmchen scheint die Aussicht zu gefallen, er zappelt mit den Beinen. Und mir gefällt die Aussicht auf Stammtisch morgen. Wir haben jetzt einen Tisch für acht - zwei Nachzüglerinnen eingerechnet, dafür die frischgebackene Mutter Birgit rausgerechnet - um elf. Ich bin dann die mit dem Bauch und den Strubbelhaaren.


Freitag, 1. März 2013

Stammtisch

Liebe Damen, die letzte Zählung am Sonntag ergab außer mir sechs Gäste für den Stammtisch. Also habe ich am Sonntag einen Tisch für sieben reserviert. Jetzt haben wir noch zwei Interessentinnen, und ich würde gerne spätestens heute Abend versuchen, die Reservierung auf neun zu erweitern, sonst müssen wir uns eben quetschen. Bevor ich da anrufe, wollte ich aber noch mal fragen: sonst noch wer? Oder jemand anderes vielleicht doch leider nicht? Schnell schnell kommentieren und Bescheid sagen. Ich freue mich schon sehr!