Montag, 30. August 2010

Stammtisch: nach endlosem Hin und Her nun ein eindeutiger Vorschlag:

ich würde vorschlagen, wir treffen uns diesen Donnerstag auf der Schanze. Wo genau, bleibt noch zu diskutieren und hängt vor allem davon ab, ob am Donnerstag Oktober, Dezember oder Juli ist. Und zwar so früh wie möglich, macht ja nichts, wenn wir erst peu a peu eintrudeln. Ich könnte vermutlich so um kurz vor sieben da sein.

Und das große Treffen bei mir zuhause dann beim nächsten Mal, den genauen Termin können wir ja am Donnerstag bekakeln. Ich möchte alle Damen bitten, ihre Filofaxe oder was auch immer dabei zu haben. Jetzt kommt nämlich mal Zug in die Bude!

So. Mit wem kann ich ganz sicher rechnen?

Sonntag, 29. August 2010

Stammtisch, schon wieder ein Nachtrag

Wir könnten natürlich auch die Sause bei mir zuhause auf nach der OP verschieben und uns dieses eine Mal noch in der Stadt treffen. Dann kann es früher losgehen, weil ich nur aus dem Büro aufs Fahrrad springen und auf die Schanze radeln muss. Wie wäre das? Ich verspreche auch, wir legen gleich einen Termin für den nächsten Stammtisch fest, und dann lege ich mich ins Zeug und lasse mich von keiner Macht der Welt an diesem Tag buchen.

Sonntagsblogger

Übrigens schreibe ich gerade auf dem Sofa vorm Kamin, in dem ein von mir selbst gebasteltes Feuer brennt. Draußen ist November, und im Moment finde ich die Aussicht, ab sofort noch acht Monate lang November zu haben, ziemlich verlockend. Der Hund war draußen, er hat mindestens eine Stunde lang mit einem Kampfhund getobt, der glücklich war, endlich mal einen Spaziergänger zu finden, der seinen Hund nicht in Panik auf den Arm nimmt und wegrennt, wenn er am Horizont auftaucht. Die beiden haben in einem Busch eine alte, eklige Socke gefunden und sind dann eine Stunde lang wie ein astreines Pferdegespann immer Seite an Seite mit der Socke in den Mäulern um die Wiese gerast. Auch sonst hatte sie es gut, wir haben heute schon drei Trainingseinheiten nach den Anweisungen der Polizeihundeschule hinter uns gebracht, die, wer hätte das gedacht, richtig nett ist (einzig gruseliges Detail: Auf dem Weg dorthin muss man an lauter Autos vorbei, die an einem Feldweg geparkt sind, und in mehreren dieser Autos war im Kofferraum ein massiver Stahlkäfig, und in jedem dieser Stahlkäfige waren zwei bitterböse Schäferhunde eingesperrt, die sich um ein Haar einen ihrer riesigen Zähne am Gitter abgebrochen hätten, nur weil wir drei da ganz friedlich vorbeispaziert sind. Kurz haben wir überlegt, ob wir umkehren sollen, aber dann sind wir weiterspaziert. Und es hat sich gelohnt!) Mir wurde unter anderem beigebracht, dass ich mich nicht liebevoll über meinen Hund beugen und ihm über den Kopf strubbeln soll, weil sowohl das Beugen als auch das Strubbeln nicht gerade beruhigend auf ihn wirken. Außerdem habe ich gelernt, dass "Komm" ein Befehl und keine Bitte ist. Gesäuselt wird hinterher, wenn der Hund gekommen ist. Gefälligst. Aber Zackzack. Und dann noch, dass meine alte Hundeschule wohl ein bisschen realitätsfremd war, wenn sie allen Ernstes wollte, dass ich einem acht Monate alten Airedale irgendwas ohne Leckerchen, nur durch meine autoritäre Ausstrahlung oder wohlwollende Gegenwart beibringe. Jetzt gibt es also einerseits Leckerchen für den Hund, andererseits aber auch Befehle, und er kommt fabelhaft klar. Dass ich neuerdings auf Spaziergängen aus dem Nichts in Gebüsche springe und dort kichernd sitzen bleibe, bis er mich findet, macht uns außerdem beiden sehr viel Spaß und dient dazu, die Hund-Frauchen-Bindung zu stärken.

Egal. Wo war ich? Der Hund liegt ermattet vorm Kamin, einer der besten Plätze für Hunde, und ich trinke ein verfrühtes Glas Rotwein. In Sichtweite sitzt L., der heue mal Rosé trinkt, und muss arbeiten. Verkehrte Welt, ab morgen wieder anders herum, wenn mein Wecker um halb acht piept und ich als Erstes mit dem Hund raus muss, bevor ich in die Stadt abrücke und Monsieur sich überlegt, welche Zeitung er heute gerne zum Frühstück hätte. Und Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag genau so weiter, bis zum Tag vor der OP. Das kommt selten vor, dass das Arbeitsbienchen in dieser Beziehung das Sofabienchen ist bzw. das Sofabienchen das Arbeitsbienchen, und ich genieße es so gut, wie es geht. Ich lese mein Nigella-Buch, starre mit glasigem Idiotenblick ins Feuer, und wenn L. sowas sagen würde wie "haben wir eigentlich noch irgend was im Kühlschrank?", würde ich ihn mit glasigem Idiotenblick anstarren.

Nigella erfüllt auch diesmal wieder alle in sie gesetzten Hoffnungen. Ich glaube ja nicht, dass sie die beste Köchin der Welt ist, aber ihr schmecken zufällig genau die gleichen Dinge wie mir, und das ist viel mehr wert für mich - dann kommt noch dazu, dass sie so schön über Essen schreibt wie sonst niemand. Von allen Rezepten im Buch habe ich heute ausgerechnet die Pasta mit Marmite (diese irre salzige pechschwarze Paste, die in England auf dem Frühstückstisch steht und die man genau EINmal mit Nutella verwechselt und dann nie wieder) gemacht, und selbst die, so unwahrscheinlich das klingt, war fabelhaft.

Nach jedem Absatz schleiche ich mich in die Küche und esse noch eine Gabelvoll kalter Nudeln mit Marmite.
Wenn jeder Sonntag so wäre, dann wären die Montage weiß Gott leichter zu ertragen.

Stammtisch, Nachtrag zum Nachtrag

Liebe Abkürzungsdamen,

der zweite würde zwar an sich passen, aber so früh kann ich leider nicht, weil ich doch ab jetzt durchgehend gebucht bin und gegen 18:30 vermutlich gerade noch einen Durchhaltekaffee aus der Firmenmaschine holen gehe. Verabreden kann ich mich da unter der Woche frühestens um acht, und wenn ich kochen soll, eigentlich auch erst um neun (es sei denn, die Damen sind damit einverstanden, noch ein Stündchen nur mit alkoholischen Getränken herumzulungern, bis es endlich was zwischen die Zähne gibt). Für einen frühen Start wäre also ein Samstag besser. Sonst eben ein bisschen mehr schlampi-schlampi und unter der Woche.

Samstag, 28. August 2010

Wo sind meine Wunderkerzen?

Weihnachten ist nun wirklich jedes Jahr. Es ist also kein Wunder, dass heute ein Tag ist, der besser ist als Weihnachten: heute ist ein Tag, an dem ich ein neues Kochbuch von Nigella Lawson mit vor Gier zitternden Händen aus seiner Amazon-Verpackung reißen durfte, und das kommt höchstens alle zwei Jahre vor. Das Buch ist 500 Seiten dick, sieht unter dem abnehmbaren Papierumschlag aus wie ein sehr, sehr altes und heißgeliebtes Küchenbrett, und ja, meine Bettwäsche ist jetzt durch und durch vollgesabbert und hängt zum Trocknen auf dem Balkon. Eigentlich kam das Buch schon gestern, aber da war ich mit Lili im Moor, und statt des Buches hatte ich einen Zettel im Briefkasten, dass ich heute ab neun das Buch auf der Post abholen kann. Um zehn vor neun habe ich mit einem hörbaren "BING!!!" die Augen aufgeschlagen, und um fünf vor neun war ich in Gummistiefeln und mit Hund im Schlepptau unterwegs zur Post. Dann kam ich nach Hause, bin zur Feier des Tages in ein frisch gebügeltes Nachthemd gestiegen und habe alles für die heiligen Handlungen präpariert: neuen Tee gekocht, Toast getoastet, mir Blumen ins Haar gesteckt. Und die nächsten Stunden saß ich gurrend und schnurrend im Bett und habe, wie gesagt, gesabbert. Ach, wenn das Wochenende doch nicht schon so voll wäre. Ich könnte jetzt auch 48 Stunden lang nur dieses Kochbuch lesen, zur wachsenden Panik von L., der doch immer gerade irgend eine Diät macht oder machen will oder nach eigener, von niemandem sonst geteilter Ansicht machen sollte und genau weiß, dass er nicht dagegen an kann, wenn es bei uns zuhause ständig nach knuspriger Hähnchenhaut oder gebratenen Zwiebeln riecht.
Aber statt zu lesen muss ich L. helfen, sich ein Logo auszudenken, ich muss das Haus in Schuss bringen, ich muss mit Lili zum Unterwerfungstraining der Polizeihundeschule (und nein, ich sympathisiere nicht plötzlich mit dem Schäferhundeclub, ich will nur in Zukunft in unangenagten Schuhen durchs Leben gehen und mit dem Hund seelenruhig durch Parks flanieren, in denen es jemand wagt, eine Frisbee zu werfen). Wir wollen zum Flohmarkt, vielleicht sogar zu diesem England-Glorifizierungs-Fest, ich muss bügeln und waschen und im Garten schwitzen, ich muss meine Füße in Ordnung bringen, mich durch die verbliebenen Kisten auf dem Dachboden und im Keller wühlen und einkaufen gehen. Und das muss alles in den nächsten zwei Tagen passieren, weil ich mich wieder mal habe breitschlagen lassen. Ab Montag habe ich bis zum 16. (also harter Anschlag an den OP-Termin) neue Hausaufgaben. Ich werde in einer Firma arbeiten, in der sie immer mich anrufen, wenn Not am Mann ist. Das ist zwar einerseits sehr schmeichelhaft, und ich bin dankbar für diese verlässliche Einnahmequelle, aber es wird immer dann zum Problem, wenn ich eigentlich - also ganz eigentlich - keine Zeit habe und dann der Dackelblick-Alarm ausbricht. Ich habe denen gesagt, dass ich am 16. um 18 Uhr den Laden verlassen und dann erst mal nicht wiederkommen werde, und dass ich auf Anrufe und Emails, in denen jemand nur mal kurz eine winzige Bitte äußert, ab diesem Moment wenn überhaupt mit Schulterzucken reagieren werde. Ich habe denen auch gesagt, dass das bedeutet, dass ich ab und zu den Hund mitbringen und mich dann auch zumindest teilweise nach seinen Bedürfnissen richten muss. Ich habe denen außerdem mehrfach gesagt, dass ich eigentlich schon einen Auftrag habe, bei dem ich mir die Zeit zwar relativ frei einteilen kann, aber eben nur relativ, das heißt, es kann immer mal wieder passieren, dass ich mich für einen halben oder sogar ganzen Tag um anderer Leute Hausaufgaben kümmern muss. Bei jedem dieser Einwände habe ich gehofft, dass es das nun war und ich sie abschütteln kann. Aber zu jedem Einwand gab es nur leuchtende Dackelaugen und eifriges Nicken. "Kein Problem! Ja klar! Mach nur!" Und einen wochenlangen Auftrag ganz abzulehnen, das kann ich noch nicht, weil ich erstens das Geld brauche für irgendwelchen Handwerkerquatsch am Haus und ich zweitens das Gefühl hätte, das Unglück der ersten, vollkommen auftragsfreien Monate meiner Selbständigkeit wieder herauszufordern.

Gut. Mehr und mehr fange ich an, diese OP mit anschließender Bettruhe als eine Art Wellness-Urlaub zu betrachten. All meine neuen Bücher, all die Gedanken, die ich mir machen wollte, all die Briefe, die noch zu schreiben sind, all das Nichtstun und an-die-Decke-starren, nach dem ich Sehnsucht habe, werden hiermit auf diese zehn Tage verlagert. Ich werde mit einem Schrankkoffer im Krankenhaus anreisen, der bis obenhin mit Büchern, meiner DS, Zeitschriften, Kladden, Rechner und dem neuen Kochbuch vollgestopft sein wird. Wehe, an meinem Bett sind nicht genug Steckdosen für all meine Netzteile.

Dienstag, 24. August 2010

Stammtisch, Nachtrag

Ihr lieben Damen,

ihr wisst aber schon, dass ein Stammtisch bei mir zuhause einen ca. 25 Euro schweren Taxi-Ritt nach Hause bedeutet? Oder eine lange, lange, lange, lange, lange U-Bahnfahrt?

Zum Ausgleich kann ich nur sagen: ich kann wirklich gut kochen. Wir haben einen schönen, gut ausgewogenen Weinkeller und einen Kamin. Und notfalls, im alleräußersten Notfall, hätten wir auch noch eine Matratze. Aber das wäre dann auch eine Notfallmatratze. Rechnet nicht mit Kiehls-Produkten im Gästebad. Genauer gesagt, rechnet nicht mit einem Gästebad.

Die nun wirklich längste Warteschleife aller Zeiten

Gerade habe ich mal kurz nachgerechnet. Wenn das mit der Operation wirklich alles glatt geht (als ob...), dann habe ich ab September eine dreimonatige Frist vor mir, bevor es überhaupt losgehen kann, und wenn es dann losgeht, dann auch erst mal ganz bescheiden mit Synarela. Wobei mein TCM-Mann ja schon angekündigt hat, in dieser Zeit würden wir mal "richtig arbeiten". Also dann vielleicht doch die Stärkungstees, von denen ich beim Stammtisch schon mit gesträubtem Nackenfell gehört hatte? Und die beim ersten Mal so Fresssack-freundliche Nahrungsumstellung wird dann vermutlich auch härter. Also diesmal sozusagen ein ultralanges IVF-Protokoll, bestehend aus dreimonatiger Gesundheitsdiktatur und DANN irgendwann Synarela. Dann irgendwann wirklich IVF mit Spritzen, Ultraschalls und der ganzen bunten Hormonwelt (die mich dann vermutlich schon nicht mehr schocken kann, keine Medikamenten-Nebenwirkung der Welt könnte es mit den Nebenwirkungen aufnehmen, die strenge Nahrungsvorschriften und -Verbote auf mich haben, so ist das leider bei uns Fresssäcken). Und dann, irgendwann, vermutlich schon im neuen Jahr, die Rückübertragung. Das heißt, jetzt in einem Jahr wäre ich, wenn es hoch kommt, schwanger. Und irgendwann, wenn Winter, Frühling, Sommer und Herbst vorbei sind, dann vielleicht - ein Baby.

Das ist lang. Das ist wirklich lang. Und diesmal werde ich vermutlich bei einem positiven Test zwar jubeln, mich kringeln, L. mit neckischen Schnuller-Streichen überraschen und überhaupt, aber so richtig, richtig sicher werde ich mich erst fühlen, wenn... ja, wann eigentlich?

Im Moment ist es wirklich gerade leichter, sich mit dem Schreiben über den Kinderwunsch auseinanderzusetzen als mit dem Kinderwunsch selbst.

Meine Co-Autorin ist gerade schwer beschäftigt, und zwar außerhalb der Welt rund um die Uhr zur Verfügung stehender WLAN-Verbindungen. Darum kann ich sie nicht fragen. Aber euch werde ich demnächst mal fragen: welcher Klappentext würde euch dazu bringen, ein Kinderwunschbuch (vermutlich euer viertes) zu kaufen?

Samstag, 21. August 2010

Stammtisch?

Ihr lieben Stammtischdamen,

am 17. ist ja nun die OP, und ich habe mir fest vorgenommen, in der Woche vorher jeden Abend früh zu schlafen, gesund zu essen und nichts zu tun, was in irgend einer Weise ungesund ist. Grund dafür ist, dass es bei einer früheren Narkose schon mal Ärger gab, weil mein Blutdruck einen ziemlichen Haschmich entwickelt hatte. Darum würde ich gerne einen neuen Stammtisch - falls ihr Lust habt - vor dem 10. September hinkriegen. Wer wäre denn dabei?

Donnerstag, 19. August 2010

Und schon wieder neue Hausaufgaben.

Gerade hatte ich mir die alten wenigstens für heute von der Backe geschuftet, schon stehen neue ins Haus: ab Montag. Während meiner monatelangen Jobflaute in den ersten Monaten, nachdem ich gekündigt hatte, hatte ich manchmal schon gehofft, es wäre wahr, was die ganzen anderen Freiberufler in meinem Job mir erzählt haben: erst gibt es überhaupt keine Aufträge, und zwar genau so lange, bis du schon aufgegeben hast und kurz davor bist, den nächstbesten Scheißjob anzunehmen, wieder die ganze Woche und das ganze Wochenende in einem blöden Büro zu sitzen und den Launen eines manischen Chefs ausgeliefert zu sein. Aber dann kommen sie. Ich wusste nicht so richtig, ist das auch so eine Geschichte wie die von den Leuten, die ihren Kinderwunsch aufgeben und dann plötzlich - Magie! Tadaaa! - schwanger sind?

Ich kann nur sagen, für den Job war das Märchen wahr. Für die IVF steht der Beweis noch aus. Und zwar, was mich betrifft, noch etliche Jahre. In den letzten Tagen war die Stimmung, was meinen Unterleib betrifft, ein bisschen gedämpft. Ich dachte mir: jetzt mache ich diese Operation, die bisher dickste, die ich hatte, dann habe ich ca. sechs Monate lang die Chance, vielleicht schwanger zu werden, und dann ist alles wieder zugekrautet wie der Kartoffelacker eines resignierten Bauern, der nicht mehr auf dem Trecker sitzt, sondern nur noch am Stammtisch. Aber jetzt gerade denke ich wieder: mindestens zwei Jahre kriegt der ganze Hormonzirkus noch von mir. (Das Geld für die fünfte, sechste und neunte IVF schufte ich mir ja gerade mit meinen Hausaufgaben zusammen. Und überhaupt: wenn mir früher jemand pro Tag 500 Euro für meine Hausaufgaben gezahlt hätte, wäre ich da auch mit anderem Schwung drangegangen.)

Mittwoch, 18. August 2010

Hausaufgabenmüde

Letztes Wochenende, als es schon so spät am Tag war, dass ich mich in meinem Schlafanzug schon richtig müffelig und fies fühlte, aber nicht duschen konnte, weil das Buch fertig werden musste und ich dachte, wenn ich jetzt auch nur fünf Minuten von meinem Rechner weggehe, dann kommen ca. acht verschiedene andere Dinge und werfen sich mir in den Weg, krallen sich von hinten an meinen Knöcheln fest, stellen mir ein Bein und versuchen auf jede erdenkliche Art, mich davon abzuhalten, zurück an die Arbeit zu gehen,

da... (kurz Luft holen) dachte ich, was würde ich jetzt drum geben, wenn ich endlich mal wieder einen ganz normalen Auftrag hätte. Etwas, was mich emotional überhaupt nicht weiter betrifft, abgesehen davon, dass es mir ein bisschen peinlich wäre, es zu versauen.

Bitteschön, Wunsch gewährt. Weil dieser August sich für November hält, haben wir zum ersten Mal seit unserem richtigen Einzug den Kamin an. Ich sitze davor mit dem Rechner auf dem Schoß und habe genau diesen Auftrag, von dem ich noch letzte Woche geträumt habe. Und ich merke, obwohl ich den/die Auftraggeber mag, das Geld sehr gelegen kommt und auch das Thema interessant ist, ich bin gerade ein bisschen Auftragsmüde. Wäre das schön, wenn in Zukunft meine Arbeit etwas wäre, was mir wirklich Spaß macht und wozu mich nichts und niemand peitschen muss, sondern wovon ich mich eher mit Gewalt abhalten als dazu antreiben muss. ("Geld verdienen mit Prosecco trinken? Was glaubt sie, wer sie ist, Paris Hilton?")

Gut für mich: das Buch ist noch längst nicht fertig. Und sobald ich mit diesem Erwachsenen-Auftrag durch bin, darf ich mich kurz strecken und mit den Knochen knacken und dann wieder mit ihm spielen gehen.

Aber ab und zu gibt es schon Momente

wie jetzt zum Beispiel. Ich frage mich, was soll das? Reichen verklebte Eileiter nicht? Wieso denn dann auch noch Myome? Und so viele? Und innen und außen? Und ein Polyp? Und eine Zyste? Und Endometriose? Und ich überlege, warum macht mein Bauch das mit mir? Was hab ich meinem Unterleib denn jemals angetan außer ein paar schlecht gewählten Exfreunden? Weder ernähre ich mich wie ein Schwein, noch sitze ich den ganzen Tag auf dem Sofa, noch denke ich mir, wenn es juckt oder zwickt, och nee, jetzt extra zum Frauenarzt, das wird doch schon wieder, noch habe ich je auch nur einen Vorsorgetermin ausgelassen, noch bin ich einer von diesen Korsett-Freaks, die unbedingt eine 30-Zentimeter-Taille haben wollen und dann zum allgemeinen Entsetzen im Fernsehen zu sehen sind. Ich würde sagen, ich war zu meinem Bauch immer nett. Aber auch hier scheint zu gelten, der Freundliche geht unter.

Trister, trister Bauch. Wenn dieses Kind irgendwann mal geboren werden will, dann braucht es Kampfgeist.

Dienstag, 17. August 2010

Abschiedstournee für die Myome

Am 17. September bin ich dran. Das ist zwar ein bisschen später als gehofft, aber trotzdem hab ich mit dem Termin noch Riesenglück, denn kurz darauf fährt der Meister in den Urlaub.

Und auf dem Ultraschall heute war zu sehen, dass auch von außen wieder eine ganze Rasselbande von Myomen und angehenden Myomen an meiner Gebärmutter klebt. Mindestens vier davon müssen weg. Es wird vermutlich einen Bauchschnitt geben, so dass ich fünf Tage dort festsitzen werde. Und die Ärztin, die mich heute untersucht hat, hat die Prognose meiner IVF-Ärztin bestätigt, dass wir drei Monate nach der OP wieder loslegen können. Außerdem sagte sie, dass durch die Myomentfernung meine Chancen auf eine Schwangerschaft um 50% steigen werden. Würmchen werde ich zu Weihnachten zwar noch nicht im Bauch haben, aber Synarela wird vermutlich unterm Baum dabei sein.

Zu und zu schade, dass ich auf diese Bikinisaison nicht so recht vorbereitet war. Denn jetzt hätte ich die Chance, noch einen Monat lang einen Bauch mit lediglich drei Narben spazieren zu führen, bevor die große dazukommt. Aber futsch ist futsch.

Zurück zum Thema

In knapp zwei Stunden liege ich schon wieder auf einem Gynäkologenstuhl, diesmal beim Hamburger Myomflüsterer im Albertinenkrankenhaus. Der wird sich den Salat noch mal ansehen und dann beschließen, wann und wie er mich operiert (wieder nur drei kleine Schnitte? Bauchschnitt? Untenrum?). Fabelhaft wäre nächste Woche, denn diese Woche habe ich noch einen Auftrag, und je später danach, desto länger dauert es, bis wir weitermachen können. Und gerade bin ich sehr tatendurstig, es wäre einfach großartig, wenn ich noch vor Weihnachten neue Würmchen an Bord hätte.

Wieder mal bitte ich um gedrückte Daumen!

Montag, 16. August 2010

Mipf pfowwew Munf freibt man nif

Deshalb will ich euch auch gar nicht lange behelligen. Aber ich habe mir gerade zum Steak eine Bearnaise gekocht, die im Wesentlichen aus drei Eigelben und 200 Gramm Butter besteht. Was kann ich dafür, wenn es in meinem Dorfsupermarkt ausnahmsweise frischen Estragon gab? Und ich kann euch sagen: egal, was die Fruchtbarkeitsbücher über fettarme, vitaminreiche Kost schreiben, ich glaube, eigentlich reicht so ein Löffel Bearnaise, um schwanger zu werden. Wo bleibt die passende Studie? Ich warte!

Ich kann nur hoffen, dass die Lektorin langsam liest.

Denn mindestens eine Woche will ich die Schwarte jetzt nicht mehr sehen. Gleichzeitig bin ich so froh, damit durch zu sein; in meinem ganzen (an endlosen Hausarbeiten und langen Auftragstexten nicht gerade armen) Leben habe ich noch nie ein 190 Seiten-Word-Dokument vollgeschrieben. Und das, was ich heute morgen noch gelesen habe, hat mir immer noch gefallen. Aber jetzt soll das Ding auch gerne eine Woche auf eigene Faust ohne Mutti Spaß haben. Wenn danach erste Korrekturen kommen oder ich sogar die Hälfte noch mal machen soll, dann bitte, aber nicht so schnell. Jedenfalls nicht heute.

Heute würde ich gerne feiern. Eigentlich wollte ich L. zum Essen ausführen, aber der diätet gerade wieder (was ihn gestern nicht davon abgehalten hat, anderthalb Pizzen zu essen, aber gut, irgendwo muss man anfangen, das sehe ich ein, und er weiß ganz gut, dass das nicht unter drei Gängen abgegangen wäre). Trotzdem habe ich zwei dicke Steaks besorgt, die schaffe ich notfalls auch allein, und eine Flasche Cremant Rosé liegt im Tiefkühlschrank.

Ich muss ehrlich sagen, wenn mir vor zwei Jahren jemand gesagt hätte, ich wäre zwar unfruchtbar, aber würde damit noch so viel Spaß haben, hätte ich das nicht geglaubt.

Sonntag, 15. August 2010

Vollkommen, gründlich und dermaßen fertig.

Morgen ist die Lektorin aus dem Urlaub zurück. Und gerade, vor zwei Minuten, bin ich fertig geworden. Morgen früh schicke ich es los, und dann habe ich noch einen Vormittag, um eine zweite Variante fertig zu machen, in der der Ratgeber- und mein Teil miteinander verwoben sind.

Zwischendurch gab es Momente, da konnte ich das Baby nicht mehr sehen. Es war einfach zu aufdringlich geworden und zu anstrengend. Aber jetzt...

Uff.

So. Wo ist jetzt dieser Rotwein, von dem L. letzte Woche gesprochen hat?

Und ihr, Hamburger Mädchen: nächste Woche feiern wir. Es ist mir egal, an welchem Abend, aber wir feiern.
Ich würde so gerne noch drei Seiten vollschreiben, wie sich das anfühlt. Aber gerade hasse ich Buchstaben. Und diese schreckliche Bewegung mit den Fingern, dieses Geklacker... uäch. Dieses Wochenende hatte ich ca. 40 Stunden davon. Es reicht.

Donnerstag, 12. August 2010

Einige der Dinge, für die man doch immerhin dankbar sein kann.

1. Unser Hund ist kein Kläffer. Ok, er springt immer noch freundlich quiekende Passanten an, bevorzugt solche in weißen Hosen, er sorgt dafür, dass wir alle zwei Tage das Bett frisch beziehen müssen, und er rennt jedem Ball hinterher, obwohl wir immer versucht haben, ihn von der Einstiegsdroge Ball fernzuhalten. Aber er kläfft nicht. Ich laufe durch den Park. Mir entgegen kommt ein distinguierter Herr mit seinem Pinscher. Er mustert mich hochmütig. Sein Köter kläfft. Lili kläfft nicht, sondern schreitet gesittet und anmutig bei durchhängender Leine auf ihren Airedale-typischen Moonbootsbeinchen vorbei. Ich mustere ihn hochmütig.

2. Sogar bei Ikea gibt es Duftkerzen, die gut riechen.

3. Zwar zeigen sich gerade an ungefähr hundert Stellen unseres Hauses verdächtige Stellen an der Wand, die auf millionenschwere Handwerkeraufträge hinzudeuten scheinen, aber wir haben einen Kamin.

4. Ich bin noch nicht fertig mit dem Buch, aber erstens schreibt das die Autoren-Deadline-Folklore so vor, und zweitens bin ich immerhin schon... Moment... achtzig Seiten weit. Und es ist ja zum Glück nicht so, dass ich mit einem weißen Blatt Papier starten würde, sondern mit 550 (ich hab es gezählt) Seiten Blogtext.

5. Ich bin mit einem Mann verheiratet, der derzeit drei Abende in der Woche zum Tischtennistraining fährt. Wie süß ist das denn?

6. Zwar habe ich Myome, eine Zyste und verstopfte Eileiter, aber ich bin nun in den besten Händen, damit das demnächst besser wird.

7. Neulingen wird das unbegreiflich sein, aber ich freue mich gerade wie Bolle auf meine erste Gonal-Spritze.

8. Die Auftragslage. Was soll ich sagen. Die Auftragslage ist Teil des Problems, mit dem Buch fertig zu werden. Ich könnte sagen "Jetzt kommen sie angeschissen". Aber ich brauch das Geld, unter anderem für Hamsterhormone. Abkürzungsdamen, und wenn wir uns statt auf der Frankfurter Buchmesse auf der Leipziger sehen...? Nein, liebe Lektorin, ruhig Blut, ich schaffe das schon.

9. Ich habe nun schon seit zwei Wochen nichts mehr über Nordkorea gelesen oder gehört.

10. Gerade, als ich die alte schimmelige Badewanne frisch verfugt habe, ist mir klar geworden, dass Heimwerken wirklich keine große Sache ist. Man guckt auf die Packung und macht, was draufsteht. Jetzt fühle ich mich wie der allmächtige Hausinstandhaltungsgott Obi. Obi Wan, meinetwegen.

11. Die erste Rechnung meines Heilpraktikers ist gekommen. Ich musste ihn drei mal daran erinnern, sie überhaupt zu schicken. Und jetzt ist sie so niedrig, dass ich sie innerhalb von fünf Minuten gezahlt habe.

12. Die Autoren-Folklore schreibt zwar vor, die nächsten drei Tage bei Zigaretten, Kaffee und schäbbigem Rotwein am Rechner zu hängen und das Ding fertig zu quälen. Aber vielleicht habe ich ja trotzdem noch Zeit für einen duften Abend mit den Damen.

Niemand soll sagen, Kinderwunschbehandlung wäre immer nur Tal der Tränen.

Montag, 9. August 2010

Zwischenstand bzw. Zwischenlage

Fertig sind bisher:
Das Kapitel über den Anfang meiner Schwangerschaft.
Das Kapitel über die Blutkrise.
Das Kapitel über die zweite Hälfte meiner Schwangerschaft nach der Krise.
Das Kapitel darüber, wie das alles überhaupt kam mit der Unfruchtbarkeit.
Das Kapitel darüber, wie das Buch zu lesen ist und wie nicht.
Das Kapitel darüber, wie man sich das Leben zwischen den Behandlungs-Zyklen erleichtert.
Das Kapitel darüber, wie man sich das Leben während des Zyklus erleichtert.
Das Kapitel über Freunde, Familie, Kollegen, und wie sie damit umgehen (sollten).
Das Kapitel über Alternative Methoden.

Noch nicht fertig sind:
Das Kapitel über die Medikamente, was sie tun und was nicht,
Das Kapitel über Eizellenentnahme,
Das Kapitel über Rückübertragung,
Das Kapitel über blöde Klischees über Kinderwunschbehandlungen - egal, ob diese Klischees in Zeitungen stehen oder aus den Mündern von Leuten in unserer Umgebung kommen.

Aber fast fertig sind sie.
Mit geht's übrigens genau so.

Mein größter Trost ist, dass gerade einer meiner alten Träume wahr zu werden scheint: ich kann im Schlafanzug arbeiten. Wenigstens morgens nach dem Aufwachen bis zu dem Moment, in dem der Hund das zweite Mal raus muss. Und wenn ich dann vom Hundegang mit gut durchgepustetem Kopf wieder nach Hause komme, dann setze ich mich auch nicht an den Schreibtisch, sondern steige mit Kleidern wieder ins Bett, klemme mir den Rechner auf die Knie, schenke mir noch eine Tasse Earl Grey ein, zünde eine Kerze mit Waldesduft an und arbeite so lange weiter im Bett, bis mich jemand mit Stockschlägen daraus vertreibt.

Sonntag, 8. August 2010

Ein weiterer Beitrag zum Thema "Pfeif auf das Unterbewußte"

Als wir im Studium die Psychoanalyse durchgenommen haben, war sie in dem Moment für mich gestorben, in dem wir zur Reaktionsbildung kamen. Die Reaktionsbildung hat man sich, so weit ich das Erinnerung habe, folgendermaßen vorzustellen: Das, was man tut und sagt, ist das genaue Gegenteil von dem, was man in Wahrheit fühlt und will. Der homosexuelle Schwulenhasser ist so ein Beispiel. Oder der Neonazi, der heimlich in die Afrikanerin von nebenan verliebt ist. Oder der kleine Ödipussel, der die liebe Mama schlägt, weil er in Wahrheit gern... Schlingel, diese Psychoanalytiker!

Ich glaube ganz fest, dass es ihn gibt, den "Schwuchtel" brüllenden Idioten, der heimlich dem Klempner auf den Po guckt. Aber daraus ein Gesetz zu machen, ist schrecklich: immer, wenn etwas passiert, das nicht zur Theorie passt, dann bedeutet es in Wahrheit das genaue Gegenteil von dem, wonach es aussieht? So dass die Theorie immer noch in voller Pracht bestehen bleibt, egal was?

Ich glaube, der Knackpunkt ist das Unterbewußte. Das Unterbewußte kann uns (mir zumindest) manchmal einen ziemlichen Schrecken einjagen (meist Nachts), und es scheint eine Macht zu sein in meinem kleinen schlampigen Seelenhaushalt. Aber daraus auch zu schließen, es hätte grundsätzlich Recht, wäre der klügste Ratgeber und letzte Instanz für wichtige Entscheidungen?
MEIN Unterbewußtsein sagt mir ständig irgendwas. Und fünf Minuten später sagt es mir das genaue Gegenteil. Ich könnte also z.B. nach einem Jobwechsel natürlich sagen, mein Unterbewußtsein hätte mir zu dieser Entscheidung geraten. Denn hinterher vergisst man gerne mal, dass das Unterbewußtsein dich auch vorher jede Nacht um drei aus dem Schlaf geklingelt hat, um dir zu sagen, wenn du kündigst, dann stürzt du dich in finanzielles Elend, aus dem du nie mehr rauskommst.

Heute morgen um sieben bin ich aufgewacht und hatte geträumt, ich hätte eine Fehlgeburt gehabt. Diesmal hatte ich schon einen richtig spitzen, dicken Bauch, und mehrere Menschen sprangen darauf herum, um endlich das Kind rauszuholen. Als es dann kam, sah es nur aus wie zwei Pfund Gehacktes. Das Ganze, wurde mir erklärt, wäre ein Irrtum gewesen: ich war gar nicht schwanger gewesen, das war nur eine echte Rekordperiode mit extralanger Aufbauphase, extradickem Periodenbauch und extraviel... naja.
Nach der Fehlgeburt habe ich im Traum mit L. über Adoption gesprochen. L. war unwirsch und ließ sich erst irgendwann durch eindringliches Zureden von mir aus der Nase ziehen, na gut, er wäre unter folgenden Voraussetzungen mit einer Adoption einverstanden: ein Geschwisterpaar ohne Eltern, sie studiert Kunstgeschichte, er studiert Jura. Ich war platt und kurz danach wach.

Und so was, kann ich euch schwören, bei allem, was mir wichtig ist, ist Unfug. Dieser Traum sagt nichts über mein Verhältnis zu L., sein Verhältnis zu Adoptionen oder irgendwelche geheimen Wünsche und Befürchtungen, die in mir schlummern. Nichts. Das bisschen, was er zu bedeuten hat, ist sonnenklar (ich habe Angst vor noch einer Fehlgeburt, und Adoption ist ein kompliziertes Thema), und zwar auch im wirklichen Leben und ohne, dass ich eine geheime Supermacht dazubemühen muss, um es zu erklären. Der Teil davon, der nichts mit mir zu tun hat, ist Unfug. Irgendwelcher Stoffwechselsilvester im Gehirn.

Dienstag, 3. August 2010

Blutsschwesterschaft

Und ich blute immer noch. Nur zur Erinnerung: das sind nicht meine Tage, sondern nur das, was passiert, wenn ich mal 36 Stunden lang die Pille nicht nehme. Es hört einfach nicht auf. Nie.
Gerade stand ich im Supermarkt an der Kasse hinter einer ca. 75jährigen Frau, die ein Päckchen Tampons und eine Großpackung Binden auf das Band legte. Ist das meine Zukunft? Ich war kurz davor, mich mit ihr zu verbrüdern.

Auge in Auge mit dem Feind.

Selbsthypnose war schon immer eine meiner Stärken. Oder Schwächen, je nachdem, wie man es sehen will. Ich hatte bisher z.B. bei jedem meiner Exfreunde an irgend einer Stelle ein dummes Gefühl, das sich genau auf die Sache bezog, die am Ende dazu führte, dass Schluss war. Und ich habe es jedes Mal geschafft, mir dieses dumme Gefühl auszureden und mich zu beruhigen.
Ich schreckte nachts hoch und dachte "das war doch heute kein einfach-so-Anruf, das war ein Kontrollanruf!" oder auch "wie kommt der eigentlich dazu, mir etwas zum Geburtstag zu schenken, das eigentlich mehr eine Beleidigung ist als ein Geschenk? Will der mich quälen?", um mich dann mühsam wieder in den Schlaf zu beschwichtigen. Und ein Jahr später stand fest: der hat einen Kontrolltick und quält mich gern. Ja, das war ein Kontrollanruf. Und ja, das Geschenk war teils aus reinem, unverfälschtem Geiz so ausgewählt, teils aber auch in der Absicht, mich zu demütigen. Bei anderer Gelegenheit saß ich im Bus, hatte plötzlich fürchterliches Herzklopfen und dachte: "Der interessiert sich in Wahrheit seit Wochen nicht die Bohne für mich. Der hat eine andere.", kämpfte dann nach Kräften gegen diese Angst an, um kaum 12 Stunden später zu wissen: Richtig geraten, dafür gibt es null Punkte und ein Jahr Liebeskummer!

Jetzt wollt ihr wissen, wieso ich euch das erzähle. Das ist ja kein Beziehungsblog hier, sondern ein Befruchtungsblog.
Nur Geduld.
Ich komme gerade aus meiner neuen Klinik und von meiner ersten Hysteroskopie.
Das ist sie auch eigentlich schon, die Geschichte.
Eine Hysteroskopie funktioniert so ähnlich wie eine Rückübertragung. Man zieht die Hose aus, steigt auf den Stuhl, der Doktor schiebt dieses Spreizdings aus Metall in dich rein, und durch die so entstandene Öffnung schiebt er statt der Sonde (wie bei der Übertragung) ein langes, dünnes, vorne beleuchtetes Gerät, mit dem er dann auf einem Monitor in Farbe und bester Bildqualität sehen kann, was im Inneren deiner Gebärmutter genau los ist.

Bei meinem letzten Ultraschall waren da ja zwei Myome zu sehen. Ich kann es nicht beschwören, aber ich bin mir ziemlich sicher: das waren genau die Myome, die mich, L., euch hier im Blog und auch meine Würmchen und Blümchen schon seit einiger Zeit begleiten. Das Ganze diente dazu, festzustellen, ob eine Operation nötig sein wird, um mich befruchtungsfit zu machen.

Die Antwort lautete klar und deutlich: ja. Es stellte sich heraus, dass der dickere Öschi der beiden Myome vermutlich ein Polyp ist, der sich aus reiner Bosheit und Sturheit auch in Zukunft jeder erfolgreichen Einnistung in den Weg stellen würde. Dieser Freund sieht in etwa aus wie Barbamama (die Mutter der Barbapapa-Familie), nur ohne Lachmund und Klimperwimpern. Zum ersten Mal hab ich das Ding so deutlich und bunt vor mir gesehen, das mir jetzt seit anderthalb Jahren Ärger macht und mich vermutlich meine Zwillinge gekostet hat. Das andere Myom ist in Wahrheit zu zweit, noch nicht besonders groß (man nennt das Myomkeim) und vermutlich auch eher nicht so gut für meine Chancen auf Mutterschaft. Heute in zwei Wochen habe ich einen Termin in der Myomsprechstunde des Hamburger Myomflüsterers, und kurz danach wird er mich wohl operieren. Danach dauert es drei Monate, bis alles gut verheilt ist, und dann, so der Arzt, der mich heute auf dieser Reise in meinen Unterbauch begleitet hat, habe ich allerbeste Chancen, schwanger zu werden und zu bleiben. Denn abgesehen von Polyp, Myom 1 und Myom 2 sieht es wirklich gut aus.

Das sind doch eigentlich sehr gute Nachrichten. Die ganze Prozedur hat zehn Minuten gedauert, überhaupt nicht weh getan, und besonders aufwendig kam mir das alles auch nicht vor. Trotzdem hatte ich wieder mal Herzklopfen, als ich aus der Klinik auf die Straße zurück kam. Denn ich bin mir so gut wie sicher, diese Myome (oder was auch immer) sind da schon länger. Und in meiner alten Klinik wurde übertragen, übertragen, übertragen. Und ich bin oft genug nachts hochgeschreckt und habe mich gefragt: ist das alles richtig so? Müßte das nicht anders laufen? Nur um dann all diese Sorgen auf die Hormone zu schieben, mir innerlich einen Klassenbucheintrag wegen paranoiden Gejammers zu verpassen und mich wieder in den Schlaf zu zwingen.

Ich will denen kein Unrecht tun. Die haben auch sehr ordentliche Erfolgsquoten, die sie sich mit Sicherheit nicht ausdenken. Aber ich wäre kein Teil der Erfolgsstatistik geworden. Denn die hätten ewig so weitergemacht. Natürlich wird man oft zwei Meinungen haben, wenn man zwei Ärzte fragt, erst Recht, wenn die aus zwei verschiedenen Kliniken kommen. Das heißt noch lange nicht, dass Arzt 1 ein Genie ist und Arzt 2 ein Vollpfosten. Die Frage ist also nicht, zu was für einem Schluss man aufgrund des Wissens kommt, dass da unten Myome sitzen. Das, was mich so fuchtig macht - so fürchterlich wütend - ist die Tatsache, dass das heute meine erste Hysteroskopie war. Haben die in der anderen Klinik so was nicht stehen? Wenn ich mich beschweren würde, wäre die Antwort vielleicht "Sie haben ja nicht gefragt"? Aber bis vor ein paar Tagen hatte ich noch nie von so etwas gehört!

Nun fragt mich bitte nicht, welches Klinik 1 und welches Klinik 2 ist. Falls es in Klinik 2 wirklich so toll laufen wird, wie ich hoffe, dann verrate gerne, wo die Guten sitzen.
Aber zu Klinik 1 reiße ich mich gerade sehr am Riemen. Denn gerade weil ich so sauer bin, will ich jetzt nicht online auf die eindreschen. Und ich kann mir gut vorstellen, dass die einfach mit anderen Patienten ganz toll sind, denn wie gesagt: Erfolgsstatistiken kommen ja nicht von ungefähr. Vielleicht sind die dort erste Adresse für Patienten mit hormonellen Problemen. Oder die können sehr gut mit psychischen Ursachen. Oder... weiß ich auch nicht. Aber ich glaube, dass es ein großes Glück für L. und mich und ein großes Pech für meine Myomkolonie ist, dass wir jetzt woanders unsere Hoffnungen, unser Geld und unsere Eizellen hintragen.

Montag, 2. August 2010

Also doch: IVF macht launisch.

Vor einer Woche hatte ich den ersten Termin in der Klinik und ging da raus wie auf Wolken. Ich fand meine Ärztin toll, und als sich herausstellte, dass ich damals vor anderthalb Jahren nur durch ein Missverständnis in der anderen Klinik gelandet war, war mein erster Gedanke: wenn das nicht passiert wäre, hätte ich jetzt ein Kind. Ob dieser Gedanke berechtigt war oder nicht, weiß ich nicht, er hat sich aber bis heute noch nicht wieder verzogen. Ich glaube immer noch, dass in der anderen Klinik inzwischen der nächste Versuch schief gegangen wäre, den sie dort trotz Myomen gestartet hätten. Es ist für mich völlig klar, dass mein Unterleib gegen mich arbeitet. Vor zehn Tagen habe ich an zwei Abenden die Pille ausnahmsweise nicht genommen, weil der Hund die Packung verschlampt hatte und ich in der Heide saß und an kein neues Rezept gekommen wäre. Am Morgen nach dem zweiten Tag ist sie in der Sofaritze wieder aufgetaucht, und ich hab schnell nachgelegt. Trotzdem habe ich zwei Tage später meine Tage bekommen, und sie sind bis heute noch nicht wieder weg. Das muss man sich mal vorstellen: normalerweise passiert bei 48 Stunden Pillenpause überhaupt nichts, und jetzt hört es einfach nicht wieder auf. Ich blute und blute und blute, zwar immer nur ein bisschen, aber ich blute. Ich kann kein Blut mehr sehen. Dazu drückt und zwickt es auch schon wieder. Und so kommt es, dass die Stimmung gerade schon wieder umschlägt. Einerseits bin ich so glücklich und optimistisch, dass es jetzt irgendwann weitergeht. Andererseits frage ich mich, was soll das? Wieso tut mein Bauch das? Wieso kann er nicht einfach mal mitmachen, sondern brütet schon wieder eine dicke fette Zyste, zwei prächtige Myome und diese Schmerzen aus? Wozu nehme ich denn dauernd die Pille?

Und in den ganz finsteren Momenten denke ich mir sogar: an dem Punkt, dass ein Arzt zu mir gesagt hat "Wir bringen das jetzt in Ordnung, nur eine kleine OP, und danach ist alles bereit für die Schwangerschaft, das geht dann ganz schnell", war ich schon zwei mal. Und mir kommt es fast so vor, als wäre mein Bauch so wieselflink, dass die kurze Phase, in der man nach einer OP nicht weitermachen darf, ihm schon genügt, um alles wieder zuwachsen zu lassen. Ich empfinde das langsam als bösartige Sabotage, aber mein Bauch hat den roten Daumen.

Und wenn jetzt irgend eine hier einen Kommentar schreibt, in dem sinngemäß steht, das wäre ja auch kein Wunder, wenn mein Bauch das täte, nachdem ich ihm mit so unfreundlichen und feindseligen Gefühlen gegenüberstehe, und ich müsste meinen Körper annehmen, dann... ach, könnt ihr euch selber denken.

Davon abgesehen macht IVF aber auch Monate im Voraus schon wieder ängstlich. Vielleicht sind das auch nur meine mütterlichen Instinkte im Leerlauf, die gerade mangels anderer Beschäftigung auf L. und den Hund übergehen. Ein Schrecken jagt den nächsten. Gestern Abend lag ich im Bett, vertieft in ein Buch über Trollkriege, als plötzlich von draußen panisches, nicht zu beruhigendes Hundegebell zu hören war, das dann mit einem Schlag verstummte. L. war da draußen im Park. Mit Lili. Innerhalb von zwanzig Sekunden war ich durch den Nieselregen im Pyjama unterwegs in den stockfinsteren Park, bewaffnet mit nichts als den Holzclogs an meinen Füßen. Ich war mir so gut wie sicher, was das Gebell zu bedeuten hatte: L. überfallen von irgend einem 16jährigen Drogendepp, Lili kaputtgetreten, beide hilflos irgendwo im Gebüsch. Als ich zwanzig Minuten später in Angstschweiß gebadet aus dem Park kam, bog L. gerade aus der anderen Richtung um die Ecke. Abends, hat er mir dann erklärt, geht er nie in den großen Park, da ist es zu dunkel. Immer in den kleinen. Und dann ist Hormonsusi zurück zu ihrem Trollbuch gegangen.