Samstag, 2. März 2013

Kontrolle durch die Vorsatzpolizei

Zwei Monate sind um, zweimal war ich im Kino. Nullmal habe ich Mittag in einem Lokal ohne Take-Out gemacht. Ich muss an mir arbeiten! Auch die hundert neuen Rezepte kommen eher schleppend voran. Bisher habe ich auf der Liste:

1. Eis aus Bitterorangen
2. selbstgemachter Rahmspinat zum Steak
3. Adzika, eine georgische Chilisauce
4. Khachapuri, ein georgisches Brot gefüllt mit Käse
5. Mandel-Zitronen-Kuchen
6. Pilze Stroganoff
7. Haferflockenkekse
8. Chirashi Sushi (minus Fisch, plus Avocado und Gurke)
9. Käsefondue mit Gemüseplatte

Nicht doll, dieser Schnitt. Wie soll das erst werden, wenn ich ab Sommer Würmchen im Arm habe und den Kochlöffel mit den Zähnen festhalten muss? Heute wollte ich deshalb mit Ossobucco nachlegen. Ich stehe immer an der Fleischtheke, und es zieht mich mit Macht zu den Stücken abseits von Schnitzel und Steak. Die Beinscheiben haben mich schon öfter angelacht, und weil L., der Gute, wieder mal auf dem Ducan-Trip ist (was den Bauch betrifft, nehmen wir uns gerade nicht viel), war es diesen Donnerstag beim Einkaufen so weit: ich habe spontan beschlossen, dass ich uns das Wochenende mit Ossobucco versüße. Es zeigt sich, spontan kann ein Fehler sein, und wenn man dieser Küchenromantik entsprechen will, mit dem Körbchen in der Armbeuge durch die Welt zu wandern und sich von Gemüseständen und dem, was der Fischmann gerade hat, inspirieren zu lassen, dann sollte man ein bisschen mehr Küchen-ABC draufhaben als ich. Ossobucco macht man nicht aus Rind, sondern aus Kalb. Jetzt steht ich da mit ca. anderthalb Kilo dicken, roten Beinscheiben. Die werde ich jetzt wohl anbraten und dann mit Rotwein, Tomatenmark, Fond, vielleicht ein paar Oliven, Zwiebeln, Knoblauch und Sellerie schmoren und gucken, was passiert, schlimm kann es eigentlich nicht werden. Dazu Risotto für mich und Luft für Herrn Ducan?
Würmchen scheint die Aussicht zu gefallen, er zappelt mit den Beinen. Und mir gefällt die Aussicht auf Stammtisch morgen. Wir haben jetzt einen Tisch für acht - zwei Nachzüglerinnen eingerechnet, dafür die frischgebackene Mutter Birgit rausgerechnet - um elf. Ich bin dann die mit dem Bauch und den Strubbelhaaren.


Kommentare:

  1. Mal völlig offtopic: Wie läuft eigentlich deine Selbständigkeit? Immer noch gut oder auch mal Flaute? Wie gut verträgt sich das mit Elternzeit?

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  2. Liebe unbekannte Dame, dazu schreibe ich bestimmt demnächst mal ausführlicher - hier nur so viel: durch mein Jobarrangement (als "feste Freie" drei Tage für den gleichen Auftraggeber) ist mein Berufsleben gerade vergleichsweise stabil. Mit denen ist die Schwangerschaft natürlich längst besprochen, die freuen sich, und nach der Babypause kann ich da - denke ich mal - weitermachen; ohne Arbeitsvertrag ist natürlich nie irgendwas in Beton gegossen. Elterngeld bekomme ich auch, bemessen an meinem letzten kompletten Steuerjahr - das wäre je nachdem was ich geltend mache 2011 oder 2012. Es ist wohl etwas weniger als für Angestellte, aber dafür darf ich auch während der Elternzeit etwas verdienen (auch, wenn das wiederum gegengerechnet wird mit dem Elterngeld, könnte sich das trotzdem lohnen...), also z.B. in guten Zeiten auch mal den einen oder anderen Tag von Zuhause aus arbeiten. Und das Geld im Mutterschutz kommt in meinem Fall von der Künstlersozialkasse, wo ich als freischaffende Künstlerin sozialversichert bin. So sieht's aus, ich hoffe, ich konnte Dir erstmal weiterhelfen...

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    1. Ein wenig, danke. Ich träume halt auch von Selbständigkeit, als Freiberufler, aber nicht als Künstler. Habe halt immer Angst, nicht genügend Aufträge an Land ziehen zu können. Daher habe ich Deine Beiträge zum Thema interessiert verfolgt und aufgeatmet, als es bei Dir nach der Flaute endlich losging. Außerdem ist meine Kinderplanung auch noch nicht abgeschlossen und ich weiß nicht so recht, ob sich das alles so gut vereinbaren lässt. Hach. Die Anonyma

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    2. Hallo, die Sorge kann ich gut verstehen, und ich weiß, es ist große Mode, in so einem Fall immer zu sagen "wird schon" und "klar läuft das, trau Dich" - aber nachdem ich überhaupt nicht weiß, was Du machst und unter welchen Umständen und mit welchem Netzwerk, halte ich mich lieber vorsichtig zurück. Bei mir war die Zeit der Flaute wirklich schwierig, auch deshalb, weil mir zig Leute vorher (ungefragt) zugesichert hatten, mich mit Aufträgen nur so zuzuballern, und dann kam nichts - das war einfach ihre Vorstellung von Motivation und netter Unterhaltung gewesen, total unverbindlich. Aber irgendwann lief es dann, und als der erste Anruf kam, kam auch fast sofort der zweite, dritte, vierte... nur hat es bis dahin eben fast ein Dreivierteljahr gedauert... Nervenkrise! Dir trotzdem viel Glück und viel Erfolg bei der Entscheidung und den Monaten danach...

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