Donnerstag, 28. März 2013

A propos schwanger: hab ich dir eigentlich schon erzählt...

Gestern, ich habe meine Kontrolluntersuchung hinter mir, zwar keinen Ultraschall bekommen, aber es ist alles in schönster Ordnung, strahlender Sonnenschein, die Mittagspause ist fast zu Ende, als sich auf einmal eine Volksversammlung auf dem Flur bildet - das kann nur eins bedeuten: im Zentrum dieser Menschenmenge ist ein Kinderwagen mit einem Baby drin. Einer unserer Kollegen ist mit Freundin und frisch geschlüpftem Sohn vorbeigekommen. Da muss ich auch gucken gehen. Wir bestaunen die kleine Wurst (ohne Anfassen, zwar bin ich noch ziemlich frisch in diesem Babygeschäft, aber soooo frisch jetzt auch wieder nicht), gratulieren, ich plausche mit der reizenden Mutti gerade so nett über Krankenhäuser und Kinderwagen, da kommt sie aus der Runde: die Horrorgeschichte. Ohne geht es scheinbar nicht. Ich will sie jetzt auch gar nicht weitererzählen, und die, die danach kam, auch nicht, und die danach, ich weiß nämlich (auch wenn einige das bezweifeln mögen) was sich gehört und dass man vor den zarten Ohren Schwangerer, die in direkter Verbindung stehen zu ihren zarten Gehirnen und ihren noch zarteren Gemütern, keine Geschichten von toten Babys erzählt. Jedenfalls: von Strahlen und Freuen und Glück zu Panik, blödem Gefühl im Magen, den ganzen Nachmittag dagegen ankämpfen zu googeln und verlieren, einer schlaflosen Nacht und am nächsten Morgen aufwachen und immer noch nicht wieder lachen können braucht es genau eine Scheißgeschichte.

Ist das in anderen Lebenslagen auch so? Müssen sich Leute, die sich einen Leberfleck entfernen lassen, ständig Hautkrebsgeschichten anhören? Kommen Leute vom Japaner und erfahren, dass genau in diesem Laden die komplette Familie der Nachbarin einer Cousine tödlich vergiftet wurde? Gehen Menschen auf weichen Knien ins Hallenbad, die brandheiße Geschichte über fleischfressende Bakterien im Whirlpool noch im Ohr? Vielleicht, aber ich habe den Eindruck, bei Schwangeren ist es am schlimmsten. Denn einen Hallenbadbesuch kann ich immer noch absagen. Bis ich weiß, dass ich wider Erwarten mein Sushi nicht mit dem Leben bezahlen muss, vergehen wenn es hoch kommt 48 Stunden. Aber eine Schwangerschaft ist erst mal da und bleibt auch hoffentlich, die Geburt steht uns allen bevor, und die meisten dieser Märchentanten besitzen ja auch noch die teuflische Raffinesse, ihre Geschichte damit zu würzen, dass "man das bei der Voruntersuchung nicht erkennen konnte, keine Chance, ist klar". Aha. Und jetzt?

Diesmal kam die Geschichte aus dem Mund genau der Tante, die mich im November schon mal indiskreterweise gefragt hat, ob ich wohl schwanger wäre, was ich damals verneint habe (1. geht dich das einen feuchten Dreck an, 2. habe ich es hier niemandem erzählt, 3. wärst du niemals und unter keinen Umständen eine der ersten, zweiten oder dritten, die es erfahren) und die dann, als ich es erzählt habe, ernsthaft beleidigt war, dass ich sie damals "so angelogen" hatte. Damit habe ich mich schätzungsweise um noch acht andere Geschichten dieser Sorte gebracht, ganz zu schweigen von Dutzenden blöder Ratschläge und Fragen, und darum ist das einer der wenigen Fälle, in denen ich mal rundum zufrieden mit meinem Verhalten bin.

Bitte, bitte, lieber Rest der Welt: lasst uns doch mit so was zufrieden. Lasst eure Knüllergeschichten über Gendefekte, Fehlgeburten, grässliche Unfälle, Ärztepfusch im Kreißsaal und Todesviren doch einfach noch ein paar Monate schmoren, bis wir unser hoffentlich gesundes Kind ganz langweilig und horrorfrei zur Welt gebracht haben. Dann meinetwegen wieder.

Kommentare:

  1. Ich wurde da in der Schwangerschaft zum Glück weitgehend verschont. Aber als ich im Wochenbett spätabends vor dem Kreißsaal auf die Ärztin wartete, die sich meine Brustentzündung mal genauer anschauen sollte, hat die andere wartende Frau mal eben alles mögliche diagnostiziert, woher das Fieber nach einem Kaiserschnitt denn so kommen kann und mich mal gleich unter Schmerzen auf den OP-Tisch projiziert. Dankeschön. Raus bin ich dann ganz unspektakulär mit der Anweisung kalte Umschläge zu machen, noch nicht mal ein Antibiotikum gab es. Ich frag mich auch "Warum tut sie dies"?
    Aber als ich mal einen Steißbeinabzess hatte war es im Grunde das gleiche - da ist man jedoch nicht halb so emotional, weil es eben nur um den Hintern und nicht um das Baby geht...
    Am besten immer gleich die Finger in die Ohren stecken und laut singen - für bekloppt wird man als Schwangere ja eh gehalten...
    Tina

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  2. Danach bitte aber auch nicht!
    Denn dann geht es weiter. Jeder kennt jemanden der jemanden kennt, wo das Kind in der Kita tödlich verunglückt ist oder zumindest ein Bein verloren hat.
    Danke für die Info sage ich da nur als besorgte Mutter.
    Das geht also weiter und wird nicht netter, wenn dein Kind vor dir liegt/sitzt/steht.

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  3. Das sind halt die (meist) Damen, deren Leben sonst zu langweilig ist, und die daher zu allen möglichen Lebenslagen mindestens eine aufgehübschte Horrorgeschichte zu erzählen haben. Du weißt doch, was sie für ein Gemüt hat und solltest sie daher nicht zu ernst nehmen. Sagt Dir eine Mehrfachmama, die auch vor jeder Untersuchung/Geburt/Kinderarzt immer total besorgt war - und was war? NICHTS! Alles bestens!!!
    Du weißt ja gar nicht, was diejenige Schwangere, so sie tatsächlich existiert, für Untersuchungen hat machen lassen. Manche lassen gar keinen Ultraschall machen. Du hast sogar eine Feindiagnostik machen lassen, glaube ich. Und Du ahnst ja gar nicht, wieviel die Ärzte dabei erkennen können. Es gibt nie eine Garantie, aber die Horrorstories sind deshalb welche, weil sie so extrem selten passieren! Und mir ist weder eine passiert, noch habe ich von einer im Bekannten-/Mitgebärendenkreis gehört.
    Ich weiß, das weißt Du auch alles, aber manchmal hilfts, wenn jemand anderes, der die Chose schon durchhat, das noch mal so deutlich sagt.
    Und jetzt freu Dich! Du hast jeden erdenklichen Grund dazu! Lächel! Jetzt! So! :)

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  4. Horrorgeschichten haben manchmal auch ein Happy End.
    Und bitte Finger weg von Google und Foren, wenn's mal wieder zwickt und zwackt. Da grüßt nur das gefährliche und geballte Halbwissen.
    Ich hab mir nur ab und an Wiki gegönnt.
    Zitat zum Thema: Leben ist immer lebensgefährlich.

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  5. Manchmal hat man schon das Gefühl das die das extra machen oder? Ist ja mal grds. egal in welcher Lebenslage aber machen die das tatsächlich extra? Sie sind ja meist aus dem gröbsten draussen und wenn dann jemand daneben steht, der noch betoffen ist, dann hat man manchmal schon den Eindruck, das es sowas wie Genugtuung ist. Komisch und gemein zugleich.

    Wünsche ruhige Nächte, schnelles Vergessen der Geschichte und schönes Osterfest.

    LG Rina

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    1. Ja. Und Ja. Das ist Aufmerksamkeitsheischen um jeden Preis.

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