Das Wichtigste zuerst: das Kind lebt noch und hat uns zur Begrüßung ziemlich verschlafen angestrahlt, bevor es dann hellwach war und anfing, quiekend vor Freude mein Kinn zu essen. Heute Nacht haben wir händchenhaltend geschlafen, noch passt er gerade so in sein Babybay. Wenn es ihm in irgend einer Weise geschadet haben sollte, dass er für ein paar Tage von meiner Mutter betreut wurde statt von uns, dann lässt er es sich nicht anmerken. Ich hatte zwischendurch immer mal wieder eine kalte Stelle, fünf Minuten, in denen ich mich nicht mehr für dieses ganze Wiendings interessiert habe, sondern nur seufzend die Fotogallerie in meinem Telefon durchgesehen habe. Aber davon abgesehen hatten wir ein paar schöne Tage im Nieselregen, ich war zwei mal im Kino (ein Film in Ordnung, der andere sturzblöd, aber auch schon egal, es war zu toll, wieder mal mit einem Eimer Popcorn im Dunkeln zu sitzen), zweimal im Theater sowie in der fabelhaft verqualmten Theaterkneipe Bendel, ich habe zwei Bücher gelesen und einmal zwölfeinhalb Stunden am Stück geschlafen, war in der Sauna und habe als nachträgliches Geschenk zur Geburt einen alten Mantel aus New York bekommen, in dem ich mir jetzt vorkomme wie Katherine Hepburn. Dass ich jetzt direkt drei Tage arbeiten gehen muss, tut mir leid, nächstes Mal organisieren wir das so, dass ich in der darauffolgenden Woche Mittwoch-Donnerstag-Freitag arbeite. Wobei L. mir gerade per Telefon berichten konnte, dass Ndogo die Kinderfrau mit lautem Freudengegluckse begrüßt hat.
Die Hydra Dings BB Cream von Dior ist eine Pleite. Es sei denn, man wünscht sich von einer BB-Cream, das Gesicht gelblich-beige zu färben und speckig zu machen. Die Verkäuferin, auch nicht blöd, hat mir diesen Glanz als "Perlmuttschimmer" verkauft. Das ist er auch in der ersten halben Stunde, danach speckt es wirklich nur noch. Pudern hilft, aber wenn ich am Tag sieben mal pudere, brauche ich auch keine BB-Cream. Die Farbe sollte sich eigentlich nach wenigen Minuten meinem natürlichen Hautton anpassen und perfekt für "englische Typen" wie ich angeblich einer bin gemacht sein. Nix da, beige bleibt beige, und in meinem Gesicht gibt es normalerweise keine beigefarbene Zelle. Das Ergebnis ist ungefähr so wie damals bei meiner ersten BB-Cream, die von Garnier war und um die sieben Euro gekostet hatte, die habe ich nach dem ersten Versuch weggeworfen. Das werde ich mit dieser hier nicht tun, weil sie so teuer war - eigentlich irrational, beige ist beige. Die Lehre, die ich daraus ziehe, ist nicht nur, diese Creme bestimmt nicht noch mal zu kaufen, sondern auch, in Zukunft auf der Suche nach einem neuen Kosmetikprodukt nicht mehr ins Alsterhaus zu gehen, denn dort ist alles nach Marke sortiert. Es gibt dort niemanden, zu dem ich gehen kann und sagen "Guten Tag, ich hätte gerne eine schöne BB-Cream mit hohem Lichtschutzfaktor, die zu meinem Hautton passt bitteschön". Ich muss zu Dior oder zu Shiseido marschieren, und dann kriege ich eben das, was die haben. Die einzig gute Nachricht ist, dass es nun doch kein stinketeures Produkt in meine Standardausrüstung geschafft hat, im Zweifel begeistere ich mich lieber für 15-Euro-Creme als für 60-Euro-Creme. (Normalerweise hätte ich die enttäuschende Tube gar nicht weiter erwähnt, aber eine Kommentardame hatte darum gebeten. Das meiner Meinung nach beste Duschgel der Welt ist übrigens Fabulously Fresh von Burt's Bees, einer Marke, deren Produkte mich sonst nicht so überzeugt hatten. Es ist ölig und damit leicht rückfettend und riecht so extrem nach Minze, dass es zu vor-Baby-Zeiten schon im Alleingang Kater und bis heute Müdigkeit und schlechte Laune beseitigt hat. Im Sommer erfrischt es, im Winter wärmt es - ich find's toll. Man bekommt es unter anderem im Online-Shop der Apotheke am Rothenbaum.)
Vor einer ziemlichen Weile hatte ich mich mit Stammtischdame Nina mal auf der Schanze getroffen, und zum Ende des Babybummels waren wir noch bei Budni. Da fragte sie mich dann, wie ich das denn vorhätte mit Zufüttern: selber kochen oder Gläschen? "Quatsch, das Kind isst, was wir essen" dröhnte ich damals noch dummselbstbewusst. Seitdem habe ich zum Glück ein bisschen dazu gelesen und nehme jetzt alles zurück. Ndogo ist jetzt vier Monate alt, damit im besten Alter für erste Experimente mit Möhrchen usw., und sobald diese Arbeitswoche am Donnerstag vorbei ist, stürze ich uns in dieses Abenteuer. Gerade habe ich schon die ersten drei Bio-Gemüsegläschen bei Budni besorgt. So lange noch nicht richtig klar ist, was er mag und was ihm bekommt, werde ich nichts selber kochen. Erstens ist die Tiefkühltruhe voll, in dieses Chaos aus undichten 8-Kräuter-Packungen und undefinierbaren Alufoliepäckchen will ich seine Babyportiönchen nicht versenken, ich könnte sie zu leicht mit eingefrorenem Eiweiß oder Weißweinrestchen verwechseln, nicht auszudenken. Zweitens ist mir das Frustpotential zu hoch: ich mag mir gar nicht vorstellen, wie sich das anfühlt, an einem Babytag mit ihm loszuschieben, feinstes Biogemüse zu besorgen, zu waschen, zu putzen, zu schnibbeln, zu dämpfen, zu pürieren und dann erwartungsfroh mit dem Löffel auf das Mäulchen zuzusteuern, nur damit er mir das alles um die Ohren wirft und losbrüllt und ich die schönen Pastinaken/Topinambur/Kürbisbreichen für nix und wieder nix fabriziert habe. Ganz zu schweigen von den unvermeidbaren Schuldgefühlen, sollte er mein Essen wirklich essen und anschließend den Dünnschiss oder die Verstopfung seines kleinen Lebens haben. Drittens glaube ich ehrlich gesagt, dass ein Biogläschen im Zweifel aus frischerem Gemüse und schonender gegart ist, als ich das mit normalen Edeka-Hausmitteln hinkriege. Ich freue mich also schon sehr darauf, für Ndogo zu kochen, aber ich glaube, am Anfang baue ich lieber auf Alnatura usw.
In meiner Bürotasche liegen jetzt drei Gläschen: Frühkarotten, Kürbis und Pastinake. Und Donnerstag Mittag haben Ndogo und ich eine Verabredung zum Essen. Mein Baby wird erwachsen! Ich find's toll.
One Meal Fits All
vor 1 Tag