Montag, 4. August 2014

Momos linker Fuß. Und meine rechte und linke Fusselhirnhälfte.

Am Samstag musste Momo eingeschläfert werden. Es ging nicht anders, sie war ganz schwach, fast zu schwach zum Atmen. Sie hatte hohes Fieber, eine Blutvergiftung, die Leber hat versagt. Und das, obwohl die Wunde inzwischen so gut wie zugewachsen war. Niemand weiß so genau, wo es herkommt. Hatte sie doch noch irgendwo einen Verletzung bei dem Unfall erlitten, die bei den Untersuchungen nicht gefunden worden war? War die anstrengende Wundheilung einfach zu viel für ihren Hundekörper? Haben die Ärzte etwas falsch gemacht? Hat sie die Medikamente nicht mehr vertragen? Als ich mich am Tag meines Abflugs von ihr verabschiedet habe, war sie so putzmunter, ich konnte kaum fassen, wie gut sie sich erholt hatte. Sie humpelte grinsend durch den Garten, bellte die Eichhörnchen aus, fraß alles, was man ihr vorsetzte oder nicht, nicht für sie bestimmte Einkäufe inklusive. Sie klaute schon wieder Essen! Sie schnurrte behaglich, wenn man sie an den Ohren kraulte. Dann hat ihr altes Frauchen sie für ein paar Tage zu sich geholt, und es ging ihr plötzlich wieder schlechter. Jetzt ist sie tot. Ich war nicht dabei, wir konnten nicht mehr warten, ich bin erst Sonntag gegen Abend wieder hier gelandet. Und auch damit ist die traurige Geschichte noch nicht zu Ende, denn nun streiten wir uns mit dem alten Frauchen darum, wo sie begraben werden soll. Es ist wirklich eine Farce, und ich stehe mitten zwischen den Fronten. L. hat mit allem, was er dazu sagt, völlig Recht. Ja, wir waren ihre neuen Herrchen und Frauchen, ja, wir möchten sie auch in der Nähe haben, ja, wir haben sämtliche Klinikrechnungen und Futter und Zeckenmittel und überhaupt alles für sie bezahlt und uns jahraus jahrein um sie gekümmert - und das zählt jetzt alles nicht? Trotzdem habe ich auch Mitleid mit dem alten Frauchen, die gerade deutlich über den Rand eines Nervenzusammenbruchs hinaus ist und die bei den täglich drei Telefonaten so sehr weint, dass ich kaum verstehen kann, was sie sagt. Dieses Mitleid und die Solidarität mit L., der in den letzten Wochen in Sachen Momo zu Hochform aufgelaufen ist und das alles ohne mich durchstehen musste und durchgestanden hat, zerreiben mich hier gerade zu einem Haufen trauriger Matsche. Ich kann einfach nicht mehr, die letzten fünf-sechs Urlaubstage standen schon nur noch im Zeichen dieser Hundekrise, und ich bin gespannt auf die Telefonrechnung für die zerheulten Gespräche, die ich noch vom Flughafen Palma aus mit L. und dem Frauchen geführt habe. Ich will L. jetzt nicht hängen lassen, vor allem, weil er Recht hat. Trotzdem kann ich auch nicht so hart sein, wie ich sein müsste, um ihm wirklich die Stange zu halten. Da hat er ein ganz schönes Weichei geheiratet. Dazwischen fehlt mir Momo immer wieder so schrecklich, ich breche beim Anblick von Gebüschen, in denen sie gerne gestöbert hat, von zernagten Schuhen, von ihrem öddeligen Ikea-Schaffell oder ihrem Senioren-Hundefutter in Tränen aus. Ich komme nach Hause, wappne mich für einen Moment gegen den fälligen Angriff der Monsterkralle, dann fällt es mir wieder ein, und ich heule schon wieder. So schnell wird das wohl auch nicht besser werden.
Inzwischen ist hier eigentlich gar keine Zeit zum Trauern und Streiten und Vermitteln. Ndogo hatte heute seinen ersten Kita-Tag. Eine Stunde waren wir da und haben ihm zugesehen, wie er unternehmungslustig sein neues Reich erkundet. Morgen muss ich wieder arbeiten. Freitag haben wir die nächste große und wichtige Untersuchung wegen Würmchen. Und dazwischen ist auch noch der andere Hund, mein Kind, das sich gerade wieder an Mama und Papa gewöhnt, das Haus, die Wäsche, der ganze Kram. Ich weiß genau, irgendwann - vielleicht in drei Wochen, vielleicht auch erst in drei Monaten - wird es einen Tag geben, wo ich beim Gedanken an Momo nicht anfange zu weinen, sondern einfach nur trocken traurig bin. Ich wollte, der wäre schon da. Und ich wollte, harmoniesüchtig wie ich bin, es gäbe irgendwie einen Weg, die Sache jetzt zu Ende zu bringen, mit dem alle leben können. Aber es sieht schlecht aus.

So ist das also, wenn man einen Pflegehund hat. Liebe Abkürzungsdamen da draußen, die den Mut gefasst haben, es mit einem Pflegekind zu versuchen: Hut ab. Ich habe wirklich den allergrößten Respekt vor euch. Ich glaube nicht, dass ich mir auch nur ansatzweise vorstellen kann, wie viel Tapferkeit, unbeirrbaren Optimismus und Konfliktfähigkeit man dazu braucht.

Kommentare:

  1. Ach Mensch. Das tut mir so unendlich Leid!

    Ich fühle mich euch!

    Alles Liebe!

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  2. Das tut mir sehr, sehr leid. :-(
    Alles Liebe, Isa

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  3. Gäbe es nicht die Möglichkeit der Verbrennung und jeder hat einen Teil bei sich so haben wir das damals gelöst

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  4. Flora, ich kann dir sehr gut nachfühlen. Wir mussten unsere Betty vor mehr als einem Jahr einschläfern und auch heute noch fehlt uns die Hundemaus. Aber es wird besser, zumal ein kleines Kind (und bald sogar 2 bei euch) auch gut ablenken können.

    Mich hat getröstet, dass die Entscheidung, sie gehen zu lassen, das beste war, was wir tun konnten. Jeder weitere Tag wäre eine Quälerei gewesen. Und so habt ihr bei Momo auch entschieden. Aus Tierliebe!

    Alles Liebe
    die Exabkürzungskathi

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  5. Das ist wirklich viel auf einmal. Ich wünsche dir viel Kraft, vor allem für die Untersuchungen wegen Würmchen.
    Mir liegt schon die ganze Zeit etwas am Herzen, ich hoffe es hilft dir bei deiner Entscheidung:
    1. Lass dich nicht kirre machen von Ärzten,die sich nun auf jede Kleinigkeit bei Würmchen genau angucken und bezweifeln werden
    2. Überlege dir gut, was du willst mit Würmchen. Gewissheit ob etwas genetisches vorliegen könnte und das Risiko einer Fruchtwasseruntersuchung. Kannst du mit einem Ergebnis leben oder mit Ungewissheit? Was ist wenn bei einer Fruchtwasseruntersuchung etwas schief geht? Kannst du damit leben? Kenne mehrere Frauen bei denen trotz geringem Risiko etwas schief gegangen ist, sie hadern jetzt noch damit.
    3. Egal ob Würmchen gesund ist oder nicht. Es ist dein Kind und du sollst deine Schwangerschaft genießen und ihn lieb haben. Du kannst im Bedarfsfall und sollst auch ggf. trauern dass er nicht gesund ist, aber lass dir nicht die Freude an deinem besonderen Kind nehmen
    4. Foren sind gar nicht so schlecht zumindest das Rehakids -Forum . Versuche es einmal
    Zuviel auf einmal wegen des Hundes? Ich will dir aber Kraft für die anstehenden Entscheidungen geben.

    Eine betroffene Mutter

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