Donnerstag, 17. September 2015

Umfangreiche Sanierungsmaßnahmen

Andere Leute verbringen ihre Elternzeit irgendwo in einem Hippie-Urlaubsland und posten Fotos von schlafenden Babys in Tragetüchern am Strand oder Familienbesichtigungen asiatischer Tempelanlagen. Ich bin ein bisschen faul mit dem Fotoposten, aber heute könnt ihr mir dafür dankbar sein, denn schön ist das hier nicht. Statt die Zehen in weißen Sand zu bohren, habe ich einen Ärztemarathon hinter- und vor mir. Zwei Kinder so kurz hintereinander rocken den Körper ganz schön runter, und gestern habe ich mir die Krampfader ziehen lassen, die mir die zweite Schwangerschaft eingebracht hat. Jetzt liege ich hier, das Bein ist knallorange und blau und dick, und ich bin dankbar für den Stützstrumpf, der noch bis Samstag durchgängig dranbleiben muss und wenigstens einen Teil der Wahrheit vor meinen Augen verbirgt. Nächste Woche steht dann noch ein überfälliger Besuch beim Zahnarzt und beim Hautarzt an, der mir verschiedene Leberflecken entfernt, und zwischendurch bin ich immer mal wieder bei der Physio, denn seit inzwischen drei Monaten tut mir der Hintern weh: ISG-Blockade, was bedeutet, dass es jedesmal zwiebelt, wenn ich gesessen oder gelegen habe und aufstehe. Schon nach kurzer Fahrt verlasse ich die Ubahn im rechten Winkel. (Es gab einen sehr lustigen Moment, als ich mit meiner Schwester auf die S-Bahn gewartet habe und ihr von meinen Erfahrungen mit verschiedenen Laufstilen und Laufschuhen erzählt habe, damals, in der Zeit vor Kalle, als es in meinem Leben noch keine Beckenbodenprobleme, dafür aber einen ausgetüftelten Trainingsplan gab. Neben uns saß eine alte Dame und machte große Ohren. Nach all dem Rarara über Wettkampfschuhe, Lauf-Apps und Kraftübungen kam die S-Bahn dann endlich, und ich erhob mich ächzend und schlurfte mit der Nase auf Hüfthöhe in die Bahn. Da hat die alte Dame wirklich sehr, sehr verwirrt ausgesehen. Vermutlich muss man dabeigewesen sein.) Zur Frauenärztin muss ich auch. Wie machen die Thai-Elternzeitler das? Sind die einfach so entspannt, was ihre Gesundheit betrifft? Vermutlich sind sie einfach jünger, schütteln sich nach der Entbindung mal kurz, tragen ein bisschen Bepanthen hier und da auf und sind wieder wie neu.

Aber wisst ihr was? Wenn ich ganz, ganz ehrlich bin (und dazu ist ein Blog ja da), dann bin ich ein bisschen froh über anderthalb Tage Erziehungsurlaub dank OP. Unten robbt L. mit Michel durchs Wohnzimmer, und ich liege hier oben wie die Made im Speck. Das dicke Bein liegt auf dicken Kissen, neben mir steht eine Tasse Tee (schon nicht mehr richtig heiß, aber immerhin), nachher kommt ein Babysitter, und ich habe die Wahl: lesen? Sherlock glotzen? schreiben? schlafen? Allein die Zeit zu haben, darüber nachzudenken, was ich mit meiner freien Zeit anfangen will - das ist sonst nie. Jetzt werfe ich erst mal eine Ibuprofen ein und mach mir ein paar warme Gedanken.

Kommentare:

  1. Liebe Flora,

    denn "Thai-Elternzeitlern" ( zu denen Du uns mit Singapur und OZ zählen würdest) geht es kein Stückchen besser als Dir ! Wir hatten aber nur ein Kind und so schnell (und damit realistischerweise gar nicht mehr) auch nicht den Wunsch nach einem zweiten Wunder… - Daür schon eeeewig den Traum MIT Baby nach Ausstralien zu fahren ! Also nur andere Wünsche/ Prioritäten, aber nix mit Supermom, die sich nach der Entbindung nur schüttelt…

    Mag Deinen Blog übrigens SEHR gerne - und freue mich über jeden neuen Post! LG,
    Windsandale

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  2. Gute Besserung, liebe Flora, und genieße den schönen Herbst mit Deinen Jungs! :-) Lese Deinen Blog schon seit längerer Zeit mit Aufmerksamkeit und viel Begeisterung! Jetzt bin auch ich endlich bei meiner 1. ICSI: Nächste Woche ist Kryo-Transfer, für den ich noch ein paar Däumchen brauchen könnte! :-) LG aus Schwaben

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