Donnerstag, 7. Januar 2016

Ein frohes und mega-erfolgreiches Jahr 2016, du Vollgurke.

Vorletztes Jahr habe ich am 31.12. meine Vorsätze für 2015 gepostet. Mann, hatte ich viel vor!
Heute wird abgerechnet.

Naja.

Ich will jede Woche ein Kapitel von meinem Buch schaffen.

Nnnnööö... nicht so direkt. Nach wie vor besteht das Buch aus kleinen Fetzen, Ideen für lustige Wendungen, Listen mit möglichen Namen für mögliche Figuren, ein paar Ablaufplänen, die aber nie die komplette Strecke von der ersten bis zur letzten Seite abdecken, und Dialogschnipseln. Nur eben jetzt viel mehr davon. Ich finde, einerseits hätte mehr passieren können. Andererseits: zwei kleine Kinder, eins davon sehr laut, vor allem nachts - da kann ich schon froh sein, überhaupt mal am Rechner gesessen zu haben. Ein Schulterklopfen hab ich mir zwar nicht verdient, aber auch keinen Tritt in den Hintern.

Ich will nicht die Nerven verlieren. Und wenn ich die Nerven verliere, dann will ich wenigstens nicht herumbrüllen, sondern innerlich bis zehn zählen. Sollte das nicht helfen, wäre ich auch bereit, innerlich bis dreitausendfünfundzwanzig zu zählen.

Doch! Bestimmt! Ganz oft hat das geklappt. Nicht immer, ich brülle immer noch ab und zu. Z.B. dann, wenn Michel sich abends auf dem Wickeltisch wie irre und mit aller Kraft hin und her wirft, so dass ich zehn Minuten brauche, um ihm die Klumpfuß-Schuhe anzuziehen - wozu ich dreißig Sekunden brauchen würde, wenn er stillhalten würde. Wenn er mir dann noch mit dem schon angezogenen Schuh an den Hüftknochen tritt, so dass ich Sternchen sehe, und dabei aus vollem Hals brüllt. Und die Windel voll ist! Bis zu den Schulterblättern! Dann kommt es vor, dass mir ein extrem lautes "HAAARRRRRRRGH!" entfährt.
Es ist aber auch echt nicht einfach manchmal.

Ich will (sobald das neue iphone aktiviert ist) kontrolliert durch die App täglich zehntausend Schritte gehen.

Diesen Vorsatz habe ich mit Feuereifer befolgt, aber irgendwann festgestellt, dass ich das sowieso jeden Tag tue, Vorsatz hin oder her. Es gab nur Tage, an denen ich losmarschiert bin, ohne das Telefon einzustecken, und dann habe ich mich stundenlang geärgert und es fühlte sich an, als würden Kilometer ohne iphone nicht zählen. Das ging mir dann auf den Keks, und dann habe ich es gelassen. Aber ich gehe fest davon aus, dass es auch ohne iphone immer noch täglich zehntausend Schritte sind.

Ich will hundert mal nach Rezept kochen. Es muss nicht immer ein neues Rezept sein, aber ein Rezept.

Auch das hab ich wirklich geschafft! Naja, fast. Am Ende waren es 97 Rezepte, aber ich glaube, ich habe ab und zu auch etwas Neues gekocht und vergessen, es in meine Liste einzutragen. Erst neulich habe ich ein Kochbuch durchgeblättert und dabei drei Rezepte gefunden, von denen ich genau weiß, dass ich sie im August gemacht habe, aber in der Liste sind sie nicht aufgetaucht. Diesen Vorsatz übernehme ich dieses Jahr wieder, der war prima: einerseits hatte ich mir etwas vorgenommen, was ich sowieso gerne tue, andererseits war der Vorsatz die kleine Motivation mehr, aus dem Quark zu kommen, wenn der muntere Teil von mir etwas Neues ausprobieren wollte und der müde Teil mit den Augenringen einfach nur Nudeln mit Pesto wollte.

Ich will immer daran denken: seit der Geburt von Michel vergeht kein Tag, der uns nicht dem Zeitpunkt näher bringt, ab dem es leichter wird. Der Zeitpunkt, wenn ich mit beiden Kindern reden kann, wenn sie mich verstehen und ich sie.

Das sage ich mir auch heute noch, auch wenn ich gerade in diesen Tagen manchmal schier verzweifeln könnte daran, dass manche Dinge einfach immer noch nicht besser werden und andere sogar wieder schlechter. In den letzten Nächten hat uns Michel stundenlang auf Trab gehalten. Manchmal möchte er eine Flasche, ziemlich oft sogar, dann ist er nass, manchmal liegt er komisch quer und hat sich mit seiner Schiene im Bettchengitter verklemmt. Aber viel öfter, viel viel öfter hat er einfach gar nichts. Er kriegt keine Zähne, er hat keinen Hunger, die Windel ist trocken, der Schlafanzug sitzt tadellos, der Bauch ist weich, er ist nicht erkältet, und sobald er auf dem Arm ist, ist er ein sehr fröhlicher und extrem tatendurstiger Sonnenschein - alles wäre supi, wenn es nicht gerade drei Uhr morgens wäre und Mama und Papa nicht absolut am Ende ihrer Kräfte. Dann denke ich: noch ein paar Wochen, dann ist er sechs Monate alt. Ach nee! Er ist ja jetzt schon 14 Monate alt. Und letzte Nacht nach einem Heulkrampf auf dem Teppich vor seinem Bettchen habe ich beschlossen, mir jetzt endlich einen Kinderarzt zu suchen, der auf die Schilderung dieses Problems nicht mit einem Spruch reagiert, sondern irgendwie anders. Es macht mich nämlich wirklich fertig, und so geht's nicht weiter, und überhaupt.

Ich will für beide Kinder in jedem Lebensmonat einen Brief schreiben. Ob ich das online tue oder ganz allein für mich und sie, muss ich erst noch sehen.

Nein, habe ich nicht getan. Kein einziges Mal. Es gab ein paar Versuche, ein entsprechendes Doc auf dem Rechner anzufangen, aber dabei ist es dann auch geblieben. Es wird wohl so laufen wie bei allen anderen Eltern auch: am Ende haben wir Fotos und Erinnerungen, einige davon nebulöser als die anderen.

Ich will einen Weg finden, mit dem ganzen aufgestauten Ärger der letzten Monate umzugehen, und nein, lächeln, Magenkrämpfe bekommen und weitermachen ist nicht der Weg, den ich meine.

Nö. Keine Ahnung. Ich weiß auch bis heute nicht, was ich mir dabei vorgestellt hatte. Einen Selbstverteidigungskurs? Vielleicht. Ich ärgere mich immer noch viel zu oft und viel zu lange und viel zu leise.

Ich will herausfinden, was ich mit meiner freien Zeit wirklich anfangen will.

Auch da hat sich nichts getan. Ich will theoretisch schreiben. Praktisch wird die freie Zeit von hundert Dingen aufgeknuspert. Meistens bin ich auch selbst Schuld, aber habt ihr einige der neuen Serien mal gesehen? Die sind wirklich unfassbar gut. Gelesen habe ich letztes Jahr auch viel, und gekocht, und eingekauft, und aufgeräumt, und Wäsche sortiert und gefaltet, und mir vor dem Spiegel einzelne graue Haare ausgerissen, und meine Papiere sortiert, und umgezogen sind wir auch, und einen Hund und zwei Kinder haben wir auch. Aber theoretisch, also theoretisch, denke ich immer noch, dass ich Bücher schreiben will, und ich weiß sogar, mit welchem ich anfangen will, und wenn die Steuererklärung sich im Hintergrund zu breit macht, dann denke ich immer noch verzweifelt, wie viel Zeit mir das von der Schreiberei wegnimmt - aber irgendwie komme ich nicht zu Potte. Vielleicht ja dieses Jahr. Darauf wäre ich wirklich stolz.

Ich will eine neue Bewerbung für die Drehbuchwerkstatt schreiben, für 2016/2017. Im Januar 2016 muss sie fertig sein. Bis August hätte ich gerne zwei wirklich, wirklich gute Ideen für Drehbücher. So gut, dass ich es kaum abwarten kann, bis ich mich an meinen Rechner setzen und daran weiter feilen kann.

Ihr werdet lachen, ich habe tatsächlich zwei gute Ideen, und die Frist endet erst am 31.1., aber auch da komme ich nicht zu Potte. Heute vielleicht ja mal! Heute abend, wenn die Kinder im Bett sind! Und wenn die Steuer gemacht ist! Und aufgeräumt! Und die Wäsche sortiert! Und die Spülmaschine eingeräumt!
Ich bin so bescheuert.

Ich will im Laufe des nächsten Jahres so weit mit der Rückbildung sein, dass ich wieder laufen gehen kann. Und wenn ich ganz von vorne anfange: mit einer Viertelstunde im Park, von der ich insgesamt nur vier Minuten wirklich laufe. Vermutlich unter dankbaren Tränen.


Genau das habe ich vor ein paar Tagen für 2016 beschlossen. Lustig: Ende 2014 hatte ich keine Ahnung, dass zu meinem Beckenbodenproblem noch ein Bandscheibenproblem kommen würde, und was für eins. Nichtsdestotrotz bin ich optimistisch. Denn ab Januar kommt endlich Krankengymnastik zu meinen anderen Bemühungen, und der femifree ist ja auch noch da.

Ich will mich vor dem Lippenstiftregal im Laden nachdrücklich daran erinnern, dass ich Lippenstifte in folgenden Farbtönen besitze: Koralle. Pink. Hellpink. Neonpink. Dunkelpink. Hellrosenholz. Knallrot. Knallrot-Matt. Kirschrot. Kirschrot-Matt. Hollywoodrot-Matt. 40er-Jahre-rot Matt. Rotweinrot. Die meisten davon werden irgendwann die Entrümpler aus meiner Wohnung tragen.

In 2015 habe ich genau einen Lippenstift gekauft. Es ist ein schöner Lippenstift, ich habe ihn bestimmt fünf mal getragen. Angesichts der Tatsache, dass ich in 2015 insgesamt vielleicht zwanzig Mal Lippenstift getragen habe, ist das ein guter Schnitt. Trotzdem finde ich, 2016 muss auch das Jahr sein, in dem ich mehr Lippenstift trage, unter anderem, damit der Vorsatz wahr werden kann, öfter mit verschmiertem Lippenstift nach Hause zu kommen.

Ich will die Bücher lesen, die schon auf meinem Kindle sind, bevor ich neue kaufe.

Na gut. Einigen wir uns darauf, dass ich für jedes neu gekaufte Buch ein altes lese, ok?


Das tue ich wirklich, inzwischen ist die Quote so ungefähr: auf jedes neu gekaufte Buch kommen drei alte, die ich jetzt endlich lese. Und nachdem wir dieses Jahr mit ekelhaft vielen Bücherkartons umgezogen sind und dieser Mietvertrag auf fünf Jahre befristet ist, bin ich sowas von motiviert, es dabei zu belassen.


Wo ich schon dabei bin: ich will keine Kochbücher für den Kindle mehr kaufen. Das macht keinen Spaß.

Hab ich geschafft, war ganz einfach.

Ich will jeden Monat ein Date mit meinem Mann. Und ein Date mit mir ganz allein.

Nein und nein. Letztes Jahr war ich einmal mit L. aus, und mit mir allein vielleicht dreimal, wobei das eigentlich nicht als Date zählt, es waren nämlich immer einfach nur Erledigungen, die weniger Zeit in Anspruch nahmen als geplant, und mit der freien Zeit habe ich dann etwas Nettes angefangen. Vorm Abaton Bistro in der Sonne sitzen und Muscheln essen z.B. - das war schön, aber dieses Jahr brauche ich mehr davon.

Aaach, so mies ist die Bilanz doch überhaupt nicht, oder?
(Und wieder mal weiß mein Fusselhirn nicht, ob ich zu hart mit mir bin oder zu weich.)

Kommentare:

  1. Hallo Flora,
    kann man dich ggf per Mail kontaktieren?
    Es geht -ausnahmsweise - mal nicht um die Kinder,sondern um Häuser. :)

    Das wäre toll!

    Liebe Grüße
    Caroline

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  2. Hallo Flora,
    kann man dich ggf per Mail kontaktieren?
    Es geht -ausnahmsweise - mal nicht um die Kinder,sondern um Häuser. :)

    Das wäre toll!

    Liebe Grüße
    Caroline

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    1. Hallo Caroline, schreib mir doch Deine Email-Adresse, dann schreibe ich Dir zurück, versprochen... LGr

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    2. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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  3. Du wirst (leider) schwerlich einen Kinderarzt finden, der Dir auf das Durchschlaf-Problem keinen Spruch hinwirft. Wenn einer von denen die Lösung hätte, müßte er nicht mehr praktizieren, sondern würde für seine Ratschläge in Gold aufgewogen werden.
    Es gibt einfach keine allgemein gültige Lösung. Außerdem ist es nicht unnormal, in dem Alter noch aufzuwachen. (Wieder: Leider.)
    Womit ich relativ gut gefahren bin, ist, das Kind nachts nicht auf dem Arm zu nehmen, sondern liegen zu lassen und nur zu streicheln und beruhigen versuchen. Klappte mal mehr, mal weniger. Aber nachdem es kein Essen/Trinken mehr in der Nacht brauchte, hab ich es nie herausgenommen, auch nicht zum Kuscheln in Mamas Bett. (Und nichts zu essen/trinken, nur den Nuckel.) Das Aufwachen muß halt möglichst unattraktiv und langweilig werden. Hat langfristig geholfen, kurzfristig sind natürlich erstmal verstärkte Schreiattacken aufgetreten.
    Ich habe noch einen Link zu einem Familienblog für Dich, wo der vierfache Familienvater über ein ähnliches Problem und dessen Lösung berichtet. Es geht halt hauptsächlich darum, das Kind nicht in eine Routine zu bringen, wo es merkt: 'Hey, nachts aufwachen ist klasse, das wird einem echt was geboten.', bzw. es wieder aus der Routine heraus zu kriegen, wenn sie sich schon eingeschliffen hat.
    https://essentialunfairness.wordpress.com/2015/12/02/papa-hats-verbockt-mein-einschlafrezept/

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  4. Übrigens, mit 2 Jahren haben sie dann wirklich, immer, äußerst zuverlässig durchgeschlafen. Das ist von Eurem Standpunkt aus noch eine Ewigkeit, aber bis dahin wurde es Schritt für Schritt besser. (Das ist so 'ne Marke für MEIN Fusselhirn. Es klappte, glaube ich, auch schon ETWAS eher. Aber mit 2 konnte man zuverlässig mit Durchschlafen rechnen. Was für eine Wohltat.)

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