Sonntag, 1. Januar 2017

Selten waren zu Silvester so wenige Zigaretten und so viel Gehuste.

Frohes neues Jahr, liebe Abkürzungs- und Ex-Abkürzungsdamen!

Bestimmt gilt es als extrem schlechte Form, einen Neujahrspost mit einem langwierigen Gemecker über die eigene Gesundheit zu beginnen, aber dies ist mein Blog, und hier herrsche ich mit eiserner Knute. Mitte November hatte ich mit Kalle als Stargast ein sehr schönes Wochenende in Berlin. Wir haben bei einer Freundin herumgemuckelt, vietnamesisches Essen gegessen, teils Champagner, teils Mineralwasser getrunken, Hochzeitsfotos angesehen und hatten es rundum gut. Einziger unerfreulicher Teil dieses Wochenendes war eine längere Odyssee mit der Berliner S-Bahn, als ich nämlich mit Kalle von einem Kurzbesuch bei meinem Bruder in Kreuzberg zu der Freundin wollte und mangels Kindersitz nicht einfach ein Car2Go nehmen konnte. Die Fahrt, die eigentlich zwanzig Minuten hätte dauern können, dauerte fast zwei Stunden. Unterwegs wurden mir einige der größten Unterschiede zwischen Berlin und Hamburg mit plumper Deutlichkeit vor Augen geführt, und Hamburg hat gewonnen. “Hölle nochmal” fauchte ich innerlich. “Nie wieder ohne Kindersitz”. Und “Wenn ich mir hier von einem von euch jetzt auch noch eine Erkältung einfange, dann rrrrraste ich aus.”

Auf der Heimfahrt nach Hamburg fing der Hals an zu kribbeln, und sechs Wochen später stellt sich die Situation folgendermaßen dar: Ich habe (jetzt zum zweiten Mal) verstopfte Nebenhöhlen, dementsprechend Kopfschmerzen, ich habe einen Husten wie ein Feldlazarett, der hält mich jetzt seit drei Wochen in Schwung und hat im Lauf dieser drei Wochen meinen mühsam wieder zusammentrainierten Beckenboden wieder komplett zerschossen. Vor der Schwangerschaft konnte ich schon wieder laufen gehen, und zwar nur mit einer Slipeinlage - und die nur zur Sicherheit. Jetzt verbrauche ich täglich ca. 10 dieser Super-Maxi-Pipi-Binden, die so groß sind wie ein Weltatlas und acht Tropfen auf der Packung haben, und seit gestern läuft es auch gerne mal wieder, wenn ich nicht huste, sondern nur einen Wasserhahn betätige oder auch gar nichts tue. Es ist mir unendlich peinlich, ich bin wütend wie eine Hornisse, und die nächste Geburt steht mir erst noch bevor - wobei, schlimmer kann sie es eigentlich nicht machen. Und dann geht das alles wieder los: elektrische Hose, Physio, Balancierball und die dicksten Binden der Stadt. Während meine Jungs langsam trocken werden. Damit bin ich aber noch nicht am Ende mit meinem Gesundheitsreport: Weihnachten habe ich mit bis heute rätselhaften, aber seeeehr konkreten und nicht-psychosomatischen Magenschmerzen in einem Münchner Krankenhaus verbracht, während der Rest der Familie das von meiner Schwester liebevoll und umsichtig organisierte Fest genießen konnte und meine Kinder ca. alle drei Minuten gefragt haben, wo eigentlich Mama ist. Und seit zwei Tagen meldet sich die dusselige Bandscheibe wieder, was nicht nur sehr, sehr schade ist, sondern sich auch mit dem Husten zu einem symbiotischen Gesamtkonzept verbindet: wenn ich huste, tut der Rücken weh, und lege ich die Beine hoch und mache meine Rückenübungen, dann steigern sich Husten und Inkontinenz augenblicklich zu einer Hochform, die selbst mich erstaunt.

Während ich so dalag in meinem Krankenhausbett, habe ich eine Menge Zeit darauf verwendet, mir über Neujahrsvorsätze Gedanken zu machen. Gelassener werden! Mehr auf mich achten! Mich weniger nach den Wünschen anderer richten! Mir mehr Gutes tun! Flora 2017, yay!

Jetzt bin ich wieder zuhause, und während ich so dalag, die Nachbarschaftspartys und den bunten Krieg da draußen im Ohr, bin ich zu folgendem Schluss gekommen: Bullshit. Ich habe es nicht nachgeschlagen, aber ich glaube, in den letzten Jahren habe ich fast jedes Jahr genau diese Entschlüsse gefasst und keinen davon jemals umgesetzt. Dieses Jahr habe ich eigentlich nur einen Vorsatz:

Ich lasse Flora 1973-2016 gefälligst in Ruhe. Es zeigt sich nämlich, dass ich im Grunde ziemlich vorsatz-resistent bin. Trotz allerbester Absichten bin ich immer noch fusselhirnig, neige zu panischen Reaktionen, mache mir viel zu viele Gedanken über jeden Mist, vor allem darüber, was andere so denken, denke immer, während ich A tue, ich müsste aber eigentlich B oder F oder Z tun, fühle mich ständig gleichzeitig egoistisch und zu kurz gekommen, kann mich niemals entscheiden, und jede Form von Gelassenheit ist mir ziemlich fremd. Leider. Ich finde auch, es wäre schön, etwas lässiger zu sein. Mich weniger stressen zu lassen, nicht alles so schwer zu nehmen, schöne Dinge mehr zu genießen usw. usw., aber ich kann das offensichtlich nicht immer so wie gewünscht, und genau das ist seit Jahren eine der stinkigsten Quellen von Stress in meinem Leben: wieso kann ich das nicht? Wieso bin ich nicht so wie die anderen offensichtlich sind? Wieso bin ich so eine hysterische Ziege? Und die einzige Form der Gelassenheit, die ich mir vielleicht dieses Jahr abkämpfen kann, ist die gegenüber mir selbst. Schluss mit Optimierungsprogrammen und idiotischen Fünf-Jahres-Plänen. Wer weiß? Vielleicht kommen ja andere Formen automatisch hinterher, irgendwann Richtung August, September, ungefähr um den Dreh, wenn ich von den Acht-Tropfen-Binden auf die Sieben-Tropfen-Binden runter bin. Und wenn nicht, dann nicht.

Ende der Vorsatzliste.

Andererseits habe ich es immer geliebt, Vorsatzlisten zu schreiben, es weht für einen Moment so ein Optimismus, so eine Aufbruchstimmung um mich und meinen Rechner - darum erzählt mir doch, was habt ihr so für Vorsätze?

Kommentare:

  1. Liebe Flora!
    Mein Vorsatz ist, keine Vorsätze zu haben. Ich lasse mich von 2017 überraschen und genieße es. Vorsätze stressen und frustrieren, wenn ich sie nicht einhalte. Ich habe im letzten Jahr viele kleine Dinge in meinem Leben verändert und mir geht es damit gut. Kleie Ideen, die mir spontan in den Kopf springen, möglichst zeitnah ausgeführt. Mein Rezept zum inneren Frieden.
    LG Dinkfrau

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  2. Erst mal... gute Besserung... geht doch nichts über fiese Erkältung ohne wirksame Medis, wenn frau schwanger ist.

    Ohne Dir jetzt irgendwo reinreden zu wollen... wäre es eventuell Deinem Beckenboden dienlicher, Nr. Drei per Kaiserschnitt schlüpfen zu lassen, statt ihn eventuell noch weiter zu massakrieren?
    Ein geplanter Kaiserschnitt ist keine arg schreckliche Affaire, eher sehr entspannt. Ok, das im Bett aufsetzen fand ich einige Zeit sehr unangenehm, aber bei "natürlich" kannst Du halt erstmal nicht doll sitzen - von daher nimmt es sich nichts, finde ich.

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  3. Hallo Flora, ich werde unsere Zwillinge hoffentlich gesund und munter entbinden und möchte gerne meine ebenfalls nicht mehr vorhandene Pipi-Einhaltungsmechanik wieder reparieren. Dies alles mit quirligem Kleinkind, ich denke das sind genug Vorsätze für dieses Jahr.

    Geschrieben mit zwei (ich will nicht auf die Kacke hauen, aber et is wie et is) Maxi-Riesenubooten im Schlüppi, denn eine taugt gar nichts mehr, ich brauche FLÄCHE. Auffangfläche. Und ja: Es ist beschämend. Aber totreden macht es auch nicht besser.

    Herzliche Grüße und eine knackig-kurze Geburt (muss ja bald so weit sein?) wünscht Penny.

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  4. Dir auch ein frohes, neues, lustiges, entspanntes, gesundes und ganz tolles Jahr liebe Flora!!!

    TinaS aus HH (seit hute in der 16. Woche - kanns immer noch nicht glauben...)

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