Donnerstag, 28. Juli 2011

Und das mitten in der schönsten Vinho Verde-Zeit

Meine Tage beginnen mit grünem Tee und enden mit Wasser. Und es ist nicht zu fassen, aber mir geht's gut! Ich schlafe meistens wie ein Steinchen, bin jeden Tag ein bisschen weniger verquollen und fertig, und im Moment weiß ich noch nicht mal auswendig, wann genau diese vier Wochen enden und ich es wieder krachen lassen darf. Das ist neu. Selbst in guten Fastenzeiten, wenn alles so dermaßen vor Harmonie aus allen Nähten platzte und im Fluss war, hatte ich doch die Minute, in der der Spuk vorbei sein würde, immer in riesigen Zahlen auf die Hirnrinde tätowiert. Auch die Sache mit dem Weizenmehl funktioniert, bei Budni gibt's Dinkel-Grünkern-Vollkornbrot und Dinkelknäcke mit Kürbiskernen, dagegen kann kein Mensch was sagen. Neulich, als wir alle für einen Job zwei Tage lang der Gastfreundschaft einer anderen Agentur ausgesetzt waren (bei der es mich gewundert hat, dass deren Mitarbeiter nicht alle längst so breit wie hoch sind), habe ich den ganzen Plan kurz vergessen und hatte ohne nachzudenken schon ein dreiviertel Stück lauwarme, frisch gebackene Apfeltorte gegessen, als er mir wieder einfiel. Zehn Minuten später war ich im sechsten Monat. Das passiert nicht jedes Mal, Pasta z.B. geht, aber gerade finde ich, ohne Weißbrot, Kuchen und Kekse bin ich besser dran. (Dieser Zustand ist eine völlig neue Erfahrung und war noch nie da. Bekommt keine Angst, dass ich hier demnächst das Loblied veganer Ernährung singe oder euch die besten Adressen für Reiki empfehle, aber so lange der Zustand anhält, bin ich fest entschlossen, das Beste draus zu machen und ihn auszunutzen.) Ich sitze hier im Grünen, gucke aus dem Fenster, beobachte wohlgefällig den Rasen und die Kräuter beim Wachsen, gehe mit dem Hund, lese Bücher, arbeite, bügele meine Kleider zu Lieblings-DVDs, grüße die Nachbarn, wenn ich sie treffe, wasche ab und streue Kichererbsen in meinen Salat. Sobald der Wunderzustand endet, wird mich das alles langweilen bis zum Kieferkrampf. Aber im Moment ist es ziemlich in Ordnung.

Und ein bisschen abgenommen habe ich auch schon. Nur die Lauferei muss erst mal warten, denn als ich gestern morgen um sieben (so ergeht es Damen, die keinen Alkohol trinken, man lernt ganz neue Tageszeiten kennen) laufen war, habe ich mir die linke Wade gezerrt. (So ist das bei mir immer, wäre es nicht die Wade gewesen, hätte ich mir eine Erkältung eingefangen oder mir einen Zeh gebrochen. Mein Körper sabotiert mich. Das ist alles nichts neu und ein ziemlich alter Witz, aber was soll ich machen? Er erzählt ihn immer wieder.)

Montag habe ich einen Termin in der Klinik. Und falls bei der Gelegenheit nicht rauskommt, dass ich tatsächlich schon wieder völlig zugewuchert bin und mich auf die nächste (ich glaube, das wäre dann die sechste?) Bauchspiegelung freuen kann, haben wir einen vollkommen wilden Plan: Ende August fahren wir nach New York, und ich würde die Pille dann, glaube ich, so absetzen, dass wir es dort, hüstel, mal probieren können. Das war seit drei Jahren nicht da. Und ich bin ein bisschen aufgeregt.

Kommentare:

  1. Hey Flora!

    Dann genießt einfach New York, lass laufen, keine Gedanken, kein gar nichts. Wir machen diesen Zyklus auch "Hormonferien" weil die Praxis Sommerurlaub hat. Und ich hab mir noch nie so selten Gedanken gemacht, wie aktuell. Muss auch mal sein :-)

    Fühl dich gedrückt!

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  2. Hallo Flora!

    Hab da mal eine Frage: Da du ja öfters in New York bist und wir im September auch mal wieder hinfliegen und der Flug schon gebucht ist und wir uns nicht über ein Hotel einigen können, ob du mir nicht einen Tipp geben könntest.
    Ihr habt doch bestimmt einiges an Erfahrung gesammelt und vielleicht ein paar Hotels ausprobiert.
    Außer natürlich ihr wohnt bei Freunden und das stand hier schon irgendwo, das habe ich dann nicht mehr auf dem Schirm, aber das ihr schon oft drüben ward, das ist mir in Erinnerung geblieben.
    Vielen Dank dafür!
    LG

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