Samstag, 13. September 2014

Eine Reihe von Vorsätzen, einfach so, mitten im Jahr.

1. Wenn das nächste Mal jemand zu mir sagt, ich wüsste aber schon, dass alkoholfreies Bier AUCH Alkohol enthält, dann werde ich kein freundliches Interesse heucheln und so etwas sagen wie "Ach, wirklich? Danke!". Was genau ich stattdessen tun oder sagen werde, weiß ich noch nicht, da lasse ich mich dann vom Moment inspirieren.

2. Ich werde weiterhin versuchen, lieber zwanzig Minuten entspannt mit meinem Kind am Tisch zu sitzen und ihm beim genüsslichen Essen zuzusehen, als wegen 30 Sekunden Wegputzen hinterher in Panik zu verfallen, wenn er kleckert. (Wobei "kleckert" ein Euphemismus ist, muss ich zugeben.)

3. Ich werde die Babyfotoflut der letzten Monate bearbeiten, zu Pixum schicken und die Fotos dann in ein Album einkleben oder an die Wand hängen.

4. Ich werde auch bei diesem neuen Rechner herausfinden, wie man die verdammte Autokorrektur ausschaltet. Ja, das gilt auch für Dich, Blogeingabefenster, und für Dich, Email.

5. Sollte meine Agentur anrufen, während ich im Mutterschutz bin, und mir was von einer akuten Notlage vorquengeln, deretwegen ich jetzt bittebittebitte irgendwas dringend machen soll, dann werde ich sagen "Akut? Ha!". Am 31. März habe ich ihnen Bescheid gesagt. Noch ist kein Ersatz für mich da. Von akut kann keine Rede sein. Ich mach mir große Sorgen, aber ich werde ... hart bleiben. Genau. Verdammt.

6. Ich werde das Angebot meines poshen Fitnessclubs (den ich schon so lange nicht mehr von Innen gesehen habe, dass ich gar nicht sicher bin, ob er überhaupt noch steht und mich vermutlich auf dem Weg dorthin verfahren werde) nutzen: Rückbildungskurse mit Baby. Wobei man größere Babies gleichzeitig im Kinderparadies lassen kann. Und genau das werde ich machen. Zusätzlich werde ich zum Power-Dingens-Kurs meiner neuen Hebamme gehen. Diesmal mache ich das Pipiproblem fertig statt umgekehrt.

7. Ich werde zurück in einen Rhythmus finden, bei dem ich ein mal in der Woche ohne Babyanhang meine Mädchen sehen kann. Egal was.

8. Ich werde mich nicht vom Geraune und Geunke der Vorsorge-Hebamme kirre machen lassen, ich wüsste aber schon, dass der Klumpfuß gut ein Zeichen für ein ganzes Syndrom sein könnte, also nur die Spitze des Eisberges. Dankeschön, ich habe es nun mehrfach von ihr gehört, was soll das nützen? Sollte mein Kind tatsächlich schwere Behinderungen haben, werde ich sicher heilfroh sein, mich jetzt seit drei Monaten deshalb zu gruseln. Also: Danke für die Information, aber nein Danke.

9. Ich werde mich nicht von Familienweihnachten bei uns ins Bockshorn jagen lassen. Meine Mutter und meine Schwester sind die Weltbesten Weihnachtswichtel, die werden hier mit Keksen anrücken und sich eine Schürze umbinden und mir helfen, damit das alles irgendwie wird.

10. Ich werde erst wieder über die acht tiefgefrorenen Embryonen irgendwo in Altona nachdenken, wenn ich nach der Geburt nicht mehr beim Pinkeln fauche. Ehrlich, hab ich sie noch alle? Ich denke nein.

11. Ich werde zum Elternabend der Kita gehen.

12. Mehr kannst Du nicht von mir verlangen, Vorsatzliste! Aber hingehen werde ich.

13. Ich werde die freie Zeit bis zur Geburt genießen, so gut ich kann. Diesmal sind keine Handwerker im Haus, es liegt kein Geröll herum, im Babyzimmer sind keine leeren Fensterhöhlen von Folie notdürftig verdeckt, niemand kommt morgens um sechs rein, wenn ich auf Toilette sitze, das müsste also klappen. Ich werde mich in eine Wolke aus behaglicher Häuslichkeit hüllen. Es wird nach Kuchen riechen. Vielleicht fange ich sogar passend zum Herbst zum ungefähr achten Mal das Stricken an? Naja, wir wollen nicht übertreiben. Aber genießen werde ich die Zeit. Ich bringe morgens meinen Sohn in die Kita, und dann mache ich genau das, worauf ich Lust habe. Sechs Wochen lang, wenn Würmchen zwei nicht zu früh kommt. Noch sieben Arbeitstage trennen mich von diesem glückseligen Zustand. Gibt es eigentlich Kinovorstellungen am Vormittag? Genau solche Dinge werde ich herausfinden.

14. Ich werde aufhören, mich zu grämen, dass ich keinen Alkohol trinken und nicht rauchen darf. Ehrlich, geht's noch? Nach all den Spritzen und all den Enttäuschungen und all den Bauchspiegelungen und angesichts von tausenden Abkürzungsdamen, die nicht mein Glück hatten? Und überhaupt? Lächerlich, Albarelli. Einfach nur lächerlich.

15. Sport ist ja gerade nicht so, aber ich kann mich anderen Herausforderungen stellen: Im Moment habe ich einen echten Lauf, was die-Meinung-sagen betrifft. Anfangs fiel es mir schwer, harmoniesüchtig wie ich bin. Aber ich hole auf, und ich habe das Gefühl, es tut mir mindestens so gut wie ein durchdachtes Laufprogramm: ausgezeichnet für Teint und Blutdruck und für erholsamen Schlaf.

Kommentare:

  1. Zu 1.) Ich liebe auch Bier und trinke alkoholfreies... und ich habe gelesen, dass es nur genau so viel Alkohol hat, wie sich übrigens auch naturtrüber Apfelsaft oder Traubensaft entwickelt, wenn man ihn zwei Tage geöffnet im Kühlschrank lässt.

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  2. Stammtisch wäre toll, liebe Flora. Ein schicker Sonntag wäre optimal, da ich wieder in Hannover bin unter der Woche. Ich kann aber erst ab Sonntag 12.10. oder die späteren Sonntage. Viele liebe Grüße Sanne.

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  3. Auch ad 1) Halte ich genauso. Vor allem, seit ich bei Kind 1 die sekundäre Sectio hatte und erst viel später verstanden habe, dass die einem da durch den Zugang am Handgelenk noch schön 48 Stunden Schmerzkiller laufen lassen, während man munter das Kind stillt. Wenn man bedenkt, dass ca. 50% aller Schwangeren "von Zeit zu Zeit mal ein Gläschen" trinken - was ich NIE machen würde -, dann finde ich es echt lächerlich, mich wegen der Mikromengen Alkohol im alkoholfreien Bier anmaulen zu lassen. Reife Bananen, die man ja bevorzugt als Beikost füttert, haben die übrigens auch. Und außerdem benutze ich bei Schnupfen abends auch ein Nasenspray. Darf man, steht bei Embryotox und ich werde am Folgetag zum Ork, wenn mich abends die Nase vom Einschlafen abhält, nur damit mich zwei Stunden später die Blase aufs Klo treibt und dann das Baby Radau macht. Ist schlecht für mein Karma. Ehrlich. Und übrigens ist harter Rohmilchkäse auch in Ordnung, deshalb esse ich in dieser Schwangerschaft niemals Pasta ohne Parmesan. Außer die mit Fisch. So.
    Restpunkte: Klingt alles super. Nur an 3) glaube ich noch nicht. Und 5) sieht mir auch nicht super stabil aus.

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  4. Liebe Flora,
    leider verfolge ich deinen Blog noch nicht so lange und hoffe, dass ich den Punkt 10 schon richtig verstanden habe....

    zu Nr. 10: ich hatte am 6.9. meinen ersten "Transfer" und warte momentan bis ich endlich zum Bluttest kann. Die Zeit will einfach nicht vergehen und jetzt habe ich seit 2 Tagen auch noch "Blutungen" wobei ich nicht glaube, dass es sich um Einnistungsblutungen handelt. Jedenfalls habe ich auch 2 Embryonen eingefroren und ich denke eigentlich sehr gerne an diese zwei Bläschen! :-) Was machst du mit "ihnen" wenn du Kind Nummer 2 bekommen hast? Ich stelle mir immer die Frage, ob ich sie 10 Jahre eingefroren lasse, oder ob ich irgendwann sagen werde "Ich benötige sie nicht mehr"! Kann man die befruchteten Bläschen einfach so entsorgen lassen? Ich persönlich kann da noch garnicht daran denken... LG J.

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  5. Zu 1 habe ich immer gekontert mit: Ich schaff es einfach nicht ganz ohne, aber immerhin vom Heroin bin ich runter...

    was hat es mich gernervt....

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