Sonntag, 21. September 2014

Mma Mppa da! Da!

Als ich klein war, gab es bei uns zuhause die Regel, dass an Kindergeburtstagen das Kind, das eigentlich nicht Geburtstag hatte, trotzdem ein Geschenk bekam. Nichts Großes, ein Buch oder ein Peanuts-Mäppchen oder Briefpapier (haltet mich jetzt nicht für 70, aber als ich klein war, habe ich mich über Briefpapier gefreut, sogar über das lilane mit Veilchen von meiner Oma). So kam erst gar kein Neid auf den Geburtstagstisch des anderen Kindes auf. An Weihnachten hat meine Mutter darauf bestanden, allein den Baum zu schmücken, wir kauerten hinter den gelben Butzenscheiben der Durchreiche und versuchten, irgend etwas zu erkennen, und bis wir dann endlich rein durften, waren wir auf 180 vor lauter Weihnachtsvorfreude. Wir hatten eine große Korbtruhe voller alter Gardinen, Schnurrbärte, Bettlaken, Krönchen, Plastiksäbel und ausgemusterter Halstücher, damit konnten wir uns verkleiden. Mein Vater baute uns Baumhäuser. Ich hatte ein Bett, in dem ich hinter Vorhängen in einer Art Höhle schlief, darüber war noch ein großer Schrank, man konnte ganz oben sitzen (es gab eine Strickleiter) oder im Schrank in der Mitte. Man konnte sich auch unters Bett in den Bettzeugkasten legen, Möglichkeiten über Möglichkeiten. Im Winter saßen wir auf Schlitten, die von unseren schweißgebadeten Eltern in ihren Moonboots durch den ziemlich bergigen Wald gezerrt wurden. Wir hatten Kindergeburtstage, auf denen mein Vater sich durchs Unterholz schlug, um Schnitzeljagden vorzubereiten, und meine Mutter für jedes Kind eine Süßigkeitentüte packte. Dass es natürlich selbstgebackenen Kuchen gab, und zwar längst nicht nur zum Geburtstag, muss ich glaube ich gar nicht erst schreiben.

Ich sollte mich also nicht wundern, dass aus meinen Eltern jetzt 1a Großeltern geworden sind. Gerade sind sie zu Besuch, und meinetwegen können sie hier einziehen. Gestern waren sie mit meinem Sohn über vier Stunden unterwegs, im Zoo. L. war beim Fußball, ich war allein zuhause. Ich! Allein! Ohne Jobpflichten, mit vier Stunden freier Zeit! Ich habe Kuchen gebacken, aber ohne Kind im Hintergrund ist auch das die reinste Entspannung und eine Sache von zehn Minuten. Auch dieser Post wird gesponsert von meinen Eltern, heute Morgen um halb acht hat das Kind den ersten Piep gemacht, und keine zehn Minuten später stand meine Mutter in der Tür, um ihn mit nach oben ins Gästezimmer unterm Dach zu nehmen. Von dort höre ich ihn jetzt kichern und krähen, und ich lungere hier unten im Schlafanzug auf der Couch herum, eine heiße Tasse Tee neben mir, die ich tatsächlich ungestört austrinken werde, und den Rechner auf dem Schoß. Natürlich wechselt meine Mutter Windeln, und natürlich merkt sie sich, wo alles liegt. Klar! Fläschchen machen sie auch. Mein Vater hat eine ganz eigene Technik, den Kleinen zu tragen, die ihm niemand nachmachen kann und bei der er wie auf einer Kombination aus Sofa und Ausguck sitzt.
Sollte ich jetzt Frühstück machen? Mit Eiern und Obst und allem? Ich finde, das haben sie sich redlich verdient.

Kommentare:

  1. Das hört sich nach einer herrlichen Kindheit an! Leider lese ich den Beitrag jetzt erst, daher die Frage: Und? Gab es Frühstück für deine Eltern? :) Bestimmt! Und ja, ich finde auch dass sie sich das redlich verdient haben.
    GLG

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  2. liebe flora,
    bin gerade mit meinem 2. kind schwanger und habe auch einige freundinnen, die diese trostgeschenke ans geschwisterkind machen, damit es nicht neidisch wird... seitdem denke ich darüber nach, ob ich das auch machen will... aber irgendwie denke ich, das kann man doch auch lernen, auszuhalten, dass es nicht um einen geht, sondern um das geschwisterkind, an so einem tag...ich habe zwei brüder und wäre als kind nie auf die idee gekommen, es ungerecht zu finden, dass ich an deren geburtstagen nichts geschenekt bekomme (auch keine kleinigkeit). zu streng von mir?

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    1. Liebe Anonyma, Neid war auch nicht das Problem bei uns, wir Kinder haben alle drei nicht dazu geneigt, zu quengeln, wenn einer der anderen etwas hatte und wir nicht. Es war einfach nur eine nette Geste, eine von vielen. Liebe Grüße!

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    2. Ja nett isses auf jeden Fall... es klingt insgesamt alles nach einer sehr schönen Kindheit. Sorry war nur grad mein Thema. Mal sehen wie ich es handhabe... aber so wie es aussieht haben meine Kinder eh sehr nah beieinander Geburtstag (hoffentlich nicht am selben Tag!) Liebe Grüße

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