Samstag, 18. Oktober 2014

Schöner Mist.

Vor zehn Minuten ist das Kind eingeschlafen, gerade habe ich ihn in sein Bettchen umgebettet (was er sich heute nach einem langen, tobigen Tag ohne Mittagsschlaf gefallen lässt wie ein Gemüse), und jetzt liege ich hier und kann mich ein bisschen in meinem Viren-Elend suhlen. Ach ach ach. Ach ach ach ach ach. Als ich Montag Morgen aufgewacht bin und immer noch keine Stimme hatte, dachte ich noch "Jetzt lege ich mich mal fein ins Bett, nutze aus, dass ich heute so gut wie gar nicht nach dem Kleinen gucken muss, päppele mich mit allem, was die Schwangerschafts-Apotheke hergibt, trinke literweise die scheußlichsten Tees und glotze Videos, und dann wird das schon wieder. Mittwoch zum Mädchenabend bin ich fit, spätestens Samstag aber, wenn die Berliner Damen zu Besuch kommen, auf jeden Fall." Das gleiche dachte ich Dienstag auch. Mittwoch wieder, wenn auch schon mit Fragezeichen dazwischen. Heute ist Samstag. Seit gestern habe ich nicht nur keine Stimme und einen Husten, der sich in jedem Kriegsfilm-Lazarett gut machen würde, sondern auch noch Halsweh. Die Berliner Damen sind da, sie sitzen jetzt in diesem Moment alle in einer muckeligen Küche in Eimsbüttel, nur zwanzig Minuten Autofahrt entfernt. Sogar einen Parkplatz würde ich kriegen, da kriege ich immer einen Parkplatz! Schön, über den freut sich nun jemand anderes, denn mit mir ist heute nicht zu rechnen. Morgen auch nicht. Im Moment denke ich noch: nächste Woche aber sicher! Aber wer weiß das schon?
Also gut. Denken wir an das Positive. Seit Sonntag ist Huckleberry dem täglich ausgesetzt und hat sich bisher nicht angesteckt. Im Gegenteil, er war selten so munter, aufgekratzt und gesprächig wie jetzt. "Brararararara. Lalalalarararara. Rololololororororo. Diss." So geht das den ganzen Tag. Dazwischen klettert er Bücherregale und Treppen hoch und runter, startet alle Elektrogeräte, die er erreichen kann, spielt mit dem Hund und verteilt seine Duplosteine in alle Winkel. Beim Einkaufen flirtet er jede ältere Dame in Grund und Boden, ich muss aufpassen, dass ihm nicht jede Einzelne davon einen Keks oder ein Würstchen in die Hand drückt, sonst endet es übel mit ihm.

Aber ein bisschen traurig bin ich auch. Nein, im Blog wollen wir ja ehrlich sein, sehr traurig an der Grenze zur 24-Stunden-Depression. Denn trotz all dieser Mutterfreuden halten die Bedürfnisse von vor dem Würmchenwunder nicht automatisch die Klappe. Ich finde, einmal pro Woche müsste es möglich sein, meine Freundinnen zu sehen, wenigstens die kleine Runde. Und wenn nicht, dann doch alle zwei Wochen. Und alle zwei oder drei Monate auch die große Runde. Ich freu mich auf diesen Abend (und auf das Frühstück morgen, das ich auch ausfallen lassen muss) schon seit Wochen. L. ist schon extrem genervt, denn in diesen Wochen habe ich keinen Tag verstreichen lassen, ohne ihn daran zu erinnern, damit er es auch bestimmt nicht vergisst: gell, am 18. geht Mutti aus. Den ganzen Abend. Sie wird vermutlich das Haus verlassen, bevor der Kleine schläft, das musst Du dann also machen. Und es kommt noch wilder: am nächsten Morgen gleich wieder! Dann verschwindet sie für bestimmt drei Stunden, um wie andere Leute auch mal ohne Kind in einem Café zu sitzen und Rühreier zu essen, die niemand vorher in seinen kleinen starken Fäusten zerquetscht hat. Und L. war einverstanden, L. hatte sich hundertprozentig auf seine Babysitterrolle eingestimmt, L. war mehr als klar, dass er heute und morgen keine Fußballverabredung, keinen Jungsabend und keinen Kurzurlaub planen sollte. Es wäre perfekt gewesen! Wenn nicht diese beschissenen Viren wären, für die ich mich glaube ich bei meiner Schwiegermutter bedanken kann, die neulich hustend hier auftauchte, weil sie so gerne den Kleinen sehen wollte. In den letzten Wochen lag es fast immer an mir, immer war irgendwas mit Gesundheitsbezug. Und so kommt es, dass ich Anfang August zum letzten Mal in dieser Eimsbütteler Küche gesessen habe. Seitdem waren die Damen in kleiner Runde noch einmal bei mir, und das war es. Demnächst habe ich nicht nur ein Kind, sondern zwei, und das Zweite werde ich die ersten Monate stillen. Dann wird es nicht unkomplizierter. Dankbarkeit hin oder her, ich vermisse das: Wach sein, wenn alle Kinder schlafen, ratschen, meinetwegen auch Wein trinken und rauchen, Unfug reden, noch irgendwo andershin gehen, überhaupt wo hingehen, mich aufbrezeln und heute mal ohne Leine unterwegs sein. Ach ach ach ach ach.

Bleibe ich also heute mal zuhause, oder? Ist doch auch mal schön.

Kommentare:

  1. Nimm es nicht persönlich aber einmal die Woche finde ich dann doch schon ziemlich übertrieben.... Das haben wohl die allerwenigsten!
    Lg

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    1. Na und? Wünschen darf man es sich doch trotzdem!
      Wäre für die mentale Gesundheit der meisten auch besser, als 24/7 um das Baby zu kreisen.

      Mal ganz ehrlich, wenn frau sich etwas nicht wünscht, nur weil es die wenigsten haben, käme sie doch zu garnix.

      Ich wäre ich nicht Projektleiterin IT ... wieso sollte ich das werden, das das sind auch nur die allerwenigsten.
      Und schon garnicht hätte ich zwei Kinder.
      Weil, gutbezahlter, anspruchsvoller Job und Kinder haben auch nur die allerwenigsten.

      So, Du Miesmacherin aus dem Post obendrüber, jetzt kannst Du mich auch verhauen.

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    2. Liebe erste Kommentatorin, da hab ich eine fabelhafte Lösung: Du machst es so, wie Du meinst, und ich mach es so, wie ich meine. Na, wie klingt das?

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    3. Flora, Du bist viel zu nett ;-)

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  2. Einmal die Woche Auszeit , sei jedem vergönnt und sind nicht im
    Mindesten übertrieben.

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  3. P.S.
    Flora, Du hast mein vollstes Mitgefühl...hoffe, Dir geht es bald besser - damit Du wieder fit bsit, wenn Würmchen II kommt - wir wissen alle, daß das anstrengend wird!

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  4. Mensch Flora,das war aber echt ein riesiger Schei*eeimer in den du da gegriffen hast! Ich hoffe das wird jetzt mal langsam besser,hm?! Und das mit dem Gefühl sich wie eine Gefange im eigenen Leben zu fühlen sei zum Teil der späten Mutterschaft geschuldet. Du hast halt im Schnitt 10 bis 15 Jahre länger in " Freiheit gelebt als die deutsche Durschnittsmutti, und da kann man sich schon mal an gewisse Standards gewöhnen,welche dann schmerzlich vermisst werden,ist doch klar. Aber es ist nun mal so ,du hast dir gewisse Dinge eben nicht aussuchen dürfen , und um glücklich zu sein und deinen Kindern eine gute Mutter brauchst du diese Stunden einfach und ich wünsche dir,dass alles bald besser wird!
    Ich kenne das Gefühl zu gut,da zu sitzen und zu denken : Ey,wenn das jetzt noch länger so geht,dann lauf ich in die Welt...!

    Liebe Grüße von einer Mutter ,die genau weiß,wie du dich gerade fühlst.

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  5. Gute Besserung,liebe Flora! Kann Dich voll verstehen. Und obwohl mein Mann toll mithilft läuft was bei uns auch so, ich muss Freizeit gut absprechen und ankündigen, er teilt das nebenbei mit. Nicht gerecht. Hoffe, Du kommst bald zu Kräften. Darf ich Dich noch bitten, Daumen zu drücken? Mit meinen 43 geb ich immer noch nicht auf, mir auch eine Nr. 2 zu wünschen. Nach Rückschlägen mit low response sindu wir jetzt bei niedrig stimulierten versuchten angelangt mit Ziel eine gute Eizelle.jetzt kam es zur Punkerin und gestern die Nachricht befruchtet.wenn sie morgen noch lebt wird sie transferiert. Chancen sind natürlich nicht so prima, aber bin glücklich, dass es jetzt überhaupt so weit gekommen ist. Bitte Schicksal, hier wäre jemand.... Jaja,ihr kennt das. werd schnell gesund und genießt die tage und lass dich noch verwöhnen.herzlichst Y.

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    1. Da drück ich aber sowas von! Liebe Grüße!

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  6. Punktion.. Fühlt sich auch manchmal wie Punk an...

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  7. Also, es geht mich natürlich nix an.... aber ich finde, du solltest zum Arzt gehen.
    Wenn ich keine Stimme habe, dann ist meist ne fette Kehlkopfentzündung dran schuld.... und dann feiern (wenn ich mich recht erinnere) Antibiotika nen Repp in meiner Küche....
    Und es gibt Antibiotika für Schwangere. DAS weiß ich leider aus Erfahrung. :)
    madsikon

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    1. Das mach ich ja, das mach ich ja. Um ein Antibiotikum würde ich trotzdem gerne herumkommen. Wobei meine Apothekerin mir jetzt Mucosolvan gegeben hat, was ab der 28. Woche erlaubt sein soll. Und für eine richtige Entzündung fehlt mir glaube ich das Fieber...

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    2. BIST DU NOCH ZU RETTEN?
      GEH ZUM ARZT!
      NICHT IN DIE APOTHEKE!
      Du bist doch sonst eine vernünftige Person!

      Du brauchst kein Fieber, damit Du eine fiese Entzündung hast - das Fieber ist dann die Folge davon! Und ganz ehrlich, Du brauchst das nicht auch noch.
      Lass es nicht aus "bloß keine Medikamente nehmen" Unsinn dazu kommen, daß Du Komplikationen bekommst...
      Eine Geburt unter Infektion wird echt kein Spaß.

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    3. Ist ja gut! Ich sag doch, ich geh zum Arzt, und da war ich auch. Nicht gleich brüllen! :)

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    4. Kehlkopfentzündung hat nix mit Fieber zu tun..... Geht ganz locker auch ohne. :)
      Aber nu warste ja beim Arzt. :)
      Was hat er denn gesagt????
      Nicht dass ich neugierig wäre. Ich doch nicht.
      Gute Besserung von madsikon

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  8. Vielen Dank fürs Drücken! Hoffe, der Hals und Tag sind heute viel viel besser!!

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  9. Ich finde übrigens 1x die Woche Zeit nur für sich auch erstrebenswert, OK und nötig.
    Allerdings muß ich noch dazu sagen, dass das für beide Partner gelten sollte/muß. Auch der, der momentan weniger mit der Kindererziehung zu tun hat, hat seinen anstrengenden und vollen Arbeitstag.
    Irgendwie geht das auch. Wo ein Wille ist...usw. :)
    Liebe Grüße von madsikon

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