Gestern fragte sich eine Kommentatorin (und damit auch mich), ob es denn wirklich ein Grund zur Freude wäre, für die Cosmopolitan zu schreiben, denn die wäre ja eigentlich genau wie die Bild der Frau.
Liebe unbekannte Blogleserin, ich wollte eigentlich nicht so patzig werden, wie ich dann doch war, aber vielleicht verstehst du mich und meine Euphorie über diese Nachricht eher, wenn ich dir kurz schildere, warum jeder Auftrag in einem neuen Berufsfeld, das NICHT Werbung ist, eine saugute Nachricht ist.
1. In den letzten Jahren hatte ich tatsächlich oft unmittelbar mit Menschen zu tun, die in einem Fort Wendungen wie "wir schlagen da am Dienstag auf", "Wir müssen den Kunden da abholen, wo er steht", "Da geht der Pipimann runter", "ASAP", "Zeitnah", "Geilomat", "ich komm auf dich zu" oder auch "wir wollen heiße Scheiße machen" verwenden.
2. Die Vorstellung vieler Werber von einem rundum gelungenen Fest ist Wodka mit Red Bull und ein Mann, der auf der Tanzfläche einen geblasen bekommt.
3. Ab und zu müssen wir uns mit Menschen aus dem Marketing auseinandersetzen. Große Schnittmengen mit Punkt 1.
4. Ich möchte endlich in Würde altern können.
5. 98% von allem, was ich da so treibe, landet am Ende in der Tonne, oder, noch schlimmer, mit einigen Last-Minute-Korrekturen aus der Feder des Kunden tatsächlich auf einer Plakatwand, so dass ich erst vor Scham, dann vor Zorn erbleiche und hinterher wieder niemand versteht, was ich eigentlich will. ("Was will sie nur?" "Heiße Scheiße machen".)
6. Ich habe die Nase voll von Notfällen, die keine Notfälle sind, sondern schlampige Terminkalender anderer Leute.
7. Ich mag nicht so gern Kaffee wie viele andere Menschen.
8. Die Agentur, in der ich gerade arbeite, ist ganz anders. Wunderbar! So nette Chefs hatte ich noch nie. Aber die Damentoilette befindet sich unmittelbar vor ihrer immer offenen Bürotür. Und seit Neuestem habe ich eine Kollegin, welche, habe ich noch nicht herausgefunden, aber wenn, dann gnade ihr Gott, die immer die Tür offenstehen lässt, wenn sie schon fertig ist, ich aber noch nicht mal angefangen habe.
9. Diese ewigen Mittagspausen laufen meinen WW-Plänen diametral entgegen. Wenn jetzt eine schreibt, ich soll doch einen Apfel essen und einen Spaziergang um die Alster machen, hat sie entweder nichts verstanden oder verwechselt mich offensichtlich mit einer anderen Hamburger Unfruchtbarkeitsbloggerin mit Gewichtsproblemen.
10. Wenn ich jemand Neuen kennenlerne und er mich fragt, was ich mache, dann nuschele ich "bin Texterin" um dann sofort viel lauter und deutlicher hinterherzuschieben "Aber nicht nur!!!"
11. Lange, lange Zeit habe ich dauernd gesagt, dass ich gerne texte. Dass ich keine von denen bin, die eigentlich lieber was Anderes geworden wäre, aber dann kam ein Praktikum, dann ein Jobangebot, und jetzt ist es eben doch nur Werbung geworden. Dass ich es toll und aufregend finde, jeden Morgen an den Schreibtisch zu kommen und nicht zu wissen, was mich erwartet. Dass es großartig ist, einen Job zu haben, bei dem man nur durch die Energie und den Hirnschmalz, die man reinsteckt, selbst entscheiden kann, ob er Routine ist oder jeden Tag ein neues Abenteuer. Das habe ich jetzt schon sehr, sehr lange nicht mehr zu irgendwem gesagt.
Und jetzt wird sich hier gefälligst mit mir gefreut. Ich zuerst, Achtung:
One Meal Fits All
vor 1 Tag