Sonntag, 23. Oktober 2011

"Gemütlichkeit" ist ein extrem beliebtes Wort

Vor ein paar Tagen habe ich im Netz etwas über die schönsten Wörter der deutschen Sprache gefunden. Eine Jury aus solchen Top-Mitgliedern wie Herbert Grönemeyer und Fritz Pleitgen hatte sich zusammengesetzt und eingesandte Wörter in vermutlich nächtelangen Diskussionen bewertet. Und die Gewinner waren unter anderem: Habseligkeiten, Gemütlichkeit, Geborgenheit und Liebe. Kann auch sein, dass die Reihenfolge nicht stimmt. Ich bin jedenfalls mit der Wahl nicht einverstanden. Gerade "Liebe" mit dem langen "iiiiii" in der Mitte ist zwar eine schöne Sache, aber deshalb kein schönes Wort. Für mich macht ein schönes Wort auch aus, dass es zu dem bezeichneten Gegenstand passt. "Hund" ist für mich ein sehr schönes Wort. Einsilbig und mit einem U in der Mitte könnte ich mir kaum eine bessere Bezeichnung für das fellige Viech ausdenken, das gerade Gemütlichkeit verströmend neben mir auf dem Sofa sitzt und mir liebevolle Blicke zuwirft. Ein bisschen mehr Phantasie hätte ich der Jury außerdem gewünscht. Auf so eine Auswahl wäre ja wohl auch ein Konferenzraum voller Bild-der-Frau-Leserinnen gekommen. Auch aus dem Ausland gab es Wortempfehlungen, und auch dabei stand Liebe ganz weit vorn. Holland mag ich jetzt noch ein bisschen lieber als vorher schon, weil die Niederlande das Wort "Fingerspitzengefühl" ins Rennen geschickt haben, an das ich zwar niemals gedacht hätte, das ich aber immer noch lieber mag als "Liebe". Für die USA war das Wort Nr.1 "Gemütlichkeit".
Wieso ich jetzt drauf komme? Seit ewigen Zeiten sitze ich heute mal wieder im Pölterchen auf dem Sofa, eine Wolldecke um mich geschlungen, der Hund nach Erledigung aller Geschäfte neben mir, auf der Sofalehne steht eine Tasse Tee, und ich weiß, dass ich noch mindestens zwei Stunden lang so hier sitzenbleiben und auf dem Rechner herumpuzzlen kann, denn L. war gestern Abend aus und kam spät und voll wie ein Amtmann nach Hause. Das will ich ihm herzlich gönnen. Jetzt liegt er oben, der Süße, und braucht noch ein paar Stündchen. Ich dagegen habe gestern um zehn den Krimi zugeklappt, mich noch ein bisschen in meiner Anständigkeit gesonnt und dann fast 12 Stunden lang geschlafen. Nachher bringe ich ihm einen mit viel Liiiiiiebe zubereiteten Capuccino und ein paar Brote mit gestern vorsorglich angeschafftem Fischsalat nach oben, hat aber keine Eile. Die Gemütlichkeit wird, falls überhaupt möglich, noch gesteigert durch das behagliche Brummen, Summen und Schlürfen der Spülmaschine und durch die Gewissheit, dass sich unten im Keller eine Ladung Handtücher nach Persil duftend in der Maschine dreht. (Das ist das Tollste an solchen Maschinen, man drückt auf einen Knopf und fühlt sich reinlich und tüchtig.)
Solche Morgende sind wirklich viel zu selten. Erstens kommt L. so gut wie nie voll nach Hause, zweitens ist der Hund meistens anstrengender um die Zeit (vermutlich ist sie ausgelaugt vom langen angstvollen Warten auf Herrchen), drittens muss ich meistens arbeiten gehen und kann hier nicht rumschluffen, und viertens ist gerade L. morgens voller Tatendrang, und ich muss mit.
Ich glaube, ich mag das Wort "Gemütlichkeit" auch gut leiden.
Aber am allerbesten hat mir das Lieblingswort der Kinderjury gefallen: "Libelle". Wäre ich Fritz Pleitgen oder Herbert Grönemeyer, würde ich mich ein bisschen schämen, da nicht drauf gekommen zu sein.

Ach ja: aus dem neuen Geheimprojekt, das mich jetzt vier Wochen lang in Atem gehalten hat, ist leider nichts geworden. Wobei wir das "Leider" gleich wieder streichen können, denn eigentlich ist es so fast noch besser: ich werde in Zukunft noch öfter und noch mehr für die Cosmo schreiben, und das sind doch eigentlich ganz fabelhafte Aussichten. Sogar eigene Themenvorschläge von mir wollen sie. Es scheint, als würde es diesen Herbst doch noch mehr von dieser Rechner-auf-dem-Schoß-Gemütlichkeit geben. Pah, Endometriose - wenn ich nicht der größte Glückspilz bin, wer denn dann?

Kommentare:

  1. Ein schöner gemütlicher Post an einem Sonntagmorgen. Musste schmunzeln, da ein Freund aus Neuseeland mir mal sagte: Das lustigste und häufigste Wort der Deutschen sei für ihn "Wackelkontakt. Die Antwort auf plötzlich nicht mehr funktionierende Gerätschaften, sei "Wackelkontakt". Seitdem muss ich immer lachen, wenn mal wieder jemand sagt: Mensch, das Ding hat bestimmt nen Wackelkontakt.
    Vielleicht ist das mit der Unfruchtbarkeit bei uns ja auch nur so was wie Wackelkontakt?

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  2. Ein fussballverrückter Holländer (wahrscheinlich war es gar keiner, sondern ein Niederländer und sind sie nicht alle fussballverrückt?) hat mir mal gesagt, für ihn sei eines der schönsten deutschen Wörter "Anschlusstreffer". Ich wusste gar nicht so genau, dass das den Treffer meint, der den Abstand von zwei Toren auf eins verringert. Er meinte, dieses Wort zeige so einen schönen Optimismus, dass das Spiel noch gedreht werden könne und dass es so eine Bezeichnung im Niederländischen nicht gebe.

    Jetzt habe ich eine Weile überlegt, wo da der Bezug zum KiWu ist, um auch so elegant wie Kommentar 1 rüberzukommen. Fällt mir aber nichts ein - der Bezug ist ganz einfach, dass der Kommentar von einer stammt, die im x.ten Versuch in der Warteschleife hängt...
    A propos: Flora, weißt du schon, wie und wann es bei dir in Sachen deines Blogthemas weiter geht?

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  3. Cosmo ist ja nicht so weit von Bild-der-Frau entfernt.....emmmm....ob man sich darauf freuen kann?

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  4. Oha, Herr Reich-Ranicki auf meinem Blog? Ja, herzlich willkommen!

    Der Einwand gibt mir natürlich zu denken, sollte ich eine kreuzdämliche Karriereentscheidung getroffen haben? Au Backe! Ein beunruhigter Blick in die Themen, die laut bildderfrau.de dort gerade aktuell sind: Die tollsten Schlanksuppen, Traumtorten, die Popcorn-Diät, Meerschweinchen: niedliche Nager ohne Kuschel-Gen und mein persönliches Allerallerlieblingsthema: Das Engelstarot. Wohin geht Ihr Weg?

    Und nun mach ich mir so gar keine Sorgen mehr.

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