Dienstag, 15. Mai 2012

Ich spann den Bauch an. Aber in die Sonne, sorry, geh ich nicht.

Ich habe einen wirklich großartigen alten Freund. Unter anderem habe ich ihm L. zu verdanken, wenn er nicht mit ihm zur Schule gegangen wäre, hätte ich ihn vermutlich nie getroffen. Aber auch, wenn es niemals einen L. gegeben hätte, dann wäre ich froh, ihn zu kennen. Neben den vielen hervorragenden Eigenschaften - Humor, Klugheit, Loyalität bis ins Äußerste, ich könnte die Seite vollhauen bis zum Anschlag mit allem, was toll ist an ihm - hat er aber auch die meistens ziemlich putzige Angewohnheit, von sich auf andere zu schließen. (Tun wir das nicht alle? Ja, vermutlich schon. Irgendwie. Aber doch anders. Seht selbst:) Er ist eine Sportskanone, Sport hält ihn bei Laune, in Form, am Leben... was auch immer wer auch immer Sport an positiver Wirkung zuschreibt, er erlebt es ständig am eigenen Leib. Das bringt ihn dazu, Sport auch großzügig an Freunde als Heilmittel zu empfehlen, egal, ob das Problem Übergewicht, Pickel, Depression, Liebeskummer, McFlurry-Schmerz, Schreibblockade oder ein eingerissener Fingernagel ist. Vor ein paar Jahren lebte ich in einer reizenden, aber leider total und teilweise unsichtbar verschimmelten Altbauwohnung in Eimsbüttel. (Die, bei der mein Vater - auch so jemand, der gerne die Welt regelt - mir beim Einzug empfohlen hat, ich sollte aufpassen, dass der Balkon nicht abbricht. Wie auch immer man das macht.) Ich hatte einen Todeshusten nach dem nächsten. Jeder endete mit Röntgenaufnahmen, Antibiotika, Cortison und am Ende Codein-Tropfen. Sein Rat dazu: "Spann einfach öfter mal die Bauchmuskeln an. Ich kenn da ein paar Übungen." Bei anderer Gelegenheit lautete sein (schwarzhaarig, dunkelbraun, manche nennen ihn "Gelati") Rat an mich (rotblond - was in diesem Fall noch schlimmer ist als rothaarig - , hellweiß und alle sechs Monate beim Hautarzt, meine erste teure und gute Sonnencreme hab ich mir mit acht vom zusammengekratzten Taschengeld in der Apotheke gekauft, damals gab es in der Drogerie nichts mit mehr als Schutzfaktor 6, wir hatten ja nüscht): "Leg dich doch einfach mal richtig in die Sonne". Der Freundschaft hat das keinen Abbruch getan, wir lachen nur manchmal noch herzlich darüber, wenn wir zu Mädchen zusammensitzen und uns erzählen, was unsere Endometriosen jetzt wieder anstellen.

Und trotzdem... ich hab gerade ein kleines Tief. Außerdem tut mir seit Tagen das linke Knie ein bisschen weh. Und gerade war ich zum ersten Mal seit Ewigkeiten wieder laufen. Der Hund ist nebenher gerannt und hat nach fünf Minuten sogar aufgehört, nach meinem Kopfhörerkabel zu schnappen. Und mir geht's gut. Jedenfalls besser als gestern nach zwei Kilo Wohlfühlessen (Hühnerflügel mit Knoblauch und Chili an Fernsehprogramm, falls es jemanden interessiert). Ich glaube, das mach ich morgen wieder.

Kommentare:

  1. Liebe Flora,
    darf ich an dieser Stelle mal Alpagun zitieren?
    "Wenn du den ganzen Tag kämpfen musst,
    um zu überleben,
    wenn das Glück und die Gerechtigkeit dich übergehen,
    und deine Hoffnung verbrennt,
    auf dem Scheiterhaufen,
    dann musst du weiterlaufen,
    du musst weiterlaufen!
    Wenn du den ganzen Tag kämpfen musst,
    um zu überleben,
    wenn das Glück und die Gerechtigkeit dich übergehen,
    und deine Hoffnung verbrennt,
    auf dem Scheiterhaufen,
    zeig', dass du ein Mann bist mein Freund,
    du musst weiterlaufen!"
    ----
    Vielleicht ist Berliner Gangstarap ja die letzte Musik, die Du hören würdest.
    Aber das richtig LAUT und mir geht´s besser.
    Also gern weiterlaufen, immer schön dick eingecremt ;-)
    Wir alle wissen, dass Du ´ne Kämpferin bist. Herzlichst Y.

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  2. Liebe Flora,

    ich bin neu hier und was mir durch den Kopf purzelt passt jetzt vielleicht nicht ganz genau auf das, was du schreibst - aber wer weiss...

    Ich stecke gerade mitten in der 2. IVF und bin dabei über dein Buch gestolpert - und dachte nur eeeendlich 'mal jemande, die schreibt, was Sache ist, mit der man über das ganze Geeiere lachen kann! Du glaubst gar nicht, wie viele deja-vu-Erlebnisse ich hatte - die kann ich alle gar nicht aufzählen: Hamburg, die Endometriose, das Alter, das Geeiere im Job und der eigentlich ganz entspannte Weg zum Kinderwunsch bis wir feststellen, dass wir einen Abenteuertrip gebucht haben...
    Nun gut, ich bin Naturwisssenschaftlerin und versuche das alles ganz systematisch anzugehen - nur um mich (und die Ärzte?) an den Rand des Wahnsinns zu treiben, weil es schon in der Schulmedizin so viele Unbekannte gibt und entsprechend viel "Experimentierpotential"...Oh, und wenn's die Schulmedizin nicht bringt, gibt's ja auch noch unendliche Möglichkeiten alternativer, ganzheitlicher Ansätze (und guter Ratschläge!) - so viel kann ich gar nicht experimentieren! Dumm, dass mein Bedürfnis nach klaren Fakten sich ständig mit dem emotional-esoterischen Weltbild alternativer Therapeuten beisst: Obwohl ich Physikerin bin, bin ich schon total tolerant gegenüber geheimnisvollen Energieströmen...aber wieso reagieren diese ganzheitlich-gelassenen Koryphäen so allergisch auf Studien (sehr unterhaltsam -> http://www.badscience.net/)?
    Also stolpere ich von einem Buch von Birgit Zart, das sehr gut anfing (ja, auch Naturwissenschaftlerinnen brauchen 'mal Streicheleinheiten für die Seele!) mir aber dann zu esoterisch und reaktionär wurde direkt in den Eiertanz - und diese Tanzeinlage tut mir sehr gut!
    Und es geht tatsächlich ganz ohne rosa und mit mehr Text als Emoticons - anders als in all den Foren, bei denen mich die Angst beschleicht, ob die Hormone mein Gehirn auch bald so aufweichen...

    Trotz aller Hoffnung ist die nächste Talfahrt auch bei mir absehbar - aber du kannst dir sicher sein, dass dein Baby (und da darf es von mir aus auch einmal pink glitzern, wie du im Vorwort des Buches schreibst!) mich so breit angelacht hat, dass ich einfach mitlachen muss!

    DANKE - und dir & deinem Knie alles Gute beim Aufstieg aus dem Tief!

    C

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