Montag, 11. Juni 2012

Stell dich nicht so an, Elefantenkühe warten fast zwei Jahre.

Nach fast zwei Stunden im Büro der Behördendame, in denen wir uns die Schneidezähne lose geschnattert hatten, wollte sie wissen, ob wir denn jetzt noch Fragen hätten? Ich hatte eine. Im ersten Gespräch hatten wir erfahren, unsere Chancen, tatsächlich ein Kind adoptieren zu können, stünden bei 1:9. (Wobei, damit hier keine Missverständnisse entstehen, wir die nicht die 1 sind, sondern einer der 9.) Und seitdem brannte mir die Frage auf der Seele, worauf sich diese 9 beziehen: auf alle, die bei diesem ersten Termin waren? Also auch auf die, die gleich bei diesem ersten Infogespräch erfahren mussten, dass es bei ihnen wohl nichts wird - zu alt, zu unverheiratet, zu... ? Oder ob erst ab dem Moment gezählt wird, wenn wir es erfolgreich in die Kartei adoptionswilliger Paare mit Schweinchenstempel vom Amt geschafft haben? Die Antwort war leider: letzteres. Aber trotzdem bin ich eigentlich ganz guter Dinge. Sowohl beim ersten als auch beim zweiten Gespräch fühlte ich mich freundlich angestrahlt und sogar eigentlich auch gemocht. Und ich weiß nicht, ob ich das schon 80mal oder eher 200mal erwähnt habe, normalerweise gehe ich immer davon aus, dass die Leute mich eher nicht so mögen - ist so ein Tick von mir und war schon immer so. (Vielleicht ist es aber auch kein Tick, sondern bittere Realität? GASP!) Und - und das ist fast noch wichtiger für's gute Gefühl - die Dame hat uns erklärt, dass adoptionswillige Paare so gut wie nie offiziell abgelehnt werden. Wenn es bei jemandem ernsthafte Gründe gibt, warum es nichts wird, versuchen sie meistens, ihnen die Bewerbung rechtzeitig auszureden, um ihnen jahrelange und am Ende enttäuschte Hoffnung zu ersparen. Lassen sich die Paare ihren Traum nicht ausreden (und wer könnte ihnen das nicht nachfühlen?), dann kommen sie in die Kartei und warten dann eben vergebens - würde man sie offiziell ablehnen, würden sie vermutlich dagegen klagen. Letzten Endes nimmt das Amt, wenn sie ein Kind zu vermitteln haben, die Bewerber vom großen, großen Stapel, die am besten zu diesem Kind passen. Und die, die nicht passen, bleiben eben wieder und wieder liegen - nicht aus Rechthaberei oder Bosheit, sondern einfach deshalb, weil dieses Paar einfach gegenüber anderen Paaren weniger dafür geeignet zu sein scheint, diesem Kind eine glückliche, liebevolle, sichere und schöne Zukunft zu bieten. ("Wir suchen Eltern für Kinder, nicht umgekehrt" ist das schon ca. zwanzig mal gehörte und gelesene Motto.) Und weil ich - fragt mich nicht, wieso - fest glaube, dass wir für viele Kinder passen würden, glaube ich, wir sind zwar vielleicht eins von vielen Paaren, aber trotzdem - Myome, haltet euch die Ohren zu - könnte es diesmal wirklich uns treffen.

Es ist wirklich sehr, sehr merkwürdig. Seit vier Jahren wünsche ich mir nichts mehr als Kind. Und jetzt könnte es tatsächlich klappen, und zwar von heute auf morgen. So unfassbar das auch scheint, es könnte sein, dass noch dieses Jahr eine Woche mit einem ganz normalen Montag und Dienstag im Job beginnt, ab zehn Uhr fange ich damit an, über das Mittagessen nachzudenken. Dann klingelt Dienstag gegen Abend das Telefon. Mittwoch und Donnerstag hasten wir wie im Fieber durch IKEA und Baby Walz. Und Freitag nehmen wir ein Kind mit nach Hause. Das wir dann vermutlich das ganze Wochenende einfach nur anstarren. Und Montag bleibt mein Schreibtischstuhl leer.

Ich habe übrigens lange darüber nachgedacht, wie und wann ich das meinem Haupt-Auftraggeber sage. "Wie" ist glaube ich nicht schwer: immer raus damit, das wird das Beste sein. "Wann" mittlerweile auch: Sobald wir den Bescheid haben, dass unser Antrag akzeptiert ist. Was ja, wie wir jetzt erfahren haben, nur eine Frage der Zeit ist. Uff.

Wie lange noch wie lange noch wie lange noch?

Kommentare:

  1. Als zukünftige Adoptionsbewerberin frage ich mich aber immer, welche Art von Bewerbern unten im Stapel landen. Denn in vielen Jugendämtern versucht man ja den meisten Bewerbern erstmal das Vorhaben auszureden, um deren Standfestigkeit und Überzeugung zu testen. Am Ende liegt man selbst im Stapel und weiß es nicht?

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  2. Liebe Flora,

    von Herzen wünsche ich dir, dass du nicht mehr lange warten musst und dass sich dein Traum endlich erfüllt. Ich bin mir sicher, dass nicht nur wir, sondern auch das Amt kapieren wird, dass ihr die perfekten Eltern seid. Ich drücke Euch ganz fest die Daumen und bin gespannt, wie es weitergeht. Ihr schafft das!

    Deine Muc

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  3. Liebe Flora,
    das hört sich bei euch so unkompliziert an. Ich dachte immer, eine Adoption dauert Jahre?
    Alles Gute für euch, ich drück' ganz doll die Daumen.

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  4. Nujaaaaa.... als das mit der IVF damals 2009 losging, dachte ich auch, das ist ja ganz unkompliziert und dauert bestimmt nicht lang... Ich bin mal schwer gespannt, ob das so unkompliziert bleibt. Danke für's Daumen drücken, ihr Lieben!

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  5. Mein Mann und ich haben genau 9 Monate gewartet und dann unsere Tochter bekommen. Sie wurde an einem Samstagmorgen von ihrer 18-jährigen leiblichen Mutter geboren, am Sonntag bekamen wir den Anruf und am Montag durften wir unser Kind schon abholen. Sie paßt zu uns, als wäre sie tatsächlich aus unseren Genen entstanden!
    Viel Glück!
    Julia

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  6. Liebe Flora,
    wann Du das deinem Hauptauftraggeber sagen solltest?
    Dann, wenn der Baby-Anruf kommt....und keine Stunde früher....*strenguck*
    oder hast Du ihm auch mitgeteilt, wenn Du in eine IVF gestartet bist?
    Du wirst am Ende keine Medaille für Offenheit bekommen....
    lass das also lieber bleiben, find ich....:-)
    LG, die Funny

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