Dienstag, 29. April 2014

Zum Glück fehlt mir die Energie, mich den ganzen Tag lang zu fürchten.

Als ich klein war, war mein größter Traum, auf einem Pferd zu sitzen. Ach, was rede ich, ein Pferd anfassen zu dürfen. Angucken! Den Geruch in der Nase zu haben. In einem Stall herumzulungern und dort tatsächlich hin zu gehören, offensichtlich, mit Reithose und Reitstiefeln. (Der Helm war mir nicht so wichtig, aus welchen Gründen auch immer. Ich hab tatsächlich nie einen getragen später... wenn ich so drüber nachdenke... was soll's.) Irgendwann zeichnete sich ab, dass dieser Traum wahr werden würde. Dieses unwahrscheinliche Glück würde ausgerechnet mir zuteil werden! Ich konnte es kaum fassen. Ich habe den ganzen Tag von nichts anderem geredet. Ich habe mir stapelweise Pferdebücher geliehen, ein paar Pferdeposter aufgehängt und konnte schnell mit den anderen Mädchen aus meiner Klasse (die davon genau so wenig Ahnung hatten wie ich) über Haflinger, Norweger und Isländer fachsimpeln. 23 Stunden am Tag war ich vollkommen aus dem Häuschen vor Glück. Eine Stunde allerdings lag ich starr vor Angst im Bett und machte mir fast in die Hose. Pferde! Diese riesigen Viecher! Mit den Hufen, die sie dir jederzeit an wichtige und von Nerven durchzogene Körperteile knallen können! Von denen man runterfallen kann, woraufhin man, wenn es ganz doof läuft, im Rollstuhl sitzt! (Ja, genau. Das machte mir zwar Sorgen, aber doch nicht genug Sorgen für einen Helm.) Die beißen! Ich lag da, starrte ins Leere und dachte voller Furcht daran, dass ich da jetzt wirklich und im Ernst hinmüsste. In die Pferdehölle. Das war kein Fall von "pass auf, worum du bittest, du könntest es bekommen", das war wirklich nackte Angst.

(Dass der große Pferdetraum dann irgendwie doch nicht bis heute überlebt hat, lag nicht an den Pferden, ihren Hufen oder ihren Zähnen, sondern daran, dass ich leider mit den meisten Menschen im näheren Umfeld von Pferden nicht so kann. Bzw. die mit mir. Bzw. was auch immer.)

So ähnlich geht es mir gerade manchmal. Ich freue mich wie irre. Aber ich fürchte mich auch wie irre. Mein Lemmingbaby robbt in irrem Tempo auf Treppen, ungesicherte Steckdosen in fremden Wohnungen, Vasen, herunterhängende Tischdecken, Guillotinen, Hochspannungsleitungen, Atomkriegauslöseknöpfe und Krokodilbecken zu, und ich renne hinterher und kann manchmal kaum etwas anderes denken als "Verdammt. Verdammt. Verdammt. Und demnächst sind es zwei." Ich weiß schon, dass Kind 1 bei Ankunft von Kind 2 schon größer sein wird, aber im Moment ist das kaum beruhigend, denn bis dahin wird er zwar laufen können, aber noch nicht imstande sein, meinen Erklärungen zu folgen, wieso er nicht ins Krokodilbecken springen soll. Ich werde einfach schneller rennen müssen, das ist alles. "Eine Leine wäre gar nicht doof" bemerkte meine Schwester dieses Wochenende. Auch, wenn keine Todesgefahr im Spiel ist - wie wird das, wenn beide Kinder brüllen und ich leider erst eine, dann die andere Flasche machen kann? Wird das Kleinere immer zuerst versorgt, oder erzeugt das diese scheußlichen von Grund auf vergifteten Geschwisterhassbeziehungen? Rächt sich das mit heimlichen Bissen und Knüffen? Oder kommen die Bisse und Knüffe sowieso auf mich zu? Wie ist das, wenn zwei Babys in einem Zimmer schlafen, machen die sich gegenseitig wach? Irgendwie fällt mir ständig dieser schon immer bescheuerte Denk-Klimmzug ein, was man aus dem brennenden Haus tragen würde, wenn man nur eine Sache retten könnte. "Und wenn ich eins links und eins rechts trage?" "EINE SACHE", lautet die pedantische Antwort.
L. wird mehr ran müssen, das ist klar. Aber ist ihm das auch wirklich klar? Nicht nur theoretisch, sondern praktisch? Was wird mit unserem Kindermädchen? Kann ein Kindermädchen überhaupt damit betraut werden, sich um zwei Kinder zu kümmern? Einige Probleme lassen sich einfach mit Geld lösen, sollten wir ein größeres Auto brauchen oder doch einen Geschwisterkinderwagen, weil das mit dem Adapter für unseren nicht so funktioniert wie gedacht, dann ist das eben so, deshalb bekomme ich keine grauen Haare. Aber alles andere - uff. Wie macht ihr das denn, ihr Zwillingsmütter und Mütter von zwei ziemlich eng zusammenliegenden Kindern da draußen? Und kommt ihr überhaupt dazu, Blogs zu lesen? Geschweige denn Kommentare zu schreiben? Das würde mich wirklich mal interessieren.


Kommentare:

  1. Liebe Flora,

    meine Zwillingsdamen werden nächste Woche ein Jahr alt. Sie krabbeln beide und sind ziemlich flink. Aber es ist ganz gut hinzukriegen. Ich entscheide immer, was gerade gefährlicher ist, aber oft habe ich Glück, dass nur eine Unsinn macht oder beide das Gleiche. Wir schlafen alle in einem Zimmer. Die Kinder sind Geräusche im Schlaf gewöhnt, wir sind hier nie auf Zehenspitzen gelaufen, wenn die Zwei geschlafen haben. Es passiert nur selten, dass die Eine von der Anderen geweckt wird. Fläschchen kann man problemlos parallel geben. Und manchmal muss eine eben einen Moment warten. Hier läuft das immer nach Dringlichkeit. Man muss gut organisiert sein, wenn man dasHaus verlässt, aber auch das klappt dann gut. Ja, es ist anstrengend. Aber auch halb so schlimm. :)

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Flora,

    meine Kinder sind 20 Monate auseinander. Ja, es ist irre anstrengend und am Anfang muss jedes Familienmitglied wieder seinen Platz in der Familie finden, das braucht Zeit und kostet manchmal Nerven... Aber jetzt, mit einem 2,5 Jahre alten und 8 Monate jungen ;-) Kind, macht alles auch unglaublich viel Spaß- so schön, wie beide miteinander interagieren, die kleine dem großen hinterher krabbelt, er sie belehrt, sie zusammen Quatsch machen...wirklich so süß! Könnt ich stundenlang zukucken...
    Andererseits, wenn ich mit beiden unterwegs bin, hab ich für den größeren immer den "Little Life-Rucksack"(gibts bei Globetrotter) mit, den findet er cool und er hängt sozusagen an der Leine :-) Natürlich kann man bei keinem der beiden an die Vernunft appellieren, aber da wächst man rein und es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen!
    Wir müssen aus Platzgründen auch beide Kinder im Schlafzimmer -allerdings in eigenen Betten- haben. Mal klappts gut und keiner wird wach, mal sind se beide wach und dann wirds was stressig. War v.a. am Anfang schwierig, als die kleine jede Stunde gebrüllt hat. Nu wird sie nur manchmal wach und je nachdem, in welcher Schlafphase der grosse steckt, merkt er nix von und schläft weiter. Alles machbar!

    Ich wünsche dir eine ganz tolle Schwangerschaft und geniess noch deine Zeit mit "nur" einem Kind;-)

    LG

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Flora,

    das hätte von mir vor 11 Monaten sein können. :-)

    Ich habe zwei Mädels die 14 Monate auseinander sind.
    Und wie du, hatte ich auch wenig Zeit in der letzten Schwangerschaft mit ständig Gedanken zu machen. ;-)
    Aaaaaaber man wächst da rein. Das kann ich bestätigen, so wie man immer in Alles hineinwächst.
    Es gibt gute Tage und Tage da würde ich am Liebsten gleich wieder ins Bett gehen.
    Am Anfang, da war die Große ja grad ein Jahr als das Baby kam, da musste der Papa viel ran. Vor allem auch für die Große da sein, auch wenn wir uns vorgenommen hatten, dass ich auch weiterhin die Große ganz viel betreue.
    Die Große durfte auch immer zum Baby oder mit dem Baby schlafen.... Da hatte ich mir keine Sorgen gemacht. Es gab mal eine Phase, da musste die Kleine echt Leiden, weil sie öfters eine gewischt bekam. Aber heute lieben sich die beiden und spielen schon sehr süß "Verstecken".
    Und für die Große muss das "Baby " sowieso immer mit von der Partie sein.
    Aber klar, es ist teilweise sehr anstrengend und ich weiß echt nicht wo das letzte Jahr hin ist.
    Manchmal weinen beide, mal nur die eine, dafür schmiert die andere Bodylotion auf die Fliesen.... :-)
    Das Schlafen haben wir mittlerweile gut gelöst. Die Große schläft in ihrem Zimmer und die Kleine noch bei uns. Ich hätte auch nie gedacht, dass die kleine so ein schlechter Schläfer wird. Die hört Fliegen husten. Deswegen ging das bei uns nicht mit dem einen Zimmer.
    Einen Zwillingskinderwagen haben wir ins angeschafft, allerdings schon gebraucht. Und für uns hat er sich gelohnt . Wir wohnen aber auch auf dem Dorf. In Hamburg wollte ich nicht mit dem Ding durch die Stadt. :-)
    Vielleicht reicht ja euer Adapter

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. ...... Das wird sich finden. :-))
      Und so schlimm scheint es nicht zu sein, denn wir planen nun Nummer 3. Wenn man das "planen" kann. Mal sehen....

      Alles Gute.

      Löschen
  4. Liebe Flora, meine Mädchen sind jetzt 4 Jahre alt und ich weiß heute kaum noch, wie ich das geschafft habe. Es war ehrlich gesagt kein Zuckerschlecken (zumindest bei uns -extreme Frühgeburt etc.). ABER- du schaffst das und am Ende wirst du/werdet ihr belohnt mit miteinander spielenden Kindern und ihr könnt entspannt zuschauen;-)...
    Ganz liebe Grüße!

    AntwortenLöschen
  5. Liebe Flora,

    ich bin Zwillingsmama und habe mich bisher nicht nur einmal sagen hören: Oh Gott, ich kann nicht mehr und schaff es nicht mehr. Aber dann grinsen einen diese süßen Kinder an und man schöpft neue Kraft und es geht dann eben doch. Das mit dem Schlafen ist natürlich so eine Sache, unsere wecken sich häufig, aber ich seh es irgendwie garnicht ein, sie zu trennen. Fläschchen kann man synchron geben und auch gleichzeitig anrühren. Organisation ist das A und O, ohne wirds chaotisch ;) Aber du schaffst das, ich bin mir sicher :D

    Liebste Grüße aus dem Schwabenland

    AntwortenLöschen
  6. Liebe Flora,
    meine Zwillinge sind sieben Monate alt und ich habe mir logischerweise auch viele Sorgen gemacht, wie ich das schaffen soll mit zwei kleinen Kindern. Und ich schliesse mich meinen Vorkommentatorinnen an: es geht alles und man wächst da rein. Wenn beide gleichzeitig schreien (was inzwischen selten vorkommt, meist nachts), kann man parallel füttern. Und ansonsten muss man immer abwägen, wer gerade wichtiger ist und dringlicher getröstet und versorgt werden muss. Das jeweils wartende Kind sieht (und versteht intuitiv) auch, dass die Mama sich jetzt um das andere Kind kümmert.
    Hilfreich sind für mich ein paar ganz praktische Dinge: 1. Putzfrau.
    2. Eine wöchentlich an die Wohnungstür gelieferte Gemüsekiste (spart Einkäufe und die Schlepperei).
    3. Und v.a. der wöchentliche Besuch meiner Eltern, die kochen, babysitten und mit einen kleinen Freiraum schaffen.
    4. Ein guter, wendiger Zwillingswagen.
    5. Unterstützung vom Partner

    Du bekommst das alles hin, da bin ich ganz sicher. Denn: anstrengender als anstrengende Phasen im Agenturleben ist es mit zwei kleinen Kindern ganz sicher nicht (ich weiss wovon ich rede …)!

    AntwortenLöschen
  7. Hallo liebe Flora (und Zwillingsmamas),
    warte gerade minütlich auf unsere beiden Wunder und ab und zu packt mich auch gewaltig die Angst.
    Schaffen wir das alles bzw. ich dann, wenn ich den Alltag allein bestreiten muss, wird man jedem Kind gerecht usw.

    Aber ich denke auch, da wachsen wir rein oder??? Vielleicht wird man ab und zu mal ins Kissen beißen müssen, wenn die "Verzweiflung" all zu groß ist, aber wir haben so lange für unsere Wunder gekämpft. Die Glücksmomente werden uns über schwierige Zeiten hinweghelfen (so stelle ich mir das mit meinem derzeitig hormonbeladenen Ich zumindest vor ;-) )

    Jetzt bietest du erst einmal Klitschko/line Nr.2 das bestmöglichste Zuhause und ich werde in Kürze hoffentlich eine gute, komplikationsfreie Spontangeburt erleben (etwas Bammel hab ich ja schon :-/ ) und dann wird sich sicher alles finden!!!

    Meine Daumen sind gedrückt und alles Liebe für euch alle!!! NS.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Woahh, wie spannend! Ich hoffe, inzwischen sind beide da und euch dreien geht es prächtig? Sonst: immer schön den Mund zu beim Pressen! Liebe Grüße!

      Löschen
  8. Nur eben schnell, alles alles Gute für morgen…
    Liebe Grüße aus Kopenhagen...

    AntwortenLöschen
  9. Ja, Daumen gedrückt für Morgen! Und auch für Übermorgen!

    AntwortenLöschen
  10. Eins ist ganz sicher. Du wächst da rein. Und es kommt alles Tag nach Tag und Schritt für Schritt. Und irgenwie klappt es.

    Ich wachse da auch rein. Jeden Tag wieder! Alles wird gut.

    AntwortenLöschen
  11. Mach mir jetzt doch etwas sorgen. Hoffe, Dir geht es gut und alles ist so wie es sein soll!

    AntwortenLöschen