Donnerstag, 18. Dezember 2014

Sag Käse, bitte.

Ich heiße Flora, und ich bin harmoniesüchtig.
Gut, das ist jetzt nichts Neues, aber gerade stellt es mich vor ein neues Problem: mein Baby lächelt nicht. Das Harmonischste, was es mir bieten kann, ist brüllfreie Zeit. Nicht angebrüllt zu werden, reicht uns Harmoniesüchtigen aber meistens nicht, ich bin da keine Ausnahme. Gerade drehen sich die Rädchen also fast pausenlos: "Was hat er nur? Hat er was? Irgend etwas mache ich falsch, was mache ich falsch? Oje oje, das geht gerade sowas von schief hier! Entschuldigung, Entschuldigung, Entschuldigung für all das, was ich falsch mache! Kannst Du bitte jetzt nicht mehr böse sein? Wollen wir uns vertragen, ja? Bitte?" Natürlich weiß ich, dass das Blödsinn ist, mein Baby ist mir nicht böse, zum Lächeln ist er noch zu klein, alles wird gut usw., aber der Haken ist, es fühlt sich nicht so an. Nicht, wenn ich den ganzen Tag um einen kleinen griesgrämigen Kerl herumtüdele, der einfach weiter schmollt, ob er das jetzt so meint oder nicht.

Aber wofür hab ich den Blog? Zwar bin ich gerade so müde, dass ich mir genau gar nichts merken kann, aber der Blog erinnert sich für mich. Zum Beispiel daran, dass Kalle mit zwei Monaten gelächelt hat. Nicht ständig, aber wenigstens ab und zu. Ab und zu würde mir schon reichen! Noch zwei Wochen also, dann hat Mamas Seele Ruhe. Ich weiß noch, was für ein heißersehnter Meilenstein das bei Kalle war - für mich bahnbrechender als Kopf heben, drehen und robben.

Bis dahin habe ich mich daran erinnert, dass Hebammen ja ab und zu ganz vernünftige Dinge sagen. Und nach den letzten zerknatschten Tagen habe ich Michel heute Nacht eine Extraportion Hautkontakt spendiert: Ich dachte, wenn ich sowieso nicht schlafen kann, weil er knatscht, dann kann ich auch wach neben ihm liegen, wenn er nicht knatscht. Habe uns ausgepackt, ihn zu mir unter die Decke geholt und - tadaaa: ein selig schlummerndes Baby, wenn auch mit weiterhin grantigem Gesichtsausdruck. Vier Stunden haben wir heute Nacht so zugebracht. Zwischendurch bin ich mal kurz übergenickt, aber er lag weiter sicher bei mir im Arm. Jetzt schläft er immer noch, brüllen und knatschen kostet Kraft, und die letzten Tage waren ein Quengelmarathon.

Was gibt es sonst noch zu erzählen?
In meiner alten Agentur geht es rund. Was das für mich heißt - noch keine Ahnung, aber ich werde es in den nächsten Tagen und Wochen hoffentlich erfahren.
Kalle läuft jetzt nicht mehr mit ausgebreiteten Armen, sondern die Hände an der Hosennaht. Allerdings mit einem sehr niedlichen Augsburger-Puppenkisten-Gang, als wären unsichtbare Schnüre an seinen Knien befestigt. Manchmal schlendert er auch einfach so durchs Zimmer, ohne am anderen Ende irgend etwas zu wollen, einfach nur so, nur weil er's kann. Ich würde ihm zu gerne ein kleines Baguette dazu unter den Arm klemmen oder eine kleine zusammengefaltete Zeitung, dem Flaneur.
Angesichts von zwei Babys und einem Hund im Haushalt haben wir uns jetzt leichten Herzens für folgende Silvesterplanung entschieden: wir schleifen eine große Matratze ins Wohnzimmer vor die Glotze, bauen uns dort ein großes Familienbettenlager, bestellen uns ein schickes Essen beim nächsten Fischrestaurant und verbringen den Abend im Schlafanzug mit einem Feuerchen im Ofen. Klingt nicht schlecht, finde ich. (Vorausgesetzt, L. hat bis dahin nicht mehr diesen wirklich widerlichen Husten, der mich schreiend aus dem Zimmer treibt.)
Und L. wird sich leider durchsetzen: dieses Jahr gibt es bei uns keine echten Kerzen am Baum. Ich find's traurig. Ich finde außerdem, dass Kinder ohne Kerzen kaum lernen können, mit Kerzen umzugehen. Und dass dieses Jahr mit meiner kompletten Familie genug Erwachsene da sind, um die Kinder vom Baum fernzuhalten (vor allem beim Michel wird das wohl kein Problem sein). Ein Baum mit brennenden Kerzen wird bei uns sowieso keine Sekunde aus den Augen gelassen, freiwillig: ich könnte stundenlang hingerissen da hinstarren. (Das ist wirklich, wirklich ein Reizthema. Merkt man kaum, oder? Hier sitzt eine, der Weihnachten sehr, sehr wichtig ist. Und zwar Weihnachten genau so, wie ich mir das vorstelle.)

Kommentare:

  1. Hallo Flora,
    mein Zweiter war auch nur mit Extrem-Hautbekuschlung-Mama-riechen zufrieden zu stellen. Scheint eine angeborene Strategie von Nachgeborenen zu sein um sich genügend Mama-Exklusivzeit zu sichern.

    Wegen der Kerzen: meine Freundin (Zwillinge + Katze) hatte dieselbe Diskussion mit ihrem Mann. Die salomonische Lösung war dann beides (echt + elektrisch) zu installieren. Die Echten für die Bescherung mit Wow-Effekt und für danach und zwischendurch (wenn nicht so viel Aufsichtspersonal da ist, bzw. die Ablenkung größer) die elektrische Variante.
    Wie ihr euch auch immer entscheidet - ich wünsche euch ein wunderschönes Fest und alles Gute für 2015.

    LG
    Caro

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  2. Ganz ruhig. Er ist erkältet, er ist vor dem Termin geboren worden=hinzuaddieren, Kinder sind sehr verschieden= es dauert unterschiedlich lange bis.....
    Mit zwei kleinen Kindern denkt man manchmal komisch, kenne ich

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