Dienstag, 10. Juli 2012

Die Euro-Krise kommt in Hamburg an

Vielleicht liegt es daran, dass ich zu lange zu fest angestellt war. (Viel, viel zu lange, um genau zu sein.) Da kann man schon mal den emotionalen Bezug zwischen Arbeit und Gehalt verlieren. Arbeit war für mich irgendwann so etwas wie Schulpflicht: so etwas Lästiges, selten auch Lustiges, wo man eben morgens nach dem Aufwachen hinmusste. Und mein Gehalt war so etwas wie der mir zugestandene Unterhalt. Es hat nicht lange gedauert, und ich habe mein gar nicht mal so schlechtes Gehalt nicht mehr als wohlverdienten Lohn für meine Mühen und Geistesblitze gesehen, sondern als irgendwelches Geld, mit dem das Schicksal mich mehr schlecht als recht ausstattet, um irgendwie über die Runden zu kommen.

Jetzt ist das anders. Jetzt ist jede Rechnung, die ein Kunde bezahlt, ein Triumph meiner beruflichen Fähigkeiten. Etwas, das mir verdammt noch mal zusteht, weil ich es mir verdammt noch mal hart erkämpft habe. Und damit fangen die Probleme an. Denn in meinem Gefühl ist da immer noch irgendwo die finanzielle Grundausstattung, das Gehalt, das ich längst nicht mehr bekomme. Mein selbständig verdientes Geld dagegen ist Zeichen meiner Unabhängigkeit und ein klares Signal, dass ich es allein schaffe in dieser fiesen Mackerwelt. Und das legt man nicht beiseite für die Miete oder die Hundeversicherung oder zahnärztliche Notfälle. Champagner! Kurztrips in aufregende Städte! Hej, Taxi! Riesige Steaks! Hormonspritzen für alle! Und wieso nicht auch mal drei Kugeln Eis? Ihr seht, wo das hinführt. Ich auch, und zwar mit Sorge. Und was die Lage zusätzlich erschwert: jedes Honorar außer der Reihe - jeder Zeitungsjob, jede Namensfindung für irgendwen übers Wochenende, alles was extra reinkommt, wird fünfmal verplant, bevor es überhaupt auf meinem Konto ist. Eigentlich sind meine Joggingschuhe noch gut. Aber eigentlich auch nicht mehr, ich kauf mir neue. Ist doch kein Problem, immerhin müsste täglich das Geld für den letzten Cosmo-Text auf dem Konto landen. Mit dem ich allerdings auch schon London bezahlen wollte. Und die eine oder andere Sushi-Sause. Und die Weinlieferung mit dem schönen Rosé. Und wenn das Geld dann kommt, dann kommt es auch noch brutto. Jetzt wäre jemand nötig, der sofort und ohne Geheule einen gewissen Anteil davon beiseite schafft und nicht mehr anfasst, bis irgendwann der langsame, aber starke Krakenarm der Steuer danach greift. Dieser jemand bin nicht ich, und die nette ältere Dame, die meine Steuer macht, ist da auch keine Hilfe.
Niemand muss sich Sorgen machen. Ich kriege das hin, bisher immer. Manchmal knirscht es etwas, und das sind auch alles Luxussorgen. Was kann die Lösung sein? Mehr Geld verdienen vielleicht. Oder mir selbst dieses Champagner-Gefühl austreiben. Oder doch diese Gehirnwäsche für mein Fusselhirn, von der ich schon so lange träume.

Kommentare:

  1. Liebe Flora,

    was hab`ich wieder gelacht. Der Text könnte glatt von meinem Göttergatten sein. Der liebe Schatz bekommt auch auf freiberuflicher Basis Honorar für seine Aufträge. Noch bevor das Geld da ist, ist es schon mindestens dreimal ausgegeben ;-)Das erste Mal ausgeben ist immer für mich. Ihm ist wichtig, dass sein kleines hormongeschundenes Frauchen ein Geschenk bekommt (wie süß). Dann sind da noch andere Wünsche und wenn`s nur so ist, dass das Geld "verfressen" wird. Meistens komme ich dann mit meiner Buchhalterseele als Spielverderber ins Spiel mit so Sätzen wie "denk dran du mußt das auch noch versteuern, die Häfte gehört dem Finanzamt..."
    Ich hab mal so ne Sendung über Millionäre gesehen. Ein russischer Multimillionär hat gesagt, dass zum Reichtum nicht das Geld auf`m Konto zählt, sondern nur das Geld, das man ausgibt. In diesem Sinne: hau weg den Scheiß und freu Dich, Du hast es Dir verdient ;-)
    LG Yasmin

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  2. :-) willkommen in meiner Welt, Flora. Ich habe auch noch keine Lösung - aber wenn Du eine gefunden hast, dann teil sie doch bitte mit. LG, die Funny

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  3. Ich finde es täglich gruseliger Deine Posts zu lesen. Wir müssen Zwillinge sein. In allem. Haus, Hund, Zweithund, Kinderwunsch, essen, trinken, arbeiten und Geld ausgeben. Gru-se-lig!

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