Sonntag, 15. Juli 2012

Wenn Barbra Streisand für mich chinesisch kochen würde, würde ich dankend ablehnen

Seit vielen Jahren gucke ich amerikanische Filme, in denen immer wieder jemand seine lebenslange Begeisterung für den Film "The way we were" mit Robert Redford und Barbra Streisand zum Ausdruck bringt. Vor ein paar Wochen habe ich mich bei lovefilm angemeldet, da zahle ich jeden Monat zwölf Euro und kann mir dafür so viele Filme ausleihen, wie ich will - immer einen nach dem anderen. Gerade steckt im DVD-Schlitz dieses Rechners "The way we were". Ich kann verstehen, warum so viele amerikanische Frauen begeistert sind. Ich kann die Begeisterung nur leider nicht teilen, weil ich so irritiert war von den grauenvollen, überlangen Fingernagelkrallen, die Barbra Streisand in diesem Film trägt. Ich finde lange Fingernägel schrecklich. Die Geräusche, die sie machen, wenn sie über Stoff fahren, über Kopfhaut kratzen oder auf einer harten Oberfläche trommeln, sind für mich nicht auszuhalten, und noch weniger möchte ich jemals an egal welchem Körperteil von jemandem mit langen Fingernägeln angefasst werden. Ich mag manchmal - an einem entspannten Sonntag Morgen nach einer Ausgehnacht z.B. - ein bisschen Simon&Garfunkel ganz gerne. Mochte, meine ich. Denn vor ein paar Wochen habe ich ein Interview mit Paul Simon im Fernsehen gesehen, der Anlass war das Jubiläum von "Graceland". Seitdem kann ich Simon&Garfunkel nicht mehr ertragen. Paul Simon hat lange Fingernägel. Mag sein, dass die nützlich sind für einen Gitarristen, aber wieso benutzt er kein Plektron wie andere Leute auch? Und müssen sie wirklich SO lang sein? Als ich bei L. eingezogen bin, hat er öfter mal was beim Chinesen schräg gegenüber geholt. Das Essen war billig, köstlich und nicht mit Glutamat überladen. Eines Tages habe ich das Essen selbst abgeholt. An diesem Tag musste L. meine Frühlingsrollen und mein Rind mit Chili und Basilikum essen, denn ich habe leider gesehen, dass der Koch lange Fingernägel hat. Danach habe ich dort nie wieder bestellt. Ich kann und will mir gar nicht vorstellen, was irgendwen reiten könnte, sich Nägel wachsen zu lassen, mit denen man nicht mehr tippen, telefonieren, Lupinen pflanzen oder sich gefahrlos eine Kontaktlinse einsetzen kann. Das muss doch schrecklich sein. Sind die echt oder angeklebt? Oder trägt Barbra die etwa freiwillig, auf eigenen Wunsch und nicht nur in diesem Film, sondern immer? Darüber habe ich nachgedacht, während auf meinem Computerbildschirm eine der angeblich schönsten und traurigsten Liebesgeschichten der Filmgeschichte ihren Lauf nahm. Ich habe gegoogelt. Könnte ja auch sein, dass es die Schuld von Regisseur Sydney Pollack ist, und im Zweifel will ich lieber nicht zu Unrecht etwas Schlechtes von einer anerkannten Schwulenikone denken. Zuerst bin ich darauf gestoßen, dass Sydney Pollack auch "Tootsie" gemacht hat, ein Film, in dem Dustin Hofman lange Fingernägel hat. Au Backe, dachte ich. Dann habe ich gesehen, dass "Jenseits von Afrika" ebenfalls von ihm ist, und ich kann mich nicht erinnern, dass mich damals Meryl Streeps Nägel genervt haben. (Vielleicht hatte ich damals diese Schrulle aber auch noch nicht entwickelt.) Und dann habe ich ein Foto von Barbra Streisand gefunden, ein sehr unvorteilhaftes, auf dem ihre Nägel zwei Zentimeter länger sind als ihre Finger. Das Bild war Teil eines Artikels über die Anforderungen, die sie auf ihren Touren stellt. Sie muss beispielsweise apricotfarbenes Toilettenpapier haben, weil das ihrem Teint schmeichelt. Das ist noch ein vergleichsweise leicht erfüllbarer Wunsch, aber sie setzt ihn mit großem Nachdruck durch und hat noch ungefähr dreißig andere. Jemand, der so drauf ist - das muss ich leider sagen, Schwulenikone hin oder her - dem traue ich ohne weiteres zu, auf langen Nägeln zu bestehen.

Liebe Abkürzungsdamen, da habt ihr Recht, dieser Text hat rein gar nichts mit Abkürzungen oder Adoption zu tun. Heute ist Sonntag! Da mache ich mal blau und kann das sehr empfehlen.

Kommentare:

  1. hahaha, danke für diesen beitrag: ich teile diese aversion und freue mich über erfrischendes jenseits von kinderwunsch und co! guck mal, das hab ich eben gefunden - geht zwar um einen anderen streisand-film, passt aber:
    "The sets, cinematography, and actors offer a wonderful peek at the rise and emotional fall of greatness. However, watching Streisand, you can’t help but start screaming in your mind, “Stop showcasing those fingernails!” In nearly every scene, Barbara waves her fingers around like they have an animated life of their own. I love the film, I appreciate the talent and the story, but the fingernails nearly upstaged her in every scene!"
    einen schönen gemütlichen sonntag und alles liebe: j.

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  2. Jaaaa, das macht sie in dem Film auch ständig! Eine der häufigsten Einstellungen ist Robert Redford mit dem Rücken zur Kamera und Barbra an seinem Hals, mit den Händen auf seinem Rücken, und dann breitet sie gaaanz langsam ihre Finger aus, damit man die Krallen noch besser sieht... oder, auch ganz schlimm, sie fährt sich im Schneckentempo mit einer Kralle erst über die Lippen und dann zwischen die Zähne. IIIIIIGITTT! Dir auch einen Muckelsonntag und Danke für die Wünsche!

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  3. Hallo Flora,

    nur damit du dem Chinesen vielleicht vergeben kannst: Im asiatischen Raum sind lange Fingernägel ein Statussymbol, da dies bedeutet, dass es dem Träger eben solcher gut geht, da er sein Geld nicht mit harter körperlicher oder dreckiger Arbeit verdienen muss sonder irgendwo klimatisiert sitzen darf - und natürlich seine Fingernägel pflegen kann, was in einer chinesischen Kohlemine zum Beispiel gar nicht möglich wäre.
    Also sind wir versatändnisvoll und Haken diese Erfahrung unter "kulturellem Missverständnis ab".

    Alles Liebe von K.

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  4. Liebe K.,

    davon hatte ich auch mal gehört, aber das hier ist ein bisschen so wie Spinnenphobie - und so Recht Du bestimmt hast mit allem, was Du schreibst, das ändert genau so wenig an meinem Ekel vor langen Fingernägeln wie der Hinweis auf die Nützlichkeit von Spinnen an der Spinnenphobie. Tja... ich weiß, dass das unvernünftig ist, aber ich kann nicht dagegen an, egal, ob die Krallen nun an den Fingern eines Chinesen oder einer Amerikanerin sitzen. Liebe Grüße!

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