Samstag, 14. Juli 2012

Und Hopp!

Letzte Woche Donnerstag war es am pummeligen Pony Flora, über das nächste Hindernis in Richtung "Getrappel kleiner Füße erfüllt unser Haus, und ich meine nicht die Füße der Hunde" zu springen: wieder ein Adoptionstermin, diesmal allein. Eigentlich dachte ich ja, dieser Termin wird so ein bisschen wie getrennte Verhöre von zwei Verdächtigen auf der Polizeiwache: ich habe fest damit gerechnet, dass heute unsere Beziehung zerpflückt wird. Verwickeln wir uns in Widersprüche? Ist irgendwo ein Riss in der (offensichtlich nur vorgetäuschten) Fassade, dass hier ein ziemlich glückliches Paar zusammen gerne ein Kind adoptieren würde? Und als ich letzten Donnerstag da vorfuhr, hatte ich zwar die ganze Fahrt gepfiffen, aber das war ungefähr so wie Pfeifen nachts im dunklen Wald, wenn die Wölfe heulen, das Käuzchen ruft und die Äste knacken. Meine Fingerknöchel waren jedenfalls weiß, als ich sie vom Lenkrad gelöst habe. Aber gut, rein da, da müssen wir durch.

Und dann kam das, was bei dieser Adoptionsgeschichte bisher noch jedes Mal passiert ist, ich kann mich nur noch nicht daran gewöhnen: das war nett. Und es ging überhaupt nicht um unsere Beziehung. Der Allein-Termin war dazu da, dass die nette Dame vom Amt sich mit mir in aller Ruhe und Ausführlichkeit und ohne dass der arme L. daneben hockt und sich langweilen muss (der kennt das ja alles schon bis zum Abwinken, so ist das, wenn man eine Quasselstrippe geheiratet hat) über meine Biographie zu sprechen. Die hatte ich ja schon vor dem ersten Termin schriftlich einzureichen, und weil ausdrücklich nicht erwünscht ist, da etwas in der Form "Dufte Kindheit, Schule hat Spaß gemacht, dann Abi und Studium, guter Abschluss, jetzt toller und fordernder Job und happy happy Liebesglück" abzugeben, gab es doch noch einige mit Textmarker angestrichene Stellen, über die zu sprechen war. Aber wieder hatte ich das Gefühl, das ist alles freundlich und wohlwollend und nicht mit dem Ziel, mir am Ende das Wort im Mund herumzudrehen und mich in einen Problemmenschen zu verwandeln, der jedenfalls noch zehn Jahre Therapie vor sich hat, bevor man ihm dann leider kein Kind mehr geben kann, weil inzwischen zu alt.

Nach dem letzten Gespräch hätte ich das ja eigentlich ahnen können. Denn da wurde klar, dass die Schwierigkeit nicht darin besteht, in die Kartei aufgenommen zu werden, sondern darin, dann auch tatsächlich ein Kind zu bekommen.

Und dann sitze ich da und rede und rede und rede, und bevor ich mich umgucken kann, sitze ich auch schon wieder in meinem Auto und kann ein Grinsen nicht unterdrücken und denke die ganze Heimfahrt: ich glaube, die mag mich. Die mag uns. Die denkt, wir wären gute Eltern. Die wird bestimmt dafür sorgen, dass wir ein Kind bekommen. Warum auch nicht? Wir haben nichts dagegen, wenn das Kind nicht frisch aus dem Kreißsaal zu uns kommt. Die Hautfarbe ist uns vollkommen wumpe, und ich hätte das zwar nicht gedacht, aber für viele, viele Adoptionseltern ist das ein Riesenproblem, das Kind einer Prostituierten zu adoptieren - für uns nicht. Das klappt doch, oder? Oder? Sag doch mal, Abkürzungsschutzpatron? (Du hast jetzt jahrelang auf der faulen Haut gelegen, was mich betrifft, nun zeig mal, dass Du überhaupt noch lebst.) Und dann will ich schon wieder gegensteuern: genau dieses Gefühl, mein Gänseblümchen, hattest du bisher fast jedes Mal, wenn Du nach einer Rückübertragung aus der Praxis geschwebt bist. Und da ist er wieder: der Klassiker unter den inneren Dialogen einer Abkürzungsdame.
"Ich glaube, das klappt."
"Flieg nicht zu hoch, mein kinderloser Freund."
"Wieso denn nicht? Verdammt noch mal?"
"Schätzelein, das braucht keinen Grund, um nicht zu klappen. Es könnte einfach ganz banal nicht klappen, Erklärungen werden nicht gegeben."
"Ich finde, diesmal sind wir dran."
"Das finde ich auch, aber uns fragt hier ja keiner."
"Du wirst sehen, dieses Jahr zu W..."
"Bitte, bitte, bitte nicht wieder die Nummer mit 'dieses Jahr zu Weihnachten haben wir ein Baby'. Jetzt komm."
"Weißt du was, kursive innere Stimme? Ich fahr hier kurz rechts ran, und den Rest des Weges fährst du mit der Bahn."

Und das war also mein Donnerstag letzte Woche.

Kommentare:

  1. ich drück euch die daumen :)

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  2. Hallo meine Liebe,
    wie läuft das, hat L dann auch einen Alleintermin?
    Bei uns wurd das gemeinsam gemacht, da wurd aber nicht über den Bogen gesprochen sondern ganz allgemein mussten wir erzählen was die uns grad gefragt hat, so konnte auch keiner dem anderen sagen, die hat mich das und das gefragt und fragt sie dich sicher auch usw....
    Ist schon komisch, wir wohnen alle in einem Land und von Stadt zu Stadt machen die so unterschiede. Bei uns dauert das Verfahren mehr als 1 Jahr wir haben allein einen Vorbereitungskurs, der dauert 6-7 Monate. Mit mir haben auch 2 andere einen Antrag gestellt, die sind nun schon seit 2 Monaten auf der Warteliste, die hatten nur kurze Gespräche und können nun abwarten. Drück euch weiter die Daumen

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  3. Hallo zurück, ja, L. war eine Woche später dran. Auch mit ihm wurde die Biographie noch mal durchgekaut. Bei uns dauert das Verfahren so um die vier Monate, würde ich denken - vermutlich hängt es auch vom Andrang ab. Aber dann beginnt das Warten. Ich drück euch auch die Daumen!

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  4. Liebe flora,
    nur als kleine vorwarnung, wenn die gespräche vorbei sind und der adoptionsantrag durch ist, dann ist das natürlich ein gewaltiger schritt in richtung familienglück, aber die echte herausforderung kommt erst danach.
    und zwar: WARTEN!!!

    Wir warten seit 1,5 jahren...das war in den letzten monaten für mich noch schlimmer, als alles davor, weil man ja GAR NIX aktiv tun kann. man ist gewzungen abzuwarten zu vertrauen und daran zu glauben, dass es auf diesem wegen klappen wird/soll. keine ablenkung mit spritzen oder pillen, ultarschall-terminen und bluttests... so sehr ich es gehaßt habe, man hatte wenigstens das gefühl aktiv etwas für seinen traum tun zu können.
    Vorhin rief die dame vom jugendamt an, sie wolle mit uns entwas besprechen....sie habe einen vorschlag zu machen! BAMMMMM!!!
    was genau erfahren wir am 1.8. WAHHHHHHH!!!

    Grüsse!
    MIMI

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  5. Liebe Mimi, wie unfassbar aufregend, schön, großartig und unglaublich! Ich drück die Daumen für den 1.8., bitte bitte sag Bescheid, wie es weiterging!
    Ganz zittrige Grüße, Flora

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  6. Ich schau gerade zum ersten mal vorbei (habe dein Eiertanz-Buch vor mir) und frage mich, ob sich hier viele Damen rumtummeln, die in Hamburg auf der adoptionswarteliste stehen. Mein Mann und ich warten seit einem halben Jahr und es wär so schön, mal auf Gleichgesinnte zu treffen, weil irgendwie gerade JEDE um mich herum schwanger ist...

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  7. ...Piep! Auch aus Hamburg! Wir sind aber noch ganz am Anfang und fern ab von jeder Warteliste.

    Schwangere... oh ja, überall!

    Gruß Karo

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